Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Von Schwertern & Samurai – Atelier Flou die Zweite.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Holziges am 19.01.2012

Gestern hatte ich mit dem ersten Duft der neuen Atelier Flou-Kollektion begonnen – da das eine Dame war, kommt heute ein Mann an die Reihe, damit sich jene nicht allzu benachteiligt fühlen. An Herrendüften stehen diese Woche von Atelier Flou Katana, Black Purple, Eau d’Aviateur und Monsieur mon Amour auf dem Programm – meine heutige Aufmerksamkeit möchte ich auf den ersten Kandidaten lenken.

Für den Namen von Katana stand ein Schwert Pate, und zwar ein ganz besonderes: Während man heute im Japanischen den Begriff wohl generell für Schwert verwendet, ist eigentlich ein spezielles japanisches Langschwert gemeint, das früher vornehmlich von Samurai verwendet wurde. Es handelt sich hierbei um ein geschwungenes Schwert mit einseitiger Klinge, das im Gegensatz zu vielen anderen Schwertern zweihändig geführt wird. Und, nicht wirklich wichtig, aber vielleicht ganz interessant – es ist nicht das Schwert, mit dem traditioneller Weise der in unseren Breitengraden als Harakiri bezeichnete Seppuku begangen wird. Dafür nimmt man ein Wakizashi, das meist speziell für diesen Anlass mitgeführt wird. Was viele aber nicht wissen, ist, dass man sich bei dieser Suizidform von einer weiteren Person unterstützt, für die es als große Ehre gilt, einem den werten Schädel abzuhacken, bevor es zu unmenschlich wird mit den Schmerzen – und exakt dieser Akt der Würde und Gnade wird klassisch mit einem Katana vollzogen.

Samurai – da stoßen Atelier Flou aber eine Tür auf… Dieser alte japanische Kriegeradel, der neben den Ninja zu den berühmt-berüchtigsten Gestalten des alten Japans zählt. Im Gegensatz zu den Ninja, denen nachgesagt wird, dass sie Spione und Meuchelmörder waren, ist die Existenz und das Leben der Samurai historisch sehr gut belegt und gesichert. Waren sie ursprünglich nur Soldaten im Dienste des Kaisers und des Adels, stiegen sie mit der Errichtung einer Militäraristokratie (Shōgunat) in die regierende Schicht auf. In der Edo-Periode wurde mit William Adams Anfang des 17. Jahrhunderts sogar ein Europäer, der erste, in den Samurai-Stand erhoben.

Auch Carons Herrenduft Yataganhier von Harmen rezensiert – flößt schon Respekt ein mittels seines Namenspaten, dem osmanischen Säbel. Ein Samurai-Schwert allerdings macht schon mehr her – vor allem, wenn man so viele Martial Arts-Filme gesehen hat wie ich. Martial Arts haben ihren Ursprung nämlich bei den Samurai – wenig verwunderlich, dass Samurai ein großes Thema in derlei Filmen sind, und zwar bereits seit den 20er Jahren. Die Samurai sowie die japanischen Filme über diese Kriegerkaste inspirierten auch viele Regisseure jener heute als Klassiker geltenden Western wie zum Beispiel Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar. Absolut zu Recht, zählt doch beispielsweise Akira Kurosawa Kritikern zu den weltweit einflussreichsten Regisseuren.

Hier ein Ausschnitt aus seinem 1957 entstandenen Meisterwerk „Throne of Blood“, auch „Spider Web Castle“ genannt, das eine abgewandelte Interpretation von Shakespeares MacBeth darstellt – jede Menge Samurais, meine Lieben!

Aber kommen wir wieder zurück zum Duft – ich hoffe, er enttäuscht meine durchaus gewichtigen Vorstellungen nicht…

“Strong, Powerful, The sun of the East. Much personality and sensuality in this fragrance inspired by the sharp edge of the saber of the Samurai. It takes risks by associating attars of cypress of Italy, coriander of Russia and cardamom of Guatemala for a unique harmony of strength and excellence. Power.”

Als kraftstrotzend und viril wird er beschrieben, mit ausgeprägter Persönlichkeit – nichts anderes erwarte ich von einem so benannten Duft, aber das werdet Ihr bereits vermutet haben ;)

Kühl weht er mir entgegen – holzig-ernste Zypresse und fruchtig-samtener Wacholder, eine nahezu ideale Kombination. Und viel mehr braucht es hier auch nicht: Kardamom gesellt sich in grüner Frische hinzu, Koriander würzt sanft und als Träger fungiert ein weicher Moschus, während dem Ganzen von Patchouli Tiefe eingehaucht wird. Ein stolzer Krieger, der seinen Idealen folgt – und auch meinen, erinnert er mich doch ein wenig an meinen heißgeliebten (neuen) Sycomore von Chanel. Zentrale Duftnoten sind gleich, nämlich Wacholder und Zypresse, bei Sycomore dominiert allerdings salzig-grasiger Vetiver, während dieser Krieger hier auch sanfte Seiten zeigt – eine distanziert-kühle Süße und Weichheit legt er an den Tag, der Knabe, und weiß damit durchaus zu verzücken.

Mal sehen, ob ich das auch von den anderen Atelier Flouschen Männern behaupten kann…

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Obata Toshishiro, Shinkendo-Gründer, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Maison de Haute Parfumerie à Paris…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gourmand,Krautiges am 18.01.2012

… ist der vielsagende und wohlklingende Zusatz der neuen Nischenduftmarke Atelier Flou, welche in der zweiten Hälfte des Jahres 2011 auf einmal „aufpoppte“ und gleich mit acht Düften aufzuwarten vermochte.

