Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Schöne und das Biest: Nombril Immense.

Mariela

Mal wieder ein richtig schöner Duft der Skandalfirma État Libre d’Orange. Eigentlich erwarte ich einen richtigen Patchoulikracher und war deswegen schon sehr skeptisch, denn so richtig dicke Freunde sind wir nicht. Wie schön, wenn man eines Besseren belehrt wird. Chakra 1Tatsächlich geht es gleich ordentlich mit Patchouli los, wird aber von der Bergamotte sanft aufgefangen und verbindet sich bald mit schwarzem Pfeffer und den sehr erdigen Karottensamen zu einer hinreißenden Mixtur. Perubalsam und Opoponax verleihen eine ganz warme, leicht vanillige Süße. Es entsteht eine unglaublich pudrige Note, die an Lippenstifte von früher oder eben auch Puder erinnert. Ich muss gestehen, mit diesem Patchouli kann ich gut leben, ja ich finde ihn in dieser Zusammenstellung sogar sehr gut. Der Duft wird auf der Produkt-Homepage mit einer Initiationsreise nach Kathmandu verglichen, als eine Einladung sein Innerstes zu entdecken. Tatsächlich erinnert er mich an Hindu Grass von Nasomatto, der eine ähnliche Intention hat.

Was hat es aber mit dem Bauchnabel auf sich? Tibetan Buddhist Monk lighting candles on a stupa east side of Boudha, Kathmandu, NepalOb es mit dem Sakralchakra zu tun hat, das eine Hand breit unter dem Bauchnabel sitzt? Ich könnte es mir gut vorstellen, steht es doch für Lebensfreude, Schaffenskraft, Kreativität, Selbstbewusstsein und Sinnlichkeit. Zudem für das Loslassen und mit dem Leben fließen. Das passt doch, oder?
Da sprühe ich doch gleich nochmal in der Hoffnung, dass das Chakra besonders stark angeregt wird…

Die Reise nach Kathmandu ist nicht aus der Luft gegriffen. Ich muss an Tempel denken, an Räucherstäbchen, Mönche und an die Tibet-Krimis von Eliot Pattison, die ich so sehr liebe. Kurz gesagt: der Duft atmet Spiritualität – durch und durch. So! Und jetzt leg’ ich mich gleich auf meine Yoga-Matte.
Bis bald,

Eure Mariela

Harmen

Nombril Immense – ein riesiger Bauchnabel hat sicherlich keinerlei Vorteile, oder doch? Außer vielleicht, dass man an ihm große Schmuckstücke befestigen oder in ihm selbst gar transportieren könnte. Dem Produkttext zufolge liegt dem Konzept des Duftes eine spirituelle Idee zu Grunde, eine innere Offenheit, die unter Mithilfe des heiligen Hindu-Patchouli ein Stückchen Nirvana erfahrbar machen soll, usw. usf. Nach meinen Recherchen gibt es sogar ein Nabelchakra, aber darf ich ganz ehrlich sein? Nirvana und Kurt Cobain: sehr gerne, Nirvana und Esoterik-Plunder: nein danke.

Haben wir es also hier mit einem 70er-Jahre-Hippieduft zu tun, der endlose Strandparties in Goa wieder aufleben lässt? Oder wird gar der Schwarzen Szene (siehe Ulis kürzlich erschienene Bekenntnisse) mit ihrem Hang zum Patchouli-Öl gehuldigt? Und noch etwas anderes: warum haben Adam und Eva eigentlich quer durch die Kunstgeschichte einen Bauchnabel, wo sie doch gar nicht geboren wurden? Kann ich mir Nombril Immense vielleicht auch in den Nabel träufeln, Bauchnabel – Ihr ganz persönliches Duftreservoir in der Körpermitte!? Viele Fragen, die möglicherweise der Selbstversuch beantworten wird. Ich sprühe mir den Duft einfach auf, nicht in den Bauchnabel, denn um dann an ihm schnuppern zu können, würde mir als Sofakartoffel eindeutig die Gelenkigkeit fehlen.

Die erdige Schwere des reinen Patchouli-Öls, dessen modrige Töne, die ihm auch schon den wenig schmeichelhaften Namen des „Leichenöls“ einbrachten, finden sich hier nicht eins zu eins wieder. Im Kopf scheint mir Nombril Immense eher krautig und fast frisch zu sein, unterlegt mit einer zurückhaltenden Süße. Aber die warmen und charakteristischen Aspekte des Patchouli tönen wie in leichten Schwaden immer wieder hervor, unterstützt von den harzigen Anklägen des Opoponax. Ich fühle mich etwas an den sakral anmutenden und vor kurzem erst besprochenen Messe de Minuit von Etro erinnert und assoziiere dabei eine gewisse Trockenheit und Ernsthaftigkeit. Auf dem Duftstreifen funktioniert der Duft überhaupt nicht und erweist sich als säuerliches Fensterputzmittel für Fortgeschrittene. Ist bei Euch der Unterschied zwischen Duftstreifen und Haut auch derart groß? Ich überlege, ob ich in Zukunft nicht ganz auf ihn verzichten soll.

Nombril Immense duftet nach spiritueller Geborgenheit – wie die Hände eines Mönchs bei der Vesper, nach getaner Arbeit im Kräutergarten des Klosters, abgeschirmt vom Lärm der Welt. Und vielleicht ist es dann doch viel mehr die innere Einkehr und leichte Heiterkeit einer dicken Buddha-Statue, die das Gesamtbild des Dufts ein wenig treffender zeichnet.

Kopfnote: Bergamotte; Herznote: Patchouli, Schwarzer Pfeffer, Karottensamen; Basisnote: Perubalsam, Vetiver, Opoponax, Ambrettesamen

Euer Harmen

Hier finden Sie Nombril Immense in unserem Shop

Bildquellen: Chakra 1 by Hilton Sedona, on Flickr, Tibetan Buddhist Monk lighting candles on a stupa east side of Boudha, Kathmandu, Nepal by Wonderlane, on Flickr, Lucas Cranach der Ältere: “Adam und Eva” (1528), Gesicht des Buddha, Shwesandaw Pagode, Twante, Myanmar – Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Neuigkeiten die Vierte, 2011.

