Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Der Duft der Berge: Edelweiss.

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Reines und Pudriges am 20.01.2011

Brigitte Witschis Duft edelweiss aus ihrer Bergduft-Kollektion ist dem wohl bekanntesten Pflänzchen der Alpen gewidmet, jenem vieldeutigen, das als das Symbol der Alpinisten gilt.

Hoch auf Felsen, nah beim Eis,
nahe bei dem Licht der Sterne
blühst du, holdes Edelweiß,
allen andern Blumen ferne,
fern von aller Frühlingslust
einsam an der Felsen Brust.
Hermann Lingg

Jene kleine Pflanze hört auf diverse, zum Teil klangvolle Namen wie Stella Alpina, der Alpenstern, Löwenfuß oder Katzenpfötli, Wullblume, Irlweiß und Edelweiß. Das mittlerweile stark gefährdete und streng geschützte Edelweiß ist ein echter Sonderling: Klein und wollweiß-filziger Anmutung bevorzugt es felsige Kalksteinumgebung in Höhenlagen von zwischen 1800 und 3000 Metern und wächst auf steinigen Wiesen und Kalksteinfelsen – dabei ist es vermutlich kein ursprünglicher Alpenbewohner, sondern sehr wahrscheinlich ein zentralasiatischer Einwanderer.

Um das Pflänzchen ranken sich viele Sagen: So ist es wohl aus heißen Tränen entstanden, welche die Eisjungfrau weinte ob ihres geliebten und leider untreuen Jägermannes. Aus lauter Verzweiflung darüber stürzte sie sich in eine Gletscherspalte. Ihre Tränen glitzerten bis heute in Form des Alpensterns an schroffen Felsen und sollen, wie gemein, jene Begehrenden, die ihm habhaft werden wollen, aus Rache wanken lassen und in den Abgrund reißen. Im Italienischen erzählt man sich, das Edelweiß käme vom Mond oder wäre wahlweise eine Seele eines kleinen verstorbenen Leuchtkäferchens – weitere nette Details lassen sich vorzüglich hier nachlesen.

Jene Pflanze aus der Familie der Korbblütler fand darüber hinaus nicht nur in Asterix Verwendung als Bestandteil eines heilenden Trunks, es werden ihr schon seit je her heilende Eigenschaften unterstellt: So wurde Edelweiß früher mit Milch und Honig verkocht gegen Bauchschmerzen eingesetzt, was ihm den bayrischen Kosenamen „Bauchwehbleaml“ einbrachte. Seine Popularität in den Sagen dehnte sich auch auf das Alltagsleben der Menschen aus: Es wurde zum Beispiel dazu verwendet, Kühen geschwollene Euter einzureiben, um die bösen Geister zu vertreiben, die jene „gebissen“ hatten. Des weiteren wird ihm nachgesagt, eine Art Liebesamulett zu sein und Liebe stiften zu können – natürlich auch dort, wo sie vielleicht eigentlich nicht von selbst entstehen mochte. Dieser vermeintliche Liebeszauber scheint ursächlich dafür verantwortlich gewesen zu sein, das Edelweiß fast ausgerottet zu haben.

Witschi orientiert sich mit ihrem Duft edelweiss natürlich nicht an dessen fragwürdiger Heilwirkung auf kranke Kuheuter, sondern bezieht sich auf das Edelweiß und seinen mysteriösen Liebeszauber, seine Symbolkraft als Liebesbeweis. So lag ihr daran, mit edelweiss einen Duft zu schaffen, der „seine Trägerin mit einer reinen Frische umstrahlt, die sich im Laufe der Zeit in einen magischen pudrigen Hauch verwandelt.“

edelweiss beginnt im Auftakt in der Tat luzide strahlend, ein unidentifiziertes fruchtiges Etwas (Mandarine? Pfirsich?), das von einem Hauch zitrischem Traubenzucker sowie Zitronenbaisernoten weich umhüllt wird. Die Verknüpfung zum Duft ist gelungen – ich assoziiere Weiches, Wollenes, Filzig-Samtiges sowie alle möglichen Spielarten der Farbe Weiß. Im Laufe der Zeit zeigt sich das Herz vorsichtig mit zurückhaltenden Blüten – Jasmin, überaus zivilisiert und für mich hier lediglich als Weißblüher zu erkennen, sowie Iris in einer pudrig-samtenen Interpretation. Die Basis rundet den Duft mit Tonkabohne, jener Vanilleschwester, ab und senkt einen Schleier von Mandelpuder über das ganze olfaktorische Geschehen.

Alles in allem ein schönes Pendant zur Blüte: Sanft und weich, aber eigenwillig und nicht ohne Reize, leuchtend in den hellsten Tönen.

Wenn hier überhaupt ein Vergleich gestattet sein mag, erinnert mich der Duft in seiner Richtung ein wenig an Andreas Reichenbergs Signatureduft, falls diesen jemand kennt.

Morgen geht es weiter mit dem letzten Duft der Bergduft-Kollektion – bis dahin alles Gute und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Bergduft, Leontopodium alpinum von Stemonitis, Edelweiss von Idéfix, beides via Wiki Commons, some rights reserved, vielen lieben Dank!

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Deine Welt sind die Berge…

Geschrieben in Blüten,Duft,Gewürziges,Holziges am 19.01.2011

… – das kann nicht nur Heidi von sich behaupten samt ihrem Geissenpeter, sondern auch Brigitte Witschi, die uns mit ihrem Label Bergduft eine weitere Schweizer Spezialität offeriert. Eine duftende Trilogie ist es, die sie uns präsentiert, und zwar den Blüten der Alpen gewidmet: edelweiss, blauer enzian und alpenrose.

