kann nicht nur Parfums, er kann auch Bücher: Journal d’un parfumeur : Suivi d’un abrégé d’odeurs heißt sein Werk, das aus dem Leben eines Parfumeurs, in diesem speziellen Falle von einem der besten weltweit, erzählt. Bei Nowsmellthis gibt es bereits eine Rezension, siehe hier, und wer mag kann sich auch einen kurzen Film ansehen, in dem der Meister selbst dazu erzählt:
mit Fulgor, dem zweiten Duft aus dem Gewitter-Duo von Calé Fragranze d’Autore. Ein gewaltiges Gewitter, ein Naturschauspiel, kommt nicht aus ohne Blitze – und denen ist der Duft gewidmet, steht das Lateinische Wort Fulgor doch für Blitz(en), Aufblitzen sowie für Glanz.
In meinen Augen glänzt es ganz gewaltig, durfte ich doch bereits gestern den hervorragenden Roboris von Mark Buxton vorstellen – Fulgor, das sei schon verraten, steht dem in nichts nach.
Kreiert wurde der Duft von Maurizio Cerizza, der bereits einen Großteil der restlichen Calé Fragranze d’Autore-Kollektion schuf. Die Ingredienzen: Kopfnote: Schwarze Johannisbeere, Mandarine, Feigenblätter; Herznote: Magnolie, Narzisse, Safran; Basisnote: Weihrauch, Patchouli, Ambra, Graphit, Pyrit.
Wie ein echter Blitz, eine Funkenentladung, explodiert auch Fulgor gleich mit dem Aufsprühen in der Nase: Bitter, herb, grasig, metallisch, feucht-frisch, harsch und rauchig präsentiert er sich, und in dunkelgrünem Gewand. Johannisbeere, tiefschwarze, sowie Feigenblätter, grüner als grün, sind dafür verantwortlich, und sorgen für unaufhörliches bitzelndes Prickeln. Ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich – und schön. Erinnert mich in diesem Stadium sehr an den unerforschten Urwald, der einem wild und ungezähmt aus Six Scent Series 2, Fragrance 3: The Spirit of Wood by Cosmic Wonder Light Source in Erinnerung blieb. Kontrastreich geht es weiter: Fulgor balanciert immerzu zwischen all diesen Polen, im Laufe der Zeit zart-verschwommene Knospen offenbarend von Blüten, taubenetzt. Eine subtile und zuweilen überaus pudrige Süße schielt durch das Dickicht, floral und von einer eigenartigen Wärme, die sich mit der Zeit holzig durch das spitzkantige Grün drängt und nach der Entladung für aromatische Ruhe sorgt.
Fulgor macht es einem unglaublich schwer, ihn einzusortieren: Am ehesten entdecke ich Ähnlichkeiten zu genanntem Six Scents-Duft, meine aber auch, gewisse chyprierte Anklänge wahrzunehmen. Einige grüne Chypreklassiker wie zum Beispiel Balmains Vent Vert kommen mir in den Sinn. Was die Rauchigkeit angeht fühle ich mich an Chanels wunderschönen Vetiver Sycomore erinnert. Aber all das vermag nur Fingerzeige zu geben. Denn eigentlich habe ich so etwas wie Fulgor noch nicht gerochen. Und freue mich deshalb einmal mehr, etwas Neues, für mich wirklich Neues entdeckt zu haben.
Darüber hinaus ist Fulgor trotz seines etwas sperrigen Charakters – er ist ein Unikum – auf seine Art und Weise so herrlich leicht, dass er für all die Colognemüden, Hesperidenmüden, Meeresmüden und Obstkorbmüden im Sommer eine echte Alternative ist, wie „meine“ Leserin Jutta dieser Tage in einem Forum vollkommen richtig schrieb. Der Ansicht bin ich auch: Im Sommer bei richtig heißen Temperaturen mangelt es oft an olfaktorischen Möglichkeiten – Fulgor ist eine davon, und eine tolle noch dazu.
