Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Schöne und das Biest: Fat Electrician.

Letzten Freitag hatte ich es bereits angekündigt und “die Katze aus dem Sack” gelassen – und hier ist sie nun: Eine auf Basis meiner Eingebung umgesetzte neue Rubrik namens “Die Schöne und das Biest”. Wieso der Name? Weil sich diese Rubrik hauptsächlich Mariela und Harmen teilen werden, die ich Euch bereits vorgestellt habe. Die beiden werden sich demnächst auch noch selbst in unserem Menüpunkt “Über Uns” verewigen.

“Die Schöne und das Biest” – Ein Duft, zwei Meinungen, und zwar gerne subjektiver Natur. Mariela, Duftliebhaberin alter Schule, Schöngeist und Designfan. Und Harmen, Duftneuling, Literaturwissenschaftler, Skandinavienfan, Skeptiker mit bisweilen losem Mundwerk gepaart mit einer gesunden Neugierde. Ich verspreche Euch, es wird unterhaltsam! Viel Spaß mit unseren beiden Neuen!

Heute an der Reihe: État Libre d’OrangeFat Electrician.

Mariela

Nun, wie riechen wohl Elektriker? Als unsere Wohnung renoviert wurde war einer dieser Gattung täglich zu Gange, jedoch fiel damals kein besonderer Geruch auf. Auch kein schlechter… Also was stellt man sich darunter so vor? So viel fällt mir erst einmal nicht ein, vielleicht Schweiß und verschmorte Kabel? Vielleicht eine Mischung aus Comme des Garçons Odeur 53 und État Libres Secretions Magnifiques? Allerdings erwartete mich etwas ganz anderes.

Auf der Produktwebseite stößt man sogleich auf den Hinweis, dass Fat Electrician nach einem Film konzipiert wurde und zwar Midnight Cowboy. Er handelt von einem unbedarften jungen Mann, der vom Lande in die Stadt kommt, um dort Karriere als Gigolo zu machen. Er scheitert natürlich kläglich. Den Film habe ich leider nicht gesehen, jedoch kommt eine Erinnerung auf, die jetzt einfach einmal herhalten muss:

Mein Elektriker war in jungen Jahren ein unglaublich gut aussehender Mann. Ich würde mal sagen einer der schönsten Männer, die ich je gesehen habe, mit dem entsprechenden Charme natürlich. Diese Mischung war unwiderstehlich, nicht nur für mich, sondern auch für viele, viele andere Frauen und Mädchen. Dementsprechend war auch sein Verschleiß.

Jeder dachte, dass dieser junge Beau Kapital aus seinem Aussehen schlagen würde. Ich bin mir sicher, er hätte Karriere als Model machen können oder welche Berufe es sonst noch in der Schönheitsbranche geben mag. Aber falsch gedacht, er blieb in dem Kaff hängen und wurde dick. Was für eine Enttäuschung, als ich ihn nach Jahren wiedersah. Der Charme war noch da, jedoch empfand ich ihn nicht mehr als anziehend, sondern nur noch als traurig. War er vermutlich auch, denn nach den Jahren der Fülle an Frauen, war er mittlerweile allein. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, ständig sein Glück beim anderen Geschlecht zu versuchen. Ich komme jetzt leider nicht darauf, welchen Duft er benutzte. Es könnte aber von der Thematik her durchaus Fat Electrician gewesen sein…

Mit dem ersten Spritzer geht es gleich ordentlich los. Die État Libre Düfte zieren sich nicht, da wird gleich gezeigt, wo der Hammer hängt. Gut so, weiß man doch gleich, woran man ist. Dasselbe ist mir auch schon bei Noël au Balcon aufgefallen. Die herbe, wunderbar trockene Süße, die mir ins Gesicht schlägt, nimmt mich gleich gefangen: Vetiver in Kombination mit Opoponax und Myrrhe finde ich unwiderstehlich. Ganz leicht schimmert auch noch eine süße, runde jedoch nicht allzu liebliche Vanille hervor. Für mich ein unglaublich sinnlicher Duft, den ich definitiv tragen werde, obgleich ich ihn lieber an einem Mann riechen würde. Ein Duft, nicht für den Allerweltsmann, sondern für einen sehr selbstbewussten, einen der sich nicht immer in sicheren Gefilden bewegen muss, der nicht mit dem Strom schwimmt, sondern gern auch mal entgegen. Und dabei unwiderstehlich anziehend wirkt. [Wie der Elektriker oder eben NICHT wie der Elektriker? ;) - Anmerkung: Uli.]

Harmen

Ich muss zugeben, ich hatte die schlimmsten Befürchtungen als es darum ging, dass ich diesen Duft testen soll. Zwar war mir bekannt, dass État Libre d’Orange sich einerseits rebellisch und anzüglich geben, andererseits aber auch wahre Meister der Parfumherstellung sind – aber wie mag wohl ein Duft riechen, der „Fat Electrician“ getauft wurde? Meine Angst erklärt sich vielleicht noch ein bisschen besser, wenn ich hinzufüge, dass vor nicht allzu langer Zeit in unserer frisch bezogenen Wohnung ein Abflussrohr verstopft war und wir, nachdem die Waschmaschine das kühle Nass statt in die Kanalisation gleichmäßig unter die Schränke befördert hatte, zu guter Letzt den Handwerker rufen mussten. „Frische“ Erinnerungen also. Wie mag ein fetter Elektriker riechen?

Kopfnote: Schweiß – Herznote: Leberwurstbrot – Basisnote: Pümpelgummi?

