Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Schöne und das Biest: Tom of Finland

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft am 28.02.2011

Mariela

Dieser spezielle Duft der Krawallparfumeure aus dem Hause État Libre d’Orange entstand doch tatsächlich in Zusammenarbeit mit der Tom of Finland Foundation. Touko Laaksonen, besser bekannt als Tom of Finland, gründete sie gemeinam mit seinem Freund Durk Dehner im Jahre 1984. Ziel der Stiftung ist es, Laaksonens künstlicherisches Schaffen für die Nachwelt zu konservieren und eines der weltgrößten Erotic-Art-Archive zu verwalten.

Der 1991 verstorbene Laaksonen revolutionierte die Welt der homoerotischen Kunst. Seine Darstellungen unverschämt attraktiver, durchaus muskulös und auch sonst sehr übertrieben männlich und stramm gebauter Kerle bleiben bis heute einzigartig und unverkennbares Markenzeichen. Bei seinen Motiven handelte es sich hauptsächlich um Matrosen und Männer in Uniform. Die vielleicht ursprünglichste Darstellung schwuler Rollenklischees. Proto-Schwule sozusagen. Es macht wirklich großen Spaß diese Bilder anzuschauen, sind Männer hier doch wirklich in ihrer idealsten Form zu bestaunen :-)

Auf der Herstellerseite wird besagter Duft mit folgenden Worten vorgestellt: „a water that washes away the sins of the night and leaves the skin luminous“. Schön, wollen wir doch mal sehen was da so leuchtet…

Kopfote: Aldehyde, Zitrone, Herznote: Birke, Kiefer, Safraleine, Pfeffer, Zypresse, Galbanum, Geranium, Basisnote: Vanille, Tonkabohne, Iris, Vetiver, Styraxharz, Moschus, Ambra

Tom of Finland startet zitrisch-frisch, wird aber sehr schnell von würzigen Noten, sowie einer bei mir sehr ausgeprägten Ledernote eingeholt. Das mag wohl an Safraleine liegen, jenem Duft-Molekül mit diesem warm-würzigem Safrangeruch, der allerdings auch eine Ledernote hat. Auf dem Teststreifen kommen die Birke und Kiefer schön heraus. Auf meiner Haut aber werden sie komplett verschluckt. Safraleine ist wirklich omnipräsent und dominiert ganz klar die Herznote. Dadurch, muss ich gestehen, passiert auf meiner Haut gar nicht so viel. Im Abgang verleihen Tonkabohne mit Moschus und Ambra einen skinnig-cremigen Touch, der wirklich sexy nach warmer, süßer, frisch gewaschener Haut riecht. Man möchte sich direkt einkuscheln…

Ein Duft, den ich mir durchaus an einem muskelbepackten, attraktiven Mann vorstellen kann, von mir aus auch in Uniform. Genauso kann er auch von einer Frau getragen werden. Der Hersteller sagt ja, dass Tom of Finland keine sexuelle Orientierung habe, sondern Sex sei! Eine Ode an die Möglichkeiten, die der morgige Tag mit sich bringt.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen aufregenden Tag mit vielen „Möglichkeiten“.

Bis bald
Mariela

Harmen

Bei den Bildern von Tom of Finland ist mir eines nie ganz klar gewesen. Ist das alles bierernst gemeint und mit einer gewollt kitischigen Komponente versehen, oder haben wir es hier mit einer augenzwinkernden Überzeichnung des Männlichen zu tun, die sich erfrischend selbstironisch aufs Korn nimmt? État Libre haben übrigens auf ihrer Homepage unter „Tom of Finland“ eine kleine Bildergalerie veröffentlicht.

Auch die Duftprobe, ein rosa Wässerchen, deutet ebenfalls in diese Richtung. Hierzu noch eine Warnung. Auf dem Duftstreifen hinterlässt der Duft aus dem Hause État Libre einen violetten Fleck. Beim Aufsprühen ist also Vorsicht geboten, will man sich das weiße Ledertop nicht versauen.

Bei Tom of Finland fallen mir immer auch die amerikanische Kultfilme „Police Academy“ ein und dort vor allem die legendäre Bar „The Blue Oyster“, die ganz offensichtlich nicht die beste Salatbar der Stadt ist. Wer sich überzeugen will, sei hierhin verwiesen.

Nach dem Aufsprühen erweist sich der Duft als Ledergranate mit frischen, zitrischen Noten, die aber relativ schnell an Wirkung verlieren. Schnell kommen süßliche und für meinen Geschmack etwas schwülstige Noten zum Vorschein, wohl Vanille und Ambra geschuldet. Um es etwas klischeehaft zu formulieren: nach vorne raus Lederuniform, nach hinten raus der süße Arsch einer Drama Queen. Meiner Meinung nach ist gerade letzterer Gesichtspunkt etwas zu grell geraten, aber trotzdem ist der Duft durchaus von Frauen und Männern jeglicher Orientierung tragbar. Wer die Bilder von Tom of Finland nicht mag, sollte sich nicht abschrecken lassen, diesen Duft zu testen, und großzügig über die Aufmachung hinwegsehen.

Hier finden Sie Tom of Finland in unserem Shop

Bildquellen: Tom of Finland – Wikipedia – some rights reserved, vielen Dank!

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Duftverzeichnis


Rubj…

Geschrieben in Blüten,Duft,Gewürziges,Hesperiden am 25.02.2011

ist der dritte und letzte Duft der Schweizerin Vero Kern, der Nase hinter der Manufaktur vero.profumo.

Rubj, das Eau de Parfum, und ich, das sei schon vorab angemerkt, ist eine Hassliebe. Anfänglich fand ich Rubj untragbar, wie er sich auf meiner Haut entwickelte – in der EdP-Variante wohlgemerkt, das Extrait unterscheidet sich hier sehr deutlich, wie ich zu einem späteren Zeitpunkt auch nochmals kontrastieren möchte.