Witschi ist natürlich schon lange Parfumfan und zeigte sich gelangweilt von dem Mainstream, den die Parfumbranche in ihrer Breite und Masse gerne mal abliefert:

„Es gibt unzählige Parfums und Duftwässerchen: Da sind einerseits die alten, rund komponierten Klassiker, die zeitlos und edel wirken und auf der anderen Seite stehen die Eintagsfliegen in der Duftwelt, die kaum drei Monate überdauern und so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Meine Idee war es, zeitlose, schnörkellose und individuelle Schweizer Düfte zu kreieren. Düfte, die die schönen und leichten Seiten der Schweiz verkörpern: Die Reinheit und den unvergleichlichen Zauber der Bergwelt. Die Frische und die Schönheit der Natur – jenseits aller Modetrends und Kurzlebigkeiten. Das tiefe Einatmen der kühlen, erfrischenden Luft.“

Den ersten Duft, den ich Euch aus Witschis Kollektion vorstellen mag, ist alpenrose. Unschwer zu erkennen gewidmet jener „tiefroten Schönheit kahler Berglandschaften“, deren „zarte Blütenblätter das Abendrot der Berge einfangen und seine Glut an uns weitergeben“. Wow. Und da sag mal noch jemand auf der Alm, da gebe es keine Sünde…

Hier stoße ich allerdings ein wenig auf ein Verständnisproblem, vorerst: Die Alpenrose ist nämlich mitnichten eine Rose, sondern jene als Bewimperte Alpenrose betitelte Alpenschönheit entstammt der Gattung Rhododendron und gehört somit in die Familile der Erika, der Heidekrautgewächse. Uns erwartet hier also kein Rosenduft in diesem Sinne, das verspricht Witschi allerdings auch nicht:

„Die Kopfnote des Duftes ist ein blumiger, würziger Akkord. In der Herznote dominiert ein rosiger Akzent, der sich mit weicher Vanille verbindet. In der Basisnote verschmelzen Sandelholz und warme Akkorde zu einem sinnlichen Erlebnis auf der Haut. Der Duft ist warm und feminin. Er umhüllt die Trägerin mit einer sinnlichen, betörenden Aura aus roten Blütenblättern.“

Soweit so gut – irgendwie habe ich bei diesem Duft ein wenig meine Probleme, einzelne Ingredienzen zu greifen: Im Auftakt vermischt sich eine fruchtige Frische mit eher gewichtigeren opulenten Blüten, unter denen auch rosige Akzente zu vernehmen sind. Narkotisierend, jedoch nicht unbedingt von Weißblühern stammend machen mir die Blüten die Sinne schwer, während sich Gewürze und eine holzige Wärme nebst deutlich erkennbarem Sandelholz ins Spiel bringen.

Kein Rosenduft, nein. Zumindest kein reiner. Diese alpenrose wird ihrem Vorbild, das auch Alm(en)rausch genannt wird, gerecht: Ein sinnlicher Blütengewürzrausch, der mich in seiner nebulösen Komplexität und Krautigkeit tatsächlich ein wenig an die Schweizer Parfums von La Base, die leider schon vor Jahren vom Markt (annähernd?) verschwunden sind.

In jedem Falle ist alpenrose ein Duft für die Damenwelt – und sicher nicht nur für Heidis, obgleich die alpenrose ja auch in deren Song Erwähnung findet, wenn dort „am Morgen und im Abendschein […] rot die Alpen glühn!“

Liebe trällernde Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Bergduft, Rhododendron Hirsutum von Tigerente via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Messe de Minuit – Nachtwachen

Vor gut 200 Jahren erschien ein Buch mit dem Titel „Nachtwachen“ unter dem Decknamen Bonaventura. Sehr spät erst konnte der Urheber von der Literaturwissenschaft enttarnt werden: mit großer Sicherheit wurde es von dem Schriftsteller Ernst August Friedrich Klingemann verfasst. So geheimnisvoll bereits die Herkunft sein mag, geheimnisvoll geht es auch im Buch selbst zu, wovon der obige Abschnitt und Beginn des Textes einen Eindruck vermittelt. Von der stürmischen Mondnacht mit ihren rätselhaften Erscheinungen wird hier berichtet, und wir begleiten die Hauptfigur, den Nachtwächter mit dem klingenden Namen Kreuzgang, durch die Stadt. Wir lauschen seinen Ausführungen über die Menschen und ihre Welt, lachen darüber, wie er die ganze Stadt in Aufregung versetzt, als er das Weltende ausruft und auch sonst allerhand Schabernack treibt. Oft hält er sich auch am Friedhof vor dem gotischen Dom auf, sitzt dort mit seiner Laterne wie ein Geist, erschreckt ein Liebespaar, das ihn für eine steinerne Figur hält, oder belauscht die verzweifelten Reden eines Selbstmörders.

Diese kleine, literarische Einleitung kann natürlich nur die Vorrede für einen Duft sein. Vermutlich ist dieses kleine Büchlein einfach nur der ideale Begleiter für selbst unternommene Nachtwachen, aber sicher ist, dass „Messe de Minuit“ von Etro ganz hervorragend als duftende Untermalung taugen würde. Der Name, zu Deutsch „Mitternachtsmesse“, steckt bereits den konzeptionellen Rahmen des Duftes ab. So überrascht es nicht, dass er nahezu einhellig als der Kirchenduft schlechthin durch die Rezensionen geisterte und wenig Spielraum für andere Deutungen zuließ. Auch ich kann nicht umhin, an ein mittelalterliches Gotteshaus zu denken. Verantwortlich für diese Assoziation muss der allgegenwärtige Weihrauch gemacht werden, der hier ganz klar das Zepter in der Hand hält und den Duft von Anfang bis Ende durchregiert, ohne hingegen aufdringlich zu werden.

Ein Parfum, das nach heilig riecht, ist ja bereits an und für sich eine Provokation, da es im besten Falle der profanen Selbstbeweihräucherung dient, im schlimmsten Falle aber als Lockstoff den fleischlichen Gelüsten Bahn bricht. Von den fleischlichen Gelüsten in der Kirche haben wir alle in letzter Zeit reichlich gelesen, was hier jedoch passiert ist zwar verboten, nicht aber kriminell.

Es ist vielmehr Eros als Agape, der hier unterschwellig mittönt. Nach dem Aufsprühen erweist sich der Duft als frisch und von Krautigem durchsetzt, ein wenig muss ich auch an Tannennadeln bzw. Harz denken, was nun ganz gut zur weihnachtlichen Mitternachtsmesse passen würde. Dann kommen die weicheren Noten zum Tragen, die ich als Vanille und Zimt angegeben finde.

