Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 18.11.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail bis Sonntag 24.00 an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Carola T., Alesia P., Hendrik S., Günther W. und Sabine E.  – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung


Olfactive Studio – die Dritte.

Geschrieben in Duft am 17.11.2011

Olfactive Studios dritter und letzter Duft: Chambre Noire, das dunkle Zimmer – hiermit ist (hoffentlich?) kein Sado-Maso-Darkroom gemeint? Nein, es ist die eigene Vorstellung gemeint, vielleicht das Unterbewusstsein, vielleicht auch jener Zustand im Dämmerschlaf. Die Phantasie, die das Ruder übernimmt sobald wir die Augen schließen. Wo habe ich das einmal gelesen? Schon seit Jahren suche ich nach der Quelle – tausende kleine Fluchten, die wir begehen, wenn sich das Lid senkt und das Auge für Bruchteile schließt, um zu blinzeln… was für ein schöner Vergleich, oder nicht? Clémence Réne-Bazin, die Photographin des diesmal meines Erachtens nach sehr gelungenen Fotos erzählt zum Namen „Chambre Noire“ Folgendes:

„What happens in the darkroom? Mystery. Behind the thick curtain of the imagination, minds ignite. Serge Gainsbourg did sleep in a dark room but it was another genius, Leonardo da Vinci, who would win the paternity test. In the darkroom, light is queen and darkness the heir apparent. Light uses the closed space to cast shapes and contours. The darkroom is magical. Its optical formula transforms, with astounding precision, the real into its inverted and reverted image. It plays tricks on the eye and makes us see the world upside down. The eye becomes dizzy. In the darkroom, shadows are promises. To satiate the obscure object of photographic desire, it is worth taking the time to do it in the dark. Isolated in this space, something from the realm of intimacy and secrecy occurs. A lover’s ritual takes shape. Patience and attention are required for the enchantment to happen, for the dark to illuminate. The darkroom re-wakens focus and contemplation and keeps speed and haste at bay. It is a temple for the eye to meditate; a temple, for it shelters as much as it reveals; captures as much as it delivers.“

Kreiert hat  Chambre Noire eine weitere Frau, nämlich Dorothèe Piot, die bei Robertet tätig ist. Ich musste auch nachlesen – außer Memoir Woman für Amouage hat man von Piot noch nicht viel gehört beziehungsweise geschnuppert, einige (mir) unbekannte Mainstreamer, das war es. In jedem Fall lässt sich die Dame von guten Köchen und der Kochkunst inspirieren und liebt den Geruch von Trüffeln und… Patchouli. Jener ist vermutlich in diesem Düftchen hier auch satt vertreten, was alleine die Farbe schon erahnen lässt. Ansonsten hat Madame Piot verwendet: Kopfnote: rosa Pfeffer; Herznote: Jasmin, Papyrus, Veilchen, Weihrauch, Pflaume; Basisnote: Sandelholz, Patchouli, Moschus, Vanille, Leder.

„A sensual and mysterious fragrance, Chambre Noire reveals itself from the shadows using the spotlight of the vibrant top note. A fragrance to be shared in the privacy of some far-off hotel room.

It reveals its character gradually, exuding sensual notes of leather against a backdrop of warmth and opulence.“

Ein sinnlicher und mysteriöser Duft, Licht und Schatten und die Privatheit eines fernen Hotels…

Ambivalenz ist das erste Wort, das mir dazu einfällt… und es trifft auch den Duft sehr gut: Eine dicke Wolke Patchouli entert meine Nasenflügel, lässt aber alsbald unter ihrem dicken, dichten Kleid noch andere Facetten hervorblitzen – gestrenges ernstes Glattleder mit einem deftigen Raucharoma, das von einer kinky anmutenden Vanille-Lolita kokett umgarnt wird, was mich an Annick Ménardos genialen Patchouli 24 für LeLabo erinnert. Samt drängt sich unter den Rauch, genauso wie eine Portion Erde, eine holzige Süße, subtile Weißblüheranleihen und, wenn man es weiß, eine gut versteckte Pflaume, die man sonst vermutlich in einer fruchtig-floralen Anmutung belassen hätte.

Kein typischer Patchouli, nein. Einer, der Harzfreunden gefallen wird, wenn es ein gewaltig rauchen darf. Und einer, der für mich wieder ganz typisch die Handschrift der bisherigen Olfactive-Studio-Düfte wiederholt: Unpräteniös, besonders, authentisch und nicht aufgesetzt, unkonventionell. Doch, ich mag diese Linie. Und hoffe, dass da noch Einiges folgen wird.

Wie sieht es mit Euch aus, habt Ihr schon getestet, ist was für Euch dabei?

Gespannte Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie die komplette Olfactive Studio-Kollektion in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Olfactive Studio – die Zweite.
Olfactive Studio…
Unser persönlicher Jahresrückblick – von Uli und Harmen


Olfactive Studio – die Zweite.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Holziges am 16.11.2011

Autoportrait ist der zweite Duft der neuen Nischenduftfirma Olfactive Studio – und er bedient sich hohen Motiven, geht es doch, einmal mehr, um das Selbst:

