Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Kristen Michèle…

Geschrieben in Blüten,Duft,Hesperiden,Reines und Pudriges am 31.08.2011

… ist der Name einer sehr attraktiven jungen Frau, deren Düfte neuerdings bei uns in unserem Shop erhältlich sind. Für mich Grund genug, diesen nachzugehen bzw. zu schnuppern – denn bis dato hatte ich noch nichts von dieser Dame vernommen.

Geruchserinnerungen sind es auch bei ihr, die ihre Leidenschaft für Düfte auslösten: Karottensaft und Getreide in einem Hippie-Geschäft, das ihre Eltern häufig frequentierten, wenn sie am Strand weilten, der Duft ihrer Tante, Jean Patous Joy, in den sie sich verliebte und den ihr ihre Tante daraufhin schenkte – die Flasche hat sie wohl bis heute noch. Es kam, wie es kommen musste: Der erste Parisbesuch samt exzessiver Parfumeriebesuche, bei dem sie einen Parfumeur traf, der ihr einen herausragenden Geruchssinn bescheinigte, ihr eine besondere Begabung attestierte. Der folgte sie – und schuf Jahre später ihre eigenen Düfte.

My inspiration? It’s endless, of course, as any artist would say, and it’s everything in life. But for me, it stems strongly from my desire to recreate a classic time gone by, a time of the glamour and elegance of French perfumery as it was in the twenties, thirties and forties and even decades before. It’s that ultra-feminine and chic period that I am in love with. My emotions, my perceptions and my deepest secrets serve as the most passionate of inspiration, ultimately.

My desire is that as a wearer of my perfume you will create your own memories; that in many years from now, in an instant, you can, from the faintest whiff of my parfum, look back and remember something, be it grand or demure and unexpectedly feel a spark of emotion and rest in the comfort of that memory.

This… is my gift to you.

Ein Geschenk an uns sollen Notes Fraîches, Épice Orientale und Fleurs Blanches also sein – dann wollen wir uns mal ans auspacken machen.

Notes Fraîches, frische Noten sollen folgenden Ingredienzen entschlüpfen: Kopfnote: Zitrone, Galbanum, Maritime Noten; Herznote: Geißblatt, Gardenie, Lilie; Basisnote: Moschus, Weißer Tee.

Ein kühler Tag am Strand war Michèles Impression zum Duft – das passt, wie ich finde, ziemlich gut: Zitrone satt im Kopf wehen aquatisch-frische Akkorde herüber, von weißem Tee zart unterstrichen. Galbanum kredenzt uns subtile Waldmeisteranklänge, während das sanfte Herz mit Lilie und zauberhaftem Geißblatt aufwartet. Eigentlich muss es bei näherer Betrachtung nicht der Tag am Strand sein, der hier auch einer Werbung gleicht: Blonde schlanke Frau mit edlem Grobstrickpulli, die Jeans hochgekrempelt mit dem Golden Retriever im seichten Wasser planschend, natürlich ohne sich schmutzig zu machen. Es könnte auch die reinweiße Bio-Leinen-Bettwäsche sein, die gerade von eben jener Frau im hauseigenen Garten aufgehängt wird, oder, nein, besser, über dem tollen Balkon ausgeschüttelt wird, die frische Brise in der Nase. Für mich fast zu rein-weiß diese Vorstellung – obwohl sie mich gleichermaßen begeistert, anzieht. Und ich sagen muss, dass Frau Michèle mich mit diesem Sauberdüftchen durchaus für sich einzunehmen vermag, mich!

Épice Orientale huldigt wie der Name schon sagt den Gewürzen, den orientalischen, und sieht sich damit der altehrwürdigen Duftfamilie der Orientalen verpflichtet. Ein Blick auf die Ingredienzen bestätigt es: Kopfnote: Blutorange, Fruchtige Noten; Herznote: Jasmin, Gewürznelke; Basisnote: Ambra, Patchouli, Weihrauch, Sandelholz. Frisch Aufgesprüht steigt mir sofort die Blutorange in die Nase, eine saftige Vertreterin ihrer Gattung, von zimtiger Gewürznelke akzentuiert. Diese gewürzt-fruchtige Anmutung begleitet den Duft über sein florales und bereits harziges Herz bis in die opulente Wärme der Basis, was den Duft für mich besonders macht: Ein Orientale, ganz gewiss. Ein schöner, das auch. Die Blutorange aber peppt ihn auf, macht ihn tragbarer, verleiht ihm den gewissen Kick. Der sonst sehr klassische Épice Orientale hebt sich somit wohltuend von (s)einer zu einem gewissen Teil etwas angestaubt wirkenden und bisweilen zu mächtig wirkenden Duftrichtung ab.

Fleurs Blanches entführt uns in eine ganz andere Ecke: Weiße Blüten – eigentlich wird mir davon oftmals schon Angst und Bange. Nicht so bei diesem ätherischen Sträußchen aus dem Hause Michèle. Die gute Kristen wird mich doch wohl nicht bekehren? Doch, so wie es aussieht schon. Bereits oben genannter Notes Fraîches hätte mir eigentlich dem Namen nach nicht gefallen dürfen und hat es getan. So auch Fleurs Blanches, der erklärtermaßen mein Kollektionsliebling ist. Frisch und sauber, luftig-leicht zeigt er sich, nach einem guten Waschmittel duftend. Das aber auf eine unnachahmlich natürliche Art, die ich sonst nur von Gendarmes Carrière kenne, weit und breit der einzige Sauberduft, den ich wirklich gerne mag. In Fleurs Blanches vermählen sich jede Menge saubere Noten mit einer Frühlingsfrische, subtil-floralen Blütenmeeren und zarten Beerennoten, während zitrische Sprenkler wie Sternchen hin und wieder am Firmament aufleuchten. Die Basis ist dankenswerterweise sehr dezent und einfach nur weich mit einem Tick holziger Wärme.