Woran liegt es? Rubj ist ein astreiner Weißblüher-Duft mit fruchtigen Tendenzen, der in der Extrait-Variante über eine animalische Zibetkomponente verfügt. Rubj dem EdP fehlt jenes Zibet, das animalische, dafür finden sich aber jene Passionsfrucht/Maracuja-Noten, die durchgängiges Thema der ganzen EdP-Serie bilden, sowie ein mehr als ordentlicher Tupfer Cumin. Jener ist es auch, der Kreuzkümmel, der verantwortlich ist für meine doch sehr ambivalenten, aber stürmischen Gefühle gegenüber Rubj.

„Ein opulentes, betörendes Parfum – nicht nur für Exzentrikerinnen und Dandys. Die liebliche Orangenblüte aus Marokko, in einem schmelzenden und schimmernden Kleid feinster Moschusnoten, wird heiß umworben vom verführerischen Jasmin aus Ägypten. Eine verheißungsvolle Verbindung. Ein Treffen im „duftenden Garten des Scheichs Nefzaui“, dem Ort geheimer Obsessionen und wilder Leidenschaften.“

Soviel Vero Kern zu ihrem Duft. Und in der Tat – Haremsdame, Konkubine, das ist, schwäbisch gemeint, nicht die schlechteste, nämlich eigentlich eine überaus zutreffende Assoziation für Rubj.

Auf der Haut angekommen offenbart jenes heißblütige Vollweib zuerst seine zitrischen Momente, deren spritziges Prickeln schon einen Vorgeschmack auf das zu geben vermögen, was danach kommen mag…

Das Herz hat es dann in sich, jeder Poet hätte seine wahre Freude daran – denn es ist wahre Poesie, die Kern da olfaktorisch umgesetzt hat: Und ewig lockt das Weibliche, das einem hier die geneigte Nase deutlich zu verdrehen vermag. Geballte weißblühende Kraft wie sie femininer nicht sein könnte wallt einem entgegen, voller Esprit, Energie und Erotik. Maracuja und jener Kreuzkümmel sind es aber, die jene Weiblichkeit in einen schwindelerregende Untiefe verwandeln: Mittels ihrer leicht dreckigen Noten, ihres subtil schweißig anmutenden Naturells unterstreichen sie die indolischen Momente des Jasmins genauso wie die morbide Seite der Tuberose. Diese gefährliche Sirene bettet sich dann auf Eichenmoos, welches bereits in zig Chypres der Parfumgeschichte unter Beweis stellen konnte, dass es Femininität verdammt sexy inszenieren kann…

Als ich Rubj das erste Mal trug empfand ich den Duft schlichtweg als – zuviel. Und konnte diese schwülstige Erotik, die ihm meiner Nase nach anhaftet, nicht ertragen. Aber wie es so ist – ich bekam und bekomme meine Nase nicht mehr weg, und sei es auch nur von einem kleinen Pröbchen, das vor mir auf dem Tisch liegt.

Rubj strahlt für mich ganz gebündelt Lust und Leidenschaft aus. Und weiß dadurch zu verführen. Mich hat der Duft schlussendlich doch noch und schon längst gefangen genommen, eine Flasche davon muss her. Für mich eine wahre weibliche Schönheit und, nochmal für mich, obgleich ich alle Kernschen Düfte sehr schätze, mit Abstand der schönste von allen.

Auch kann ich mich Vero Kerns Bild von der Frau, zu der Rubj passt, das sie in einem Interview mit Lena Brombacher für deren Blog Olfactorialist zum Besten gab, größtenteils:

„Bei rubj hatten wir gesagt, wäre Penelope Cruz toll, eine Latina. rubj könnte auch gut mit Leder getragen werden, onda natürlich auch, aber rubj braucht seinen Kontrast. Ich sehe es an einer schlanken, großen Frau. rubj hat eine gewisse Präsenz. Es muss nicht unbedingt eine üppige Frau sein. Ich mag Brüche, das macht ein gutes Parfum aus. Wenn Du plötzlich eine Seite von Dir zeigst, die sonst gar nicht sichtbar ist. Es ist wie wenn man Vintage mit Designerkleidung mischt. Das ist eine Kunst.“

Eine vor Lebensfreude und Sinnlichkeit überschäumende Latina – welch ein perfektes Bild für den Duft. Nur schlank – nein, schlank finde ich sollte sie nicht sein, die Frau. Sie sollte eher so sein wie Rubj – von allem ein bisschen zuviel haben und dabei umwerfend anziehend wirken und sein.

Rubjs Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Neroli, Passionsfrucht (Maracuja); Herznote: Jasmin, Orangenblüte, Tuberose, Basilikum, Kumin; Basisnote: Zedernholz, Eichenmoos, Moschus.

Nun seid Ihr an der Reihe: Kennt Ihr Vero Kerns Düfte? Welches sind Eure Favoriten?

Ein schönes Wochenende und liebe Grüße -

Eure Ulrike.

Bildquelle: Liquid Color von Kavewall, Penelope Cruz gezeichnet von Fabio Messina, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Vero Kern, vero.profumo, in unserem Shop.

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Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 25.02.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail bis Sonntag 24.00 an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

Darüber hinaus kommt natürlich noch, wie jeden letzten Freitag im Monat, ein ganz spezielles Präsent zur Verlosung. Diese Woche gibt es den neuen Duft von Andy Tauer – No. 11 – Carillon pour un Ange zu gewinnen – es lohnt sich! Die Rezension zum neuen Duft folgt nächste Woche von Uli.

In der letzten Woche haben gewonnen: Guido F., Wolf S., Katja M., Alexandra W. und Dorit S. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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vero.profumo die Zweite – Onda.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Krautiges,Tabak & Rauchiges am 24.02.2011

Letzte Woche habe ich Euch bereits den ersten Duft aus dem Hause der in Zürich lebenden und arbeitenden Vero Kern vorgestellt, Kiki, jener kokette Boudoir-Lavendel. Diese Woche sind nun ihre beiden anderen Düfte dran, Onda und Rubj.

