Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Ein ganzer Haufen…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Fruchtiges,Solifloral am 27.09.2012

neue Cologne-Proben aus dem Hause Atelier Cologne liegt vor mir. Ambre Nue, den vorvorletzten, wollte ich Euch schon lange vorstellen – er harrte einer Rezension in der Rubrik „Die Vergessenen“. Da aktuell aber gerade zwei neue Düfte lanciert wurden, Vétiver Fatal und Rose Anonyme, habe ich mich dazu entschlossen, Euch gleich alle drei auf einmal vorzustellen. Heute also ein Atelier Cologne-Special – viel Spaß damit!

Ambre Nue, mit dem ich beginnen mag, ist irgendeiner mysteriösen Blume gewidmet, genauer: der Nigritella Rubra, dem Kohlröschen. Dieses wächst auf „alpinen Magerrasen“ (schönes Wort, gell?) und ist ein höchst mimosenhaftes Gewächs: Es reagiert auf jede Veränderung der Böden, auf Düngung oder ähnliches und trollt sich dann umgehend, was zum Ergebnis hat, dass es extrem selten ist und unter Naturschutz steht. Die Pflanze gehört zu der Familie der Orchideen, einige ihrer Vertreter wurde erst gegen Ende des letzten Jahrtausends entdeckt. Atelier Cologne müssen bei einer Wanderung, einer Bergbesteigung, bei was auch immer über jenes kleine rote Blütchen gestolpert sein:

“We were staying in the mountains when we met them. She told us about a mysterious flower. He told us where we might find it. The next morning, near the top of the crest, in a moment, a scent seduced us. It was so unexpected and magical: a single flower capturing the wildest ambery bouquet.”

Was sich hier ein bisschen liest wie die ewige Suche der Romantiker nach ihrer blauen Blume hat auf die Leutchen von Atelier Cologne wohl ebenfalls einen tiefen Eindruck hinterlassen – so tief, dass man gleich einen Duft daraus schnitzte. Ob jetzt wirklich diese Blüte drin ist wie angegeben? Sie steht in jedem Falle unter Naturschutz, eigentlich bezweifle ich das deshalb. Veri- oder falsifizieren kann ich es ohnehin nicht, da ich nicht den geringsten Schimmer habe, wie ein Kohlröschen so riecht – ich hoffe anders als meine erste Assoziation bei dem Namen…

Atelier Colognes Ambre Nue ist… ein leichter und sehr fein gestrickter, ambriert wirkender Harzduft, etwas, dass es sehr wenig gibt. Mir mag dazu im Moment nur L’Artisan Parfumeurs L’Eau d’Ambre einfallen… Auf meiner Haut ist Ambre Nue ein Amberhauch mit einer sehr guten Sillage, der vornehmlich durch seine von Zimt bestäubten Mandarinen meinem Näschen schmeichelt. Zarte, holzig-trocken-süße florale Akzente balancieren mit den Hesperiden zimtüberstäubt auf einer federleichten harzigen Basis mit wärmenden Vanilleanklängen. Das dürfte für Harz- und Ambraliebhaber ein Fest sein!

Rose Anonyme und Vétiver Fatal sind die beiden Neuen von Atelier Cologne – und mit Jérôme Epinette hat man sich auf eine altbewährte und sehr gute Nase gesucht. Epinette war bereits für einige der anderen Düfte verantwortlich und ist der Parfumeur, der uns einen Großteil der Byredo-Düfte sowie einige (der alten) Jovoys bescherte. Mit Rose Anonyme und Vétiver Fatal ist man nun auch ein wenig auf den Oudzug aufgesprungen, der schon seit Jahren seine Spuren in der Parfumbranche hinterlässt. Und man hat das Duftduo in eine Geschichte um eine Meisterdiebin gepackt, die einen spektakulären Diamantendiebstahl begangen hat und von einem Agenten gejagt wird – das Katz- und Mausspiel kann beginnen… Fangen wir einmal mit der Lady an, der anonymen Rose:

„She turned the dial until the safe opened, revealing the diamond. She had stolen jewels before, but none compared with this one. She left a single rose and the scent of her perfume in its place for him to find. In a moment she’d be halfway around the world and he would be in pursuit. The chase began again…“

Im Auftakt rieche ich ihn sofort: Den herb-fruchtig-trockenen Ingwer, den ich so sehr liebe, von funkelnden Bergamottesternchen beschienen und in leidenschaftlicher Umarmung mit einer dunklen, samtigen Rose, deren fruchtige Facetten er auf das Vorzüglichste zu unterstreichen vermag. So verliebt ist das Paar, eingehüllt in einen zarten rauchigen Schleier aus Weihrauch und Oud. Immer wieder blitzt meines Erachtens nach das Verlangen der beiden hindurch, ich schnuppere klitzekleine animalische Anleihen, die, kaum wahrgenommen auch schon wieder verschwunden sind. Abgerundet wird das Ganze mit einer vertraut wirkenden Harzwärme, samtig, ein wenig spröde, trocken und leise glimmend.

Eine schöne, eher leichtere Oudrose. Ich weiß, es gibt viele davon. Ich teste Oudrosen und, ganz im Allgemeinen: Ouddüfte trotzdem nach wie vor sehr gerne – und diese hier ist sicher kein Verlust. Wenn man schon zig Oudrosen zu Hause hat weiß ich nicht, ob man sie auch noch braucht. Aber als leichtere Vertreterin ihrer Gattung, der eine Art Ambivalenz anhaftet, weil sie eben zugleich luzide als auch düster erscheint, ist sie in jedem Fall einen Test wert und wird auch ihre(n) Liebhaber finden. Apropos Liebhaber: Ich bin mir sicher, dass sie an dem richtigen Mann auch sehr gut zur Geltung kommen dürfte.

Über Vétiver Fatal gibt es Folgendes zu lesen:

„He was alerted immediately and called on the case, another diamond stolen mysteriously. The moment he opened the dossier, a smile sparked in his deep eyes as he recognized her signature mark. He took one of his passports, burned the file and began the pursuit. This time she wouldn’t get away…“

Ein Vetiverduft, aber einer, der interessant zu werden verspricht: Im Auftakt – ok, die üblichen Verdächtigen, die sich eben sehr gut dazu eignen, mit Vetiver kombiniert zu werden: Bergamotte, Bitterorange, Zitrone und ein paar Orangenblüten. Hesperiden und Vetiver geht eben immer. Vor allem Bitterorange zeigt sich auf meiner Haut überaus präsent, weniger prickelnd als vielmehr nachhaltig leuchtend. Und in diesem Licht erstrahlt weniger später nicht nur der Protagonist Vetiver, sondern eine dunkelviolette Schönheit – eine Pflaume. Vetiver und Pflaume gehen hervorragend zusammen und ergeben eine mehr als koketten Mischung, wie uns bereits Lubins Figaro lehrte. Vétiver Fatal ist weniger frisch als der Figaro, weniger spritzig-dynamisch, was ich hier sehr schön finde. Zeder zeigt sich hier sauber, das heißt dem Duft wohnt eine eine Sauberkeit inne, die von den Zitrusfrüchten beleuchtet wird. Frisch wirkt das ganze Geschehen deshalb nicht, sondern gleißend-fruchtig. Und dazu wiederum harmoniert das rauchige, leicht medizinische Oud perfekt – ähnlich wie zum Beispiel bei Jo Malones Oud & Bergamot Cologne. Überhaupt – es sollten mehr Oud-Frucht-Interpretationen, gelungene, auf den Markt kommen, wirklich! Mir gefällt der Agent hier sehr gut.

Und wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr schon getestet, seid Ihr neugierig geworden?

Wem jetzt mal wieder nach einem hübschen Abenteuerfilm in opulent-historischem Setting ist, welcher sich um Meisterdiebe dreht, der möge sich einmal näher mit Arsène Lupin beschäftigen: Schon etwas älter, macht aber immer wieder Spaß!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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