wie jeden Freitag auch diese Woche an Silvester unsere Probenverlosung: Fünf Probenpakete warten auf neue Besitzer. Wer eines davon haben mag schreibt uns eine Mail mit seinem Namen und seiner Adresse bis Sonntag, 24 Uhr, an info@ausliebezumduft.de und nennt uns einen diese Woche rezensierten Duft.Viel Glück!
Darüber hinaus kommt natürlich noch, wie jeden letzten Freitag im Monat, ein ganz spezielles Präsent zur Verlosung, das ich diesmal erst nächste Woche verraten werde – es lohnt sich aber meine Damen und Herren!
Letzte Woche haben gewonnen: Elena K., Nazima M., Sabine E., Verena M. und Eva Maria B. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude damit!
… vielmehr: Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester ist immer bestens geeignet nicht nur für Neujahrsvorsätze, sondern auch für Retrospektiven, Reminiszenzen, Grübeleien und deshalb vielleicht, wie die Woche zeigte, sowohl anfällig für nostalgische und sentimentale sowie melancholische Anwandlungen… In jedem Falle habe ich mir überlegt, womit ich hier im Blog das Jahr beschließen mag – und bin auf zweierlei gekommen: Einerseits möchte ich, Thema Retrospektive, Euch einen Duft vorstellen, einen, der eigentlich auch in die Vergessenen-Riege gehört. Einen, der mir aber so gut gefallen hat und der leider wie mir scheint vollkommen im Markt untergegangen ist – es ist Trama von Simone Cosac.
Erstmalig in mein Bewusstsein drang diese kleine italienische Firma auf der Global Art of Perfumes in Düsseldorf dieses Jahr. Das Packaging entsprach nicht ganz meiner Kragenweite und mit Körperpflege lockt man mich, von einigen Ausnahmen mal abgesehen, auch nicht hinter dem Ofen vor bzw. vom Sofa runter – und davon hat die Firma einiges. Ich war also eher rein professionell interessiert und zeigte mich persönlich dann doch eher semi-interessiert, ließ mir aber zum Abschied noch ein Blümchen anstecken, ein beduftetes. Eine sehr nette und wirklich praktische Idee – nur bin ich eben auch nicht der Typ für Ansteckblümchen, ergo: um die Ecke rum und die Blume abgebastelt. Aber, ohhh – es war schon zu spät: Ich hatte Trama in der Nase, erstmalig, und war überaus angetan von dem, was mir selbstbewusst und stolz von der dunkelroten Stoffblume entgegenblühte. Abends entdeckte ich im Gespräch Deckungsgleichheiten – einer sehr netten Dame eines Vertriebes ging es exakt gleich wie mir. Insofern muss ich sagen, dass es mich außerordentlich gefreut hat, dass sich mein Chef dazu entschied, die komplette Cosac-Linie mit ins Sortiment zu nehmen.
Liest man die Geschichte des Hause: Eine Brasilianerin, Inhaberin eines Kunstverlages, in einer Villa im sonnigen Florenz hausend (ob sie von dort aus Herrn Villoresi winken kann?) und dann die zarten Designs mit Arabesque-Verzierungen in Pastelltönen gehalten – man vermutet etwas komplett anderes, als sowohl Trama als auch der ebenfalls sehr gelungene Signature-Duft verkörpern. Ich hätte eher gedacht an… sehr pudrige, sehr weibliche, vielleicht ein bisschen damenhafte Düfte italienischer Tradition… Weit gefehlt.
Beide Düfte sind zwar eindeutig feminin, aber überaus moderner Natur. [Merke: Nachdem ich den Signature jetzt gerade nochmals testen musste, habe ich beschlossen, dass ich Euch den im neuen Jahr ebenfalls noch vorstellen werde] Aber werfen wir doch endlich einen Blick auf Trama – dessen Ingredienzen: Kopfnote: Rosenholz, Grüne Noten, Rosa Pfeffer, Schwarzer Pfeffer, Litschi; Herznote: Damaszener Rose, Tuberose, Jasmin, Pfirsich; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Harze, Perubalsam.
Schon in den Kopfnoten drängt sich eine herrlich leichte und fruchtige Rose, für meine Nase eine Teerose. Akzente schwarzen Pfeffers glitzern inmitten des Blütenportraits, das zart von Hölzern und grünen Anklängen eingerahmt wird. Litschi vermag ich nach einem Blick auf die Ingredienzen zu entdecken, Tuberose und Jasmin rieche ich als Weißblüher nur sehr dezent als cremig-floralen Hintergrund heraus. Das Patchouli sorgt mal wieder für Tiefe während die Harze lediglich einen Hauch Wärme stiften.