Alle drei Düfte werden von Frau Kern als für beide Geschlechter geeignet beschrieben – siehe hier im Interview mit Lena Brombacher vom Blog Olfactorialist:

„Ich denke alle drei Düfte sind androgyn und können von allen getragen werden. Auch von Männern.“

Dem muss ich mich ganz uneingeschränkt anschließen, obgleich ich Onda am geeignetsten für Männer finde – und zwar sowohl die Extraits als auch die Eau de Parfums, die ich dieser Tage (zuerst) rezensiere.

Die Eau de Parfums, die Vero Kern etwas später lancierte als ihre Extraits, unterscheiden sich von diesen nicht nur durch die Intensität, sondern auch durch die Ingredienzen. Man darf also mitnichten erwarten, Kern hätte da Altbekanntes einfach etwas lauer aufgelegt, nein. Vielmehr handelt es sich bei den Eau de Parfums um leichtere, aber immer noch verdammt haltbare Variationen der ursprünglichen (Extrait)Düfte, denen jeweils andere Inhaltsstoffe beigefügt wurden, was die Motive zum Teil sehr deutlich veränderte. Eine durchgängige Thematik wählte Vero Kern allerdings bei ihren Eau de Parfums: Sie verwendete für und in allen Passionsfrucht, Maracuja – ganz im Gegensatz zu den Extraits, die diese zauberhafte Südfrucht nicht enthalten.

Mit Maracuja ist das immer so eine Sache… Ich erinnere mich da an einen Artikel des Duftpabstes Luca Turin, den dieser in seinen Duftnoten in der Schweizer NZZ-Beilage Folio veröffentlichte – es ging um „das Geheimnis des betörenden Dufts der Passionsfrucht“, jenes „schmutzigen Früchtchens“. Turin schreibt dazu unter anderem Folgendes:

„Die grosse Duftfirma Haarmann und Reimer unternahm 1998 eine gründliche Analyse der von der Passionsfrucht abgesonderten Moleküle und isolierte 180 bis dahin unbekannte Moleküle, darunter 47 Schwefelverbindungen, deren Geruch von faulem Kohl bis zu verstopftem Siphon reichte. Wie nahe Schönheit und Hässlichkeit beisammenliegen, wird nirgends so offenbar wie bei tropischen Früchten.

Weshalb haben tropische Früchte diesen Hang zum Schmutzigen? Liegt es daran, dass sie mit starken Fäulnis- und Verwesungsgerüchen um die Aufmerksamkeit von Vögeln konkurrieren müssen? Einem konventionellen Fruchtduft eine winzige Dosis von Fäulnis beizumischen, wirkt so belebend, wie wenn Sie herausfinden, dass Ihre Kollegin von der theoretischen Physik früher mal als Stripperin arbeitete.“

Schon bei Kiki – der ohnehin zumindest bei mir strippende Assoziationen weckte, musste ich doch unentwegt an moderne Burlesquetänzerinnen und deren Vorbild Dita von Teese denken – ist die Maracujanote durchaus präsent und verströmt ein flirrend-flirtiges Charisma. Bei Onda ist es nicht anders, jenem Duft für “beseelte Genießerinnen”…

Neu auf der Haut angekommen verbreitet Onda zuerst den tiefen Charme erdig-rauchigen Vetivergrases – des Hauptprotagonisten des Duftes. Samtig-erdige Iris ist seine vorrangige Begleiterin, die ihm hervorragend gut zu Gesicht steht, während Ingwer mit der ihm genuinen fruchtigen Herbheit den Weg bereitet. Von zitrischen Sternen ist jenes Bild gesäumt, dessen hingebungsvolle Natur von dickflüssigem Waldhonig unterstrichen wird. Der Vetiver wird im Laufe des Duftes salziger und gewinnt an Würze, was einen interessanten Kontrast zu der durchaus präsenten Maracujafrucht bildet: Subtile Süße und ein wenig dreckige Erde, Leidenschaft pur auf einem angewärmten und überaus weichen Bett.

Und für wen ist denn Onda nun gedacht? Vero Kern in obigem Interview verrät ihre Intention – oder eben auch nicht:

„Bei onda ist es ganz schwierig. Es kann eine dunkelhaarige oder eine blonde Frau sein. Sie trägt einen Smoking und High Heels von Yves Saint Laurent. Charlotte Rampling passt toll zu onda!“

Mich wundert nicht, dass es Frau Kern recht schwer fällt, dem Duft eine bestimmte Frau zuzuordnen – passt er doch auf viele Frauen (und auch Männer), aber trotzdem nur zu einem ganz besonderen Menschen, der gerne dieselben Kontraste, Brüche und Kanten aufweisen darf, die ihn genauso wie Onda zu dem genauen Gegenteil eines Jedermanns machen.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Mandarine, Ingwer, Passionsfrucht, Basilikum, Muskatnuss, Koriander; Herznote: Ylang-Ylang, Honig, Iris; Basisnote: Vetiver, Patchouli, Moschus, Zedernholz, Ambra.

Einen schönen Tag Euch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Charlotte Rampling by Helmut Newton (1973), some rights reserved.

Hier finden Sie die Düfte von Vero Kern, vero.profumo, in unserem Shop.

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Duftpaare…
Vero.Profumo…
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Die Top-Ten des Winters…

Geschrieben in Allgemein,Duft am 23.02.2011

… können wir ruhig nochmals aufrollen, denn er ist noch nicht vorbei. Was waren, sind Eure Lieblinge? Was tragt Ihr in dieser Saison? Welche Neuveröffentlichungen haben Euch das Herz gewärmt und die Geldbörsen geöffnet?

