Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Nuda – Nude – Nackt.

Geschrieben in Duft,Solifloral am 19.11.2010

Gestern war bereits einer der beiden Nuda benannten Düfte an der Reihe, die unabhängig voneinander dieses Jahr im Sommer veröffentlicht wurden – Il Profumos Nuda.

Heute möchte ich mich dem verrückten Riechkolben Alessandro Gualtieris zuwenden und dessen ebenfalls Nuda getauftem Resultat seiner Firma Nasomatto. Wie uns die Gewohnheit bereits lehrte, ist Herr Gualtieri äußerst sparsam mit Angaben zu seinen Ingredienzen – will sagen: Er verrät nichts, das heißt es bleibt mir als bloggendem Schnüffler oder vielmehr schnüffelndem Blogger nur der Sprung ins vermeintlich kalte Wasser. Ich muss meine Nase selbst unter Beweis stellen und dem Duft, der mir von Haut und Teststreifen entgegenweht, selbst etwas abgewinnen ohne unterstützendes „Gerüst“ von Duftnoten. Manchmal macht es das schwerer, manchmal aber auch einfacher, wir werden sehen…

Gualtieri selbst nennt den Duft eine „Bombe“, er sei wie eine „Explosion“ – und legt mit Nuda seinen zweiten weißblüherzentrierten Duft hin: Bei der Nackten steht Jasmin im Vordergrund, nach Narcotic Venus, der der Tuberose gewidmet war.

„The fragrance invites you to undergo the unexpected tranquility of giving up oneself without concern for boundary, and to sense the hazy intuition of a depth that undoes distance. It’s a result of a quest to find a vanishing point in nature, the translucence of our senses, nude desire.“

Eine Reise zu sich selbst, ins Innere soll er also sein, ein natürlicher Fluchtpunkt, etwas, das tief unter dem Intellekt lauert, das Durchscheinen unserer Sinne, das nackte Begehren… Schön mal wieder. Ein paar poetische Zeilen, die den Duft in ein psychologisch-philosophisch anmutendes Wortgewand hüllen. In der Tat versteckt sich eine ganze Menge hinter Nuda, der mitnichten so trivial ist, wie der Name vielleicht scheinen mag.

Im Gegensatz zu vielen eher kantig anmutenden (aber nicht minder tollen) Kompositionen des Herrn Gualtieri hat er mit Nuda hier etwas komplett anderes geschaffen: Der Auftakt von Nuda ist geprägt von aldehydig anmutenden Fruchtnoten sowie dominantem Blattgrün eher hellerer und schillernder Natur. Für meine Nase ist es ganz klar eine mehlig-herb-fruchtige Birne, die den Kontrast zu den Blättern und der Hauptfigur bildet – dem Jasmin. Dieser gewinnt mehr und mehr an Aufwind und an Stärke, ist präsent und durchdringend und von einer leichten Süße und einer im Laufe des Duftes immer dominanter werdenden Cremigkeit, die ein wenig an Ylang erinnern lässt. Leichte indolische Noten sorgen für ledrige Kanten, die allerdings nie das grundlegende Gefüge zum Wackeln bringen, das mich immer mehr verwundert: Herr Gualtieri auf klassischen (Ab)Wegen. Nachdem sich dann auch noch eine holzig-samtige Iris unter die Cremigkeit mengt, ist es für mich recht klar – Inspiration und Vorbild für diesen Duft waren ganz klar einige einige Klassiker sowie die Handschrift einiger bekannter Parfumeure wie zum Beispiel Bourdon und Ropion.

Nuda hat eine dermaßen mächtige Strahlkraft und ist dabei so aurahaft dicht gewebt, so gebündelt. Narkotisch ist diese Nacktheit, aber gleichermaßen elegant und selbstverständlich, obgleich perfekt inszeniert. Ich fühle mich an meinen neuen Liebling Iris Poudre erinnert, unter anderem. An dessen Femininität – hier in Nuda meisterhaft umgesetzt. Ein unaufdringlicher Jasmin, ein Weißblüher, der niemals vulgär, sondern ganz im Gegenteil erhaben und klassisch wirkt, stilvoll.