Frau Michèle hat mir wohl den Kopf ein wenig verdreht mit ihren Sauberlingen, ich gestehe. Geht es Euch auch so? Ich bin neugierig!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie die Kollektion von Kristen Michèle in unserem Shop.

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Gelegenheit macht Düfte…

Geschrieben in Allgemein am 30.08.2011

… oder so ähnlich: Kennt Ihr das auch? Düfte, die Ihr nur und wirklich ganz ausschließlich zu bestimmten Gelegenheiten tragt? Ich habe mich neulich ertappt: Während der letzten Wochen, in denen es, was man dieser Tage kaum glauben mag, nicht so richtig Sommer sein wollte. Es regnete, war dabei kalt, für sommerliche Verhältnisse. Aber doch warm, weil – es war ja Sommer, hätte ja eigentlich Sommer sein sollen. Ein idealer Tag für – Bosque.

Humiecki & Graefs kleines Meisterwerk, welches ich Euch vor einiger Zeit bereits anhand des Mythos’ des Aristophanes vorgestellt habe, trage ich nur, wenn es regnet. Und zwar nur bei warmem Regen, niemals im nasskalten Herbst/Winter und erst recht nicht bei Schnee. Das passt nämlich nicht – zu jener seltsamen Palette Gelb, die Bosque offeriert. Jenem warmen Büffelgras, das von Vetiver hauchzart angeraucht wird, den Primeln und Narzissen, die schüchtern ihr Blütenkleid darbieten und eine eigenartige Süße verströmen, während Grapefruit säuerlich-keck prickelt auf der Haut, eine zweite ebensolche bildend, zusammen mit jener nach mehr duftet und Erwartungen weckt… Regen, warmer Regen ist dafür einfach exakt richtig.

Penhaligon’s Opus 1870 ist ebenfalls ein solcher Kandidat bei mir: Wann immer ich einen klaren Kopf brauche, das Bedürfnis habe, aufzuräumen im Oberstübchen, wann immer mich Kopfweh plagt – Gott sei Dank selten – und wann immer ich der Illumination bedarf – exakt dann kommt 1870 zum Einsatz und nur dann. Opus – gemeinhin ein Meisterwerk, der Name verspricht viel und stapelt nicht unbedingt tief, zugegeben. Außerdem handelt es sich bei der Jahreszahl natürlich um das Gründungsjahr des Hauses, klar. Gewürze und Zitrusfrüchte, denkt man auf den ersten Blick – Kopfnote: Schwarzer Pfeffer, Yuzu, Koriander, Zitrische Noten; Herznote: Gewürznelke, Zimt, Weihrauch; Basisnote: Sandelholz, Zedernholz, Hölzer, Moschus. Opus bietet aber mehr: Hesperidenfrische von einer transparent-transzendenten Klarheit, versehen mit einem exotisch-fremdartigen Yuzu-Anstrich, von Pfefferschärfe gelungen-gekonnt kontrastiert. Ein paar trockene Hölzer in einem Rauchschleier – schon ist er fertig, jener unprätentiöse, absolut zeitlose Duft, der in der Tat meiner Meinung nach ein Meisterwerk ist. Mein Intellektuellen-Düftchen, ein stylischer Camus.

Mit Serge Lutens kuschele ich wahnsinnig gerne auf dem Sofa, genauer – mit Douce Amère. Anfangs hatten wir es schwer, wir zwei: Lange habe ich gebraucht, um diesen Duft zu verstehen. Eigen- und einzigartig ist er, und der Name ist wahrlich Programm: Bittersüß. Absinth oder besser Wermut und Schokolade, karamellige Anklänge, eine Armada von Blüten, zumeist weiß, die aber als betörende Einheit auftreten, und Lederanklänge sowie Hölzer. Seltsam ist sie, die Mischung aus Bitterkeit und Süße, aus Wärme und Frische, Trockenheit und Herbheit. Allerdings, nach dem wir uns angenähert hatten, wurde Douce Amère zu meinem Couchkuschler. Nirgendwo anders trage ich ihn und immer nur ihn.

Weiter in die Horizontale geht es mit Botrytis von Ginestet: Es gibt im Winter nichts Besseres als mit Botrytis im Bett zu liegen, diesem kleinen, zu einem Lächeln ermutigenden Honigkuchenpferd. An Herbst erinnert er, einen in satte Farben getauchten, gülden strahlenden, am besten in Frankreich und natürlich auf einem Weingut zu verbringenden. Wein, Honigwein, Gewürze – ein echter Gaumenschmeichler. Bei derzeitigen Temperaturen undenkbar, für mich aber außerhalb meines Nachtlagers auch nicht vorstellbar. Dort allerdings liebe ich ihn. Und harre dieser Tage sehnsüchtig auf (noch mehr) nachlassende Temperaturen und die Möglichkeit, nicht nur meine Herbt-/Winterlieblinge wieder auszupacken, sondern auch Botrytis einmal wieder im Bett zu tragen.

Geht es Euch aus so? Habt Ihr ebenfalls Düfte, die nur zu ganz bestimmten Gelegenheiten ihren Auftritt haben (dürfen)? Erzählt mal!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: A rainy day von kaxmopp, some rights reserved – vielen lieben Dank! Darüber hinaus, weil Ihr es seid: Ein Schnappschuss von meiner Couch samt Mini-Maya und Zora.