Geschrieben in Ankündigungen am 28.01.2011

Der heutige Freitag ist nicht nur der letzte Werktag dieser Woche, sondern auch der vierte und letzte Tag, den ich vorerst den Neuheiten aus der Welt der Düfte widmen mag.

Oudfreunde (so wie ich) dürfen sich dieser Tage gleich doppelt freuen, den es sind zwei neue Schmankerl im Anmarsch: By Kilians Incense Oud und New York Oud aus dem Hause Bond No. 9.

Incense Oud ist der dritte Duft der exklusiven Arabian Nights-Kollektion von By Kilian (nach meinem geliebten Pure Oud und Rose Oud):

„Incense, mystic perfume whose smoke was said to be one of the links between mortals and Gods, is combined with oud, giving birth to a fragrance that is mysterious and warm, yet stunningly modern. With the creation of Incense Oud from the Arabian Nights collection, KILIAN invites us once again to discover the olfactive charms of the Middle East.“

Die Angaben des Parfumeurs variieren wieder etwas: Bei Now Smell This findet sich Sidonie Lancesseur, die bereits für Cruel Intentions und Straight to Heaven in der Hauptkollektion verantwortlich war; Octavian Coifan spricht in seiner im übrigen wie immer sehr lesenswerten Rezension – Neid! Er durfte schon testen! – von Calice Becker, jener Dame, der wir die anderen beiden Ouddüfte verdanken. Nun, neugierig bin ich in jedem Falle.

Bond No. 9 lancieren mit New York Oud erneut einen weiteren Oudduft. Wenn ich es richtig verstanden habe – man möge es mir nachsehen, ich habe bei Bond zum Teil ein wenig den Überblick verloren – ist es der dritte Oudduft des Hauses und davon der zweite, regulär erhältliche: Bond No. 9 Perfume, frei auf dem Markt erhältlich, und der Harrod’s-exklusive Harrod’s Swarovski Oud (heißt er so?) sind die ersten beiden. Zur Nummer 3 gibt es einiges zu sagen:

„New York Oud: The name says it all. Bond No. 9 is launching an expectation-defying oud—a beautiful contradiction in terms that’s re-invented the whole idea of this much discussed perfume phenomenon. The trick, of course, was to modernize and urbanize that exotic staple, the oud, and give it a New York verve that it’s never had before. A paradox, to be sure. But then New York is a place where impossible, magical paradoxes come true.

It’s only fitting that our beloved city should be given a seemingly self-contradictory oud perfume of its own. And fortunately, we have some experience with ouds. Back in 2008, we introduced our first, for Harrods, that proved, astonishingly, to be the London emporium’s best-selling fragrance—a historic success. And we were emboldened. For our tenth anniversary last year, we quietly developed a second oud, Bond No. 9 Oud, that mingled Eastern and Western fragrance sensibilities. But was that enough? No. What remained was to test the limits of the oud, put it through a sea change, and modernize it for our high-energy metropolitan landscape.

Enter New York Oud, which launches in time for Valentine’s Day 2011. Though we chose to retain the androgynous nature of the Old World oud, there is otherwise nothing traditional or incense-laden about our new version. Instead, we’ve given it a dynamic self-assured smoothness—an adventurously creamy velvet texture it’s never had before. At its heart is a sumptuous rose bouquet which soon spins off into the all-important dry-down that defines this perfume: A dense and syrupy oud that joins forces with musky teakwood (another welcome new addition to Western perfumery) and earthy vetiver to create a lingering urban-forest accord. And linger it will. Its oud concentration is a full 30 percent—not the typical 20 percent of eaux de parfum.

As with its forerunner, Bond No. 9 Perfume, New York Oud comes in a superstar bottle that displays an overall laser-etched patterning of our signature token, rendered here in a smoky gunmetal grey with glints of gold—the colors of the electric New York street-scape as twilight turns into evening. Hold the bottle up to the light, and you’ll see through to the billowing liquid inside.

About New York Oud’s Valentine’s Day debut: Spray some on that evening, and you’ll see: It will linger overnight into February 15th. That’s magical too—we call it the essence of romance.“

Gegensätze vereinen trotz ihrer Ambivalenz – das modern-westliche New York und jene alte arabische Ingredienz, das ehrwürdige Oud. Die Ingredienzen lesen sich toll: Rose, Teakholz, Vetiver und Adlerholz/Oud, letzteres in einer unverschämt hohen Konzentration von 30% – für ein Eau de Parfum sehr sehr hoch. Und das alles rechtzeitig zum Valentinstag – das lässt mein Herz ja schon wieder schneller schlagen…

Molinard, Geburtsstätte des legendären Habanita, kreieren ihren ersten Unisex-Duft: Eau de Molinard. Die Ingredienzen: Zitrone, Bergamotte, Mandarine, Ingwer, Ylang-Ylang, Jasmin, Zimt, Kardamom, Zedernholz, Sandelholz, Vetiver und Tonkabohne. Erscheinen wird er Februar/März diesen Jahres.

Teedüfte, schon immer eine Leidenschaft von mir – und nicht nur von mir… Fans derselben dürfen jetzt gespannt sein: Wie Osmoz uns verrät, nimmt sich Jo Malone alsbald dem Thema an und bereichert die ohnehin leider sehr übersichtliche Gruppe der auf dem Markt existierenden Teedüfte mit gleich fünf neuen, allerdings limitierten Düften: „Tee Fragrance Blends“ heißt die Kollektion und beinhaltet Sweet Milk, Fresh Mint Leaf Sweet Lemon, Assam & Grapefruit und Earl Grey & Cucumber. Eine tolle Neuigkeit wie ich finde [und diesmal, lieber Stefan, renne ich auch rechtzeitig zum Malone-Corner meines Vertrauens ;)]!