„A self-portrait may be the answer to this equation in one unknown: the self. Eternally superficial, beauty gives us access to the profound, hidden meaning of nature. Seeing one’s reflection is to experience inner harmony; one that ignites an aesthetic emotion that, through the gaze, is able to dissolve all inner conflicts. It is not forbidden to be fascinated, swept away, spellbound by one’s own image. Aesthetic judgment is reflective judgment. What fascinates us really? Beauty itself or that which it conceals? There is nothing here to hide for this is all about the self. I confide without holding back. There lies a promise of shared happiness.I look at myself and in that self perceive the beauty of the world. I embrace the gentle violence of meaning, one that enters me through the doors of sensitivity. Gaze into your image to have a clear mind and heart. Like an intimate and visual diary, the self-portrait reveals the truth or fiction of your own face at any given time. Repeat the process as many times as necessary. The self-portrait is, beyond all doubt, conducive to contemplation. Delve into the depths of the self by perusing the surface. Welcome the fluid metaphor for it fits into the frame. The first faithful surface, well before the mirror, it is like the ancestor of the technique of immortalizing one’s own reflection. The beautiful Narcissus is the eternal witness. Seeing his face upon the waters, he fell in love.“

Das kurze Textchen des Photographen Luc Lapôtre, der seine Karriere als ebensolcher erst während seiner Tätigkeit als Hairstylist für Modedesigner begann, birgt natürlich jede Menge Eckpunkte, die als Ausgangsposition für diverse existentielle und somit genuin philosophische Fragestellungen taugen: In mir sehe ich die Schönheit der Welt. Schönheit als Anfang der Weiterentwicklung – die findet sich auch bei Platon, nämlich in der Liebe. Und Selbstliebe sowie -annahme ist Basis jeder persönlichen Weiterentwicklung. Die berechtigte Frage nach dem Wesen von Schönheit taucht auf genauso wie die Subjekt/Objektspaltung, Wir bzw. Ich und das „Außen“, das Andere, die Anderen. „Ich bin der, der ich gewesen sein werde“ – der französische Psychoanalytiker Lacan drängt sich geradezu auf mit seinem Spiegelstadium, dem defizitären Selbst und vielem mehr.

Alles nicht so einfach meine Lieben – die Kantischen Fragen eben: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? – alle vier in „Was ist der Mensch?“ mündend. Es zieht sich eben, die Frage danach, wer man ist und was der Sinn des (eigenen) Lebens ist. Da kann auch Apple offensichtlich keine befriedigende Antwort darauf liefern – aber zumindest lustige, wie man hier in der netten kleinen Bildserie im Spiegel zum Apple-Assistenten Siri (ab Bild 8) lesen kann.

Aber zurück zum Duft: Autoportrait soll also ein Duft für einen selbst sein, etwas Kontemplatives, Ruhiges, Tiefes:

„An intimate and deep perfume, Autoportrait is a fragrance you wear for yourself, resonating with your own personal harmony. A companion, a reflection of yourself, familiar and warm, in which you rediscover your own spirit and inner serenity. The soul of woody notes laid bare. A soothing dose of nature and enveloping resin. Breathtaking in the deliberate unveiling of its many facets, the essence of Autoportrait is truly revealed in its silage… absolutely addictive!“

Zu sich selbst kommen kann man mit Autoportrait also wohl, ein Begleiter, der Geborgenheit und Vertrautheit einflößt, eine Trutzburg. Und ebenjene stammt von Nathalie Lorson, die bei Firmenich tätig ist und schon für etliche nette Düftchen verantwortlich war: Paul Smith Man, Encre Noir von Lalique, der schöne Vetiver, Another 13 für LeLabo und natürlich Bulgaris Femme, um nur einige zu nennen.

Autopotrait kreierte sie mit folgenden Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Elemiharz; Herznote: Benzoeharz, Weihrauch, Moschus; Basisnote: Eichenmoos, Vetiver, Zedernholz.

Heraus kommt ein Duft, auf den obige Attribute perfekt passen: Ein schöner, erhabener harziger Holzling – Kühl und samtig, holzig und dezent rauchig, von Watteweichheit umgeben, fluffig, aber doch bestimmt und mit jener Note versehen, die ich nicht besser benennen kann als mit „irgendwie knetig“. Selten kommt sie vor in Düften, aber immer wieder.

Insgesamt würde ich sagen, dass hier Costume Nationals Homme den Zimt zu Hause ließ, um sich mit Byredos Gypsy Water zu einem netten Stelldichein zu treffen, welches auf dem Marktplatz von La Collina Toscanas Loggia dei Mercanti stattfindet.

Könnt Ihr mir folgen? ;) Morgen folgt noch der letzte Duft in der Olfactive Studio-Reihe – bis dahin

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie Olfactive Studio in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Olfactive Studio – die Dritte.
Olfactive Studio…
Unser persönlicher Jahresrückblick – von Uli und Harmen