Für mich treffen hier lediglich die allerbesten Assoziationen aufeinander, was den Duft für mich zu einem echten Kaufkandidaten macht: Die Teerose erinnert an Creeds Göttliche, jenen Fleur de Thé Rose Bulgare, der mit der fruchtig-unbeschwerten Rosenkindfrau Miss Charming von Juliette has a Gun verschmilzt, während deren dunkle mysteriöse Schwester Lady Vengeance aus sicherer Entfernung über diese Liaison wacht, Lutensche Orangenblüten in der Hand.
Reicht das aus um jemand neugierig zu machen? Oder kennt Ihr dieses schöne Kleinod gar schon?
Nachdem sie sich gestern bereits in Ansätzen zeigte, bei MazzolarisPatchouly und meinen dazugehörigen Assoziationen, möchte ich ihr nun einen ganzen Artikel widmen: Der Melancholie. Jene früher als Mönchskrankheit bezeichnete schwermütige Traurigkeit oder auch der Hang dazu, ihr, die sie einen ohne Anlass befällt, zu verfallen, ist mir sehr wohl bekannt.
Prinzipiell wohl eher eine Frage des Naturells – ich kann von mir getrost behaupten, dass mir nicht ständig die Sonne aus dem Allerwertesten zu scheinen pflegt, wie George Clooney seine eigene Laune in „From Dusk Till Dawn“ auf Nachfrage karikiert. Von meiner Plattensammlung würde vermutlich die meisten Menschen Depressionen bekommen, auch meine Bücher sind – ob nun Klassiker oder zeitgemäß – jetzt nicht wirklich… witzig. Aber das müssen sie ja auch alle bei mir gar nicht sein – ich mag sie nämlich, die Melancholie, jene gepflegte Schwermut. Und befinde mich damit in bester Gesellschaft: Etlichen „meiner“ Romantiker war sie ebenfalls ein Freund, siehe zum Beispiel John Keats oder Nikolaus Lenau, der jener mit folgendem Gedicht ein Denkmal setzte:
An die Melancholie
Du geleitest mich durchs Leben,
Sinnende Melancholie!
Mag mein Stern sich strahlend heben,
Mag er sinken – weichest nie!
Führst mich oft in Felsenklüfte,
Wo der Adler einsam haust,
Tannen starren in die Lüfte
Und der Waldstrom donnernd braust.
Meiner Toten dann gedenk ich,
Wild hervor die Träne bricht,
Und an deinen Busen senk ich
Mein umnachtet Angesicht.
Jene „Agonie der Seele“, wie Benn sie einmal bezeichnete (der im übrigen auch eine Frau in mindestens eine solche versetzte – Else Lasker-Schüler), ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits droht sie immerzu, einen in düstere Verzweiflung abgleiten zu lassen – so schmal ist ihr Rand. Andererseits ist sie bittersüß und es lässt sich in ihr schwelgen, sie inspiriert, oftmals auch zu Großem: So wussten bereits die alten Griechen in der Antike um ihrer schöpferische Kraft, die sich zwar immer auch gegen denjenigen richten kann, den sie beherrscht, aus der heraus dieser aber eben auch zu Heldentaten fähig sein kann, zur Schöpfung von Kunst oder ähnlichem – ein Gedanke, den die Romantiker natürlich in ihre Genieverehrung aufnahmen.
Genauso wie, müsste ich einen auswählen, meines Erachtens nach Caspar David Friedrich der Porträtist der Melancholie ist, gibt es für mich auch ein olfaktorisches Pendant dazu – es ist Greyland von Montale.
Nomen est omen – ein graues Land: Ich bin hier auch vollkommen außerstande, Greyland zu analysieren, in verschiedene Duftstadien einzuteilen. Für mich ist der Duft lediglich eine große graue Wolke duftender Schwermut und damit ganz und gar verführerisch: Auf eine subtile Art und Weise vertraut und beschützend verdichten sich Pfeffer samt einer leicht fruchtigen Herbheit (der Ingwer, er ist doch da…) mit Harz und Holzen zu einem cremig-balsamischen und definitiv grauen Etwas, das einen eigenartigen Balanceakt zwischen Kühle und einer angedeuteten Wärme schafft und somit etwas noch seltsamer Tröstendes bewirkt.
Für mich ein verkannter Duft und ein echtes kleines Juwel, an dessen Brust ich immer wieder wie Lenau an grauen Tagen Unterschlupf suche.