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Echte Kerle: Caracenis Maßanzug aus Eau de Toilette

Nach unserem Ausflug in die Liga der Eliteunis mit Ivy League geht es heute mit dem “Eau de Toilette” und Signaturduft aus dem Hause Domenico Caraceni weiter. Angekündigt wird der Duft als klassisch, an Chypredüfte erinnernd, was mich etwas vorsichtig werden lässt, denn bei diesen bin ich gelinde gesagt schwierig. Zu oft überwiegen die Altherren-Assoziationen. Aber nichtsdestoweniger – hinein ins geschneiderte Vergnügen!

Dorothy McGuire and Gregory Peck in Gentleman's Agreement trailer

Petitgrain gibt dem Duft einen zitrisch-herben Auftakt und wird doch rasch von der Rose abgelöst, die den Duft dominiert. Ein Rosenduft für Herren, geht das? …mag man sich da fragen. Es geht und das sogar sehr gut, und weiblich im herkömmlichen Sinne wirkt er auch nicht. Dies liegt vor allem an den herb-frischen, manchmal ins Minzige gehenden Noten, die im Auftakt durch Petitgrain, im Herzen durch Bitterorange und in der Basis mit Zypresse stets vorhanden sind. Tabak und Weihrauch tun ihr Übriges dazu, wobei gerade der Weihrauch doch vor allem in der Langzeitwirkung wahrnehmbar wird und dem Duft rauchige Eigenschaften mitgibt.

Chukovsky by Repin

Ein wirklich außergewöhnlicher Duft und meines Erachtens nichts für den Alltag. Ich denke hier eher an einen festlichen Anlass: Mann trägt Anzug und Krawatte, im besten Falle natürlich einen maßgeschneiderten Caraceni und es handelt sich um gesittete Feierlichkeiten. ;-)

Das Eau de Toilette von Caraceni ist mit seinen Rosenanteilen natürlich kein jubeljunger Duft, das ist klar. Durch die frischen Noten und die rauchige Basis werden ihm allerdings auch die vermeintlich altmodischen Seiten genommen, so dass ein zwischen Tradition und Moderne austarierter Duft entsteht. Ich bin ein wenig über mich selbst überrascht, wie gut er mir gefällt – im Übrigen halte ich ihn für sehr viel spannender als Ivy League. Ich werde mir den Duft für die nächste Gelegenheit aufheben, bei der ein feiner Zwirn vonnöten ist – vielleicht eine Hochzeit?

„Il faut neuf tailleurs pour faire un homme”, sagt ein bretonisches Sprichwort – Man braucht neun Schneider, um einen Mann zu machen. Nachdem wir nun Caraceni und seine Düfte kennengelernt haben können wir getrost bei einem guten Schneider bleiben und wenn dieser auch noch gute Düfte macht, ist der Mann komplett oder vielleicht sogar perfekt.

Viele maßgeschneiderte Grüße von
Harmen

PS: Die vollständigen Duftnoten: Kopfnote: Petitgrain, Styraxharz, Geranium; Herznote: Neroli, Bitterorange, Rose, Tabak; Basisnote: Zypresse, Weihrauch

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Farmacia SS. Annunziata die Vierte.

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Reines und Pudriges,Solifloral am 26.08.2011

Heute ist Freitag, der letzte Tag der Woche und auch der letzte Tag unserer Farmacia SS. Annunziata-Reihe: Von Dienstag an hatte ich Euch die Düfte der italienischen Apotheke vorgestellt und schließe Woche und Kollektion heute ab mit Kama, Nero, 450, Takis und Isos.

Hinter dem schlichten Namen Kama versteckt sich so einiges… Wiki klärt uns umgehend auf: Kama ist nicht nur der Name von ein paar Flüsschen und Ortschaften, sondern vor allem auch der einer altägyptischen Königin. Darüber hinaus steht Kama im Hinduismus als eines der vier Lebensziele des Menschen:

„Kãma (Sanskrit काम, “weltlicher Genuss”, „Verlangen“) oft einseitig als “Lust” oder “Sexuelles Verlangen” übersetzt, gilt im Hinduismus als eines der vier Purusharthas, die “vier Lebensziele des Menschen”.

Die weiteren drei sind Artha, Wohlstand und Erfolg, Dharma, ein Leben entsprechend den sozialen und kosmischen Gesetzen sowie Moksha, die Erlösung.

Hindus lehnen weltliches Streben, Lust und Verlangen nach Wohlstand nicht als unmoralisch ab, diese sind jedoch den beiden anderen Zielen, Dharma und Erlösung, untergeordnet. Ist für das tägliche Leben die Erfüllung des Dharma das wichtigste Leitziel, so sind doch für das Leben als Haushalter auch Artha und Kama notwendig. Doch obwohl hinduistische Tradition und Gesellschaft einerseits die Legitimität von Kama anerkennen, gehört der Begriff auch zu den sogenannten “Sechs Feinden”, den Übeln, die der Mensch auf dem Weg zur Erlösung überwinden muss.“

Es geht also bei Kama ums Gleichgewicht, die goldene Mitte. Das passt gar nicht so schlecht zu dem Duft, dem gleichnamigen aus dem Hause Farmacia: Kama schwebt mehr, als das er sich (fest)setzt, verbleibt im Unkonkreten, und das auf eine ganz und gar entzückende Weise. Der Duft wagt den Balanceakt zwischen Agrumenfrische, fruchtigen Anklängen und floralen Verweisen, sanft in eine Puderwolke gehüllt und von einer vanillig-cremigen Harzbasis getragen. Feminin – ja. Und Puder sollte man mögen. Ansonsten ist das allerdings ein Duft für all jene weiblichen Wesen, die sich vor allzu greifbaren, allzu dominanten oder auch kantigen Düften fürchten und für die Sinnlichkeit nicht unbedingt einhergeht mit offenkundiger Offensivität.