Olfactive Studio…

Geschrieben in Duft,Hesperiden am 15.11.2011

… ist die Geschichte eines Traumes, eines kollektiven Traumes – und wie er zu einem zu einem solchen wurde, dazu findet sich einiges im Pressematerial dieser vollkommen neuen Firma, die uns dieser Tage auf dem Nischenmarkt erstmalig begegnet(e). Und ehrlich gesagt machen mich diese Lebensläufe immer ein wenig neidisch, aber gut… Da haben wir Céline, die in der Nähe des pittoresken Chambord geboren wird und ihre Kindheit liebend gerne in der gut duftenden Natur verbringt. Céline, die davon träumte, Architektin zu werden, um dann Unternehmensmarketing zu studieren und irgendwie bei Kenzo zu landen, wo sie über den Designer Pierre Broc fällt, der sie in die Kunst des Parfumdesigns einweiht. Und kurze Zeit später kreiert Céline, dann gerade mal knapp 30, Kenzos Duft Jungle mit Dominique Ropion und Jean-Louis Sieuzac, hernach L’Eau par Kenzo zusammen mit Olivier Cresp (der Schöpfer von, z.B., Angel von Thierry Mugler), um dann das Portal Osmoz.com nach einer Idee von Firmenich im Alleingang aus dem Boden zu stampfen. Respekt. Ach ja, Céline liebt natürlich auch Reisen und importierte während vieler derselben auch schon mal Weine, warum nicht. Aber da fehlte die olfaktorische Komponente, weshalb sie sich nach einigen Jahren bei L’Oréal einen ganz besonderen Weg einschlug: Sie gründete das Blog „Le Blog du Parfum qui n’existe pas (encore)“, auf Deutsch soviel wie „Das Blog zu dem Parfum, das es noch nicht gibt“. Die Offenheit des Internets und dessen Möglichkeit, Menschen aus aller Welt partizipieren zu lassen, sollte helfen, mittels kollektiver Intuition und Kreativität Neues zu schaffen – nämlich einen Duft, vielleicht auch mehrere Düfte. Internetnutzer als Schaffende, als Teil der Entscheidungsprozesse, der Entwicklung und als Botschafter der Marke – heutzutage umfasst die Internetseite, wie man sieht, schon weit über 5000 Fans.

Das besondere an Olfactive Studio ist aber eben auch, dass die Düfte – man erinnere sich an die Six Scents-Reihe – eine Art Kooperation sind:

„Olfactive Studio is at the crossroads of a photographic studio and a perfume design studio. This is the first time ever that perfumers have teamed up with photographers to draw inspiration from their œuvres. They sense the images to capture their essence. Photography and perfume capture the moment and rekindle the memory of past experiences. Imagining a sensorial, intimate, and poetic relationship between images and scents is to reconcile temporal spaces. «Perfumer’s proofs» are born out of the perfume creator’s emotions invoked by the picture and have proved to be authentic and original olfactory creations. They take us from a world where perfumes are harvested to one where time is captured.“

Parfumeure und Photographen schufen demnach zusammen die drei ersten Düfte der Linie, Autoportrait, Chambre Noire und Still Life, die es einzeln zu erwerben gibt oder auch zusammen in einem schönem Sammlerpaket mit Bildband. Das Konzept wurde im übrigen wie der Markenname, die Namen der Düfte sowie die Flakon- und Verpackungsentwicklung in obigem Blog diskutiert und mitbestimmt.

Aber genug schwadroniert, wenden wir uns den Düften zu, die natürlich alle drei mit passenden Fotos ausgestattet sind, wie wir es zum Beispiel von Humiecki & Graef bereits kennen.

Still Life ist der erste Duft in der Reihe – „a sparkling and festive perfume, Still Life is a celebration of life!“ Mit diesem Motto ist eigentlich schon fast alles gesagt, oder? Ein „überraschender“ Duft soll es sein, ein hell strahlender, der einen zum Feiern animieren soll. Und außerdem ist da im Rahmen dessen noch von exotischen Cocktails die Rede… Mir ist gerade eher nach Tee bei den Außentemperaturen, aber ich sprühe trotzdem mal – und weiß genau, was gemeint ist: Ein atemberaubender und kräftiger, farbenprächtiger Hesperidenduft, erwachsen und definitiv unisex. Das merkt man gleich und das bleibt auch so. Yuzu, jene japanische Agrumenfrucht, die ich in ihrer säuerlichen Herbheit und satten Spritzigkeit sehr gerne mag, in keckem Zusammenspiel mit verschiedenen Pfeffersorten – eine gerne genommene Kombination weil sehr schön akzentreich. Sternanis sorgt für einen Hauch Wärme, ähnlich wie in Byredos Fantastic Man, in dem er aber ebenfalls nicht dominant wird oder seine typische Anisader entdecken lässt. Die Basis des Duftes entwickelt alsbald eine schöne, dezent-harzige Wärme, die holzig und ein bisschen beschwipst an Lubins Idole erinnert, trotz allem zeigt sich immer noch federführend die Zitrusfrische.

Respekt – die noch junge Parfumeurin Dora Arnaud aus dem Hause Firmenich hat mit Still Life wirklich einen schönen und besonderen Hesperidenduft geschaffen. Einen von den jenen, die herausstechen aus dem großen Zitrusfrüchtekörbchen. Und einer, der trotzdem vollkommen unkompliziert getragen werden kann.

Nur das Foto, sorry – das verstehe ich nicht, finde ich vielmehr ziemlich banal. Der Fotograf Frédéric Lebain scheint wie Arnaud eine Art Shootingstar zu sein, mir sagt das Foto ehrlicherweise gar nichts – und in Zusammenhang mit dem Duft noch ein kleines bisschen weniger. Vielleicht hilft Euch der Text dazu, mir ward nicht mehr zu helfen (diesbezüglich?):

„A breeze could throw them off course yet Frédéric’s 2D spheres – faceted and seemingly frozen – continue spinning like lyrical and living sculptures. The paper they are made of is as crisp as the cocktails enjoyed around them. They dream of busting moves on the dance floor like teen girls indulging in the excitement of their first summer night parties. These images froze life to better prolong it. To immortalize nature is quite different from what the French call without any apparent reason nature morte, or literally “dead nature.” Perpetuated by the game of images of images, the balls reflect their joie de vivre as if every facet were carrying out its own photosynthesis. They breathe through every pore of pages transformed into paper balls and confetti and celebrate the coming of a Dionysian world of dance and delight. Here, they appear in time suspended, a moment frozen for all eternity. More appropriate than the French, the English still life does more justice than the French word to the life still resonating within. Cocktail attire optional.“

In diesem Sinne – ich bin hochgespannt auf die nächsten beiden Düfte, die ich Euch natürlich postwendend vorstellen werde.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie die Olfactive Studio-Kollektion in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Olfactive Studio – die Dritte.
Olfactive Studio – die Zweite.
Unser persönlicher Jahresrückblick – von Uli und Harmen


Unsere Leser stellen sich vor: Teil I – Margot.