Hatte ich schon einmal erwähnt, dass ich zu Jugendzeiten ein Waver war? Der eine oder andere wird damit jetzt etwas anfangen können, für ein paar Leser allerdings dürften das böhmische Dörfer sein, deshalb lasst es mich kurz zusammenfassen: Klein-Ulrike, inmitten der Pubertät, die ja bekanntermaßen zu den eher anstrengenden Krankheiten gehört, auf Sinnsuche. (Zu) Sich selbst finden – was ein Leben lang Konjunktur hat trieb mich in zartem jugendlichen Alter in die sogenannte „Schwarze Szene“: Schon damals hegte ich eine Vorliebe für Baudelaire und Konsorten, jene Dekadenzdichter fanden sich für mich musikalisch und auch sonst wunderbar wieder bei den „Gothics“.
Wikipedia weiß eine ganze Menge zu jener vornehmlich schwarzgewandeten Subkultur, vielmehr: jenem „soziokulturellen Milieu“, das, selbst homogener Natur, sich aus Teilen verschiedener Subkulturen zusammensetzt und sich überwiegend über Musik, Mode, Kunst und Literatur definiert. Alles in allem könnte ich eine ganze Menge dazu erzählen, zu Einstellung, Differenzen, eigenartig engstirnigen Vorurteilen der damals Erwachsenen (wie immer…), jede Menge Schwänke und Kalauer aus jener so umtriebigen Zeit, die mich in ungefähr alle Winkel der Republik führte. Denn – gute Veranstaltungen und Clubs waren rar gesät, so reiste man in schöner Regelmäßigkeit am Wochenende lange Strecken, um unter den ersehnten Gleichgesinnten in einem angesagten Laden zu landen und sich langsam zur stets eher traurigeren Musik mit Interpreten wie Depeche Mode, The Cure, Siouxsie, den Sisters und den Fields im Gleichschritt „drei Schritte vor und drei zurück“ zu wiegen, wie ein szene-interner Insiderwitz ganz richtig skizziert.
So unterschiedlich die Menschen, die Musik- und Kleidungsstile dieses überraschend vielfältigen Häufchens der Gruftis auch sein mögen – eines war ihnen wirklich so gut wie allen gemein, etwas, das mich noch Jahre später verfolgen sollte: Die Liebe zu Patchouli, am besten in Reinform ergo: echtes Patchouliöl. Stille Tage im Klischee mag sich der eine oder andere denken – es ist auch wirklich erbärmlich theatralisch und furchterregend stereotyp: Die ewigen Melancholiker in ihren schwarzen Kitteln mit ihrer Vorliebe für Friedhöfe und Untergangslyrik – was anders als Patchouli hätte es denn sein können? Die Schwaden jenes Krautes umwaberten mich also dauerhaft, ich inhalierte sie jahrelang mehr oder minder gewollt.
Und konnte, ihr werdet es ahnen, deshalb nach dem langsamen Übersegeln ins – ich weiß nicht, Erwachsenenalter?! … natürlich keines mehr riechen. Patchouli lehrte mich das Laufen. Ich konnte ihn einfach nicht mehr ertragen, jenen krautig-erdigen, nass-modrigen Geruch. Überdrüssig war ich seiner, absolut.
Bis, ja bis ein Duft in mein Leben treten sollte, der mich wieder eines Besseren belehrte – MazzolarisPatchouly. Eigentlich konnte es auch gar nicht anders sein – es musste ein Italiener kommen. Kein Engländer, sophisticated und sich in vornehmer Zurückhaltung übend. Nein, ein tiefer, kantiger, wollüstiger Italiener.
Mazzolaris Patchouly vereinigt alle Facetten, die jenes Kräutlein bereithält in einer einzigartigen Weise: Jene erdige Nässe samt dunklen minzigen Laubs in Verbindung mit trockenem altem verwittertem Holz, jene schwer zu erfassende Süße, die sich hier herausragend pudrig-samtig präsentiert und von goldenem Honig unterlegt wird, sanft von Gewürzen akzentuiert. Patchouly erscheint mir immer von der Konsistenz her so dickflüssig wie ein gezuckerter Likör zu sein, so prominent ist die güldene, anisartig anmutende Honigsüße.
Bei all jener frohlockenden Wärme wohnt der Süße, dem Duft aber auch jener Hauch Moder inne, welcher für Patchouli so charakteristisch ist. Eine Facette, die hier aufs zivilisierteste interpretiert und verpackt wurde, den Duft deshalb auch tragbar macht für Patchouli-Zögerer. Aber eine, die eben trotzdem sinnbildlich für eines jener großen Themen steht, das die Menschheit bewegt und das den Patchouli wahrscheinlich auch gerade deshalb so attraktiv für oben erwähntes Klientel machte: Vergänglichkeit, die Kehrseite jeder Schönheit, jedes schönen Momentes, des Alters und des Älterwerdens. Die Erkenntnis, die Zeit nicht aufhalten zu können, nicht(s) konservieren zu können – entgegen jeglichen Wunsches, jeder gehegten Hoffnung, wie sich in Nietzsches Zarathustra in folgenden schönen lyrischen Worten wiederfindet:
O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
“Ich schlief, ich schlief -,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: -
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh -,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit -,
- will tiefe, tiefe Ewigkeit!”
