Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Der schwarze Schwan…

Geschrieben in Duft,Fougère,Grünes,Holziges,Krautiges,Leder am 16.02.2011

…, ein Weib im übrigen, ist laut dem Pressematerial von Amouage ein…

… Teil unserer Identität und verkörpert zwei miteinander in Widerspruch stehende Seiten. Der schwarze Schwan symbolisiert die dunkle Seite in jedem von uns. Sie ist das Alter Ego des Flaneurs – er ist er und sie ist er. Sie und er existieren als Einheit. Sie bilden des anderen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ab. Sie teilen Freud und Leid des anderen und existieren doch getrennt voneinander. Reine Schönheit ist vergänglich. Das Dunkle, das Geheimnisvolle und das Unaussprechliche – darin liegt die Schönheit der Wahrheit, die dauerhaft fasziniert.

Faszination an Abgründen vermochte natürlich auch Baudelaire aufzubringen, dessen Gedicht Le Cygne, der Schwan, das Duftduo Memoir aus dem Hause Amouage gewidmet ist. Gestern hatte ich bereits den Damenduft vorgestellt, heute folgt nun die Herrenvariante. Die Ingredienzen: Kopfnote: Absinth, Wermut, Basilikum, Minze; Herznote: Rose, Weihrauch, Lavendel; Basisnote: Sandelholz, Vetiver, Guajakholz, Ambra, Vanille, Moschus, Eichenmoos, Leder, Tabak.

Die Parfumeurin von Memoir Man ließ mich schon bei der ersten Ankündigung des Duftes aufhorchen: Karine Vinchon-Spehner, jene, der wir bereits L’Artisan Parfumeurs Eau de Jatamansi sowie den einmaligen Cœur de Vétiver Sacré verdanken als auch Opus II für Amouage.

Im Auftakt dominiert dunkelgrüne Minze, die in ihrer samtenen Pfeffrigkeit einen perfekten Gegenpol zu den anderen Noten einnimmt und diese ausbalanciert: verwegener und kokett-verführerisch schillernder, Abgründigkeit verheißender Absinth, grün-aromatische Krautigkeit, welche von rauchiger Holzigkeit überlagert und von ernst-würzigem Lavendel unterstrichen wird. Eichenmoos und Tabak verstärken die rauchigen Tendenzen im Laufe des Duftes noch, der von einer ambrierten Wärme getragen wird, welche von kräftig-bestimmten Ledernoten abgerundet wird.

Memoir Man ist eine interessante, da moderne und zeitgemäße Umsetzung jenes klassischen Fougère-Themas. Und wenn ich mir es so recht überlege, gab es bis auf wenige Ausnahmen die letzten Jahre fast keine (guten) Vertreter jener altehrwürdigen Duftfamilie – ausgenommen natürlich drei meiner Meinung nach alle einzeln als Meisterwerk zu bezeichnende Düfte: Opus III Duchaufours Sartorial für Penhaligon’s sowie Nicolaïs Patchouli Homme. Für einen weiteren Fougère war demnach in jedem Fall noch Platz – und Vinchon-Spehner hat mit diesem Exemplar hier ebenfalls ganze Arbeit geleistet, Chapeau!

Aber kommen wir nochmals auf den Schwan zurück: Jener drückt nämlich in der gängigen Literatur zwei Seiten derselben Medaille aus – einerseits die der Macht in Form von Gefahr, Gefährdung durch seine Krallen und seinen Schnabel und andererseits auch die der Ohnmacht in Form des eigenen Gefährdetseins durch Bedrohung von außen, wo wir wieder bei dem Göttlichen und dem Diabolischen von gestern wären, das in Tschaikowskys Schwanensee ganz offensichtlich wird in Gestalt der weißen und der schwarzen Schwanenkönigin.

An dieser Stelle komme ich nicht umhin Euch noch einen Film ans Herz zu legen – Black Swan von Darren Aronofsky, einem meiner Lieblingsregisseure und mit seinem jetzigen Meisterwerk heißer Oscaranwärter.

Mit dieser Mischung aus Drama, Persönlichkeitsstudie und Mystery um eine aufstrebende junge Primaballerina, die von dem ehrgeizigen Wunsch nach Perfektion und Karriere getrieben ist, greift Aronofsky alle Motive des Schwans und auch einige des Baudelaireschen Schwans auf und kleidet sie in eine mitreißende fiebernde Ästhetik, die durch das hervorragende Spiel von Natalie Portman geadelt wird.

Ein wunderbarer Film – habt Ihr ihn schon gesehen? Und kennt Ihr die beiden Amouage-Düfte auch schon?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Black Swan von Nicolas Raymond via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Amouage Memoir Man in unserem Shop.

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Dem Motiv des Schwans…

… sind sie gewidmet, die beiden mittlerweile nicht mehr ganz neuen letzten Düfte Memoir Man und Memoir Woman des Hauses Amouage aus dem Oman, genauer: dem Baudelaire-Gedicht Le Cygne, der Schwan. Jener Poète Maudit scheint wieder Konjunktur zu haben, hatte sich doch bereits Ben Gorham seiner mit einem Duft angenommen. Auch Serge Lutens unterlässt es in so gut wie keinem Interview auf seine Liebe zu dessen Werk hinzuweisen, dass ihm als unablässige Inspirationsquelle gilt.

Charles Baudelaire, ich zitiere mich mal selbst, -

… ein verfemter Dichter und verkanntes Genie zu Lebzeiten. Ein Oscar-Wilde’scher Dandy im Paris des 19. Jahrhunderts als Teil der dortigen Avantgarde und Bohème, zeitlebens tingelnd und taumelnd als Flaneur, Literaturkritiker, Redakteur, niemals in nur einem Metier tätig und – immer auf der Suche. Auf der Suche nach Schönheit und Idealität – und, natürlich, sich selbst.

Mit seinem Hauptwerk, den Fleurs du Mal, auf deutsch: die Blumen des Bösen wurde er weltberühmt – posthum versteht sich. Und gilt als einer der französischen Lyriker überhaupt, zudem noch in puncto Literatur als Wegbereiter der europäischen Moderne.

