Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Vergessenen: Veld’s Prends-Moi.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Hesperiden am 30.06.2011

Hier ist sie wieder, Eure Sisyphusine. Die, die noch so viele Düfte hier vor sich liegen hat, welche sie Euch vorstellen mag, dass sie gar nicht weiß, wo sie anfangen soll…

Ein erster Anfang war aufgrund von Speiseeis-Exzessen der letzten Tage der neue (und erste) Duft von Veld’s: Prends-Moi, auf Deutsch: Nimm Mich! Das hört sich ein bisschen nach einem Befehl an. Und doch, der zweite Satz, heiterer, fröhlich und sowas von verheißungsvoll: Eau de Minceur. (Duft)Wasser der Schlankheit. Das ist jetzt kein Befehl mehr sondern ein Versprechen. Inspiriert sieht sich das Düftchen wohl von einem afrikanischen Landstrich, der „wilden, unberührten Fynbos-Landschaft entlang des Benguela-Stroms, im Westen Südafrikas.“ Und wahnsinnig innovativ ist er – dank seinem Wirkstoff Betaphroline, aus der Neurokosmetik und der Aromatherapie kommend, soll er nicht nur Glücksgefühle wecken sondern beim Abnehmen helfen. Wie das? Afrika hört sich nach Welthunger an. Und Fynbos kenne ich nur von Rotbusch-Tees und… regelmäßigen Bränden, die die dortige Szenerie prägen. Malerisch zwar, aber im Zusammenhang mit Abnehmen weckt das bei mir nur quälende Assoziationen. Also, liebe Veld’s-Leute, wie soll es gehen?

„Neben einer sehr wohltuenden, natürlichen und ausgewogenen Duftkomposition enthält Prends-Moi den exklusiven Wirkstoff Betaphroline, der bereits beim ersten Kontakt mit den Keratinozyten der Epidermis für die Freisetzung und Stimulierung von Beta-Endorphinen (Glückshormonen) in der Haut sorgt. Angenehme Empfindungen werden rasch von einer Nervenzelle zur nächsten bis hin zum Hippocampus (dem „Geruchsgehirn“) geleitet, und lösen dort ein unmittelbares, generelles Wohlbefinden aus. Auch Stress wird nachweislich um bis zu 40% abgebaut.“

Heißhungerattacken ade, Naschgelüste waren gestern. Abnehmen war nie leichter – nur einnebeln soll ich mich mit dem Zeugs und ordentlich inhalieren, gerne auch ein paar Stellen einmassieren damit. Liest sich gut, ein paar Kilo könnten nämlich noch fallen, bis die Bikinifigur wieder sitzt. Obgleich, 1.) sind meine Probleme nicht durch Fressanfälle begründet und 2.) ob das alles so einfach geht?

Das kann ich Euch leider (noch?) nicht verraten, denn zum Dauertest bin ich noch nicht gekommen. Aber nach einem ersten ausgedehnten Probeschnuppern wäre ich glatt geneigt, das Experiment für Euch zu wagen. Denn Prends-Moi stimuliert sowohl Riechkolben, Hirn als auch Gemüt ziemlich angenehm und verströmt eine derart beruhigende Wirkung, wie ich sie sonst nur von Cliniques Aromatics Elixir kenne: Zitrisch-säuerliche Hesperidenfrüchte, hellvioletter Flieder, ich meine noch einen Hauch Johannisbeere zu vernehmen. Der Duft zarter Weißblüher weht durch die Luft, während die Basis angenehme Sonnenwärme suggeriert.

Ich mag das Düftchen – ob es nun schlank macht oder nicht, meiner Laune tut es gut. Und da diese ab und an gerne unter dem allgegenwärtigen Stress leidet, was mich gerne mal zum Essen vergessen und dann abends schlingend nachholen verleitet, kann das ja eigentlich nur besser werden: Mehr Entspannung, weniger Stress, ruhigeres gesünderes Essen – könnte in der Tat die Formel für ein paar Kilo weniger sein.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Grapefruit; Herznote: Jasmin, Ylang-Ylang, Flieder; Basisnote: Patchouli, Sandelholz, Vanille, Weißer Moschus.

Motivierte Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Peninsula Sandstone Fynbos – Unique vegetation type endemic to the Cape Peninsula/Cape Town, South Africa von S. Molteno, Proteas after Fire von Gouldingken, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Prends-Moi von Veld’s in unserem Shop.

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Die Vergessenen: Il Profumo Ginger & Cannabis.