Nebenbei bemerkt im übrigen für mich eine der schönsten Visionen, einer der schönsten Beweggründe, den einmal ein sehr bekannter Parfumeur äußerte – war es Ropion, Roudnitska?: Glück festzuhalten. Einen Moment absoluten Glücks olfaktorisch zu bannen und somit immer wieder abrufbar zu machen.
Haach… In jedem Falle war Mazzolaris Patchouly der Beginn einer altbekannten, aber trotzdem neuen Liebe – es wohnen mittlerweile auch Lutens Borneo 1834 und einige andere Patchouli-Genossen hier bei mir.
Einen schönen Tag Euch allen -
Eure Ulrike.
Bildquelle: Ich als Model für ein Gothic-Magazin im zarten Alter von 17 – und natürlich stolz wie Oskar ;) Darüber hinaus: Grabstelle Friedhof Sankt Marx / Wien von Zyance via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!
Mit Courvoisier oder Cognac generell würde man in der Regel distinguierte, ältere Herren verbinden, die nach einer anstrengenden Fuchsjagd auf ihrem Landsitz an Kamin und Bärenfell sitzen und trockene Bemerkungen über ihr Handicap verlieren. Das ist natürlich etwas überzogen. Dass sich Courvoisier allerdings großer Beliebtheit in der amerikanischen Hip-Hop-Szene erfreut, liegt nun nicht gerade auf der Hand. Hip-Hop, wir erinnern uns: amerikanische Halbwüchsige mit Kleidergröße XXL, in welche sie niemals mehr hineinwachsen werden, Schirmmützen auf drei Uhr, Goldketten so dick, dass man damit das Traumschiff vertäuen könnte, und hüpfende Autos, mit denen die “Bitches” durch den Problembezirk gefahren werden. Und wie es so oft ist, wenn viel Geld auf Armut trifft, es wird geprotzt und geprollt, wir kennen diesen erlesenen Geschmack beispielsweise von hiesigen Lottomillionären. Und dort ist eben auch die Verbindung zum Hip-Hop gegeben. Courvoisier ist schlichtweg ein Statussymbol, man könnte auch sagen: das Dolce & Gabbana des Alkohols.
Zusammen mit P. Diddy und dem Soul-Sänger Pharell brachte der Rapper Busta Rhymes 2002 das Musikstück „Pass the Courvoisier, Part II“ heraus – der Clip ist im Übrigen durchaus sehenswert. Achten Sie auf die immer wieder auftauchenden „Courvoisier XO Imperial“-Flaschen und das Wort „Kurwossijäj“.
Der Sprechsänger hatte sich auch schon zu Beginn seiner Karriere erfrischend avantgardistisch vom Prolo-Einerlei seiner Zunft abgehoben, hörbar in seiner Musik, sichtbar in seiner Haarpracht. Wer es genau wissen will – siehe hier. Und so verwundert es nicht völlig, dass er in diesem Videoclip durchaus selbstironisch Geprolle und Luxussucht durch Blödeleinlagen und übertriebene Zuhälterästhetik konterkariert. Für „Kurwossijäj“ ist diese Platzierung im jungen Markt Gold wert, auch wenn nach offiziellen Angaben kein Geld geflossen sein soll. Wir erinnern uns an den kometenhaften Aufstieg des Altherrengesöffs Jägermeister zu einem kultigen Szenegetränk.
Aber das alles erzähle ich ja nicht zum Selbstzweck, sondern werde umgehend meine Nase in den Signature-Duft L’Édition Impériale des in Jarnac beheimateten Cognac-Hauses stecken. Ich bin angenehm überrascht wie gut er riecht. Kennt Ihr das? Man riecht etwas und kommt einfach nicht darauf, was es ist, obwohl man es kennt? – Jetzt weiß ich es. Er riecht wirklich wie Nivea-Creme oder bebe-Creme, unterlegt mit holzigen Noten, die aber im Hintergrund bleiben. Übrigens hätte ich es lustig gefunden, hätte man den Flacon wie einen Flachmann gestaltet, aber Selbstironie ist dann doch eher das Metier des „Herrn Rhymes“.