Was letztere angeht hat es mich mit einem Duft diesen Winter schwer erwischt: Mit État Libre d’Oranges wunderbarer Hommage an die zauberhafte Tilda Swinton. Like This war meine Entdeckung diesen Herbst und Winter. Ich liebe diesen trocken-warmen Duft, der auf so eine eigenartige Weise Weiblichkeit ausstrahlt genauso wie Geborgenheit. Deutlich nehme ich jene Noten war, die Madame Swinton verbal bildhaft skizzierte: Babykarotten und Kürbis inmitten schottischer Highlands, aus denen sie stammt. Nach Hause kommen mit einem Duft – Like This beschert mir exakt jenes Gefühl.

Gut fühlen in meiner Haut kann ich mich auch mit Nirmal aus dem Hause Laboratorio Olfattivo: Diese zarte pudrige Iris-Karotte mit ihren ledrigen Akzenten geht mit meiner Haut eine liebenswerte Symbiose ein, die mich wohlig glücklich stimmt und mich ganz zu mir bringt. Ein tolles Gefühl dank einem tollen Duft – ich würde schon fast sagen Aromatherapie…

L’Artisan Parfumeur hatten ebenfalls zwei meiner Lieblinge im Gepäck, von denen einer ein naher Nirmal-Verwandter ist: Traversée du Bosphore, ein Wanderer zwischen den Welten. Ebenfalls ein hautnahes samtenes Irisleder, das auf sehr behutsame und moderne Art mit Gourmandakzenten türkischen Lokums verziert wurde. Feminines Understatement und ein echter Glücksgriff Monsieur Duchaufour!

Dem in nichts nach stand für mich der Ausnahmevetiver von Karine Vinchon-Spehner, Cœur de Vétiver Sacré: Voller innovativer Ambivalenz schuf sie einen Vetiver, der unendlich viele Facetten jenes Grases abzudecken vermochte und sich somit komplett von allen anderen, sich monothematisch um dasselbe rankenden Kompositionen abhob. Zugleich grün, rauchig, bitter, leuchtend, süß, warm, fruchtig und schillernd – das muss man jenem Vetiver erstmal nachmachen.

Natürlich wärmten mir auch einige alte Düfte das Herz, allen voran meine heiße und hingebungsvolle Liebe Iris Poudre aus der Malle-Edition: Selten habe ich mich so sehr Frau gefühlt wie mit diesem Duft. Zurückhaltend und dabei weiblich und präsent, fließend wie ein Cashmere-Seiden-Pulli auf der Haut. Wie schrieb Erich Mühsam: „Ach, es ist der Traum der Liebe, den ich durch die Seele siebe.“ Hier gibt es nichts mehr zu sieben und auch nichts mehr zu suchen, denn: Ich habe gefunden. Und bin nach wie vor schwer verliebt.

Der Winter hat mich mal wieder in die Fänge von Joseph Conrad getrieben, dessen Erzählungen ich noch nicht alle kannte, was es nachzuholen galt. Denn Heart of Darkness, sein Herz der Finsternis, hat zuviel Strahlkraft, jenes exzellente Stückchen Literatur. Und dieses erinnert mich immer an Borneo 1834 aus dem Hause Lutens, der für mich exakt jene dunkle Wildheit auszudrücken vermag, die mächtige, die neben der Zivilisationskruste wuchert und lockt. Abenteuer, Tiefen und Untiefen – und nebenbei einer der schönsten Patchoulidüfte des Planeten.

In der Wildnis lauert auch gerne mal – der böse Wolf, das wusste nicht nur Rotkäppchen, eigentlich. L’Artisan Parfumeurs Méchant Loup hat eine ganze Zeit auf der Lauer gelegen in meinem Parfumschränkchen und schon langsam Staub angesetzt. Bis ich eines Tages einmal aufs Neue entdecken durfte, wie schön dessen Haselnuss-Lakritz-Noten sich auf meiner Haut entfalten. Ein perfekter früher Duchaufour, dem ich definitiv in Zukunft wieder mehr Aufmerksamkeit schenken werde.

Ebenfalls zu Unrecht in Vergessenheit geriet Odoris Tabacco – vielleicht unter anderem auch wegen der zwar hübschen, aber vollkommen unhandlichen Flasche? Eine Ode an das Tabakblatt mit einer honiglich-rauchigen Süße, die von interessanten frisch-spritzigen Eukalyptus-Bitterorange-Noten akzentuiert wird. Etwas, das Tabacco von den meisten anderen seiner süßen Tabak-Vanille-Genossen wie zum Beispiel Tobacco Vanille von Tom Ford unterscheidet und tragbarer macht.

So meine Lieben, jetzt seid Ihr an der Reihe!

Einen schönen Tag wünscht Euch Eure Ulrike.

Bildquelle: État Libre d’Orange, Iris Mystique von WillowW via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Antizyklisch (be)duften oder: Sommer her mit den Hamptons.
Glockenspiel für einen Engel…


Der russische Winter…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gewürziges,Holziges am 22.02.2011

… der sprichwörtliche, hat uns die letzten Jahre hier in Deutschland nicht wirklich verschont: Jedes Jahr aufs Neue wird bereits September, Oktober schon darüber spekuliert, ob es nun wieder einen Jahrhundertwinter gibt, Schneechaos macht sich häufig schon lange vor und dann noch nicht mal direkt an Weihnachten in Deutschland breit, sehr zum Unmut vieler Kinder. Und kaum freut man sich im Januar dann über ein paar gemäßigte Tage, hat einen Väterchen Frost bald wieder zwischen den eisigen Fingern, aus denen er einen ungerne vor März wieder entlässt.

Will sagen: Wir sind noch mittendrin in diesem Winter. Und, allen Blümchen zum Trotz, die mich dieser Tage immer mal wieder olfaktorisch überfallen haben, nach denen ich mich gesehnt habe wie nach den ersten Tulpen, jenen Boten des Frühlings – es ist noch Platz und Zeit für Winterdüfte.