Geschrieben in Allgemein am 14.11.2011

Vor kurzem luden wir Euch zu einer kleinen Vorstellungsrunde ein, in welcher Ihr Leser ganz im Mittelpunkt stehen solltet. Erfreulicherweise hat sich Margot sogleich bereiterklärt, das Eis zu brechen und den Anfang zu machen. Einige werden sie sicher schon persönlich kennen, andere aus den Kommentaren, wieder anderen wird sie nicht bekannt sein, was sich allerdings nach dem heutigen Artikel ändern wird. Ich freue mich also, heute Margot vorzustellen, die bereitwillig unsere Fragen beantwortet hat.

Wie bist Du zum Duft-Tagebuch gekommen?

Genauso, wie ich überhaupt bei ALzD gelandet bin. Es war glaub ich 2005, da bin ich über den ersten Nischen-Duft gestolpert. Irgendwas von Montale. Damals hab ich generell zum ersten Mal das Wort „Nische“ in diesem Zusammenhang gehört. Meine Haus- und Hofparfümerie war schon immer gut ausgestattet, so dass ich Firmen wie Penhaligon’s, Floris, Acqua di Parma, Etro eigentlich nie dazu zählte. Jedenfalls bin ich über Montale zu ALzD gelangt. War total fasziniert von den ganzen Firmen- und Produktbeschreibungen und habe mich wochenlang durchgelesen und nach und nach die gesamte Homepage abgegrast. Das Blog hat mir schon damals gefallen, war noch nicht so ausgebaut wie heute, aber seitdem lese ich es regelmäßig.

Bist Du aus der Branche und liest aus beruflichen Gründen mit, oder bist Du ein Duftjunkie, der sich auf dem Laufenden halten will?

Beruflich brauch ich das Schnüffeln leider nicht – und Du hast es wunderbar formuliert. Allein das Blog zu lesen macht schon süchtig und weckt den Wunsch nach mehr. Inzwischen kann ich mich daher wohl als Duftjunkie bezeichnen. Allerdings bin ich nicht wirklich gut im Duftnoten erkennen oder Düfte beschreiben. Ich hoffe, man sieht mir das nach.

Welche Düfte sind Dein Ein und Alles?

Das gibt’s nicht wirklich. Verzichten möchte ich aktuell nicht auf Histoires de ParfumsMoulin Rouge, Shem-el-Nessim von Grossmith und ein ganze Reihe von Irisdüften. Sel Marin von Heeley wurde ebenfalls zu einer großen Liebe, ein bereits langjähriger Begleiter ist Acqua di Parma – Colonia Assoluta. Und meine neue Begehrlichkeit richtet sich auf Blask von Humiecki & Graef. Da geht es in der Regel nicht darum, sie zu tragen, da geht es vorrangig um das Besitzen, das Wissen, dass ich sie habe und jederzeit nutzen könnte!

Und welche Düfte willst Du gerne hier einmal besprochen sehen?

Warte ja immer noch auf Iris Panache – DelRae Roth, den mir Uli schon eine ganze Weile versprochen hat und auf Deine Lavendel-Serie [Anmerkung Harmen: ...mit der ich mittlerweile gehorsam angefangen habe]. Im Allgemeinen bin ich sehr zufrieden mit eurer Auswahl. Ihr seid wirklich gut darin, nicht nur Neues zu besprechen, sondern auch schon länger auf dem Markt befindliche Düfte in euren Rezensionen zu beachten.

Möchtest Du einfach einmal Lob, Kritik oder Verbesserungsvorschläge loswerden?

Lob: siehe oben sowie von meiner Seite aus für das gesamte ALzD-Team. Habe mit allen bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

Und natürlich: Wenn Du auf der Suche nach einem Duft bist – was für einer sollte es sein? Vielleicht können wir Dir anhand Deiner Lieblingsdüfte ähnliche Kracher aus dem Hut zaubern.

Ach Harmen, das ist wirklich problematisch. Wenn ich mich mit Beate Humbert unterhalte, findet sie meistens etwas, das mir in diesem Moment vorschwebt. Das Beste was mir je mit ihr passiert ist war, als sie mir die DelRae Roth-Düfte vorstellte. Allein von der Beschreibung her hätte ich diese nicht getestet. Ich kann nicht sagen, er soll so und so sein. OK, wenn Iris enthalten ist, ist das schon ein Pluspunkt, das ist mir jedoch auch erst vor ca. 2 Jahren klar geworden. Meistens ist es so, dass ich mir, nur als Beispiel, einen Ambraduft vorstelle/wünsche, um mich dann spontan in einen Weihrauch oder Weißblüher zu verriechen und den dann mit nach Hause nehme bzw. sich die Liste meiner Begehrlichkeiten ändert.

Viele liebe Grüße,
Margot

PS von Harmen: Liebe Leser, Ihr seht, es ist gar nicht so schwer und macht Spaß. Bitte meldet Euch bei mir (h.biro@ausliebezumduft.de)! Ihr müsst Euch übrigens nicht an den Fragen orientieren, Ihr dürft auch ganz frei etwas von der Leber weg schreiben. Viele Grüße!