Die angegebenen Duftnoten: Kopfnote: Kardamom, Mandarine, Tagetes, Koriander; Herznote: Atlas-Zedernholz, Tee, Drachenwurz (Calla Palustris), Veilchen; Basisnote: Vetiver, Fichtenbalsam, Leder, Ambra.
Da ich ja inzwischen weiß, dass sich Düfte auf der Haut oft fundamental vom Teststreifen unterscheiden, sprühe ich ihn auf: hier erweist er sich als ungemein vielschichtiger, keine Nivea-Creme mehr, Krautiges (Vetiver?), Anklänge von Mandarine lassen sich tatsächlich wiederfinden, auch etwas Frisch-Holziges, möglicherweise der Fichtenbalsam…habt Nachsicht mit mir, ich bin noch Lehrling….wie Tagetes riecht weiß ich beispielsweise einfach nicht. In der Küche habe ich gerade mal am Kardamom geschnuppert und muss zugeben, dass der Geruch durchaus deutlich vorhanden ist. Da bekomme ich glatt Lust auf einen Glühwein.
Den Duft kann ich mir gut an klassisch gekleideten Männern jeden Alters vorstellen. Er ist außergewöhnlich, aber unaufdringlich und kein schwerer Brocken, einfach ein angenehmer Begleiter. Man muss sicher kein Napoleon sein, um ihn tragen zu können. Courvoisier war übrigens das Lieblingsgetränk des Korsen und soll mit ihm fässerweise ins Exil gegangen sein.
Zum Wohle!
Euer Harmen.
Bildquelle: Courvoisier von Ged Carroll via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!
… haben mich, das muss ich gestehen, die letzten Jahre in schöner Regelmäßigkeit gegruselt. Wie der eine oder andere schon bemerkt oder geahnt haben könnte, bin ich ein großer Cineast: Film ist für mich eine Kunstform und nimmt einen nicht unbeträchtlichen Anteil meiner Freizeitgestaltung ein. Ich schaue alles – mit mittlerweile einer Ausnahme: Deutsche Filme.
Jedes Land der Welt, ob nun Korea, Japan, Mexiko oder irgendwelche europäischen Nachbarn – fast alle haben Regisseure, die aus dem Nichts bisweilen exzellente Erstlingswerke aus dem Handgelenk schütteln und dann beachtliche Folgefilme präsentieren. Nur die Deutschen scheinen es, Filmförderung hin oder her, nicht hinzubekommen – nach Werner Herzog ist das Land in dieser Hinsicht irgendwie irregeleitet und irrlichternd. Obgleich man das sicherlich anders sehen kann – für mich persönlich ändert da auch Herr von Donnersmarck nicht wirklich etwas dran. Es gibt aber einen anderen Regisseur, den ich für sehr begabt halte und der mich vor einigen Jahren – ich probiere es ja doch hin und wieder trotzdem mit den deutschen Filmen – vollkommen überraschte: Ich spreche von dem Deutsch-Türken Fatih Akin. Besonders seine noch nicht vollendete Trilogie „Liebe, Tod und Teufel“ sticht für mich heraus, deren erste Teile der (vollkommen zu Recht) sehr populäre „Gegen die Wand“ sowie „Auf der anderen Seite“ waren.
Der in Berlin lebende Akin steht vermutlich, obgleich Deutscher, auch für eine neue Generation junger Türken – das moderne Istanbul, das in beiden Filmen seinen Platz hat, ist ja ein sich rasant veränderndes, vor allem mit und durch die Dynamik der Jungen, die dessen (neue?) Kultur prägen und es gestalten. Ein Grund, weshalb ich mir Istanbul in meiner Städtereiseliste für die nächste Zeit, die nächsten Jahre dick markiert habe.
Bertrand Duchaufour, der Fast-aber-irgendwie-doch-nicht-wirklich-Hausparfumeur von L’Artisan Parfumeur ist Euch sicherlich bereits durch diverse seiner Düfte (nicht nur für L’AP) bekannt – oft genug findet er ja im Blog Erwähnung, der fleißig Umtriebige. Deshalb wissen sicher die meisten um seine Reise-Düfte, jene olfaktorischen Impressionen, die er für L’Artisan Parfumeur bereits kreiert hatte – Steffi hatte einen Teil davon schon hier vorgestellt. Die „Odeur volée par un parfumeur en voyage“ genannte Serie begann mit Bois Farine (in Zusammenarbeit mit Jean Claude Ellena, Hausparfumeur, echter, bei Hèrmes), Timbuktu, Dzongkha, Fleur de Liane sowie Vanille Absolument (ehemals Havana Vanille) und wird jetzt fortgesetzt von dem bereits angekündigten und von einigen sehnlich erwarteten Traversée du Bosphore.