Habt Ihr die beiden Gewitter schon getestet? Welches ist Euer Favorit und warum?
wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail bis Sonntag 24.00 an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!
Darüber hinaus kommt natürlich noch, wie jeden letzten Freitag im Monat, ein ganz spezielles Präsent zur Verlosung. Um Ihnen die Vorfreude auf den Sommermonat August zu erhöhen haben wir Ihnen ein Sommerpaket zusammen gestellt. Für die Bikinifigur ein Velds – Prend Moi, zum vorbräunen Rodial – Brazilian Tan Airbrush und um die Sonne zu genießen ein Rodial – Skinny Beach SPF 15. Diese Sommerset hat einen Wert von 149,00 EUR – machen Sie mit, es lohnt sich!
In der letzten Woche haben gewonnen: Eva H., Magdalena N., Benedict P., Ute G., und Johanna M. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!
habe ich schon, seit ich ein Kind bin. Während anderen bang ums Herz wird, sich mancher fürchtet, meine Haustiere regelmäßig unter Sofas und Betten verschwinden stehe ich meist am Fenster oder auch draußen und genieße das Naturschauspiel, lausche dem Wind, dem Donner, dem prasselnden Regen und bewundere die Blitze. Einer meiner Lebensträume ist deshalb auch ganz konkret fassbar – es ist ein Besuch des Wickaninnish Inns in Tofino, Vancouver Island, Kanada, ein ausgewiesener Lieblingsplatz für Sturmliebhaber. So schreibt zum Beispiel die Börse am Sonntag:
„Im Winter, wenn das berüchtigte Aleuten-Tief Orkane mit einer Geschwindigkeit von bis zu 150 km/h gegen die Küsten von Vancouver Island schleudert, ist man der Urgewalt im Wickaninnish Inn ganz nah. Während das tobende Meer Wellen bis zu sieben Meter Höhe schlägt, kann man dieses Naturschauspiel in behaglicher Atmosphäre genießen, denn das Wickaninnish Inn wurde eigens für „Stormwatching“ konstruiert. Das Hotel ruht auf Zementfundamenten tief im Fels, für die extra großen Fenster wurde eine orkansichere Doppelverglasung ausgesucht, und im Restaurant wird ein 240-Grad-Rundumblick geboten. Wenn außen das Inferno tobt, wird innen beobachtet, gestaunt und – untermalt von einem Klangteppich aus krachender Brandung und klassischer Musik – vorzüglich gespeist […].“
„Wenn sich kein Lüftchen regt und die Sonne richtig schön scheint, können die Gäste hier schon mal sauer werden. Schließlich kommen sie wegen des schlechten Wetters: Es ist Stormwatching-Season an der Westküste von Vancouver Island. Urgewalten erleben, wo die Welt aufhört, in einem Hotel auf den Klippen, das so weit weg von allem ist, dass danach nur noch das Wasser kommt: viele tausend Kilometer weit. Irgendwo auf der anderen Seite ist Asien. Viel Patz für den Wind, um Anlauf zu nehmen.
Im Winter zog es früher niemanden in die Gegend rund um Tofino im Pacific Rim National Park – kein Wunder, denn im Jahresdurchschnitt stürzen hier drei Meter Wasser vom Himmel. Im Winterhalbjahr eher mehr als weniger. Doch dann hatte der Hotelier Charles McDiarmid die rettende Idee, das schlechte Wetter als besondere Attraktion zu verkaufen: Er rief das Programm Stormwatching ins Leben.
Seitdem läuft sein Hotel “Wickaninnish Inn”, das auf den Klippen am Rande des Chesterman Beach liegt, bei Sturm besonders gut.“
Und gilt, nebenbei bemerkt, als eines der besten Hotels Nordamerikas, gehört natürlich zu irgendwelchen Leading Hotels of the World und so weiter und so fort… Das merkt man den Preisen auch an, insofern muss ich wohl noch ein wenig träumen und sparen.
