Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Ginger Musk von Montale – ein Versteck hinter dem Moschus

Geschrieben in Duft,Fruchtiges am 31.01.2012

Heute gelüstet es mich nach Ingwer. Wie gut, dass ich noch einen Ingwerduft hier liegen habe, der auch noch besprochen werden möchte: Ginger Musk von Montale. Die Duftnoten: Kopfnote: Ingwer, Brombeere; Herznote: Rote Beeren; Basisnote: Weißer Moschus.

Ginger Finger

Aber oh nein! Ich bekomme gar keinen Ingwer heraus? Wahrscheinlich ist er für die hesperidenartige Frische im Auftakt verantwortlich und bleibt ansonsten ganz im Hintergrund. Nach dieser Abkühlung zu Beginn kommen mir fruchtig-florale Noten entgegen, die auch einiges an Süße im Gepäck haben. Der große Triumphator ist allerdings der Moschus, der lange und langanhaltend das Heft in der Hand hat. So viel sei noch gesagt. Genauso wenig man den Ingwer herausriecht, genauso wenig treten die Brombeere oder die Roten Beeren in Erscheinung. Sie bilden eher eine fruchtige Komponente, welche das Gegenstück zum Moschus bildet. Eine durchaus interessante Mischung!

Blackberry close-up

Geht es Euch auch so? So langsam reicht es mit dem Winter und ich würde mich über ein paar mildere Temperaturen freuen. Bis dahin habe ich Euch einige knackige Früchte herausgesucht, die wenigstens an den Sommer erinnern.

Ribes - Red fruits

Vielleicht wäre auch Ginger Musk genau das Richtige, um den grauen Wintertagen zu entfliehen. Ein paar Sprüher und schon fühlt man sich in einen blühenden Garten versetzt, die Sonne scheint angenehm warm und auf dem Tisch steht ein leckeres Dessert mit frischgepflückten kleinen Beeren.

Ginger Musk ist meines Erachtens ein Unisexduft, der tendenziell besser zu einer Dame passen würde. Ein kräftiges Düftchen, die Haltbarkeit hat einen langen Atem! Um allerdings Enttäuschungen zu vermeiden: wer einen Ingwerduft auf die Haut bekommen möchte, sollte in ein anderes Fach greifen. Ich bitte um reichlich Kommentare mit Empfehlungen toller Ingwerdüfte! :-)

Es grüßt Euch
Harmen

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Unsere Leser stellen sich vor: Teil V – Annette

Geschrieben in Allgemein am 30.01.2012

Wir sind ganz begeistert, welch tolle Leser wir in unserem Blog haben! Ein weiteres Exemplar dieser Gattung erfreute uns unlängst mit folgendem Beitrag. Herzlich willkommen, Annette!

Wie bist Du zum Duft-Tagebuch gekommen?

Es gab immer schon Düfte, die mich begeistert haben, meistens kamen sie aber eher aus der Küche (Gewürze und Kräuter) oder dem Garten (Duft- und Heilpflanzen) als aus Flakons. Seit etwa zwei Jahren lese ich hier mit, also muß es da gewesen sein, daß in einer Gesprächsrunde das Thema Geruchserinnerungen aufkam – so erst ist mir überhaupt erst bewußt geworden, daß ich wohl immer schon ein ziemliches “Nasentier” war.

Asphalte Sault-au-Recollet 1930

Neben Blumen, Kräutern, Gewürzen, Hölzern tauchten nämlich einige ungewöhnlichere Favoriten auf, wilde Sachen wie: heißer Dampf, frisch poliertes Silber, Tinte, Carbid, Schellack, frischer Zement, Metallfeilspäne, Leukoplast, Ichthyolsalbe, Kohle, Graphit, Kopierer, nasse Kiesel, Neonröhren, Waschbenzin, Teer, nasses Leinen, Druckermatrizen, Gummi (neue Fahrradreifen!), Kordit, Möbelpolitur, Jodlösung, Leder und Lederfett, Terpentin, Rohseide, Perubalsam, Gips und frischer Ton, Vinyl, Methylenblau, Toner, Elektrizität, heißes Metall, Papier, Ballistol, Kerosin, Fixogum, Leinölfirnis, Wachsmalkreide, Kitt, 60er-Jahre-Lippenstift, Chlor, Ozon, Linolschnittplatten, Karbolineum, nasser Stahl, Dieselöl, Bohnerwachs,…

So viele dieser Gerüche wie nur möglich wollte ich nostalgiegezwickt wiederhaben, am besten als Mischung – wundert es jemand, daß ich “À la recherche du temps perdu” geradezu zwangsläufig irgendwann über Comme des Garçons Odeur 53 und Odeur 71 stolpern mußte?

Und auf der Suche nach diesen beiden ALzD entdeckt und beim Duft-Tagebuch gelandet.

Couche

Bist Du aus der Branche und liest aus beruflichen Gründen mit, oder bist Du ein Duftjunkie, der sich auf dem Laufenden halten will?

Nein, nicht aus der Branche. Am Rande immer mal wieder theoretisch befaßt mit der Auswirkung von Düften und Gerüchen (so hübscher Dinge wie Mäusepipi).

Privat gab’s von Oma erste Düfte, 4711 und Tosca. Paco Rabanne und Aigner von meiner Patentante. Zu sehr besonderen Gelegenheiten spendierte meine Mama mir einen Tupfer Chanel No. 5 oder Arpège. Später im Alleingang hin und wieder Versuche mit Erschwinglichem aus diversen Drogeriemärkten. Zu WG-Zeiten alle Duftwässer gekapert, über die der Mitbewohner meine Freundes so verfügte: Davidoff Cool Water, Cerruti 1881, KL von Lagerfeld, Photo (auch Lagerfeld und soo 80er!), Trussardi Uomo, und, und… Folge des Duftraubs war natürlich ein Riesenkrach *g* Daraufhin in ein paar eigene investiert: Loulou, Noa Noa (Otto Kern), ein Jil Sander. Nichts davon eine langlebige Beziehung, die nach dem Aufbrauchen der Flakons angehalten hätte. Daher war ich lange Zeit meistens eher zufallsbeduftet, als daß ich nach “meinem speziellen” gesucht hätte. Jahre danach hielten Einzug: Laura von Laura Biagotti, Le Dix (Balenciaga), Elizabeth Arden 5th Avenue, sämtlich immer noch gerne verwendet.

