Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Neuer Wind…

Geschrieben in Ankündigungen am 19.04.2011

… weht schon wieder in der Parfumbranche, genauer: einige gar interessant duftenden Brisen, denen Ihr Eure Nasen durchaus zuwenden könntet, alsbald.

Die Amis von Clean Perfume erweitern ihre altbekannte Kollektion um zwei weitere Düftchen, Summer Escape und Cotton T-Shirt. Letzterer wird beschrieben als:

“As cool, crisp, and comfortable as a freshly laundered tee, this airy light scent is an easy, feel-good favorite. CLEAN Cotton T-Shirt blends the crisp notes of citrusy bergamot and the fluffy notes of Cotton Flower to create a fresh and simple scent that captures the appeal of the iconic tee. Teasing traces of rosewood and warm musk add a familiar warmth, just like the boyfriend tee shirt you love to steal.”

Der Duft, der so duftet wie das T-Shirt, das man aus genau diesem Grund seinem Partner stehlen mag? Das hört sich nicht nur ein bisschen kitschig, sondern auch ziemlich sympathisch an. „Light. Pure. Universally Loveable – Hell und leicht, pur, rundum liebenswert soll er also sein, und die Duftnoten, die dafür sorgen, sind folgende: Bergamotte, „Frische-Wäsche-Akkord“, saubere Aldehyde, Freesie, Baumwollblüte, Rosenholz, Ambra, Moschus, Vetiver.

Summer Escape ist eine limitierte Geschichte und hat folgende Inspiration:

“Be instantly transported to the perfect beach retreat with this light, summer seaside scent. CLEAN Summer Escape is inspired by the relaxed freedom of sun-kissed skin, cloudless sky, and endless sea. A pure, citrusy fragrance, it opens with succulent notes of crisp bergamot and mandarin orange and intertwines delicate layers of water lily, beach grass, and white sand. Light and playful, it’s also tranquil and refreshing.”

Ein perfekter Strand, Freiheit, Frieden, sonnengebräunte Haut, ein wolkenloser Himmel, einfach ein sommerlicher Strandduft – und so begrenzt wie Urlaub… Seine Ingredienzen: Bergamotte, Gräser, Mandarine, Orange, Wasserlilie, Pfingstrose, Geißblatt, Orangenblüte, Baumwollblüte, „Sand-Akkord“ (natürlich weiß), Treibholz, Kokosnuss. So wie sich das liest könnte das doch durchaus ein Düftchen für all diejenigen sein, die immer auf der Suche nach dem perfekten Sonnencreme-Duft sind – davon gibt es ja einige.

Von den USA aus machen wir jetzt einen großen Sprung nach Europa, zuallererst nach Frankreich: Das Traditionshaus Caron lanciert seinen fünften Männerduft – Yuzu Man, der von dem schmucken Begriff L’Equilibre, das Gleichgewicht, begleitet wird. Von Pour un Homme aus den 30ern habe ich ja neulich schon geschwärmt (die Werbung mit Sébastien Chabal – siehe hier), Yatagan folgte in den 70ern, dann kam Le Troisième Homme und 2000 der wundervolle L’Anarchiste, den ich gerade eben erst einem Freund aufgeschwätzt habe… Da mich persönlich die Männerdüfte von Caron immer zu überzeugen wussten, bin ich sehr gespannt auf diesen Duft – und Yuzu, jener asiatische Hesperidenbastard, ist ohnehin eine sehr interessante Note… Außerdem sind Basilikum, Verbena, Feige, Zedernholz, Sandelholz und Mastixharz vertreten und kreiert wurde der Duft von Carons Hausparfumeur Richard Fraysse.

Guerlain, ebenfalls altes Traditionshaus aus Frankreich, führt in diesem Frühling zwei neue Aqua Allegoria-Düfte ein – und beide sind Blüten gewidmet: Jasminora und Rosa Blanca. Ersterer müsste schon in den Regalen stehen, wann zweiterer nach Deutschland kommt ist zumindest mir gerade (noch?) nicht klar. Jasminora wurde von Thierry Wasser kreiert und beinhaltet folgende Ingredienzen: Alpenveilchen, Bergamotte, Galbanum, grüne Noten, Freesie, Jasmin, Maiglöckchen. Ambra, Moschus. Rosa Blanca ist ebenfalls von Wasser geschaffen und dürfte ein spritziges Röschen sein mit Anklängen von Magnolie, Jasmin und Pfirsich.

Die Franzosen von Fragonard haben die Tradition, für jedes Jahr eine Ingredienz auszurufen, jedes Jahr einer Ingredienz zu widmen. 2011 ist nun das Jahr der Orangenblüte, welches sie mit ihrer neuen Kreation Belle d’Avril, die April-Schönheit oder auch die Schöne des Aprils, begehen:

„The deliciously carefree Belle d’Avril lets out a joyful top note of neroli, bergamot orange and lily of the valley, exhaling a magnificent middle note of orange blossom and laying down its pretty head on a vanilla-scented back note. This enchanting floral beauty will undoubtedly turn heads wherever it goes!“

Orangenblüte und Neroli, unterstützt von Hesperidenbrüdern und -schwestern sowie Vanille und einem Hauch Maiglöckchen – das hört sich gefällig, aber auch überaus deliziös an.

L’Occitane lassen die Sonne raus und erfreuen uns mit einem neuen Eisenkrautduft – Verbena Sun. Im Juni erscheint er, jene sommerliche und sommertaugliche Variation des klassischen Verbenenduftes, der folgende Ingredienzen besitzt: Kopfnote: Verbena, zitrische Noten; Herznote: Orangenblüte, Jasmin; Basisnote: Vetiver, Zedernholz, Moschus.