Es ist kein todernster Weihrauch, er ist von süßlichen Noten untergraben, gewissermaßen ein Luftzug von dolce vita, der den Hauch von Ewigkeit unterbricht, und mich an eine kleine alte Steinkapelle in Italien denken lässt. Vielleicht dreht unser Nachtwächter an einem südländischen Wallfahrtsort seine Runden, und es ist eine laue Sommernacht, in der sich die Düfte des vom Tage gedörrten Grases entfalten und durch den Kirchhof wehen. Messe de Minuit ist sicherlich kein Konzeptduft, gefällig genug, um tragbar zu sein, außergewöhnlich genug, um Aufsehen zu erregen.

Viele Grüße vom nachtwachen

Harmen

Bildquellen: Bonaventura: Nachtwachen. Penig: Dienemann, 1804. S. 1-2. [Link führt zum Digitalisat des Buchs], August Splitgerber: „Der Nachtwächter“ – Wikimedia Commons.

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Die Schöne und das Biest: Don’t get me wrong…

Geschrieben in Blüten,Die Schöne und das Biest.,Duft am 17.01.2011

… Baby I don’t swallow – ein weiterer État Libre d’Orange, den sich Mariela & Harmen da zur Brust oder vielmehr: zur Nase genommen haben.

Mariela

Zugegeben, generell finde ich die Idee, Düften provokative Namen zu geben, gut. Dazu gehört auf jeden Fall Mut, auch im Hinblick auf den Träger. Ich weiß nicht ob es jedem leicht fällt zuzugeben, dass sein Duft “Fat Electrician” oder “Don‘t get me wrong baby, I don‘t swallow” heißt. Manch einen mögen diese, im besten Fall zweideutigen, teilweise auch sexistischen Namen, abschrecken. Ich war zwar nicht abgeschreckt, obgleich ich lange davon ausging, dass diese Düfte nichts für mich sind. Ich stellte sie mir sehr laut und schrill vor. In einigen Fällen bin ich eines Besseren belehrt worden, in anderen hat sich das bewahrheitet. In diesem hier jedoch kann ich nichts davon finden.

Für mich ist Don‘t get me wrong … ein sehr gefälliger Duft, ohne jegliche Ecken und Kanten. Das enttäuschte mich ziemlich, erwartete ich doch aufgrund dieses Namens irgendetwas Spektakuläres, um nicht zu sagen: etwas Ordinäres :-)

Nun muss ich zugeben dass es Maiglöckchen bei mir nicht einfach haben. Den Duft mag ich noch nicht mal als Blume. Er verursacht bei mir immer leichte Kopfschmerzen. Die Duftnoten: Orangenblüte, Aldehyde, Kokosnuss, Jasmin, Maiglöckchen, Eibisch, Ambra, Patchouli, Kakao, Moschus.

Don‘t get me wrong … beginnt unglaublich floral: ein Bouquet von Weißblühern, nämlich Orangenblüten, Jasmin und Maiglöckchen. Ganz dezent nimmt man auch Kokosnuss wahr. Ein sehr weiblicher, eleganter, geradezu romantischer Duft. Viel mehr passiert auf meiner Haut allerdings nicht, ein richtiger Duftverlauf ist zunächst nicht wahrzunehmen. Nach einer Weile dringt Moschus dazu, rundet ab und weicht, zusammen mit Ambra und einem Hauch Patchouli, den Blütenreigen auf. Ein ganz leichter Hauch Kakao schimmert durch, allerdings eher in Form von Trinkschokolade mit viel Milch, und sorgt für eine weiche, süße Cremigkeit.

Ein Duft den ich mir sehr gut an einem jungen Mädchen vorstellen kann, vielleicht bei einem Spaziergang in der Sonne, durch einen gerade erblühten Garten? Somit erschließt sich mir in diesem Fall der Name nicht. Was hat dieser liebliche, fast klassische und irgendwie auch cleane Duft mit gewissen sexuellen Handlungen zu tun? Oder steh ich völlig auf dem Schlauch? Mein Fall ist er nicht. Ich tu‘ mich mit primär floralen Düften eben einigermaßen schwer. Da ist Houbigants Quelques Fleurs eine der großen Ausnahmen. Fans von Weißblühern sollten ihn allerdings mal testen.

Es grüßt Euch,

Mariela

Harmen

„Don’t get me wrong Baby – I don’t swallow“ – mit Schwalben hat dieser Duft sicherlich nichts zu tun, aber mit Vögeln. Ich weiß, ich weiß, fünf Euro ins Kalauerkässchen. Hatten wir es bei den letzten Düften mit anzüglichen Andeutungen zu tun, ist bei diesem hier eindeutige Zweideutigkeit angesagt. Und genau wie bei „Fat Electrician“ stellt sich natürlich die bange Frage, wie diese französische Bescherung wohl riechen mag.

Meine erste Assoziation ist gänzlich asexuell: 4711. Auch nach weiterem Schnuppern rieche ich Banause nur Seife oder aber, wenn ich mich etwas anstrenge, eine säuerliche Variante von „Jasmin et Cigarette“, alles in allem reichlich blumig und zitronig. Nennt mich Warmen, aber auch hier kommen auf der Haut vorsichtig wärmere Noten zum Vorschein, die auf dem Teststreifen nicht wahrnehmbar waren. Ehrlich gesagt ist mir ansonsten ziemlich schleierhaft, um welche Zutaten es sich hier handelt, also wird gespickelt:

Kopfnote: Orangenblüte, Aldehyde, Kokosnuss; Herznote: Jasmin, Maiglöckchen, Eibisch; Basisnote: Ambra, Patchouli, Kakao, Moschus.

Ah ja. Das Zitronige ist wohl der Orangenblüte geschuldet, die Maiglöckchen habe ich wahrscheinlich pauschal als Seife identifiziert und mit Jasmin lag ich auch richtig. Kokosnuss kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Ich warte noch auf die warmen, erdigen Noten wie Ambra, Patchouli oder Moschus. Nach einiger Zeit treten diese ein wenig hervor, ohne dass man von einem wirklichen Duftverlauf sprechen kann.

Liebe Freunde, es ist schwierig mit mir und ich bin wohl auf dem besten Wege, mich als Duftbanause ins Abseits zu kegeln.