Allerdings: Ich werde hier zum Duftjunkie! Ich habe schon etliches an Proben gesammelt, teste mich durch und entdecke Vorlieben und Abneigungen, kann inzwischen einige Duftkomponenten erschnuppern, möchte vergleichen und will mehr, mehr, mehr…

Two views of a community kitchen for food preservation and conservation which was located ...

Welche Düfte sind Dein Ein und Alles?

Das ist jetzt schwierig. Ich schaffe es jedesmal, wenn neue Pröbchen kommen, mich wieder neu und heftig und unsterblich zu verlieben! Ganz klar auf der Liste die bei Euch neu entdeckten Schätze, ein wenig kategorisiert (*-markierte sind ab-so-lut unverzichtbar):

“Start”:
Comme des GarçonsOdeur 53
ByredoMr. Marvelous

“Kickstart”:
CaronYuzu Man
Penhaligon’sJuniper Sling
Mark BirleyCharles Street*

“Zwischendurch-Splash”:
Acqua di ParmaColonia Assoluta
Atelier CologneVanille Insensée
Il ProfumoCannabis

“Sofakuschelduft”:
Six Scents – No. 5
Olfactive StudioChambre Noire*
Parfum d’EmpireAmbre russe
Maître Parfumeur et GantierRoute du Vetiver*

“Gute-Nacht-Kuschelduft”:
Humiecki & GraefGeste*
État Libre d’OrangeDivin’ Enfant*
L’Artisan ParfumeurL’Eau du Navigateur
PrudenceSteuart
und von jeher der Le Dix* halt :-)

Ein paar Verlierer habe ich zu vermelden: The Different CompanyBois D’Iris, der bei mit gar nicht funktioniert hat, sondern zum fiesen Holzmichl wurde. Maître Parfumeur et GantierBahiana (nicht schlecht, aber way too much Piña Colada), GinestetBotrytis (schon arg “bappsüß”, die Katerviecher immerhin waren hingerissen),
Eine zweite Chance bekommt Comme des Garçons 2, der beim ersten Test ein veritabler Kopfwehkandidat war, aber ich wittere da doch noch echte Chancen für eine Annäherung.

Und welche Düfte willst Du gerne hier einmal besprochen sehen?

Da verlasse ich mich als Anfänger und Stöberer fröhlich auf Eure Auswahl – ich hab’ sie ja noch lange nicht alle durch!
Interessant klingen die gerade besprochenen Düfte von Andrea Maack. Die haben der Beschreibung nach diesen gewissen Twist, der mich neugierig macht.

Und natürlich: Wenn Du auf der Suche nach einem Duft bist – was für einer sollte es sein?

Zur Zeit: was Kantiges, was mit Meer ohne Mittelmeerflora, ohne Hesperiden, dafür Treibholz, Jod und nasser Sand. Was Konzeptionelles. Ein Duft, der Emotion evoziert/provoziert. Muß nicht “schön”, darf, soll durchaus auch was Rauhbauziges, gegen den Strich Gebürstetes sein. Mir ist grad so ;-)

Möchtest Du einfach einmal Lob, Kritik oder Verbesserungsvorschläge loswerden?

Eine einzige Vorschlagsbitte hätte ich: Was man im Suchfeld im Duftagebuch eingibt, erscheint in sehr-sehr zartgrauer Schrift, wenn man die ein bissl dunkler…? Ich seh doch nix!

Ansonsten:
Lob und ein riesiges Dankeschön! Für die tollen, mit Herzblut geschriebenen Texte, die grandiose Bildauswahl, die netten Plaudereien und die feinen Empfehlungen in den Kommentaren, die gemeinsame Freude am Entdecken – einfach schön ist das!

Explorer 17

Über mich: Ich bin 47, lese- und büchersüchtig, Landei aus Überzeugung, habe zwei knuddelige, witzige, nur gaanz leicht verzogene Katerviecher, eine insgesamt häufig hochmerkwürdige (Lebens)-Künstler-Familie, mag Musik – gehörte wie selbstgemachte -, Listen schreiben, lachen, kochen und garteln.
[Duftbegeisterten Mitgärtnern, die sie - schwer vorstellbar - womöglich noch nicht kennen, möchte ich übrigens sehr die Staudengärtnerei Dieter Gaissmayer, Illertissen (www.gaissmayer.de) mit ihren wunderbaren Katalogen und die Kräutergärtnerei Syringa (www.syringa-pflanzen.de) ans Herz legen.]

Alle bisher hier vorgestellten Leserinnen:
Einladung
Teil I – Margot
Teil II – Carola
Teil III – Katharina
Teil IV – Dorothea

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Weihnachts- äh… Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung.


Royal Crown die Dritte.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Hesperiden,Leder am 27.01.2012

Drei Düfte sind vorerst noch übrig geblieben für unsere Royal Crown-Reihe, und zwar zwei für die Männerwelt – Musk Ubar und Rain – sowie ein „Unisex“-Duft, Celebration.

Musk Ubar ist angedacht, von dem „eleganten“ Mann getragen zu werden, wie es die Firma verlauten lässt. Ein „dichter, mysteriöser, warmer und rassiger“ Duft, der wohl sein Pendant sucht – einen Abenteurer natürlich oder auch einen Kapitän (nicht jeden, den unter diesen gibt es, wie wir spätestens seit neuestem leider wissen, auch ausgeprägte Hasenfüße…), jemand, der die Klippen des Lebens gut zu umschiffen weiß und der sturmerfahren ist. Souverän hört sich das an – schauen wir, ob es der Duft auch ist… Die Ingredienzen: Kopfnote: Angelika (Engelwurz), Wermut, Geranium; Herznote: Rose, Jasmin, Galbanum, Basisnote: Moschus, Ambra.