Aber Spaß beiseite. Da ich zu den Düften wie die Jungfrau zum Kinde kam, verzeiht mir meine etwas unfachmännisch geäußerten Assoziationen. Mein erster Eindruck ist Weihrauch, jedenfalls etwas Holzig-Harziges, Räucherstäbchen, aber ohne die erdrückende Schwere. Es sind zudem zurückhaltend süßliche Noten vorhanden – ist das die angegebene Vanille? Diese nehmen etwas von der trotzdem vorhanden Schwere und auch der an Papier erinnernden Trockenheit des Harzes – Opoponax und Myrrhe, wie der Hersteller angibt. Auf dem Testreifen nehme ich anfangs eine alkoholische Note wahr, die mich an den Geschmack von Wodka erinnert, auf der Haut bleibt dieser Effekt aus, wobei sich hier im Gegensatz zum Teststreifen auch wärmere Aspekte des Duftes ergeben. Es macht sich natürlich Erleichterung breit, wenn die befürchteten Duftmerkmale ausbleiben. Alles in allem ein Winterduft, für meinen Geschmack etwas zu schwer und anstrengend, aber trotzdem ein ungewöhnliches Dufterlebnis.

Bildquelle: Lewis Hine (1920): Power house mechanic working on steam pump via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Maharadjah…

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges,Krautiges,Orientalen am 21.12.2010

… ist nicht nur die Bezeichnung eines Großkönigs oder -fürsten und somit ein indischer Herrschertitel – es ist auch der Name eines der meines Erachtens nach schönsten Orientalen überhaupt, in diesem Falle aus dem Hause Nicolaï. Steffi hatte ja bereits vor einiger Zeit einige Düfte von Patricia de Nicolaï vorgestellt, jenem Sproß der Guerlain-Famile, deren eigenes Haus völlig zu Unrecht oftmals eher unter ferner liefen läuft. Wie schade, fällt doch hier der Apfel nicht weit vom Baum, wie man so schön sagt – Madame Nicolaï trägt das große Erbe mit Würde und besitzt ein überaus gutes Händchen dafür, Schönheit, Eleganz und Dezenz olfaktorisch umzusetzen.

Maharadjah nun steht dem in nichts nach, ist aber, das sei vorab bemerkt, sicherlich einer der – mmmh, ich will mal sagen kontroversen Düfte, von denen es in dieser Linie nicht allzu viele gibt, neutral bemerkt. Will sagen: Frau Nicolaïs Stil widerspricht der Natur des Kontroversen. Maharadjah aber ist ein Spalter – ich denke, entweder man liebt ihn oder man kann ihn nicht ertragen. Bei mir ist eindeutig ersteres der Fall, auch wenn ich ihn nicht besitze, weil ich ihn zu selten tragen würde. Ich bin einfach im Normalfall nicht der Mensch, der Träger für Orientalen.

Madame Nicolaï gibt uns mit ihrem Maharadscha auch ein kleines Rätsel auf: Soeben auf der Webseite recherchiert, wird Maharadjah als Damenduft gelistet, genauso wie sein Pendant Maharanih – eigentlich müsste ersterer demnach der maskuline Part sein, zumindest dem Namen nach. Mein Maharanih-Test ist lange her, genau kann ich es nicht mehr beziffern, welcher der beiden nun weiblicher oder männlicher ist – in jedem Falle halte ich beide, besonders aber Maharadjah für Männlein wie Weiblein gleichermaßen geeignet. Vorausgesetzt – der Duft passt zur Person, zum Naturell.

Maharadjah öffnet mit einer übermächtigen Lavendelgewalt, ein tief dunkelvioletter Lavendel, der annähernd aromatherapeutisch wirkt, beruhigend, kraftvoll, ernsthaft und stolz. Jener ist der unangefochtene Herrscher des Duftes, getragen von einer sich alsbald nicht minder selbstbewusst auftretenden Dienerschaft von verhalten scharfem Zimt, dessen Süße von Sandelholz und dessen Würze von Gewürznelke verstärkt wird, während Patchouli dem Duft seine unendliche Tiefe einhaucht. Oder sind es gar nicht die Lakaien des Lavendelgroßkönigs? Vielleicht die weibliche Dienerschaft, ein Teil des Harems gar – so verbunden und innig leidenschaftlich gibt sich die Gruppe, die zusammen verschmilzt zu einer fast mystisch anmutenden cremigen Tiefe, die absolut einzigartig ist.

Ein gleichzeitig opulenter, aber auch reduzierter Orientale. Von einer unnachahmlichen Farbenpracht zeigt sich Maharadjah zugleich zurückhaltend, niemals aufdringlich sondern weise, überlegen und vertraut, Vertrauen weckend, beschützend. Dabei wohnt ihm aber immer ein Funken Melancholie inne, eine bittere Süße…

Mich erinnert Nicolaïs Kunstwerk sehr an einen Film – The Fall von Tarsem Singh. Ein Drama mit märchenhaft phantastischen, ja: Phantasielementen, das vor allem durch seine wunderschöne und atemberaubende Ästhetik beeindruckt.

Kennt Ihr eines von beiden, den Duft, den Film?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Kinoplakat & Bilder aus “The Fall” , some rights reserved.