Was oder vielmehr wer verbirgt sich dahinter? Ein Herr namens Jean‐François Cabos, dem der konventionelle Parfummarkt nicht viel bieten konnte und der als begeisterter Duftfan deshalb beschloss, sich auf das typisch französische Traditionshandwerk der Parfumeurskunst zu besinnen und seine Düfte einfach gleich selbst zu kreieren, vielmehr – kreieren zu lassen. Und zwar von Jacques Chabert, über den man nicht allzu viel findet, dem man aber Lentisque von Parfums 06130 nachsagt – ein zu Unrecht vollkommen unterschätzter Duft. Und bei Chanel und Guerlain soll er tätig gewesen sein – eine große Vergangenheit in großen Häusern, die auch Cabos, der Firmengründer von Atelier Flou, vorzuweisen hat: Er war Managing Director bei Balenciaga, bis diese von Gucci aufgekauft wurden. Chabert und Cabos kannten sich seit Jahren, was vermutlich auch die ungewöhnliche Art und Weise der Briefings für die Düfte möglich machte: Cabos zeigte Chabert dafür Zeichnungen, Texte, Bilder und Gedichte, und nach fünf Jahren enger Zusammenarbeit war man am Ziel angekommen: Acht Düfte, ganz gerecht vier für die Frauenwelt und vier für die Herren der Schöpfung, waren als Ergebnis emsiger Arbeit entstanden. Und diese trägt ihre Früchte: Das Feedback war exzellent, auch Kollegen äußern sich überaus wohlwollend.

Roja Dove, Duftexperte bei Harrods und selbst Parfumeur, tat Folgendes kund:„Jacques Chabert, das kreative Genie hinter einigen großen Klassikern, verbündete sich mit Jean‐François Cabos, um ein überwältigendes neues Dufthaus zu gründen – Atelier Flou ist zweifelsohne die neue Haute Parfumerie.“

Haute Couture mag ich, Haute Parfumerie natürlich auch – so stürze ich mich nun als altes Trüffelschwein für Euch ins olfaktorische Getümmel, immer auf der Suche nach einem neuen Holy Grail…

Beginnen wir mit den Damen, das lässt mir gleich Luft für eine Beichte: Ten Nine, Paradis Paradis, Shamsin und Sloane Rose heißen die Düfte – letzteren muss ich leider später nachliefern, zum Zeitpunkt des Schreibens meiner Rezension war leider kein Muster für mich verfügbar.

Ten Nine wird so charakterisiert:

„Greedy, Careless, Devouring the life with full teeth. The explosion of a splendid fruit cocktail, with the irresistible aroma of the chocolate and the refreshing touch of the so smart green tea underlined by a voluptuous attar of carvi of Hungary for this fragrance which tastes like a magic moment of life fully crunched. Greedy pleasure.“

Früchte, ehrlich? Soviel Frucht vermag ich hier nicht zu entdecken, das stört mich aber auch nicht weiter: Beeren finde ich, wenn ich mich bemühe, in allererster Linie aber zauberhaft kakao-pudrige Schokoladenanklänge, die zimtig anmutenden Harzen sanft-würzig unterstrichen werden. Eine Prise Kümmel, auf dem Teststreifen sehr viel deutlicher zu erkennen als auf meiner Haut, ein paar Zitronensternchen leuchten am Rand den Weg, der über verhalten krautig-ernste Akzente (Lavendel!) in eine deliziös-ambrierte Basis führt.

Die Diskrepanz zwischen Teststreifen und Haut ist frappierend: Der Teststreifen zeigt sich frischer, offeriert Kräuter und somit Gartenimpressionen, von After-Eight-Leckereien versüßt. Auf meiner Haut kommt das alles weniger zum Tragen und es dominiert eine trockene Wärme, die mit allen möglichen Schokoladenfacetten und -nuancen brilliert. Ein eigener Test, der ja ohnehin immer angeraten wird, ist hier unerlässlich.

In jedem Falle scheint mir das ein schöner Einstieg gewesen zu sein – ich bin gespannt, was uns diese Woche mit Atelier Flou noch erwartet!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Various Chocolate Types von Fir0002/Flagstaffotos, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Vergessenen: de Cosac & Il Profumo.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Grünes,Holziges,Solifloral am 17.01.2012

Die Rezension von Herrn Zoltys À bientôt dieser Tage hat mich an ein lange gehegtes Versprechen erinnert, das ich heute endlich einlösen möchte: Ein wirklich Vergessener, lange Vergessener und absolut zu Unrecht vergessener Duft – extra für die liebe Christiane, Simone Cosac, Perle de Bianca. Ende 2010 hatte ich von Trama geschwärmt und verkündet, mich bald des anderen Cosac-Duftes anzunehmen, was bis heute noch nicht passiert ist, Asche auf mein Haupt. Dabei ist Perle de Bianca, dessen etwas tiffiges Outfit wohl einige abschrecken dürfte, jede Rezension wert! Wer einen madamigen Duft hinter diesem Flakon vermutet, ist vollkommen auf dem Holzweg: Perle de Bianca ist eigentlich ein sehr einfacher Duft und ähnelt ein bisschen der Slowfood-Bewegung. Die Ingredienzen sind überschaubar, sehr sogar – Neroli im Kopf, Iris, Jasmin und Brombeere im Herzen und eine Basis aus Ambra, Moschus und Weihrauch. Was sich wenig spektakulär anhört, entpuppt sich als zarter sinnlicher Duft: Im Auftakt zitrisch-herb und säuerlich bitzelnd durch die Früchtchen rieche ich in deren Zusammenspiel sogar kurz eine Stachelbeere und dezente grün-grasige Akzente. Der Fokus geht alsbald auf den Boden unter den Früchtchen – erdig-pudrig wurzelt Iris und stiftet Seidenweiche, während Jasmin zart vor sich hin knospt. Das Zusammenspiel von Iris und Jasmin sowie Brombeere und Bergamotte ist himmlisch und wird auf gekonnte Weise untermalt von aromatischer, brusterweiternder und fein-süßer Myrrhe, bis es auf einem warm-weichen Lager Ruhe findet. Ein erlesen schöner, leiser, femininer Duft.