Bildquelle: Iris von Radomil via Wikimedia Commons

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Aus Liebe zum Duft – Hinter den Kulissen, Teil 2
Die Schöne und das Biest: a quiet morning
Miller Harris’ Sommerherz


Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 4.

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 11.11.2011

Mit den letzten beiden Düften in unserer fröhlichen Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire-Runde möchte ich diese Woche beenden, mit Cologne Noire und Bois d’Iris.

Bois d’Iris, der Name kommt uns bekannt vor. Und ehrlich gesagt finde ich ihn ungeschickt bis dämlich gewählt. Gut, ja, ich verstehe, aber – es gibt einfach schon viel zu viele Düfte, die (genau) so oder so ähnlich heißen, allen voran The Different Companys Bois d’Iris.

Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Test des Duftes von Emilie Bevierre-Coppermann (hat sie geheiratet?), wahrlich. Die Dame, die bisher für Lagerfeld, Lalique, Givenchy, Burberry, Lancaster, Paco Rabanne und einige mehr gearbeitet hat, hat mit Bois d’Iris eine schöne Erweiterung der bereits sehr breiten Palette an Irisdüften geschaffen: Edel und elegant, wie die Blume selbst, deren Wurzel es ja ist, die in Düften verwendet wird.

Ein Duft, der für mich so gut wie alles beinhaltet, was die Faszination von Iris ausmacht: Jene erdig-ledrige Kühle in Kombination von pudriger Samtigkeit, cremige Anklänge, die an den Geruch von Lippenstiften erinnern und seidene Holzigkeit. Dieses Facettenfeuerwerk wird von einer exzellent harmonierenden Basis untermalt: Ambra, Myrrhe, Labdanum, Hölzer und Weihrauch – diese lassen die Iris glühen auf einem Bett aus harzig-ambrierter Wärme und rauchig-knarzigen Hölzern, mit einem etwas kühleren Abgang versehen.

Was sich vielleicht kräftiger liest ist in natura kein heftiger Charakter: Bois d’Iris lebt zwar seine Iris zwischen Hölzern und Harzen aus, ist aber, ganz wie es sich für diese königliche Pflanze gehört, ein wohltemperiertes distinguiertes Exemplar, das ich mir an Frauen wie Männern gleichermaßen gut vorstellen kann.

Cologne Noire ist natürlich ebenfalls ein Kandidat für beide Geschlechter und ist eine Kreation von Mark Buxton, der uns, wie die meisten wissen, schon mit vielen Düften um den Verstand brachte: Mich ganz besonders mit Le Labos Vetiver 46 sowie Comme des Garçons 2, darüber hinaus schuf Monsieur aber noch eine ganze Reihe weiterer Volltreffer – für Comme des Garçons, Burberry, Givenchy, Chopard, Biehls Parfumkunstwerke, den schönen Jil Sander Scent 79 for Men, Angelo di Fiume und Notte Bianca für Linari und diverse mehr.

Herr Buxton, eher für Avantgarde-Düfte bekannt, und das klassisch-edle Label Van Cleef & Arpels finden zusammen für oder vielmehr in einer Cologne-Interpretation? Das funktioniert ganz wunderbar, wenn man sich nur die Zeit nimmt, dem Duft die Zeit gibt. Cologne Noire ist nämlich eher ein Vertreter der leiseren Töne, einer, dessen Komplexität und Schönheit man erst auf den zweiten Blick gewahr wird. Im Auftakt zeigt er sich als charakteristischer Vertreter seiner Gattung: Hesperidisch geht es einher mit säuerlicher Bergamotte und saftiger Mandarine, die sich alsbald von herbem Ingwer und krautig-waldmeisterigem Kardamom überlagert sehen, kontrastiert von einer feinen Prise schwarzen Pfeffers. Gewürze und Hölzer, oszillierend zwischen harzig-samtener Wärme und rauchiger (für Buxton obligatorischer) Weihrauchkühle, geben der Basis einen eleganten, aber gleichermaßen ultramodernen Anstrich. Und spielen für mich ein Spiel mit Licht und Schatten, eines, das ich ähnlich nur von Ellenas Bigarade Concentrée kenne (der allerdings unbenommen eine ganz andere Sorte Duft ist).

Chapeau, Mark! Einmal mehr ein typischer Buxton, wie immer (ok: meistens) traumhaft schön.

Kennt Ihr die Collection Extraordinaire schon? Und, wenn ja, welches ist Euer Favorit?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Shadow of a streetlight von drmatiz/Matthijs van Heerikhuize, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 3.
Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 2.
Duftjuwelen – Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire.


Freitagsverlosung

Geschrieben in Kosmetik am 11.11.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail bis Sonntag 24.00 an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Simone H., Joe W., Sandra M., Jerome K. und Manuela U.  – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung


Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 3.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gourmand,Solifloral am 10.11.2011

Orchidée Vanille ist die Nummer Drei unserer Collection Extraordinaire, die ich mir für Euch unter die Nase klemme, und wurde von Randa Hammami kreiert. Randa Hammami, eine Dame, war mir bisher nicht namentlich bekannt – nach kurzer Recherche offenbart sich, dass sie kein unbeschriebenes Blatt ist: Epic Man von Amouage geht auf ihr Konto, ebenso Cruel Gardenia, Garden Sensuel sowie L’Instant Magique für Guerlain. Gar nicht so viel, mit Orchidée Vanille katapultiert sich Madame aber sofort in den ewige Bestenliste der Vanille-Düfte – und wie wir ja wissen, allzu viele sind es nicht. Zu synthetisch, zu pappig, zu klebrig-süß sind viele Gesellen, erwachsene und vor allem auch komplexe Vanilledüfte sind eher seltener zu finden.