Natürlich habe ich an dieser Stelle noch eine ganze Weile im Internet gegoogelt, habe mir alte Blogrezensionen von Kollegen angeschaut: Eine ganze Menge schrieben von dem Bombencharakter, dem Whoom-Effekt, davon, wie einen der Duft anspringt… Das sehe ich mitnichten so. Wie oben schon erwähnt, Jasmin ist ein Weißblüher und ein Nachtblüher und insofern das genaue Gegenteil einer zurückhaltenden Blüte. Hinzu kommen die dem Jasmin vorbehaltenen indolischen Noten, die, mal mehr und mal weniger augenscheinlich sind – Fäkalnoten, mal animalisch wirkend, mal tatsächlich an Exkremente erinnernd.

Nuda ist aber absolut nicht „Porno“ und auch kein Proll, wie vielleicht die Verknüpfung von Jasmin und Bombe assoziieren ließe. Nuda gesellt sich viel eher nicht nur namentlich zu jenem Nude-Look hinzu, der so in und beliebt ist: Normalerweise stehe ich ja nicht auf Unentschlossenes, wohne aber auch mittlerweile in Unfarben, liebe diese Changieren, dieses Unbestimmte und dessen Freiheit, deren Zurückhaltung und Dezenz, das Understatement, die Getragenheit.

Nuda ist ebenfalls – Understatement. Und dezent, wie man es eben als Weißblüher sein kann. Verführerisch, aber niemals aufdringlich. Und sehr inspiriert durch die große Kunst des Parfumeurshandwerks, wie ich auch bei Octavian Coifan las, der meine Meinung wohl ebenfalls teilt und den überaus treffenden Vergleich mit einer Perle und deren oszillierendem Schimmer bemüht hat.

Hach!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Alfons Mucha (1896): Spring via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Nacktheit…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Reines und Pudriges am 18.11.2010

hatte ich Euch schon lange mal versprochen.. und nein, nicht ich werde jetzt hier „blank ziehen“, wie ein Kumpel von mir das immer so schön formuliert, wirklich nicht – oder vielmehr: nicht wirklich, denn ein bisschen ziehe ich ja immer blank, wenn ich Euch im Blog von mir erzähle, von meinen Assoziationen, meinen Erfahrungen, meinen Erinnerungen, kurz: meinem Leben.

Die beiden Nudas schulde ich Euch, die Mitte des Jahres irritierenderweise gleich im Doppelpack ohne zugehörige Kooperation von seitens zweier Italiener veröffentlicht wurden, von Nasomatto aka Herrn Gualtieri sowie von Il Profumo. Nichts miteinander zu tun haben die beiden und – kleiner Spoiler, auch wirklich nichts miteinander gemein. Fast nichts – verführen wollen sie wohl beide.

Dann widmen wir uns doch einmal den Betörern, allen voran Il Profumos Nuda: Jener Nackten wohnen wohl diverse Essenzen inne, die an Pheromone angelehnt sind oder wie ebenjene wirken sollen… aha. Wenn ich mir so die Ingredienzen anschaue, wird mir nicht ganz klar, was genau das jetzt sein soll – der Moschus? Das Eichenmoos? Keine Ahnung – ihr vielleicht? Hier sind sie: Kopfnote: Rote Beeren, Honig, Traube, Brombeere; Herznote: Iris, Weinbergpfirsich, Opium; Basisnote: Ingwer, Moschus, Eichenmoos, Pistazie.