Eine abschließende, dumme Bemerkung sei mir jedoch noch gestattet: die Monica Lewinsky unter den Düften kommt als biederes Hausmütterchen daher, und es fallen mir die Worte des großen deutschen Philosophen Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow ein, als er sagte: „Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann.“

Bildquelle: Lily of the Valley von Hubert H. via stockxchng, Detail einer Wandmalerei in der Villa des Mystères in Pompéi via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 14.01.2011

Hallo Ihr Lieben,

Freitag ist Verlosungstag und fünf Probenpakete warten auf einen neuen Wirkungskreis – wer einem davon Obdach bieten mag, meldet sich bis Sonntag, 24 Uhr, per Mail bei uns. Einfach eine solche an info@ausliebezumduft.de schreiben, Namen und Adresse nicht vergessen sowie bitte einen Duft nennen, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

Jenes war letzte Woche folgenden Leser/innen hold: Christian S., Uta G., Natalia D., Annika V., Annette P - herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Ein schönes Wochenende und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Al Andalus…

Geschrieben in Blüten,Duft,Fougère,Hesperiden am 14.01.2011

… ist einer jener fast unzähligen, sich ständig erweiternden und sehr schlecht zu besorgenden Attars aus dem Hause Amouage. Attar, was heißt Attar überhaupt? Attar ist der Name für – Öl, Parfumöl um genau zu sein, und zwar die reinste Form. Der Wortursprung liegt im Persischen, übersetzt lautet es wohl ungefähr „gut riechen“ oder auch „süß riechen“. Der Unterschied zu manch anderen Parfumölen liegt in jedem Falle in der Tatsache, dass Attar ausschließlich auf natürlichem Wege gewonnen wird – das heißt bei der Herstellung wirken keinerlei Chemikalien oder ähnliches mit. Es handelt sich bei Attar demnach um zu 100% reines und komplett natürliches Parfumöl.

Amouage nun haben eine ganze (zum Teil wechselnde) Reihe dieser Parfumöle im Angebot, wovon einige ganz zu Recht im ganzen Netz Lobeshymnen geerntet haben. Tribut und Homage sind die beiden Vorreiter der Attar-Kollektion und in ihnen spiegelt sich in der Tat wider, was Amouage so berühmt gemacht hat: Superbe Qualität und höchste Parfumeurskunst vereint in wunderschönen ikonischen Düften, die dank ihrer Attar-Darreichungsform über eine herausragende Haltbarkeit verfügen.

Hat man die Gelegenheit dazu, sollte man sich allerdings auch einmal die restlichen Attars zu Gemüte führen – das eine oder andere Juwel wartet dort noch für Jedermann… Eine, Euch wird es nicht weiter wundern nach der letzten Zeit mit meinen Wanderungen abseits angestammter Duftpfade, für meinen Geschmack eher untypische Entdeckung habe ich mit Al Andalus gemacht, der dank einer überaus netten Geste irgendwann überraschend in meinen Besitz kam.

Al Andalus ist nicht nur für mich untypisch – sondern eigentlich auch für Amouage. Aber fangen wir erstmal von vorne an: Al-Andalus ist der arabische Name für die zwischen 711 und 1492 muslimisch beherrschten Teile der Iberischen Halbinsel (jeweils Teile von Spanien und Portugal umfassend), so wusste Wiki etwas exakter als ich. Da Amouage wie bei so gut wie allen Attars auch nichts zum Duft verlauten lassen, könnte ich jetzt wild assoziieren – ein bisschen werde ich es tun, aber keine Angst ;)

Wenn ich an Al Andalus rieche, bekomme ich eine Assoziation: Die dortige Flora, von der ich ehrlicherweise keine Ahnung habe, wie sie um jene Zeit dort wuchs und gedieh. Al Andalus zitiert aber so einiges derselben: Kopfnote: Orangenblüte, Zitrone, Rosmarin; Herznote: Maiglöckchen, Muskatellersalbei, Geranium; Basisnote: Sandelholz, Eichenmoos, Moschus.

Ein ganz eigenartig schillernder Duft meine Lieben: Im Auftakt bereits von durchdringender Intensität verschafft er sich sofort Aufmerksamkeit. Intensive überschäumende Orangenblüte, von krautig-kräuterigem Rosmarin umrankt, das für aromatische Akzente sorgt. Alsbald bereitet sich luzides Geranium den Weg, das von einer einnehmenden und aussagekräftigen minzig-rosigen Frische ist. Maiglöckchen ist verhalten sauber-scheinend in lupenreinem Weiß im Hintergrund zu entdecken und wird von grünen Noten begleitet.

Alles in allem ist Al Andalus die Ambivalenz in Person: Der Duft oszilliert zwischen aquatisch-floralem Hell und aromatisch-krautigem Dunkel, ist sehr speziell, aber gleichermaßen doch auch ziemlich kommerziell. Fougèreanklänge blitzen auf, obgleich man Lavendel lange suchen kann.

Für mich ist Al Andalus etwas, nachdem ich lange gesucht habe, ohne es zu wissen: Eine überaus hinreißende und auf seltsame Weise betörende Mischung aus einer exzellenten Variante von Joop! Nightflight, einer Jugendliebe von mir – ich drehe mich heute noch nach JEDEM um, der danach duftet, wirklich wahr – sowie einem sanften Vorzeige-Fougère (gibt es das?) und meinem Traum-Orangenblütenduft.

Ein Duft für den Sonntag. Zum Lustwandeln. Flanieren. Vielleicht auch ein Duft für den Flaneur, den Baudelaireschen? Ich denke schon…

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Bei Interesse an dem Duft schreibt uns doch einfach eine e-Mail an die gewohnte Adresse, info@ausliebezumduft.de oder ruft gleich direkt bei unseren netten Mitarbeitern vor Ort an: 07251-97770 – wir waren nämlich bei unserem letzten Besuch im Oman dazu in der Lage, ein paar dieser Flakons extra für Euch mitzubringen.