Nero, auch ein Herrschername, der aus dem Sabinischen kommend soviel wie tatkräftig, stark bedeutet. Wer hier allerdings einen Kracher erwartet, einen vielleicht gar feurigen, den wird Nero überraschen: Nero ist ein Charmeur und Frauenversteher. Ein zart-lakritziger Hauch, der von Dill und Basilikum subtil-maskuline Akzente erfährt, auf einer überaus weich-verständnisvollen Basis ruhend. Hier ist kein herrschsüchtig-zorniger Despot am Werke, nein – wir haben es hier mit dem metrosexuellen Mann des 21. Jahrhunderts zu tun: Sensibel und weich, aber auch standfest und kernig. Fein, weil vertraut, aber doch mit aufregenden Twists. Und nicht zu vergessen die nette Lakritznote, die leider viel zu selten in Düften zitiert wird.

450 ist, wie unschwer zu erraten, ein Jubiläumsduft. Gleich zwei davon werden gefeiert: Das 450jährige Bestehen der eigenen Firma, gegründet 1561. Und das 150jährige Bestehen des vereinten Italiens, dem ja auch Il Profumo. Profumi del Forte, Boellis und andere Düfte widmeten. 450 ist in allererster Linie ein Irisduft und greift somit die Wappenpflanze der Farmacia-Heimatstadt Florenz auf: Rauchig-erdige und gleichzeitig samtig-pudrige Iris, flankiert von aromatisch-würzigen Noten auf einem Lager von weichem Moschus sanft zur Ruhe kommend. Traditionell ist 450 somit – und sicherlich nicht wahnsinnig innovativ, muss er aber auch nicht sein: Als altem Irisfan gefällt er mir natürlich gleich, eine schöne Hommage an diese anmutige Blume. Von der Richtung her erinnert 450 an Odoris Iris, ist aber weniger pudrig und ein bisschen besser unisex tragbar.

Takis’ Ingredienzen erinnern an einen Garten, einen mediterran angehauchten, wie man ihn hier in unseren Breitengraden mittlerweile auch häufiger findet: Eiche, Moschus, Rose, Salbei, Thymian, Vanille, Ylang-Ylang und Zitrone. Derlei Gärten haben in der Tat eine gewisse Ähnlichkeit mit Takis: Meist von irgendwie intellektuellen Mittdreißiger/-vierzigern angelehnt, folgen sie dem aktuellen Trend und schaffen den Balanceakt zwischen Modernität und Tradition, geben mit fremdländischen Anleihen Auskunft über das Weltbürgertum ihrer Besitzer und mit dem Kräutergärtchen erzählen sie über deren Besinnung auf alte Tugenden. Takis ist modern, seifig-sauber mit holzigen Anklängen, ein bisschen exotisch, aber trotzdem auch vertraut und bedächtig.

Letzteres ist Isos nun gar nicht: Mich auf den ersten Riecher an Penhaligon’s 1870 erinnernd, nämlich aquatisch-pfeffrig sich präsentierend schütte ich nach – mit dem Ergebnis, dass mich Isos erstmal gewaltig in die Nase beißt. Pfeffer satt, der in seiner Schärfe von Gewürznelke ebenbürtige Verstärkung erfährt. Dem gegenübergestellt zeigt sich eine fast ätherisch anmutende Frische, von mentholischer Pfefferminze und aquatischen Akzenten kreiert und von einer Basis aus sauberen Hölzern unterlegt. Das gefällt mir, sehr sogar.

Habt Ihr denn schon getestet, gibt es erste Favoriten? Was interessiert Euch? Ich bin gespannt und wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Liquorice Wheels von Pikaluk, Iris Germanica von H. Zell, Pfefferminze von Aleksa Lukic, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Farmacia SS. Annunziata in unserem Shop.

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Freitagsverlosung

Geschrieben in Kosmetik am 26.08.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail bis Sonntag 24.00 an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

Darüber hinaus kommt natürlich noch, wie jeden letzten Freitag im Monat, ein ganz spezielles Präsent zur Verlosung. Diese Woche gibt es den spritzig, frischen Sommerduft Mediterraneo von Carthusia zu gewinnen!

In der letzten Woche haben gewonnen: Juliane D., Andrea N., Yvonne K., Andre M. und Katharina S. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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Farmacia SS. Annunziata die Dritte.

Geschrieben in Duft,Gourmand,Hesperiden am 25.08.2011

Apotheke die Dritte heißt es heute und wir sind erneut bei Farmacia SS. Annunziata, heute mit Perla, Regina, Chia, Cara und Nero.

Perla wird seinem Namen durchaus gerecht: Eine kleine Perle ist es, in der Tat. Hier hat man es doch tatsächlich geschafft, einen fruchtig-floralen Kuschel-Ambra-Duft zu kreieren, den ich sogar als im Sommer tragbar bezeichnen würde. Zitrisch-fruchtig und gleichzeitig von frischer Süße wie ein Zitronenzuckerguss über einem ambriert-würzigen Vanillegebäck, das noch eine besondere Überraschung bereithält: Osmanthusblüten, wie häufig auch in Perla an Pfirsich erinnernd. Ein vergnügtes Parfum, lebensfroh und positiv – und dazu noch deliziös feminin. Fein!