Bis dahin kann ich mir aber behelfen – und zwar mit den neuen beiden Düften von Calé Fragranze d’Autore, die ebenfalls einen regnerischen Gewittersturm zum Thema haben: Roboris und Fulgor.
Roboris, dem ich mich heute widme, wurde von unserem Liebling Mark Buxton kreiert, der sich ja bereits mit etlichen Düften unter anderem für Comme des Garçons, Linari, Biehl Parfumkunstwerke, Le Labo, Lagerfeld, Givenchy, Paco Rabanne, Van Cleef & Arpels, etc. einen Namen als eine der weltbesten Nasen machte.
Roboris, das im Lateinischen sowohl für Kraft, Stärke, Mittelpunkt als auch für Eiche, Hartholz steht, wurde aus einer Idee von Dr. Silvio Levi, dem Inhaber von Calé Fragranze d’Autore geboren: Der Impression eines stürmischen Gewitters über der Wüste in Arizona, welche wohl persönlicher Erfahrung geschuldet ist. Dann ist da auch noch die Rede von einem Schamanen und von obskuren magischen Kräutern, einem Regentanz auf einer Anhöhe…
Aber lasst Euch das besser von Monsieur Baxton selbst erzählen:
Der Duft soll demnach für den Wind stehen, der den Regen ankündigt, die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm in sich tragend über den trockenen Boden wehend und alle Gerüche der Umgebung mit sich reißend: Den trockenen Sand, die Kräuter des Medizinmanns, das Feuer, Leder, knarziges altes Holz…
Kraftstrotzend und magisch aufgeladen wirkt so auch der Duft: Ein Chamäleon, welches all jene Gegensätze umfasst – die warme Trockenheit des alten Hölzer und des Sandes, welcher so weit das Auge reicht samt einer staubigen Süße, die bereits von der Ankündigung des nahenden Regens geschwängert ist. Wässrige Akzente und windige Anklänge, ein Hauch Florales, der von Blüten irgendwo da draußen kündet. Heu, sonnengetrocknet und zum Teil auch schon angefeuchtet sowie metallisch anmutende Noten, die jene flirrende Luft imitieren, die elektrisch aufgeladen scheint. Feinsäuerlicher Rhabarber, den man im Hintergrund identifizieren kann, wenn man von ihm weiß.
Mark Buxton, jener große Zauberer, vermag es mit Roboris spielend, nicht nur das von Levi vorgegebene Szenario wie einen Dschinn in eine Flasche zu bannen, sondern auch eine, wie ich meine, universell „gültige“ Impression eines nahenden Sturms zu kreieren. Will sagen: Genau SO riecht ein aufziehendes Gewitter. Und ich hatte wirklich schon lange nach solch einem Duft gesucht.
Danke, lieber Mark, einmal mehr – für einen weiteren, wunderschönen Duft!
Schon mehrfach hatte ich hier das Thema angeschnitten, mit Freunden auch schon häufiger darüber debattiert: Ich bin überzeugt davon, dass Duftfans prinzipiell nicht nur ihrer Nase, sondern oft auch ihrer Zunge folgen, sprich: den früher als „niederen Sinnen“ bezeichneten Sinnen Geruchssinn als auch Geschmackssinn gleichermaßen frönen. Ich glaube, dass es wenige Menschen gibt, die olfaktorisch betont leben, ohne auch dem Geschmackssinn zugetan zu sein.
