Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Viele kleine Italiener – Visconti die Zweite.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Orientalen,Solifloral am 22.12.2011

Weiter geht es mit Antonio Visconti, jener umfangreichen neuen Kollektion.

Rebel – ein echter Rebell riecht natürlich nach…? Patchouli. Hätte mir klar sein müssen… Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Rebellen und einem Revolutionär? Egal, zumindest sehen sie sich beide als Freiheitskämpfer, soviel lässt sich an Gemeinsamkeit sicher feststellen. Unser Rebell hier hat ein güldenes Patchouliherz und trägt ein großes Feuer in sich, dass ihn zum neuen Patchoulihelden werden lassen kann: Samtig, erdig, süß und mit einer gehörigen Portion Kakao und Puder(zucker) erobert er das Feld, mit glitzernden Mandarinen- und Ylang-Sprenklern bekränzt. Erstaunlich viel Frucht zeigt sich da im Hintergrund – genauso wie ein Röschen, das wohl für die Ideale steht. Keine schlechte Mischung, Rose und Patchouli, wir kennen es von L’Artisan Parfumeurs Voleur de Roses. Jener Duft unterscheidet sich aber sehr von dieser eher gourmandig angehauchten Variante, die viel mehr an Patchouligrößen wie Mazzolaris Patchouly oder Lutens’ Borneo 1834 erinnern will.

Alhambra verdankt seinen Namen jener maurischen Stadtburg in Granada, die seit den 80ern Weltkulturerbe ist und zu den bedeutendsten Bauwerken der islamischen Kunst zählt. Wenn wundert es da, dass der Duft ein Orientale ist? Die Priorität liegt ganz klar auf der Kombination aus warmen Harzen und kantig-charakteristischem Oud, eine wunderschöne Melange, die von Rosen und Safran veredelt wird. Ein leiser Hauch Bergamotte schimmert in der Kopfnote, Koriander stiftet zarte dunkelgrün-aromatische Anklänge und Patchouli haucht dem ganzen noch mehr erdige Wärme und süße Tiefe ein. Ein Fest für Harz- und Patchoulifreunde, keine Frage.

La Divinia Tubereuse ist der nächste Duft in der Reihe – und geschwärmt habe ich schon bei der Beschreibung in unserem Shop:

„Tuberose, die Göttliche – das würde wohl auch Grenouille so sehen, der Protagonist in Süßkinds bekanntem Roman „Das Parfum“. Tuberose, jene edelste der Blüten, deren Duft so schwierig zu gewinnen ist. Jene, die ihre Seele nicht gerne preisgibt und deshalb so kostbar ist.

Visconti hat dieser Blume, von der schon Baudelaire und Goethe schwärmten, ein olfaktorisches Denkmal gesetzt – die Blüte des Begehrens, deren Duft in dieser Ausfertigung unstillbare Begierde in uns weckt: La Divinia Tubereuse ist ein Meisterwerk und vermag es auf unnachahmliche Art und Weise, all jene Facetten abzubilden, für die man Tuberosen lieben (und auch hassen) kann. Als Inkarnation der Sinnlichkeit präsentiert sich jene Femme Fatale der Flora hier, buttrig-cremig, opulent weißfleischig und wächsern und verdreht so Nasen und Köpfe – Gegenwehr absolut zwecklos.“

Wie Ihr als geneigte Leser wohl bemerkt habt, haben es mir Blümchen in letzter Zeit sehr angetan, allen voran Tuberosen. Eine lange und sehr langsame, vorsichtige Annäherung. Jetzt aber kann ich kaum genug bekommen von dieser gefährlichen großen Blüte. Und La Divina Tubereuse ist ein ganz vorzügliches Exemplar, ein Duft, bei dem ich direkt noch schwach werden könnte, obgleich dieses Jahr schon drei hervorragende Tuberosen bei mir Einzug hielten. Im Auftakt für kurze Zeit schüchtern und grün taut unsere Diva alsbald auf und offenbart ihr eigentliches Naturell: Sinnlich und fleischig zeigt sie sich, wächsern weiß und nach allerfeinster Buttercreme duftend, von likörig-beschwipsten Noten und fruchtigen Anklängen begleitet. Ein erdiger Hauch umweht sie, latent umhüllt von versteckt karamelligen Akzenten.

Diese Tuberose, der jegliche mentholisch-metallisch-scharfen Noten fehlen und der auch jenes pilzige Moment, das in Gardeniendüften oftmals hervortritt, abgeht, muss sich nicht verstecken vor der Konkurrenz. Und erst recht nicht vor den großen Tuberosennamen – Viscontis Tuberose spielt meines Erachtens nach in der ersten Liga – und das obgleich es da draußen einige exzellente Tuberosen gibt wie ihr wisst.

Morgen geht es weiter mit Herrn Visconti – bis dahin alles Gute,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Alhambra von Solipsist/Andrew Dunn, Tuberose von Pkgmohan, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Antonio Visconti in unserem Shop.

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Viele kleine Italiener – Visconti die Dritte.
In 80 Tagen…
Duftverzeichnis


Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 22.12.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete wollen sich zu Euch auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns bis Sonntag 24.00 eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Eveline A., Yasutaro G., Nicole C., Annette Sch., und Carola K. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

wunderschöne und erholsame Weihnachtsfeiertage,

wünscht euch

Euer duftes Team

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In 80 Tagen…

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Gourmand,Holziges,Reines und Pudriges am 21.12.2011

um die Erde reiste Phileas Fogg im gleichnamigen Roman des Franzosen Jules Verne – und wir, meine Lieben, wir reisen in drei Tagen um, vielmehr: durch die Welt des Herrn Antonio Visconti. Dessen Duftkollektion ist nämlich dieser Tage bei uns ins Sortiment genommen – für mich Anlass genug, mir diese bis dato für mich komplett unbekannte Linie einmal ausführlich zur Brust zu nehmen und unter die Nase zu klemmen.