Die nächsten Tage geht es weiter durchs olfaktorische Europa – bis dahin alles Gute und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Freitagsverlosung.
Weihnachts- äh… Freitagsverlosung.
Herbstwonnen – die Neuerscheinungen.


Die Schöne und das Biest: Royal Bain

Mariela

Es war einmal ein sehr reicher, mächtiger und etwas exzentrischer Mann, der nichts auf der Welt mehr liebte, als sein Badewasser mit exquisitem Champagner anzureichern. Doch dann kam die Prohibition und das Leid war groß. Was war naheliegender, als seine guten Beziehungen spielen zu lassen und eines der bedeutendsten Parfumhäuser um einen adäquaten Ersatz zu ersuchen. Und im Handumdrehen wurde Bain de Champagne kreiert! Ein perlendes Duftwasser, das sogar in einem Champagnerflakon angeboten wurde. Alle waren zufrieden. Der reiche Mann, der weiter der Badelust frönen konnte und das Parfumhaus Caron, das kurzerhand, um die Laune eines Millionärs zu besänftigen, einen Klassiker komponierte, der viele Jahre später noch das Sortiment bereichern sollte. Und uns natürlich auch.

Laut Geschichtsbuch wurde Royal Bain ursprünglich im Jahre 1923 unter dem Namen Bain de Champagne als Badezusatz kreiert. 1941 wurde daraus Royal Bain de Champagner und erstmals auch als Eau de Toilette angeboten, bevor es in den 1970ern noch mal umbenannt wurde und den heutigen Namen Royal Bain de Caron erhielt. Der Inhalt wird nach wie vor in einer Champagnerflasche angeboten.

Die Duftnoten: Kopfnote: Rose, Flieder, Herznote: Benzoeharz, Opoponax, Weihrauch, Basisnote: Zedernholz, Vanille, Ambra, Moschus, Sandelholz

Lilacs

Royal Bain de Caron startet mit einer sehr prominenten Fliedernote, die den großmütterlichen Charme von Fliederseife versprüht. Die Rose im Hintergrund ist eine dieser wohlduftenden älteren Sorten. Im Herzen wird Royal Bain sehr pudrig, dies mag wohl der Vanille, Ambra und Moschus geschuldet sein. Irgendwie ist auch ein Hauch Banane zu riechen. Die ist zwar nicht enthalten aber ich meine doch ein leicht künstliches Bananenaroma zu erschnuppern. Benzoeharz versprüht sein warmes, fast schon schokoladiges Aroma und Opoponax unterstützt es nach Kräften mit seinem balsamisch süßlichen Duft.

Warum die Assoziation Champagner? Nun, Royal Bain ist ein quirliger Duft. Es passiert ständig etwas. Die Duftnoten kommen nicht zur Ruhe sondern flirren munter umher. Das wäre zumindest meine Erklärung. Ob sie stimmt, sei allerdings mal dahingestellt.

Sparkling Water

Royal Bain ist kein modernes Parfum. Ich behaupte einfach mal, dass dieser Duft zu recht als Klassiker bezeichnet werden darf. Er schafft eine Aura vergangener Tage ohne jemals altmodisch zu sein. Darauf stoßen wir an. Zum Wohl meine Lieben!

Harmen

Carons „Royal Bain de Champagne“, heute aus den bekannten Gründen in „Royal Bain de Caron“ umbenannt, wurde 1941 für einen kalifornischen Millionär kreiert, da dieser angeblich seiner Champagnerbäder überdrüssig geworden war. Die Angaben zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Dufts sind widersprüchlich, da es 1923 bereits einen Duft namens „Bain de Champagne“ gab. Eine ausführliche Beschreibung findet sich bei „The Scented Salamander“.

Anstelle eines enervierenden Champagnerbades einen Duft bei Herrn Daltroff und Frau Wanpouille in Auftrag zu geben, ist sicherlich die beste Lösung für dieses schwerwiegende Problem. Kennen wir das nicht alle? Immer dieser Champagner und Kaviar, da möchte man wenigstens hin und wieder eine „Pommes Schranke“ mit einem frischgezapften Pils zu sich nehmen. Während meine Finger über die vergoldete Mahagonitastatur gleiten und ich dank der sommerlichen Temperaturen auch den Nerz zur Seite legen konnte, überlege ich, wie so ein in Parfumeurskunst gegossenes Champagnerbad wohl duften mag. Bin ich einem herrlich trockenen Duft auf der Spur? Trauben, Hefe, vielleicht ein bisschen Kork und der altehrwürdige Geruch französischer Weinkellereien? So der beste anzunehmende Fall. Oder doch ein klebriger preiswerter italienischer Schaumwein, während dessen Genuss schon die ersten Anzeichen vom heranrauschenden Kater künden? So der größte anzunehmende Unfall.

Cork Bath

Bevor ich nun einen tiefen Schluck aus dem Flakon nehme, versuche ich „Royal Bain“ vielleicht doch erst einmal auf dem Duftstreifen.