Mona di Orios Vorliebe…

für den goldenen Schnitt hatten wir ja bereits vor nicht allzu langer Zeit kennengelernt – im April diesen Jahres berichtete ich über die Einführung ihrer neuen Kollektion Les Nombres d’Or:

Der goldene Schnitt… oder auch die Göttliche Teilung stellt ein bestimmtes Strecken-/Größenverhältnis dar, welches ideale Proportionen vorweist und insofern seit der griechischen Antike als Inbegriff von Ästhetik und Harmonie und somit auch Schönheit gesehen wird. Der Goldene Schnitt wird nicht nur in der Kunst, der Architektur, der Malerei, der Photographie usw. angewendet, er kommt auch in der Natur selbst vor. Und war, wie ich bereits letztes Jahr berichtete, die Inspiration für Mona di Orios neue Duftkollektion Les Nombres d’Or. Nach eigenem Bekunden half der Goldene Schnitt ihr, Schönheit zu verstehen, eine diesbezügliche Perspektive zu finden.

Ambre, Musc und Cuir (Leder) machten den Anfang jener Kollektion, die Madame di Orio nun flugs um (gleich) drei weitere Düfte ergänzt hat: Vétyver, Vanille und Tubéreuse. Nachdem mich das erste Trio bereits positiv zu überraschen wusste habe ich mich für Euch umgehend ins Getümmel gestürzt und getestet…

Vétyver war mein erster Testkandidat und wird das Herz eines jeden Freunds dieses Grases sicher höher schlagen lassen: Hier sehen sich alle Facetten des wunderbaren Vetivers vereinigt – bittere Herbheit, grüne Grasigkeit, verhaltene Rauchigkeit, eine gewisse, an Minze gemahnende Frische, krautige Trockenheit. Perfekt gewählt erscheinen die Zutaten, welche die verschiedenen Seiten des Vetivers zum Strahlen bringen: Ingwer stiftet frisch-herbe Fruchtigkeit und unterstreicht die Trockenheit, Grapefruit spendet salzige sowie zitrisch-säuerliche Anklänge, Muskat würzt pfeffrig akzentuierend und Muskatellersalbei verleiht einen subtil-floralen Anstrich.

Je länger ich den Duft auf der Haut habe, desto mehr Verwandte fallen mir ein – und die sind wirklich alle blauen Blutes: Chanels Sycomore, The Different Companys Sél de Vetiver sowie Malles Vetiver Extraordinaire. Und eine Prise des göttlichen Route du Vétiver von Maître Parfumeur et Gantier. Allerdings – der alten Variante, meines Erachtens nach hat sich der Duft nämlich verändert die letzten Jahre, sachter ist er geworden, gefälliger, leider. Aber zurück zu Mona di Orios Vétyver: Ich als Vetiver-Fan bekomme natürlich nie genug und habe die Nase noch lange nicht voll von dieser herrlichen Zutat. Und könnte mir durchaus vorstellen, dass dies hier Vetiver-Duft XY in meinem Repertoire werden könnte.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Ingwer, Grapefruit; Herznote: Muskatnuss, Muskatellersalbei, Labdanum (Zistrose); Basisnote: Vetiver, Tonkabohne, Moschus, Patchouli, Virginia-Zedernholz.

Vanille nun wiederum gehört nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Ingredienzen, obgleich es einige vanillezentrierte Düfte gibt, die auch mich für sich einzunehmen vermochten – wen es interessiert, es waren oder vielmehr sind: Annick Goutals Vanille Exquise, Diptyques Eau Duelle und Bois 1920 La Vaniglia. Wenn wir im übrigen gerade bei Bois 1920 sind: Bois 1920 sowie Odori gehen sehr zu meinem Bedauern vom Markt, die Produktion wurde bereits eingestellt. Wer noch einen Duft braucht sollte sich jetzt schnellstmöglich eindecken, bald gibt es sie nicht mehr.

Die Inspiration zu Vanille liest sich ähnlich wie die zu Lubins Idole: Gewürzstraße, ein altes Schiff, das gen Madagaskar unterwegs ist oder irgendwo anders dort herumschippert und kostbare Ladung in seinem Bauche trägt – Rumfässer, Orangen, Vanilleschoten, Ylang-Ylang, Gewürze, Sandelholz und dergleichen.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Rum, Bitterorange, Nelke; Herznote: Vanille, Guajakholz, Ylang-Ylang, Tolubalsam, Petitgrain; Basisnote: Vetiver, Sandelholz, Tonkabohne, Leder, Moschus, Ambra.

Vanille wird als Gourmand beschrieben – und letztendlich ist der Duft das auch, irgendwie. Aber nicht das, was sich Zuckerschnuten und Süßmäuler normalerweise darunter vorstellen – uns erwartet hier weder keksige Fröhlichkeit noch ausgelassene Milchspeiseheiterkeit. Den Auftakt übernehmen wie bei der Weihnachtsbäckerei Bitterorangenschalen, die sich alsbald in einer Rumbowle wiederfinden. Gewürznelke satt, pfeffrig-scharf und trocken, später in ambrierter Gesellschaft, während Vanille und Tonkabohne sanft wärmend die Zeit versüßen. Hölzer und Vetiver zeichnen einen Hintergrund von rauchiger Holzigkeit, ich kann die vielen verschiedenen Fässer im Rumpf des Schiffes richtig riechen… die im übrigen auf einem opulenten, würzig-warmen Vanillebett lagern. Diese wird nämlich immer präsenter im Laufe der Zeit. Und verharrt bis zum Ende in inniger Umarmung mit einem Lederchen, welches meiner Ansicht nach von einer Weihrauchaura umweht wird.