Antonio Visconti selbst war ein – Handschuhmacher, ansässig in Paris, der später in Italien die hohe Kunst des Parfumeurshandwerks erlernte. Über 150 Jahre ist das jetzt her – und die Kollektion ehrt jenes Handwerk, indem sie ausschließlich aus erlesenen Ingredienzen besteht, meisterlich umgesetzte Düfte offeriert und mit sehr hohen Konzentrationen brilliert. Soviel zum Hersteller, stürzen wir uns doch gleich ins wohlduftende Getümmel…

Le Temps d’Hiver, die Zeit des Schnees… sollte ja jetzt gerade sein, passt also eigentlich ganz gut. Und Schnee sieht man hier ähnlich umgesetzt wie bei einem anderen Italiener, dem Philosophen Lorenzo Villoresi: Ein Puderzuckerwintermärchen. Die Verwandtschaft mit Teint de Neige ist nicht von der Hand zu weisen, Le Temps d’Hiver ist aber für mich erträglicher, weil einen Tick weniger süß-pudrig-opulent. Was jetzt aber nicht heißt, dass es hier nur verhalten pudrig zur Sache geht: Ein weicher Wintertraum von Mandelwatte in Blütenmilch getaucht, von Samtmarzipan umhüllt und in Hautcreme gebadet.

Cœur de Vanille, das Vanilleherz, wird nicht nur die Herzen von Vanilleliebhabern höher schlagen lassen: Haselnuss, schönste Haselnuss findet sich hier in diesem kleinen Gourmandschätzchen. Eine geröstet-nussig-rauchige Vanille, von pudrigem Kakao verfeinert und von holzigen Anklängen untermalt. Trockene (Ge)Würzigkeit, süße Pfefferschärfe – eine ungewohnte Vanilleinterpretation, die Vanillefans noch zu überraschen vermag und Gegner klassischer Vanilledüfte ebenfalls. Die könnte sie sich nämlich ebenfalls zu Freunden machen.

Bois de Gayac zielt in eine gänzlich andere Richtung: In Micallefschen Gaïacträumen verharrend, hatte ich mir eigentlich einen warmen Holzling vorgestellt. Den entdecke ich hier nicht, oder vielmehr: ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt habe. Von einem selbstsicheren Mann ist da die Rede, von dampfender Erde und rauchigem Holz, von Ritualen, Spiritualität und Wellness. Ein bisschen viel Tamtam und Blabla enthüllt einige Sekunden später einen wirklich außerordentlich schönen Duft: Balsamisches Guajakholz von verhalten süßer Wärme vor einem dezent harzigen Hintergrund, von aquatisch anmutenden Zitrusfrüchten, vornehmlich Orange, gekonnt akzentuiert. Ein überaus schönes Hölzchen, elegant, maskulin und dynamisch – sicherlich aber auch an der richtigen Frau ein Treffer.

Soir de Mer, der Abend am Meer, wird natürlich richtig aquatisch, aber auf eine tolle maritime Art und Weise. Will sagen – man riecht sofort, dass wir es hier mit keinem Discounter-Duschgel-Aroma zu tun haben, ganz im Gegenteil: Der Abend am Meer ist meisterlich umgesetzt mit zitrischen Sternchen, die von luzider Rose durchdrungen werden, Jasmin und schwarze Johannisbeere im Herz sowie Seegräser, Iris, Adlerholz und Tonka in der Basis. Aber was erzähle ich, der Eindruck ist es, der zählt. Ich finde mich hier wieder beim Rendezvous im einsamen Strandlokal, mit einem Mann, der zwar eine unterschwellige Süße offenbart, aber fern von jeglichen Süßholzrasplern rangiert. Für diesen Nicht-Berlusconi und Nicht-Briatore ist dieser Duft perfekt – wohltemperiert und von selbstbewusster, aber keineswegs aufdringlicher Virilität.

Bisheriges Fazit: Bella Italia! Typisch italienisch – und das ist Gott sei Dank dufttechnisch ein Gütesiegel!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Snow Hikes von Michael Faes, Hazelnut von Eran Chesnutt, Evening at Trieste von MichaelaW, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Freitagsverlosung.
Aus Liebe zum Duft – Hinter den Kulissen, Teil 13
Winterneuheiten.


Ein Herren-Lavendel von Nicolaï

Geschrieben in Duft,Krautiges am 20.12.2011

Guten Morgen zusammen,

keine Sorge, vermutlich werde ich doch noch den einen oder anderen Lavendel aus dem Hut zaubern, bevor ich mich einem neuen Thema widmen muss. Ein beherzter Griff in die Pröbchensammlung bringt „Nicolaï pour Homme“ von Patricia de Nicolaï hervor.