Bildquelle: Kave Wall Stock, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Auf der Suche nach der Blume…

Geschrieben in Blüten,Duft,Krautiges,Leder,Tropisches am 13.01.2011

… befinde ich mich gerade, wie gestern schon erwähnt. Insofern wird Euch das in Zukunft nicht erspart bleiben, mit mir die eine oder andere Blüte unter die Lupe zu nehmen. Mein Duftgeschmack treibt gerade seltsame Blüten und es dürstet mich nach Floralem: Einzelne Blumen wie zum Beispiel Tuberose, Jasmin und die ganzen Weißblüher oder gar deren Bouquets üben im Moment eine magische Anziehung auf mich aus.

Für mich einen Überraschungserfolg landete vielleicht auch deshalb in letzter Zeit ein Duft, den ich schon länger kannte und früher ganz gruselig fand: Tatatata – Etros 1989 erschienener Royal Pavillon. Ich hatte ihn bereits vor einigen Jahren einmal getestet und ich weiß noch, dass ich ihn als furchtbar unharmonisch in Erinnerung hatte, scharf, aufdringlich, ein absolutes No-Go eben. Im Zustande meiner momentanen Ver(w)irrung besann ich mich darauf, einiges erneut zu testen – und stürzte mich so auch auf Royal Pavillon.

Die Etro-Seite ist momentan lahmgelegt, zumindest deren Parfumsektion, so kann ich Euch nicht einmal nach der Beschreibung zum Duft suchen. Darüber hinaus gibt das Netz ebenfalls nur äußerst widersprüchliches her, gerade auch in Bezug auf die Duftnoten: Die Kopfnoten werden als Jasmin, Ylang-Ylang, Rose, Veilchen und Mimose angegeben. Im Herzen trägt der Duft Vetiver, Sandelholz und Eichenmoos sowie in der Basis Vanille, Castoreum und Zibet – die Verteilung variiert immer mal wieder, darüber hinaus finden häufiger auch mal Gardenie und Tuberose Erwähnung.

Letztere rieche ich unbedingt aus diesem Duft heraus, der, soweit ich mich nebulös an den damaligen Pressetext erinnern kann, irgendeinem Wintergarten oder Gewächshaus gewidmet ist. Ein solches ist auch als Emblem auf seinem Etikett abgebildet: Ein großes, altes, ehrfurchtsvolles Gewächshaus, das mich ein wenig an eine Mischung aus dem Taj Mahal und eines historischen Gewächshauses erinnert wie zum Beispiel die im maurischen Stil gehaltenen Exotengewächshäusern unseres örtlichen Zoos, der Stuttgarter Wilhelma.

Jenes Maurische Landhaus in der Wilhelma strahlt eine ähnliche Atmosphäre aus wie Royal Pavillon: Die hohen Glaskuppeln des Anbaus, die Dämpfigkeit innerhalb der Räume und die wild wuchernden und überbordend üppig blühenden tropischen Gewächse (Zugegeben: Dazu muss man zur rechten Zeit kommen). Royal Pavillon, so harmlos immer wieder als „woody floral musk“ bezeichnet, schlägt einem im Auftakt bereits entgegen wie die Hitze in einem solchen überdachten Refugium: Weiße Blüten überall, flirrend und flirtend wie Sirenen, eingerahmt von ihren dunkelgrünen Wächtern – Vetiver, harsch, scharf, bitter. Lässt man sich von diesem infernalischen ambivalenten Auftritt nicht aus dem Konzept bringen und wagt es, den Fuß über die Schwelle zu setzen, erwartet einen hinter diesen Ranken ein cremig-zartes Blütenmeer auf einem Bett von Moos, gesäumt von einigen Gräsern. Träumend stehe ich in diesem Garten und genieße… und halluziniere noch ein wenig, denn, ich schwöre… es huschen schnell und federleicht immer wieder einige friedlich-süße Moschusziegen über das Feld.

Für mich der ideale Winterbegleiter in meiner momentanen Stimmung. Und ein Grund, sich die Etro-Düfte, von denen ich zwar dank einer glücklichen Fügung diverse mein Eigen nenne, nochmals genauer anzusehen. In letzter Zeit mag mir immer wieder scheinen, dass ich diese Linie ein wenig unterschätzt habe…

Liebe grüblerisch-schwelgende Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Wilhelma Maurisches Landhaus und Wilhelma Seitenansicht Maurisches Landhaus / Nachttierhaus, Pflanzenhaus Wilhelma ,Glashaus Wilhelma, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Top-Ten des Winters…
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Am Anfang war…

Geschrieben in Allgemein am 12.01.2011

… Ombre Rose. Zumindest bei mir. Und dann war da Mariela, und zwar Schuld. Deren Artikel neulich zu ihrem Einstand hat mich nämlich dazu bewogen, Euch einmal meine Geschichte zu erzählen, den Anfang meiner Passion für Nischendüfte.

Die Leidenschaft für Düfte trieb mich schon mein ganzes Leben um, wobei ich mich als Kind für alles Mögliche interessierte, sicherlich aber eben unter anderem für Mutterns Düfte. Obsession von Calvin Klein war einer davon, der erste Chloé und dann natürlich die Klassiker: Chanel No. 5 und Nina Riccis L’Air du Temps, was sonst.

Als Teenie dann gewannen Düfte natürlich an Relevanz, vor allem auch, als sich nicht viel später dann zu meiner Verwunderung herausstellen sollte, dass nicht alle Jungs doof sind. Die Pubertät, ja meine gesamte Jugendzeit verbrachte ich bis Anfang Zwanzig ergo mit Duftendem, das schon immer zahlreich bei mir vertreten war: Ich hatte die ganze Riege jener sinnlich-süßen Mainstream-Verführer. Angel von Mugler – ich war dabei, und zwar von Anfang an. Hypnotic Poison von Dior – na klar. Cašmir von Chopard natürlich auch. Jil Sander Sun – selbstverständlich. Gaultier Femme und Homme (Kurkdjian – damals schon unbewusst gegriffen und geliebt ;)) Das namentlich unpassende Baby Doll von Yves Saint Laurent. Und mein späterer Liebling – Boudoir von Vivienne Westwood. Darüber hinaus ein paar frische Verirrte wie Calvin Kleins One.