Silvana Casoli von Il Profumo war einmal mehr überaus fleißig – und hat ihre Kollektion gleich um vier neue Düfte erweitert: Santal Rouge, Songe de Tulipe, Blanche Jacinthe und Fleur de Bambù erwecken den Eindruck, als künden sie vom nahenden Frühling – auf den ich, obgleich es noch nicht einmal wirklich verschneiter Winter war, mittlerweile schon wieder Lust hätte…

Santal Rouge überrascht mit zitrischen Noten im Kopf, die alsbald von Unterholz eingeholt werden: Samtiges Sandelholz bahnt sich seinen Weg, von zimtig-würzigen Anklängen samt einer Gewürznelke begleitet. Eine dezent-säuerliche Frucht vermag ich zu entdecken, Johannisbeere? Ein Blick auf die Ingredienzen sagt mir, dass das möglich wäre: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Rote Beeren, Sandelholz, Nelke; Basisnote: Rosenholz, Gewürznelke.

Santal Rouge entfaltet einen eigenartigen Reiz: Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich kein ausgeprägter Sandelholzfan bin? Es erinnert mich allzu oft an Herrenfriseure, Rasierwasser und ähnliches – nicht unangenehm, aber nicht unbedingt das, wonach es mich zu duften gelüstet. Santal Rouge haftet auch etwas dieses, ich nenne es mal „Altherrencharmes“ an, der sich aber als fast unumgänglich bei dieser Ingredienz entpuppt. Gepaart und aufgelockert zeigt sich das Hölzchen allerdings von den säuerlich-prickelnden Fruchtnoten von Beeren und Hesperiden. Diese generieren eine eigentümliche Frische, die Santal Rouge unbestritten zu einem zeitgemäßen Vertreter seiner Gattung machen, für Männlein wie Weiblein gleichermaßen tragbar.

Songe de Tulipe zaubert mir beim Aufsprühen sofort ein strahlendes Lächeln ins Gesicht – und lange habe ich überlegt, an was er mich erinnert… Der Tulpe ist er gewidmet, der Duft. Einen ebensolchen und sehr schönen Vertreter gibt es ja von Byredo – Casolis Tulpe ist aber anders: Weniger wässrig-transparent und ein bisschen… fruchtiger? Als Ingredienz ist nur die Tulpe angegeben, ich bin mir aber nahezu sicher, dass Songe de Tulipe auf meiner Haut nicht nur süß-floral duftet und feucht, sondern auch nach… Sorbet. Da ist sie, die Kindheitserinnerung an das kleine, pittoreske italienische Eiscafé. Der Duft von einem exzellenten zart-schmelzenden Beerensorbet, Himbeere oder Erdbeere, erobert meine Nase. Von sanfter Süße und mit einem Keks garniert zeigt sich Songe de Tulipe auf meiner Haut, alsbald eingeholt von einem Hauch minzig-süßer Frische. Welch schöner Frühlingsbegleiter – nach Coquelicot meine zweite Lieblings-Il-Profumo-Blume.

Blanche Jacinthe ist eine Hommage an die Wasserhyazinthe – und riecht dafür auch ganz typisch: Dieser besondere Blütenduft, der auf seine ihm genuine Art einen Großteil der Elemente miteinander verschmelzen lässt: Wasser, Erde und Luft finden sich, während auf das Feuer zugunsten des Metalls verzichtet wird. Eine beschwingte Blütensüße wird von dunkelgrün-chypriertem Blattwerk kontrastiert, während der Duft von einer sachte ambrierten Moschusbasis getragen wird.

Fleur de Bambù lässt mich sofort schmunzeln – der Bambusblüte gewidmet, vereint er etliche Zutaten, die man in einem solchen Duft vermuten würde: Rica Rica (ein Eisenkrautgewächs, vornehmlich in Südamerika beheimatet), Bambus, Seerose, Lotosblüte, Reis, Milch und Efeu. Jene für die verwendeten Blüten so typische wässsrig-florale Aura lässt sich sofort entdecken, von fein-transparenter Süße begleitet. Grüne Anklänge, hinter denen ich sogar meine, zeitweise eine überaus unreife Banane oder vielmehr deren Blätter wahrzunehmen. Und Reis, vielmehr – Milchreis, der irgendwo am Rande dieser Impression körnt und cremt, von sanft-koketter Süße begleitet. Aber keine Angst – genügend Sauberkeit findet sich hier natürlich auch, wie es sich für einen Bambusduft gehört. Für Freunde dieser Sorte Düfte empfiehlt sich mit Sicherheit ein Test.

Wie bei Il Profumo üblich sind die Düfte zum Layern empfohlen. Wie steht Ihr eigentlich dazu? Il Profumo ist ja nicht die einzige Firma, die diesem Konzept frönt, Jo Malone und Etro sind ebenfalls bekannt dafür, um nur einige zu nennen… Layert Ihr gerne? Layert Ihr viel? Was layert Ihr – Düfte, die speziell dafür gedacht sind oder alles kreuz und quer? Und – was für Kombinationen haben es Euch angetan?

Gespannte Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Gelbe Tulpen von Warburg, August Macke (1911): Hyazinthen, some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Knize Sec und Knize Ten – zwei ungleiche Brüder

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Leder,Tabak & Rauchiges am 16.01.2012

Bereits im März 2010 schrieb Uli über diverse Lederdüfte, unter denen auch Knizes legendärer Duft “Ten” zu finden war. Dieser Duft harrt schon lange in meiner Probensammlung aus, um heute endlich einmal getestet zu werden. Aber der Duft, der heute eigentlich im Rampenlicht steht, ist “Sec“.