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Mein Einstieg & der schwarze Pfeffer.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Gewürziges,Holziges am 20.12.2010

Eine neue Stimme stellt sich heute vor… Nach Stephanies Rückzug bin ich jetzt Ulis neue Assistentin. Den einen oder anderen Leser konnte ich ja schon beim Beauty-Board-Treffen neulich in Bruchsal kennenlernen. Meine Tätigkeit besteht darin, Uli zu unterstützen, was ich nun seit einem guten Monat auch mache. Dann wurde auch der Wunsch laut, ich könnte mich doch auch mal an einer Rezension versuchen. Da ich absoluter Schreibneuling bin, bedurfte es viel guten Zuredens von Ulis Seite, aber dann wagte ich doch einen Versuch. Here we go…

Zuerst sollte ich nicht nur von meinem beruflichen Einstieg, sondern auch von meinem Einstieg in die wunderbare Welt der Düfte berichten. Es begann mit einem Gutschein für die Schlossparfümerie in Stuttgart, den ich von einer sehr guten Freundin zu meinem Geburtstag bekam. Das ist allerdings nun doch schon ein paar Jährchen her. Die Schlossparfümerie war zwar absolutes Neuland für mich, jedoch war ich sofort angetan von dem schönen Ambiente und der persönlichen Beratung. Allerdings waren es eher Kosmetikartikel, die ich bei diesem ersten Besuch erstanden hatte, dennoch verließ ich den Laden nicht ohne zwei Pröbchen mitgenommen zu haben. Das eine enthielt HoubigantsQuelques Fleurs“, ein Duft, den ich immer noch wunderschön finde und der von Uli bereits hier im Blog vorgestellt wurde. Die zweite Duftprobe beinhaltete „Piper Nigrum“ von Lorenzo Villoresi. Was soll ich sagen, es war Liebe auf den ersten Blick oder sagen wir auf den ersten Hauch. Noch nie hatte ich schwarzen Pfeffer in einem Parfum gerochen und wurde durch dieses Erlebnis für den Rest meines Duftlebens geprägt, denn noch heute werde ich augenblicklich schwach bei dieser Ingredienz. Ich konnte nicht genug von ihm bekommen und schon bald war der kostbare Inhalt des Pröbchens aufgebraucht – Ihr kennt das sicherlich. Jedenfalls konnte ich mir ein Leben ohne diesen Duft nicht mehr vorstellen – eine ganze Flasche musste her. Noch heute steht sie hier, die Flasche, ich habe es nie geschafft, sie aufzubrauchen, denn das ist sicher kein Duft für jeden Tag. Wenn man erst einmal Blut geleckt hat, ist man ständig auf der Suche nach dem nächsten neuen Duft-Highlight und so wird die Sammlung auch nicht gerade kleiner. Aber zurück zu „Piper Nigrum“ – die Duftnoten: Dill, Anis, Fenchel, Pfefferminze, Zitrische Noten, Schwarzer Pfeffer, Oregano, Muskatnuß, Elemiharz, Weihrauch, Petitgrain, Nelkenblätter, Rosmarin, Ambra, Styraxharz, Benzoeharz, Perubalsam, Myrrhe, Atlas-Zedernholz, Hölzer.

Nach dem ersten Aufsprühen duftet „Piper Nigrum“ zitrisch-minzig, ja fast schon kampferartig, leicht nehme ich den Fenchel wahr, den Dill kann ich allerdings nicht herausriechen. Dann bahnt sich der Pfeffer unaufhaltsam seinen Weg, dezent begleitet von Muskat und leicht krautigen Noten. Die wunderbare Süße, die sich breitmacht, muss von den Nelken kommen. Die Schärfe des Pfeffers ist so intensiv, dass ich schon mehrmals beobachtet habe wie Leute in meiner Umgebung anfingen zu niesen. Nun weiß ich nicht, ob das eine erfreuliche Begleiterscheinung ist, jedoch habe ich ein derartig intensives Pfefferaroma noch bei keinem anderen Duft wahrgenommen. In der Basis hat er fast schon vanilline Noten, die vermutlich dem Benzoeharz zuzuschreiben sind, und eine warm-würzige Süße, die sicherlich dem Perubalsam und der Myrrhe geschuldet ist. Der Duft erweist sich als wahnsinnig haltbar, am nächsten Morgen duftet mein Handegelenk immer noch nach einem unglaublich cremig-weichen Ambra.

Er ist schon sehr besonders, mein erster Liebling. „Piper Nigrum“ ist auf jeden Fall einer dieser Düfte, die polarisieren. Man liebt ihn oder man kann gar nichts mit ihm anfangen, dazwischen gibt es nichts. Es ist kein Duft, den man “ganz nett” oder “nicht schlecht” findet. Aber diejenigen, in deren Beuteschema warm-würzige Düfte passen, sollten ihn definitiv testen.

„Piper Nigrum“ ist definitiv ein Duft für die kältere Jahreszeit, passend dazu ist das Wetter ja hier, denn heute ist ein harscher, kalter Wintertag mit Schnee.

Was habt ihr für Erfahrungen mit diesem Duft gemacht? Fangen eure Kinder auch an zu niesen, wenn ihr ihn tragt?

Macht es euch kuschelig und genießt den Tag,

Mariela.

Bildquelle: Black Pepper Corns von Dora Mitsonia via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Warum Huren nach Vanille riechen…

Geschrieben in Verweise am 18.12.2010

… beantwortet Chandler Burr, der offizielle Parfumkritiker der New York Times in seinem Interview mit der Welt – siehe hier.

Viel Spaß :)

Liebe Grüße,

Ulrike.

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Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 17.12.2010

Hallo Ihr Lieben,

fünf Probenpakete wollen wir wie jede Woche loswerden – wer eines davon gewinnen mag schreibt uns bis Sonntag, 24 Uhr, eine Mail an info@ausliebezumduft.de. Namen und Adresse nicht vergessen sowie bitte einen Duft nennen, der diese Woche hier rezensiert wurde – viel Glück!

Dieses hatten letzte Woche: Nicole H., Christine H., Dorothea B., Olivia K. und Carmen W. – herzlichen Glückwunsch!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

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Neuer Wind…

Geschrieben in Allgemein,Ankündigungen am 17.12.2010

… weht überall, so auch bei uns – es gibt Neues, das ich Euch nicht vorenthalten möchte: Die liebe Steffi hat uns leider verlassen, wenn auch wehmütigen Herzens. Insofern sah ich mich erstmal ein wenig alleine auf weiter Blog- und Shopfront, was sich nun aber geändert hat: Wir haben zwei neue Aushilfen, die mir in Zukunft auch hier und da im Blog helfen werden.