Baudelaires Leben sowie seine Fleurs du Mal inspirierten Amouage zu ihrem Duftduo Memoir: Der Flaneur, der als stiller Beobachter in den Untiefen der Großstadt auf der Suche ist nach – Identität, nach Sinn. Und das Leben dafür in sich aufsaugt wie eine Droge – Realität als Droge und Drogen als Realität. Absinth- und opiumgeschwängerte Suche nach dem Selbst. Ein Verlieren – und vielleicht auch ein Sich-Finden, irgendwo da draußen durch das Außen zurückkehren in die eigene Mitte, erstmalig.

Und der Schwan? Der ist in seiner Bedeutungsträchtigkeit prädestiniert als Symbol für diese Suche, steht er doch seit je her einerseits für Unschuld und Reinheit, für Loyalität und Treue, für Schönheit, aber auch Eitelkeit. Und dann für Metamorphosen jeglicher Art, man denke nur an Leda und Zeus, der sich ihr in Gestalt eines Schwans nähert und sie hernach schwängert oder auch an den Schwanengesang, jenen für das letzte Werk eines Künstlers geprägten Begriff. Dieser geht wie Wiki weiß auf…

“… einen alten griechischen Mythos zurück, der besagt, dass Schwäne vor ihrem Tode noch einmal mit trauriger, jedoch wunderschöner Stimme ein letztes Lied anstimmen. In einer Fassung dieses Mythos wanderte Kyknos in einem Pappelhain am Ufer des Flusses Eridanus, den Tod seines treuesten Freundes Phaëton betrauernd. Da hatten die Götter Mitleid mit ihm und verwandelten ihn in einen Schwan aus leuchtenden Sternen. Bevor Kyknos aus Trauer über den geliebten Freund starb, sang er auf jene von keinem anderen Gesang an trauriger Schönheit übertroffene Weise. In Phaidon erklärt Sokrates den Gesang der Schwäne mit deren Vorkenntnis des Guten in der Unterwelt.”

Dem Göttlichen ganz nahe ist er also, der Schwan, gleichzeitig aber auch dem Diabolischen nicht ganz fern, wie sich in Tschaikowskys Schwanensee zeigt.

Ein mächtiges Erbe, dass die beiden Düfte insofern auf ihren olfaktorischen Schultern ruhen haben ob ihrer kraftvollen Vorbilder. Aber allein der Name Amouage lässt hoffen – an Komplexität hat es den Düften des Hauses ja wirklich noch nie geschadet.

Memoir Woman hat folgende Ingredienzen: Kopfnote: Mandarine, Kardamom, Absinth, Rosa Pfeffer; Herznote: Pfeffer, Nelke, Weiße Blüten, Rose, Jasmin, Hölzer, Weihrauch; Basisnote: Styraxharz, Eichenmoos, Castoreum, Leder, Labdanum (Zistrose), Bockshornklee, Moschus.

Im Auftakt präsentiert sich bei der Damenvariante Memoirs kurzfristig saftige Mandarine, die annähernd sofort übergeht in ein prächtiges Orchester von würziger Schärfe der Pfeffersorten und Gewürznelke. Diese bilden die schmückende Zierde der sich in ihrer ganzen opulenten Üppigkeit zeigenden Blüten, welche von der stolzen Wärme der Harze getragen wird, denen ein Hauch Animalisches innewohnt. Dezente Absinthnoten erinnern in dieser Verbindung an Lutens Douce Amère, allerdings ist Memoir Woman deutlich facettenreicher und vor allem – dunkler. Die Basis wird von einem wallenden Mantel weichesten Leders umfangen in einer liebevollen Umarmung.

Eigentlich kann Memoir Woman nur das Ende der Suche sein – oder der (Drogen?)Rausch, der ebendieses suggeriert: Feminin und gleichsam elegant sowie mit allen Kenntnissen perfekt(ioniert)er Verführungskraft ausgestattet, überschäumend vor Sinnlichkeit und leidenschaftlicher Hingabe, die aus den Untiefen der harzig-gourmandigen sprudeln, in denen auch ein verborgenes unzähmbares wildes Tier in seiner ursprünglichen Schönheit lauert – ich bin ein wenig gebannt, ich gestehe.

Und ich befürchte, dass es morgen nicht anders weitergeht – da folgt nämlich die Herrenvariante, an welche ich bei Amouage immer besondere Erwartungen stelle.

Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Auguste Clésinger (1864): Leda et le cygne via Wiki Commons von Vassil, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Amouages Memoir Woman in unserem Shop.

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Die Schöne und das Biest: Antihéros

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft,Holziges,Krautiges am 14.02.2011

Mariela

Eines muss ich État Libre d’Orange lassen: Sie schaffen es immer wieder, mich zu überraschen! Ich dachte ja, da ich mittlerweile einige Düfte aus dem Hause kenne, wüsste ich was mich erwartet. Doch weit gefehlt! Darauf war ich nun wirklich nicht vorbereitet. Ein ganz klassischer Lavendelduft!

Ich fühle mich sofort nach Südfrankreich versetzt an einen heißen, trockenen Spätsommertag inmitten eines wogenden Lavendelfeldes!
Da ich seit längerem immer wieder mit Duftölen experimentiere, beispielsweise bei Erkältungen oder Einschlafproblemen, ist mir Lavendel als Allrounder natürlich gut bekannt. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von Grippe, Fieber und Bronchitis über Depressionen und Kopfschmerzen bis hin zu Insektenstichen.

Lavender

Antihéros riecht erstmal wirklich so, als ob ich einige Tropfen Lavendelöl in die Duftlampe getropft hätte. Längere Zeit ändert sich daran nichts. Fast bin ich geneigt zu glauben, sie hätten es sich dieses Mal sehr einfach gemacht, da merke ich, dass sich ganz leichte Holznoten unter den Lavendel mischen. Zugegeben, die Lavendelnote ist so intensiv, dass man die Holznoten fast nur erahnen kann. Mit der Zeit mischt sich Moschus darunter und verleiht dieser bisher sehr clean rüberkommenden Mischung skinnige Anklänge.

Nun ist das Ganze wirklich keine Komposition aus vielen Noten, aber mir als Lavendelfan macht das nicht viel aus. Da ist weniger oft mehr. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich Antihéros auf der Straße tragen würde. Zuhause kann ich mir den Duft sehr gut vorstellen. Er passt sicher gut zu einem ruhigen, faulen Tag auf dem Sofa.
Antihéros wird sicher seine Liebhaber finden. Ich bin mir sicher, es gibt einige Fans unter uns, oder? Lavendel steht für viele bestimmt für den typischen „Omageruch“. Das mag an dem klassischen Lavendel-Parfum liegen, das es schon seit unzähligen Jahren gibt und natürlich an den unvermeidlichen Lavendelkissen im Wäscheschrank, dem beliebten Mottenschreck.