Zu guter Letzt noch eine weitere Neuheit: Marc Jacobs erweitert seine Serie an Splash-Colognes laut Fragrantica um drei weitere Düfte, Cocktail Splash Collection genannt und limitiert auf den Sommer 2011. Curaçao, Ginger und Cranberry heißen die tropischen Wässerchen und ich muss sagen, das mich die Umsetzung doch schon interessiert – nicht zuletzt auch wegen der Parfumeure: Für die ersten beiden Düfte zeichnete sich Yann Vasnier verantwortlich, Cranberry wurde von Richard Herpin geschaffen. Vasnier ist mitnichten ein Unbekannter: Er kreierte bereits die Splash Colognes Fig und Apple für Marc Jacobs, darüber hinaus schuf er einige Düfte für Divine und Parfums Delrae sowie für die Six Scents-Reihe und für Comme des Garçons.

Die Ingredienzen der Düfte:

  • Curaçao: Kopfnote: Limette, Blutorange; Herznote: Veilchen, Aprikose, Birne; Basisnote: weißer Moschus, Moos.
  • Ginger: Kopfnote: Ingwer, Koriander, Cognac; Herznote: Passionsblüte, Geranium, Rhabarber; Basisnote: Sandelholz, Moschus.
  • Cranberry: Kopfnote: Moosbeere, Mandarine; Herznote: Geißblatt, rote Johannisbeere; Basisnote: „eiskalter“ Moschus, exotische Hölzer.

Jetzt, wo wir erstmal wieder am Ende aller Neuigkeiten angekommen sind, interessiert mich natürlich brennend, welche davon Ihr am sehnsüchtigsten erwartet, welche sich für Euch spannend anhören – erzählt es mir!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

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Einen guten Rutsch…


Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 28.01.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

Darüber hinaus kommt natürlich noch, wie jeden letzten Freitag im Monat, ein ganz spezielles Präsent zur Verlosung. Wenn eine Dame gewinnt darf Sie sich zwischen den beiden Düften – Iperborea –  und - Teint de Neige - von Lorenzo Villoresi entscheiden, wenn ein Mann das Glück hat zu gewinnen darf er sich zwischen – Sandalo - und – Uomo - von Lorenzo Villoresi entscheiden – es lohnt sich!

In der letzten Woche haben gewonnen: Jan R., Elisabeth B., Sabine K., Laura P., Ingeborg M., – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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Neuigkeiten die Dritte, 2011.

Geschrieben in Ankündigungen am 27.01.2011

Und weiter geht es mit den Neuheiten: Aus dem Hause Xerjoff kommt ein neues Dreamteam, Richwood und Damarose.

„Richwood centers on sandalwood from Mysore, one of the most beautiful–and rare–materials in perfumery. Crowning the sandalwood’s mellow warmth is a halo of crisp citrus. Patchouli and dark rose tinged with cassis lend the fragrance the elegant earthiness of a premier cru Bourgogne. Just as vintage wine opens in the glass over time, revealing a tale of complex character, Richwood continues to unfold on skin, enticing the nose to return again and again to experience its splendor.“

Ein Sandelholzduft mit Rose und Patchouli, an einen Edelwein angelehnt? Das hört sich verdammt interessant an finde ich. Da ich Chypres sehr schätze, kann ich das auch von Damarose behaupten:

„Damarose is a classic rose chypre, a type of fragrance known for its balance of seduction and poise. The finest quality ingredients, including Turkish rose absolute and Sambac jasmine absolute are crafted into the composition with a twist with freesia and red fruit. As a result, its heart radiates a spicy lusciousness, cradled in velvety patchouli and precious woods, and deepened with sensual amber and musk, mimicking skin.“

Bei Cafleurebon und Now Smell This finden sich bereits erste aussagekräftige Rezensionen.

Die Juweliersfranzosen von Reminiscence lassen uns im Februar bereits gedanklich verreisen, und zwar nach Jamaika. Jammin’ Vibration, eine Variation zu dem 2006er Duft Jammin’, ist der erste „musikalische Duft“ des Hauses und ein Tribut an Jamaika – und somit auch an den Reggae. Kreiert wurde der Duft von Lucas Sieuzac und Maurice Roucel, die folgende Ingredienzen verwendeten: Grapefruit, Bergamotte, Kardamom, schwarze Johannisbeere, rosa Pfeffer, Jasmin, Rose, Maiglöckchen, Patchouli, Zedernholz, Vanille, Tonkabohne und weißer Moschus.

Vermutlich muss jetzt nicht nur ich an die Reggaelegende Bob Marley denken, denn diese Assoziation liegt auf der Hand, deshalb hier: Jammin’ von Bob Marley.

Robert Piguet wandelt auf neuen Pfaden: Ein Signatureduft für den New Yorker Designer Douglas Hannant – und eine echte Premiere, handelt es sich um den ersten neuen Duft des Hauses seit den 60er Jahren.

„Douglas Hannant embodies the legacy set forth by Robert Piguet, whose strict adherence to good taste, true luxury, and innate sense of seduction created timeless beauty.“

Der verantwortliche Parfumeur war Aurelien Guichard. Dieser ist nicht nur der Sohnemann von Jean Guichard, ebenfalls Parfumeur und Direktor Parfumschule von Givaudan, sondern auch für die anderen Piguet-Neulancierungen verantwortlich sowie darüber hinaus die Nase hinter Play von Comme des Garçons, Chinatown und Andy Warhol Silver Factory von Bond No. 9. Des weiteren arbeitete er bereits für Mugler, Dolce & Gabbana, Lolita Lempicka, John Galliano, Escada, Gucci, Nina Ricci und weitere.

Douglas Hannant erscheint im Februar und beinhaltet unter anderem folgende Ingredienzen: Orangenblüte, Birne, Gardenie, Jasmin, Tuberose, Sandelholz und Moschus. Ist der Flakon nicht wunderschön? Ich liebe sie ja eh, die alten Piguet-Art-Déco-Flakons, aber dieser hier ist mitsamt Logo und Stopfen soo schön gelungen finde ich.