Regina ist der nächste Duft. Auch die rudimentären Lateinkenntnisse reichen dafür: Regina – die Königin. Und was finden wir in diesem Duft? Iris natürlich und Rose, genauer: Rosenwasser oder auch englisches Rosengelee. Dieses zeigt sich von feinster Süße und subtiler Fruchtigkeit, die von goldenem Honig harmonisch abgerundet wird. Iris pudert erdig und erhaben vor sich hin, eskortiert von Gouvernante Kamille, die den beiden Schönheiten ein Bettchen auf locker-luftigem Puffreis in der milde strahlenden Sonne bereitet. Ein unbeschwerter Duft voll jugendlicher Anmut, der mich frohlockend hinterlässt, wirklich.

Chia, heutiger Duft Nr. 3, stößt bei mir ein heftiges Brainstorming an, so viele und nur positive Assoziationen fallen mir dazu ein – aber zuerst einmal die Duftnoten: Kopfnote: Zitrische Noten, Florale Noten; Herznote: Zucker, Orange, Rose, Mandel; Basisnote: Haselnuss, Moschus, Ambra, Vanille.

Hesperidenanklänge zeigt Chia in der Kopfnote und Blüten, offenbart aber alsbald den wahren Charakter des Duftes: Mandelig-marzipanig geht es einher mit einer großen Portion Zuckerwatte samt Karamellbonbons, Rosenkonfekt und nussigen Akzenten, welche sich hervorragend mit der warm-weich-ambrierten Basis vertragen, die von einer gehaltvollen Vanillewürze getragen wird. Ich denke an die zwei Rummelplatzdüfte, die ich kenne, und die beide ganz vorzüglich sind: Profumums Acqua e Zucchero und Biehl Parfumkunstwerke P(atricia) C(houx) 02. Jetzt sind sie zu dritt, die Kirmeskandidaten. Darüber hinaus lässt mich Chia sofort an Keiko Mecheris Loukhoum-Serie denken, allen voran die leichtere Variante Eau Poudrée, die mein persönlicher Favorit ist. Wie Ihr seht – eine ganze Reihe von würdigen „Ahnen“, in die sich Chia problemlos einfügt.

Cara ist ebenfalls ein Duft für Zuckerschnuten: Im Netz liest man gerne Assoziationen mit Marshmallows und ich muss sagen, dass sich mir jene Eindrücke ebenfalls aufdrängen – riesig groß, watteweich und weiß, zuckrige Geborgenheit vermittelnd und tröstend. Milchmandeln gesellen sich hinzu in einer Milchcreme und Vanille, weiche, würzige, warme, puddinghafte. Ein kleiner Spritzer Amaretto drüber und dick überstreut mit Puderzucker. Sehr lecker und bei aller Süßigkeit auch nicht zu girliesk, nein. Eher in Richtung von Cerchi Nell’ Acquas Jolie tendierend oder Mazzolaris Alessandro, Profumums Confetto. Und ja, ich weiß – jetzt zuckt so mancher Probenbestellfinger gewaltig ;)

Morgen folgt der letzte Schwung der Farmacia-Düfte – bis dahin alles Gute,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pteria penguin von Liné1, Iris latifolia von Jens Buurgaard Nielsen, Eye Series 1 von Wong Mei Teng, some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Farmacia SS. Annunziata die Zweite.

Geschrieben in Blüten,Duft,Hesperiden,Reines und Pudriges am 24.08.2011

Diese Woche ist Farmacia SS. Annunziata-Woche, wie Ihr gestern bereits zu lesen bekamt und damit mache ich heute flugs weiter – Agrumi, Aromadite, Fiore di Riso, Sofron und Hyle stehen heute auf dem Programm.

Agrumi macht seinen Namen alle Ehre: Hesperidisch geht es einher, einerseits prickelnd-lebhaft, andererseits aber sanft und sauber. Herbe Bergamotte und saftige Mandarine (oder Clementine? Diesen Unterschied rieche ich nie…) lassen sich vernehmen genauso wie säuerliche Anklänge, vermutlich von Grapefruit herrührend. Zarte Blütendüfte von Orange oder Bitterorange wehen einem in die Nase, während für mich zusammen mit der Moschusweichheit auch dezent keksige Anleihen entstehen. Ein Frühstück in einem mediterranen Garten, von lauen Winden begleitet und von den ersten Strahlen der Sonne warm gekitztelt. Natürlich während des Urlaubs, den ich gerade so nötig hätte. Schön. Einfach, aber schön. Einfach nur schön.

Auch Aromadite zeigt sich nicht besonders komplex, aber trotzdem wirkungsvoll und fernab seichter Substanzlosigkeit: Den Gefühlen von Frühlingsfrische sieht sich der Duft verpflichtet und vertreibt mit seiner guten Laune auch des letzten Muffels Winterschlaf. Übermütig-heitere Hesperidengesellen, die in ihrer prickelnden Bitzeligkeit an Ahoi-Brause erinnern, werden von herb-fruchtiger Ingwerfrische begleitet auf ihrem Weg zum frühlingshaften Blütenmeer, mit dem es zur lebhaften Ménage à Trois kommt, von vanilliger Würzigkeit zart untermalt. Ein gelungener Balanceakt zwischen frisch-zitrischen, floralen und warmen Noten, der Freude bereitet und friedlich stimmt.