Gewidmet ist der Duft, laut État Libre d‘Orange dem Antihelden, jenem der den Tücken des Alltags mit Witz trotzt, der sich selbst und auch vieles andere nicht all zu ernst nimmt, der kleine Schwächen kultiviert und mit einer natürlichen, unkonventionellen Eleganz gesegnet ist. Der unerwartete Superheld, der nicht glauben kann, dass er uns mit seinen strubbeligen Haaren und seinem zerzausten Look ins Auge fällt und gerade deshalb so anziehend wirkt. Na ja, ich finde wenn man seine Schwächen pflegt, dem Leben mit Witz und Humor begegnet, eine natürliche Eleganz besitzt und anderen ins Auge fällt, ist man doch eher Held als ein Antiheld, findet ihr nicht? Vielleicht kein Mr und keine Mrs Perfect, aber wer will das schon? Darauf einen Spritzer Lavendelduft…

Habt einen aufregenden Tag, Ihr Lieben!
Mariela

Harmen


Ist État Libre d’Oranges Parfum „Antihéros“ selbst ein duftender Antiheld oder ist er diesen gewidmet? Laut firmeneigenem Werbetext handelt es sich bei unserem Antihelden um einen Gesellen, dessen Heldentaten darin bestehen, dem ganz gewöhnlichen Alltagswahnsinn zu trotzen, ohne sich dabei aber verstellen zu müssen; ein richtiges Original also, das gleichzeitig ein bisschen zu braungebrannt daherkommt, ein bisschen zu gutaussehend und vermutlich auch ein bisschen oberflächlich. Eigentlich stehen Antihelden oft im Schatten der großen Figuren, sind dafür aber die interessanteren Charaktere…mit Abgründen, Geheimnissen… Nicht jedoch hier. Unser Antiheld ist einfach er selbst und will nichts anderes darstellen, und das ist ja immerhin auch ganz schön mutig.

Frisch auf den Teststreifen gesprüht erweist sich „Antihéros“ als Lavendelbombe, Lavendel, Lavendel, sonst nichts. Nach einer Weile ahnt man noch in sehr weiter Ferne einige wärmere Töne. Ein Lavendelkissen aus Großmutters Wäscheschrank, ganz klar und kompromisslos.

Aber: Wetten, dass die ahnbaren, warmen Töne auf der Haut besser herauskommen? Also rauf auf die Epidermis und siehe da, die holzigen Noten sind sofort viel präsenter.
Und jetzt passiert etwas Eigenartiges: Der Lavendel, der gerade eben noch vom Duftstreifen aus linke und rechte Nasenhaken verteilte, geht nun völlig unter. Der Duft dreht in eine ganz andere Richtung ab, sehr harzig, süßlich und auch krautig. Auf meiner Haut riecht „Antihéros“ wie der etwas leichtere und krautigere Stiefbruder von Tauers „L’air du Désert Marocain“. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt, wo doch État Libres „Vierges et Toreros“ Tauers „Lonestar Memories“ so sehr ähnelte.

Ich muss gestehen, ich bin sehr angetan und finde diesen État Libre-Duft bislang am besten. Ein echter Kaufkandidat!

Euer Harmen

PS: Mariela und ich schreiben die Artikel unabhängig voneinander :-)

Hier finden Sie Antihéros in unserem Shop

Bildquellen: Lavender by Thowra_uk, on Flickr, Lavendel von Lexipexi – Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Lange gedrückt…

Geschrieben in Duft,Holziges am 11.02.2011

… habe ich mich um die Vorstellung von Byredos M/Mink. Und das lag mitnichten an seiner Qualität, nein. Aber es lag, da bin ich ehrlich, an seinem Charakter – er gibt mir bis heute Rätsel auf. Da wir diese Woche aber ohnehin Byredo-Woche hatten, möchte ich diese nun mit Euch teilen.

Im Rahmen eines Neuigkeiten-Artikels hatte ich bereits von jener Kooperation von Byredo mit den Pariser Kreativen von M/M berichtet, die den Ursprung zu M/Mink bildete. Michaël Amzalag und Mathias Augustyniak, die Köpfe von M/M, arbeiten inter- und transdisziplinär im Kunst-, Musik- und Modebereich – ihre Arbeiten waren bereits unter anderem im Guggenheim Museum/NY, Centre Pompidou/Paris und dem Frankfurter Kunstverein zu bewundern.

Die Geschichte hinter dem Duft ist schnell erzählt und durchaus ungewöhnlich. Ben Gorham, Monsieur Byredo, besuchte die beiden in ihrem Pariser Studio und erhielt ein Briefing der ganz besonderen Art: Man legte ihm eine Tuschestange hin, die Vorstufe zu jener asiatischen Tinte, darüber hinaus ein Foto einer japanischen Kalligraphie-Koryphäe bei ihren täglichen Arbeiten sowie ein utopisches Konzept, welches durch Augustyniak auf einem Stück traditionellen koreanischen Papiers niedergezeichnet wurde.

Der aus der Kooperation entspringende Duft solle in allererster Linie der Idee, dem Geist der Tinte verpflichtet sein und diesen darstellen:

„This scent, which is firstly that of ink, is transformed gradually to the idea of ink, before finally arriving at a scent that will remind you of the ink that is most precious: the blood that flows in our body.“

Tinte und Blut – eine interessante Kombination, die natürlich spannende Assoziationen weckt. Mark Buxton hat sich mit seinem ikonischen Comme des Garçons 2 ja bereits dem Thema Tinte auf eine für mich unwiderstehliche Art und Weise angenommen. Bei M/Mink war nun Jerome Epinette am Werk und hat dafür folgende Noten verwendet: Adoxal in der Kopfnote, im Herzen Weihrauch und in der Basis Patchouliblätter, Honig und Ambra.