Die Italiener von Profumum erweitern ihre Kollektion um zwei weitere Düfte namens Arso und Battito d’Ali. Arso hört sich nach einem echten Romantiker an – und so, als ob ich ihn unbedingt einmal testen müsste:

„Outside the first snow was falling and the wind was caressing the leaves of the pine trees. Inside the chalet the company of a good red wine mingled with the notes of a beautiful jazz music. You and I hugging on an old sofa and around us the smell of a crackling fireplace, the white smoke of a precious incense and the warm scent of pine resin.“

Kaminromantik, Freejazz und schneebedeckte Kiefern – Chalet in X, ich komme! Als Ingredienzen sind Zedernblätter, Leder, Kiefernbalsam und Weihrauch angegeben. Battito d’Ali ist ein ganz anders gearteter Kandidat:

„Immanent and transcendent! What is the smell of a fluttering of an angel? Who has ever heard it?“

Transzendenz und Engelein – hört sich himmlisch an und ist mit Kakaopuder, Orangenblüte, Myrrhe und Vanille in der Tat eine deliziöse Angelegenheit. Die Düfte sind soeben erschienen.

Damit möchte ich heute schließen – morgen folgt der letzte Teil der Neuigkeiten. Bis dahin einen schönen Tag Euch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Neuigkeiten die Zweite, 2011.

Geschrieben in Ankündigungen am 26.01.2011

Auch heute widmen wir uns wieder dem Neuen, das uns in nächster Zeit so entgegenduften wird.

Beginnen wir mit dem griechischen Naturburschen von Korres: Die Firma hatte mich 2008 bereits äußerst positiv überrascht, als sie mit drei Düften auf den Markt kamen. 1996 gegründet mit Ursprung in der ältesten homöopathischen Apotheke Griechenlands überzeugten Korres vorher „lediglich“ mit einer breiten Kollektion an Naturkosmetik – tolle Produkte, sehr leckere Duftrichtungen, prima in der Anwendung, hochwertige Ingredienzen, trendiges Purismusdesign und ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die drei ersten Düfte standen dem bereits in nichts nach: In minimalistischen Apothekerflaschen dargereicht entpuppten sie sich als schöne und haltbare individuelle Eau de Toilettes zu einem meines Erachtens nach sagenhaften Preis. Die Namen verrieten bereits viel, benannte man die Düfte schlicht nach deren (Haupt)Ingredienzen: Rosewood/Blackcurrant/Cyclamen, Pepper/Jasmine/Gaiac Wood/Passionfruit und Saffron/Amber/Agarwood/Cardamom.

Nun ist ein bisschen Verwirrung angesagt: Der Rosewood-Duft ist vergriffen und bleibt sehr wahrscheinlich discontinued, er wird wohl nicht mehr aufgelegt. Saffron, der Bestseller der Serie, war lange Zeit vergriffen aufgrund der großen Nachfrage, ist jetzt aber wieder ganz normal lieferbar und bleibt – Gott sei Dank – ein Bestandteil der Kollektion genauso wie Pepper.

Dazu gesellen sich aber eine ganze Handvoll neuer Düfte: Sechs um genau zu sein, und zwar:

  1. White Tea/Bergamot/Freesia
  2. Peony/Vanilla/Amber/Pear
  3. Vanilla/Freesia/Lychee
  4. Vetiver Root/Green Tea/Cedarwood

Das waren noch keine sechs, ich weiß. Darüber hinaus kommen noch Iris/Lily of the Valley/Cotton und Heliotrope/Ylang Ylang/Citron – wann genau diese allerdings hier ankommen weiß momentan keiner so genau. Die restlichen vier Kandidaten sind bereits bei uns gelandet – ich werde sie postwendend dieser Tage rezensieren. Ach ja, der Preis bleibt attraktiv – 50ml für 34,50 Euro. Endlich auch mal eine kleine Flasche – für Viel-Duft-Haber die beste Option ;)

Atelier Cologne, die ich erst neulich hier besprochen habe, waren auch schon wieder aktiv: Vanille Insensée ist ihr sechstes Cologne, für den sie auf den bewährten Ralf Schwieger zurückgriffen. Eine sehr besondere Vanille soll es sein, „prickelnd, leicht würzig, kühl, herrlich“, wenn ich hier mal unsere Leserin Jutta zitieren darf, die bereits die Ehre hatte ihn zu testen. Auch etwas für Menschen, die sonst nicht unbedingt Vanillefans sind, wusste sie ebenfalls zu berichten. Na denn, ich bin gespannt!

Mit Vanille für Vanillefans geht es weiter: La Maison de la Vanille, ein ganzes (Parfum)Haus für die Vanille, hat noch eine weitere Facette derselben entdeckt, die es abzudecken gilt – Absolu de Vanille.

„A sublime instant when the Absolu Vanilla precious perfume meets the woody and spicy notes of Patchouli, Cistus labadanum and Opoponax. A rare and gorgeous olfactory composition which offers you the « quintessence » of this magic spice, Vanilla…“

Die genaue Duftpyramide: Kopfnote: Vanille; Herznote: Patchouli, Benzoeharz, Opoponax; Basisnote: Tonkabohne, Labdanum, Vanille.

Hört sich nach einer Vanille für Erwachsene an, einer harzigen, vielleicht sogar etwas rauchigen? Sollte etwa mein bisheriger Liebling und einziger Vanilleduft im Hause, Vanille Exquise von Annick Goutal, Konkurrenz bekommen? Wir werden sehen (und Ihr lesen ;))…

Die Amerikaner von Fresh, die bei vielen für ihre Kosmetik und vor allem ihre Kultdüfte Fresh Sugar (in unterschiedlichen Variationen) beliebt sind, erweitern ihre Kollektion um Citron de Vigne sowie ein weiteres Zuckerchen namens Brown Sugar. Letzterer ist eine olfaktorische Ode an das ikonische Brown Sugar-Peeling aus dem Hause Fresh und brilliert mit „prickelnden Zitrusnoten von sizilianischer Zitrone und Mandarine“, ergänzt von Akai-Beere, Karamell und gezuckerter Magnolie sowie Geißblatt, Ambra, Pfirsich und Zypresse.