Harmen dürfte Euch wohlbekannt sein – und zwar aus einem meiner Artikel, siehe hier. Er ist ein sehr guter Freund von mir und Literaturwissenschaftler – deswegen war er geradezu prädestiniert dafür, mir beim Texten behifllich zu sein. Mittlerweile hat er sich ziemlich gut in die ihm bis dato noch relativ neue Materie eingearbeitet und zeigt Bereitschaft, auch andere Düfte als seinen heiß geliebten Clive Christian 1872 und dessen Ab-und-An-Stellvertreter Colonia Intensa von Acqua di Parma an sein Näschen zu lassen – dies animierte mich dazu, ihn so lange zu bedrängen, bis er sich bereit erklärte, sich ab und an ebenfalls an Rezensionen zu beteiligen. Genauer: An Zweier- oder Dreier-Rezensionen. Das wollte ich eigentlich schon sehr lange in die Tat umsetzen: Ein Duft – zwei oder drei (verschiedene?) Meinungen dazu, am besten aus unterschiedlichen Perspektiven. Harmen wird zukünftig eine davon beisteuern.

Die zweite fällt Mariela zu. Mariela habe ich einiges zu verdanken, denn es war sie, die mich vor Jahren mit ihrem Duft faszinierte und mich auf mehrmaliges Drängen meinerseits erstmalig in eine Nischenparfümerie schleppte – sie hatte damit schlafende Hunde geweckt und ich Blut geleckt. Mariela kennt sich demnach mit Nischenparfums sehr gut aus und wird uns fortan ebenfalls unterstützen, unter anderem mit Rezensionen ihrer alten Lieblinge und neuen Entdeckungen.

In unserem Shop kommen derzeit auch haufenweise Produkte an – eine Neuheit darunter ist die Bergduft-Kollektion: Die durchweg hellen Kreationen von Brigitte Witschi werden in Handarbeit in Kleinmengen direkt in der Schweiz abgefüllt und sind, natürlich, eine Hommage an deren wunderschöne Natur. Ich werde die Düfte in nächster Zeit noch ausführlich im Blog vorstellen.

Ein weiteres Schmankerl, das uns dieser Tage noch erwartet, sind vier neue Düfte der Firma Korres: Die griechische Kultmarke für Naturkosmetik hatte uns schon vor einiger Zeit mit drei Düften überrascht – tolle Qualität, interessante Düfte, ein schönes Packaging sowie ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis zeichnete die Linie aus, die damals aus den Düften Pepper / Jasmine / Guaiac Wood, Saffron / Amber / Cardamom und Rose Wood / Black Currant / Cyclamen bestand. Letzterer ist wohl, soweit ich weiß, nun aus der Produktion und wird fortan nicht mehr hergestellt. Die beiden anderen Düfte bleiben bestehen, dazu gesellen sich weitere vier Kandidaten: Paeonia / Vanilla / Amber / Pear, White Tea / Bergamot / Freesia und Vanilla / Freesia / Lychee – alle drei für die Damenwelt bestimmt. Darüber hinaus natürlich auch ein Duft für Herren – Vetiver Root / Green Tea / Cedarwood. Mir haben die drei anfänglichen Düfte damals ziemlich gut gefallen, insofern harre ich jetzt gespannt der Dinge beziehungsweise – der Lieferung. Bestellt sind sie nämlich schon, sie sollten deshalb alsbald in unserem Shop eintrudeln ;)

Ebenfalls zum Großangriff holt Dior aus, was den Blindbestellfinger bei mir schon wieder gewaltig zucken lässt. Wir erinnern uns – es gab da so eine sehr nette Cologne-Collection namens La Collection Couturier Parfumeur, erstmalig vorgestellt 2004… Im herrlichen Hedi-Slimane-Flaschendesign, der mit seinen ikonischen Anzügen für Dior Homme ja bereits Lagerfeld dazu inspirierte, sich von etlichen, wohlgepflegten und gehegten Kilos zu trennen – nur um den Preis, jene tragen zu können. Für die Parfumkreation hat sich Dior natürlich echte Profis gegönnt – keine geringeren als Annick Ménardo und Françis Kurkdjian. Erstere kreierte Bois d’Argent, eine dunkel-samtige Leder-Iris mit Honig und Harzen. Kurkdjian bescherte uns gleich zwei Kracher: Eau Noire, einen göttlichen krautigen Lavendel mit Anklängen von geröstetem Kaffee, Vanille und Leder sowie einer kongenialen Currynote. Cologne Blanche ist mandelig-pudrig mit ein paar Hesperiden und Kräutern versetzt und erinnert ein wenig an Creeds Klassiker Angelique Encens. Darüber hinaus existierte noch ein vierter Duft, Ambre Nuit, ein zitrischer Rosen-Ambra – meines Erachtens nach müsste dieser aber discontinued sein, zumindest ist nirgendwo mehr von ihm die Rede.

Denn momentan wird wieder von der Kollektion gesprochen, und zwar von ZEHN DÜFTEN – die bereits erwähnten drei von Ménardo und Kurkdjian werden nämlich gleich von sieben weiteren Düften ergänzt, die da heißen: Mitzah, Vétiver, Granville, Leather Oud, New Look 1974, Cologne Royale und Milly.