C14H26O, so die chemische Formel für Adoxal, entstammt dem Labor von Givaudan und wird als „Fresh, Aldehydic, Marine, Rosy, Powerful, Floral“ bezeichnet. Die weitere Beschreibung:

Adoxal blends extremely well with floral notes such as muguet and cyclamen, as well as with fruity and woody compositions. It can also be seen as having a typical “fresh linen” odour which makes it very useful for detergent perfumes. Adoxal has a natural, ozonic aspect. Powerful, it must be used carefully.

Hört sich für mich ein bisschen nach einem Hybrid an – passt gut zu Blüten, aber auch zu Hölzern und Holzigem, kann riechen wie frisch gewaschene Wäsche oder ozonisch-maritime Aspekte aufweisen. Ein Aldehyd ist es aber irgendwie auch. Aha. Sparsam verwenden hingegen ist eine glasklare Ansage. Ob sich Herr Epinette daran gehalten hat?

M/Mink scheint mir ganz deutlich jenes Adoxal an den Tag zu legen, das den Duft vor allem zweierlei beschert: Eine sehr deutliche Tintennote und eine überaus eindrucksvolle innovative Eigenständigkeit, einen unnachahmlich prägnanten Charakter.

Mir fällt es bei M/Mink außerordentlich schwer zu beschreiben, was genau ich da rieche und wie ich das zu interpretieren vermag. Auch habe ich bisher noch keine Antwort auf die Frage gefunden, ob ich den Duft lieben oder hassen soll – in jedem Falle fasziniert er mich nachhaltig.

Auf der Haut angekommen offenbart er sofort den Geruch jener tief dunkelblauen Tinte, die mir noch wohlbekannt ist in seiner rußigen Bitterkeit, die von ozonigen Aspekten begleitet wird. In diesen Eindruck mischt sich eine helle metallische Komponente, klar und messerscharf, die von einer eigenartigen Süße begleitet wird sowie von einem Hauch Floralem flankiert wird. Ich habe lange darüber nachgedacht, an was mich diese M/Mink erinnert in seiner vollen Eindringlichkeit, der duftenden, die nicht allzu viele unterschiedliche Stadien kennt.

An Schafgarbe. An den Duft einer Schafgarbe, die in einem Tintenmeer versinkt. Dunkel und gehaltvoll, geheimnisvoll und mysteriös ist M/Mink – wie auch anders, ist doch „die Nacht aus Tinte gemacht“ (Herta Müller).

Damit lasse ich Euch heute zurück und entlasse Euch ins Wochenende – würde aber überaus gerne wissen, ob Ihr M/Mink schon getestet habt und was Ihr von ihm haltet!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Byredo, Abstract dark star cloud von PLRANG Images for design via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Byredos M/Mink in unserem Shop.

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Echte Kerle…


Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 11.02.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere allseits bekannte Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen zu geneigten Nasen – wer eines davon sein Eigen nennen mag, schreibt uns bis Sonntag 24.00 Uhr eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Sonja O., Nadine E., Julia J., Zoe P., Eva K. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Euer duftes Team

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Freitagsverlosung.
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Optische Täuschung

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Fruchtiges,Leder,Solifloral am 10.02.2011

… nennt man laut Wiki „Wahrnehmungstäuschungen des Gesichtsinns“, auch „visuelle Illusion“ genannt. Sie können „nahezu alle Aspekte des Sehens betreffen“ und werden in der Wahrnehmungspsychologie untersucht, da sie „Rückschlüsse über die Verarbeitung von Sinnesreizen im Gehirn“ zulassen.

Eine besondere Art der optischen Täuschung ist das Vexierbild. Davon gibt es einige, ist das Vexierbild doch laut dem Wörterbuch der Gebrüder Grimm lediglich „ein Bild mit einem in der Zeichnung verborgenen Betrug“ – ich spiele jedoch auf eine ganz besondere Sorte an, die Euch allen sicher ebenfalls bekannt ist: Jene Bilder, die eigentlich zwei Motive darstellen, im Regelfall zwei sehr unterschiedliche, von denen man auf den ersten Blick lediglich eines erkennt, bei dem man dann auch gerne bleibt, denn wahrgenommen ist ja wahrgenommen. Wendet man den Blick ab und schaut kurze Zeit später wieder hin, ist man oft genauso erstaunt, wie wenn man sich mit anderen darüber unterhält: Denn was vorher ein waschechtes Karnickel war, wird auf einmal zur Ente oder umgekehrt. So schrieb bereits Franz Kafka 1911 in seinem Tagebuch “das Versteckte in einem Vexierbild sei deutlich und unsichtbar. Deutlich für den der gefunden hat, wonach zu schauen er aufgefordert war, unsichtbar für den, der gar nicht weiß, dass es etwas zu Suchen gilt.“

Eines der bekanntes dieser Art Vexierbilder ist meines Erachtens nach „All is vanity“ von Charles Allan Gilbert, einem amerikanischen Illustrator, der diese Illusion als Achtzehnjähriger 1892 angelehnt an die Bibelstelle Kohelet 1:2 schuf: „Eitelkeit der Eitelkeiten ! sprach Kohelet, Eitelkeit der Eitelkeiten, Alles ist eitel.“ Eine Dame am Schminktisch in ihrem Boudoir oder ein Totenkopf, weiter könnten die Motive, die Eindrücke nicht auseinanderliegen, so die erste Empfindung, die aber trügt: Leben und Tod, ein ewiger Kreislauf. Zwei Gegenpole, bei denen sich der Kreis schließt. Und natürlich die Eitelkeit, jene christliche Todsünde, welche ich aber an dieser Stelle vernachlässigen möchte, denn Eitelkeit hat ursprünglich in der Tat auch die Bedeutung der Vergänglichkeit, der Sterblichkeit, der Nichtigkeit und Vergeblichkeit – eine Bedeutung, die hier trotz oder gerade wegen des Spiegels wesentlich besser passen mag.

Worum geht es mir? Wie gestern versprochen ist heute Byredos zweiter Oud-Duft Accord Oud an der Reihe und ihr fragt Euch jetzt ganz bestimmt, wie ich diesen Riesenbogen schließen mag, den ich soeben gesponnen habe, deshalb fackele ich nicht mehr länger und beginne mit dem Düftchen, dessen Ingredienzen folgende sind: Kopfnote: Brombeere, Safran, Rum; Herznote: Leder, Muskatellersalbei; Basisnote: Patchouli, Moschus.