Fiore di Riso, die Reisblüte. Mmmmh, Reisdüfte sind selten, leider – Steffi hatte sich schon einmal diesem netten Thema gewidmet, siehe hier. Wie wohl die Reisblüte in Fiore di Riso umgesetzt sein mag? Im Auftakt präsentieren sich Agrumenfrüchte saftiger Natur, die sich vor meiner Nase aus ihrem dunkelgrünen Blattwerk schälen. Und siehe da, hinter den Blättern versteckt sich doch gleich etwas, was an geröstete Reiswaffeln erinnert, nicht mehr und nicht weniger, der alsbald in frischer Rose, typisch süß-floralem Jasmin und herber Ingwerfruchtigkeit aufgeht. Die Basis zeigt sich harzig-moosig, um ein dominantes, würzig-cremiges Vanille-Tonka-Duo arrangiert. Wer Reis satt erwartet, wird hier vielleicht ein bisschen enttäuscht sein – es gibt andere Düfte, die diese Note eher forcieren. Aber es geht in Fiore di Riso ja um eine Blütenassoziation. Und die empfinde ich als durchaus getroffen.

Sofron wartet mit einer ansehnlichen Zutatenliste auf, welche folgende Zutaten beinhaltet: Kopfnote: Zitrische Noten, Apfel, Pfirsich; Herznote: Muskatnuss, Neroli, Grüne Noten; Basisnote: Myrrhe, Sandelholz, Patchouli, Zedernholz. Ich habe jetzt mehrfach getestet – und rieche Apfel, Apfel, Apfel. Einen schönen saftigen Kandidaten, der eine saubere Frische verströmt, vornehmlich von Zeder herrührend. Holzige Anklänge gibt es eh, die den Eindruck knarziger Bäume vermitteln. Bäume, die zur Erntezeit der Äpfel gerade dabei sind, sich langsam ihres Blätterkleids vor der nahenden kalten Jahreszeit zu entledigen. Kleinere Holzfeuer der Bauern stiften rauchige Wärme. Welch ein schönes Düftchen voll fruchtig-frischer Wehmut.

Hyle dürfte all jene erfreuen, denen es duftende Meer-Impressionen angetan haben. Ohne jetzt in philosophische Ebenen abdriften zu wollen – der Begriff hyle, der für Stoff, Materie steht, ist dort ein ziemlich wichtiger: Während er bei Homer noch für Wald, Gehölz oder Hölzer stand, ist er für Aristoteles in dessen Metaphysik ein grundlegender, vielmehr: das Zugrundeliegende, und zwar ohne jede Bestimmung. Dies dürfte im Falle von unserem Duft Hyle Wasser sein. Wasser in all seinen verschiedenen Formen, seinem natürlichen Vorkommen, insofern – Meer. Hier finden sich Gischt, Salz, Reste von Sonnencreme und warm-süßer Sand, ein paar Pflänzchen und natürlich Wasser, jede Menge Wasser. Eine Ähnlichkeit zu Montales Embruns d’Esssaouria weist Hyle auf und zu Profumums Acqua di Sale – ansonsten unterscheidet er sich aber von den üblichen Verdächtigen. Nichts Aquatisches hat er und auch keinen Vetiver, der salzig-maritime Anklänge stiftet. Insofern durchaus eine Bereicherung des Portfolios, in jedem Fall!

Morgen geht es weiter mit der Apotheke – bis dahin liebe Grüße und frohes Schwitzen,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Orange Blossom and Oranges von Ellen Levy Finch, Rice Flower Katori-City/Japan von Katorisi, Apple von OeilDeNuit/Patrick Hajzlersome, Breakwater von John Nyberg, rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Farmacia SS. Annunziata in unserem Shop.

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Die Düfte, die aus der Apotheke kamen.

Farmacia SS. Annunziata trudelten neulich bei uns im Shop ein – und da ich mir ohnehin schon länger einmal vorgenommen hatte, mir diese Düftchen ausführlicher unter die Lupe, vielmehr: Nase zu nehmen, werde ich das jetzt als Anlass werten.

Die Geschichte des florentinischen Unternehmens geht lange zurück, die Marke gilt als eine der ältesten in Italien: Das Jahr 1561 kann als Geburtsstunde gelten, als der Kräuterspezialist und Chemiker Domenico di Vincenzo di Domenico Brunetti, seinen Laden in den jetzigen Räumlichkeiten eröffnet, wo bereits zuvor Benediktinernonnen des Ordens San Nicolo ein ähnliches Geschäft betrieben. Die Apotheke wechselte in den Wirren der Zeit immer wieder ihre Besitzer, bis sie letztendlich von der Familie Azzerlini erworben wurde, die die Marke nun schon seit drei Generationen als Familienbetrieb führt.

Toll sieht es wohl in dem Geschäft direkt vor Ort in Florenz aus, da die alte Einrichtung noch vorhanden ist – sollte es Euch also einmal in die Nähe verschlagen, stattet der alten Apotheke ruhig einmal einen Besuch ab.

Das Portfolio der Düfte ist relativ breit, deshalb werden sie mich und somit auch Euch die komplette Woche begleiten. Beginnen möchte ich heute mit den meines Erachtens nach bekanntesten Kreationen des Hauses, mit Ambra Nera, Vaniglia del Madagascar und Patchouly Indonesiano.

Für eine jede italienische Duftkollektion ist er unerlässlich, man braucht ihn, keine Frage – den Ambra-Duft. Von ihm ist hier die Rede, selbstverständlich. Traditionell hat man es im Hause Farmacia angepackt, das Thema: Ein kraftstrotzender Geselle ist es geworden, mächtig, potent. Einer, der seinen Freunden von Mazzolari oder Profumum in nichts nachsteht. Eukalyptus in der Kopfnote sorgt, wie schon in Odoris Tabacco, für einen überraschend kühlen Kopf als Kontrast zu dem überbordend emotionalen und leidenschaftlichen Herz: Benzoe und dunkle Ambra gehen eine harzig-süße und dezent rauchige, weil ziemlich feurige Liaison ein, gebettet auf einem würzigen Lager weicher Vanillecreme. Kontrastiert wird diese sehr passende, nach dem Motto: „Gleich zu gleich gesellt sich gern“ verfahrende Liebesgeschichte von holzig-sauberem, gestrengem Zedernholz sowie Patchouli und Vetiver in der Basis, die dem Ganzen erdige Bodenhaftung verleihen, die rauchigen Aspekte untermalend.