Mitzah ist wohl ein Orientale mit Gewürzen, Weihrauch und Ambra, der eine Hommage an die gleichnamige Madame Bricard darstellt. Granville ist eine Ode an Christian Diors Kindheit in der Normandie und ein frisch-aromatischer Duft. New Look 1947 soll eine moderne Tuberoseninterpretation darstellen, genauso wie Cologne Royale eine zeitgemäße Variation des altbekannten und traditionellen Cologne-Themas sein soll. Milly-la-Forêt verspricht ein skinniger Moschus zu sein. Vétiver hört sich für mich wieder sehr begehrenswert an, genauso wie Leather Oud: Ersterer ist eine Kaffee-Vetiver-Kreation und zweiterer ein animalischer Leder-Oud-Duft, der den Parfumkritiker Octavian Coifan in seinem Blog 1000 Fragrances schon zu wahren schwärmerischen Ausfällen inspirierte – siehe hier. Auch einen Teil der anderen Düfte hat sich Monsieur bereits zur Brust genommen – New Look 1947, Granville und Mitzah.

Bisher sind die Düfte nur direkt in Paris erhältlich – sie sollen aber auch nach Deutschland kommen und dann dort in den jeweiligen Flaghshipstores erhältlich sein.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Die Vergessenen III

Drei auf einen Streich sind es diese Woche, drei Artikel zu den „Vergessenen“: Düfte, die schon seit langem der Entdeckung in meiner riesigen Schublade harrten um der Öffentlichkeit, also: Euch, in schönen Worten preisgegeben zu werden.

Heute bleibe ich wie gestern auch in Frankreich und stürze mich als alter Komplettierer auf drei Düfte aus der Kollektion des ubiquitären Monsieur Pierre Montale. Fleißig war der gute ja schon immer – kaum ein Jahr vergeht, in dem er nicht mit einigen – die Betonung liegt hier auf dem Plural – Neuveröffentlichungen seine ohnehin schon ziemlich umfangreiche Linie ergänzt. Die letzten Dazukömmlinge sind: Aoud Ambre, Full Incense und Black Musk.

Das hört sich nach einer Reihe finsterer Buben an, ich bin gespannt… ;)

Und in der Tat – diese Jungs machen keine Gefangenen, zumindest Aoud Ambre und Full Incense nicht. No mercy sage ich da nur…

Aoud Ambre ist ein „richtig fettes Brett“, wie ein Kumpel von mir sagen würde. Von Labdanum ist da die Rede und von Ambra sowie natürlich Oud. Und, ganz ehrlich, auf meiner Haut überdeckt das alles: Dicke durchdringende medizinische Oudwolken in Kombination mit Leder, altem ehrwürdigem. Ein Hauch würziges Tier mischt ebenfalls mit genauso wie der likörig-trocken-süße Namenspate Ambra. Ich fühle mich erinnert an – Freuds Arbeitszimmer, damals in London gesehen. Eine ernsthafte Angelegenheit und eine schwere, bedeutungsträchtige – das genaue Gegenteil eines leichtlebigen Leichtgewichts.

Full Incense verspricht ebenfalls einiges – und hält sein Versprechen auch. Hier finden laut Herstellerangaben Elemiharz und Labdanum zusammen, beides Räucherwaren, welche von Patchouli und Zedernholz abgerundet werden. Ist jetzt Weihrauch mit drinnen? Oder bezieht sich der Name nur auf das ganze andere Räucherwerk? Ich sage – Ja. Für mich ist auch Weihrauch mit drin und nicht zu knapp: Ein dichter Kirchenweihrauch. Überhaupt präsentiert sich Full Incense überaus kühl – entgegen dessen, was man vielleicht hinter einem Harzduft vermuten könnte. Keine warm-würzig-süße Oud-Rauchigkeit. Eher eine fruchtige, ein wenig an Wacholder erinnernde rauchige Kühle, sakral anmutend. Eine, die an die kräftigeren Kandidaten aus Comme des Garçons Series 3 erinnert oder an Etros Messe de Minuit genauso wie an Herrn Tauers gelungene Weihrauch-Experimente. Patchouli hilft hier vermutlich der Tiefe Ausdruck zu verleihen, ist für mich aber nicht einzeln zu entdecken, das Zedernholz allerdings dürfte dem ganzen noch mehr saubere Kälte stiften und rundet Full Incense somit gelungen ab. [Edit: Und natürlich ist Weihrauch drin. Denn Elemi entstammt dessen direkter Verwandtschaft: Eine Quelle, aus der Elemiharz gewonnen wird, ist neben anderen Pflanzen auch Boswellia frereana, eine Weihrauchart. Lieben Dank an dieser Stelle an Christof, der mich darauf aufmerksam gemacht hat!]

Black Musk, der dritte Kandidat im Bunde, hätte jetzt eigentlich nichts für mich sein dürfen… Moschus ist nicht unbedingt meine Kragenweite, eigentlich. Ich besitze und liebe Anamor All that matters, einen überaus kuscheligen Muckelmoschus. Dann hatte ich das Narciso Rodriguez Musc for Her Oil (ganz wichtig – das Öl!) – einen sauberen, sehr skinnigen Moschus mit sanften Neroliakzenten sowie Malles Musc Ravageur, der Sexy-Moschus überhaupt. Und, mein neuer spät entdeckter Freund – Etros Musk. Damit wäre die helle Moschusfraktion abgedeckt. Einen Düstermoschus, einen dreckigen, hätte ich schon lange gerne gehabt. Lutens’ Muscs Koublai Khan verwandelte sich bei mir von einem auf dem Duftstreifen durchaus überzeugenden Ziegenbock in einen zahmen Skinduft auf der Haut – was war ich enttäuscht… Montales Black Musk nun könnte mich vielleicht retten: Was mir vom Duftstreifen entgegenduftet ist eine Mischung aus frischen, sehr sauberen hellen Moschusnoten mit einem Tick Graphit (einen reinen Moschus-Graphit gab es einmal von Indult, wie hieß er doch gleich?), die sich mit ledrig-dreckigen Moschusanklängen vermischen. The Marriage of Heaven and Hell.