Düftchen? Nein, diesem Duft mag jener Terminus nicht wirklich gerecht werden. Frisch aufgesprüht nehme ich wohlwollend Brombeere wahr, eine dicke dunkle Vertreterin ihrer Gattung, Hand in Hand mit einer satten wollüstigen Pflaume, gekonnt akzentuiert durch die Würze von Zimt und Safran. Dem gegenüber präsentiert sich eine ausgewachsene Ledernote: Dieses Leder ist etwas für Erwachsene und nichts für Anfänger, soviel steht schon einmal fest – und es wird noch besser: Kaum angekommen zeigt es sich in enger Umarmung mit den sich Weg bahnenden Oudnoten. Sich gegenseitig in Rauchigkeit unterstützend wird die holzige Leder-Oud-Fraktion mit einem guten Schuss Rum geadelt, der die likörig-harzigen Oud-Tendenzen aufgreift und zu verstärken weiß.

Ambivalent, äußerst ambivalent, und zwar in mehrfacher Hinsicht: Schon alleine die Verbindung zwischen geballter Fruchtkraft und Leder spielt ist eine gelungene Kombination netter Gegensätzlichkeiten – hier erinnert mich Accord Oud ein wenig an Parfums d’Orsays göttlichen Dandy, wenn Ihr so wollt der maskuline Skull in Gilberts Gemälde. Es gibt da aber noch eine andere Seite, der ich ein paar Mal hinterherspüren und -schnüffeln musste: Eine weiche, weibliche Sanfte. Denn Muskatellersalbei haucht dem ganzen Vergnügen noch eine zarte florale Seele ein, die sich in Verbindung mit der Basis und dem Oud in eine dichte und überaus feminine Lage feinsten Samtes verwandelt – eine Facette, die für mich äußerst überraschend kam. So schließt sich auch für mich der Kreis zu „All is vanity“.

Meiner Meinung nach ist Accord Oud für beiderlei Geschlechter tragbar, obgleich er schon eines besonderen Trägers bedarf. Eine gewisse Ähnlichkeit drängt sich mir hier zu Tom Fords Tuscan Leather auf, der mit seinen Noten von Himbeere, Jasmin und rauchigem Leder ebenfalls ein ziemlich kontroverses Naturell besitzt. Freunde dieses Duftes (und somit auch diejenigen von Mark Birleys Charles Street) sollten unbedingt testen. Mir gefällt Accord Oud in jedem Fall besser als Oud Immortel – und Euch?

Einen schönen Tag und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Charles Allan Gilbert (1892): All is vanity via Wiki Commons, Byredo, some rights reserved  – vielen lieben Dank.

Hier finden Sie Byredos Accord Oud in unserem Shop.

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Duftverzeichnis
Frauenbilder…


Es oud-et sehr…

… auf dem Parfummarkt der letzten zwei, drei Jahre – insofern ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass jener Hype, der mir sehr zupass kommt, auch Ben Gorham erreichte, jenen smarten Herrn hinter der schwedischen Firma Byredo.

Wie schon oft erwähnt – ich bin ein Fan. Ein Fan der Ingredienz Oud und ein Fan von Byredo. Deshalb konnte ich es kaum erwarten, die beiden Düfte in die Finger zu bekommen – es handelt sich nämlich gleich um ein Paar, ergo zwei neue Düfte, Accord Oud und Oud Immortel. Weshalb es ein Duo sein musste, verrät das deutsche Pressematerial:

Ben Gorham, Gründer und Creative Director von Byredo Parfums, über Accord Oud und Oud Immortel: „Ich lernte den Geruch von Oud in Indien und dem Mittleren Osten kennen. Sein unverwechselbarer und intensiver Charakter hat mich sehr beeindruckt. Ich hatte das Bedürfnis, mich ganz auf die Eigenart dieses Rohstoffs zu konzentrieren und einen Duft zu kreieren, der sozusagen ausschließlich aus dem Charakter von Oud schöpft. Bei der Entwicklung stellte ich fest, dass unterschiedliche Facetten dieser komplexen Holzart in Verbindung mit anderen Essenzen noch stärker zur Geltung kamen. Letzten Endes gefielen mir zwei sehr unterschiedliche Interpretationen am besten, und ich beschloss, Accord Oud und Oud Immortel als Paar vorzustellen. In beiden Fällen handelt es sich um Übertreibungen der ursprünglichen Idee.“

Übertreiben wollen wir alle nicht – Herr Gorham sicher auch nicht. Eine kleine Übersetzungsgrobheit, die man ihm da angetan hat, aber ich denke, wir wissen alle, was damit gemeint ist: Der gute Ben hat sich ausgetobt und konnte nicht umhin, uns gleich zwei neue Düfte zu bescheren. Fein. Und sicherlich auch nicht die dümmste Idee, ist Oud doch eine so facettenreiche Ingredienz, dass es sich schwerlich vortrefflich mit nur einem Duft porträtieren ließe. Obgleich, ich gestehe – fragt man mich als Oudfan würde ich einen angeben können und wollen: By Kilians Pure Oud, hier auch bereits rezensiert.

Zum Rohstoff selbst hatte ich bereits vor einiger Zeit ein paar Zeilen anlässlich einer exzellenten Fernsehdoku geschrieben – siehe hier. Es handelt sich hierbei nicht klassischerweise um eine Holzart sondern, genauer: Um aufgrund einer bisher unbekannten Verletzungsreaktion verharzte Holzstücke des Adlerholzbaumes, aus denen entweder das kostbare Öl gewonnen wird, welches zur Weiterverarbeitung dient, oder die als solche zu Räucherzwecken verwendet werden.

Oud ist nicht nur selten, sondern auch extrem teuer, was durchaus in einem kausalen Zusammenhang steht. Obgleich (soweit mir bekannt ist) die genaue chemische Zusammensetzung immer noch nicht bekannt ist verwenden Parfumhersteller schon seit Jahren aufgrund des Oudhypes Ingredienzen, die ähnlich duften – bei Perfumeshrine findet sich dazu ein recht interessanter Artikel.

Genug drumherum geredet, beginnen wir mit Byredos zwei neuen Oudschönheiten – heute ist Oud Immortel an der Reihe, Accord Oud folgt morgen.

Oud Immortel – die Ingredienzen: Kopfnote: Zitronenschale (Limoncello), Weihrauch, Kardamom; Herznote: Patchouli, Papyrus, Rosenholz; Basisnote: Tabakblätter, Moos.