Die Duftnoten: Kopfnote: Rose, Flieder; Herznote: Benzoeharz, Opoponax, Weihrauch; Basisnote: Zedernholz, Vanille, Ambra, Moschus, Sandelholz

Der erste Eindruck ist ein heller, seifiger Duft, letztere Eigenschaft absolut passend für einen „Badeduft“. Er enthält aber auch Früchte und Blüten. Ich nehme an, dass das Fruchtig-Blütenhafte der Rose und dem Flieder zuzuschreiben ist, wobei die Vanille als einzige Note klar hervorsticht. Die Harze und Hölzer bleiben auf dem Streifen gänzlich im Hintergrund, sodass die Haut einmal mehr herhalten muss. Wie erwartet kommen nun auch die wärmeren Töne besser zum Vorschein, spielen trotz allem aber nur eine kleine Statistenrolle. Nach Champagner riecht „Royal Bain“ jedenfalls nicht, dazu fehlt ihm eigentlich nur eine leichte säuerliche Note, etwa eine Zitrusfrucht. Die Hölzer runden die Süße mit einer leichten Frische rechtzeitig ab. Ein für meine Nase durchaus ungewöhnlicher Duft, hell und sauber, aber trotzdem süßlich. Die Unterschiede zwischen Haut und Teststreifen sind nicht fundamental. Ich finde den Duft äußerst spannend und empfehle gerade denjenigen einen Test, die sich für historische Parfums interessieren.

Viele Grüße von
Harmen

Bildquellen: Lilacs by Hunda, on Flickr, Sparkling Water by Damork, on Flickr, Cork Bath von chris_wilson bei Flickr – some rights reserved, vielen Dank!

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Duftverzeichnis
Das Fenster ins Dunkel – Montales „Royal Aoud“
Königliches – Royal Crown die Zweite.


Und immer noch weht Mörikes blaues Band…

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges,Gourmand,Grünes am 15.04.2011

… denn es gibt noch einige diesjährige Frühlingslieblinge, die ich Euch nennen mag. Einer davon könnte mittlerweile in die Kategorie der „Vergessenen“ – ich wollte ihn schon so lange einmal ausführlich rezensieren, irgendwie kam aber wohl immer etwas dazwischen. Matin d’Orage ist gemeint aus dem Hause Annick Goutal:

„20 years after Gardénia Passion, created by Annick Goutal back from a trip to Japan, her daughter, Camille, composes, after a stay in this country, Un Matin d’Orage. Perfume born of her desire to give us a personal interpretation of the smell of the gardenia which fascinates her so much… That of a Japanese garden after the rain: a fresh and dewy scent, when the sun’s rays are piercing the balmy mist that rises from the rain-drenched earth.Time is suspended. Fine droplets shimmer on buds and white flowers. A gentle breeze carries the scent of gardenia, veiling the garden in a delicate sensuality.“

Ein japanischer Garten nach dem Gewitterregen, wenn die Sonne wieder (er)scheint und mit ihren Strahlen die Natur trocknet, die sich langsam wärmt. Gardenienbüsche – hier würde man dichte, dicke Weißblüher erwarten. Die sind auch da, definitiv – aber ganz anders, als man sie sonst gewohnt ist: Isabelle Doyen ist mit Matin d’Orage ein Meisterwerk gelungen, das mich seit seinem Erscheinen verzückt. Eine asiatische Impression, wie ich mir einen asiatischen Duft vorstelle – zart, transparent, ätherisch, aber doch betörend und von berückender Schönheit. Feucht-florale Noten von grünem Jasmin, (dezent) tropischer Champaca, sicherlich auch Tuberose (Ihr erinnert Euch? Gardenie entsteht normal aus einem Duftakkord – ich schrieb einmal anlässlich Parfumerie Generales Gardenia Gardenia Grand Soir darüber, nämlich hier) und ich meine auch Magnolie zu entdecken, vielleicht ist das aber auch der Verwandten Champaca geschuldet. Eine Kühle Brise weht herüber, ozonisch und von einem leichten rauchigen Hauch begleitet. Meine Nase findet auch noch eine Zutat, die nicht gelistet ist: Samtig-weichen Pfirsich mit zartem Flaum auf der Fruchtschale. Haaach… Ein ultimativer Frühlingsduft, den ich liebend gerne auch an heißen Sommerabenden trage.

Wunderschön im Frühling finde ich auch eine Kombination, von der ich es früher nicht für möglich gehalten hätte, dass sie kompatibel ist: Warme Vetiverdüfte. Davon gibt es meines Erachtens nach zwei herausragend gute, die für mich besonders schön an den frisch-luftigen, aber doch schon recht warmen Frühlingstagen zur Geltung kommen: Vetiver Tonka aus der Hermèssence-Kollektion und Bal d’Afrique von Byredo. Beide Düfte nehmen einen klassischen Auftakt, indem sie Hesperiden zum Zuge kommen lassen, entfalten sich aber alsbald jeweils sehr innovativ und individuell: Vetiver Tonka ist dem Werkstoff Wolle gewidmet und brilliert mit Noten von gerösteten (Hasel?)Nüssen, warmen Hölzern, braunem Zucker und Tonkabohne sowie dezenten Anleihen getrockneter Früchte. Erdig-rauchiger Vetiver, trocken und gleichzeitig von einer süße Wärme, perfekt ausbalanciert.

Byredos Bal d’Afrique zeigt nach seinem Agrumenanfang luftig-saubere Tendenzen, die vermutlich von dem Alpenveilchen herrühren und von floralen Noten sowie aromatisch-würzigen Anklängen begleitet werden. Alsbald gewinnt allerdings der Vetiver mehr und mehr an Präsenz, an süß-rauchiger um genau zu sein, und verschmilzt mit der ambriert-holzigen Basis, deren cremig-weicher Kuschelmoschus das Vergnügen vanillig-lecker abrundet.

Gourmandanklänge sind bei beiden Düften vorhanden, üben sich aber in vornehm-distinguierter Zurückhaltung, sind demgemäß eher erwachsenere, subtilere Interpretationen. Vetiver Tonka strahlt in milder Süße, während Bal d’Afrique sich auf kokett-ironische Art sexy zeigt in seiner sprühenden Wärme. Und beide sind sie perfekt für die derzeitigen Temperaturen.