Traversée du Bosphore ist nun jener gleichnamigen Meerenge bei Istanbul gewidmet, die Europa von Kleinasien trennt und soll eine duftende Impression der Stadt, der Region darstellen: Ein Tag inmitten der flirrenden Hitze Istanbuls. Enge verworrene Gässchen in der Altstadt, Männer, die in gemütlichen Runden vor dampfenden Gläsern Apfeltee sitzend endlos diskutieren und dabei süßen Tabak rauchen. Orientalische Märkte mit fremdartigen Gewürzen und Speisen, die in der Sonnenwärme Besucher schon von weit her dank ihres Geruches anziehen. Der Duft von versteckten blühenden Gärten, die wie kleine Oasen die Stadt bevölkern. Aber auch Aufschwung, Umbruch.
Das zumindest interpretiere ich hinein, denn für mich ist Traversée du Bosphore wie der Bosporus selbst eine Trennung, aber auch ein Bindeglied zwischen Europa und Asien, eine Verbindung von alter Kultur und Tradition und neuen Inspirationen, Entwicklung(en), Dynamik.
In den Kopfnoten überrascht der Duft mit fruchtig-herben und dezent säuerlichen Tönen – grüner Apfel und Ingwer sind recht deutlich zu vernehmen, die alsbald von verschiedenen anderen Duftaspekten begleitet werden: Pudrig-samtene Iris, ein wildledriges Aroma verströmend, dezente Gewürznoten und ein Schleier Honigsüße, der sich über das orientalische Stillleben legt, sanft von der harzig-holzig-rauchigen Wärme der Basis aufgefangen.
Traversée du Bosphore ist etwas Besonderes: Ein ledriger Florientale, dem es, ähnlich wie Céline Ellenas Oriental Lounge, gelingt, eine der ältesten Duftfamilien zeitgemäß umzusetzen – die der Orientalen. Er folgt einem klassischen Aufbau und ist Ausdruck absolut traditioneller Parfumeurskunst – auch im Hinblick auf seine Duftfamilie, deren grundlegende Aspekte er auch (be)wahrt. Darüber hinaus zeichnet er sich aber durch Innovativität und Modernität aus und zitiert eine erst Mitte der Neunziger Jahre populär gewordene Duftrichtung, die man meines Erachtens nach mittlerweile bereits als Duftfamilie bezeichnen kann: Diejenige der Gourmanddüfte.
Traversée du Bosphore verfügt nämlich über Facetten, die an die für jene Region typische Köstlichkeit Lokum erinnern, welcher von Keiko Mecheri und Serge Lutens schon duftende Denkmäler gesetzt wurden mit deren annähernd gleichlautenden Düften. Duchaufour interpretiert jene allerdings sehr erwachsen und harmonisch, was jeglichen Ansatz eines potentiellen Abgleitens in eine teeniehaft pappig-süße Angelegenheit bereits im Keim erstickt.
Wem es nach Vergleichen gelüstet: Von der Interpretation der Iris her dürften Freunde von OdorisIris oder derjenigen in Nirmal von Laboratorio Olfattivo (den ich noch vorstellen werde…) auf ihre Kosten kommen – eine verhalten süße, pudrig-samtige Iris. Darüber hinaus sollten all jene einmal testen, die Oriental Lounge von The Different Company mochten genauso wie jene, die ein Faible für Lokum-Düfte haben. Wenn der Duft ebenfalls ansprechen könnte sind diejenigen, die erwachsene Gourmands mögen, vielleicht jene Rummelplatz-Düfte PC02 von Biehl Parfumkunstwerke oder Acqua e Zucchero von Profumum oder Dzing! Von L’Artisan Parfumeur.
Einen schönen Tag Euch allen und liebe Grüße,
Eure Ulrike.
P.S.: Wer Akins „Gegen die Wand“ noch nicht gesehen hat sollte sich den dringend einmal vornehmen – eine tragische Geschichte voller Lebenshunger von Liebe, Liebeskummer, Sinnsuche und dem Clash der Kulturen, hochgelobt und vielfach preisgekrönt.
im ganzen Weihnachtstrubel hätte ich fast unsere Freitagsverlosung vergessen, die gibt es aber natürlich wie jede Woche: Fünf Probenpakete harren neuer Besitzer – wer eines davon haben mag, schreibt uns bitte bis So, 24 Uhr, eine e-Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier rezensiert haben. Viel Glück!
Dieses hatten letzte Woche folgende Leser/innen: Gregor P., Clemens H., Annette N., Elisabeth A. und Kerstin G. – viel Freude beim Testen und herzlichen Glückwunsch!