Oud Immortel legt zitrisch los – Zitronenschale ist angegeben, das trifft auch zu. Herb-säuerlich präsentiert sich diese, alsbald unterlegt durch frischen grünen Kardamom sowie grasig-grüne Noten, die wohl von Papyrus herrühren sollen. Eine bitter-aromatische Fruchtigkeit schafft sich – vor allem auf meiner Haut – Raum, die ich ehrlicherweise nicht eindeutig zuzuordnen, ich bin mir aber sicher, dass sie dem kalten Odem des Weihrauch anzurechnen ist. Jener stellt neben der namensgebenden Ingredienz Oud das Herz des Duftes da und verschmilzt mit derselben zu einer kühlen holzigen Rauchigkeit, welche von Moos und Rosenholz mit einer sanften Wärme unterlegt werden. Irgendwo dort verbergen sich auch die Tabakblätter, deren Präsenz wie mir scheint sich eher in der aromatischen grünen Mitte des Duftes ausmachen lässt.

Ein maskuliner Geselle, aber kein über-männlicher. Einer, der sich sicherlich auch von der geneigten Frau tragen lässt. Mich persönlich erinnert er ein klein wenig an Byredos Baudelaire, obgleich dieser eigentlich eher warmer Natur ist – und ich weiß auch wieso: Diese spezielle, von einem solchen wie hier verwendeten Weihrauch generierte, rauchig-kühle Fruchtassoziation erinnert mich immer an Wacholder, welcher sich nicht zu knapp in der Huldigung an den Dichter fand. In jedem Falle könnten die beiden die gleiche Zielgruppe haben, die keinerlei Berührungsschwierigkeiten mit dem heiligen Harz haben sollten.

Morgen werde ich mir für Euch Accord Oud zur Brust oder besser: Nase nehmen und am Freitag folgt um Byredo komplett zu machen dann endlich – ein Wink gen Margot ;) – M/Mink, den ich Euch bereits viel zu lange vorenthalten habe.

Liebe Grüße und einen schönen Tag,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Byredo, Etheral von Clix via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Byredos Oud Immortel in unserem Shop.

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Der Regisseur von Black Swan, …
Halbzeit…
Serge Lutens…


Korres die Zweite.

Kurz nach White Tea/Bergamot/Freesia und Paeonia/Vanilla/Amber/Pear, die ich bereits letzte Woche besprach, trudelten nun auch endlich Vanilla/Freesia/Lychee und Vetiver Root/Green Tea/Cedarwood bei uns im Geschäft und kurz danach auch bei mir Zuhause ein.

Wie von Korres gewohnt kann ich schon fast sagen, wurde ich auch in diesem Fall nicht enttäuscht – soviel vorweg. Ich bin fest davon überzeugt, dass beide der Düfte bei Euch da draußen ziemlich gut ankommen dürften. Darüber hinaus lässt sich feststellen, dass Korres mit seinen nunmehr sechs Eau de Toilettes eigentlich sehr gut aufgestellt ist, was den Geschmack der Kunden angeht – denn es ist für jeden etwas dabei.

Vanilla/Freesia/Lychee spricht sehr wahrscheinlich diejenigen weiblichen Wesen an, die es gerne kuschelig-muckelig haben und dafür tropisch angehauchte Gourmanddüfte mögen: Sahnig-cremige Vanille, die an Tiefe gewinnt durch eine likörige Rumkomponente, die mich ein wenig an eine dezente und weniger sündig-rauchige Variante von Micallefs Note Vanillée erinnert und bestimmt noch von der Schwester im Geiste, der Tonkabohne begleitet wird. Ein betörendes Blütenbouquet, das sicherlich nicht nur mit Freesie aufwartet – zu wenig aquatisches Naturell, zu viel narkotisierende Exotik. Ich vermute (noch) mehr Weißblüher, vielleicht auch Tiaré? Die würde sehr gut harmonieren mit der vorherrschenden sanften Gourmandwärme, die darüber hinaus noch von Litschi akzentuiert wird: Fremde Fruchtsüße, die sich perfekt in das Stillleben einfügt und den Duft gelungen abrundet.

Feminin, verführerisch und von einer guten Haltbarkeit, aber, und das muss man bei derlei Düften immer positiv herausstreichen: Nie zuviel. Nicht zu süß, nicht pappig, niemals nervig. Und insofern ein typischer Korres, was von meiner Seite aus ein ehrliches Kompliment in Richtung des Hauses ist.

Vetiver Root/Green Tea/Cedarwood ist neben Saffron/Amber/Cardamom der zweite sich primär an die Herrenwelt adressierende Duft. Ich empfinde beide auch als sehr gut für Damen tragbar – ein Kunststück, da sie ob ihrer Ingredienzen meinem Duftgeschmack natürlich auch am nächsten kommen.

Vetiver Root/Green Tea/Cedarwood ist für mich, genauso wie Saffron/Amber/Cardamom, ein Traum – und dazu bedarf es nicht immer einer ausgeklügelten Komplexität, die besitzt keiner der Korres-Düfte und ich wage zu behaupten, dass das auch nicht Sinn und Zweck der Übung war.

Vetiver Root/Green Tea/Cedarwood ist eine leichtfüßige Interpretation des Vetiverthemas, eine fast aquatische Variante: Weder die gängigen zitrischen Hesperiden sind hier dominant zu finden noch jene rauchig-herbe Grasigkeit, die ebenfalls gerne zitiert wird. Vielmehr vereint sich der Duft sofort zu einem großen Ganzen, das in seiner Einfachheit bezaubert: Überaus frisch und aquatisch anmutend (eine natürliche aquatische Tendenz, nicht dieses synthetischen Nervnoten!) erinnert er mich irgendwie an eine Kreuzung aus Creeds Original Vetiver und Erolfa, von dem er auch ein paar Mandarinenschnitten abgestaubt haben könnte. Hell strahlender Vetiver, sauber und frisch mit aquatisch-wässrigen Akzenten, für die auch der Tee verantwortlich ist. Des weiteren nehme ich eine zart-florale Süße war, vielleicht etwas, das jene Wässrigkeit unterstreicht, Lotos? Am Rande jener Gewässer liegt auf jeden Fall Holz, ein sanftes, von der Sonne getrocknetes, das unter Umständen von einem Hauch Patchouli unterlegt wurde.