Indults Tihota ist einer davon, Goutals rauchige Vanille Exquise sowie Guerlains Spiritueuse Double Vanille und noch einige mehr – Orchidée Vanille gesellt sich sofort dazu.

Hammami fabriziert mit Vanille in ihrem an den Ursprung derselben, jene Orchidee erinnernden Duft ähnliches, wie Ellena für Hermès mit der Ingredienz Ambra in Ambre Narguile anstellte: Sie verwandelt eine olfaktorische Süßigkeit in Naschwerk für Erwachsene. Von der Blüte hat der Duft die Strahlkraft, das betörende Moment, seine Verführungskünste gehen aber hauptsächlich auf das Konto des gourmandigen Anstriches, den im Hammami gönnt. In ein Mandelkleid steckt sie die laszive Diva, einen seidigen Hauch Marzipans, von einem zarten Nebel Schokolade umhüllt. Orange und vor allem Litschi stiften eine Spur Fruchtigkeit, die sich perfekt mit der Rosenfrische im Herzen ergänzt, welche gekonnt die süße Wärme des Duftes ausbalanciert. Veilchen pudert und erdet ein wenig, während die Basis mit Tonkabohne, Moschus und Zedernholz das überaus warme, würzige Wesen des Duftes aufgreift.

Ausladend, die Vanille in all ihren Facetten auslotend: Cremig-milchig und würzig-süß, verfeinert mit allerfeinsten Zutaten. Wem da nicht das Wasser im Munde zusammenläuft?

Lys Carmin, Duft Nummer Vier, ist eine Lilie – und keine alltägliche. Bei mir ist der Duft sofort in meinen Bestand gewandert, soviel sei schon einmal verraten.

Lilien in natura bereiten vielen Kopfschmerzen, bei Düften gibt es eigentlich vornehmlich zwei Varianten: Diejenigen, die eben diesen doch sehr eigenen und opulenten Lilienduft einfangen wie zum Beispiel Yosh Hans Stargazer , Frédéric Malles Lys Meditéranée oder Penhaligon’s Lily & Spice. Oder eben diejenigen, die klar, leuchtend, sauber daherkommen und eher zurückhaltender Natur sind – Serge Lutens’ Un Lys ist dafür ein Beispiel oder Annick Goutals Des Lys.

Nathalie Cetto, die Lys Carmin geschaffen hat, geht einen ganz anderen Weg: „The perfumer has not rendered the purity of the flower, neither its intoxicating aura, but the nectar that is floating on a surface of satinwood in a heavy fluidity“ – wie man bei Octavian Coifan lesen kann, und dem muss ich mich uneingeschränkt anschließen.

Lys Carmin fängt weder die Aura der riesigen Blüten ein, die einen gierig umgarnen und einem die Sinne betören. Auch ist nicht die holde, weiße Blume mit ihrem reinen Image das abzubildende Ziel. Eher ist es der Nektar, der heraustropft aus dem blühenden Wunder, den Feisthauer hier eingefangen hat: Schüchterne Lilie in eigenartiger Ambivalenz – luftige Frische mit wässrigen Anklängen und feinem Grün, denen eine holzige und würzige Wärme gegenübergesetzt wird. Dazu süße Zimt- und subtile Pfefferschärfe nebst honighaft-fruchtiger Ylang-Ylang-Süße, untermalt von milchig-pudriger Vanille.

Sinnlich und sehr besonders, gleichermaßen verführerisch, aber doch auf moderne Art feminin.

Mal schauen, was die restlichen beiden Düfte für uns noch bereithalten – diese folgen morgen.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Vanilla Planifolia von H. Zell, Lilium Gran Paradiso / Real Jardín Botánico de Madrid von Cillas, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 4.
Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 2.
Duftjuwelen – Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire.


Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 2.

Geschrieben in Duft,Solifloral am 9.11.2011

Muguet Blanc, der zweite Duft aus der Collection Extraordinaire aus dem Hause Van Cleef & Arpels, ist, wie es scheint, hochumstritten und wird kontrovers diskutiert: Ein Duft, der die Geister scheidet. Wieso? Dem möchte ich ein wenig auf den Grund gehen…

In Lena Brombachers Blog Olfactorialist ist das Blümchen auf Platz Sechs ihrer Frühlingslieblinge gelandet mit folgender Begründung:

„Dieser liebliche Maiglöckchenduft läutet den Frühling ein. Fröhlich und leicht, verspielt und grün. Der Duft ist wie der Flakon – elegant und schlicht, denn Parfumeur Antoine Maisondieu war es wichtig, das Maiglöckchen auf möglichst puristische Weise zu präsentieren.“

Patty von Perfume Posse zeigt sich ganz hin und weg von Muguet Blanc:

„It is breathtaking, its opening the perfect note soaring into the air on a cold winter day, something that feels like it shouldn’t exist, contrasts of cold and sweet and wood — conjuring up spring in your head where no spring exists. As it dries down, it warms and softens into the skin and loses the chilliness. Notes of lily of the valley, peony, neroli and cedar are pretty simple, but rendered elegant. It’s a stunnah. And this last and lasts and emotes fairly loudly. The first time I spritzed it on, the whole house knew in 3 minutes that a new perfume had arrived, they were all looking for it.  Several hours in, it’s still wafting and drifting and just being lovely.“

Octavian Coifan äußerst sich in seinem Blog 1000 Fragrances für meine Begriffe eher neutral, spricht aber an, was eigentlich des Pudels Kern, das Problem am Maiglöckchen ist: Dessen Geschichte, vielmehr: dessen legendäre Vorgänger:

„A lily of the valley is today a challenge for a perfumer, not because it is very easy to obtain the major accord but this flower has a strong legacy – the (now) lost perfume Diorissimo. It is also a challenge because lily of the valley became the standard of clean notes and it is widely used in functional perfumery […].“

Resultierend daraus folgt als Ergebnis seiner Rezension:

„Muguet Blanc from Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire is a symphony of clean for a luxury Laundromat to be used as an concentrated option to Aqua Universalis (Maison Francis Kurkdjian).“

Für Nowsmellthis hat Muguet Blanc komplett verloren:

„For my part, Muguet Blanc represents nearly everything that makes me sad about modern perfumery. It’s gorgeous, yes, but also clean, even brutally so. The subtle animalic touches that make Diorissimo both spring-like and sexy are entirely absent— Muguet Blanc is too beautifully done (and expensive) to be an air freshener, but if you wanted a really, really nice air freshener and didn’t mind paying premium, it would do the trick. It’s clean as a whistle. Muguet Blanc does something else that is unique to modern fragrance, and that I’ll have a hard time putting into words. It’s diffusive and radiant: it moves through space in a very 3 dimensional way while maintaining a sense of lightness and transparency. But at the same time, it feels utterly flat. Diorissimo sparkles and dances — it has a kind of depth and movement about it. Muguet Blanc fills the room, then just sits there, beautiful but lifeless.“

Bei privaten Parfumliebhabern ist die Bandbreite des Echos ähnlich breit – so liest man bei Parfumo.de etwas von „zart nervig“ oder von einem „ordinären Maiglöckchen“, bei der amerikanischen Makeupalley.com ist dagegen von „Just Heaven“ die Rede oder schlicht vom Ende einer langen Suche: „Oh Muguet Blanc! where have you been all my life?“

Mir leuchtet ein, woher diese extreme Gespaltenheit kommt: Einerseits ist Maiglöckchen eine jener Ingredienzen, die schlicht nicht jeder mag. Manche assoziieren es mit Omas Wäsche, attestieren ihm ein angestaubtes Image. Das kann es haben, muss es aber nicht – wenn es gut interpretiert ist. Trotz allem – entweder man mag es oder eben auch nicht. Andererseits ist es eben für die, die Maiglöckchen mögen, meist dann schon gleich lieben, nicht einfach, einen neuen Duft bestehen zu lassen – muss dieser sich doch mit den ganz Großen messen lassen, allen voran der Maiglöckchenklassiker schlechthin, Diorissimo von Dior, aber auch Muguet du Bonheur von Caron. Hier sind die Schmerzen groß, da beide Opfer des Reformulierens geworden sind, was sie zu Schatten ihrer selbst werden ließ – das macht es einem neuen Maiglöckchen auch nicht einfacher.

Aber wenden wir uns dem eigentlich Objekt zu: Die Nase hinter Muguet Blanc ist Antoine Maisondieu, überaus talentiert und verantwortlich für Düfte wie Féerie, auch Van Cleef & Arpels, diverse Düfte für État Libre d’Orange, Gucci Rush for Men, Funny für Moschino, einiges für Burberry, Magnolia Nobile für Acqua di Parma, Monocle Scent Two: Laurel und Stephen Jones für Comme des Garçons, darüber hinaus arbeitete er für Lanvin, Paul Smith, Quiksilver, Armani und andere.

Maisondieus Maiglöckchen ist eine strahlende, eine reinweiße, luzide, übermächtige Blüte. Eine, die von Wässrigkeit durchzogen ist, von taubenetztem Blattwerk flankiert wird und durch ihre ozonig-luftigen und metallischen Akzente eine fast überirdisch kühle und saubere Ausstrahlung hat. Pfingstrose unterstreicht die aquatischen Anklänge, während Neroli anonym Fruchtigkeit generiert, die mich in diesem Zusammenhang eher an Birne denken lässt. Die Basis ist von watteweichem Moschus, von sanften Hölzern abgerundet.

Ich muss sagen, dass ich beide Seiten verstehen kann: Ich kann den Vorwurf nachvollziehen, der, überspitzt gesagt, Muguet Blanc in all seiner Perfektion Seelenlosigkeit vorwirft. Denn schlechtes Handwerk kann man Maisondieu nun wahrlich nicht nachsagen, der Duft ist exzellent gemacht.

Nur – ist er, wie vieles, Geschmackssache. Bei mir ist er eingezogen. Wieso? Weil ich ein Maiglöckchenfan bin. Und weil ich der Ansicht bin, dass es Tage in meinem Leben gibt, an denen ich mich in perfekter, strahlend-sauberer Schönheit sonnen möchte, einer oberflächlichen, die weder Tiefgang noch Kanten hat. Die einfach nur schön ist in ihrer hervorragenden gemachten Art und Weise. Lässt man sich darauf ein, dann trägt einen Muguet Blanc über all die irdischen Unwegbarkeiten und Scheußlichkeiten, die die Welt so zu bieten hat, hinweg und stimmt einen – fröhlich. Ich brauche das hin und wieder.

Ihr auch?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: lilies of the valley von kalilo/Ann-Kathrin Rehse, Maianthemum bifolium /Kleines Maiglockchen, Convallaria bifolia aus Johann Georg Sturm (1796): Deutschlands Flora, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 4.
Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 3.
Duftjuwelen – Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire.


Duftjuwelen – Van Cleef & Arpels Collection Extraordinaire.