Ambra Nera erfindet den Ambra-Duft nicht neu, das kann man nicht behaupten. Das allerdings ändert nichts an dem Fakt, dass Ambra Nera ein schöner, hervorragend ausbalancierter und toll umgesetzter Vertreter seiner Gattung ist, was ihm sicherlich viele Freunde bescheren wird – zu Recht.

Vaniglia del Madagascar hört ebenfalls auf einen recht unprätentiösen, schlichten Namen, der auch diesem Duft nicht wirklich gerecht wird. Der Vanille huldigt er und möchte scheinbar jeden für diese früher so kostbare Ingredienz gewinnen – ein Anliegen, das er durchaus erfolgreich erfüllen könnte. Soweit ich das sehe gilt er als einer der erfolgreichsten Düfte der Kollektion – ich kann es verstehen, und das obgleich ich, wie einige Leser wissen werden, kein ausgesprochener Vanille-Fan bin.

Im Auftakt zeigt er sich begleitet von einem zitrisch-prickelnden Hauch mediterraner Lebensfreude, um der geneigten Nase in Folge all jene Facetten zu offerieren, die die Vanille so zu bieten hat und für die sie geliebt wird: Cremige Süße, Milchigkeit, Wärme, dezent orientalisch anmutende ambrierte Würze, karamellisierte Anklänge und zarte Orchideenblüten.

Ein schöner, unverstellter Duft, gourmandig, aber erwachsenen, nie quietschig und auf keinen Fall „too much“. Vanille-Liebhabern wird er ohnehin das Herz höher schlagen lassen, aber auch diejenigen, die normalerweise wie ich keine passionierten Fans sind, könnte Vaniglia gefallen: Ähnlich wie bei Goutals Vanille Exquise haben wir es hier mit einem schönen, aber sehr zivilisierten und nicht über die Maßen süßen Exemplar zu tun (dem allerdings der Goutalsche Rauch abgeht, das sei bemerkt).

Patchouly Indonesiano ist ein mehr als überzeugender Vertreter seiner Zunft: Erdige Süße mit einem Hauch Hippie-Moder, kräftige Blattwerkanmutungen und krautige Anklänge. Mit stolz geschwellter Brust präsentiert er sich und zelebriert sein Selbst, gekrönt von samtig-öligen Honiganleihen, die ein wenig an Mazzolaris Meisterwerk Patchouly erinnern.

Ein sehr netter Auftakt dieser neuen Kollektion – ich bin gespannt was die Woche noch so bringt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Farmacia SS. Annunziata, John Singer Sargent (1880): Smoke of Ambergris, Vanilla Planifolia, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Farmacia SS. Annunziata in unserem Shop.

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Mit dem Winter bin ich Quitt(e)


Hugh Parsons – In der Regent Street

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Duft,Reines und Pudriges am 22.08.2011

Nach meinem ersten Hugh-Parsons-Artikel über “Piccadilly Circus” steht nun die Nachbarstraße “99, Regent Street” auf dem Programm. Benannt wurde sie nach dem Prince Regent, dem Prinzregenten und späteren König Georg IV. und wurde von dem Architekten John Nash von 1811-1825 erbaut. Was es nun mit der 99 auf sich hat bzw. wofür diese Hausnummer steht, konnte ich leider nicht herausfinden. Da sich aber das Ladengeschäft von Hugh Parsons in der Regent Street befand, könnte es sich um die zugehörige Adresse handeln.

Kopfnote: Mastix, Geranium, Veilchenblätter; Herznote: Jasmin, Freesie, Iris; Basisnote: Moschus, Ambra

Es darf also wieder mit einem kultivierten britischen Duft gerechnet werden. Gerechnet habe ich mit einem äußerst blumigen Duft, und das ist er auch, aber ganz anders als ich erwartet hatte. Würzig-harzige Noten von Mastix und Geranium halten die Blumen von Anfang an in Schach, sodass diese nicht untergehen, aber einen neuen Charakter erhalten – sehr interessant. Bei Regent Street darf man sich einen blumigen Kern vorstellen, der aquatische Aspekte enthält. Der Auftakt, der diesen Kern von oben abschließt kommt äußerst frisch daher, beinahe zitrisch-frisch, obwohl keine Zitrusnoten angegeben sind. Die Basis schließt diesen Kern wiederum von unten ab: der Moschus verleiht Regent Street einen trockenen und seifigen Grund.

Meiner Meinung nach kein allzu traditioneller Duft, da ihm gerade die aquatischen Noten einen frischen und modernen Charakter geben. Wirklich ein gelungener Herrenduft in einer, wie ich finde, ansprechenden Aufmachung.

Liebe Leser, gibt es für Euch eigentlich einen richtigen London-Duft oder ein Parfum, welches das alte England treffend beschreibt?

Liebe Grüße
Harmen

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Anlass zum Träumen…

Geschrieben in Duft,Gourmand,Reines und Pudriges am 19.08.2011

wollen Maison des Rêves geben mit ihren drei neuen Düftchen Poudre, Gourmandise und Mousse au Cafè.