Ein überaus unkomplizierter und herzerfrischender Immergeher. Ich glaube, ich brauche eine Flasche davon für Frühling/Sommer, die ja hoffentlich bald kommen – und da es endlich auch mal kleine Fläschchen à 50ml für meines Erachtens nach sehr faire 34,50 Euro gibt, hält mich vermutlich nicht mehr viel…

Habt ihr schon getestet? Und, darüber hinaus: Mit was liebäugelt Ihr gen Frühling, wenn er denn mal kommt?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Lechee Step by Step von GiniMiniGi/Aleksandra P., The Coast von Timo Balk, beides via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Korres in unserem Shop.

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Pfingstrosen…
Neuer Wind…


Die Schöne und das Biest: Sex Pistols

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft am 7.02.2011

[Update] Der Duft „Sex Pistols“ wurde mittlerweile in „Malaise of the 1970s“ umbenannt, siehe Blog von État Libre d’Orange.

Mariela


Einen Duft, der nach einer der einflussreichsten Bands des europäischen Punk-Rock der 1970er Jahre benannt ist, bekommt man als Rezensentin ja nicht alle Tage auf den Tisch. Richtig gefreut darüber hat sich jedoch mein 13-jähriger Sohn. Jeden Tag nach der Schule war seine erste Frage, ob das Päckchen mit den neusten Proben endlich da sei. Zugegeben, die heiße Sex Pistols-Phase ist schon vorbei und darüber bin ich nicht unfroh. Er neigt stets dazu, seine aktuelle Lieblingsband so exzessiv zu hören, dass die restlichen Familienmitglieder dankbar sind, wenn so eine Phase sich dem Ende zuneigt. Wer hört schon gern aus dem Munde des eigenen Kindes, ein fröhliches Singen, man sei ein “Anarchist-e” und der “Antichrist-e”. In diesem Falle war er natürlich prädestiniert als erste Testperson.

Wie auch immer, gestern wurden dann die Sex Pistols vor der Schule aufgesprüht und seine aktuellen Lieblinge Timbuktu und Puma Animagical (!) hatten Pause. Die ersten Adjektive, die ihm dazu eingefallen sind waren „männlich“ und „würzig“. Ihm gefiel der Duft, was mich nicht überraschte. Ob er objektiv war? Ich würde sagen: Nein – denn mit diesem Namen und diesem Design hat der Duft natürlich sowieso schon gewonnen.

Sex Pistols - God Save The Queen (1977)Aber er war nicht die einzige Testperson. Ich war dann doch auch neugierig. Die Duftnoten in der Analyse: Kopfnote; Zitrische Noten, Aldehyde, schwarzer Pfeffer. Herznote; Backpflaume, Leder. Basisnote: Ambra, Ambroxan, Patchouli, Heliotrop.

Er hat schon recht, mein Sohn, es riecht wirklich erst mal sehr „männlich“, was von den sehr präsenten zitrischen Noten kommt. Die Würzigkeit liegt natürlich am Pfeffer. Nicht schlecht für seine junge Nase, vielleicht kann ich ihn doch hin und wieder mal Testperson einsetzen?

Die Ledernote ist in diesem Fall als solche zu erkennen, allerdings doch anders als gedacht. Ganz sanft begleitet sie die anderen Ingredienzen und hält sich dabei vornehm im Hintergrund. Die Backpflaume hätte ich nicht erkannt, ist sie meiner Nase nach nur als süßliche Frucht zu identifizieren und Patchouli kann ich zwar auf dem Teststreifen riechen, allerdings nicht auf meiner Haut. Ambroxan verleiht dieser Mischung eine unwahrscheinlich skinnige Note, die sehr anziehend, ja geradezu sexy wirkt. Ich bin nicht sicher ob das der richtige Duft für die Schule ist…

Was genau das alles mit den Sex Pistols zu tun haben soll erschließt sich mir nicht. Muss es vielleicht aber auch nicht. Obwohl, Sid Vicious, der Bassist besagter Band, trug eigentlich immer eine Lederjacke mit nichts drunter ;-) und vielleicht hatten die Punks, ähnlich wie die Waver als waschechte Post-Punks, auch eine Vorliebe für Patchouli. Vielleicht ein bisschen an den Haaren herbeigezogen, aber wie Ihr seht, mit ein bisschen Fantasie und popkulturellem Halbwissen kann man sich alles zurechtlegen.

Ein zweifellos schöner und tragbarer Duft, der sicherlich seine Fans finden wird. Ob man allerdings ohne diesen vorbelasteten Namen nicht vielleicht mehr Menschen erreicht hätte, sei dahingestellt.

Liebste Grüße,
Mariela

Harmen

Wir kommen nun immer weiter in unserer Reihe von État Libre d’Orange-Düften, und das Prinzip bleibt glasklar: provokative Namen treffen auf Düfte, die natürlich auch verkauft werden wollen und deshalb oft nur entfernt an die angekündigten Sensationen erinnern. Das Problem bei dieser Art der Vorgehensweise ist natürlich auch, dass man oft ein wenig enttäuscht wird.

Es ist wohl das Schicksal jeder Jugendszene, früher oder später ausverkauft zu werden. Ob Techno-, Grufti-, Hippie- oder Grunge-Szene – irgendwann verschwimmen die Grenzen zwischen breiter Masse und Kommerz derart, dass die Grundidee – die Absonderung vom Mainstream – verloren geht. Das hat oft zur Folge, dass Elemente dieser Subkulturen massentauglich wieder aufgewärmt werden. Man denke nur an die T-Shirts von den Ramones, Motörhead und Black Sabbath bei H&M inklusive Nietenbändern und anderen Subkultur-Accessoires… und auch die Sex Pistols wurden vom schwedischen Kleiderladen nicht verschont – was ich damit meine, ist z. B. hier treffend illustriert.