Ein Abenteuerduft in bester Tradition eines sehr trockenen Gewürzorientalen. Müsste ich eine grobe Richtung benennen würde ich erinnern an Malles Noir Épices, Sinfonia di Notes Poudre d’Épices und Washington Tremletts Clove Absolute, vielleicht auch Villoresis Garofano. Eine Prise Micallefs Gaïac dazu und einmal von Herrn Lutens umgerührt – fertig. Und sehr sehr nett. Durchaus in der Tradition jener von mir oben genannten eher unkonventionellen Erwachsenen-Vanille-Variationen, was mich meine Vanilleliste nun um einen weiteren Duft erweitern lässt.

Tubéreuse ist der dritte Duft im Bunde. Von der Parfumeurin „Tuberose der Dämmerung“ getauft soll sie eine grünere und frischere Tuberoseninterpretation darstellen und ist in der Tat ein sehr zivilisierter Weißblüher: Zitrische Herbheit der Bergamotte von Pfeffer kokett kontrastiert, dezente, leise aufblitzende grün-minzige Anklänge. Im Herzen von cremig-weicher, vanillig-mandelig kredenzter Tuberose geprägt, die durch Kokosnuss süß-würzige Akzente erfährt. Die Basis vertieft die vorherrschende Weiche und Wärme.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Rosa Pfeffer; Herznote: Tuberose, Heliotrop, Kokosnuss; Basisnote: Benzoeharz, Moschus.

Eine schöne und absolut tragbare (!) Tuberoseninterpretation, mit der sich sicher sowohl Freunde als auch Feinde dieses Weißblühers anfreunden können.

Im übrigen an dieser Stelle Kompliment an Madame di Orio – mir imponiert diese ihre neue Kollektion. Vielleicht sollte ich mir ihre früheren Kreationen doch nochmals näher anschauen…

Grübelnde Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquellen: Pirate Ship von tap78/Tomasz A. Poszwa, Tuberose von Aruna, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Les Nombres d’Or-Kollektion in unserem Shop.

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Der Goldene Schnitt…
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Beim Namen Pony Club…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Aquatisches,Duft,Holziges,Leder am 28.06.2011

… schwante mir ehrlich gesagt nichts Gutes, wenn auch lediglich nebulös. Man möge es mir nachsehen, vermutlich bin ich eine echte Spaßbremse, aber die Lektüre des Pressetextes hat es nicht besser gemacht:

„Pony Club Kampen – das ist Kult, Glamour, Nightlife, prickelnde Leidenschaft oder wie Gunther Sachs einst verlauten ließ: Die Perle in der Auster. Mitten im Herzen von Kampen – dem heimlichen St. Tropez des Nordens – befindet sich der älteste Club Deutschlands. Der Inhaber Oskar Schnitzer versteht es wie kein zweiter, unterschiedliche Charaktere auf unvergessliche Art und Weise zusammenzuführen. Gäste von damals und die junge Generation von heute treffen sich allabendlich – wohlgestylt – zum angeregten Smalltalk und ausgelassenem Feiern. Seit mehr als vier Jahrzehnten ist das PONY berühmt für seine legendären Parties, die meist erst mit Sonnenaufgang enden. Die überspringende gute Laune und die fröhliche Atmosphäre machen das PONY dabei so außergewöhnlich und so begehrt. Bereits am späten Nachmittag öffnet die Außenbar: Champagnerkorken knallen, Gläser werden zugeprostet und so feiert das illustre Party-Volk ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden… Die Stimmung ist immer locker und amüsant und zu vorgerückter Stunde geradezu überschäumend prickelnd.“

Gunther Sachs, der jetzt wohl nicht mehr (dort) feiert, Blubberbrause in rauen Mengen und „wohlgestylte unterschiedliche Charaktere“, allesamt Stammgäste auf Sylt und in Kampen, dem „heimlichen St. Tropez des Nordens“… Bohlen? Ammer? Eden? Ich vermute sehr stark, dass das nicht meiner Kragenweite entspricht, in welcher Hinsicht auch immer. Einfach nicht meine Welt, nein. Deshalb war mir auch ein wenig mulmig zumute, als mir die beiden neuen Signaturedüfte des Hauses Pony Club auf den Schreibtisch purzelten, die auf die reizenden Namen Pony 1961 VIP Queen und Pony 1961 VIP King hören. Allerdings wurde ich eines Besseren belehrt, wie ich Euch im Folgenden darlegen werde.