Musk Ubar zeigt sich als seiner Krone würdig, absolut. Ich bin normalerweise kein allzu großer Moschus-Liebhaber, diesen Duft aber würde ich nur zu gerne am richtigen Mann riechen. Moschus geht, möchte man es vereinfachen, vor allem in zwei Richtungen: Entweder in die weiche Ecke, dann entweder sauber und/oder süßlich interpretiert, oder in Richtung Bleistift, gerne mit animalischen Anklängen, die sich ab und an aber auch in die weichen Kandidaten verirren (Etros Musk ist dafür ein schönes Beispiel – ich spiele liebend gern mit diesem kleinen Schmuddelkind!). Dieser Moschus hier tendiert ganz klar in die Bleistiftrichtung, hat diesen feinen Graphitgeruch, der von Angelika und Geranium genial unterstrichen wird. Wärme stiften diese und Frische gleichermaßen, Würzigkeit und eine Prise Kraut. Und zudem entsteht in dieser ambrierten Kombination, die sachte von floralen Noten eingerahmt wird, eine ledrig-animalische Komponente. Dezent, aber wahrnehmbar. Temperamentvoll, aber erlesen und zivilisiert und von einer subtilen Süße untermalt. Endlich einmal wieder ein toller Moschus. Und eigentlich das, was ich von Lutens’ Muscs Koublaï Khän erwartet hätte.

Rain zelebriert einen Regentanz und soll als „zeitgemäßer, eleganter und klassischer Männerduft“ an Quellwasser, vielleicht gar einen Wasserfall erinnern. Gedacht natürlich auch für einen modernen Naturburschen, einen Kosmopoliten und weitgereist. Die Ingredienzen: Kopfnote: Mandarinenblätter, Bergamotte, Neroli

Herznote: Jasmin, Reseda, Rose; Basisnote: Sandelholz, Heliotrop, Vetiver, Ambra.

Rain ist – keiner jener aquatischen Schnösel, die man zuhauf draußen findet, nein. Vielmehr gehört er zu der Sorte Düfte, die ich als Edel-Aquatische bezeichnen würde: Eine kühle Mandarine im Kopf, saftig-frisch, ohne jedoch den normalerweise für Zitrusfrüchte üblichen Prickel-Charakter zu besitzen, gepaart mit einer minzig-floralen Frische, einer nahezu undefinierbaren. Die Basis zeigt sich von leichter, sonniger Wärme mit dezenten Holzanleihen. Ich mag derlei helle, frische und der Tendenz nach maskuline Düfte bisweilen gerne – habe aber mit Carons Anarchisten und mit Creeds Himalaya schon zwei sehr ähnliche Kandidaten bei mir stehen, insofern ist Rain für mich sicher kein Kaufkandidat, obgleich er sich als noch etwas ausgefeilter und komplexer als die beiden erweist.

Celebration, der letzte Duft der Royal Crown-Serie, ist einem Jubiläum gewidmet: 150 Jahre Bella Italia – die Geburt Italiens am 17.03.1861, die letztes Jahr groß gefeiert und von einigen Düften zelebriert wurde: Il Profumo, Profumi del Forte und Xerjoff leisteten ebenso ihren Beitrag.

Celebration sticht für mich eindeutig aus der Royal Crown-Kollektion heraus, und zwar in mehrfacher Hinsicht: Meiner Meinung nach ist er – experimenteller, nicht als typisch italienisch einzuordnen, reduzierter, kantiger. Die Ingredienzen lassen die Wucht, mit der einem dieses Düftchen um die Ohren oder vielmehr in die Nase knallt, nur schwerlich erahnen: Kopfnote: Zitrische Noten; Herznote: Grüne Minze, Mandarine, Bergamotte; Basisnote: Lilie, Iris.

Gleißend ist das erste Wort, das mir zu Celebration einfällt. Gleißend hell und von einer ohrenbetäubenden zitrischen Frische zeigt er sich. Tief durchatmen lässt er einen, obgleich er einem den Atem raubt. Nicht näher zu definierende Hesperiden haben sich hier zu einer grandiosen Macht zusammengeschlossen mit einer pfeffrig-frischen Minze. Mandarine stiftet verhalten süße, aber vor allen Dingen fruchtig-saftige Anklänge, während die Basis erdig und wässrig-floral unterstützt. Für mich eine Art ultramodernes Cologne, das, weil es kein Cologne ist, natürlich eine sehr viel bessere Haltbarkeit zeigt als jene. Eine Frischekick allererster Güte, der in seiner Reduziertheit ein wenig an die Handschrift architektonisch anmutend minimalistischer Düfte wie Humiecki & Graefs Eau Radieuse oder Putmans Préparation Parfumée erinnert. Vor allem mit ersterem hat er gewisse Ähnlichkeit – ein fetter Pluspunkt in meinen Augen, der in sofort auf meinen persönlichen Platz 1 der Kollektion katapultiert.

Wie sieht es bei Euch aus, schon getestet, schon etwas gefunden?

Viele herzliche Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Picture of a waterfall (Kjosfossen) nearby Flåm, Norway von Yorian, Electric von Kavewall, some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 27.01.2012

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail bis Sonntag 24.00 Uhr an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

Darüber hinaus kommt natürlich noch, wie jeden letzten Freitag im Monat, ein ganz spezielles Präsent zur Verlosung: Für die Damen gibt es zu gewinnen: 1x Rodial – Glamoxy Snake Serum im Wert von 135,00 EUR und für die Herren gibt es 1x Houbigant – Fougere Royal im Wert von 125,00 EUR zu gewinnen  –  machen Sie mit, es lohnt sich!