Irgendwann dann fiel mir des öfteren vor, ich würde sagen, circa acht Jahren auf, wie gut Mariela immer duftete. Auf Nachfrage war etliches dabei, darunter aber gar nichts, das ich kannte. Das ließ mich stutzig werden und ich bekundete mein Interesse an ihren für mich ominösen Parfums: Was, wieso, woher und so weiter. Ehrlicherweise kann ich mich nicht mehr entsinnen, ob wir das erste Mal zusammen einkaufen waren oder ob ich einsam und alleine den ersten Einkauf tätigte – er fand natürlich ebenfalls in besagter Stuttgarter Parfümerie statt und es war ein zartes, pudriges, feminines Parfum, Ombre Rose, Brosseaus Klassiker.

Interessant finde ich allerdings, wie es dann mit mir weiterging: Der zweite Duft war wieder ein Klassiker, nämlich Houbigants Quelques Fleurs, ein nostalgischer Blütenduft. Gegen Ende des Verkaufsgesprächs war die Verkäuferin ambitioniert, mir Neuling mal zu zeigen, was es so alles auf dem schönen Nischenduftmarkt gibt – mit fatalen Auswirkungen.

Ich konnte mir nicht merken, was die Dame mir da so alles Schönes gezeigt hatte – besaß aber wohl einen Ärmel, der versehentlich vollgesprüht wurde, welcher mich zu Hause schier die Wände hochgehen ließ: Ich musste diesen Duft haben. Meine Erinnerung an das Gezeigte schlug mir ein Schnippchen: Ich dachte, es sei Piguets Bandit gewesen, den ich mir auch prompt kaufte und der mich anfänglich erschlug, logisch. Nach ein paar Tagen des Tragens – man gibt ja nicht so schnell auf – bei kälteren Temperaturen und einem (einzigen) Kompliment eines Freundes gewöhnte ich mich aber an das Chypremonster und lernte es lieben – nicht jedoch ohne weiter auf der Suche zu sein nach dem verloren geglaubten heiligen Gral. Dieser ward nicht viel später gefunden – es war Coup de Fouet, der Peitschenhieb von Caron, der sogleich ebenfalls bei mir Einzug hielt.

Leider sollte sich später herausstellen, dass meine erste Flasche von Coup de Fouet eine gekippte war – gekippt auf gar wundervolle Art und Weise: Die Gewürznelke aus den Kopfnoten war entfleucht und an ihre Stelle trat eine warme, elegante und sündige Ledernote, die sich perfekt in den gewürzig-harzig-holzigen Rest einfügte. Mit meiner gekippten Flasche, von der ich großzügig Proben an (Internet)Duftfreunde abgab, sollte ich unabsichtlich einige enttäuschen – nicht wenige gönnten sich daraufhin ein Fläschchen, das leider nie so schön roch wie mein mittlerweile leider verbrauchter Rest. Eine traurige Geschichte – denn bis heute ist das, was da vermeintlich schon verdorben war, mein Holy Grail. Einer, den es so nicht mehr geben wird, leider.

Mit diesen ersten beiden heftigen Gesellen waren dann aber bereits die Weichen gestellt: Ich hatte Blut geleckt. Vorbei waren die Zeiten der ausgesprochen femininen Düfte, mich zog es in die Abgründe: Leder, Harze, Weihrauch, Hölzer und heftige Gewürze mussten es sein. Kirchen, Ledersättel, alte Gemäuer, dunkle Gruften – olfaktorisch umgesetzt.

Der Weg dorthin beschritt ich mit Micallefs Gaiac, anfänglich kam noch d’Orsays Tilleul und Mimosa pour moi hinzu, dann driftete ich aber endgültig ab… Ich weiß gar nicht mehr wie es genau weiterging – es kamen etliche Montales hinzu, einige L’Artisan Parfumeurs, Lorenzo Villoresi mit Piper Nigrum war auch relativ am Anfang mit dabei (Ich liebe die Pfeffernoten ebenso wie Mariela und einige von Euch ;)), Mazzolari und Serge Lutens. Fortan füllte sich mein Schrank und es ging immer und immer weiter mit der Suche nach dem heiligen Gral – bis heute.

Wirklich witzig daran finde ich, dass ich ähnliche Entwicklungen bei vielen „Neulingen“ beobachte: Man kommt aus dem Mainstreambereich und meint, seine Duftleidenschaft(en) zu kennen – und kippt auf einmal in irgendeine olfaktorisch extreme Richtung weg, findet Düfte gut, von denen man nie gedacht hätte, dass sie einem gefallen könnten. Weil man schlicht nicht wusste, dass es sie gibt, dass es so etwas überhaupt gibt. Fans von Fruitchoulis à la Angel finden auf einmal Düfte gut, die nach Sattelleder riechen. Oder Menschen, die vorher nur frische, leichte Düfte mochten stehen auf einmal total auf schwere süße Orientalen mit getrockneten Früchten und einem Hauch Wüstenhitze.

Darüber hinaus stelle ich immer wieder eine weitere, relativ natürlich Entwicklung fest, die aber bisweilen komische Blüten treibt – bei mir gerade im wahrsten Sinne des Wortes… Dadurch, dass man sich immer mehr in die Materie einarbeitet, reinschnuppert, erweitert man seinen Horizont immer mehr und wird – meine Mutter würde es „schleckig“ nennen. Gemeint ist damit, dass man wählerischer wird. Gleichzeitig aber beginnt man Düfte zu mögen oder zu lieben genauso wie Ingredienzen, die man früher nicht wahrgenommen hat, nicht zu schätzen wusste. Das Resultat: Der Geschmack differenziert sich aus, wird aber auch breitgefächerter, was weitere Arbeit mit dem Befüllen des Parfumschrankes nach sich zieht.