Beginnen wir zuerst einmal mit der Königin: „So prickelnd wie ein Glas Champagner“ soll sie sein, was mich zuerst an Carons Royal Bain erinnert, das Champagnerbad, mit dem die VIP Queen aber nichts gemein hat: Im Auftakt präsentiert sie sich zitrisch-prickelnd mittels feinperliger Hesperiden, die durch säuerliche Birnenoten akzentuiert werden. Aromatische Wacholderbeeren sorgen für fruchtige Herbheit und das Ganze beginnt mich langsam tatsächlich an einen Schampus-Cocktail zu erinnern. Zarte Blüten, allen voran grüner Jasmin und floral-aquatische Akzente, beherrschen das Herz, das von hauchfeinen Wildleder eingerahmt auf einer überraschend warmen Basis von ambrierten Hölzern und weißem Moschus schlummert.

Ich bin durchaus angetan meine Lieben, erinnert mich der Duft doch von der Ausrichtung her ein wenig an meinen Sommer-Lederliebling, auch ein Club-Duft, nämlich VIP Room, meine Piña Colada trinkende Domina oder Mata Hari auf Hawaii. Während VIP Room eindeutig in tropischen Gefilden angesiedelt ist, passt diese sommerliche Ferienvariante mit Ledertouch perfekt an einen eher weniger heißen Strand wie Sylt. Schön! Aber – bitte auf der eigenen Haut testen. Teststreifen und Haut differieren bei mir sehr – und leider kommt das weibliche Pony auf meiner Haut weniger nett raus als auf Papier, wohingegen der Arm meines Kumpels, der ebenfalls zum Testen herhalten musste, gar köstlich duftet. Das möge bitte unterstreichen, was ich ohnehin noch erwähnen wollte: Pony 1961 VIP Queen adressiert sich zwar dem Namen nach an die Damenwelt, ich halte den Duft aber für vollkommen unisex, genauso wie sein männliches Pendant.

Pony 1961 VIP King zeigt sich im Auftakt maritim und aquatisch, frisch, aber nicht nervig. Geschickt eingesetzte Pfefferkörnchen akzentuieren, während Kardamom die vorherrschende Frische grün-würzig unterstreicht. Anklänge von Rum sind auszumachen, die sachte Süße spenden und auf einer sauberen Zedernholz-Vetiver-Basis zur Ruhe kommen. Zurück bleibt ein kühler und cooler frischer Sommerduft, der mich gedanklich an einen netten Strand mit noch netteren Surfern entführt. Einzig – die angepriesene Caipirinha-Note vermag ich nicht zu entdecken, zumal Rum jetzt auch nicht unbedingt dasselbe ist wie Cachaça, darüber hinaus auch nirgends eine Limette zu entdecken ist.

In jedem Falle bin ich positiv überrascht: Auch wer kein Sylt- oder Pony-Club-Fan ist sollte sich die beiden Düftchen ruhig mal zu Gemüte führen, vor allem das weibliche Pony hat durchaus seine Reize!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Blick über die Dünenlandschaft und den Königshafen bei List/Sylt (2003) von Sean O’Flaherty, Beach Chair at Westerland/Sylt von Magnus Manske, Sunset Surfer von shoemaker11, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Pony Club Kampen-Düfte in unserem Shop.

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Acqua di Biellas Nummer 1

Geschrieben in Duft,Hesperiden am 27.06.2011

Biella - panorama dal trecciolino

Weg mit den Winterparfums…her mit den Sommerdüften! Da wir ja vor kurzem den Sommerbeginn feiern konnten, habe ich hier einen weiteren Kandidaten für Euch, der uns durch den Sommer begleiten könnte. Acqua di Biellas Baraja habe ich kürzlich schon besprochen, jetzt ist No. 1 an der Reihe.

Die Duftnoten hören sich schon sehr vielversprechend an: Kopfnote: Bergamotte, Lavendel, Rosmarin, Minze; Herznote: Petitgrain, Neroli, Jasmin; Basisnote: Weißer Moschus

Der Auftakt kommt reichlich frisch und würzig daher: Bergamotte und Lavendel, aber auch die Minze sind hierfür verantwortlich. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber selbst auf der Haut fühlt es sich richtig erfrischend an! Ich muss zugeben, dass es mir schwer fällt, die weiteren Ingredienzen herauszuriechen, so kräftig und dominant sind die Kopfnoten. Nach einer Weile werden aber auch diese schwächer und enthüllen eine ganz leichte, dezent blumige und weiche Basis.