Alle Rodial Produkte finden Sie natürlich in unserem Shop http://www.ausliebezumduft.de/kosmetik/rodial.html genauso wie das gesamte Sortiment von Houbigant http://www.ausliebezumduft.de/duefte/houbigant.html

In der letzten Woche haben gewonnen: Sandra R., Heiko P., Yasutaro G., Barbara K. und Ute G.  – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und einen schönes Wochenende,

wünscht Euch

Euer duftes Team

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Königliches – Royal Crown die Zweite.

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges,Tabak & Rauchiges am 26.01.2012

Die Nase königlich erhoben, werde ich mich heute für Euch erneut der Royal Crown-Kollektion widmen, mit deren Rezension ich gestern bereits begonnen habe. Heute auf dem Programm: Poudre de Fleurs und Tabac Royal.

Poudre de Fleurs kündigt sich an als „Inkarnation der absoluten Sinnlichkeit“, die sich in einem opulenten Blütenbouquet manifestiert, den „Glamour“ und die Eleganz eines „kostbaren Juwels“ ausstrahlend. Ausgeprägte Weiblichkeit geht damit natürlich auch einher, das dürfte klar sein. Dann werde ich gleich ganz Frau – und sprühe mir Poudre de Fleurs auf den Arm…

Femininität wird hier – auf altmodische, aber durchaus anziehende Art und Weise aufgefasst, was man aus den Noten nicht auf den ersten Blick erkennen kann: Kopfnote: Neroli, Limette, Mandarinenblätter; Herznote: Rose, Jasmin, Gardenie; Basisnote: Vanille, Patchouli, Sandelholz.

Poudre de Fleurs ist, wie der Name schon verrät, überaus pudrig und mit einem ausdrucksvollen Blütenherz ausgestattet. Der Auftakt ist fruchtig, eher aldehydig, während die Basis vollmundig mit einem unschlagbaren Trio brilliert – Vanille, Patchouli und Sandelholz. Patchouli ist wie immer das Bindeglied, ein wenig harzig anmutenden haucht es dem Geschehen nachhaltig(e) Tiefe ein. Sandelholz wärmt auf die ihm genuine süß-würzig-holzige Art, während Vanille die pudrigen Akzente vertieft.

Poudre de Fleurs ist kein moderner Duft, aber nichtsdestotrotz eine Schönheit. Mich persönlich erinnert er ein wenig an die alten Chanel-Düfte, vor allem an No. 22 und No. 5.

Tabac Royal macht nun den Anfang der Männerriege und wartet mit folgenden Ingredienzen auf: Kopfnote: Zimt, Zitrone, Rosa Pfeffer; Herznote: Tabakblätter, Heliotrop, Vanille; Basisnote: Sandelholz, Tabak, Patchouli.

Eine interessante Mischung, die mich da, frisch aufgesprüht, im Näschen kitzelt: Pfeffrig und süß, würzig und scharf – Zimt und Pfeffer leisten ganze Arbeit, und das auf zugleich warme und ebenfalls frische Art. Für letzteres ist die Zitrusfrucht zuständig, die anfänglich das Geschehen erhellt, um sich alsbald dezent zurückzuziehen und den Weg freizumachen für die eigentlichen Protagonisten des Duftes: Vornehmlich Tabak, wie der Name schon sagt, samt diverser Lakaien, die seinen glanzvollen Auftritt nach Kräften unterstützen und so gut wie jede Facette ausleuchten, die man vom Tabak so kennen mag. Weich-cremige Vanille, von Heliotrop verstärkt und untermalt, Sandel holzt süß-würzig vor sich, während Patchouli nachhaltig den Rücken stärkt.

Ein raumgreifender Tabakduft, das dürfte klar sein – für Männlein wie Weiblein gleichermaßen geeignet. Als Mann sollte man allerdings nicht vor süßer Wärme und warmer Süße zurückschrecken – sonst wird es hiermit nichts. Ansonsten ist Tabac Royal eine ganz veritable Wahl, vor allem, weil er im Gegensatz zu den wenigen Artverwandten – Tom Fords Tobacco Vanille, Odoris (leider eingestellter) Tabacco und Casamorati 1888 Bouquet Ideale – weniger süß, was dem einen oder anderen sicher entgegenkommen dürfte.

Wie steht Ihr denn zu Tabakdüften? Und, wenn Ihr Gefallen daran findet, welche habt Ihr in Eurem Repertoire? Hier bei mir steht natürlich Tabac Blond von Caron und besagter Odori-Duft, den ich sehr mag. Von Tom Fords süßem Honig-Vanille-Tabak gibt es ebenfalls ein kleines Fläschchen. Darüber hinaus wäre noch Feuilles de Tabac von Miller Harris zu nennen, einer meiner Uralt-Lieblinge und einer der wenigen Düfte, von dem ich in der Tat schon fast zwei ganze Flaschen verbraucht habe, da er lange für mich ein absoluter Immergeher war. Und bei Euch, was steht da so rum, was ist in Benutzung?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Milton H. Greene: Marilyn Monroe – Promotional photograph for the 1957 film “The Prince and the Showgirl”, The smoker’s promenade (New York: Published by Currier & Ives, 1876), some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Royal Crown…

Geschrieben in Duft,Orientalen,Solifloral am 25.01.2012

betont seine Herkunft schon im Namen – Königliches verspricht uns die neue Linie, die erst vor kurzem zusammen mit den Visconti-Düften Eingang in unser Sortiment fand. Von Visconti war ich, wie der geneigte Leser wissen wird, überraschend angetan – Grund genug, mich für Euch zu „opfern“ und mein geneigtes Näschen in der neuen Kollektion zu versenken…

Sieben Düfte sind es, die Euch und mich erwarten, nämlich: Noor, Tenebra und Poudre de Fleurs für die Damen, Rain, Musk Ubar und Tabac Royal für die Herren sowie Celebration für beide Geschlechter – unsere Beschäftigung für diese Woche.