Zuerst möchte ich mir ein Bild von “Ten” machen, welcher nach der “+10″, dem besten Handicap im Polo-Sport benannt wurde. Ich bin sehr erstaunt, wie extrem dieser Duft von anderen wahrgenommen wird, manche sprechen von Scheuermitteln oder Aschenbecher…ich habe einen sehr viel runderen Eindruck: Kurz nach dem Aufsprühen zeigen sich die zitrischen Noten kurz aber heftig – ich würde hier fast auf eine kräftige Orange tippen, um daraufhin, wohlgesittet in den Hintergrund zu treten. Die vertretenen Hölzer sind deutlich vorhanden und dominieren den Duft im Herzen und werden von leicht floralen Noten – hier nehme ich die Rose wahr – und würzigen Noten gesäumt. Ich hätte fast geschrieben, dass ich das Leder hier gar nicht herausbekomme. Aber etwas Geduld ist gefragt. Man muss der Basis durchaus einige Zeit geben, um die Lederassoziation zu entwickeln, kein Lederkracher à la TauersLonestar Memories“, sehr viel subtiler. Ein weicher, zurückhaltender Lederduft, der vermutlich von Vanille, Ambra und Moschus seine Weichheit bezieht. Aber damit keine Missverständnisse aufkommen: der gesamte Duft ist sehr kultiviert, nichts Lautes oder Aufdringliches ist zu vernehmen. Mir sind ja mittlerweile so einige Herrendüfte im Zeichen des britischen Understatements untergekommen. Dieser gehört auch dazu, besitzt aber eine wärmere Seele und ein nicht ganz so aristokratisches Auftreten. Ich bin wirklich begeistert und merke ihn mir definitiv für einen Kauf vor. Übrigens unbedingt auf der Haut testen!

Nun aber endlich zu Knize “Sec”, der nach diesem Glanzlicht einen wirklich schweren Stand haben müsste. Aber auch hier bin ich sofort begeistert. Willkommen zurück in der Lavendelserie! Kräftige zitrische Noten verbinden sich mit einem wirklich krautig daherkommenden Lavendel, der mich vielleicht durch die Salbeinoten stark an Patchouli erinnert. Ich kann mir nicht helfen, es muss definitiv noch Weihrauch genannt werden und vielleicht fehlt ebenso einfach auch der Patchouli in den Noten. Im direkten Vergleich nimmt sich “Sec” als geradeaus, wild, ungestüm und trocken aus, eine klare Ansage, wo sich doch “Ten” sehr viel kultivierter zeigt. Ich mag ihn aber trotzdem und möchte ihn allen Weihrauch-Fans wärmstens ans Herz legen. “Ten” hätte ich eher in die Männerkiste gesteckt, wogegen “Sec” durchaus für diejenigen Damen geeignet ist, die auch nicht vor Comme des GarçonsWeihrauch-Serie zurückschrecken, im Gegenteil, diese sollten bei “Sec” unbedingt einmal hineinschnuppern.

Die Duftnoten: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Salbei, Lavendel; Basisnote: Hölzer, Weißer Moschus

Ich bin sehr angenehm überrascht über die beiden Knize-Düfte und werde auch hier dranbleiben. Ich denke ein weiteres Stöbern sollte sich in jedem Fall lohnen.
Was meint Ihr zu den beiden? Diskutiert Ihr auch so kontrovers wie man in vielen Foren nachlesen kann?

Duftend grüßt Euch
Harmen

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Andrea Maacks duftende Kunstwerke – Teil 3.

Geschrieben in Duft,Leder,Solifloral am 13.01.2012

Island war diese Woche Thema, und zwar mit der Duftkollektion von Andrea Maack, deren letzte zwei Düfte heute an der Reihe sind – Silk und Dark, unterschiedlicher kann es auf den ersten Blick kaum werden.

„Silk feels like a delicate fabric touching the skin. Drawing inspiration from original hand-drawn prints, it is a scent of timeless luxury, paying tribute to French fashion houses with a heritage of silk scarves. The idea of Silk is to enhance the feeling of wearing a perfume – its powdery, airy, earthy, leathery aura makes you imagine a silky smoothness caressing your neck.“

Eine Hommage an die französischen Modehäuser mit ihren Seidenschals – gemeint ist hier sicher vor allem auch Hermès. Aber keine Angst, so klassisch geht es bei Andrea Maack nicht zu. Auf den ersten Blick ist es gar nicht das, was ich mir unter Seide vorstelle – Seide, das war in meiner Assoziation etwas, nun ja, Leichtes, das den Spagat zwischen warm und kühl spielend ausbalanciert. Silk mit seinen Ingredienzen zielt irgendwie in eine ganz andere Ecke: Veilchenblätter, Freesien, Limettenbaum, Leinen, Magnolie, Labdanum, „Erde“, Papyrus, Vanille, Ambra.

Agrumenschalen, aquatisch-wässrige Blüten, von einer eigentümlichen fruchtigen Süße begleitet. Sauber wird es dann, frisch ist es ohnehin schon und bleibt es auch. Und grasig-grün. Lange versenke ich meine Nase in dem Duft – um schlussendlich darauf zu kommen: Für mich riecht Silk mittig nach blühendem Klee, und zwar blühendem weißem Klee, den man mitsamt seiner erdigen Wurzel aus dem Erdreich pflückt.

Je länger ich mich mit dem Duft beschäftige, desto besser kann ich verstehen, was Maack damit meint und kann ihre Seidenassoziation nachvollziehen – nur gelb muss er für mich sein, der Seidenschal, mit weißer Musterung, vielleicht weißen Polkadots? Denn Gelb ist die Farbe, die ich mit Silk assoziiere.