Früchtchen kommen bei mir gerade auch gerne zum Zuge, genauer gesagt ein herbes in floraler Umarmung und ein ganzer Obstkorb: Die Rede ist von Odins 04 Petrana und von Byredos Pulp.

Ersteren, Petrana, hatte ich vor einiger Zeit besprochen, siehe hier: Eine herrliche Hommage an die gleichnamige schwarze Iris, jene Wüstengöttin. Schillernd oszilliert der Duft zwischen fruchtig-säuerlicher Johannisbeerfrische und samtig-trocken-erdiger Iris, von Pfeffer akzentuiert und umweht von einem Hauch Vetiverrauch. Smooth und edel, ein toller Begleiter.

Und Pulp? Pulp hatte ich ebenfalls bereits rezensiert, nämlich hier. Als „echten Kracher“ habe ich ihn bezeichnet und stehe noch heute dazu: Laut Herrn Gorham, dem (äußerst ansehnlichen) Mann hinter Byredo ist Pulp eine Zusammenstellung, ein Stillleben exotischer Früchte mit schwedischen Einflüssen (gleicht demgemäß der Biographie des in Kanada aufgewachsenen Schweden mit indischer Mutter in gewisser Weise ;)), vereint zu einem internationalen Fruchtkorb:„A dramatic composition focused on the idea of ripe, sweet, shapeless mass of fruit, an unruly and intense savor.” Ich schrieb damals:

“Und, in der Tat, dramatisch ist Pulp, hochdramatisch. Eine reife, formlose Masse an Früchten – daher der Name, der auf Konfitüre hindeutet – die einen intensiven Geschmack hervorbringt, der gleichzeitig unruly ist. Unruly hat nun einige Bedeutungen, auf Pulp treffen fast alle zu: Unbändig, aber auch widerspenstig, ungebärdig. Ich fasse mal zusammen: Der Auftakt gleicht bereits einer Naturgewalt: Bitter-herbe Fruchtnoten in einer Dominanz und Präsenz, wie man sie selten erlebt. Bergamotte von ihrer zitrischsten Seite sowie dunkelste schwarze Johannisbeere mitsamt all ihrer Säuerlichkeit, mächtige grüne Feige und prominente Apfelnoten. Mir fällt kein einziger vergleichbarer Duft ein, der diese (Frucht)Intensität in ähnlicher Weise verkörpern würde. Allenfalls, vielleicht – Humiecki & Graefs Multiple Rouge mit seinen Beerennoten, die, so sehr zugespitzt, schon fast weh tun. Auch bei Pulp hat jemand deutlich am Verstärker gespielt – aber: Pulp ist nichtsdestotrotz durchaus sehr tragbar (und tragbarer als Multiple Rouge), wenn auch: mutig. Tatsächlich wird Pulp im Duftverlauf etwas gemächlicher, gelassener. Zeder kühlt ein wenig ab und einige florale Noten (die ich nicht unbedingt als Pfirischblüte und Tiaré identifizieren hätte können) mildern die nach wie vor noch vorhandene Frucht(bombe) etwas ab und es treten für diesen Duft sonderbar cremig-süße Gourmandnoten verhalten zutage.”

Das kann ich auch heute noch exakt so stehenlassen. Auch mal schön ;)

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike, die immer noch neugierig ist auf Eure Frühlingsbegleiter :)

Bildquelle: Claude Monet (1872): La Liseuse via Wiki Commons, Flowers von arieimi1, Fruit Basket von nkzs/Zsuzsanna Kilian, beides via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Har|mat|tan, der; -s


Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 15.04.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns bis Sonntag 24.00 eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Kerstin G., Claudia D., Alessa S., Ulrike V., Jaime M., – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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Frühling lässt sein blaues Band…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Hesperiden am 14.04.2011
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

So dichtete Mörike in seinem Gedicht „Er ist’s“, das 1829 entstand und eines der bekanntesten Frühlingsgedichte sein dürfte. Ich habe es zu Schulzeiten gehasst. Mittlerweile hat sich das gewandelt, wie sich so vieles wandelt im Laufe der Jahre. Auch wenn mich die letzten beiden Tage diesbezüglich nicht überzeugt haben – lassen wir uns nicht trügen: Der Frühling hat Einzug gehalten. Und ich habe mich mit Freuden am letzten Sonntag zu einem Ausflug nach Esslingen begeben, der Stadt, in der ich meine Jugend verbracht habe. Aus der ich nicht schnell genug verschwinden konnte, nach dem Abitur. Und die ich heute wieder sehr gerne mag. Ein paar Stunden im herrlichen Biergarten auf der Esslinger Burg, mitten in den Zinnen derselben, bei ein paar Tassen Kaffee, herrlichem Käsekuchen, einer Zeitung und einem guten Freund – und das alles in der wunderbaren Frühlingssonne. Manchmal geht Zufriedensein ganz einfach, man mag es kaum glauben…

Diesem zuträglich ist natürlich immer die passende Garderobe, vor allem und gerade auch: die olfaktorische. Welche Düfte sind denn für Euch gerade Eure Frühlingsboten, welche Düfte zaubern Euch Frühlingsgefühle?

Ich habe einen alten Favoriten wieder hervorgekramt, besser gesagt gleich zwei: Diptyques Philosykos sowie Premier Figuier von L’Artisan Parfumeur. Dass Philosykos einer meiner Lieblinge und meine absolute Lieblingsfeige ist dürfte dem geneigten Leser unter Euch nicht entgangen sein, hatte ich vor einiger Zeit auch einmal ein Feigenspecial geschrieben – siehe hier und hier. Daraus darf ich mich einmal selbst zitieren:

„Was macht Philosykos denn so einzigartig? Einen Tag in Griechenland möchte er einfangen, der Duft. Das nun, ein Sommertag in einem mediterranen Land ist nun eine allgegenwärtige Impression und Inspiration für Feigen- und auch viele andere fruchtige Parfums.