Bemerkenswert sind vorab natürlich die Flakons: Die Linie präsentiert sich, Adel verpflichtet, in florentinischen Kristallflakons mit kunstfertig hergestelltem, von Hand mit Swarovski-Kristallen verziertem Deckel in Kronenform. Für den einen oder anderen Sammler sicher ein Augenschmaus.

Noor sieht sich als „Entdeckungsreise in die Welt des Weiblichen“, jenes „Universum der Femininität“ – ich will sehen, ob ich dabei folgen kann… „Sophisticated“ soll er sein und – ein Orientale. Für eine selbstbewusste Frau. Dafür haben Royal Crown tief in die holzige Harzkiste gegriffen, wie mir ein erster Blick auf die Ingredienzen verrät: Kopfnote: Koriander, Ylang-Ylang, Elemiharz; Herznote: Opoponax, Patchouli, Jasmin; Basisnote: Benzoeharz, Adlerholz (Oud), Myrrhe, Vetiver.

Nach einem ersten Schnuppertest frage ich mich nach dem Frauenbild, dass der Herr Parfumeur da so im Kopf hatte… In jedem Fall entspricht es sicherlich nicht dem gängigen Schönheitsideal der zum Teil fast schon in (Selbst)Auflösung inbegriffenen Size-Zero-oder-darunter-Frauen. Und auch nicht der Marschrichtung, die die meisten Mainstream-Parfums mittlerweile verfolgen, bei denen sauber gar nicht sauber genug riechen kann.

Noor zelebriert Wollust. Harzige Wollust. Eine überbordend-überschäumende Harz-Femme-Fatale in eine samtene Gewürzrobe gehüllt, mit einem ausladend-würzigen Holzhintern ausgestattet, der Begehrlichkeiten weckt. Hossa, was für ein Vollweib!

Tenebra, man riecht es gleich, huldigt der Tuberose – wir haben es also wieder mit einer Verführerin zu tun. Diesmal war der Duft schneller auf meinem Arm, als ich die Beschreibung lesen konnte – aber nach allem, was mir da entgegenweht, ist mir klar, dass man hier alles auf eine Karte gesetzt hat – die Tuberose. Und siehe da, im Text zum Duft, da steht es auch: Tenebra sei die fleisch-, pardon: duftgewordene Verführung in Reinform.

Entweder liegt es an meiner neu entflammten Tuberosenleidenschaft, die mir eine rosarote Brille beschert. Oder aber es sind mir wirklich bisher keine total vergurkten Soliflor-Tuberosen über den Weg gelaufen – zumindest keine, an die ich mich erinnern könnte. Tenebra schert ebenfalls nicht aus und reiht sich bei den Tuberosenschönheiten ein, die mir die letzten Monate unter die Nase kamen: Zitrische Herbheit zeigt sich im Auftakt, von zurückhaltend metallischen Akzenten untermalt, die von der Narzisse herrühren dürfte. Bittere Anklänge werden offenbar, die mich kurzfristig annehmen ließen, irgendwo Vetiver vorzufinden. Kein solcher ist angegeben, und die Bitterkeit nimmt uns an die Hand und führt uns in die Höhle der Löwin: Eine buttrige, narkotisierende Tuberose, wächsern und auf eine Art pfeffrig anmutend, auf einem weichen Lager von betörender Süße gebettet.

Fatal erinnert mich die Tuberose an ein Gedicht namens Sünde der Wienerin Lisa Baumfeld, die im zarten Alter von 19 Jahren 1897 verstarb:

Allein die Sünde ist unendlich reich …
(Loris.)
… Ein weißes Weib lehnt in den dunklen Falten
Mit steinig weißen, grau’nhaft schönen Gliedern,
An die sich gleißend eine Schlange schmiegt ….
Mit bleichem, sündhaft schönem Antlitz …
Aus seinen Zügen leuchtet, blaßroth schwellend,
Ein wundersüßer Mund, der vieles sagt,
Und lächelnd … viel verschweigt …
In ihrem Aug’, dem trunk’nen, zaubertiefen,
Brennt sehnsuchtsfeucht ein Blick, der lockt und fängt
Und schmeichelnd kost und tödlich wundet
Und glühendheiß macht und den Sinn verwirrt …
Wer bist du, seltsam Weib?
Was glüht in deinen Lippen?
Was rauscht sirenengleich
Aus deiner Augen Meer?
»Mein Name ist der älteste hienieden.
Ich bin im Hauch der starren Tuberose,
Der schweren, die in weißen Gluten brennt …
Ich bin, wo tolle Rhytmen wirbeln
Und Menschen lachend sich dem Klang hingeben
Und sinnberauschet in den Tod sich wirbeln …
In allem Dufte, der dich trunken macht
Und süß zu Tode küßt und duftet …
Bin im Accord, der brausend dich durchflutet,
Und deine Seele streichelt und zerreißt,
Dich elend macht und doch unsagbar glücklich!
Mein Reich ist, wenn der silberweiße Mond
Sein schimmernd Gift in Erdenwunden hinweint,
Und Lieb’ und Wahnsinn durch die Lüfte rasen …
In blassen schönen Frau’n kannst du mich fühlen.
Ich weh’ als Athem in des Mundes Gluten,
Ich zuck’ in ihrer Hand, die dich erbeben macht …
Ich bin im Duft der weichen Frauenhaare
Und hab’ an ihrer Brust, der kalten, dich durchfröstelt
Und fiebre in dem Kuß, der dir das Herz versengt …
Komm’, komm’ zu mir! Ich weiß ein schönes Märchen
Und weiß, dein Herz ist krank … ich küsse dich gesund!
In meinem Arm ist seliges Verbluten …
Komm’, komm’ zu mir! Ich weiß ein schönes Märchen …