Eine äußerst klassische Angelegenheit, wie auch schon Baraja. Kein Wunder, denn der Duft wurde bereits 1871 nach alten Klosterrezepturen geschaffen. Für mich ist er ein wenig zu klassisch, wenn ich ganz ehrlich bin.
Pratrivero

Aber nichtsdestoweniger solltet Ihr unbedingt einmal hineinschnuppern, vor allem diejenigen, die Baraja schon mochten und klassische Düfte allgemein mögen. Kann eigentlich jemand dieses erfrischende Erlebnis auf der Haut bestätigen oder haben mir die heutigen Temperaturen ein Schnippchen geschlagen?

Frische Grüße von
Harmen

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Hochebenen im Hochsommer – Acqua di Biellas “Baraja”
Hugh Parsons – Piccadilly Circus
Woll-Lust.


Asche auf mein Haupt…

Geschrieben in Chypre,Duft,Orientalen,Reines und Pudriges am 24.06.2011

Kennt Ihr das auch? Manchmal gibt es sie einfach, diese Düfte oder auch ganze Häuser, die einen aus manchmal sehr bewussten Gründen, oft aber auch aufgrund von völlig unreflektierten Ursachen nicht brennend interessieren, für eine Zeit (ein sehr dehnbarer Begriff, ich weiß…) unter den Tisch fallen, aus dem Radar entschwinden. Und irgendwann fällt man dann über jenen Duft oder eben auch einen Duft jenes Hauses, wie es der Zufall so will – und schämt sich. Weil man ein Juwel verpasst hat, manchmal sogar viel zu lange. Weil man sich fragt, wieso. Und keine triftigen Antworten auf diese Frage kennt.

Eines dieser Häuser bisher war bei mir – ich gestehe: Nobile 1942. Einen Grund dafür gibt es keinen, nein. Oder, vielleicht, wenn ich einen an seinen Haaren herbeiziehen sollte – die zum Teil hochkomplizierten Namen der Düfte: Vespriesperidati beispielsweise – ich kann es mir mit meinem kläglichen, aus dem Französischen abgeleiteten Rudimentärverständnis der italienischen Sprache einfach nicht merken, sorry. Aber das kann ja eigentlich kein Grund sein, trotzdem nicht. Rückblickend kann ich lediglich sagen, dass die Dame von der Messe überaus nett und sympathisch war und dass ich die damalig erschienene Kinderkollektion Alla Corte del Re ebenfalls sehr ansprechend fand und niedlich von der Idee her. Darüber hinaus hatte ich auch ständige Erinnerungen: Die liebe Margot, die einige aus den Kommentaren kennen dürften, hat mich mehrfach daran erinnert und immer wieder dazu animiert, ich solle doch mal oben genanntes Düftchen testen und am besten gleich rezensieren. Des weiteren steht auch eine unbestritten sehr hübsche Abfüllung des Lavendelduftes Lavanda Nobile in meinem Duftschränkchen, die ich mir aus aktuellem Anlass doch noch sehr viel genauer unter die Nase klemmen werde.

Den aktuellen Anlass stellen zwei Neuveröffentlichungen des Hauses dar, die ich dieser Tage ausführlich getestet habe – und siehe da, zwei Perlen: Die Rede ist von Chypre 1942 Fragranza Suprema und Muschio Nobile. Zugegeben, keine besonders auffälligen Namen, ich weiß – wartet es aber ab meine Lieben!

Chypre 1942 hat folgende Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Orangenblüte; Herznote: Tuberose, Jasmin, Damaszener Rose, Styraxharz; Basisnote: Moschus, Ambra.

Während der Duft sich auf meiner Haut alsbald erwärmt, zeigt er sich als auf dem Teststreifen noch länger in fruchtigen Hesperidenträumen verharrend. Hernach galoppiert jenes prachtvolle Düftchen schnell los ins von der Basis erhitzte Herz, ausladend von Blüten geziert: Jasmin, Tuberose und edle Damaszener Rose tun ihr übriges, ein altbewährtes Team – verführerisch, betörend, einlullend und gleichzeitig mit frischen Akzenten beschert, die einen schönen Gegenpol zu der warmen Harzbasis darstellen, die sich von moosigen Anklängen und Leder umrahmt sieht.

Chypre 1942 ist ein orientalisch angehauchter Chypre voller Eleganz, ein Bouquet ausladender Blüten, dessen Charakter deutlich weißfloral geprägt ist, von Ledernoten gesäumt, von rauchig-warm schwelender Harzsüße und würzigem Ambra getragen. Für mich von 0 auf 100 eines der besten Pferde im Stall der klassischen Chypredüfte und ein wirklich exzellenter Vertreter seiner Gattung.