Ich habe mal wieder sehr gefroren dieser Tage in meinem prächtigen und exzellent isolierten Altbau hier und falle bei derlei Temperaturen ähnlich wie Gevatter Bär in eine Art Winterstarre: Am liebsten irgendwo unter einer Decke verkrümeln, eine Duftkerze an, eine große Kanne Tee und ein gutes Buch – niemals nicht vor die Türe, und wenn, dann wenigstens gut gewappnet.

Dazu gehört nicht nur ein dicker Wintermantel, sondern im besten Falle auch ein idealer Duft. Und ein solcher, der einen von innen wärmt bei klirrender Kälte, ist Ambre Russe von Parfum d’Empire.

Die Firma des Sizilaners Marc-Antoine Corticchiato hat es sich zum Ziel gesetzt, mit ihren Düften bedeutenden Epochen olfaktorisches Leben einzuhauchen – und verhilft mit Ambre Russe der Zarenzeit zu einer Renaissance. Was stellt man sich darunter vor? Gedanken an die russische Seele, Melancholie, Wodka und überschäumende Gefühle in jegliche Richtung und jeglicher Art…

Das passt schon zu den Ingredienzen, die Ambre Russe uns bereithält: Kopfnote: Champagner, Wodka; Herznote: Tee, Ambra, Zimt, Koriander, Kumin; Basisnote: Weihrauch, Leder, Vanille.

Bereits der Auftakt beschert mir einen halben Schwips, denn alkoholische Noten sind definitiv präsent und zeigen sich in lüsterner Umgebung: Honigsüße drängt sich mir entgegen vor dem Hintergrund brennender Bienenwachskerzen, die rußig vor sich hinflackern. Vorhang auf für den Ambra-Zaren: Kräftige Ambra, dunkel, majestätisch und trocken thront über allem, von Weihrauchschwaden harzig-trocken umhüllt. Mit deren Rauchigkeit eine Symbiose eingehend duftet der Tee hinein, bester russischer Schwarztee, auf einem Tablett feinsten Wildleders serviert. Jenes ruht auf einer weich-würzigen Vanillebasis, die von Gewürzen samt einer sehr sanften (und diesmal nicht schweißigen) Kuminnote vervollkommnet wird.

Ambre Russe ist – wie der Zar – ein Herrscher von Gottes Gnaden: Für mich persönlich der Holy Grail in Sachen Ambra. Ein großartiger Vollblutduft voller Phantasie, der mächtige Bilder zu evozieren vermag. Eigen, sinnlich, warm und charaktervoll und von einer erlesenen Präsenz. Da ich wirklich den Russen in ihm zu sehen vermag muss ich immer an eine meiner Lieblingskrimiserien denken, die in derselben Zeit spielt, in die Ambre Russe einen versetzen mag: Boris Akunins Fandorin-Romane.

Fandorin, Sonderermittler des Zaren, ein dandyesker Schöngeist blauen Blutes und von schönem Wuchs, der als eine Art Mischung aus Sherlock Holmes, Arsène Lupin und James Bond Fälle im opulent-dekadenten Russland des 19. Jahrhunderts löst. Exakt die richtige Lektüre für Winternachmittage auf dem Sofa – samt jener Kanne dampfenden Tees und eingehüllt in Decke und Ambre Russe?

Kommt bei mir gar nicht so selten vor. Und bei Euch? Kennt Ihr Duft und/oder Buch?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Hier finden Sie Ambre Russe in unserem Shop.

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Die nächste Eiszeit ist da!


Die Schöne und das Biest: Sécrétions Magnifiques

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft am 21.02.2011

Mariela

Ich muss zugeben, diesen Duft zu rezensieren fällt mir schwer! Zu viel Schlüpfriges hat man schon darüber gelesen. Hier die Ingredienzen:

Kopfnote: Blut, Adrenalin, Ozonische Noten
Herznote: Milch, Iris, Kokosnuss
Basisnote: Sandelholz, Opoponax

Sie tragen nicht gerade dazu bei, dass sich bei mir eine sonderlich große Vorfreude auf den Duft entwickelt. Zudem soll diese Melange diversen Körperflüssigkeiten wie Blut, Schweiß, Sperma und Speichel nachempfunden sein. Zwischenzeitlich habe ich mich schon tief in die Welt der Nischendüfte gewagt und einiges gerochen, was gewöhnungsbedürftig war, aber mein Wunsch nach Körpersekreten zu duften, hält sich doch sehr in Grenzen. Allein den Tester zu öffnen, habe ich lange nicht gewagt, doch was sein muss muss sein! Nennt mich prüde, aber einen Pimmel auf dem Flakon bzw. Tester und sei er auch noch so niedlich dargestellt, muss ich nicht haben. Zunächst muss eben der Teststreifen herhalten, danach erst entscheide ich, ob die „großartigen Sekrete” überhaupt an die Haut dürfen.

Zu Beginn finde ich ihn nicht einmal unangenehm, Blut und Adrenalin kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen, ozonische Noten umso mehr. Diesen haften ja die Attribute sauber, frisch und stechend an, und das trifft es bei mir auch hundertprozentig. Der Teststreifen liegt hier neben mir auf dem Schreibtisch und mir brennen die Augen. Am Anfang schiebe ich es auf eine beginnende Erkältung, aber es scheint an diesem Duft zu liegen. Sobald ich den Schreibtisch verlasse, hört es auf. Kein guter Start, zugegeben. Etwas später mischt sich eine süß-blumig-schwülstige Note hinein, die ich jedoch nicht genau identifizieren kann. Vielleicht die Iris in Verbindung mit Milch? Kokosnuss ist es auf keinen Fall.