„With this invigorating fragrance, I wanted to capture the emotional experience of sugar, what it stands for in our hearts.“ Lev Glazman, Mitgründer Fresh.

Citron de Vigne stellt eine Hommage an Reims dar, Frankreichs Champagnerregion. Ein prickelnder, spritziger Duft, ideal für beide Geschlechter, der mit der innovativen Herznote eines Pinot Noir-Akkords überzeugt.

„Upon returning from a special trip to France’s Champagne vineyards, I shared the tales of my travels with Lev. The whole experience of beeing there – the rich scent of the earth, the sweet-smelling grapes, the luscious taste of superior champagne – was truly magical. Lev was instantly inspired and began developing a bespoke fragrance to commemorate my trip.“ Alina Roytberg, Mitgründerin Fresh.

Ich muss gestehen, ich mag die Sugar-Düftchen aus dem Hause Fresh. Und ich fand auch den Rest der Linie schön. Leicht, unbeschwert und fröhlich. Dieser hier hört sich auch sehr nach beschwingter Leichtigkeit an. Und dann ist da von Weinbergen und Pinot Noir die Rede… da komme ich natürlich nicht umhin einen meiner vielen Lieblingsfilme zu erwähnen: Sideways, eine Tragikkomödie, mehrfach preisgekrönt.

Man nehme: Zwei beste Freunde in der Midlifecrisis. Und beide könnten nicht unterschiedlicher sein, sowohl die Männer als auch die Art ihrer Krisen: Jack, alternder Schönling und Casanova, abgehalfterter Serienschauspieler ohne Engagements und kurz vor der Hochzeit stehend mit seiner Freundin, in dessen Vaters Firma er nach der Hochzeit zu arbeiten gedenkt. Und Miles, moppelig-unscheinbarer geschiedener Lehrer, der seit Jahren an seinem ersten Roman schreibt und von einem Dasein als Schriftsteller träumt. Vor der Hochzeit von Jack machen sich die beiden auf zu einer Art Polterwoche: Eine Weintour durch Amerika unter der Führung von Miles, dem Weinkenner. Es wird natürlich eine turbulente Tour mit jeder Menge Ver(w)irrungen, soviel kann verraten sein…

Ein herrlich leichter und gleichzeitig auch melancholischer Film voller Poesie und sanft angeschnittenen existentiellen Fragen – sehr sehenswert, wer ihn noch nicht kennt.

In Erinnerung ist mir vor allem aber eines geblieben: Ein Monolog, ein kleiner Vortrag von Miles, indem er über seine Lieblingstraube Pinot Noir erzählt. Jene Traube, die nicht auf jedem Boden wachsen will. Keine Einheitstraube, die man überall anpflanzen kann, die unter jeder Begebenheit zu wachsen gedenkt. Sondern eine Traube, die dünnhäutig und feinfühlig ist, verletztlich, die auf Klimaschwankungen reagiert und besondere Böden sowie ein spezielles Händchen erfordert. Und deshalb so kostbar ist, weil sie den, der sie so umhegt, zu Wein verarbeitet mit ihrem besonderen Geschmack belohnt.

Miles ließ damit viele Herzen höher schlagen: Aus zuverlässiger Quelle – meinem Weinhändler sei Dank – weiß ich, dass nachdem der Film die Kinos eroberte schlagartig der Verkauf an Pinot Noir-Weinen explodierte. Warum nur? ;)

Und, nebenbei bemerkt: So ganz unähnlich ist die Weinliebhaberei unseren Duftpassionen auch nicht – es gibt schon etliche Parallelen zwischen Liebhabern von Weinen, Düften, Whisk(e)y und Co., insofern dürfte sich die eine oder der andere durchaus wiederfinden, da bin ich mir sicher…

Einen schöne Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

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Neuigkeiten die Erste, 2011.

Geschrieben in Ankündigungen am 25.01.2011

Mit dem heutigen Titel ist ja eigentlich schon alles gesagt, jetzt gilt es lediglich, diesen mit Inhalten zu füllen. Es gibt wieder jede Menge zu berichten über Neuerscheinungen, die uns in nächster Zeit erwarten, deshalb fackele ich nicht erst, sondern beginne sofort damit:

Die Franzosen von Diptyque bescheren uns gleich zwei Neuzugänge ihres Sortiments: Einmal das Kerzenduo Roseros sowie einen neuen Duft namens 34 Boulevard Saint Germain samt passender Körperpflegeprodukte und Raumbeduftung.

Bei Roseros handelt es sich um zwei limitierte Kerzen, einmal Rose und einmal Eros, die Diptyque in Zusammenarbeit mit den beiden Pariser Künstlern Kuntzel & Deygas entwarf:

„Like a song with echoing voices, two fragrances intertwine to create a new melody. Revealing and releasing each other at once. The boxes feature two logo spaces that embrace to form a heart. Nothing less than musical harmony.“

Poetisch, oder nicht? Rose soll eine „romantische Melodie einer Gartenrose“ darstellen und enthält neben Piaget-Rose Basilikum, Veilchen, schwarze Johannisbeere und Moschus. Eros enthält natürlich ebenfalls Rose, allerdings eine von wild-würziger Natur: Rugosa-Rose mit Myrrhe, Benzoeharz, Perubalsam, Zedern- und Sandelholz sind die Ingredienzen. Beide Kerzen sind in den ihnen zugehörigen Designs angelehnt an die Illustrationen „Beauty and the Beast“. Ein Klick auf die Webseite der beiden Künstler zeigt, dass Illustrationen ohnehin ihr Lieblingstummelfeld sind – und sie eben jene auch schon für etliche namhafte Personen, Firmen und Filme gefertigt haben. Hier ein kleiner Clip zu den Kerzen:

34 Boulevard Saint Germain ist der Geburtstagsduft zum 50jährigen Bestehen der Firma und benannt nach dem Hauptsitz, der legendären Pariser Boutique. In dem Blog Volt Café, das zum britischen Magazin Volt gehört, ist ein nettes Interview mit Olivier Pescheux zu lesen, der schon für einige der letzten Kreationen aus dem Hause Diptyque zuständig war. Das stiftet nun ein wenig Verwirrung, da es den Anschein macht, als ob er auch diesen Duft kreiert hat. Bei den Ami-Kollegen von Now Smell This ist allerdings von Roman Kaiser/Givaudan die Rede, der die Aufgabe hatte, den typischen Duft der Diptyque-Boutique einfangen sollte… Eigentlich egal, gespannt bin ich so oder so: Ich war noch nie bei Diptyque einkaufen, es scheint aber frühlingshaft zu riechen und mediterran, wenn ich mir die Ingredienzen so anschaue: Zitrone, schwarze Johannisbeere, Blattgrün, Gewürze, Rose, Geranium, Veilchen, Iris, Tuberose, Eukalyptus, Hölzer und Harze. Ab März werden wir es genauer wissen.