Dark beschwört, wie der Name vermuten lässt, vermutlich andere Bilder herauf:

„Dark is heavily oxidized rose mixed with violets and leather. Its a take on the classic rose note, a bloody, flowery, leathery, seductive perfume with a purpose. The heavy metallic note in the scent brings an unexpected surprise while its animalistic and powdery side suggests certain comfort both reassuring and protective. Dark is a scent with a mind of its own, and it can take you to places you never dreamed of going.“

Plätze, von denen ich nie gewagt hatte zu träumen? Schon wieder große Versprechen, Frau Maack – schauen wir, ob Dark sie einzulösen vermag.

Dark ist – eindrucksvoll. Wuchtig. Voluminös. Raumgreifend. Extrem. Und auch hier fällt man, falle ich über die eigenen klischeebeladenen oder, freundlicher: empirisch erschlossenen Vorurteile: Düster in Kombination mit Rose hätte ich mir anders vorgestellt – zumindest wären die ersten Gedanken in eine andere Richtung gewandert. Montales Oudrosen wären mir in den Sinn gekommen, mit denen Dark so gar keine Ähnlichkeit besitzt. Von zitrisch-säuerlicher Gewalt zeigt sich Dark in der Kopfnote, ein überschäumendes Temperament, dass er da an den Tag legt, von Pfefferkörnern kokett kontrastiert. Durchdringend sind sie, die Hesperiden, und lassen auch im späteren Duftverlauf nicht von meiner Nase ab. Den Apfel, den grünen, entdecke ich ebenfalls, sich vornehm hinter der Agrumenfront zurückhaltend. Und eine Rose, groß und beeindruckend, strahlend. Mit metallischen Noten, luzide und durch und durch kühl, scharf, dornig.

Die metallische Rose erinnert mich an Clemency von Humiecki & Graef sowie Rossy de Palmas Eau de Protection von État Libre d’Orange. Der Duft in seiner Gesamtheit duldet allerdings keine Vergleiche, einzig einen möchte ich einwerfen, einen entfernten: Rose Noir von Byredo. Ebenfalls von einer kraftvollen suggestiven Präsenz erschließt sich auch hier die Finsternis-Assoziation erst auf den zweiten Blick, dann aber in voller Größe.

Eigenartig, sonderbar und bemerkenswert sind sie, die Düfte von Andrea Maack. Und haben damit bei mir schon wieder voll ins Schwarze getroffen, auch oder gerade weil ich einige Anläufe brauchte. Und bei Euch, wie sieht es aus meine Lieben, schon probiert, schon infiziert?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Coloured Stripes von kodakgold/Samuel Rosa, White clover von speedy2/Jef Bettens, Ausbruch des Geysir Strokkur in Island von Andreas Tille, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 13.01.2012

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete wollen sich zu Euch auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns bis Sonntag 24.00 eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Christian S., Ercan B., Elke H., Annelie M., und Alina S. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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Andrea Maacks duftende Kunstwerke – Teil 2.

Geschrieben in Duft,Holziges am 12.01.2012

Die Isländer sind ein sehr unterhaltsames Völkchen – umso mehr freue ich mich, dass dieser Tage auch eine isländische Parfumkollektion in unserem Shop landete, die einzige, die ich bisher kenne und die ich Euch dieser Tage vorstellen mag.

Gestern hatte ich bereits mit Smart begonnen, dem ersten Duft aus der Kollektion der Künstlerin Andrea Maack, heute geht es mit Craft und Sharp weiter.

„Craft stands for Couture Art, drawing heavily on the originality of artists. This scent was created for a museum show to enhance the experience of a unique work of art, a hand made sculptural dress made from original pencil drawings. With Craft, you can feel the concentration, the charcoal colliding with paper and the sheer perseverance of the artist. As an homage to Haute Couture and unusual fragrances, Craft is a godlike scent for a once in a lifetime experience.“

Frau Maack mag also Mode – und trumpft ziemlich auf mit ihrem Versprechen einer einzigartigen Lebenserfahrung. Ich bin gewappnet und zücke gleich mal mein Röhrchen…

Craft stürmt einem entgegen – und rennt einen dabei fast um. Ausgewachsene metallische Noten, gezückte kalte Waffen, die gen Nase vordringen. Eiseskälte, klirrend – ob nun der Atmosphäre oder dem Stahl geschuldet. Beißende Aldehyde kreieren eine feucht-nasse und gleichermaßen säuerlich-fruchtig-unreife, aber subtile Aura, die die aufgewühlten Emotionen, die man hinter diesem bombastischen Eindruck vermutet, eloquent olfaktorisch darzustellen vermögen. Irgendwo in der Betrachtung dieses Geschehens wandelt sich selbiges aber, Stückchen für Stückchen. Eine schleichende Metamorphose, die, in was eigentlich mündet? Ganz sicher bin ich mir da nicht – entweder in einer Sauna, vielmehr: davor, nach dem Saunagang, am Fjord. Oder auch in einem Kloster welcher religiösen Ausprägung auch immer, nach der Meditation, von Schwaden von Räucherwaren umgeben. Ruhig wird es, und kontemplativ, erfreulicherweise auch ein wenig wärmer.

Sehr interessant, was Maack uns da serviert – obgleich ich den Zusammenhang mit dem papiernen Kleid gedanklich nicht hinbekomme. Dass Craft aber eine ziemliche Ausnahmeerscheinung ist und gewöhnungsbedürftig, das unterschreibe ich sehr wohl. Die Ingredienzen möchte ich Euch nicht vorenthalten – Aldehyde, Elemiharz, „kaltes Metall“, Eis, Zedernholz und Patchouli flossen in die Phiole. Schwefel hätte eigentlich auch noch ganz gut hineingepasst – riecht es doch überall in Island danach, auch und gerade aus dem Wasserhahn.