Aber vertrauen wir auf die Kraft der Natur oder besser – der Kräuter und werfen wir noch einen Blick auf Nudas Ankündigung:

„The inspiration comes from the scent that only Woman skin can exhale in its state of ecstasy. It is worn as a second skin… It works as the key of seduction and personality. Its aphrodisiac power comes from herbal pheromones with a ephemeral structure. Nuda is to be worn!“

Aphrodisierende Kraft, Verführung und Ekstase… da wird einem ja vorher schon ganz schwummerig ;) Es soll also dem Zustand auf olfaktorische Weise Ewigkeit verliehen werden, nach dem die Haut einer Frau in bestimmten ekstatischen Momenten duftet… Was mich hier zuerst fatal an die ganzen Pheromon“parfums“ erinnerte sowie an ernsthafte Versuche, weibliche Körperflüssigkeiten duftend umzusetzen und so stetig verfügbar zu machen (nein, diesmal meine ich nicht État Libre d’Oranges Sécrétions Magnifiques…), überrascht vor allem auf der Haut: Frisch aufgesprüht sortiert sich erstmal eine herrliche, in der Hauptsache beerig geprägte Fruchtriege. Beeren in unterschiedlichsten Rottönen samt einer sehr markanten Traube, einer wässrig-süßen, die sich von Honig umhüllt präsentiert. Jenes Stillleben tritt im Laufe des Duftes in den Hintergrund zugunsten einer subtil-süßlichen Cremigkeit, größtenteils von der Iris sowie der Basis herrührend, die sich aufs Vorzüglichste mit meiner Haut verbindet. Sehr hautnah wandelt sich das Parfum in einen Skinduft der besonderen Sorte, da hier weit mehr als nur der Moschus auf der Haut wabert: Fruchtige Anklänge des samtig-süßen Weinbergpfirsichs flüstern im Hintergrund mit den nicht vollständig verschwundenen Beeren, während die Honigtraube durchaus noch mehr als eine Stimme besitzt.

„Fruity-musky“ stimmt soweit, „woody“ wird er bei mir nicht. Dafür ist er weit interessanter als ich ihn mir vorgestellt hatte (kein Wunder, meine Vorstellung driftete aufgrund der Beschreibung auch in eine unglückliche Richtung…) und für mich durchaus eine Option, sollte es mich mal nach einem cremigen Skinduft mit einer luzide-fruchtigen Frische gelüsten (eine bei mir zugegebenermaßen mit Anamor All that matters ziemlich unterrepräsentierte Fraktion).

Morgen geht es weiter mit Nasomattos Nackter, bis dahin einen wunderschönen Tag Euch und

liebe Grüße,

Ulrike.

Bildquelle: Egon Schiele (1911): Akt gegen farbigen Stoff via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Erotische Bekenntnisse…
Nuda – Nude – Nackt.
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Einen Sechser…

Geschrieben in Allgemein am 17.11.2010

… hatten wir am letzten Samstag in Bruchsal zu begehen – und nein, nicht im Lotto, sondern es handelte sich um das sechste Treffen der Damen vom Beautyboard hier im Hause. Dieses Mal mit einem ganz besonderen Schmankerl: Einer Präsentation des Hauses Puredistance, vielmehr: deren neuer Düfte Antonia und M, die ab Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres erhältlich sein werden.

Natürlich waren unsere Kunden ebenso eingeladen, sich mit uns restlichen Schnuppernasen einen vergnüglichen Tag lang ganz der Welt der (Nischen)Parfums zu widmen – umso mehr freut es mich, dass sich auch einige unserer Blogleserinnen auf den Weg gemacht hatten, die sich (noch?) nicht auf jenem Board tummeln, um unserem Schnüffelstelldichein beizuwohnen; an dieser Stelle ein dickes Winkewinke und Dankeschön!