Es ist wahrlich nichts, was mir gefällt; nichts, was ich mir auf die Haut sprühen möchte. Es riecht einfach unangenehm, obwohl ich da wirklich keinerlei Blut entdecken kann. Dazu fehlt die metallische Note.

Vielleicht kann ich den Duft am einfachsten so beschreiben: Vor einigen Jahren besuchte ich mal einen Freund, er lebte damals mit seinem Bruder zusammen. Der Bruder war frisch verliebt und hatte an diesem Tag Besuch von seiner Flamme. Stundenlang waren sie in seinem (kleinen) Zimmer! Als sie dann abends zum essen gingen und wir irgendwas aus dem Zimmer brauchten, schlug uns ein ähnlicher Duft wie Sécrétions Magnifiques entgegen. Es wird einem leicht übel, und man sehnt sich dringend nach frischer Luft.

Wer diesen Duft trägt, ist mutig! Man muss auch was aushalten können. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass er seine Liebhaber findet. Kunst muss nicht immer schön sein, warum soll es bei Düften anders sein?

Harmen

Hier haben wir es wohl mit dem provokantesten État Libre-Duft zu tun. Ich habe mich in meinen letzten Rezensionen manchmal beschwert, dass das erwartete Konzept nicht durchgezogen sei und dass mit Pauken und Trompeten eigentlich recht gefällige Düfte angekündigt würden. Und jetzt war ich ganz darauf vorbereitet, dass auch „Sécrétions Magnifiques“ zwar einen rosa Schwengel ins Bild hält, aber letzten Endes doch ganz zahm sein würde. Weit gefehlt.

Zum Titel – herrliche Sekrete – ein Spritzgussteil: schockierend finde ich das überhaupt nicht, aber man muss sich schon etwas trauen, um einen solchen Duft herauszubringen. Ich rieche vorsichtig am Tester und, liebe Leser, mir ist schlecht. Nicht wirklich würfelhustenschlecht, aber stark in diese Richtung.

Ich spritze das Werk nun auf den Teststeifen und nehme erst einmal blumige Noten wahr, die vermutlich der angegebenen Iris zuzuschreiben sind. Tapfer bleiben. Doch diese Erfrischung währt nicht lange, schon bald bricht sich ein blutiger Geruch Bahn, ein wenig Eisen, aber dann doch eher ein ziemlich altes Pflaster. Hinzukommt ein widerwärtiger Eiweißgeruch, ranzige Butter im Verein mit verdorbener Milch. Ich glaube, dass gerade diese Lebensmittelassoziationen den großen Ekel hervorrufen. Das Ganze ist eine richtig fiese, nasale Penetration.

Kopfnote: Blut, Adrenalin, Ozonische Noten; Herznote: Milch, Iris, Kokosnuss; Basisnote: Sandelholz, Opoponax

Antoine Lie hat mit diesem Duft ein großes, hartes Meisterwerk erschaffen, das meiner Ansicht nach völlig untragbar ist – und ich weigere mich auch, mir diesen Duft auf die Haut zu sprühen. ABER: ein Meisterwerk ist das Parfum deswegen, da es als Körperflüssigkeiten-Konzeptduft perfekt umgesetzt ist, und das gilt es nun auch zu honorieren. Dem einen oder anderen Hartgesottenen wird der Duft sicher gefallen, ich habe mir sagen lassen, dass er sich auf mancher Haut auch recht vorteilhaft entwickelt. Ansonsten aber einen Riecher wert, denn Kunst muss nicht schön und schon gar nicht tragbar, sondern gut gemacht sein, und das ist „Sécrétions Magnifiques“ in jedem Fall.

Bis bald und an der frischen Luft
Harmen

Hier finden Sie Sécrétions Magnifiques in unserem Shop

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Die Schöne und das Biest: Fat Electrician.
Nacktheit…
Duftverzeichnis


Vero.Profumo…

Geschrieben in Duft,Krautiges,Reines und Pudriges,Tropisches am 18.02.2011

… ist die 2007 ins Leben gerufene Manufaktur der Schweizerin Vero Kern, die sich damit einen lang gehegten Traum erfüllte. Im stolzen Alter von 55 Jahren orientierte sich Kern nach Jahrzehnten der Berufstätigkeit als Pharma-Assistentin sowie bei Swissair noch einmal komplett um – etwas ganz anderes wollte sie machen und dabei ihrer Leidenschaft freien Lauf lassen: Der Liebe zum Duft. „Ich wollte in mich selber investieren, alles herausholen, was ich kann“, sagte Kern in einem Interview dem Schweizer Tagesanzeiger. „Ich wollte etwas machen, das ich von A bis Z selber gestalten kann. Das Parfum gab mir diese Möglichkeit.“

Schon 1994 machte sie sich mit einer eigenen Praxis selbstständig, in der sie für ihre Kunden individuelle Düfte und Duftmischungen auf aromatherapeutischer Basis kreierte. Darauf folgte dann eine Ausbildung zur Parfumeurin, die sie in Paris bei Monique Schlienger absolvierte – an der Schule, an der auch Lyn Harris von Miller Harris gelernt hatte. Ihr erster eigener Duft erblickte dann 2007 nach fünf Jahren Entwicklungsarbeit in der heimischen Küche das Licht der (Parfum)Welt – Kiki. Zwei weitere Düfte ließen nicht lange auf sich warten – es folgten alsbald Onda und Rubj, denen hoffentlich noch viele weitere folgen werden.

Denn – Vero Kern ist, ähnlich wie Andy Tauer, ein echtes Unikum auf dem Parfummarkt: Voller Leidenschaft und Hingabe schafft sie Düfte, die exakt jenes Herzblut ausstrahlen sowie jene Passion, aus denen sie entstanden sind. Eigen, kantig und auf eine gewisse Art und Weise rau wie Rohdiamanten üben sie in ihrer eindringlichen Präsenz, welche unter anderem auch auf ihre hohe Konzentration und den hohen Anteil erlesener natürlicher Rohstoffe zurückzuführen ist, eine besondere Faszination auf mich aus, seitdem ich sie das erste Mal testen durfte. In den nächsten Tagen nun möchte ich Euch die ganze Serie ihrer Eaux de Parfums vorstellen, heute beginnen wir mit Kiki. [Die Extraits, die es von allen Düften ebenfalls gibt und die sich von diesen durchaus unterscheiden, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen.]