Der nächste Duft ist Sharp:

„Sharp was made for an art exhibition to accompany an artisanal dress with drawings carved into the material, creating a repetitive signature pattern. The precision of the artwork can be found in the essence of this scent, within the delicate layering of notes, which sharpen as the perfume is dissected. Sharp is a statement piece, an attention seeker – you will never go unnoticed whilst wearing it.“

Aufmerksamkeit zieht Sharp also an und ihm wohnt ein Moment der Wiederholung inne – was ja nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss, wie ich nicht nur dank Kierkegaard weiß. Prägnanz leite ich daraus ab und, ja, Durchdringung. Bevor ich aber weiter brainstorme die Zutaten: Orangenblüte, Vanille, weißer Moschus, „Sanftheit“ und, man höre und staune, „Engelshaut“.

Für Harmen wäre die Sache jetzt klar: Björk in a bottle. Wir werden sehen… Vielleicht, vielleicht passt aber Björk gar nicht so schlecht, wie ich alsbald feststellen muss: Orangenblüte, süß-floral wie eh und je, in Kombination mit cremig-sahniger Vanille und watteweichem Moschus. Feminin und, würde Sharp hier verharren, lieblich, aber nicht weiter besonders. Sharp ist aber ein Chamäleon, entzieht sich und lässt wie eine Verführungskünstlerin alle paar Momente irgendeine unerwartete Facette hervorblitzen: Zu anfangs meinte ich eine Zigarette, eine verstohlen gerauchte, zu erhaschen, dann zeigen sich grasig-bittere Anleihen, die vermutlich zur niedrigwüchsigen isländischen Vegetation passen. Blüht da etwas, klein und zwischendrin? Ich vermag es nicht genau zu sagen, und schon geht es weiter. Herb-fruchtige Beeren wabern für einen kurzen Augenblick an meiner Nase vorbei, um Sekunden später wieder verschollen zu sein. Dafür meine ich jetzt Haarspray zu entdecken, das alsbald von verhaltenem Rauch verweht wird. Münden tut das Ganze auf meiner Haut in einer Art grasigem Neroli-Marshmallow.

Seltsam ist Sharp, eine eigenartige Interpretation, für die Björk in der Tat die richtige Patin zu sein scheint: Feminin, lieblich, mit einer gewissen Tücke, sprühend, auf eine gewisse Weise unstet, charmant, feinsinnig, bemerkenswert vertraut und fremd gleichermaßen.

Ich bin gespannt auf die letzten beiden Düfte der Kollektion, die morgen folgen – Ihr auch?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Warrior von Blogman/Phillip Collier, Sauna von Marta Rostek, Björk auf dem Hurricane 2003 von Zach Klein, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Über Island…

Geschrieben in Duft am 11.01.2012

… lässt sich einiges mehr erzählen, als dass es die Heimat von Trollen, Elfen und Björk ist und dass es dort jede Menge Geysire gibt. Deshalb hätte diesen Artikel eigentlich Harmen schreiben sollen, hat er doch viel dazu geforscht, auch vor Ort und liebt nicht nur Halldór Laxness, den Nationalstolz der Isländer und einzigen Nobelpreisträger, sondern generell die gesamte isländische Literatur. Überhaupt gilt diese, wie er mir erzählte, als großes Kulturgut dort, als Schatz und ganzer Stolz – die mittelalterlichen Sagas, heute noch lesenswert und von überraschend verständlicher Sprache, denn die isländische Sprache hat sich wohl seit dieser Zeit größtenteils erhalten. Und die Isländer sind stolz darauf und sehen sich als Bewahrer derselben, weswegen sie für so gut wie jedes ausländische Wort eigene Übersetzungen erfinden: Computer beispielsweise heißt „tölva“ und setzt sich zusammen aus „völva“, einer Seherin, Wahrsagerin und „tala“, was für Zahl steht – die Zahlenzauberin also.

Nerds – das sind sie wohl. Und dadurch hochgradig sympathisch – auch wenn sie Schattenseiten haben wie unter anderem das Beharren auf den Walfang, für das sie immer wieder vollkommen zu recht verbale Prügel von Tierschützern einstecken müssen. Dieses Jahr waren die Isländer das Gastland der soeben zu Ende gegangenen Frankfurter Buchmesse und, wie Harmen mir erklärte, nie zuvor gab es so viele Übersetzungen moderner isländischer Literatur wie dieser Tage. Lesenswert ist einiges davon, die zeitgenössischen Klassiker wurden bereits filmisch umgesetzt: „101 Reykjavík“ und „Engel des Universums“, um zwei zu nennen – letzterer ein immerwährender Liebling von mir. Ein Künstler, Páll, landet in seinem furchtbaren Liebeskummerwahn in der Psychiatrie, die sich bald schon nicht mehr so einfach von der „normalen“ Welt unterscheiden lässt – eine dringende Empfehlung meine Lieben, sowohl Buch als auch Film!

Páll würde vermutlich gefallen, was Andrea Maack macht: Künstlerin und Designerin ist die in Reykjavík lebende gebürtige Isländerin. Und hat erst vor kurzem ihren Kunstwerken weitere folgen lassen – eine Parfumkollektion, die ursprünglich für Museumsausstellungen konzipiert war und nun auch für uns Normalsterbliche erhältlich ist. Fünf Düfte sind es, deren äußere Verpackung sich an dem für Maack typischen minimalistischen Stil orientiert. Das Briefing der Parfumeure, die man, wo wohl, natürlich in Grasse aussuchte, um die Visionen von Maack umzusetzen, ähnelt demjenigen, das auch Humiecki & Graef ihrem Christoph(e)-Duo immer angedeihen lassen: Bilder, genauer Zeichnungen dienen als Vorlage für die Düfte und diese galt es umzusetzen.