Um zehn öffneten die Pforten in der Bahnhofsstraße, und, wie jedes Mal, waren einige Damen bereits am Vortag angereist und hatten auch, nebenbei bemerkt, schon Freitag Abend mit dem Schnuppern begonnen. Wie üblich füllte sich das Geschäft bis zum Mittag und man (auch Mann, war doch immerhin abgesehen vom Chef und dessen Freunden auch der mutige Partner unserer Petra erneut mit von der Partie, aktiv sogar!) frönte fröhlich der Testerei, galt es doch einiges Neues zu entdecken: Die Huitième Art-Düfte wurden begutachtet sowie die neuen Baudelaire-inspirierten Amouage-Düfte namens Memoir (einer für den Herrn, einer für die Dame), Byredos neuster Streich M/Mink war gerade rechtzeitig eingetroffen genauso wie Juliette has a Guns neues Un-Parfum Not a perfume. Mark Birleys Neuer Charles Street, ein echtes Duftchamäleon (danke für den Tipp liebe Jutta!), fand einige Fans – unter anderem auch mich, deshalb werde ich Euch damit nicht verschonen und ihn Euch alsbald hier vorstellen. Während es Samstags zwar noch überraschend warm war für November, geradezu unverschämt warm, deckten sich viele doch für den kommenden Winter mit adäquaten Wohlfühlstimulantien ein, die durchaus auch süchtig machen können: Duftkerzen waren angesagt, gerne auch weihnachtlicher Natur. Die neuen Mizensir-Kerzen rückten in den Blickpunkt genauso wie die Kollektion von Tiziana Terenzi, die Duftkerzen und „Air Therapy“ benannte Porzellanduftsteine im Angebot hat.

Reges Treiben herrschte, wie immer samt Fachgesimpele, launigen Diskussionen, beherzten Hauttests und eifrigem Abarbeiten der zu testenden Düfte – manche Teilnehmerin erwies sich hier als besonders gut vorbereitet samt ausgedruckter To-Do- bzw. To-Try-Liste. Den Schuh muss ich mir in diesem Falle auch selbst anziehen – geht es mir doch oft ähnlich: Da ich nicht allzu oft direkt in Bruchsal vor Ort weile, muss ich mir auch immer genau aufschreiben, welche Düfte ich mir den jetzt noch zu Gemüte führen mag und sollte, um nicht schon wieder ob der schier unendlichen Quantität die Fahnen zu strecken. Dies passiert dann wohlorganisiert während des Schnuppermarathons – und trieb alle Teilnehmer wie immer in die Küche, wo der bereits legendäre Feigensenf nebst Käseplatte unser harrte. Darüber hinaus ein leckerer Kuskus-Salat sowie diverse selbstgemachte Muffins, wovon besonders die von Eva, unserer Münchnerin hervorzuheben waren, die legendären, die mir doppelt und dreifach gefüllt die Schamesröte ins Gesicht trieben aufgrund meiner Unfähigkeit, noch nicht einmal einen Kuchen aus dem Karton backen zu können und mir noch heute das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Bei Kaffee und Sekt wurde weiter geklönt, bis dann gegen zwei Uhr am Nachmittag der Puredistance-Vortrag anstand.

Der Mann hinter Puredistance, Jan Ewoud Vos, ließ es sich nicht nehmen, persönlich anzureisen in Begleitung seiner Assistentin Ninja Andritter-Witt und war so freundlich, uns einen sehr persönlichen Einblick in sein Unternehmen zu geben sowie dessen Entstehungsgeschichte. Der sehr charmante und überaus sympathische bekennende Chanel-Antaeus-Fan (was einigen Teilnehmerinnen unartikulierte Seufz-Laute entlockte) stellte uns vorab exklusiv seine beiden Düfte Antonia und M vor, wovon vor allem letzterer, der Herrenduft, einige unserer Damen überaus entzückte – wäre er doch nur schon zu kaufen gewesen… Allerdings gibt es von beiden demnächst eine Rezension, versprochen!

Bis in den frühen Abend hielt der Duftexzess an, von dem eine noch beachtlich große Gruppe danach Stärkung suchend zum bewährten Stammitaliener „Da Gianni“ weiterzog, wo wir vorab einen Tisch reserviert hatten. Bereits bei einem der letzten Treffen hatten wir diese Lokalität heimgesucht – auch diesmal wurden wir nicht enttäuscht: Frischer Trüffel aus Alba war gerade eingetroffen, den sich einige Anwesende gerne bereitwillig genehmigten, darüber hinaus noch allerhand köstliche Leckereien wie Kürbisgnocchis und Meeresfrüchteplatten, Muscheln sowie konventionelle Pasta.