Aber verweilen wir doch noch ein kleines Weilchen in unserem Nachbarland: Annick Goutal zaubert ebenfalls Frühlingshaftes aus ihrem olfaktorischen Hut, und zwar Le Mimosa, einen weiteren Beitrag zu ihrer blühenden Solistenreihe (die da bisher wären: Le Jasmin, La Violette, Des Lys, Neroli, La Muguet, Le Chèvrefeuille und Rose Absolue). Wie immer (ok, meistens…) aus der Phiole von Isabelle Doyen entsprungen dürfen wir uns ab März auf eine Mimose mit Unterstützung von Iris, Pfirsich, Anis, Sandelholz und Moschus freuen.

Wie jedes Jahr im Frühling erweitert auch Monsieur Lutens seine Kollektion: Neues Mitglied der Exportkollektion wird ab Februar Jeux de Peau sein. Jeux de Peau, was übersetzt soviel wie Hautspiele heißt, soll vornehmlich nach Buttertoast riechen. Ja, richtig gelesen, Buttertoast. Ein holziger, orientalisch angehauchter Brot-Gourmand-Duft, und zwar eingebettet in geröstete Noten, Süßes und ein bißchen Fruchtiges… Man liest im Netz von Aprikosen und/oder Pfirsich (Osmanthus?), von Lakritze, etwas Kokos und sonst viel Nebulöses – sicher ist nur, dass der Duft eine Erinnerung an Lutens’ Kindertage sein, da er als kleiner Junge diesen Duft so sehr liebte. Eine erste sehr interessante und mich ernsthaft (neu)gierig machende Rezension stammt von dem (nicht nur) von mir sehr geachteten Octavian von 1000 Fragrances, siehe hier.

Natürlich erfährt auch die Paris-exklusive Kollektion von Lutens eine Erweiterung: Diese soll im Sommer lanciert werden und hört auf den Namen Vitriol d’Œillet. Bekannt ist darüber hinaus noch gar nichts, der Name lässt aber bereits auf einen Nelkenduft schließen – es bleibt also spannend…

… und das nicht nur bei Serge Lutens, sondern auch hier im Blog – morgen geht es nämlich fleißig weiter mit Neuigkeiten ;)

Bis dahin alles Gute und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Neuigkeiten die Dritte, 2011.


Neuer Facebookauftritt.

Geschrieben in Allgemein,Verweise am 24.01.2011

[UPDATE: Achtung! Das Folgende betrifft NUR unseren Facebookauftritt! An Shop, Blog, Newsletter & Co. ändert sich nichts!]

Liebe Blogleser/innen, liebe Freunde von Aus Liebe zum Duft,

es ist zwar erst Januar, aber wir machen jetzt schon einen kleinen Frühjahrsputz und haben unseren Facebook-Auftritt vereinfacht. In Zukunft gibt es nur noch zwei Seiten bei Facebook:

Eine neue Facebook-Fanseite unseres Geschäfts, eingerichtet unter dem Namen „Aus Liebe zum Duft“. Die neue Seite findet Ihr hier: http://www.facebook.com/ausliebezumduft

Unser Blog „Das Duft-Tagebuch“ bekommt zudem eine eigene Seite:
http://www.facebook.com/dufttagebuch

Das bedeutet, dass wir die alte Facebook-Seite „www.ausliebezumduft.de“ und die alte Facebook-Gruppe „Aus Liebe zum Duft“ in einer Woche löschen werden.

Natürlich möchten wir keinen von Euch verlieren, deswegen laden wir Euch herzlich dazu ein, bei unseren neuen Facebook-Seiten vorbeizusurfen und einfach den „Gefällt mir“-Button zu drücken. Dann können wir Euch auch weiterhin auf Facebook stets auf dem Laufenden halten und mit Euch nett kommunizieren!

Eure Ulrike samt dem duften Team aus Bruchsal.

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Freitagsverlosung.
Weihnachts- äh… Freitagsverlosung.
Herbstwonnen – die Neuerscheinungen.


Die Schöne und das Biest: Vierges et Toreros.

Geschrieben in Blüten,Die Schöne und das Biest.,Duft,Krautiges,Leder am 24.01.2011

Mariela

Die Jungfrau und der Stierkämpfer – Etienne de Swardt, Gründer von État Libre charakterisiert Vierges & Toreros als Tuberosen-Duft für den Herrn. Beim ersten Gedanken unmöglich, doch bereits nach der ersten Probe steht fest: die beiden Createurs – hier sind doch tatsächlich zwei Antoines, nämlich die Herren Lie und Maisondieu am Werke – meistern ihre Aufgabe wirklich bravourös.Yá estan aquí los Toreros muertos

Ob dieser Duft oder zumindest dessen Name wohl etwas mit einem Bildband von Christine Spengler zu tun hat? Spengler ist eine in Deutschland nicht sonderlich bekannte Kriegsfotografin. Gegen Ende ihrer Karriere in den 1980er Jahren kehrt die in Madrid aufgewachsene Französin in ihre Heimat zurück, um die berühmtesten Stierkämpfer im Stile religiöser Ikonen abzulichten. Es sind sehr farbenfrohe Aufnahmen, ein Heilmittel gegen Stress und Angst – sie wurde unter anderem als Geisel einer radikal-islamistischen Sekte gefangengehalten. Veröffentlicht wurden diese Aufnahmen zusammen mit Texten von Pedro Almodovar und Christian Lacroix unter dem Titel „Vierges et Toreros“.