Diese fünf Düfte möchte ich Euch diese Woche vorstellen, beginnend heute mit Smart:

„Smart started with a delicate pencil drawing, mapping the road to this unique scent. Developed for an art exhibition, the inspiration for Smart comes from an empty white gallery space. At first it is a light scent but as you go deeper it has a darker, slightly erotic mood lurking under the surface. An addictive scent with hidden notes, completely unique in its own way.“

Was für eine Zeichnung das wohl gewesen sein mag? Vielleicht eine zart dahingehauchte Tuschezeichnung, nur Umrisse auf weißem Büttenpapier? Mit der Zeit ist es definitiv Bleistift, der sich herauskristallisiert. Zumindest etwas Trockenes, denn trocken-pudrig ist Smart. Die rein-weiße Galerie kann ich nachvollziehen, Smart fühlt sich irgendwie an als hätte man mich in eine riesige Wattewolke gesetzt: Ein dichtes, fein gesponnenes Gewebe von trockener, samtkaramelliger Süße, der eine leise Spur zimtiger Holzigkeit innewohnt. Die Ingredienzen – Veilchenblätter, Jasmin, Sandelholz, Vanille, weißer Moschus und Leder – lassen sich eigentlich nicht auseinanderzwirbeln, ergeben vielmehr ein großes Ganzes, mehr als die Summe seiner Teile. Eine Aura, die nahe auf der Haut, um einen herum bleibt. Und, da hat Frau Maack durchaus recht – eine gewisse Erotik besitzt, eine tiefe. Der Duft strahlt selbstsichere Sinnlichkeit aus, ohne sich aufzudrängen. Wird immer hautnaher, entwickelt eine Sauberkeit, die trotzdem schmutzig-schmitzig sexy anmutet. Und ist am ehesten zu vergleichen mit mmmh… einer Mischung aus Anamors Kuschelmoschus All that matters und L’Artisan Parfumeurs Dzing! oder auch Six Scents No. 6, M, aus deren dritter Serie.

Ein überaus gelungener Auftakt, finde ich. Und freue mich auf den Rest der Düfte – bis dahin alles Gute und viele Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: John Bauer (1915): Illustration of Walter Stenström’s The boy and the trolls or The Adventure in childrens’ anthology Among pixies and trolls, a collection of childrens’ stories.

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Ein Lavendel, aus den Händen von Mönchen

Geschrieben in Duft,Krautiges am 10.01.2012

Auf mehrfache Empfehlung hin bestellte ich mir Anfang Dezember den bekannten „Caldey Island Lavender“. Als er mich vor Weihnachten noch erreichte, öffnete ich den grauen Papierumschlag, welcher, wie so viele Briefe aus dem Königreich, von der Queen geziert wurde. In dem Umschlag befand sich nun das Parfum, verpackt in eine Schutzfolie. Natürlich musste ich hier schon einmal meine Nase hinhalten, und nicht vergebens, denn die Folie roch schon wie eine mittelalterliche Kirche, von denen ich auf einer Bildungsreise in England bereits unzählige besucht hatte. Ich denke, es ist nicht nur eine Unart meinerseits, schon an der Verpackung herumzuschnüffeln, ich sehe es bei anderen immer wieder, und wir sollten einfach einmal festhalten, dass das Dufterlebnis bereits mit dem Geruch der Verpackung beginnt. Ausgewickelt, verstärkte sich dieser Eindruck noch, und wir werden sehen, ob es der Muff der tausend Jahre ist oder ein erster Eindruck, der aus dem Fläschchen entweicht. Übrigens schlage ich vor, die Duftpyramide in ein Quadrat zu setzen und eine, sagen wir Marginalnote oder Verpackungsnote, einzuführen.

20110227-Caldey Island

Caldey Island, oder wie sie auf Walisisch heißt, Ynys Bŷr, ist eine Insel vor der südlichen Küste von Wales. Dieses kleine Eiland misst gerade einmal 2,4 km in der Länge und 1,6 km in der Breite und beherbergt ein kleines Dorf sowie das bekannte Kloster, von dem hier noch die Rede sein wird.

CaldeyIslandAbbey

Schon seit dem 6. Jahrhundert gibt es dort Mönche, heute sind es Zisterzienser, die in dem 1910 errichteten Klostergebäude wohnen. Von der langen Geschichte zeugt eine normannische Kapelle aus dem 12. Jahrhundert und vor allem der Caldey-Stein aus dem 6. Jahrhundert, der neben einer lateinischen Inschrift auch ein so genanntes Ogam trägt, alte Schriftzeichen aus dieser Zeit.

Liest man in Luca Turins Buch “Perfumes: The Guide” nach, so schwärmt dieser von dem Caldey Island Lavendelparfum: “simply the best lavender soliflore on earth”. Mit solch einem Lob, darf natürlich auch ein ausgezeichneter Lavendel erwartet werden. Die Idee, ein Parfum auf der Insel herzustellen, entstand aus dem Verkauf von Lavendelsträußen an Tagestouristen in den 1950er Jahren. Die ersten Düfte wurden begeistert aufgenommen und geschäftstüchtig wie die Brüder waren, wurde die Produktion angekurbelt: man gründete die Marke “Caldey Abbey Perfumes”, welche sich ganz der Herstellung hochwertiger und kultivierter Duftschöpfungen verschrieb. Um der Nachfrage gerecht zu werden und auch weil die kleine Insel natürlich nur über begrenzte Ressourcen verfügt, lagerten die Mönche die Produktion in den 70er Jahren aus.