Geschrieben in Duft,Solifloral am 8.11.2011

Van Cleef & Arpels dürften dem einen oder anderen bereits bekannt sein – durch diverse, in den gängigen Parfümerien zu findende Düfte wie zum Beispiel First, Birmane, Tsar, Murmure, oder auch neuere Kreationen wie Féerie. Die Firma ist schon länger (erfolgreich) auf dem Parfummarkt tätig, ist aber von Haus aus – ein Juwelier.

Gegründet 1896 von Charles Arpels und Alfred van Cleef, öffnete man die erste Boutique bereits 1906 am damals schon edlen Place Vêndome in Paris und machte sich von Anfang an einen Namen als exklusiver Hersteller von Uhren und Schmuck. Vor allem die Kenntnis im Schleifen von Edelsteinen brachte Renommee, unter anderem die Einführung der bahnbrechenden Methode des Mystery Settings.

2009 folgte man dann den Spuren anderer Luxusunternehmen wie Dior, Chanel oder Armani und lancierte eine ganz besondere Kollektion von Luxusparfums, Collection Extraordinaire genannt. Sechs Düfte an der Zahl, denen man vor nicht allzu langer Zeit einen siebten folgen ließ – Precious Oud, der alsbald verfügbar sein wird.

Wir haben diese kleine feine Kollektion neulich auch aufgenommen – Grund genug für mich, Sie Euch einmal in ihrer Gesamtheit zu präsentieren. Bereits bei ihrem Erscheinen hatte Sie mich aufhorchen lassen, haben sich Van Cleef & Arpels doch nicht lumpen lassen und eine ganze Reihe exzellenter Parfumeure verpflichtet – mittlerweile sind auch schon einige Fläschchen in meinem Bestand eingezogen, weswegen ich mit Fug und Recht behaupten kann, dass sich ein Test lohnt meine Lieben!

Beginnen möche ich mit Gardénia Pétale, einer Gardenienschönheit aus der Hand von Nathalie Feisthauer. Feisthauer ist uns bereits ein Begriff, hat sie uns doch schon einige schöne Düfte beschert: Sie entwarf Einiges für das krawallige Pop-Art-Label État Libre d’Orange, dann den legendären sonderbaren Gewürzling Yohji Yamamoto pour Femme, Eau de Merveilles von Hermès, Blonde für Versace, Must de Cartier pour Homme, Guerrilla 2 für Comme des Garçons sowie letztens Honour Man für Amouage.

Gardenie ist immer so ein Thema, ich hatte mich dazu schon anlässlich Pierre Guillaumes Duft Gardenia Grand Soir von Parfumerie Générale ausgelassen:

„Zum Thema Gardenie sollte nicht unerwähnt gelassen werden, daß Gardenie eigentlich immer irgendwie eine Fälschung ist: Natürliche Gardenie wird gar nicht eingesetzt, laut dem Parfumhistoriker Octavian Coifan (siehe dessen Blog 1000 Fragrances) nicht mehr – in den 30ern gab es wohl letzte Reste einer teuren Essenz. Luca Turin hat in NY einen Shop entdeckt, der jenes wohl wieder zu horrenden Preisen führt, über 70 Jahre später. Gardeniendüfte werden ergo über einen Akkord gebaut, in welchem oft andere Weißblüher anstatt derselben duften, ob nun natürliche oder synthetische. Nicht fehlen darf natürlich auch jene pilzige Komponente, die der Gardenie als einziger Blume so eigen ist.“

Feisthauer greift meines Erachtens hier (wie häufig) auf Tuberose zurück, um Gardenie zum Strahlen zu bringen, und leuchtet diese mit einem reinweißen sauberen Maiglöckchen aus. Zarte Süße umgarnt meine Nase, üppig und kokett, aber nichtsdestotrotz auf eine Art und Weise schüchtern – mit grünen Anklängen unterlegt wie Delrae Roths geniale Tuberose Amoureuse zeigt sich dieses Pflänzlein und von zitrisch-glitzernden Sternchen durchsetzt. Präsent, aber nie schwülstig-warm zeigt sie sich, die Blüte, und offenbart im Duftverlauf seidig-samtige Pudrigkeit, die herrlich mit der Haut verschmilzt.

Ob man nun in den sauren Apfel der eigentlich typischen Gardenienpilzigkeit beißen muss, um einen authentischen Gardenienduft zu kreieren? Feisthauer tut es nicht – und meines Erachtens nach tut es der Schönheit des Duftes keinen Abbruch. Wie schrieb die französische Skandalautorin Colette über die Gardenie? „Ein zartgrün getöntes Weiß – so wie ihr Fruchtfleisch“. Jene Beschreibung trifft es ziemlich genau – bitte aber vorzustellen als Blütenmeer.

Ein cremiges, sanftes weißes Blütenmeer von Blattgrün umrankt, das sich skinnig und feminin entwickelt und meines Erachtens nach das Herz von Blumenfreunden, hier vor allem auch: Tuberosenfreunden höher schlagen lassen wird. Wer schon immer eine tragbare Tuberose gesucht hat und (trotz einiger wirklich sehr schöner Optionen) noch nicht fündig wurde – für den wäre Gardénia Pétale vielleicht eine lohnenswerte Alternative!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Gardenia Flower von Erin Silversmith, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 4.
Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 3.
Van Cleef & Arpels – die extraordinäre Kollektion Teil 2.


« Neue BeiträgeÄltere Beiträge »
blogarama.com

BlogPingR.de - Blog Ping-Dienst, Blogmonitor Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Directory & Search engine Beauty Blogs - BlogCatalog Blog Directory
Proudly powered by Wordpress - Impressum