Philosykos riecht aber nicht nur mediterran, sondern läßt auch stimmungstechnisch die Sonne aufgehen – zumindest bei mir. Der Duft macht mich glücklich. Er hat eine wahnsinnig relaxte Ausstrahlung, ein kontemplatives Moment, das einen nochmals durchatmen und zur Ruhe kommen läßt.

In der Kopfnote ist Philosykos grün-fruchtig, eine saftige, halbreife Frucht samt dunkelgrüner Feigenblätter. Die Fruchtsüße kommt langsam hindurch, honiglich-süß ohne überbordend zu sein. Für meine Nase liegt dieses Früchtchen definitiv in der Sonne, und zwar auf einem Bett von verhalten würzigem Heu samt einiger getrockneter Blüten darin. Ich rieche sonnenwarmes Heu mit Honig – ähnlich, wie ich es in Parfum d’Orsays wunderschönem Lindenduft Tilleul wahrnehmen kann. Ein Tupfer Zeder sorgt für holzige Akzente, die einem den Eindruck des ganzen knorrigen Baumes im Sommersonnenlicht vermitteln, während dezente erdige Noten für die nötige Bodenhaftung sorgen.“

Und Premier Figuier fand natürlich auch bereits Erwähnung, war es doch auch der erste „Feigling“ überhaupt:

„Dem ersten gebe ich auch zuerst die Ehre oder vielmehr: meine Nase. Premier Figuier (1994) ist gemeint, der, als erster Feigenduft geltend, eine ganze Welle an Parfums nach sich zog, die als Hauptprotagonist oder auch in einer Nebenrolle eine Feige ihr Eigen nannten. Giacobetti, die Parfumeurin, bekennt sich zur Feige als ihrem Glücksbaum und benennt Kindheitserinnerungen an einen warmen Sommer unter Feigenbäumen als Inspiration für ihren Duft.

Und in der Tat vermag es Premier Figuier die Feige, den Baum als Ganzes gekonnt einzufangen: das blattgrüne Laub, welches einem förmlich entgegenrankt genauso wie das sonnenwarme Holz und die Früchte, zum Teil noch grün und milchig, zum Teil aber auch schon satt-reif. Garniert mit einem Hauch Kokos sowie unterlegt von einer Ahnung süß-warmer Mandel und etwas Sandelholz ist Premier Figuier ein gelungenes und bis heute innovatives mediterranes Stillleben. Bemerkenswert auch, daß die Kokosnoten sehr gekonnt ausbalanciert sind und durch die feine, herb-süße Feigenfrucht sowie die grünen Noten eine gelungene Abrundung erfahren. Der Duft könnte insofern auch denjenigen gefallen, die um eine allzu präsente Kokos normalerweise einen Bogen zu machen pflegen.“

Beide Düfte stammen von derselben Meisterin – Olivia Giacobetti ist gemeint. Zwischenzeitlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, einen der beiden wieder abzugeben, da sie doch eine Ähnlichkeit aufweisen – aber ich habe mich davon verabschiedet, da sie eben doch auf den zweiten Blick sehr unterschiedlich sind und ich mitlerweile auch alle zwei Wochen meine Meinung ändere, welcher mir den nun besser gefällt. Bis vor einiger Zeit war das ganz klar: Der etwas herbere Philosykos mit seinen Honig-Heu-Noten. Momentan präferiere ich Premier Figuier, die grüne Milch-Feige mit dem Hauch Kokos, den selbst ich, die ich sonst diesem Nüsschen eher abgeneigt bin, ertragen und sogar genießen kann.

Vielleicht liegt es daran, dass ich gerade einen anderen Duft mit Heu bevorzuge? Neben dem oben erwähnten Lindenblüten-Dauerbrenner Tilleul, der mich schon seit Jahren begleitet, liebe ich gerade Bigarade Concentrée von Jean-Claude Ellena aus der Frédéric Malle Edition:

„BIGARADE CONCENTRÉE imparts a bitter freshness. Its overdose of hesperidic notes combined with a touch of rose expresses a unique natural transparency ; a woody base of hay and cedar adds lusty warmth. BIGARADE CONCENTRÉE: A lasting natural freshness.“

Ellena, Hausparfumeur bei Hermès und Eigentümer von The Different Company (deren Düfte er zusammen mit seiner Tochter Céline zaubert), ist ja berühmt-berüchtigt für seine zarte Transparenz sowie seine Reduktion, seine Konzentration auf Wesentliches. Bei Bigarade Concentrée macht er da auch keine Ausnahme, allerdings stellt Bigarade in einer Hinsicht etwas sehr Besonderes dar, was Chandler Burr, seines Zeichens Duftkolumnist der New York Times, eindrucksvoll in einer Rezension beschreibt:

„But it is Ellena’s Bigarade Concentrée that plays brilliantly with darkness. Bigarade smells like a person trapped in a complex weather system, the wonderful scent of a guy’s armpit and a woman’s humid skin washed in fresh rainwater and ozone (Malle doesn’t waste time gendering his scents, and Bigarade is for both women and men). It is a masterful juxtaposition, and smelling Bigarade is like looking down into a well of cool, black water. Your retinas expand from the strange pleasure of this scent.“

Für mich hat Bigarade Concentrée nichts mit Armbeugen gemeinsam, Regen und frische Luft bei gleichzeitiger Hitze nehme ich aber ebenfalls wahr. Bigarade Concentrée ist für mich zugespitzte Ambivalenz, ist Licht und Schatten an einem Ort, ein bisschen wie die Schatteninsel im Hochsommer, die man irgendwo im Garten entdeckt hat, oder eine Sonnenfinsternis im Sommer. Hesperiden, flirrend, samt eines ozonigen Hauchs und Wässrigkeit, seltsam tiefdunkler Farbigkeit. Bitterorange als eben diese – bittere Orange. Herbe Fruchtigkeit. Eine luzide-metallische, kühle Rose. Und warmes Heu. Der Duft ist ein wahres Vergnügen.