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Die Kopfnoten sind wie folgt angegeben: Kopfnote: Galbanum, Orange, Minze; Herznote: Jasmin, Lavendel, Geranium; Basisnote: Eichenmoos, Zedernholz, Tannenbalsam, Tabak, Ambra, Labdanum (Zistrose)

Der eine oder andere wird sich jetzt denken: “Harmen, du Krampe, die Duftnoten kommen mir bekannt vor, schreibst Du eigentlich doppelt, oder was, geh doch heim!?” Daheim bin ich schon. Gewisse Ähnlichkeiten kann ich zum unlängst besprochenenRêverie au jardin“ von Andy Tauer durchaus feststellen, treffen doch auch hier Lavendel, Tannenbalsam, Ambra und Zedernholz aufeinander. Im direkten Vergleich zeigt sich allerdings, dass der Tauer um ein Mehrfaches krachiger, krautiger, grüner und waldiger ist und auch das Tannenbalsam fingerdick aufgelegt hat. Doch zurück zu Nicolaï: Im Auftakt werden die zitrischen Noten nicht versteckt – eine Orange, die durch die beigefügte Minze frischer herauskommt und so eher einer Zitrone gleicht. Die Minze verträgt sich sehr gut mit dem Lavendel im Herzen, ergänzen sie sich doch gegenseitig in ihrer frischen Krautigkeit. Getragen wird das Ganze von einer balsamisch-dunklen Note, die ich dem Galbanum, Ambra und Tannenbalsam anlaste. Hauchdünne Akzente von Eichenmoos und leicht floral-süße Einsprengsel akzentuieren den Duft und geben ihm eine angenehme Komplexität. In der Langzeitwirkung setzen sich die süßlichen Noten durch, immer aber begleitet von einer leichten Krautigkeit.

Wer also bei den Gartenträumereien des Herrn Tauer aussteigen musste, sollte sich durchaus einmal hieran versuchen. Ein edler Herrenduft, den ich mir ohne Probleme auch an einer lavendelbegeisterten Dame vorstellen kann, überhaupt finde ich, dass Lavendel meistens für beide Geschlechter taugt.

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In der Produktbeschreibung wird von Noten des Altweibersommers gesprochen – eine passende Assoziation, wie ich finde, übt doch gerade diese Zeit eine ganz eigene Faszination auf uns aus. Die langen Spinnenfäden, die wie die Haare alter Frauen aussehen – daher der Name –, Gerüche von gefallenem Laub auf der feuchten Erde und die letzten Sommerdüfte, die noch aus den Wiesen steigen…

Auch wenn wir jetzt mitten im Winter stecken, ein bisschen in den Herbst zurückspulen sollte erlaubt sein :-)

Viele Altherrengrüße von
Harmen

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Südländisches Temperament – Azzaro pour homme
Französische Extravaganzen – Les Eaux Extravagantes von Maître Parfumeur et Gantier.
Neuigkeiten die Dritte.


Weihnachtsgeschenke…

Geschrieben in Allgemein,Duft am 19.12.2011

sind immer so eine Sache – zumindest bei mir: So gut wie jedes Jahr nehme ich mir vor, sie rechtzeitig zu besorgen. Und, obgleich ich das bei anderen Sorten Geschenken zu anderen Anlässen eigentlich immer ganz gut geregelt bekomme, mich diesbezüglich auch meine Kreativität und mein Einfallsreichtum selten im Stich lassen, stehe ich fast jedes Jahr kurz vor Weihnachten mit leeren Händen da. Zu spät fallen sie mir ein, die guten Ideen, oder gar nicht, und dann komme ich in Hektik. Geht es Euch ähnlich? Ich habe einfach mal von mir auf andere geschlossen und habe Euch deshalb für heute ein paar Geschenkideen für Weihnachten zusammengetragen – vielleicht kommt das ja dem einen oder der anderen gelegen :)

Ein All-Time-Favorite von mir und absolutes Must-Have zur Weihnachts-, aber auch Winterzeit ist die Duftkerze Noël von Annick Goutal: Die ganze Magie der Weihnachtszeit verspricht uns die Firma mit diesem wunderschönen Kleinod einzufangen. Und, so vollmundig dieses Versprechen auch klingen mag, Noël duftet genau so: Wie ein von Kerzen erleuchteter Weihnachtsbaum mitten im Schnee, glitzernd und schillernd. Zitrusfrüchte, Orangen und Mandarinen, die auf mächtige, majestätische Kiefer treffen, von beeindruckendem Wuchs, holzig und harzig. Ich rieche hier weder Gewürze noch Kekse, kein Nikolaus weit und breit, einfach nur ein beeindruckender Baum, der jedes Mal wieder Wohlgefühle in mir weckt und mein Herz hüpfen lässt. Neben Kerzen in unterschiedlichen Größen gibt es den Duft auch als Raumspray.

Wer den Duft von Kiefern schätzt und Skifahrer ist, findet sicher mit Memos Duftkerze Mad about Gstaad den richtigen Begleiter: Ebenfalls nadelig, aber mit ein bisschen mehr Bling-Bling, sprich: Pudrigkeit und einem Hauch floraler Femininität bildet die Kerze die weihnachtliche Pracht des Nobelwintersportortes gediegen ab.

Eher in Richtung Weihnachtsbäckerei tendieren die drei Raumduftprodukte von Linari, Parks und Millefiori: Linaris Natale (als Raumspray und Diffusor erhältlich) duftet gar köstlich nach so ungefähr allem, was einem Deliziöses zu Weihnachten einfallen mag – Mandeln, Orangen, Gewürznelke, Zimt und Bourbonvanille, verfeinert von zarten floralen Noten und abgefedert von einem sanften Moschusfond. Parks Aromatherapy-Kerze Cinnamon & Clove hält, was der Name verspricht: Gewürznelke und Zimt, würzig-süß und von aromatisch-holziger Wärme mit einem dezenten Schärfekick – für Liebhaber jener Ingredienzen ein Must-Have. Millefiori wartet mit einem unschlagbaren Set auf, das so gut wie jeden Geschmack trifft: Zwei kleine Diffusoren, Polvere di Stelle und Panettone, genannt, verströmen den Duft von Puderzucker sowie jenes traditionell italienischen Weihnachtsgebäcks. Verpackungstechnisch ist hier für jeden etwas dabei: Linari gewohnt puristisch in schlichtem Grau gehalten mit matt-golden gebürstetem Etikett, Parks in typisch englischem Understatement und die Italiener in rot und blau glitzernd, das es eine wahre Freude ist.