Diese entwickelt sich auf meiner Haut anders, aber nicht weniger interessant: Sauber bleibt es, irgendwie. Und eine Frische hat das auch, was mir da entgegenwallt – aber eine, die durch unverhohlen ledrige Akzente korrumpiert wird, welche die mir wohlbekannt vorkommen, da sie ein ähnliches Kaliber besitzen wie die Ledernoten in Oud Cuir d’Arabie. Überhaupt denke ich permanent an Oud, es mutet nämlich auch ein wenig nach Black Oud an…

Testet selbst, ich bin gespannt was für eine Dynamik vor allem letzterer Duft an Euch entwickelt :)

Dessen Ingredienzen: Kopfnote: Moschus, Ambra; Herznote: Leder, Sandelholz; Basisnote: Schwarzer Pfeffer, Muskatnuss.

Einen wunderschönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquellen:  Freuds Sofa von Konstantin Binder / Mikegr, Catedral de Barcelona von Paolo da Reggio, The Marriage of Heaven and Hell by William Blake, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Vergessenen II

Ich schreibe mir jetzt die Seele frei – und zwar wie gestern versprochen von einer ganzen Anzahl Düfte, die hier noch darauf warten, in Worte umgesetzt zu werden und anschließend im Blog zu landen.

Madame Micallef hat uns auch mal wieder ein paar neue Düfte beschert – schon vor einiger Zeit sind sie bei uns im Shop gelandet: Celebration, rechtzeitig zu Weihnachten, und natürlich einmal für den Herren und einmal für die Dame. Darüber hinaus Pomme d’Amour, früher bekannt als Vanille-Mandarine.

Celebration Woman ist in der Tat ein Grund zum Feiern: Ein unaufdringlicher und dezenter Jasmin, der ganz ohne die für mich bisweilen unerträglichen indolischen Tendenzen auskommt. Ein fein abgestimmter und sehr harmonischer Vertreter mit einem Herz voller Weißblüher – neben Jasmin sind hier auch Ylang-Ylang und Neroli vertreten, die die Helligkeit des Duftes nach Kräften unterstreichen und ihm darüber hinaus eine sanfte Fruchtsüße verleihen. Die Hesperiden-Kopfnoten stiften eine kurzlebige Spritzigkeit, die allerdings vom floralen Charakter des Duftes alsbald überlagert wird. Jenes Blütenstillleben erhält durch die Basis eine sanfte Weiche und Cremigkeit, was den Duft überaus überzeugend abrundet.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Grapefruit; Herznote: Jasmin, Neroli, Ylang-Ylang; Basisnote: Sandelholz, Patchouli, Moos, Vanille.

Celebration Man, die Männernummer, ist ein interessanter Vertreter derselben Gattung: Ambivalenz ist hier das Stichwort. Einerseits zitrisch-frisch durch die vollkommen durch Agrumen bestückte Kopfnote präsentieren sich Herz und Basis harzig-holzig und animalisch: Hölzer und Räucherwerk sorgen hier für ein warmes Gegengewicht, dem darüber hinaus ein sich vornehm im Hintergrund haltendes (Raub?)Tier innewohnt. Für den modernen Großstadtabenteurer ergo die ideale Ausstattung. Und ich verspreche: Der Duft hat mehr Sexyness als die mitunter gerne auch in der Freizeit zur Schau gestellte, leider viel zu weit verbreitete Funktionskleidung ;)

Die Ingredienzen: Kopfnote: Zitrone, Mandarine, Bergamotte; Herznote: Weihrauch, Patchouli, Zedernholz; Basisnote: Castoreum, Benzoeharz, Ambra.

Pomme d’Amour, der Liebesapfel, ist wohl ein Nachfolger des Duftes Vanille-Mandarine. Ich muss gestehen jenen nie unter der Nase gehabt zu haben, insofern kann ich über eventuelle Unterschiede auch nicht wirklich etwas sagen, allerdings verwundert mich der Name etwas: Ganz offensichtlich orientiert sich der Name nicht an der Tomate oder der Alraune (steht Liebesapfel im französischen überhaupt auch dafür?), sondern an dem leuchtendroten Naschwerk vom Rummelplatz, das vermutlich nicht nur für mich hehre Erinnerungen an die Kindheit birgt. Jedoch findet sich in den Ingredienzen kein Apfel: Kopfnote: Schwarze Johannisbeere, Orange, Pampelmuse, Mandarine, Kokosnuss, Pfirsich; Herznote: Zedernholz, Tonkabohne: Basisnote: Vanille, Weißer Moschus.

Aber widmen wir uns erstmal dem Duft. Im Auftakt zeigt sich Pomme d’Amour erwartungsgemäß fruchtig: Ein buntes Stelldichein verschiedenster Obstkandidaten, angefangen von säuerlicher dunkelvioletter Johannisbeere, Orangen-Mandarinen-Anklängen bis hin zu sanftem Pfirsich, akzentuiert von einer trocken-süßen und leicht würzigen Kokosnote, die auch Nicht-Kokosfans gefallen könnte. Herz und Basis ergänzen sich perfekt in weich-pudriger Vanillepower und bringen im Zusammenspiel mit den Früchten in der Tat gourmandige Noten hervor, die in der Tat an glasierte Leckereien erinnern, insofern – Oui, oui Madame Micallef, der Name passt schon…

Habt Ihr schon getestet? Her mit den Meinungen meine Lieben!

Einen schönen Tag und viele Grüße,

Eure Ulrike.