Genug der duftenden Poesie für heute. Morgen geht es weiter mit Royal Crown – bis dahin alles Gute und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hans Hassenteufel: Tänzerin, Franz von Stuck (1893): Die Sünde, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Ein Duft mit Pferdestärken – Godolphin von Parfums de Marly

Geschrieben in Duft,Leder am 24.01.2012

Heute habe ich einen kleinen Exkurs bzw. Ausritt vor in eine mir unbekannte Welt: die der Pferde. Noch nie saß ich auf einem Gaul, das muss ich zugeben. Dessen ungeachtet war ein bestimmter Duft Anlass genug, mir die drei Blogartikel von Uli noch einmal näher anzusehen, welche sich mit den Düften von Parfums de Marly beschäftigten. Wer sie selbst noch einmal lesen möchte, sei hier, hier und hierhin verwiesen und wird sogleich merken, dass sich alles um Pferde dreht.

Ein bestimmter Duft wurde in dieser Reihe nicht besprochen, der es aber durchaus verdient hätte. Wahrscheinlich kam er erst später in die Kollektion. Auf dem letzten, hier bereits öfter erwähnten Dufttreffen in Bruchsal stieß ich auf einen ganz feinen Lederduft – ihr könnt es Euch jetzt schon denken, auf Godolphin aus genanntem Hause.

Wir dürfen wohl mit Fug und Recht von einem statusbewussten Flakon sprechen, so stellt sich die Firma auch auf ihrer Internetseite dar. Bedenkt man allerdings die Preisklasse mancher Pferde, so dürfte er durchaus ein treffendes Abbild sein.

Wie bei den anderen Düften der Reihe handelt es sich auch bei Godolphin um ein berühmtes Pferd seiner Zeit. “Godolphin Barb” und auch “Godolphin Arabian” wurde es genannt, ein Berberhengst, der ursprünglich Sham hieß und den der Bey von Tunis König Ludwig XV. schenkte. Wir befinden uns also im 18. Jahrhundert – Godolphin Barb lebte sein Pferdeleben von etwa 1724 bis 1753. Der König schaute diesem geschenkten Gaul wohl ins Maul oder war aus einem anderen Grund nicht zufrieden mit dem Tier, sodass es in den Besitz des Engländers Edward Cox gelangte, wo es das vermutlich fröhliche Leben eines Deckhengstes genoss. Shams Bemühungen blieben nicht unbelohnt, und er wurde Vater des berühmten Rennpferdes Lath. Hier sehen wir Godolphin in seiner ganzen Pracht:

Cox starb, weswegen der Hengst in die Hände des 2. Earl of Godolphin gelangte – messerscharf lässt sich von seinem Namen der Name des Pferdes ableiten, unter welchem es bis heute bekannt ist. Nun, auch ein Pferdeleben endet einmal. In der Weihnachtszeit des Jahres 1753 segnete Godolphin das Zeitliche, wurde aber in allen Ehren in seinem Stall begraben. Die Stelle wurde mit einem Gedenkstein versehen, die bis heute im Wandlebury Ring zu sehen ist, einige Meilen südlich von Cambridge.

Godolphin Arabian grave

Selbst in einem Buch wurde seine Lebensgeschichte verewigt, in Marguerite Henrys Kinderroman “König der Winde” und ich bin mir nicht sicher, ob nicht auch die ganze Geschichte oben oder ein Teil davon eher aus dem Roman stammt. Wie dem auch sei, wir haben es mit einem berühmten Pferd zu tun.

Kommen wir nun endlich zum Duft: Feine Gewürze bilden den Auftakt des Duftes. Thymian, Safran, Zypresse und Grüne Noten sind angegeben, doch darf man sich diese in einer weichen und runden Verfassung vorstellen. Gezügelte Würzigkeit mit einem frischen Hauch, der sogleich von einem fruchtig-floralen Beiwerk unterlaufen wird. Und schon zeigen sich die Ledernoten, fein von Zedernholz akzentuiert und weich mit Iris, Moschus, Ambra und Vanille unterlegt. Auf der Haut lässt sich der Duft weniger gut differenzieren. Ich würde sagen, dass die fruchtigen Noten und die Vanille etwas deutlicher herauskommen, krautig angehauchte florale Noten nehmen dem Leder jegliche Bitterkeit und runden den Duft zu einem Ganzen. Sehr fein, sehr distinguiert und meines Erachtens wie das idealistische Duftgemälde eines Spitzenpferdes.

Ein kleiner Geheimtipp von meiner Seite: Wer Clive Christians “C” für Herren liebt, dürfte hier einen unerwarteten und etwas günstigeren Zwillingsbruder finden. Beide sind für mich große Entdeckungen des vergangenen Jahres gewesen.

Mit einem Wiehern verabschiede mich heute von Euch, liebe Leser
Harmen

PS: Die kompletten Duftnoten: Kopfnote: Thymian, Safran, Zypresse, Grüne Noten, Fruchtige Noten, Maté; Herznote: Rose, Iris, Jasmin; Basisnote: Leder, Vetiver, Zedernholz, Moschus, Ambra, Vanille.

Bildquelle: Godolphin via Wikimedia Commons – vielen Dank!

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Unser persönlicher Jahresrückblick – von Uli und Harmen
“Der Hund kann ja springen!”
Kleinmädchenträume…


Atelier Flou die Vierte – Die Damen.

Geschrieben in Duft,Florientalisch am 23.01.2012

Letzte Woche hatte ich bereits damit begonnen, Euch die Atelier Flou-Kollektion aus Paris vorzustellen. Für heute habe ich mir zwei Damendüfte aufgehoben, Shamsin und Paradis Paradis. Sloane Rose war leider kurzfristig als Muster nicht verfügbar, insofern werde ich Euch mit dieser Rezension noch zu einem späteren Zeitpunkt beglücken.