Bei Mizensirs Weihnachten in den Bergen schätzt man das Schokoladenfondue als Kommunikationsritual: Die Duftkerze Noël à la Montagne betört mit feinster cremiger Schokolade, pudrigem Kakao sowie neckischen Gourmandanklängen wie Karamell und Mandelkern und lassen damit Süßmäulern das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Baobab mögen es diesmal extravaganter und präsentieren eine nach meinem Lieblingsweihnachtsmärchen „Rudolph the red-nosed Reindeer“ benannte limitierte Edition einer Duftkerze: Ein Duft, drei verschiedene kuhbefellte Varianten, die die Namen einiger Rentiere tragen – Rudolph, Prancer und Blitzen – und wie von der Firma gewöhnt diverse unterschiedliche Größen. Sanft ist er, dieser Duft, obgleich er nach Gewürznelke und Misteln riecht, und in der ganzen Winterzeit zu verwenden, holzig und von ambriert-süßer Wärme. Eine typische Baobab-Kerze in einzigartigem Design.

Ein tolles Mitbringsel zu Weihnachten ist das kleine Seifenset aus dem Hause Klar: Der Familienbetrieb fertigt seit über 170 Jahren Seifen, man könnte also sagen, dass die Damen und Herren Erfahrung haben. Das riecht man auch ihren Seifen an und ich finde das Set, das aus zwei Seifen in Weihnachtstalerform besteht, die einmal nach Zimt und einmal nach Zitronengras riechen, ganz entzückend.

In die gleiche Kategorie, nämlich die der kleinen Mitbringsel oder der zusätzlichen kleinen Geschenke fallen für mich immer und immer wieder, nicht nur zu Weihnachten, die Lippenpflegestifte von Ganache: Erstens, weil sie unglaublich gut pflegen – und ich habe wirklich ständig Probleme mit aufgerissenen Lippen und schon Dutzende (!) Firmen verschlissen. Und zweitens, weil sie verlockend gut schmecken. Ich weiß – man soll derlei Stifte weder essen noch ständig an den Lippen herumschlecken. Aber Ihr müsst schon zugeben – Kosmetik, die gut riecht, verwendet man lieber. Und alles, was man auf den Lippen trägt, sollte auch gut schmecken, sonst nimmt man es nicht. Ganache verführt mit zauberhaftem Sorten für Naschkatzen. Sorten, die nicht nur, aber auch zur Weihnachtszeit perfekt passen. Meine Lieblinge sind übrigens Schokolade Orange für Herbst/Winter und Lemon Mousse für den Sommer.

Und wenn es denn ein Duft sein soll, der auf die Haut darf, gibt es ebenfalls jede Menge nette Ideen zu Weihnachten: Einerseits einmal die Düfte, die Weihnachten thematisch aufgreifen, als da wären zum Beispiel Carons Nuit de Noël, der Klassiker und Lagerfeld-Liebling, Parfumerie Générales Un Crime Exotique oder auch État Libre d’Oranges Noël au Balcon. Über alle drei hatten wir hier schon berichtet – wenn Ihr nachlesen wollt, siehe Nuit de Noël, Un Crime Exotique und Noël au Balcon.

Darüber hinaus lassen sich ja zu Weihnachten auch ganz hervorragend besonders aufgemachte Sets verschenken. Diesbezüglich finde ich dieses Jahr die Duftsets von L’Artisan Parfumeur sehr schön, Doorways of Paris für die Dame und den Herren. Hier finden sich jeweils drei Klassiker und Bestseller des Hauses in praktischer 15ml-Größe – toll, wenn man sich nicht entscheiden oder festlegen mag, nicht genug bekommen kann oder auch, um einen ersten Eindruck des Hauses zu gewinnen. Penhaligon’s wartet mit einem sehr ähnlichen Set für die Dame auf, offeriert aber darüber hinaus noch weitere liebevoll illustrierte Sets, die jeweils Duft, Kerze und wunderhübsch verpackte Streichhölzer enthalten – diese gibt es für Malabah und Blenheim Bouquet.

Bei Molton Brown finden sich ganzjährig exzellente und unterschiedlichste Geschenksets, die sich selbstverständlich auch zu Weihnachten eignen. Mir persönlich gefallen auch die neuen Amouage-Geschenksets sehr.

Aber es drehte sich ja um Geschenke für – die anderen. Nicht für mich. Und ich hoffe, ich konnte den Unentschlossenen unter Euch noch ein wenig Inspiration bieten!

In diesem Sinne: Frohes Geschenke besorgen und noch froheres Beschenkt-Werden, aber – nur keinen Stress! ;)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Last Minute-Geschenk-Idee: As time goes by…


Etwas länger…

Geschrieben in Verweise am 17.12.2011

… habe ich gebraucht, um dieses nette kleine Video zu finden – vielleicht kennt Ihr es schon, ich dachte, ich verlinke es trotzdem einmal: Ben Gorham, der (äußerst attraktive ähöm) Gründer von Byredo im Gespräch mit dem führenden Kreativmenschen des New Yorker Kaufhauses Barney’s, Simon Doonan, auch Buchautor und bekannt für seine spitze Zunge:

Simon speaks to Ben Gorham of Byredo Parfums from BARNEY'S NEW YORK on Vimeo.