Die Tuberose als Sinnbild für die Jungfrau – den ganzen Duftverlauf über omnipräsent, wird von sehr ausgeprägten animalischen Noten, Leder, sowie Costus, die den Torero repräsentieren begleitet. Im Auftakt dominieren ganz klar die würzigen und floralen Noten. Bisweilen habe ich aber fast den Eindruck, dass ich auch Plastik rieche und bin nicht sicher, woher das kommt. Immer mehr drängt dann allerdings das sehr derbe Leder in den Vordergrund, schafft es meiner Meinung nach aber nicht die süße Wucht der Tuberose zu untergraben. Nach einer Weile gesellt sich Costus dazu: jenes an Haare, Pelz und Schweiß erinnernde Kraut, welches unglaublich gut mit Patchouli und Vetiver harmoniert. Zusammen ergibt es eine unglaublich provokante, erotische Mischung.
Tuberose_20080820_3.jpg

Wieder mal ein äußerst starker, sehr eigener Duft von État Libre, mit sehr guter Haltbarkeit. Mit Sicherheit lässt sich behaupten: Aufmerksamkeit ist einem mit diesem Duft gewiss! Wer den großen Auftritt sucht und darüber hinaus einen Hang zur Dramatik hat, der möge diesem Duft eine Chance geben. Wer Opulenz und Tamtam nicht erträgt, sollte allerdings dringendst die Finger davon lassen. Ein Duft für den großen Auftritt in der Arena. Ein sehr gut gemachter Duft, auch wenn ich ihn, zugegebenermaßen, gewiss nicht tragen werde: zu viel nasses Tier, zu viele nach Aufmerksamkeit heischende Ingredienzen. Vielleicht als Geheimwaffe in der Sammlung für den Fall der Fälle? Ich überlege noch!

Harmen

Und wieder steht ein Duft aus dem Haus État Libre d’Orange auf dem Programm. Nach den letzten Kandidaten bin ich natürlich völlig auf zweideutige Assoziationen geeicht, denn beim fetten Elektriker, bei Weihnachten auf Balkonien, dem Zigaretten-Jasmin und den Oral-Maiglöckchen waren die Kompositionen in jedem Fall gegensätzlich aufgebaut, gewürzt mit erotischer Provokation.

Vierges et Toreros – Jungfrauen und Toreros – hier stehen sich ebenfalls zwei Welten gegenüber. Der Torero muss in diesem Fall allerdings keinen Stier bezwingen, sondern eine Jungfrau. Noch habe ich nicht am Duft geschnuppert. Es stellt sich natürlich wieder die Frage, wie dieses Bild olfaktorisch umgesetzt sein mag. Ich vermute jetzt einfach mal, dass für die Jungfrau sicherlich sehr weibliche Noten stehen, etwa Blüten, weiche Anklänge, vielleicht auch der Duft nach weißem Leinen? Der Torero dürfte folglich sehr männlich übersetzt sein, Leder, animalische Noten, möglicherweise Angstschweiß und Adrenalin oder auch gemäß seiner Tötungswerkzeuge Metall, Staub der Arena, Pferdemist…

Ich bin gespannt, was mich nun erwartet. Auf dem Teststreifen sticht mir zuerst ein starker Ledergeruch in die Nase, der von süßlichen, aber auch frischen Noten begleitet wird. Aber wer hört schon alleine auf den Teststreifen.

Die Duftnoten: Kopfnote: Bergamotte, Pfeffer, Kardamom, Muskatnuß; Herznote: Tuberose, Ylang-Ylang, Leder, Costus; Basisnote: Animalische Noten, Patchouli, Vetiver

Jetzt sprühe ich mir den Duft auf die Haut und rieche erst einmal sehr frische Noten, die vermutlich der Bergamotte geschuldet sind und durch den charakteristischen Kardamom unterstrichen und ergänzt werden. Daraufhin kommt wieder das Leder deutlich zum Vorschein in Zusammenspiel mit blumigen Noten – ob es sich nun um Ylang-Ylang oder Tuberose handelt kann ich nicht sagen, aber es handelt sich um eine Süße, die allein schon durch das Leder eine gewisse Schwere erhält. Ich muss sagen, dass dieser Duft „Lonestar Memories“ von Tauer überraschend ähnelt, allerdings ohne dessen Wucht. Wer „Lonestar Memories“ also kennt und schätzt, ist hiermit sicherlich auch an der richtigen Adresse. Die Basisnoten lassen sich für mich nicht genauer aufschlüsseln. Animalisches abgesehen von Leder kann ich nicht erriechen. Nach einiger Zeit wandelt sich das Ledrige ein wenig ins Holzige, ich nehme an, dass dabei der Vetiver an Fahrt gewinnt aber auch die Costuswurzel könnte hier ihre Finger im Spiel haben.