Was liegt da näher, als sich auch auf diesem Gebiete der Horizonterweiterung und, einmal Blut geleckt, ebenfalls der Ausdifferenzierung zu widmen? Ob es sich nun um Schokolade handelt oder Kaffee, Tee, Gewürze, Weine oder generell Alkoholika – viele Gebiete harren der näheren Beleuchtung und Erforschung. Was Kaffee angeht und Tee habe ich mich selbst bereits damit beschäftigt, auch mit Gewürzen hatte ich es schon. Vor allem Salze und deren geschmackliche Unterschiede, selbst bei bescheiden entwickelter Kochkunst, ließen mich lange nicht mehr los. Weintechnisch habe ich einiges gelernt, vor allem, dass man in meiner Region wieder Viertele (des Schwaben Wort für ein 0,25l-Gläschen Wein) genießen kann, da die jüngeren Winzer mittlerweile exzellente Weine fertigen und nicht nur untrinkbare, Verzeihung, Plörre. Zugegeben – einiges könnte ich noch lernen. Und würde das auch gerne, der Weinkurs ist seit Jahren immerzu schon „fast“ gebucht…
Whisky allerdings war immer so ein Thema, mit dem ich absolut nichts anfangen konnte. Ob es die Jugend war, die ihn mir verdorben hat? Jack Daniels-Cola, einmal zu viel? Ich weiß es ehrlicherweise nicht, ich weiß nur, dass mich Whisky immer kalt gelassen hat. Eklig fand ich „das Zeug“, da änderte auch der frühere Kumpel nichts dran, der Whiskys sammelte und ab und an Versuche startete, mir ein besonderes Tröpfchen zu kredenzen. Perlen vor die Säue – er konnte mich nicht dafür erwärmen. So lag der letzte Whisky-Genuss Jahre zurück – bis vor einigen Wochen.
Ich war zu Besuch bei einem alten Freund, zu dem ich erfreulicherweise nach über zehn Jahren wieder Kontakt bekommen habe. Er ist heute ebenfalls in der schreibenden Zunft, ist Chefredakteur einer Zeitschrift und pflegt nebenbei zwei besondere Hobbys: Er sammelt alte Waffen und spielt Dudelsack, weswegen er regelmäßig in Schottland bei alten Meistern Unterricht nimmt. Schottland und Dudelsack, jenes Kriegsinstrument der Männer – da ist natürlich der Whisky nicht weit: Eine ausgeprägte Leidenschaft für das „Wasser des Lebens“ kultiviert Herr D und bat mir natürlich das eine oder andere Schlückchen an – ein Angebot, das ich bereitwillig angenommen habe. Der Vorsatz lautete, auch hier endlich einen Zugang zu finden. Denn wieso sollte ausgerechnet mir Whisky nicht schmecken? Mir, die mir bereits bei den Beschreibungen mit „getrockneten Früchten, Ingwerkeksen, einem Hauch Schokolade, Rauch“ und so weiter bereits das Wasser im Munde zusammenläuft? Mir, die ich doch auch anderen sinnlichen Genüssen zugeneigt bin?
Begonnen habe ich an diesem Abend mit irgendeinem Einsteigerwhisky, dessen Name mir entfallen ist und der mir, wenn ich ehrlich bin, auch weder geschmeckt noch nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist. Danach aber erzählte mir Herr D von seinem Lieblingswhisky: Ihm hätten es prinzipiell die härteren Whiskys angetan, die kantigeren, schrofferen, was ihm finanziell auch zum Vorteil gereiche – die meisten älteren und/oder teureren Whiskys seien milder, zarter im Aroma. Er aber bevorzuge die harte Gangart. Und als altem Fan gitarrenlastiger Musik hat es ihm ein Whisky besonders angetan, den er entdeckte, als er in einem Fachbuch darüber las, dass dieser „der Motörhead der Whiskys“ sei. Eine seiner Lieblingsbands führte ihn also zu seinem absoluten Lieblingswhisky, der „schon ziemlich speziell sei“.
Liebe Freunde, was für ein Euphemismus! Nach einem winzigen Schlückchen dieses Tranks musste ich bereits Tränen lachen. Ich hatte wohl mit geschmacklich Ausgefallenem gerechnet, nicht aber mit etwas, das SO schmeckt. Für Duftfans: Ich hatte das Gefühl, einen Drink aus Annick Ménardos extrem rauchigem Le Labo Patchouli 24 gemixt mit Andy Tauers altem Ledersattel Lonestar Memories zu mir zu nehmen, in den man noch einen kräftigen Spritzer Nostalgia, jener olfaktorischen Impression eines Autorennens (samt Gummireifen und Motoröl selbstverständlich), geschüttet hatte. Die Verstärker sind hier bis zum Rand aufgedreht: Volle Pulle Rauch, Torf, Motoröl und altes Leder satt. Alleine die Erinnerung daran lässt ein breites Grinsen über mein Gesicht huschen.