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Fremdgegangen.
Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung einmal anders…


Jovoy Paris die Dritte.

Geschrieben in Duft am 16.12.2011

Zwei Düfte sind es noch von der Firma Jovoy Paris, die (m)einer Rezension harren – damit möchte ich heute dann meine Serie beschließen. Übrig geblieben sind La Liturgie des Heures sowie L’Arbre de la Connaissance.

Gewichtige Titel, das wird auch demjenigen nicht verborgen bleiben, der kein Französisch spricht.

Die Liturgie des Heures ist das Stundengebet oder auch Tagzeitengebet, eine christliche Bet-Tradition, die in allen dazugehörigen Kirchen gepflegt wird.

Der Duft ist ebenfalls von Jacques Flori, wie gestern schon Enfant Terrible. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass Flori einen sakralen Fetisch zu haben scheint – oder vielleicht auch nur einen christlichen Background, vielleicht als Messdiener? In jedem Fall entstammt der wunderschöne Weihrauchklassiker Messe de Minuit, die Mitternachtsmesse aus dem Hause Etro, seinen Händen. Und wenn ich Euch jetzt verrate, dass natürlich auch die Liturgie Weihrauch enthält, dann werden die Liebhaber jener Ingredienz vermutlich schon ganz zittrige Knie bekommen…

Vollkommen zu recht, meine Lieben! La Liturgie des Heures ist ein echter Weihrauchkracher und könnte sogar mich wieder in den Schoß der Kirche treiben, was wirklich etwas heißen mag: Vorbild war natürlich eine alte Kirche, was sonst, und verwendet hat Flori frisch-grüne Noten, Zypresse, verschiedene Weihrauchsorten, Labdanum, Myrrhe und Moschus.

Schon als ich die Liturgie auf meiner Haut spüre, wallt mir eine voluminöse Wolke ehrfurchtgebietendem Weihrauch entgegen und ich muss sofort an einen Duft denken, den ich schmerzlich vermisse: Norma Kamalis Incense. Über ihn hatte ich einmal Folgendes auf einem Parfumboard geschrieben:

„Das ist sie, die kontemplative FSK18-Variante eines Weihrauch-Duftes: Trocken, tiefdunkel-holzig, subtil harzig und rauchig, eigentlich vielmehr – schwelend. Weihrauchglut. Mehr Weihrauch geht nicht. Authentischer, schöner und erhabener erlebt man auch nicht oft. Ein perfekter und leider völlig unterschätzter Duft.“

Leider existiert Kamalis Incense nicht mehr, er wird nicht mehr produziert und mir bleibt nur noch ein mageres Restchen, das ich für Euch anlässlich eines Vergleichs vorgekramt habe. Für Kamalis Weihrauch fanden sich als Ingredienzen nur Weihrauch und Myrrhe – und in der Tat, er ist trockener und auch süßer, mit einem erdig-metallischen Unterton. Diese Süße geht der Liturgie etwas ab, hier findet sich eine Kühle, einen Tick weniger warme Süße, der mehr Frische innewohnt – an den kühlen Hauch erinnernd, der einen in einer alten Kathedrale gerne umweht.

Hier trennen sich die Wege mit Kamalis Incense etwas – allerdings geht es auch nicht weiter in Richtung Etrosche Mitternachtsmesse. Diese scheint Flori deutlich hinter sich gelassen zu haben, was mir Bewunderung abnötigt: Messe de Minuit ist vollkommen anders, ist kaltes und vor allem auch feuchtes Kirchengemäuer – woher sie kommt, diese Feuchtigkeit? Ich vermute von den Hesperiden im Kopf, die aber in der Liturgie gänzlich fehlen. Diese tendiert eher in Richtung von Parfum d’Empires Wazamba und Lutens’ Fille en Aiguilles, die beide ungefähr gleichzeitig herauskamen und die mir auch gefielen, an denen ich aber nichtsdestotrotz jeweils etwas zu bemängeln hatte: Für meinen Hausgebrauch störte mich in Wazamba der Apfel und in Lutens Mädchen die Noten von Trockenfrüchten. Beides hat die Liturgie nicht, die sich mönchisch-karg auf ihre Zypresse beschränkt (die im übrigen auch Wazamba innewohnt). Und somit ein wunderbarer Kaufkandidat für mich ist, mit dem ich einige Schnippchen gleichzeitig schlagen kann.

L’Arbre de la Connaissance, der Baum der Erkenntnis. Für Buddha war es wohl ein Feigenbaum, wie Hénin erzählt – ganz klar, dass hier also eine Feige zu finden ist. Die Erkenntnis, meine Lieben, ist hier noch ganz frisch: Eine leuchtend-grüne Feige haben wir hier, strahlend, fruchtig, säuerlich, inmitten von frischem Blattgrün, in allen erdenklichen Grünnuancen schillernd und von Grashalmen sanft umrankt. Geerdet wird das Gewächs von ein wenig Patchouli und süß-holzigem Sandel.

Woran es mich erinnert? An eine äußerst adrette Mischung aus Six Scents Series 1, No. 3 – The Spirit of Wood und Parfumerie Générales Jardin de Kerylos mit einer Prise des mediterranen Garten von Hermès.

Und damit kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass mir die neuen Jovoys richtig gut gefallen und ich sie Euch als Testempfehlung nur ans Herz legen kann! Sie haben mit den alten Düften der Kollektion gar nichts gemein und sind allesamt sehr charakteristisch. Für mich sind sogar ein bis zwei Kaufkandidaten dabei.

Und für Euch? Habt Ihr schon getestet? Berichtet mal, ich bin gespannt!