Einen schönen Weihnachtsabend wünscht Euch Eure Ulrike.
… war es mir ein Anliegen, Euch natürlich auch olfaktorisch Passendes zu servieren, was gar nicht immer so einfach ist: Man kennt bereits einiges, hatte anderes bereits rezensiert, wieder anderes entspricht vielleicht nicht den Erwartungen, typisch weihnachtlich zu sein und/oder ein echter Knaller. Mariela und Harmen haben gestern ja bereits mit État Libre d’OrangesNoël au Balcon vorgelegt, ich lege heute nach. Und zwar mit Un Crime Exotique von Parfumerie Générale.
Ein exotisches Verbrechen – was möchte der schöne Pierre Guillaume uns mit seiner Vorliebe für Wortspiele damit sagen? Meine Phantasie fliegt mir bereits wieder davon, den ich träume von: Exotischen, vielleicht sündigen Leidenschaften. Denn irgendwie hört sich das wolllüstig an. Bevor ich aber weiter Kopfpurzelbäume schlage… lassen wir den Namen doch ganz einfach beiseite, erstmal.
Un Crime Exotique ist für mich der unnachahmlichste Duft aus der mittlerweile sehr weitläufigen Kollektion Pierre Guillaumes. Durch und durch ungewöhnlich und vollkommen unvergleichbar, ich kenne nichts ähnliches auf dem Markt. Einzigartig eben. Und nebenbei bemerkt, neben Felanilla, Harmatan Noir sowie Brûlure de Rose nun mein vierter Liebling der Marke.
Der Auftakt lässt einen bereits erahnen, dass dieser Duft keine Kompromisse kennt: Eine Zimtexplosion, die einige Ami-Blogger völlig zu Recht an die mir ebenfalls bekannte, typisch amerikanische Süßigkeit erinnert – jene aus den 30er Jahren stammenden Red Hots, kleine knallrote scharfe Zimtpastillen. Begleitet wird dieser äußerst präsente Zimtzauber von einer fruchtigen Herbheit, die an Ingwer erinnert, welche im Laufe des Duftes mit einer ausgewachsenen Lebkuchennote verschmilzt. Dazu gesellen sich Teenoten – Schwarztee, Grüntee und vor allem der ebenfalls recht gut zu erkennende und sehr markante Chai, gekonnt mit Milch gereicht.. Anis und Osmanthus mit für ihn typischen Pfirsichanklängen runden das Ganze harmonisch ab – und lassen etwas so noch nie Dagewesenes entstehen: Einen floralen Gourmand, mit dem uns Pierre Guillaume ein wahres winterliches Schlaraffenland vor die Nase zaubert. Ein Tisch voller Lebkuchen, Gewürzkuchen, Früchtebrot mit dampfendem Tee, gar Jasmintee und Glühweinen verschiedenster Art. Farbenprächtig schillernd und von überschäumender Natur mit einer atemberaubenden Tiefe, die einen Hauch Harzigkeit, vielleicht Weihrauch erahnen lässt.
Und trotz seinem kraftvollen Naturell ist Un Crime Exotique auf eine bestimmte Weise sanft sowie überaus elegant und feminin. Deshalb erinnert er mich, ich kann mich dessen nicht entheben, an jene fremdartig-exotischen Tänzerinnen Anfang des 20. Jahrhunderts, die von den Tanzlokalen aus die Welt eroberten: Mata Hari, eine der sagenumwobensten, vor allem auch wegen ihrer Spionagetätigkeiten, Maud Allan, Josephine Baker und wie sie alle heißen. Sinnlichkeit, Schwere und der kitzelnde Reiz des Fremden, das doch auf irgendeine Art vertraut ist… Der Name und seine assoziativen Verlockungen. Was Un Crime Exotique daneben schlicht und einfach für mich auch und vor allem ist: Ein wunderbarer Weihnachtsduft, der so gut wie jede Facette dessen einfängt, was wir hier geruchlich mit der Weihnachtszeit verbinden.
In diesem Sinne wünsche Ich Euch ein wundervolles Weihnachtsfest im Kreise Eurer Lieben!
Heute geht es gleich weiter mit unserer neuen Rubrik “Die Schöne und das Biest”: Dreamteam Mariela & Harmen haben sich einem weiteren Duft aus dem Hause État Libre d’Orange angenommen – weihnachtlich passend: Noël au Balcon.