Kiki ist ein Duft „für bekennende Individualistinnen mit französischem Chic.“ Und Vero Kern führt weiter aus:

„Meine Hommage an die Stadt Paris, wo ich das Parfum-Metier erlernte. Ein fast schon burlesker Auftritt der stolzen Madame Lavande de France. Madame wird umtänzelt von frivolen und puderigen Karamell- und Moschusnoten. Exotische Früchtchen klimpern freudig mit den Wimpern dazu. Keusch und wild zugleich, wie ein Besuch in der Bibliothèque nationale mit anschließendem Diner-Spektakel im „Crazy Horse“.

Ein Lavendelluder demnach, mich natürlich sofort an Dita von Teese und den momentanen Hype um Burlesque-Tänzerinnen erinnernd. Und in der Tat – das passt zu dem Duft.

Auf der Haut angekommen wirbelt zuerst eine überaus ungestüme und temperamentvolle Lavendeldiva umher, die voller Dominanz und Präsenz ernstgenommen werden möchte. Ein autoritäres Persönchen, das sich augenblicklich Gehör verschafft, in der Tat. Kaum richtig angekommen offenbart jene Madame de Lavande allerdings ihre keck-frivole Ader: Ihr warmer krautiger Körper, dem nichts von der sonst ihr eigenen medizinischen Natur anhaftet, offenbart exotische Gelüste – ein tropisch-fruchtiges Bouquet, üppig und betörend, das von den Gourmandnoten der Basis noch unterstrichen wird. Karamell und Moschus leisten hier ganze Arbeit und kreieren mitsamt der Passionsfrucht eine sinnlich-wollüstige Aura voll samtig-pudriger Anklänge

Und an was für eine Frau richtet sich der Duft? Vero Kern beantwortete die Frage im Interview mit Lena Brombacher für deren Blog Olfactorialist folgendermaßen:

Bei kiki denke ich an eine sehr lebendige Frau, es könnte auch eine Journalistin oder Schrifstellerin sein – dieser pudrige Lavendel. kiki ist fruchtig und für mich hat es eine schnelle Energie drin, aber der Lavendel holt auch runter. kiki ist ein frivoler Duft. Er passt zu Sybille Berg.

Zugegeben, ich bin kein großer Berg-Fan, vermutlich hätte ich diesen Duft dann lieber vielleicht an Françoise Sagan gesehen, jener Maserati-fahrenden Schriftstellerin, die uns unter anderem das charmante Buch Bonjour Tristesse hinterließ oder vielleicht an Colette, jener legendären Pariser Varietékünsterlin und Autorin… aber auch Frau Berg hat ja höchst unterschiedliche Seiten, insofern passt der Duft vielleicht doch nicht so schlecht.

Kiki trägt seinen Namen zu Recht – ein kecker, nur so vor Leben sprühender Duft, feminin, fröhlich sowie lustvoll und körperbetont. Die Ingredienzen: Kopfnote: Lavendel, Bergamotte, Zitrone, Passionsfrucht; Herznote: Lavendel, Geranium; Basisnote: Karamell, Patchouli, Moschus.

Die restlichen Vero.Profumo-Düfte folgen nächste Woche – bis dahin Euch ein schönes Wochenende und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Colette 1907 in ihrem Programm “Der ägyptische Traum”, das sie im Moulin Rouge tanzte – Aufnahme via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Vero Kern, vero.profumo, in unserem Shop.

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Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 18.02.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere allseits bekannte Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen zu geneigten Nasen – wer eines davon sein Eigen nennen mag, schreibt uns bis Sonntag 24.00 Uhr eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Renate Y., Petra K., Alexandra M., Tanja F., Sigrid L. - herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Euer duftes Team

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Und es hört nicht auf…

Geschrieben in Ankündigungen am 17.02.2011

… mit den Neuigkeiten in diesem ersten Quartal des Jahres 2011 – da wieder einiges Interessantes dabei ist, möchte ich Euch nichts vorenthalten.

Bei Waity Katie aka Kate Middleton und Prince William ist es endlich soweit – am 29. April wird geheiratet. Das haben Floris, schon seit Jahrzehnten Hoflieferant der Royals, zum Anlass genommen und einen Duft geschaffen, der jenen Entschluss des neuen alten Traumpaars feiern soll:

„Created exclusively to celebrate the marriage of Prince William to Miss Catherine Middleton, Wedding Bouquet draws inspiration from the most acclaimed Floris wedding fragrances of the past whilst introducing a modern twist using a white flower theme.“

Und weiter:

„Wedding Bouquet has been created by drawing inspiration from the most popular Floris wedding fragrances from the past and introducing a modern twist using a white flower theme.“

Die Ingredienzen: Maiglöckchen, zitrische Noten, Jasmin, Orangenblüte, Stephanotis, Sandelholz und Moschus, wobei die Ingredienzen durchaus bewusst gewählt wurden, haben sie doch folgende Bedeutungen für das Haus Floris:

„Jasmine to signify eternal love, Lily of the Valley says ‘you have made my life complete’, Orange Blossom conveys innocence and marriage, Stephanotis signifies happiness in marriage.“

Die Sprache der Blumen – Ich würde sagen da kann ja nichts mehr schief gehen, oder? ;)

Im Hause L’Occitane rumort es auch äußerst blümerant: Ein neues Eau de Toilette namens Fruchtige Rose / Rose Jardin Délice ist soeben erschienen:

„Eine frische, zarte und saftige Duftkomposition mit ätherischem Rosenöl und Himbeer- und Preiselbeertee. Der Duft Fruchtige Rose verbindet die sonnige Sanftheit der ländlichen Rosen mit den köstlichen Noten der süßen, roten Beeren.“

Die Ingredienzen: Kopfnote: Schwarze Johannisbeere, Litschi; Herznote: Rosen aus Grasse, Bulgarien, Marokko und der Türkei, Himbeeren, Moosbeeren; Basisnote: Sandelholz, Moschus.