Ein schönes Wochenende und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Cathédrale de Strasbourg von Stephane Martin, William Blake (1808): The Temptation and Fall of Eve – illustration to Milton’s Paradise Lost, Fig Tree von Toledo/Chris Shaheen, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Jovoy Paris die Zweite.
Die wilden Zwanziger Jahre…
Global Art of Perfumer 2012 – Die Zweite.


Jovoy Paris die Zweite.

Geschrieben in Duft am 15.12.2011

Nachdem ich Euch gestern bereits die ersten beiden neuen Düfte von Jovoy Paris vorgestellt habe, geht es heute flott weiter mit dieser Kollektion, die mich, ich habe es gestern schon erwähnt, immer neugieriger macht.

Beginnen möchte ich mit Private Label, von dem Hénin, der Mann hinter Jovoy erzählt, dass er sein idealer orientalischer Duft sei. Ein archetypischer Duft, der Eindruck macht und Spuren hinterlässt…

Was soll ich sagen? Tja, Private Label erfüllt die hoch gesteckten Ziele über die Maßen. Brainstorming gefällig? Mann-Mann. Das maskuline Pendant zu Piguets Bandit. Fougère-Anleihen – spinnt meine Nase schon? Vielleicht – denn es raucht, und wie es raucht…

Private Label verschwendet keine Zeit und kachelt gleich los, als ob es kein Morgen gibt – in drei Sekunden bei 200, mindestens: Rauchigster (!) Vetiver mit Salzkruste, ein deutlich auf die Spitze getriebener Chanelscher Sycomore, zu dem sich kantig-rauchig-cremiger Papyrus gesellt, ähnlich düster-dunkelgrün schillernd wie in Parfumerie Générales Papyrus de Ciane. Holzigkeit macht sich breit und bringt Harze mit sich, leise schwelende Räucherwaren, eher kühl anmutend. Kalt ist er nicht, der Duft – aber trotzdem fehlt im jede Spur von Wärme. Dafür gibt es nun Leder, und zwar schönes Glattleder, dass von ernsthafter Zeder in gewohnt sauberer Anmutung gekonnt unterstrichen wird. Patchouli erdet auf ungewohnt leisen Sohlen im Hintergrund und stiftet einen kühlen Klecks Süße, von Sandelholz dezent bekräftigt.

Private Label ist – ein Statement. Und ein ziemlich cooles noch dazu. Auf meiner Haut in erster Linie Vetiver-Leder, an eine geniale Mischung aus dem alten Route du Vétiver von Maître Parfumeur et Gantier in Kombination mit Odoris Cuoio erinnernd. Einen Allerwertesten sollte man schon in der Hose haben, um diesen Duft tragen zu können – hat man den, können ihn, wie ich finde, nicht nur Männer tragen, auch der einen oder anderen durchsetzungsfähigen Dame könnte er gut zu Gesicht stehen. Aber Vorsicht, meine Lieben – Private Label rockt. Und ist kernig, aber hallo. Ob nun (Motorrad)Rocker oder Herrenzimmer, das ist ein echter Kerl, den Cécile Zarokian geschaffen hat. Ein Orientale? Nein, den sehe ich hier nicht. Aber einen Underdog, der einen überaus eleganten Abgang hat. Insofern passt er schon wieder zu Hénin, den ich mir mal im Firmenvideo angeschaut habe (Jovoy Paris ist nicht nur ein Dufthaus, man betreibt auch eine Nischenduftparfumerie in Paris). Trotzdem muss ich schmunzeln bei dem Gedanken, dass dieser Mann sich einen solchen Duft als olfaktorisches Soulmate auserkoren hat…

Von Kanten nun zu Verrücktem: Enfant Terrible heißt Duft Nummer vier, und wurde von Jacques Flori kreiert. Auch er kein Unbekannter – einiges für Reminiscence geht auf sein Konto, darüber hinaus Etros Messe de Minuit, Shaal Nur sowie Anice, des weiteren diverse Düfte für Xerjoff und Amouages Opus IV.

Ein Verführer soll es sein, das Enfant Terrible, kindlich und erwachsen gleichermaßen, mitreißend und sprühend – das kann ich definitiv nachvollziehen anhand des Duftes: Trockenfruchtig und würzig reißt er einen mit auf eine Reise, die viel orientalischer ist als Private Label je werden konnte. Getrocknete Datteln von konzentrierter Fruchtsüße, Orangen und Mandarinen, prall-saftig und sonnengereift. Koriander und Kräuter stiften krautige Akzente und Kumin, ja Kumin offeriert die ihm eigene nelkenpfeffergeschwängerte Würze. Moschus und Sandelholz formen einen warm-holzigen Untergrund.

Unser Enfant Terrible hier ist ein Abenteurer, definitiv. Einer, der gerne reist, den es hinauszieht in die Welt, vor allem – die arabische. Denn Enfant Terrible ist ein Orientale, und zwar ein satter. Und erinnert mich ganz stark an einen Duft, den ich sehr liebe – an Serge Lutens Arabie. Wer schon immer eine etwas zivilisiertere Variante von Arabie gesucht hat könnte hier goldrichtig sein.

Einen schönen Tag Euch und bis morgen – da bin ich dann zurück mit den restlichen zwei Jovoys!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: William Radclyffe (1848): Lobby of the Athenaeum Club in London, Spice souk in Deira, Dubai UAE von Stzeman, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die wilden Zwanziger Jahre…
Jovoy Paris die Dritte.
Global Art of Perfumer 2012 – Die Zweite.