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Der Mythos des Sisyphos oder: Die Vergessenen I

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Aquatisches,Duft,Fruchtiges am 14.12.2010

Mich hat es zwar noch nicht in die Unterwelt verschlagen, jedoch komme ich mir trotzdem häufig vor wie einer, der dort fleißig und verzweifelt gleichermaßen seine (Straf)Arbeit verrichtet – der gute alte Sisyphos. Direkt neben meinem Schreibtisch steht er, der kleine Bürocontainer, der nur für Düfte reserviert ist und mehrere Schubladen besitzt, die noch abgearbeitet werden wollen: Voller Duftproben, die der Rezensionen für Euch harren. Düfte, die ich Euch noch vorstellen mag, ganze Firmenkollektionen, die ich noch beschreiben möchte und natürlich jene Schublade mit den Neuheiten, die sich nimmer leeren möchte. Kaum habe ich sie um eine Handvoll Düfte erleichtert kommen sogleich mindestens doppelt so viele Neue hinzu und ich habe stets ein schlechtes Gewissen, obgleich ich mich bereits daran gewöhnt habe, hier nicht zu einem Ende kommen zu können – vielleicht ja auch ganz gut so, oder? ;)

In jedem Falle ist diese kleine Schublade mal wieder prall gefüllt und es gibt noch soo viel, was ich Euch dieser Tage noch erzählen mag. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, unter dem Titel „Die Vergessenen“ in loser Reihenfolge Kurzrezensionen von denjenigen nicht mehr ganz neuen Parfums zusammenzufassen, die schon viel zu lange auf eine Vorstellung warten mussten.

Creeds Aventus ist einer davon: Einem historischen Eroberer gewidmet versprechen uns die Engländer hier einen Herrenduft, der die Herzen der Damen genauso erobert wie sein Vorbild. „Fruit Rich and Fresh“ soll er darüber hinaus sein – ein Blick auf die Ingredienzen bestätigt dies: Kopfnote: Schwarze Johannisbeere, Bergamotte, Apfel, Ananas; Herznote: Rose, Birke, Jasmin, Patchouli; Basisnote: Moschus, Eichenmoos, Ambra, Vanille.

Im Auftakt präsentiert sich der Engländer in der Tat sehr fruchtig – feinste grüne Apfelnoten, ein Hauch Fruchtsäure von der Johannisbeere und eine sehr appetitlich-satte Ananas, wie man sie ähnlich erwachsen aus Maître Parfumeur et Gantiers Bahiana kennt. Die vorherrschende Fruchtigkeit wird alsbald von einer weiteren Facette ergänzt, die sich wie ein roter Faden als zweites Thema durch den Duftverlauf zieht: Frische. Nichts Frühlingsfrisches und auch kein kaltes Wasser, aber durchaus eine edle aquatische Tendenz, die sich da breitmacht und den Duft dominiert. Frische Fruchtigkeit oder auch fruchtige Frische, untermalt von einer sanften Süße. Was sich furchtbar unspannend liest ist in diesem Falle ein wirklich rundum gelungener Männerduft: Ein typischer Creed in bester Himalaya- oder auch Erolfa-Manier. Lieber Robbie Williams, solltest Du mitlesen: Bedufte doch Dein nächstes Schälchen, dass Du zu verlieren gedenkst mit diesem Duft. Er ist es wert, zum Kassenschlager zu werden – und mit Himalaya hat das doch auch so wunderbar geklappt!

Miller et Bertaux, die tollen Franzosen mit den noch tolleren Klamotten, die, ich gestehe, zu meinen Lieblingen gehören – ihr Green, green, green zum Beispiel ist für mich DER grüne Duft überhaupt – bescheren uns auch mal wieder ein neues Düftchen: OM, ausgestattet gleich mit einer Empfehlung für den potentiellen Träger – Atmen Sie tief ein… Ok. Tue ich. Und ich rieche eine Harzoffenbarung: Die Ingredienzen sind alle ganz klar zu entdecken – weiche Harze, ein würziges Duo von Gewürznelke und Pfeffer, ausgestattet mit der ihnen genuinen Süße und einer leichten Schärfe, knisternde Hölzer, ein wenig Weihrauchräucherwerk und milde Vanille. Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich den Duft vermutlich Herrn Villoresi zugeschrieben. An den erinnert mich nämlich die Handschrift. Überhaupt – für mich eine Menage à Trois zwischen Villoresis Piper Nigrum, Washington Tremletts Clove Absolute und Linaris Fuoco Infernale unter Verzicht auf die Minze. Für Harzfreunde sicher ein Fest. Und natürlich wohnt Om wieder genau jenes kontemplative Moment inne, für das ich Miller et Bertaux so liebe – ich hoffe, sie behalten das weiterhin bei und bescheren uns noch viele, viele schöne Düfte.

Einen schönen Tag wünscht Euch Eure Ulrike.

Bildquelle: Franz von Stuck (1920): Sisyphus via Wiki Commons, some rights reserved.

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Over the rainbow…

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Duft,Reines und Pudriges am 13.12.2010

… ist einer jener wenigen Songs, die über Jahre hinweg mehrfach gecovert wurden und immer, immer erfolgreich waren – vielleicht wurde der Song auch deshalb immer wieder gecovert, irgendwann ist die Frage nach der Henne und dem Ei obsolet. In jedem Falle wurde der Titel ursprünglich für die bezaubernde Verfilmung des Zauberers von Oz aus dem Jahre 1939 geschrieben. Bereits damals kamen anfänglich wenige Tage nach der Filmpremiere gleich vier verschiedene Versionen des Lieds auf den Markt, die alle (!) innerhalb einiger Wochen in den damaligen Charts landeten. 1940 folgte dann dafür ein Oscar für Arlen und Harburg, die den Regenbogen zusammen geschrieben hatten, welcher hernach zu einer Art Sehnsuchtshymne wurde: Er erinnerte im zweiten Weltkrieg die Amijungs an ihre Heimat, diente später der Schwulenbewegung als Vorbild für deren Erkennungszeichen, die Regenbogenfahne, ja, gilt Menschen weltweit als Symbol – für die Erfüllung ihrer Träume, dafür, dass es sich lohnt, weiterzumachen, nicht aufzugeben sondern weiterzuträumen, den Glaube nicht zu verlieren, an was oder wen auch immer.