Ich muss zugeben, dass État Libre ohne Zweifel das Parfumhaus ist, dass der Grundhaltung des Punks noch am ehesten entspricht. Wart Ihr schon einmal auf einem Punkkonzert? Hatten État Libre wirklich den Mut, das erste Parfum herauszubringen, das Bier, Schweiß, Leder, Kotze, Tabak und Haarfärbemittel zitiert? Oder handelt es sich um einen Duft für die H&M-Girlies mit strasssteinverzierten Pistols-Shirts? Wir werden sehen:

Auf dem Textstreifen und auch auf meiner Haut kommen zuerst die zitrischen Noten und süßlichen Aldehyde zur Geltung. Nachdem sich diese etwas gelegt haben, treten Pfeffer und auch Leder deutlich hervor, nach einiger Zeit ahnt man den Patchouli weit im Hintergrund. Ein durchaus angenehmer Duft, keiner der Kandidaten drängt sich auf, das Leder gibt eine etwas bittere Einfärbung, die aber nie unangenehm wird. Sex Pistols ist ein Duft für Männlein und Weiblein, absolut alltagstauglich und gerade durch die zitrischen Noten mit einem frischen und sauberen Untergrund. Bei meiner Testperson, der Euch bekannten Stephanie, zieht der Duft sogar ins Buttrige und Seifige. Ich mag den Duft, eine runde und gelungene Komposition!

Was hat dieser Duft aber mit den Sex Pistols zu tun? Ich kann mir nicht helfen, aber von Punk-Rock in der Flasche kann überhaupt nicht die Rede sein. Es drängt sich eher der Verdacht auf, dass man hier auf den oben erwähnten und vermutlich schon abgefahrenen Rocker-Zug (nach „Punkow“? ;-)) aufzuspringen versucht – oder viel schlimmer noch – das Ed-Hardy-Publikum anvisiert!? Ich möchte diesem wirklich gelungenen Duft kein Unrecht tun, aber er ist wie David Beckham: ein paar Böse-Buben-Tattoos und Punkzitate treffen auf Boy Band. Ich bin gespannt, was Ihr von dem Duft haltet!

Mit einer kleinen musikalischen Ausleitung verabschiede ich mich
Euer Harmen

PS: Der erste Bobby, der ins Bild läuft, sieht ein bisschen aus wie der aktuelle schwedische König – und der kann ja auch feiern ;-)

Hier finden Sie Sex Pistols in unserem Shop

Bildquellen: Produktbild vom État Libre-Blog; Sex Pistols – God Save The Queen (1977) by Vibracobra23, on Flickr

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Die Schöne und das Biest: Vierges et Toreros.
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Die neuen Düfte von Korres…

… fanden bereits letzte Woche Erwähnung in der riesigen Masse an Neuheiten – alle viere sind bereits bei uns eingetroffen und ich mag sie Euch natürlich nicht vorenthalten. Deshalb beginne ich heute mit der Vorstellung der ersten beiden Exemplare, White Tea/Bergamot/Freesia und Paeonia/Vanilla/Amber/Pear.

White Tea/Bergamot/Freesia hat folgende Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Neroli; Herznote: Weißer Tee, Alpenveilchen, Freesie; Basisnote: Baumwollblüte, Weißer Moschus, Hölzer.

Im Auftakt zeigt sich das Düftchen zuerst zitrisch-wässrig, Bergamotte und der immer ein wenig aquatischen Freesie geschuldet. Die Mandarine bahnt sich alsbald schüchtern ihren Weg, ein zartes und verhalten saftiges Exemplar, das von, ja, was für Noten kontrastiert wird? Ich rieche – Keks. Und zwar weich-zuckrigen, eine Art Madeleine vielleicht. Jene dezente keksig-sandkuchenartige Süße bleibt dem Duft lange erhalten. Dazu gesellen sich Noten von Tee und Baumwollblüte, die zusammen eine frische und natürlich wirkende Sauberkeit erzeugen.

Auf meiner Haut zeigt sich der Duft deutlich different im Vergleich mit dem Teststreifen: Wo bei mir die keksig-saubere (Moschus)Süße überwiegt, fördert der Streifen eine wesentlich kühlere Brise zu Tage, eine zitrisch-teehafte. Damit wären aber auch schon die beiden Pole benannt, zwischen denen sich der vollkommen unkomplizierte und angenehme Immergeher-Duft bewegt.

Ich kann ihn mir an beiderlei Geschlechtern vorstellen und das am besten im Frühling, Sommer in der Freizeit. Ein entspannender und entspannter fröhlicher Duft, der, mehr Aura als Parfum, nie zu aufdringlich werden kann.

Paeonia/Vanilla/Amber/Pear ist, man denkt es sich schon, ein Frauenduft, ein „intensiv weiblicher“ oder so ähnlich, wie es in den Vorabinfos hieß – siehe die Ingredienzen: Kopfnote: Birne, Apfel, Pfirsich; Herznote: Pfingstrose, Patchouli, Jasmin; Basisnote: Ambra, Moschus, Sandelholz.

Dabei denke ich gerade an Goutals Rose Splendide – jene herrliche nostalgische Rose umgeben von Magnolie und Birne, die mich so sentimental werden ließ beim Schreiben der Rezension. Nun – dieser Korres hier ist anderer Natur würde ich sagen. Sprechen wir bei Goutals Rose von einer Kunderaschen Leichtigkeit des Seins, einer melancholischen, bei der Licht und Schatten nahe sind, ist dieses Korres-Düftchen wohl die beschwingte Schwester davon. Und, wenn wir schon bei Verwandschaftsverhältnissen sind, die große Schwester oder gar Mutter von Goutals Birnenduft Petite Chérie, für mich einer der zauberhaftesten Mädchendüfte überhaupt.

Eine raumgreifende Pfingstrose mit stolz geschwellter Brust, fruchtig-säuerliche Birne voller Tatendrang und cremig-weiche Softeis-Vanille, unterstrichen von einer hellen und nur zaghaft würzigen Ambra – was für ein sonniges Gemüt!

Ich bin mir sicher, dass dieser Korres einige Freunde finden wird – Pfingstrose ist ohnehin ein begehrtes Blümchen, Birne nicht wahnsinnig häufig in Düften anzutreffen und diese Kombination hier so hinreißend weiblich und positiv, das man(n) ihr kaum widerstehen kann ;)

Die restlichen beiden Korres-Düfte Vanilla/Freesia/Lychee und Vetiver Root/Green Tea/Cedarwood folgen demnächst, versprochen. Wie steht Ihr den zu der Korres-Kollektion? Was gefällt Euch, was habt Ihr vielleicht sogar schon zu Hause stehen?

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Spring Field von Brian Lary, Peony 3 von Lauren Burbank, beides via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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