Die wilden Zwanziger Jahre…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft am 14.12.2011

waren die große Zeit einiger französischer Parfumhäuser – neben Caron, Guerlain, Isabey und Lubin schillerte auch Jovoy, was unter anderem auch an Blanche Avroy lag, der Gründerin, und wie man munkelt eine bekannte Pariser Persönlichkeit. Wie leider bei einigen dieser Häuser verglühten deren Sterne Jahrzehnte später, so strahlend sie auch einmal am Himmel standen – um Jovoy wurde es genauso still wie einst um Lubin. Umso schöner, dass sich in beiden Fällen jemand berufen fühlte, diese klassischen Häuser wieder aufleben zu lassen. Über Thévenin, den Mann hinter Lubin, diesem altehrwürdigen Haus und Stück französischer Kulturgeschichte, habe ich schon viele Loblieder gesungen. Heute ist nun Jovoy Paris an der Reihe.

Einige werden sich fragen, wie ich JETZT auf Jovoy komme – Jovoy hatte doch bereits vor einigen Jahren eine Renaissance erlebt, die allerdings eher unter ferner liefen gehandelt wurde. 2006 kamen sie auf den Markt, Les 7 Parfums Capitaux – eine in lilablassblaue Flakons gehüllte Dufttruppe von sieben Düften, die auf die Namen klassischer Parfumfamilien hörten – Marine, Chypre, Fougère, Poudre, Boisé, Hesperidé und Oriental. Ich habe sie damals alle getestet und fand sie – schön, durchweg. Zwei davon wanderten in meinen Besitz – Boisé sowie Chypre, von denen mir vor allem letzterer gefällt: Ein klassischer Chypre, nicht mehr und nicht weniger. Das trifft so auch auf den Rest der Kollektion zu, zumindest meines Erachtens nach: Man bekommt, was auf dem Etikett zu lesen ist. Handwerklich sehr gut umgesetzt, aber nicht wahnsinnig innovativ – muss es aber auch nicht immer sein, das meine ich ganz ernsthaft. Ich in jedem Fall bin glücklich mit meinem Chypre.

Als dieser Tage bei uns die zweite Renaissance (oder der erste Relaunch seit der Renaissance) von Jovoy eintrudelte, war ich mehr als neugierig: Ganz andere Namen, komplett geänderte Flakons, Düfte, deren Beschreibungen einiges versprachen, deren Zutaten sich so lasen, als ob sie wesentlich komplexer und kantiger sein dürften als ihre Vorgänger, und nicht zuletzt Jungparfumeure, die schon anderen Stellen von sich hören gemacht hatten. Meine Neugierde wurde nicht enttäuscht – und Ihr dürft gespannt sein auf eine tolle kleine Kollektion, die ich Euch diese Woche vorstellen werde.

Beginnen möchte ich heute mit Ambre Premier und Psychédelique.

Ambre Premier, der erste Amber, vereint Fans aller möglichen Ambrafacetten: Am Anfang war… trockene Würze. Rauch. Harzigkeit, glühende, gülden schimmernde. Ernsthaft und erhaben schreitet er einem entgegen, König Ambra der 1., gehüllt in einen dunklen Mantel erdig-süßen Patchoulis, um dann im Tête-à-Tête seine weichen Seiten zu offenbaren. Gewürznelke meine ich da zu entdecken, die auf einer Vanillewolke ruht, einer pudrigen. Piment? Muskat? In jedem Fall aber entspringt aus der Mitte ein Fluss von Rosenwasser, üppig floral und perfekt harmonierend mit jener mittlerweile samtigen Ambra, von subtilem Tabakrauch eingerahmt.

Ambre Premiers Basis ist dann noch eine Spur versöhnlicher – und ich sehe in dem Duft tatsächlich den Duft eines Rendezvous, den Ablauf eines Rendezvous. Er erinnert mich an eine undefinierte Filmschönheit, eine selbstbewusste – vielleicht an die alte Sophia Loren? In jedem Fall stelle ich sie mir eher dunkelhaarig vor, was aber nicht heißt, dass dieser Amber nicht auch von hellhaarigen Damen getragen werden kann oder auch Männern – an denen stelle ich mir dieses verführerische Düftchen nämlich ebenfalls ganz hervorragend vor.

Ambre Premier ist, obgleich ein typischer Italiener, ein innovativer Amber: Jene Rosen-Ambra-Mischung ist ein noch unausgetretenes Thema, und der zwischen harter Schale und weichem Kern oszillierende Amber gefällt mir ausnehmend gut. Der Parfumeur ist im übrigen Michele Saramito, der mich schon mit Amouages wunderbarem Fougère Opus II hellauf begeisterte und darüber hinaus noch Prince Jardinier Citrus Allegro sowie Ferrès Gieffeffe und zwei Düfte für Lily Prune kreierte.

Psychédelique ist ein… Patchouli, was sonst. Gebetsmühlenartig wiederhole ich es: Jede italienische Linie, die etwas auf sich hält, hat einen – einen Patchouli. Ein solcher steht uns nächste Woche, soviel sei verraten, mit den Antonio Visconti-Düften noch ins Haus – jetzt aber wieder zurück zu Jovoy Paris und zu François Hénin, dem jetzigen Mann dahinter. Dessen große Liebe ist er, dieser Patchouli, ambriert, üppig und opulent, Woodstock lässt er natürlich auch nicht unerwähnt… Schauen wir uns das gute Stück doch einmal an, dass von Jacques Flori kreiert wurde.