Ich bin mir sicher, das wird nicht mein letzter Ausflug in die Gefilde des Whiskys, denn ich glaube, auch wenn ich noch keinen Durchblick habe – derart intensive Geschmackserlebnisse mag ich noch mehr haben. Und Firmen, die so etwas herstellen, sind mir ja sowas von sympathisch.
Es grüßt Euch herzlich
Eure vollkommen angefixte Uli.
P.S.: Wie sieht es bei Euch aus? Was hat es Euch abseits der Duftpfade angetan? Und – seit ihr vielleicht auch Whiskyfans?
P.S.²: Besagter Whisky war im übrigen ein 10jähriger Laphroaig.
Aus dem Traditionshaus Rancé möchte ich heute das unlängst erschienene “Eau Duc de Berry” vorstellen. Wer nun einen Beerenherzog erwartet, ist auf dem Holzweg. :-)
Gewidmet wurde der Duft dem Herzog von Berry Charles Ferdinand aus dem Hause Bourbon, der während der Restaurationszeit nach Napoleon zu den liberalen Kräften gehörte und schließlich einem Attentat zum Opfer fiel. Aber keine Geschichtsstunden, es geht hier ja immerhin um das an diesen Herrn gerichtete Wässerchen.
Auf dem Teststreifen überrascht mich der Duft mit seiner unaufgeregten Trockenheit und auch Bitterkeit: zitrisch, aber keine Spur von Süße, der Kardamom tut sein Übriges hierzu. Auf der Haut ein ebenso zitrischer Auftakt, mit süßlichen, vermutlich moschuslastigen, Noten.
Ein wirklich zurückhaltender, aristokratischer Duft, der in keiner seiner Facetten laut und vulgär herüberkommt. Eine kopflastige Würze – gefolgt von durch Kardamom bitter anmutende Zitrusnoten – verbindet sich mit dezenten, blumigen Herznoten und kommt auf einer Basis zur Ruhe, deren Protagonisten derart harmonieren, dass ich sie als einzelne kaum wahrzunehmen vermag.
Am ehesten erinnert mich der Duft, auch von den Zutaten her, an Courvoisiers Hausduft L’Édition Impériale. Um es genau zu wissen, sprühe ich den Cognacverwandten auf den anderen Arm. Dieser erweist sich nun im direkten Vergleich als herber, kardamomlastiger und holziger als der Rancé.
Eau Duc de Berry wird, je länger ich ihn trage, runder und bekommt einen weichen Ausklang, ohne aber allzu sehr ins Süßliche umzuschwenken. Müsste ich mich zwischen den beiden entscheiden, würde meine Wahl wahrscheinlich auf den Courvoisier fallen. Wer den kultivierteren Vertreter sucht, wird mit dem Bourbonenherzog vollauf zufrieden sein.
Mit diesem Duftstereo verabschiede ich mich und wünsche Euch einen guten Tag
Harmen
Dem eifrigen Beobachter wird nicht entgangen sein, dass ich mir in letzter Zeit so einige Düfte von Histoires de Parfums vorgeknöpft habe. So soll es auch heute weitergehen, und zwar mit “1969 Parfum de Révolte“. Nach den vorangegangenen Düften, welche alle berühmten Persönlichkeiten der Geschichte gewidmet waren, ist dieser hier einer ganzen Bewegung zugeeignet, der Protestwelle der 60er Jahre. Eines der aufsehenerregendsten Ereignisse war in diesem Jahr sicherlich der Massenprotest von 250000 Menschen in Washington am 15. Oktober gegen den Vietnamkrieg. Der eine oder andere wird zumindest noch die entsprechende Szene aus “Forrest Gump” kennen. :-)
Mit diesem Namen, der trotz dieser Referenz nicht allzu viel verrät, lässt sich alles Mögliche umsetzen. Vielleicht haben wir es mit einem Revolutionsduft à la “Revolution” von Lisa Kirk/Ulrich Lang zu tun, oder möglicherweise aber auch einfach ein Hippieduft im Sinne von Heeleys “Hippie Rose“?