Im Oktober diesen Jahres hat es einmal wieder jemand vollkommen unerwartet in die Top Ten geschafft, wo er sich nachhaltig hielt: Der Hawaiianer Israel Kamakawiwoʻole mit ebenjenem Song, mit Over the Rainbow. Was daran so ungewöhnlich ist? Der in seiner Heimat äußerst populäre Sänger, der wegen seiner krankhaften Fettleibigkeit „The Gentle Giant“ genannt wurde, war zu der Zeit seines kometenhaften (erst europaweiten, dann deutschen) Chart-Erfolgs schon seit Jahren tot, gestorben an seiner Erkrankung. Trotzdem eroberte der liebevoll Iz gerufene weltweit die Herzen der Menschen, nachdem sein Song wiederholt in diversen Fernsehsendungen gespielt wurde und so (auch außerhalb Hawaiis) an Bekanntheit gewann.

Jahreszeitlich passte jene Südseeimpression so gar nicht in den tristen Herbst – oder vielleicht gerade doch? Und jener Song, obgleich jedem bekannt, wusste einmal mehr zu verzaubern, wofür es sicher unterschiedliche Gründe gibt.

Als ich das erste Mal von Villoresis neuem Duft las (und auch schrieb), war ich einigermaßen erstaunt – ich zitiere mich einmal selbst:

Ein weiterer Italiener hat auch noch etwas für uns in petto: Lorenzo Villoresi verspricht uns für Herbst diesen Jahres endlich, endlich mal wieder einen neuen Duft. Iberborea soll er heißen und ist eine Hommage an die Hyperboreer, die Einwohner des sagenhaften mythologischen Landes Hyperborea, den Lieblingen des Gottes des Lichts, des Frühlings, der Heilung und der Künste – Apollon. Sonne, Frühjahr und Kunst – was anderes soll daraus entsprießen als ein Blütenduft? Genau, ein solcher soll es werden, sogar mit (für Villoresi doch ungewöhnlichen) frischen Akzenten.

Ein leichter, frischer Blütenduft? Von Herrn Villoresi? Und das auf Herbst / Winter? Einigermaßen schleierhaft war mir das Unterfangen, das muss ich zugeben. Jetzt liegt das Pröbchen vor mir auf dem Tisch, mittlerweile schon halb dahingeschieden und sich vor meiner Nase ausbreitend, mich mit einem Duftschleier umgebend und – ich verstehe.

There, beyond the north wind, where the ocean breeze carries the fresh aroma of sea-spray, in the everlasting spring, the fresh north wind carries the radiant perfume of blossoming petals, hidden in the snow along the rugged mountain walls, beneath the morning dew, searching for the first ray of sunlight.

Ein Hauch Weiß weht herüber aus jenem fernen Land des ewigen Frühlings, eine Frische ausstrahlende und Liebreiz verströmende Melange aus zarten weißen Blüten (oh wie schön und sauber ist es, jenes Maiglöckchen, das ich herausrieche genauso wie eine wunderbare, leicht wässrige Magnolie), zitrisch prickelnden Hesperiden, milden maritimen Akzenten und einer sanften Fruchtigkeit, gebettet auf einer federleichten cremigen Moschuswolke.

Iperborea mutet an wie eine helle Symmetrie des Lichts, stimmt friedlich und heiter. Macht Mut. Und passt deshalb mindestens so gut in den deutschen Winter wie Israel Kamakawiwoʻole.

Darüber hinaus bleibt zu bemerken, dass ich eine kleine, aber feine Verwandtheit mit Teint de Neige feststellen kann: Iperborea ist für mich vielmehr eine Impression des Schnees, der Duft des Schnees als Teint de Neige, welcher mir dafür immer viel zu pudrig war. Komischerweise mutet Iperborea gleichzeitig und gleichermaßen wie eine Blütenhochzeit an, die an südlich-sonnige Gefilde erinnert. Da Iperborea allerdings (auch im Gegensatz zu Teint de Neige) eine feine Kühle besitzt erfüllt er für mich viel eher den Eindruck einer Winterimpression. Des weiteren ist er farblich so klar festgelegt – er ist reinweiß, wunderbar eingefangen mit dem diesmal klaren und transparenten Flakon.

Als ich Iz das erste Mal hörte, wusste ich – das wird ein Hit. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Iperborea das auch werden wird.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Die Ingredienzen: Kopfnote: Maiglöckchen, Alpenveilchen, Grüne Noten, Zitrische Noten, Orange, Mandarine, Pfirsich; Herznote: Weiße Blüten, Magnolie, Mimose, Maiglöckchen; Basisnote: Weiße Blüten, Jasmin, Orangenblüten, Moschus, Hölzer.

Wer keine cleanen, reinen, frisch-sauberen Düfte mag… sollte trotzdem einmal probieren – Herr Villoresi könnte eventuell sehr viel überzeugender sein als andere vor ihm ;) Der Duft ist im übrigen für beiderlei Geschlechter tragbar und hat eine gute Haltbarkeit.

Bildquelle: Peony 2 und Snow 2 von Michaela Kobyakov via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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