Das sind natürlich noch längst nicht alle meine Frühlingslieblinge – der Rest folgt morgen. Trotz allem interessiert mich natürlich jetzt schon, was Euch gerade begleitet!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hochwacht auf der Esslinger Burg von Sarang via Wiki Commons, Fig von salsachica/Nathalie Dulex, Dark Ripples von ilco/Ilker, beides via stockchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Frühlingsverlosung – Die Gewinner.
Letzte Erinnerung an unser Frühlingsgewinnspiel!
Der Frühling ist da…


Coquelicot…

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Duft am 13.04.2011

… ist das schöne französische Wort für Mohn, Klatschmohn. Und somit auch der schlichte Name für einen Duft aus dem Hause Il Profumo, über den ich auf meiner Suche nach Blütendüften gestoßen bin. Der eifrige Leser wird es wissen: Mir war nach Blumen. Nach besonderen Blumen. Bitte nicht zu – normal. Nicht tropisch oder exotisch, aber gerne etwas ausgefallen. Nicht narkotisierend und nicht verführend, kein Sinnenräuber und -benebler, demnach auch nichts übertrieben weißblühendes. Und diesmal keine Rose. Kein Chypre. Kein Rosenchypre. Schwierig diese Angelegenheit. Vielleicht suche ich auch nach der olfaktorischen Blauen Blume? Jenem romantische Symbol für Sehnsucht, Liebe, dem Streben nach Unendlichkeit? Ist meine Suche gar Ausdruck… nein, das geht zu weit – egal, für was sie nun steht die Suche, sehnsüchtig ist sie in jedem Fall, denn ich habe noch keinen Blumen-Holy-Grail für diesen meinen Wunsch gefunden. Die Sehnsucht ist ungestillt, das Bedürfnis ungebrochen.

Dafür bin ich neulich über dieses Düftchen gestolpert, dass ich bisher mit Verachtung gestraft hatte – vollkommen zu Unrecht wie sich zeigte. Und es beinhaltet wohl auch blauen Mohn, irgendein tibetisches Exemplar davon – soviel zur blauen Blume. Aber zuerst einmal die Ingredienzen: Mohn, Glyzinie, Jasmin, Hyazinthe, Frangipani, Ambra und Patchouli.

Bereits kurz nach dem Aufsprühen entfaltet sich ein herrlich leichter Duft: Blütensüße gemischt mit etwas, das sich schwerlich als „aquatische Noten“ fassen lässt – vielmehr erinnert der Geruch an Blütennektar, an taubenetzte Blütenpollen. Eine wunderbare Frische macht sich breit gleich einer Sommerbrise, die durch ein blühendes Feld weht. Ein transparentes Blumenbouquet, ätherisch, dahingehaucht mit leichtem Strich wie ein Aquarellbild. Ein Duft von einer sauberen Frische, einer reinen Klarheit. Darüber hinaus ein Hauch fruchtige Süße und von ferne ein Akzent keksiger Anklänge – ein Kornfeld neben dem Mohn? Oder der Duft frischer Madeleines beim Picknicken draußen in der Natur?

Für mich gilt was Novalis aka Georg Philipp Friedrich von Hardenberg in seinem Heinrich von Ofterdingen schrieb, jener Schrift, der die Blaue Blume entspringt: „Er sah nichts als die blaue Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit.” Ich sehe gerade auch nur noch das blühende Feld, das imaginäre, welches vor mir von meinem Handrücken aufsteigt.

Wie heiter, wie unbeschwert – ich muss sofort an ein Zitat von von Peter Hille denken: „Die Blume ist das Lächeln der Pflanze.“ Banal, irgendwie. Und naiv. Aber schön. Und in diesem Falle so treffend, denn Coquelicot ist fröhlich, ein olfaktorisches Lächeln. Und wenn Düfte die Gefühle der Blumen sind, wie Heinrich Heine in seiner Harzreise schrieb, ist Coquelicot eine positive Frohnatur, hoffnungsvoll und voller Liebe. Wo wir wieder beim Klatschmohn sind, der in vielen Kulturkreisen als Symbol für ebendiese steht.

Und vielleicht wird Coquelicot das auch für mich – eine neue Liebe.

In diesem Sinne – alles Liebe,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Blue Himalayan Poppy von Per Ola Wiberg, Himalayan Blue Poppy von Andrew Curtis, Blauer indischer Mohn von Anami/Dieter Weiher, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Coquelicot in unserem Shop.

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Die Vergessenen: de Cosac & Il Profumo.
Duftverzeichnis


Erinnerung: Frühjahrsaktion!

Geschrieben in Allgemein am 12.04.2011

Ihr erinnert Euch, ja? Da war doch was, eine Verlosung mit dicken Preisen… Ich hatte diese am 21.03.11 hier angekündigt und gepostet… Liebe Leserinnen und Leser, kommt in die Puschen! Es gibt tolle Preise zu gewinnen! Hier noch einmal die Bedingungen:

Unter all denjenigen Kundenbewertungen, die innerhalb dieses Monats, ergo bis 30.04.11, für unsere Shopartikel abgegeben werden, verlosen wir ein ganzes Paket toller Frühlingsboten.

Der 1. Preis: Ein 100ml-Flakon Amouage Reflection for Man.