Darüber hinaus unterliegt der persönliche Parfumgeschmack bisweilen Launen, Veränderungen, vermutlich auch hormonellen und/oder sonstwie verursachten. Ich zum Beispiel hatte mich ja, wie ich Euch bereits hier erzählte, ungemein auf meine warmen Winterdüfte gefreut. Es ist jetzt Winter draußen und schon länger mal mehr und mal weniger klirrend kalt. Nun möchte ich aber, das erste Mal in meinem Leben, gerade täglich riechen wie ein Floristikgeschäft. Und ich meine keine zart-samtig-ledrige Iris(wurzel) – mir ist ständig nach B-L-U-M-E-N momentan, eine Anwandlung, die sich mit meinem Repertoire nur schwierig bedienen lässt… Also geht alles weiter, die Suche nach der perfekten Blume, einem weiteren Holy Grail für Uli beginnt… und mein Schrank platzt bald aus allen Nähten ;)

Wie habt Ihr zu den Nischendüften gefunden, wie begann Eure Parfumleidenschaft und wie hat sie sich verändert? Und – wo wohnen Eure Düfte? Erzählt mal meine Lieben!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Das oberste Foto heißt Cube und ist von Ehsan Namavar via stockxchng, some rights reserved; vielen lieben Dank dafür! Die anderen beiden Fotos zeigen das Zuhause meiner Düfte – ein altes französisches Gründerzeitbuffet, welches in meinem Schlafzimmer steht. Die erste Aufnahme entstand am Anfang meiner Duftleidenschaft, die zweite habe ich vor ein paar Wochen gemacht; es ändern sich eben mit der Zeit nicht nur die Wandfarben… ;)

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Die Schöne und das Biest: Jasmin et Cigarette.

Mariela & Harmen in Aktion – diesmal: État Libre d’Orange und deren Duft Jasmin et Cigarette.

Mariela

Die Ingredienzen klangen für mich zum Teil recht vielversprechend, auf Aprikose und Kurkuma, Tabak und Heu hatte ich mich schon gefreut. Jasmin und Moschus gehören wiederum nicht unbedingt zu meinen Lieblingen, aber da die anderen beiden État Libre-Düfte für mich eine echte Überraschung waren, war ich schon sehr gespannt darauf. Doch für mich persönlich fällt dieser hier total aus dem Rahmen bzw. Rennen.

Nach dem ersten Sprüher verbreitet sich sofort ein sehr strenger Stallduft, natürlich das Heu, aber in Verbindung mit einem schwer indolischen Jasmin – ein Stall, der dringend ausgemistet werden sollte. Aprikose und Kurkuma kann ich beim besten Willen nicht entdecken, den Tabak kann ich erahnen, er ist allerdings nicht in Form von Zigarettenrauch vertreten. Vielmehr riecht es für mich nach einer frisch geöffneten Packung Tabak. Das Zedernholz in Kombination mit dem Moschus bilden nach einer Weile einen fast seifig-cleanen Duft auf meiner Haut. Jener ist nicht unangenehm, ganz im Gegenteil, ich würde fast sagen, dass ich mich mit diesem schon anfreunden könnte. Allerdings ist der Spaß nach gut einer Stunde komplett vorbei. Ein zumindest auf meiner Haut leider nicht sehr haltbarer Geselle!

Geschaffen für eine rauchende Diva ganz im Stile einer Dietrich oder Garbo. Nun, ich für meinen Teil tue mich sehr schwer mit dieser Aussage. Kann ich mir nicht vorstellen, für keine von beiden. Stehen diese beiden Künstlerinnen doch für Eleganz, gepaart mit einer unglaublichen Stilsicherheit. Diesen Duft hier könnte ich mir eher in einem Striplokal vorstellen. Die Stimmung dort ist ausgelassen, es ist unglaublich heiß, es wird viel getrunken und geraucht, die Tänzerin trägt ein nicht ganz so edles Jasminparfüm und voilà, diese Melange ergibt Jasmin & Cigarette.

Lässt man also die Garbo und die Dietrich beiseite, passt es schon ganz gut, sowohl der Name als auch die Attitüde. Die Tänzerin könnte auch eine Diva sein, warum nicht?

Harmen

Nachdem mir „Fat Electrician“ von État Libre d’Orange gut gefiel, auch wenn ich ihn nicht unbedingt selbst tragen würde, bin ich gespannt, was „Jasmin et Cigarette“ zu bieten hat. Bei diesem Titel erwarte ich mit meinen beinahe hellseherischen Fähigkeiten einen blumigen Duft. Aufregender finde ich allerdings die Frage, wie wohl die Zigarette umgesetzt sein mag, vielleicht mit Tabak oder gar Rauchigem? Mir fallen die affektierten Davidoff-Zigaretten mit weißem Filter ein, nach deren Genuss man das Gefühl hatte, sich morgens bereits mit einem tiefen Schluck am Aftershave vergriffen zu haben. Oder, wenn ich ein bisschen weiterlästern darf, handelt es sich hier um den Konzeptduft für eine Nikotina mit Tabakbass und gelben Fingern? Sicherlich nicht.

Ich habe bewusst noch nicht in die Duftnoten gesehen. Auf dem Streifen präsentiert sich der Duft mit fruchtigen Noten, die gleichzeitig aber auch von einer Krautigkeit durchbrochen sind, ein bisschen Leder, Zitrone, mit einfacheren Worten: er erinnert mich an einen der oft süßlich riechenden Holzlacke. Auf meiner Haut nehme ich den Duft sehr viel runder und weicher wahr.

Die angegebenen Duftnoten sind: Kopfnote: Aprikose, Kurkuma; Herznote: Jasmin, Tabak, Heu; Basisnote: Zedernholz, Ambra, Moschus, Tonkabohne.

Jetzt, da ich sie kenne, rieche ich sehr deutlich die Aprikose heraus, deren leicht schnapsige Süße aber nach wie vor von Krautigem durchsetzt ist, vor allem auf dem Teststreifen. Und genau darin finde ich die im Titel angekündigte Gegensätzlichkeit auch geruchlich verwirklicht; Liebliches und Bitteres sind einander gleichwertig gegenübergestellt bzw. übereinandergelegt.

Ich lerne, dass auch dieser Duft kurz nach dem Auftragen alkoholisch riecht, was ebenso meine Wodka-Assoziation bei „Fat Electrician“ erklärt, und dies wohl der Trägersubstanz geschuldet sein muss. Meine Schlussfolgerung ist: Obwohl der Duft wenig mädchenhaft daherkommt, für uns Herren der Schöpfung ist dieses Früchtchen nichts. Ich würde sagen, genau das Richtige für Frauen mit Widerhaken und Widerworten oder aber die Aura für eine bittersüße Femme fatale, eine „Belle Dame sans Merci“, wie sie der englische Romantiker John Keats in einer Ballade besang.