Heute arbeitet der belgische Parfumeur Ivo Jacobs für die Mönche und nimmt Lavendelkissen von Caldey als Vorlage, um die berühmten Düfte sorgfältig zu formulieren. Die Essenzen werden daraufhin nach Caldey gebracht, wo sie von den Mönchen abgefüllt und verpackt werden. Und das machen sie nicht nur, um die Herzen der Parfumfreunde höher schlagen zu lassen. Die Parfums, Colognes, Badezusätze, Handlotionen, Rasierwasser, Seifen, aber auch Schokolade bilden einen Hauptpfeiler der Inselwirtschaft. Darüber hinaus werden die Lavendelsträuße und Lavendelkissen wieder im Parfumgeschäft der Insel verkauft. Übrigens sind die Herren Mönche mit einem Internetshop vertreten, wo man die Produkte (neben Touri-Nippes) zu unschlagbaren Preisen beziehen kann, siehe hier.

Zurück zum Thema “Caldey Island Lavender”. Mit Herrn Turins Zitat war schon klar, dass wir es mit einem “Soliflore” zu tun haben, einem Parfum, das eine Note zum Hauptthema hat, was wiederum nicht heißt, dass nicht auch andere Noten enthalten sein können. Ganz klar zeigt sich hier ein charakteristischer Lavendel, mit all seinen Eigenschaften: Frisch, sauber und krautig, man fühlt sich leicht an Minze erinnert. Auf der Haut hingegen zeigen sich auch balsamisch-florale Anklänge, sicherlich auch einer der Kandidaten, die sehr individuell mit der Haut reagieren. Also nun ein reiner Blindflug: 95% Lavendel, die restlichen Noten könnten zitrische Noten im Kopf sein, vielleicht ein wenig Zedernholz und sicher Moschus. Die Haltbarkeit lässt deutlich zu wünschen übrig.

Ihr seht schon, ich werde nicht hysterisch vor Begeisterung. Ein Lavendel, der einfach, klar und geradeaus ist, ähnlich wie “Antihéros“, nur dass dieser weitaus holziger und irgendwie auch rauer und moderner daherkommt. Also genug gemeckert. Caldey Island Lavender ist meines Erachtens ein gelungener, traditionell anmutender Lavendel, der denjenigen Männlein und Weiblein gefallen wird, die ihr Herz klassischen Lavendeldüften geschenkt haben. Aus der immer größer werdenden Palette an Lavendeldüften, die ich in letzter Zeit kennenlernen durfte, wird dieser nicht als Sieger meines Herzens hervorgehen. Einen Test rate ich bei fortgeschrittener Lavendelbegeisterung aber unbedingt an. Ganz berührend – das meine ich vollkommen ernst – sind auch die Einträge auf der “Prayer Page”, wo man den Mönchen Gebetsanliegen übermitteln kann, die diese dann in ihre Gebetsliste aufnehmen. Wer das Parfum nicht mag, kann zumindest auf geistliche Zuwendung bauen.

Ganz viele Grüße von
Harmen

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Warmes Sandelholz an kalten Tagen – Santal Noble

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges am 9.01.2012

Heute möchte ich Euch einen Duft vorstellen, der meines Erachtens ganz hervorragend in die kalte Jahreszeit passt: “Santal Noble” von Maître Parfumeur et Gantier. Zugegeben, Sandelholzdüfte haben bisweilen den Hang dazu, in eine doch sehr traditionelle Richtung zu gehen. Aber gerade dieser Duft macht mich neugierig, sind doch tolle Zutaten wie Kaffee, Weihrauch und Eichenmoos angegeben, von denen ich mir eine interessante Wendung verspreche. Nach dem Aufsprühen ist natürlich sofort klar, dass man es mit Sandelholz tun hat. Der holzige, aber auch helle und saubere Duft verbreitet sich sogleich, und auch die Nuancen von Weihrauch und Patchouli sind wahrnehmbar.

Sandalwood

Der erste Eindruck auf der Haut überrascht mit einer noch stärkeren Frische, die auch grüne Noten in sich trägt – es könnte hierfür der Vetiver verantwortlich sein oder die nicht näher spezifizierten Gewürze. Die Frische verfliegt daraufhin und der holzige Kern des Duftes zeigt sich deutlich. Weihrauch und Patchouli bleiben auf der Haut meiner Meinung weiter im Hintergrund als auf dem Streifen. Heute habe ich es mal mit einem Duft zu tun, der mir auf der Haut weitaus besser gefällt als auf dem Teststreifen. Er wird wärmer, harmonischer und auch individueller – ein sehr gutes Beispiel für einen Duft, der sich angenehm in die eigene Hautchemie einfügt.

chesterfield

Jean-François Laportes Kreation erweist sich als klassisch und warm und ist sicherlich bei den Herren der Schöpfung etwas besser aufgehoben als bei den Damen. Ich sehe hier eher einen gestandenen Mann als einen Springinsfeld – und wer sich zum Beispiel für Chanels Antaeus begeistern kann, wird auch hier bestimmt nicht enttäuscht werden.

Kopfnote: Kaffee, Gewürze, Weihrauch; Herznote: Sandelholz, Patchouli, Vanille, Vetiver; Basisnote: Ambra, Eichenmoos, Castoreum

Ich muss außerdem an die Herrenzimmer des 19. Jahrhunderts denken. Zwar ist es auf der einen Seite – nach heutiger Sicht – ein Gräuel, dass Frauen der Zutritt nur zur Reinigung des Zimmers oder zu “Unterhaltungszwecken” erlaubt war, auf der anderen Seite finde ich die Vorstellung einer reinen Herrenrunde ganz erfrischend. Gutes Essen, feine Spirituosen, ein Pfeifchen schmauchen, Diskussionen über Politik und Wirtschaft und all das in einem Ambiente aus dunklen Holzmöbeln, alten Ledersofas, und dekorativ gebundenen Büchern – Ihr seht schon, das wäre genau mein Fall. Um auf unseren Duft zurückzukommen – “Santal Noble” würde hier gut hineinpassen. Seht Ihr das auch so?

Liebe Grüße
Harmen

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