Das ist auch der Duft, der sich hinter dem schlichten Namen Muschio Nobile verbirgt – und das aus meiner Feder, bin ich doch nicht gerade als großer Moschusliebhaber bekannt. Ein paar nenne ich mein Eigen, genauer: Anamor All that matters, Etro Musc und Narciso Rodriguez Musc Collection EdP Intense, das war es dann fast auch schon. Meist sind sie mir zu weich, kuschelig und – nun, unaussagekräftig, die Kandidaten. Und einen richtig dreckigen Moschus, der mich aus den Socken haut, den habe ich leider noch nicht gefunden – da bleibe ich so lange bei Malles erotischem Musc Ravageur, meinem letzten Moschus.

Muschio Nobiles Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Kardamom, Lavendel; Herznote: Lavendel, Maritime Noten, Guajakholz; Basisnote: Weißer Moschus, Ambra, Tonkabohne, Benzoeharz, Eichenmoos.

Die Zutaten habe ich jetzt verraten – um sie sofort sträflich zu vernachlässigen, denn eigentlich sind sie mir völlig gleich: Frisch aufgesprüht rieche ich noch ein paar Spritzer Hesperiden, eine sachte zitrische Fruchtfrische, danach geht der Duft aber in ein großes Ganzes über, das ich persönlich nicht mehr auseinanderklamüsert bekomme. Vielleicht muss ich das aber auch einfach mal nicht tun. Ich rieche nur Kuschelmuschel, rieche Moschus, federleicht und hauchzart, sauber und überaus seidig weich, mit sanfter Vanillefärbung und – Madeleines. Frisch gebackene, saftige Madeleines. Vielleicht habe ich zuviel Proust gelesen, dessen Ich-Erzähler in „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ seitenlang über den Geschmack von in Tee getunkten Madeleines schwärmt, die ihn an seine Kindheit erinnern (siehe hier), ich weiß es nicht – für mich ist Muschio Nobile wie ein olfaktorischer Kuss, Geborgenheit vermittelnd und Sicherheit sowie große Zuneigung. Muschio Nobile ist wie nach Hause kommen. Und stimmt so glücklich.

Normalerweise not my cup of tea – dieser Duft muss aber sehr sicher her. Und der Rest der Nobile 1942-Kollektion wird demnächst ebenfalls beäugt, mal sehen, was ich sonst noch für Knaller übersehen habe, schändlichst.

In diesem Sinne – beschämte, verschämte und schwärmerische Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Madeleines de Commercy von Bernard Leprêtre via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Nobile 1942-Kollektion in unserem Shop.

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Von infernalischen Feuern…
Meine ganz private Soap-Opera – Warum Seifen gerade ein Revival erleben
Die Vergessenen: de Cosac & Il Profumo.


Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 24.06.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail bis Sonntag 24.00 an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

Darüber hinaus kommt natürlich noch, wie jeden letzten Freitag im Monat, ein ganz spezielles Präsent zur Verlosung. Diese Woche gibt es 1x Acqua di Parma – Bergamotto di Calabria EDT 120 ml und die passende Bodycream 200 ml zu gewinnen – es lohnt sich also!

In der letzten Woche haben gewonnen: Viola B., Nadine G., Josefa H., Claudia D., und Reena N. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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Einen schönen Feiertag…

Geschrieben in Allgemein am 23.06.2011

… wünsche ich all jenen, die hoffentlich heute in einem der richtigen Bundesländer wohnen und genau wie ich die Sonne genießen dürfen!

Lasst es Euch gutgehen :)

Liebe Grüße,

Ulrike.

Bildquelle: Dutch Jetty von Fred Fokkelman via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Einen schönen Feiertag…
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Einen raschen Blick…

… will ich mal wieder in die Runde werfen – so viele Neuerscheinungen und ich werde Ihnen kaum Herr. Bevor erneut eine halbe Schublade für die Vergessenen aufbereitet werden muss deshalb heute in Kürze: Profumi del Forte 150 und Heeleys Hippie Rose.

Profumi del Forte 150 ist natürlich ein Jubiläumsduft, denn die Italiener haben 2011 Gewichtiges zu feiern – den 150. Geburtstag Italiens. Genauso wie Xerjoff und Il Profumo, die ebenfalls ihrem Land huldigen, haben natürlich auch Profumi del Forte ein Düftchen aus der Schublade gezaubert, mit dem sie gratulieren. Dessen Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Labdanum (Zistrose), Veilchenblätter; Herznote: Sandelholz, Patchouli, Zedernholz; Basisnote: Weißer Moschus, Ambra, Tonkabohne, Vanille.

Mich erinnert der Duft sofort an eine Freundin, die gerne Stillleben fotografiert und hin und wieder mit Texturen, Stoffen experimentiert, die die Protagonisten ihrer Stillleben umhüllen: In diesem Falle sind es Agrumenfrüchte, Bergamotte und Orange, neben denen ein zarter Strauß Veilchen drapiert wurde mit viel Blattgrün und einzelnen, sich bereits öffnenden Blüten. Ein sachter Kaschmir-Seiden-Schleier liegt darüber, wie der Sommerschal, der einem im Wind des nahen Wassers über den Teller weht, während man die ersten Sonnenstrahlen im Frühling auf der Terrasse oder dem Balkon genießt. Sanft-holzige Anklänge vermischen sich mit unglaublich weichem Moschus, dessen zarte Süße von Tonkabohne und Vanille aufgegriffen und verstärkt wird, die darüber hinaus eine sinnliche Cremigkeit verströmen, von ambrierter Würze dezent untermalt.