Der 2. Preis: Ein 50ml-Flakon Amouage Ciel for Woman.

Der 3. Preis: Ein 50ml-Flakon Amouage Lyric for Woman.

Der 4. Preis: Ein 100ml-Flakon Villoresi Teint de Neige.

Der 5. Preis: Eine Duftkerze Aqua Universalis aus dem Hause Maison F. Kurkdjian.

Der 6. Preis: Eine Duftkerze Un Zest de Rose aus dem Hause Les Parfums de Rosine.

Der 7. Preis: Eine Soothing Hand Lotion von Molton Brown in der brandneuen, demnächst erscheinenden frühlingshaften Duftrichtung Pettigree Dew.

Viel Glück!

Bitte beachtet, dass wir die Bewertungen nur zuordnen können, wenn Ihr sie abgebt während Ihr in Euer Kundenkonto eingeloggt seid! Die Bewertungen sind aufgrund der Technik nicht sofort automatisch sichtbar, sondern müssen von uns von Hand freigeschaltet werden, wir bitten daher um ein bisschen Geduld bis diese im Shop erscheinen :)

Bildquelle: Frühling – Blühender Kirschbaum von Benjamin Gimmel via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Frühlingsverlosung – Die Gewinner.
Letzte Erinnerung an unser Frühlingsgewinnspiel!
Herbstwonne 3 – Clove Absolute von Washington Tremlett.


Comme des Garçons – Ouarzazate

Geschrieben in Duft,Krautiges,Tabak & Rauchiges am 12.04.2011

Weiter geht unsere Weihrauchreise mit Comme des Garçons Series 3 um die Welt. Gelandet sind wir heute in Ouarzazate, im Süden Marokkos. Die Stadt liegt am Fuße des Atlasgebirges und ist durch die Nähe zur Sahara ein Touristenzentrum. Ouarzazate wird auch das „Hollywood Marokkos“ genannt, da es Schauplatz etlicher Filme und Heimat der Atlas Filmstudios, der weltgrößten Filmstudios überhaupt ist. Gedreht wurden dort unter anderem die Filme „Kundun”, „Gladiator” und „Die Päpstin”.

Warum Rei Kawakubo allerdings diese Stadt als Namensgeber für ihren Duft ausgesucht hat, bleibt mit ein Rätsel. Vielleicht hatte sie Sandarak im Sinne, das Naturharz einer Konifere, des Sandarakbaums. Sandarak besitzt einen warmen Duft, weihrauchähnlich, mit einem fruchtig-frischen Charakter. Sandarakbäume wachsen zwar auch in Tunesien, Algerien und Spanien, das Harz jedoch kommt hauptsächlich aus Marokko. Der Duft wirkt stark auf unser vegetatives Nervensystem und wird im arabischen Raum als Mittel gegen Schnupfen und bei Schlafstörungen verwendet.

Zurück zu unserem Hauptdarsteller der Serie. Weihrauch wird in der islamischen Medizin häufig eingesetzt, etwa bei Halsentzündungen und Erkältungen. Zudem ist das Verbrennen von Weihrauch ein alter orientalischer Brauch gegen Neid. Auch bei Bestattungen findet er seine Verwendung. Die Verstorbenen werden hierbei in parfümierte Leichentücher gelegt, zusätzlicher Weihrauch wirkt unangenehmen Gerüchen entgegen.

Die Duftnoten: Kopfnote: Salbei. Herznote: Weihrauch, Pfeffer, Muskatnuss. Basisnote: Moschus, Vanille, Labdanum (Zistrose), Kaschmirholz.

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flowering sage

Nach dem ersten Aufsprühen entfaltet sich eine aromatische Salbei-Wolke. Jenes Kraut, das wir in der Küche gerne verwenden, welches aber auch bekannt ist für seine Heilkraft etwa bei Hals- und Magenschmerzen. Nachdem das Salbei-Feuerwerk etwas abgeklungen ist, entsteht Raum für süßen, würzigen Pfeffer, begleitet von einer ganz dezenten Prise Muskatnuss. Obwohl Zitrone nicht als Ingredienz aufgeführt ist, meine ich, auch diese wahrzunehmen. Ganz leicht nur. Der balsamisch-warme Charakter des Weihrauchs breitet sich aus, hüllt ein, beruhigt und verleiht eine meditative Note, an welcher auch Labdanum beteiligt ist mit seinem ambraartigen, an Honig erinnernden Aroma.

Ouarzazate reiht sich sehr schön in die Serie ein. Zwar ist der Duft vom Charakter her eindeutig verwandt mit Jaisalmer, warm und orientalisch, jedoch liegt hier der Schwerpunkt auf dem Salbei und nicht wie bei Jaisalmer auf dem Holz. Beim ersten Riecher war ich nicht sonderlich begeistert. Wie bei vielen guten Düften (oder auch bei guter Musik), erfasst man die Schönheit nicht komplett beim ersten Mal. Man muss ihnen Raum und Zeit geben. Bei mir hat Ouarzazate nachhaltig eingeschlagen. Der bisher speziellste Duft in dieser Reihe. Ich bin gespannt ob Avignon mithalten kann. Aber dazu mehr beim nächsten Mal.

Liebe Grüße,
Mariela

Bildquellen: IMG_2195 by Michele Testini, on Flickr, flowering sage by stereogab, on Flickr – some rights reserved, vielen Dank!

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Mariela

Die Reise führt uns heute also direkt in die Karibik. Das passende Wetter habe ich mir dafür heute nicht gerade ausgesucht. Es regnet ohne Unterlass… Aber sei‘s drum! Ich erwarte tropisches Flair, Salsa, Mambo, Cha-Cha-Cha, Rum und Zigarren! In der Ingredienzenliste sind letztere zumindest schon mal aufgeführt.