Also teste ich nun den mit folgenden Duftnoten angegebenen Duft:
Kopfnote: Pfirsich, Fruchtige Noten, Herznote: Rose, Weiße Blüten, Kardamom, Gewürznelke; Basisnote: Patchouli, Schokolade, Kaffee, Weißer Moschus
Deutlich kommt mir der Pfirsich in der Kopfnote entgegen, der aber sogleich von einer fast ein wenig ledrig anmutenden Kaffeenote untermalt wird, die mich wiederum an Mark Birleys “Charles Street” erinnert. Mehr gibt der Duftstreifen nicht her, außer dass man nach der Ursache der Süße sucht – sind es die Weißen Blüten?
Auf meiner Haut kommt die Schokolade nun hervor, den thematisch obligatorischen Patchouli ahnt man im Hintergrund, aber stets begleitet von einer geradezu cremigen, süßen Grundierung.
Nach den doch recht konservativen Gesellen aus dieser Reihe, eine erfreuliche Abwechslung! “Parfum de Révolte” ist aber definitiv weder eine Straßenschlacht mit Tränengas und Gummiknüppeln noch ein bekiffter Sommer-Sonne-Hippieduft und glücklicherweise auch keine vollbärtige Politdiskussion.
Fruchtige, würzige und warme Noten gehen ein Wechselspiel mit den süßen Noten ein, sodass ich hier einen Duft für beide Geschlechter rieche, der aber unbedingt auf der Haut getestet werden sollte. Die Unterschiede zum Duftstreifen sind auch hier wieder einmal frappierend.
Meines Erachtens nach bislang der beste Duft aus der Reihe, also liebe Genossen, Kommunarden und Gammler, ;-)
Es ist angerichtet und darf probiert werden.
… Mâle, das geniale Jugendwerk von Francis Kurkdjian ist für mich heute noch einer der schönsten Mainstreamer überhaupt. Jedes Mal drehe ich mich herum, duftet jemand um mich nach ihm, jenem Duft, der für mich vor vielen Jahren die Quintessenz alles Männlichen verkörperte. Erinnerungen… nicht nur an den Duft ;)
Und wie einige andere Firmen im Mainstreambereich werfe ich auch bei Gaultier immer einen Blick auf die Neuveröffentlichungen: Kokorico heißt das neueste Machwerk, benannt wie immer mit einem Augenzwinkern wohl nach dem Männlichkeitsritual eines Gockels, jenem deutschen Kikeriki. Kreiert haben ihn Annick Ménardo und Olivier Cresp, ein beachtliches Duo – die Ingredienzen: Feigenblätter, Kakao, Patchouli, Vetiver, Zedernholz. Passend zum maskulinen Imponiergehabe auch die Farben – in schwarz-rot ist er gehalten, der Flakon, der von vorne an einen Scherenschnitt erinnert, der ein (natürlich ausgeprägt) männliches Profil zeigt und von der Seite einem männlichen Torso entspricht, was wiederum an die Vorgänger Le Mâle und Fleurs du Mâle erinnert.
ist der Name eines neuen Labels, das vor nicht allzu langer Zeit am Firmament des Parfummarktes erschien.
Die Geschichte hinter der Firma ist schnell erzählt und ähnelt, neutral bemerkt, der von vielen solchen Unternehmen: Das Gesicht hinter Carner Barcelona ist Sara Carner, die schon seit frühester Kindheit duftverrückt war, was sich in ausufernder Sammelei von Parfumflakons und Duftkerzen äußerte sowie einem ausgeprägten Interesse an Düften. Nach einem Studium an der renommierten New Yorker Columbia University brach die Tochter eines Lederfabrikanten erstmal auf zu einer beruflichen Karriere im internationalen Kosmetikbusiness, wo sie mit den besten Köpfen der Branche arbeitete.