Eine sanfte, aber überzeugende Liebeserklärung würde ich sagen.

Hippie Rose heißt der aktuellste Duft aus dem Hause Heeley, jenes Londoner Philosophen, der sich nunmehr der Welt der Düfte zugewandt hat. Die durch dasselbe Studium zustande gekommene Bruderschaft im Geiste schafft natürlich Sympathien, das gestehe ich – aber nicht nur deshalb mag ich die Kreationen sehr gerne: Ich mag seine klare, unprätentiöse, unaufgeregte, aber sehr besondere Handschrift und liebe viele seiner Kreationen, allen voran die wundervolle Iris de Nuit, die für mich nach der göttlichen Iris Pallida von L’Artisan den zweitschönsten Irisduft darstellt, Menthe Fraîche, jene sommerliche Pfefferminzerfrischung, den besonderen Esprit du Tigre, den ich Euch alsbald noch vorstellen werde sowie Sel Marin, die maritime Brise und Cuir Pleine Fleur, das eigenartig floral-transparente Lederchen.

Die neue Errungenschaft Hippie Rose ist, wie unschwer zu erkennen, eine Hommage an die Hippiezeit:

„An Air of Freedom – The rising sun of a new, carefree day. A warm wind filtering through the Californian desert. The perfumed air of a Himalayan temple. Waves of long, shining hair flicker over dust and sand and soft, tanned skin. Freedom is not far. Against the rose coloured sky of dusk, we dream of love and peace and better days.“

Ein Traum von Liebe, Frieden und besseren Tagen – wer träumt den nicht manchmal… Obgleich damals sicher die eine oder andere Substanz dabei geholfen haben könnte, sich schneller und besser wegzuträumen aus dem Gräuel des Alltags – Hippie Rose kann das auch und ist noch nicht einmal gesundheitsschädlich ;)

Sich im Auftakt in Moos hüllend zeigt sich das frisch, ätherisch-luzide Röschen von Beginn an Krautig, sein Kleid von glitzernden Bergamottesprenklern wie Sternen verziert. Eine chyprierte Schönheit, der Vetiver und Weihrauch einen zarten Rauchschleier schenken.

Für mich ein toller und überaus natürlicher Rosenchypre, der sich irgendwo zwischen Parfum d’Empires Eau Suave, Parfums de Rosines Clair Matin und Eau d’Italies Paestum Rose einordnen lässt und somit für mich durchaus habenswert erscheint.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen schönen Tag und verabschiede mich mit meinem persönlichen Lieblingshippiesong “San Francisco” von Scott McKenzie.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Miller Harris’ Sommerherz

Geschrieben in Blüten,Duft am 21.06.2011

Field Hamois Belgium Luc Viatour

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in die Fülle der Gräser.
Weil’s wohltut, weil’s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und laß deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiß dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen, als ein Grashüpferhupf.

(Quelle)

 

Vielleicht geht es Euch ja auch so wie mir. So langsam wäre es höchste Zeit für den Sommerurlaub. Was Joachim Ringelnatz in seinem Gedicht “Sommerfrische” humorvoll beschreibt, ist sicherlich eine recht gute Vorstellung von Entspannung: einfach nur im Gras liegen, unter einem Strohhut und sich keine Gedanken machen müssen, was man noch zu erledigen hat. Und da der Sommer naht, dachte ich, es wäre Zeit einmal Miller Harris‘ Cœur d’Été zu besprechen, das Sommerherz.

Jorgovan 200408

Frisch aufgesprüht überwältigt mich Cœur d’Été mit einer Wucht aus Flieder- und Akaziennoten, Heliotrop tut sein Übriges zur Blütenpracht, eine Ahnung von Banane zudem im Hintergrund.

„Herz des Sommers“ trifft es aber auch ganz gut, denn das ist kein zartes, frühlingshaftes Blütendüftchen, sondern ein frühsommerlich-reifer Duft, die Blüten sind voll ausgewachsen, gerade der Kakao und die Banane geben ihm diese süßliche Reifeassoziation mit. Auf der Haut kommen letztere Noten gut zur Geltung, das Süßholz lässt sich für mich leider nicht ausmachen, obwohl ich ein großer Lakritzefreund bin. Auf der Haut präsentiert sich der Duft sehr viel schöner und ausgewogener, er ist nur sehr dezent süß und leicht. Wirklich ein toller Sommerduft, der auch an heißen Tagen sicher nicht zu schwer daherkommt. Also meine Damen, wer auf vor allem auf Flieder und Akazie steht, sollte sich an Lyn Harris’ Kreation einmal versuchen!