Kopfnote: Pfefferminze, Bergamotte, Rum, Limette, Herznote: Rose, Gewürznelke, Lorbeer, Tonkabohne, Basisnote: Tabak, Weihrauch, Vetiver, Zedernholz

Unser Duft präsentiert sich unmittelbar nach dem ersten Sprüher doch ganz frisch. Allerdings reicht die Zeit kaum aus, um einzelne Duftnoten ausmachen zu können. Schon ist er wieder verflogen und eine unglaublich indolische Note macht sich breit. Ich bin mir gar nicht sicher woher diese Note eigentlich kommt, denn es sind weder Jasmin noch Zibet gelistet, die das gerne mal mit sich bringen. Es hört aber auch nicht gleich wieder auf. Hilfe!!! Die Fäkalnote beruhigt sich erst nach einer Weile, überschattet aber trotzdem immer noch alles. Am liebsten würde ich alles abwaschen!

Jetzt teste ich doch lieber zusätzlich noch auf dem Streifen. Die Kopfnote kommt hier schön raus. Limette, Pfefferminze und Rum. Da bekommt man doch gleich Lust auf einen Mojito. Immerhin etwas von dem tropischen Feeling, das auf meiner Haut bisher komplett fehlte. Die indolische Note macht sich auch auf dem Teststreifen breit, jedoch bei weitem nicht so schlimm wie auf meiner Haut. Vermutlich ist die Mischung aus Lorbeer, Gewürznelke und Tabak dafür verantwortlich.

Ich stelle mir jetzt eine kleine, sehr volle Bar vor. Ausgelassene Stimmung, der Alkohol fließt in Strömen, alles tanzt und die kubanischen Herren in ihren bunten Kunststoffhemden riechen nicht mehr so frisch wie zu Beginn des Abends.

Ein paar Stunden später präsentiert sich das Parfum dann endlich von seiner Schokoladenseite, Vetiver und Zedernholz stehen im Vordergrund und vereinigen sich zu dem eleganten wie klassischen Herrenparfum, das man sich nach dieser Tortur sehnlichst wünscht.

Mojito Bar at Bayside

Aber ehrlich, wer hält das so lange durch? Zugegeben man wird für seine Geduld belohnt, aber hält man die Stunden davor gerne aus? Ich denke nicht. Ich habe mich sehr auf dieses Parfum gefreut, die Duftnoten klangen vielversprechend. Ich wünschte mir gerade zu es zu mögen. Aber leider ist es auf meiner Haut komplett ungenießbar. Ich würde euch dringend von einem Blindkauf des Parfums abraten und definitiv einen ausgiebigen Test auf eigener Haut empfehlen.

Harmen

Die Karibikinsel Kuba spielt heute bei uns die Hauptrolle, nämlich in Form von Czech & Speakes Duft „Cuba“. Bis jetzt hat es mich noch nicht dorthin verschlagen, aber ich habe mir sagen lassen, dass dieses Eiland eine große Anziehungskraft und Faszination besitzt. Man verbindet allein schon mit dem Namen Köstlichkeiten wie Rum, luxuriöse Zigarren und einen Lebensstil, bei dem die Uhren etwas langsamer ticken als in unserer Hochleistungskultur. Frank Sawkins, der Gründer von Czech & Speake, ließ sich genau von diesen positiven Seiten Kubas inspirieren und schuf einen Duft, der diese wiedergeben soll. Ich bin gespannt, was mich nun erwartet.

Kopfnote: Pfefferminze, Bergamotte, Rum, Limette; Herznote: Rose, Gewürznelke, Lorbeer, Tonkabohne; Basisnote: Tabak, Weihrauch, Vetiver, Zedernholz

Auf dem Teststreifen geht es äußerst minzig und zitrisch los, in der Kopfnote ist Pfefferminze angegeben, die hier den Ton angibt, aber meiner Meinung nach könnte es durchaus auch Eukalyptusöl sein. In der tieferen Lage leisten leichte Anklänge von Weihrauch und Holz ihren Beitrag und geben dem stark minzigen Auftakt genau den richtigen Schwenk mit, um nicht in Richtung Halsbonbon abzudriften. Auf der Haut kommt die Minze lange nicht so kräftig zur Geltung, Tabak und Zedernholz grundieren diese jetzt spürbarer und so kommt das Ganze weitaus würziger daher. Aber nichtsdestoweniger eine kalte und herrlich erfrischende Duftdusche. Es fällt mir schwer, die Herznoten herauszubekommen, so sind die süßlichen Bestandteile sehr zurückhaltend formuliert, sicherlich die richtige Entscheidung bei einem Herrenduft. Mittlerweile sind auch auf dem Streifen die Kopfnoten etwas verflogen, so dass ich abschließend sagen kann, dass es sich hier um einen ausgezeichneten Sommerduft handelt, ein frischer Morgen in den Tropen, eine kleine Holzkiste mit duftenden Zigarren und dazu ein Cuba Libre oder viel besser noch ein Mojito, die Gräser und Blumen duften und erwarten die Hitze des Tages. „Cuba“ kann ich mir sehr gut an Männern jeden Alters vorstellen, besitzt er doch neben seiner jugendlichen Frische auch die bekannten Fingerzeige eines klassischen und runden Herrenparfums.

Bildquellen: Mojito Bar at Bayside by miamism, on Flickr, Dona Paulina von Dantadd, Mojito von Lobo – via Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Geschrieben in Verweise am 9.04.2011

… Duftnoten unterscheidet verrät uns heute der Spiegel – ein durchaus lesenswerter Artikel :)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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