Ich glaube, ich hatte es schon ausführlich erwähnt – ich bin, im Gegensatz zu meinem Chef, kein ausgesprochener Patchoulifan, um es mal diplomatisch auszudrücken. Zu viele New Wave-Clubs in meinen Jugendjahren, zu viele schwarz gewandete Teenager auf Selbstfindungstrips, die in wogenden Wolken von Patchouli ihre hormonellen Depressionen (durch)lebten (wovon ich mich, ganz ehrlich, nur teilweise ausnehmen kann und darf ;)). In jedem Fall befinden sich exakt vier eher monothematische Patchouli-Düfte in meiner Kollektion: Borneo 1834, Mazzolaris Patchouly, Mazzolaris Lui und Etros Patchouly – die ersten drei liebe ich heiß und innig, letzteren benutze ich selten zum Layern.

Psychédelique nun vereint, wie schon sein soeben besprochener Amberbruder, alles Gute jener Düfte und bringt somit die Ingredienz ganz vortrefflich zum Strahlen: Sanfte Erde, likörige Süße, Karamell, ein Hauch nassen Laubs, Samtigkeit, an Kakao, tiefdunklen, erinnernde Pudrigkeit. Das Beste aller Welten vereinigt sich hier – und ich muss sagen, dass mich Psychédelique wirklich äußerst positiv überrascht hat, New Waver und Barfuß-Hippies hin oder her. Auch, wenn es schon viele Patchouli-Düfte gibt – sich diesen hier anzusehen ist ganz bestimmt kein Fehler!

Morgen geht es weiter mit einer Kollektion, auf die ich immer neugieriger werde…

Liebe Grüße und bis dann,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Sophia Loren von Allan Warren, Flower Power Bus von Johannes Aubele, some rights reserved, vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Jovoy Paris in unserem Shop!

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Ewige Jugend mit Penhaligon’s

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Hesperiden am 13.12.2011

Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Lavendel, Salbei; Herznote: Geranium, Kaffee; Basisnote: Vetiver, Muskatnuss, Schwarzer Pfeffer, Kardamom, Moschus, Leder, Sandelholz, Weihrauch, Myrrhe…

Selene and EndymionAlso wenn das nicht aufregend klingt! Ob dieser Duft nun wirklich in meine Lavendelserie passt, wird sich noch zeigen müssen, einige andere dominante Ingredienzen lassen vermuten, dass der Duft auch in eine ganz andere Richtung gehen könnte. Die Rede ist von Endymion aus dem Hause Penhaligon’s.

Der Name Endymion führt uns in die griechische Mythologie: Endymion war der Liebhaber der Mondgöttin Selene. Um ihn unsterblich zu machen, versetzte ihn Zeus in einen ewigen Schlaf, der ihm seine Jugend erhalten sollte. Sonderlich tief geschlafen hat Endymion allerdings nicht, denn Nacht für Nacht kam Selene in seine Höhle, und diese Besuche führten zur Geburt von 50 Töchtern – der gute Endymion hat also nichts anbrennen lassen.

Ich bin neugierig, deswegen lasse ich mich nun nicht aufhalten, den Duft aufzusprühen. Auf dem Duftstreifen geht es streng nach den Angaben in der Kopfnote frisch her, denn Bergamotte und sicherlich auch etwas Kardamom sorgen für einen lebendigen Auftakt, der mit einigen bitteren Noten aber schon verrät, dass wir es hier mit keinem reinen Hesperidenduft zu tun haben. Deutlich kommt daraufhin auch Geranium zum Vorschein mit einer floralen, rosenähnlichen Note, die von sauberen Aspekten begleitet wird. Möglicherweise sind hierfür die Hölzer verantwortlich.

Da ich mal wieder so nicht weiterkomme, werde ich nun selbst beduftet. Natürlich fehlt auch hier der frische Auftakt nicht, aber es geht jetzt doch recht schnell in die floral-seifig-klassische Ecke und die große Frage für mich ist, wo denn eigentlich der Lavendel abgeblieben ist. Insgeheim hatte ich auch ein bisschen gehofft, kräftige Kaffeenoten zu finden, oder wenigstens einen ausgeprägten Weihrauchgrund. Hätte doch nur der Schwarze Pfeffer oder das Leder ein wenig vorlauter aufgespielt. Apropos Basisnoten: ein wenig Moschus zeigt sich schließlich, um in der insgesamt mäßigen Haltbarkeit des Duftes unterzugehen.

Natürlich ist mir klar, dass sich Penhaligon’s das klassisch-britische Understatement-Mäntelchen umgehängt haben, und dieser Linie bleiben sie auch bei diesem Duft treu. Ich hätte mir hier trotzdem etwas mehr Profil gewünscht, ist doch die griechische Mythologie voller sprudelnder Leidenschaft und großer Tragik. Mit Endymion haben wir einen äußerst distinguierten englischen Herrenduft vorliegen, der ganz hervorragend zu einer gehobenen Abendgarderobe passt.

In meine Lavendelserie passt Endymion allerdings absolut nicht, und meine Enttäuschung sei mir verziehen – ich habe schlicht und ergreifend mit einem ganz anderen Duft gerechnet. Unter dem Vorzeichen eines noblen Herrenduftes erfüllt Endymion jedoch alles, was das Herz begehrt. Wenn es denn Penhaligon’s sein soll, bleibe ich bei dem kürzlich besprochenenJuniper Sling“, wenn es ein Kaffee-Leder-Duft sein soll, greife ich dann doch lieber zu dem guten alten “Charles Street” von Mark Birley.

Was haltet Ihr von Endymion? Übrigens gibt es zu diesem Duft auch noch eine Duftkerze, eine Shaving Cream und ein Bath & Shower Gel.

Liebe Grüße
Harmen

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