Die Duftnoten: Flieder, Cassia (Süße Akazie), Heliotrop, Kakao, Banane, Süßholz (Lakritze).

Liebe Grüße von
Harmen

Bildquellen: “Field Hamois Belgium” von Luc Viatour – some rights reserved, vielen Dank!

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Eine englische Matrjoschka – die Nouvelle Edition von Miller Harris.


Histoires de Parfums – George Sand

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges,Tropisches am 20.06.2011

Wer sich nun überlegt, ob dieser gewisse George Sand nun ein Schriftsteller oder Schauspieler war, geht dem Pseudonym der französischen Schriftstellerin Amandine-Aurore-Lucile Dupin de Francueil auf den Leim. Nach Colette und Jules Verne reiht sich George Sand – 1804 perfekt in den Kreis französischer Autoren ein, denen Gérald Ghislain mit Histoires de Parfums und den gleichnamigen Düften ein Denkmal gesetzt hat.

Doch wie kommt eine Dame des 19. Jahrhunderts zu einem männlichen Namen? Mit 18 Jahren heiratete sie den Baron Casimir Dudevant und muss ein äußerst neugieriger Mensch gewesen sein. Beim Herumwühlen im Sekretär ihres Mannes fand sie dessen Testament, aber auch die Aufschrift, dass dieses erst nach des Gatten Tod zu öffnen sei. Dies hielt sie jedoch nicht davon ab, darin zu schmökern. Der Inhalt muss wohl unerfreulicher Art gewesen sein, denn es kam zu heftigen Auseinandersetzungen und schließlich zur Trennung. Diese war gewissermaßen der Startschuss für eine freigeistige und unkonventionelle Lebensweise.

Zusammen mit ihrem Geliebten schrieb sie ihren ersten Roman „Rose et Blanche“, und bastelte sich aus dessen Namen, Jules Sandeau, das oben erwähnte Pseudonym. Die weitere Zeit war von zahlreichen Liebeleien geprägt, vor allem mit großen Namen wie dem Dichter Alfred de Musset, aber auch Frauen war sie wohl nicht abgeneigt, denn ihr wurde eine Affäre mit der Schauspielerin Marie Dorval nachgesagt. George Sands Wohnung in Paris sollte zu einem Treffpunkt vieler Künstler und Exzentriker werden. Honoré de Balzac, Alexandre Dumas, Franz Liszt und Eugène Delacroix gaben sich die Klinke in die Hand. Über Liszt erhielt Sand Kontakt zu Frédéric Chopin, mit dem sie ebenfalls eine Beziehung einging.

Bei George Sand schieden sich die Geister: sie fand begeisterte Anhänger wie Heine und Dostojewski, oder auch echte Hasser, die sie als „Latrine“ (Charles Baudelaire) oder als „Lactea ubertas“ bzw. „Milchkuh mit schönem Stil“ (Friedrich Nietzsche) titulierten. Bei einer Gesamtproduktion von 180 geschriebenen Bänden und etwa 40000 Briefen ist aber sicher für jeden etwas dabei.

Vielleicht könnte ja gerade Chopin die richtige musikalische Untermalung sein, um den Duft zu testen: Sie soll Euch nicht vorenthalten bleiben:

Kopfnote: Gardenie, Pfirsich, Ananas; Herznote: Gewürznelke, Jasmin, Maiglöckchen, Marokkanische Rose; Basisnote: Sandelholz, Patchouli, Benzoeharz, Vanille, Weißer Moschus

Eugène Ferdinand Victor Delacroix 041Im Auftakt kommt mir eine reife Ananas entgegen, die vom Pfirsich gesättigt ist. Wenn man eine Ananas etwas zu lange liegen lässt, bekommt sie diesen leicht vergorenen, schnapsigen Geschmack und in diese Richtung geht auch die Kopfnote. Recht intensiv ausgefallen überlagert sie die Herznote, sodass erst in der Basis holzige Noten und ein Hauch von Vanille wahrnehmbar sind. Auf der Haut hingegen ist der erste Eindruck lange nicht so süß, die Ananas ist präsent, aber wird von blumigen Noten begleitet. Die Basis ist warm und holzig, aber dezent. Ein fruchtig-floraler Duft, eindeutig ein Duft für Ananas-Liebhaberinnen. Die anderen Noten bleiben meines Erachtens alle recht brav im Hintergrund. Ich mag Ananas, und damit auch diesen Duft. Wer kennt ihn?

Viele Grüße von
Harmen

Bildquellen: Die junge George Sand von Auguste Charpentier (1835) – via Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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