Das ganze Duftkonzept evoziert das Bild des südländischen Macho-Toreros, der eine Jungfrau erobert. Das Logo des Duftes lässt in gewohnter Eindeutigkeit keinen Zweifel daran, dass ihm dies auch gelingt, frei nach dem Sprichwort: „Wenn eine Jungfrau fällt, fällt sie auf den Rücken.“ Ich lehne mich jetzt einmal ganz weit aus dem Fenster: wäre hier nicht folgender Duftverlauf viel passender gewesen: der Lockstoff einer Rose oder auch der verwendeten Tuberose im Kopf, die von der männlichen Ledernote im Herzen im wahrsten Sinne des Wortes defloriert wird, um in salzigen und metallischen Blutzitaten auszuklingen? Das Motiv ist ein uraltes. Das ewige Liebes-Spiel zwischen Mann und Frau, Verführung und Eroberung, das rote Tuch des Matadors, der das Triebhafte aufreizt und anstachelt. Das Tuch taucht am Ende als beflecktes Laken nach der Hochzeitsnacht wieder auf. Und so war es auch schon bei Friedrich de la Motte-Fouqué die Wasserfrau Undine, die sich erst nach jener Nacht zu einem wahren menschlichen Wesen verwandelte. Die Sexualität als Nahtstelle zwischen Natur und Kultur hat seit jeher die Menschen fasziniert. Im altbabylonischen Gilgamesch-Epos ist es andersherum, dort wird der Tiermann Enkidu durch den Beischlaf mit einer Frau zivilisiert und damit seinem Tier-Sein entfremdet. Das Motiv ist archaisch wie es auch der Stierkampf ist. Hier wäre möglicherweise etwas mehr Mut erforderlich gewesen, um diesem alten Bild geruchlich völlig gerecht zu werden. Der Vorteil dieser Umsetzung ist allerdings eine absolute Tragbarkeit. Ich weiß auch, wem der Duft sehr gut stehen könnte. Frauen, die einen Torero auf die Hörner nehmen und dabei ganz süß und wie ein kleines Mädchen lächeln.

Euer Harmen

Hier finden Sie den Duft in unserem Shop

Bildquellen: Yá estan aquí los Toreros muertos by Von Aisaider, on Flickr,
Tuberose_20080820_3.jpg by faeparsons, on Flickr,
Ramón Casas: “Flores deshojadas” (1894), Édouard Manet: “Toter Torero” (1864-1865) – beide Wikimedia Commons — some rights reserved, vielen Dank!

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Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 21.01.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere allseits bekannte Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen zu geneigten Nasen – wer eines davon sein Eigen nennen mag, schreibt uns eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Ingmar S., Sabine E., Volha A., Ben K., Alexandra L. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

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Blau, Blau, Blau…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Reines und Pudriges am 21.01.2011

blüht er nicht nur dem Volkslied nach – der Enzian, Blume Nummer Drei in Brigitte Witschis Bergduft-Kollektion.

„Enzianblumen spiegeln das leuchtende Blau des Himmels wider. In ihrem azurblauen Kelch vereinen sich die Frische der Alpenluft und das muntere Plätschern der Bergquelle. Die Kopfnote des Duftes ist fruchtig und frisch wie eine Bergquelle. In der Herznote zeigen sich grüne Elemente, die sich durch die Süsse von Osmanthus begleiten lassen. In der Basisnote umhüllen leicht balsamische und puderige Nuancen den Grund aus Sandelholz. Frisch, plätschernd und leicht begleitet dieser Duft die Trägerin durch den Tag und verleiht ihr eine anregende, positive Ausstrahlung.“

Soweit Frau Witschi zu ihrer olfaktorischen Blüte. Ob der unter dem Künstlernamen Novalis arbeitende Romantiker Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg wohl diesen Sproß aus der ziemlich großen Familie der Enziangewächse meinte, als er sich nach der Blauen Blume sehnte, die zum bedeutungsschwangeren Wahrzeichen der Romantiker wurde? In jedem Falle ist die Farbe Blau in dieser Intensität und Ausprägung als Reinblau nicht sehr häufig in Fauna und Flora anzutreffen.

Seiner blauen Farbe verdankt der Enzian auch die Zuschreibung seiner Bedeutung – er steht für Treue. Und sicher auch ein bisschen für den Himmel, für Weite und Sehnsucht sowie Harmonie – was ihn alles genauso wie das Edelweiß zum begehrten Sammelobjekt werden ließ. Mittlerweile ist auch er streng geschützt und es werden zur Zeit Versuche unternommen, ihn in Kulturen anzupflanzen, da er auch für einige Schnapsspezialitäten verwendet wird.

Was Enzian angeht, fällt mir olfaktorisch dazu nicht viel ein: Von Guerlain gab es vor etlichen Jahren einmal ein Acqua Allegoria namens Gentiana, das ich allerdings nie getestet habe. Und von Hermès kam letztes Jahr das Eau de Gentiane Blanche heraus als eines von drei Colognes (Die anderen beiden sind Eau de Pamplemousse Rose und das altbekannte Eau d’Orange Vert in modernisierter Verpackung) – ein schöner, puristischer krautig-holziger Duft mit Enzian, Weihrauch, Iris und Moschus. An diesen dachte ich auch zuerst, als ich Enzian las – einfach weil es der erste Duft mit Enzian ist, der mir ins Gedächtnis kam.

Weit gefehlt, eine Ähnlichkeit ist hier mitnichten vorhanden. Mir drängt sich überhaupt der Eindruck auf, dass Witschi hier, gleich einem Expressionisten, mehr daran gelegen war, das Wesen des Enzians samt dessen symbolischer Kraft – ja, vielleicht auch im Hinblick auf die Blaue Blume? – abzubilden.

Ihr blauer Enzian zeigt sich im Auftakt fruchtig mit einer gewissen Süße, ich könnte wirklich wetten, es ist eine reife Kiwi, die mir da in die Nase steigt – und ich habe mehrfach getestet. Darauf folgen Noten von Trauben, denen sowohl Fruchtsüße als auch eine gewisse Wässrigkeit innewohnt. Letztere wird im Laufe des Duftes durch aquatisch-saubere Tendenzen noch unterstrichen. Dazu gesellt sich blühender Osmanthus samt der ihm eigenen Pfirsichanklänge, hervorragend mit der ansonsten klaren Anmutung des Duftes harmonierend, der auf einer weichen, dezent pudrigen Basis zur Ruhe kommt.

Für mich, obgleich eigentlich nicht meinem konventionellen Beuteschema entsprechend, der schönste Duft der Serie, nicht zuletzt wegen des sauberen Osmanthus. Dieser scheint weit und licht in blauen und weißen Farben und vermag es mir ob seiner Strahlkraft und seiner Positivität ein dauerhaftes Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Auf gut deutsch: Er macht glücklich. Und das kann man ja hin und wieder mal gebrauchen ;)

In diesem Sinne: Einen wunderschönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Bergduft, Breithorn Enzian von Dirk Beyer, Gentiana Dinarica von Chrumps, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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