[Meint er damit die rauchenden Frauen, denen auch schon Caron ein Denkmal setzte mit Tabac Blond? Ich muss ihm mal Tabac Blond zum Testen unterjubeln. Anmerkung: Uli.]

Hier finden Sie den Duft in unserem Shop

Bildquelle: Jean Louis Théodore Géricault (1810): Das Pferd geht aus dem Stall, Leyla Rose en Taboo fotografiert von Ivan Gonzalez, Franciszek Zmurko (1891): Portrait of a woman with a fan and a cigarette, Marlene Dietrich, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Mit dem Winter bin ich Quitt(e)

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges am 10.01.2011

Nach einem unserer letzten Besuche bei meinen Eltern kamen wir, wie immer, mit prall gefüllten Taschen zurück. Es könnte ja immerhin sein, dass wir in der Stadt nichts mehr zu Essen bekommen. Ich weiß gar nicht, wie sie in die Taschen kamen, auf jeden Fall waren auch ein paar Quitten im Gepäck. Nun bin ich ja durchaus bereit, alles zu probieren, aber was macht man eigentlich mit Quitten? Außer als Quittengelee, das ich sehr mag, habe ich die gelben Genossen noch in keiner anderen Form zu mir genommen. Ungeachtet dessen lagen sie nun da und verbreiteten in meiner Küche ein äußerst köstliches Aroma. Ich freute mich jedes Mal aufs Neue hineinzukommen und diesen süßlich herben, ja fast schon erdigen, feinen Duft zu schnuppern. Nun gut, für ein Quittengelee waren es leider zu wenige Früchte, also bemühte ich beim nächsten Gang in die Bücherei die Kochbuchabteilung und fand tatsächlich ein dünnes Büchlein über Quitten. Ich war ganz erstaunt, was man alles aus ihnen machen kann, aber wirklich begeistert war ich von einem Rezept für Quittenlikör. Für solch gute Tropfen bin ich ja durchaus zu haben. Nun stehen zwei große Flasche vor mir und müssen noch durchziehen, in einigen Tagen wird es soweit sein, ich bin wahnsinnig gespannt, wie es schmecken wird.

Nun wollte ich – immer noch im Quittenfieber – mal sehen, was Herr Wuchsa in seinem Angebot hat und ließ im Shop gleich mal die Suche laufen. Es gab tatsächlich ein einziges Düftchen: „Dolcia“ von Detaille, eine Firma, die mir bis dahin unbekannt war, muss ich leider gestehen. Schon kurz darauf bestellte ich ein Pröbchen, ohne wirklich damit zu rechnen, dass der Duft mich gerade jetzt im Winter begeistern könnte. Schließlich hören sich die Ingredienzen eher nach Frühling und Sommer an:

Kopfnote: Apfel, Quitte; Herznote: Pfirsichblüte, Zitronenblüte, Zimt, Tagetes; Basisnote: Osmanthus, Zedernholz, Ambra.

Es geht tatsächlich mit einer etwas bitteren Süße los, einer Quitte ähnlich, und einem etwas künstlich anmutenden Apfel, so wie man sich ein Duschgel mit Apfel vorstellt. Dies tut dem Ganzen jedoch keinen Abbruch, nein, denn tatsächlich bin ich sogleich fasziniert von diesem kleinen feinen Duft. Irgendwie erinnert er mich an Italien. Warum genau kann ich nicht sagen, aber ich muss an unseren letzten Urlaub denken. Zu unserem Ferienhaus gehörte ein großer Garten, in dem man sich nach Herzenslust bedienen konnte. Welch ein Genuss für jemanden wie mich, der mitten in der Stadt wohnt und zwar über einen riesigen Balkon verfügt, aber eigentlich seit hundert Jahren von einem Garten träumt. Nun, in dem Garten gab es alles im Überfluss und wir kamen mit dem Ernten gar nicht hinterher. Das Leben kann so schön sein.

Doch zurück zu unserem „kleinen“ Duft, klein vermutlich deshalb, weil er mit kleinen und bescheidenen Mitteln unglaublich punkten kann. Kein nach Aufmerksamkeit heischender Duft, nein, er weiß auf ganz feine Art zu überzeugen. Die Blüten, vor allem die Zitrone, kann man deutlich wahrnehmen, der Zimt hingegen bleibt sehr dezent. Auf meiner Haut riecht es wirklich nach einem blühenden Zitronenbäumchen. Ich bin hin und weg! Tagetes, muss ich gestehen, kann ich nicht erkennen, was wohl daran liegt, dass ich den Geruch nicht wirklich kenne. Bei Wikipedia finde ich, dass Tagetes stark duften und auch für den Balkon geeignet sind. Ich weiß schon, was ich auf meinem im nächsten Jahr pflanze.

In der Basis wieder das gleiche Spiel: man kann die Ingredienzen durchaus alle gut wahrnehmen, was ich sehr zu schätzen weiß. Wie oft saß ich schon da und habe an mir und meinem Geruchssinn gezweifelt ob dieser vielen Zutaten in einigen Parfums, die ich einfach nicht erriechen konnte.

Zudem ist er sehr haltbar, was mich auch überrascht hat, denn am nächsten Morgen noch rieche ich, zwar ganz dezent, aber immer noch einen feinen Ambrageruch an meinem Handgelenk.

Was soll ich sagen, der Duft begleitet mich trotz klirrender Kälte und Schnee seit Tagen. Was ist nur los? Irgendwie ist mir immer noch nicht nach den schweren Wintergranaten, ich hoffe aber, dass sich das noch ändert, denn viel zu viele gute Düftchen fristen hier ihr Dasein. Kennt Ihr das? Und noch wichtiger: fallen Euch noch Düfte ein, in denen Quitte vorkommt? Ich wäre überaus dankbar.

Eine im sonnigen Italien sich fühlende

Mariela

Bildquelle: Fruit Tree in Autumn von Carol Kramberger, Impressionistic Fruit on Branch von Erika Thorpe, beides via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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