Mariela
Noël au Balcon startet gleich richtig: warmer Honig, gebettet auf Vanille mit einer etwas trockenen Mandarine. Eher wie Mandarinen- oder Orangenmarmelade, das spritzige Moment der frischen Früchte fehlt auf meiner Haut. Dann mischt sich der Pfeffer dazu und verleiht dem Ganzen eine dezent würzige Note. Der fruchtige Akkord wird mit der Aprikose auch weiterhin fortgesetzt, worauf die Blüten schön zur Geltung kommen. Der Zimt bleibt dezent im Hintergrund, begleitet das Ganze aber kontinuierlich. Durch Patchouli, Labdanum und Schwarzkümmel, den ich mir allerdings prominenter vorgestellt habe, bekommt der Duft eine warm-sinnliche Note. Ein schöner weiblicher Duft, der durchaus auch einen festlichen Charakter hat – allerdings kein leiser, er will schon im Mittelpunkt stehen, jedoch ohne jegliche verruchte Attitüde, meiner Meinung nach.
Noël au Balcon ist ein sehr warmer, ja man kann schon sagen weihnachtlicher Duft – schließlich ist alles vorhanden, was Weihnachten geruchstechnisch nun mal so ausmacht. Nur: Wie bringt man Weihnachten in einen Kontext mit Balkon? Und dazu dann auch noch die Dame in der roten Korsage, die das Parfüm schmückt?
Ich lasse mal die französische Redewendung “Noël au balcon, Pâques au tison” beiseite und hoffe mal dass mein Mitstreiter darauf näher eingeht und bastele mir meine eigene Version…
Heiligabend. Sie hat sich in erregter Vorfreude auf den Abend schön und auch sehr erotisch zurechtgemacht. Sie ist allein, sie will ihre neue Liebe erst mal mit niemandem teilen. Er hat allerdings noch andere Verpflichtungen… vielleicht Kinder, die er an diesem Abend natürlich auch besuchen muss. Es wird immer später, die Kerzen sind schon etwas runtergebrannt, ihr neues Parfüm, das sie sich extra für diesen Anlass gekauft hat braucht schon fast eine Auffrischung und das Essen wartet seit Stunden auf die letzten Handgriffe. Vor lauter Verzweiflung setzt sie sich raus auf den Balkon um seine Ankunft zu beobachten. Im Hintergrund läuft das wunderschön-melancholische Album “waiting for the moon” von den Tindersticks. Ob er noch kommt?
She’s my oblivion – still her around
Out on the balcony – she waits for me
Out on the boundary – she smiles
In diesem Sinne wünsche ich Euch ein frohes Fest inmitten im Kreis euer Lieben – Mariela.
Harmen
Jetzt ist „Noël au balcon“ an der Reihe. Ich greife nach dem Tütchen mit der Probe, öffne es, schnuppere ein wenig daran und bin etwas enttäuscht. Schon wieder so ein harziger Duft wie „Fat Electrician“. Nach kurzer Zeit stelle ich fest, dass es auch die Probe von „Fat Electrician“ war und nehme die richtige zur Hand. Immerhin habe ich ihn wiedererkannt.
„Noël au balcon“ – angesichts des Herstellers sind alle zweideutigen Assoziationen geradezu geboten. Das kleine Emblem des Duftes mit einer bereits leicht geöffneten Korsage lässt auch den wie ein Weihnachtsgeschenk verschnürten Balkon erahnen.
Auf dem Streifen nehme ich Vanillekipferl und Pfefferkuchen wahr – schlägt mir hier der Titel ein Schnippchen? Die weihnachtliche Vorfreude finde ich in frischen Noten wieder, und überlege, ob es sich um Orange oder eine andere Zitrusfrucht handelt – Zitronenmelisse etwa oder Zitronat in Früchtebrot? Der Unterschied auf der Haut ist frappierend. Die frischen Anklänge gehen völlig unter und eine warme, klebrige Süße drängt sich auf – Vanille und Marzipan. Jetzt bin ich neugierig, was in den Duftnoten steht:
So weit daneben lag ich ja gar nicht! Patchouli kann ich selbst als alter Grufti nicht herausriechen, aber den Honig finde ich deutlich wieder sowie die Aprikose. Heute habe ich gelernt: Vertraue der Nase, aber niemals dem Teststreifen, dem Hund! Ich könnte mir vorstellen, dass schon so mancher Duft auf dem Streifen ganz edel, auf der Haut aber wie ein nasser, eben erwähnter Vierbeiner roch. Und wenn schließlich noch meine Meinung zu dieser Kreation gefragt ist: es soll ja ganz, ganz süße Männer geben, aber duften sollten sie nicht nach „Noël au balcon“ – ich sehe hier eher eine zierliche, leicht glühweinbeschwipste Frau mit „I mog di“-Lebkuchenherz um den Hals und ihr steht er sicher ganz vortrefflich.