Darüber hinaus kommt eine limitierte Edition auf den Markt namens Fleurs de Brignoles / Plum Blossom, Pflaumenblüte:

„The Limited Edition Plum Blossom collection, is a springtime floral composition with a luminous, rich fruity trail. Throughout spring, the blossoming plum trees enchant the Provencal village of Brignoles with their white petals and a deliciously floral fragrance. Simply put, the scent is irresistible!“

Deren Ingredienzen: Kopfnote: Pflaumenblüte, Pflaumenblütenblätter, Heidelbeere; Herznote: Birne, Pflaume; Basisnote: Sandelholz, Kaschmirholz, Moschus.

Wenn wir schon bei Pflaumenblüte sind ist auch die Kirschblüte nicht weiter – derselben hat sich Jo Malone angenommen: Nach ihrem erst gerade lancierten Tee-ViererFünfer gibt es von ihrer Seite ab Mai einen weiteren neuen (leider limitierten wohl doch nicht limitierten ;)) Duft mit Namen Sakura Cherry Blossom. Kreiert wurde dieser von Christine Nagel, die folgende Ingredienzen verwendete: Bergamotte, Mandarine, Kirschblüte, Mimose, Rose, Moschus, Hölzer.

Christine Nagel war auch für jemand anderen aktiv, nämlich für unsere Lieblinge aus Frankreich, für Etat Libre d’Orange: Archives 69 ist benannt nach der Pariser Adresse des Labels, aber trägt natürlich auch einen EldO-typischen Beinamen – The Illusion of Sex. Dazu EldOs Beschreibung:

„She carries her memories like her scent. They surround her, they endure, and they speak her name. She is a collector, and among her souvenirs can be found the beauty of beginnings, the ache of endings. In the sanctuary of her heart lie the sacred and the profane, they come together like the notes of her fragrance. She doesn’t linger long at the altar of regret. She lights the candle and burns the incense at the shrine of remembrance and expectation, pleasure and pain, in anticipation of the glorious memories yet to create.“

Und weiter:

„Pleasure is the flower that passes; remembrance the lasting perfume – Jean de Boufflers“

Irgendwie hört sich das bitter an. Da ist es wieder, eines meiner Lieblingszitate von Nietzsche: „denn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“ – den Moment nicht anhalten, konservieren zu können… Vielleicht ja aber kreiert der Duft eine solche wehmütig-wunderschöne Momentaufnahme extrahierten Glücks, reiner Leidenschaft und Hingabe? Die Ingredienzen: Mandarine, rosa Pfeffer, Pimentblätter, Orchidee, ozonische Noten, Pflaume, Kampher, Benzoeharz, Patchouli, Weihrauch und Moschus.

Hier ein kleines Video vom Firmeninhaber Etienne de Swardt zum Duft:

Den Rest meiner heutigen Ankündigung verweilen wir weiter in Frankreich: Die Cognacbrenner von Frapin erweitern fleißig ihre schöne Duftlinie – und zwar ab März mit 1697, einem limitierten Jubiläumsduft, der seinen Namen zu Ehren des Jahres trägt, in dem die Familie von Ludwig XIV. eine besondere Ehrung erfährt durch ein ihnen übergebenes Schild. Nun wollte man die Sinnlichkeit und die Lebenslust des Sonnenkönigs, für die er berüchtigt war, nochmals aufleben lassen mittels eines Duftes – kein geringerer als Bertrand Duchaufour wurde dafür verpflichtet und wenn ich Euch jetzt die Ingredienzen verrate, seid Ihr sicher genauso gespannt wie ich: Rum, Davana, rosa Pfeffer, Akazienblüte, Jasmin, Hagedorn, Ylang-Ylang, Gewürznelke, Zimt, getrocknete Früchte, Rose, Tonkabohne, Ambra, Vanille, Zedernholz, Patchouli, Labdanum und weißer Moschus. Ich finde das hört sich traumhaft an.

Die Götterboten von Hermès erweitern ihre Garten-Kollektion: Zu den bisherigen Gärten Un Jardin en Méditerranée, Un Jardin sur le Nil und Un Jardin après la Mousson kommt nun Nummer vier hinzu, Un Jardin sur le toit, was soviel wie „ein Garten auf dem Dach“ heißt. Inspiriert sieht sich der Duft durch den Dachgarten des Hermès-Headquarter in der 24 Rue du Faubourg Saint-Honoré in Paris und da natürlich wieder Jean-Claude Ellena, deren Hausparfumeur, die Nase dahinter ist dürfen wir wie ich denke einiges erwarten. Die Ingredienzen: Apfel, Birne, Blattgrün, Gräser, Rose, Magnolie, Basilikum und – Kompostnoten?!

Pierre Guillaume von Parfumerie Générale erfreut uns mit einem limitierten Duo namens Praliné de Santal und Tonkamande (Tonka und Mandel). Ersterer soll wohl Noten von Sandelholz, Haselnuss, Heliotrop, Zedernholz sowie Cashmeran enthalten. Letzterer ist eine Hommage an die beiden bereits zitierten Ingredienzen und zeigt ansonsten Noten von Milch und Aldehyden. Ich sehe schon, für Gourmandfans sicher ein Fest.

Damit schließe ich heute und wünsche Euch einen schönen Tag -

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Ist etwas für Euch dabei? Macht Euch etwas neugierig?

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