Das Label ist neu und dahinter verbirgt sich, na klar, ein weiterer Schöngeist, der sich von Träumen und Passionen, von Erinnerungen und Hoffnungen leiten lässt:

“The human being, the passion, the dream…the desire to realize what will last forever keep on stimulates every one. Remembering the past while creating the future…now and for ever. Sometimes I think that it is really the destiny, the nature or the chance that leads us in our way. My beginning a few years ago in a magic land, rich in colours and odours. I think that during my childhood I have absorbed all the odours and perfumes that this land could offer, a road easy to follow, everything is created in our memory. I was inspired by my memories, by a perfume of 30’s, its creator was a family friend. I wanted that everybody, everyday could feel a sensation and an emotion in the most simple and essential action we make: breathing. The most embedded are related to odours world. During the years ancient sensations wake up: hot milk smell, country, the cut grass, also water has is own perfume and you realize that life is a perfume to be composed by the fragrances of the memory. But olfactory memories are the weakest, because it is impossible to imagine them, to remind them without the perfume that arouse them. And that’s how Maison des Rêves was born, following that passion that drove me to transmit to other people my feelings. “

Wunder erleben beim Einatmen, Gefühle durch Düfte transportieren – ich gebe zu, die Idee ist nicht neu, nein. Aber sie ist immer wieder schön. Und vermutlich der Hauptantrieb, die Hauptintention der meisten Parfumeure. „Dedicated to free souls“ – den freien Seelen sind sie gewidmet, die ausdrücklich zum Layern empfohlenen Düfte von Maison des Rêves. In diesem Falle meine Lieben, das kann ich schon verraten, sind die Seelen definitiv weiblich. Denn diese Kollektion widmet sich in erster Linie den Süßschnuten unter Euch.

Bei Poudre kann ich nur sagen – Nomen est Omen. Hier bekommt man oder besser: Frau, was sie sich wünscht: Eine dicke Portion hauchfeinen Puder. Wie lange lag mir eine Freundin in den Ohren damit, dass sie sich einen Duft wünsche, der bitte riechen soll wie ihr Lieblingspuder von Guerlain. Ombre Rose von Brosseau, mit dem Poudre durchaus Ähnlichkeiten hat, war es nicht, Poudre könnte es aber sein: Mit der Nase versunken in einer watte-weichen riesigen Puderquaste entführt er mich gedanklich in meine Jugendzeit. Damals schenkte mir meine Tante aus Amerika eine riesige Dose Körperpuder, der so wunderbar fein gemahlen war und jenen zarten Duft verströmte – ein bisschen wie Rosenmehl und von einer trockenen Süße, einen sanften Hauch Vanille atmend. Hach, was war ich glücklich und überhäufte und bestreute mich damals fleißig – unter Zuhilfenahme jener beigelegten Quaste, die ich so zauberhaft fand und die meine Kleinmädchen-Prinzessinen-Träume vollauf befriedigte.

Poudre, meine Damen, verspricht nicht zuviel und bietet genau das. Seine Noten: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Rosenholz; Herznote: Jasmin, Maiglöckchen; Basisnote: Ambra, Tonkabohne, Pudrige Noten.

Gourmandise verspricht vollmundig, der Gourmandfraktion das Wasser im Munde zusammenlaufen zu lassen – und, in der Tat, er bleibt sich und seinem Versprechen treu: Ein Hauch fruchtig-säuerlicher Brombeere spendet Frische, während sich der eigentliche Charakter des Duftes alsbald entpuppt – nussig-würzige Wärme deliziöser Natur und von einer samtigen Süße, gepaart mit zarten Wildledernoten und cremiger Vanille, die durch die Orchideennote Rückendeckung erfährt. Das leckere Zusammenspiel entwickelt für meine Nase, obgleich nicht vorhanden, äußerst anziehende Nuss-Nougat-Akzente, eine Nuance, derer man selten in Düften habhaft wird. Das alleine ist schon ein Grund für einen Test – allerdings sollte die geneigte Nase Süßem schon zugetan sein, sonst wird es mit der großen Liebe hier nichts.

Die Ingredienzen von Gourmandise: Kopfnote: Brombeere, Kokosnuss; Herznote: Orchidee, Hibiskus, Ylang-Ylang; Basisnote: Leder, Weißer Moschus, Vanille, Zimt.

Mousse au Cafè erinnert mich postwendend daran, was ich hier an diesem schönen Vormittag noch machen könnte: Mir einen frischen Kaffee aufsetzen. Davor werde ich aber diesen hier noch testen – die Zutaten: Kopfnote: Sahne, Milch; Herznote: Heliotrop, Kokosnuss, Karamell; Basisnote: Vanille, Sandelholz. Wie schon Poudre lässt mich Mousse au Cafè in Kindheitserinnerungen schwelgen: Karamell, sahniges. In meinem Fall Werther’s Original, anno dazumal noch Werthers Echte und natürlich das Bonbon mit der Kuh drauf. Dunkel gerösteter Zucker mit Kruste, karamellige Creme, sahniges Vergnügen. Sehr schmackhaft dies. Die Kokosnuss existiert als subtile Ahnung, das Ganze auf sanfte Weise würzig-aromatisch untermalend. Und Kaffee, ja, den finde ich auch irgendwo. Allerdings hat das Resultat als Ganzes ungefähr genauso viel mit einem reinen Kaffeeduft zu tun wie eine Tasse Bohnenkaffee mit einem Iced Caramel Macchiato von Starbucks – wobei letzterer unbestritten toll ist, genauso wie diese Gott sei Dank garantiert kalorienfreie Sünde.

Wie sieht es aus, habt Ihr schon, wollt Ihr nochmal oder überhaupt? Wie ist Euer Eindruck?

Viele süße Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Rouge von starfish75/J. Gabriel, Pressefoto MdR, Caramel Sculpté von Romanceor/Roman Bonnefoy, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Maison des Rêves in unserem Shop.

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