Die Erinnerung an eine behütete Kindheit in Spanien blieb, an die Menschen dort, an einzigartige Orte, Begegnungen, verknüpft mit Erinnerungen und natürlich – Düften. Damit wuchs nicht nur der Wunsch, zurückzukehren, sondern auch das Bedürfnis, die Leidenschaft für Düfte auszuleben und, verknüpft mit den beruflichen Erfahrungen, zur Profession zu machen, was Carner nach ihrer Rückkehr nach Barcelona auch prompt in die Tat umsetzte.
Tardes und D600 heißen sie, die beiden ersten Düfte von Carner Barcelona, die ich mir heute für Euch unter die Nase klemmen werde.
Tardes ist, soweit zu lesen ist, eine Hommage an das friedliche Landleben in Katalonien und an einen schönen Spätsommernachmittag: Von Weizenfeldern im mediterranen Sommer ist die Rede und von Mandelbäumen, von goldenen Sonnenstrahlen, einer sanften Brise und entspanntem Müßiggang, nachgezeichnet mit folgenden Zutaten: Kopfnote: Geranium, Bulgarische Rose, Rosenholz, Mandel; Herznote: Virginia-Zedernholz, Sellerie, Pflaume; Basisnote: Tonkabohne, Moschus, Heliotrop.
Im Auftakt überwiegen fruchtige Pflaumennoten, von minzig-rosiger Frische umweht, welche in einer riesigen Wolke luftig-leichten Mandelschaums überleiten. Eine samtig-cremige, dezent marzipanige weiche Wattewolke von Mandeln, die im Verlauf des Duftes immer mehr Amarettini-Charakter annimmt. Ich bin mir so sicher, dass es da draußen viele (Frauen) gibt, die Tardes dafür lieben werden. Ein deliziöser Gourmandduft von sehr gut ausbalancierter Süße, weder vorlaut noch aufdringlich, sondern reif und erwachsen.
D600 (woher kommt eigentlich dieser Name?) soll den urbanen Lifestyle der Metropole Barcelona einfangen, genauer: deren morgendliches Erwachen: Die exotischen Gerüchte des „Mercat de la Boqueria” in den historischen Markthallen im Herzen der Stadt mischen sich mit der belebenden Kühle des nahen Meeres. Sie strömen durch die geöffneten Fenster, während sich Las Ramblas, Barcelonas große Prachtallee, langsam füllt und die Stadt ihre mitreißende Melodie aus fröhlicher Betriebsamkeit und geschäftigem Treiben erklingen lässt. „Vibrant spicy“ soll der Duft sein, mit einem „touch of mystery“, einem geheimnisvollen Hauch.
Der Duft von rauchigem Zedernholz weht einem bereits im Auftakt entgegen, von Pfeffer gewürzt und mit zitrischen Sprenklern versehen, die hin und wieder hervorblitzen. Cremige Vanille von subtiler Süße geht eine aufregende Liaison ein mit Rauch und Holz, von einem floral-erdigen Hintergrund begleitet.
Mich persönlich erinnert D600 an etwas – und zwar an eine sehr zivilisierte Variante von Annick Ménardos göttlichem Patchouli 24 sowie an Byredos Gypsy Water. Dem geneigten Leser dürfte klar sein, dass er damit bei mir bereits gewonnen hat. Wobei zu bemerken gilt, dass Teststreifen und Haut sehr differente Fokussierungen zeigen: Das Papier bringt die Hesperiden dominanter hervor, während auf meiner Haut eine herrliche rauchige Vanille erstrahlt.
Wie sieht es bei Euch aus, habt Ihr schon getestet, was sagt Eure Hautchemie?
wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail bis Sonntag 24.00 an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!
In der letzten Woche haben gewonnen: Dirk T., Angela D., Anna L., Ralph W. und Annette S. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!