Shamsin liest sich wie ein Florientale – und das ist er auch, wirft man einen Blick auf die Beschreibung sowie die Duftnoten:

„Luxurious, Voluptuous, The mystery of the eternal East. All in this fragrance is sensuality. Made of the “fel” (the jasmine of high Egypt), this fragrance then undulates between the disturbing mystery of the most refined musks of the East and the powerful energy of the finest absolutes: rose of Morocco and ciste of Spain. Unforgettable sensuality.“

Ein luxuriöser, opulenter, raumgreifender Duft, so mysteriös wie Frau an sich, deren Weiblichkeit hier von Blüten, Moschus und Harzen ausgedrückt wird. Werfen wir doch einen Blick auf die Duftnoten: Kopfnote: Jasmin, Narzisse; Herznote: Rose, Iris, Labdanum (Zistrose), Weihrauch; Basisnote: Moschus, Zedernholz, Patchouli, Vanille.

Wow – ein ziemlich eindrucksvolles Blütenbouquet, das sich wie zu Erwarten war umgehend auf meiner Haut breit macht. Jasmin wohin das Auge blickt, von sacht metallisch funkelnder Narzisse durchsetzt und auf Rosen gebettet. Hätte ich die Ingredienzen nicht gelesen, hätte ich schwören können, dass hier auch Geranium eingesetzt wurde – jener minzige Frische der Rosen hätte das gut zu Gesicht gestanden. Und wenn wir gerade beim Wetten sind – ich hätte auf einen Klecks Oud getippt. Denn die Blütenschönheiten haben einen gar ehrfurchtvollen Bewacher: Hölzer und Harze rahmen die vanilleverschleierten Damen ein und verleihen dem Bild einen würdevollen Abschluss.

Ein richtiger Orientale ist das nach meinem empfinden aber trotzdem nicht, aber das mag an meiner Interpretation davon liegen. Shamsin erinnert im Auftakt ein wenig an The Different Companys Jasmin de Nuit, lässt diesen alsbald aber hinter sich und entwickelt sich eher dunkel. Hätte ich es nicht gewusst, hätte ich hier eventuell einen gelungenen neuen Montale vermutet.

Auch der zweite Duft, Paradis Paradis, wartet mit einem Jasmin auf:

„Pure, Original, Impertinent. So feminine, so unpredictable, completely independent. Paradis Paradis is the fragrance of obvious femininity, the full harmony of a bouquet of delicate flowers where the concrete of Iris of Italy dominates and opens out unconstrained. Freedom.“

Ein Blütenbouquet als Sinnbild einer freien Frau oder so ähnlich… Benannt nach Jean-Marie Dallets gleichnamigem Roman konnte ich ehrlicherweise trotz nicht allzu knapper Recherche nicht herausfinden, um was es sich in diesem Roman dreht, obgleich der Verfasser mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde – Frankreichs berühmtester Literaturpreis. Deshalb müssen wir uns den Paradiesen hier ganz unvoreingenommen widmen. Geschaffen wurden sie aus: Kopfnote: Bergamotte, Jasmin, Hagebutte; Herznote: Iriswurzel, Zedernholz; Basisnote: Moschus, Vanille.

Auf den ersten Blick wird gleich klar: Shamsin und Paradis Paradis mögen zwar Schwestern sein dank ihrer beider „Wurzel“ oder vielmehr Hauptingredienz, dem Jasmin. Sie unterscheiden sich aber, wie so oft bei derlei Geschwisterpaaren, wie Tag und Nacht.

Paradis Paradis – ist wunderschön. Ein betörender, lichter, Frische atmender Jasmin ohne jeden Anflug indolischer Noten, weiblich und von bebender Sinnlichkeit genauso wie von blütenweißer Unschuld. Welch wundervolles cremig anmutendes und sachte-süßflorales Blütenmeer! Eines, das von sanft-erdigen Irisnoten und dezenter, fruchtig-mehlig-säuerlicher Hagebutte abgerundet wird, auf einer feinen zurückhaltenden Basis ruhend.

Ich dachte ja eigentlich, mit Acqua di Parmas Gelsomino Nobile sowie mit Floris‘ Night Scented Jasmine hätte ich meine beiden Soliflor-Jasmindüfte gefunden, ich glaube aber, dieser hier muss noch her, so schmachtend wie er mich hinterlässt. Wer auf der Suche nach einem transparenten, realistischer anmutenden hellen Jasmin ist sollte in jedem Fall testen!

Nun ist doch ein Must-Have für mich dabei – für Euch auch? Habt Ihr schon getestet? Eindrücke her meine Lieben!

Einen guten Start in die Woche und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Émile Bernard (1941): The Harem, Albert Joseph Moore: Jasmine, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Geschrieben in Chypre,Duft,Hesperiden,Holziges,Leder am 20.01.2012

Heute sind wir wieder bei Atelier Flou gelandet, denn es stehen noch einige Düfte dieser von Jean‐François Cabos ins Leben gerufenen Linie an, die es zu rezensieren gilt. Stürzen wir uns zum Abschluss der Woche auf die verbleibenden Männer, die da heißen: Black Purple, Eau D’Aviateur und Monsieur Mon Amour.

Black Purple… Beginne ich bei diesem Namen ein kleines Brainstorming, fällt mir sofort im Zusammenhang mit Düften natürlich die Pflaume als Ingredienz ein. Und der Song Black Velvet. Mit ersterem liege ich schon einmal komplett falsch – keine Früchte weit und breit, dafür Folgendes: Kopfnote: „Chypre-Akzent“; Herznote: Rosmarin, Muskatnuss; Basisnote: Ambra, Vetiver, Liatrix.

„Mystery, Terrestrial and celestrial, Charming. All is extreme in this combination of heat and cold. The subtle association between the coolness of the rosemary of Morocco, the true harmony of the nutmeg of Indonesia and a passionate touch of absolute of Liatrix of America delicately associated with a deep amber. Between sky and earth.“

Von Ambivalenz ist bei Black Purple die Rede, von dem Spannungsverhältnis zwischen Wärme und Kälte… Viel interessanter ist aber für viele hier sicher die Frage nach Liatrix – was ist das? Liatrix, Liatris auch Liatrix Odoratissima oder auch Deer’s Tongue ist ein amerikanisches Kräutlein, das vornehmlich in der Savanne wächst. Auf den ersten Blick unscheinbar, entwickelt es getrocknet einen warmen, süßen, zum Teil pudrigen und stark an Vanille erinnernden Duft mit Anleihen von Heu (klar – Liatrix hat einen sehr hohen Cumarin-Gehalt) und Tabak. Zur Aromatisierung von letzterem diente die Pflanze auch Jahrzehnte.

Auch in diesem Duft scheint sie eine zentrale Rolle zu spielen: Zimtige Tabakblätter renken sich meinem Näschen entgegen und es entfaltet sich ein gar eigenartiger Duft. Blattwerk, dunkelgrünes, und Rosmarin, deutlich wahrzunehmen, sehen sich kontrastiert von warm-würzigen Akzenten, die im Duftverlauf immer mehr die Oberhand gewinnen. Samtene Wärme drückt hindurch, und es kommen in der Tat Noten zum Vorschein, die eigentlich nur von besagtem Liatrix-Pflänzchen stammen können: Vanille und Heu, von einem Hauch Ambra geadelt. An was erinnert mich das? Ein kleines bisschen an Parfumerie Générales Felanilla, was dessen dicht gewebtes Vanille-Ambra-Heu-Lager angeht. Sehr interessant – und sehr schwer einzuordnen. Auf den Ursprung des Namens komme ich allerdings immer noch nicht beziehungsweise kann nicht folgen, ganz abgesehen davon, dass ich farblich ganz anderes mit dem Duft assoziiere.

Eau d’Aviateur, der Duft des Piloten… Luftfahrtdüfte gab es schon einige, man erinnere sich beispielsweise an den großartigen En Avion von Caron, gewidmet der ersten Frauen, die fliegend den Himmel eroberten (Maryse Bastié, Adrienne Bolland & Hélène Boucher), oder an Brecourts Eau Libre. Abenteurer sind sie immer, diese Flieger – das sehen auch Atelier Flou so:

„Adventure, Density, Spirit. When the intense scene of extreme skies forces the contemplation by the voyager, from the Andes cordillera to Siberia. Bouquet of blue flowers, petitgrain of Sicily and orange oil of Brazil for this water which goes like one second spiritual skin. Obviousness.“

Flieger, grüß mir die Sonne – und die Agrumenfrüchte, die unter derselben so unwahrscheinlich köstlich heranreifen. Eau d’Aviateur ist ein Hesperidenduft, und insofern nicht wahnsinnig innovativ, gesellt er sich doch zu einer ganzen Reihe an zitrischen Früchtchen innerhalb der Parfumlandschaft. Auch die Ingredienzen oder deren Kombination stechen auf den ersten Blick nicht ins Auge: Kopfnote: Zitrische Noten, Orange, Bergamotte; Herznote: Veilchenblätter, Florale Noten, Petitgrain; Basisnote: Maté, Moschus, Zibet, Sandelholz.

Und doch – Eau d’Aviateur gefällt mir gut. Frisch, dynamisch, prickelnd, bitzelnd, säuerlich-zitrisch. Ein Hesperidenschwall mit dominanter Bergamotte, der Freude macht und den Kopf wach hält, umrankt von ein bisschen grünem Blattwerk und subtilen floralen Anklängen. Dazu gesellt sich eine Prise Tee und die Basis wärmt sandelholzig und moschusgeschwängert. Erinnert mich ein bisschen an Carthusias Mediterraneo oder an Acqua di Parmas Blu Mediterraneo Bergamotto di Calabria und befindet sich insofern in bester sommerlicher Gesellschaft.

Monsieur Mon Amour – beschwört die große Liebe, oder wie darf ich das verstehen?

„Elegant, Refined, Smart. Ultimate elegance signs this fragrance: the glowing of the hearth and the feeling of cosy leathers for an unusual and astonishing refinement. When the incense of Somalia meets the attar of the wood of Gaïac of Paraguay. Serenity.“

Was sich in der Theorie eher abenteuerlich anhört, hat auf dem Teststreifen tatsächlich das gewisse Etwas: Die Mischung aus Zitrusfrüchten, Jasmin, Hölzern und Leder, die ich mir vorab nicht so richtig vorzustellen vermochte. Der Teststreifen kündet von einem Strahlemann: Zitrisch-dynamisch mit einem interessanten Weißblüher-Kick, gebettet auf den üblichen Holzverdächtigen und von einem kühlen Leder veredelt. Hat was – leider nur auf dem Papier. Mein Handgelenk potenziert die vorhandenen Agrumenfrüchte derart, dass mir eine lange Zeit nur noch Fruchtbonbons im Stile von Nimm2 entgegenleuchten. Jene Vitaminexplosion zügelt sich im Verlauf des Duftes, sodass sich Haut und Papier vom Ergebnis her wieder annähern, trotz allem gefällt mir das Ergebnis auf meinem Händchen so nicht. Ich bin aber auch kein Mann, an denen wird sich Monsieur Mon Amour ohnehin schöner entfalten, da bin ich mir sicher.

Für diese Woche werde ich es damit bewenden lassen, nächsten Montag geht es dann weiter mit den letzten beiden Damendüften.

Bis dahin alles Liebe und Euch ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Electric von Kavewall, Photograph of aviator Charles J. Biddle (born 1890), Toul, September 1, 1918 via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Atelier Flou die Vierte – Die Damen.


Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 20.01.2012

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete wollen sich zu Euch auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns bis Sonntag 24.00 eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Dagmar C., Alexandra W., Barbara H., Manfred F., und Günther W. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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