Für alle Sinne etwas und das den ganzen lieben langen Tag – so kam ich auch einigermaßen (duft)berauscht (ich musste ja noch fahren) in der Nacht nach Hause und möchte mich einmal mehr bei allen bedanken für den tollen Tag! Ich freue mich auf Wiederholung – und vielleicht dann mit noch mehr Blogleser/innen?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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In der Weihnachtsbäckerei

Geschrieben in Duft,Gourmand am 16.11.2010
gibt es manche Leckerei.
Zwischen Mehl und Milch
macht so mancher Knilch
eine riesengroße Kleckerei.

Dieses Lied verfolgt mich seit meiner Kindheit. Irgendwann, es muss Ende der 1980er gewesen sein, hörte ich es im Fernsehen oder Radio, seither hat sich der Text des Refrains in mein Hirn eingebrannt; fast so wie die im Liedtext vorkommenden verschmorten Plätzchen. Dabei war ich schon als Kind von Herrn Zuckowski und seiner Musik eher wenig begeistert, das Lied fand ich schon beim ersten Hören doof und trotzdem taucht der Refrain jedes Mal, spätestens im November, wenn die Weihnachtszeit zum Greifen nah zu sein scheint, in meinem Köpfchen auf und geistert als Ohrwurm tage- bis wochenlang in selbigem herum. Wahnsinn! Nicht nur für mich lästig, sondern auch für mich umgebende Menschen, bin ich doch die ganze Zeit am Summen, Singen, Trällern. Immer die gleiche Textstelle. Das nervt selbst den hartgesottensten Begleiter an meiner Seite. Ihr, liebe Leser, könnt also froh sein, dass Ihr nur Geschriebenes von mir zu sehen bekommt, so ganz ohne akustische Untermalung. Obwohl ich es jetzt ja auch geschafft habe, die Weihnachtsbäckerei in einem Blogartikel zu verewigen und… vielleicht geht es ja dem ein oder anderen von Euch ähnlich wie mir. Für diesen Fall bitte ich um Rückmeldung, weil ich dann ernsthaft über die Gründung einer Selbsthilfegruppe nachdenke. Vielleicht unter dem Titel „Die anonymen Weihnachtsbäckereigeschädigten“? ;-)

Trotz aller Schmähungen passt das Lied aber nicht nur zur momentanen Saisonlage wie die Faust auf das Auge, sondern auch zu unserem heutigen Artikel. Habe ich doch in meinem Probenschächtelchen noch eine Handvoll Gourmandphiolen gefunden, die jetzt so kurz vor der Adventszeit eigentlich nach einer Rezension schreien. Den Buß- und Bettag haben wir mittlerweile hinter uns gebracht (ach, wie schön war das, als der noch ein ordentlichen Feiertag war! Einfach so mal mitten in der Woche frei! Himmlisch!), wenn auch arbeitenderweise. Totensonntag steht in drei Tagen vor der Tür und am Sonntag darauf ist dann auch schon der erste Advent. Unglaublich wie das Jahr dahinrast! Eben war doch noch Silvester und der Jahresbeginn 2010… Bestimmt hat der ein oder andere von Euch auch schon angefangen Weihnachtsplätzchen zu backen. Ich überlege mir jedes Jahr gegen Herbst auch immer wieder etwas in die Richtung zu unternehmen, habe ich doch ganz hervorragende Plätzchenrezepte von Muttern. Ihre Vanillekipferl sind zum Dahinschmelzen. Und auch der Rest: grandios lecker! Einen Versuch, diese wunderbaren mürben Vanillehörnchen herzustellen, habe ich vor ein paar Jahren mal unternommen und scheiterte kläglich. Meine Vanillekipferl waren nicht locker-fluffig, zerfielen nicht allein im Mund vor lauter willenloser Mürbheit. Nein, meine waren bockelhart, zum Wände einschlagen. Für das Mitführen meiner selbstgebackenen vanillinen Betonhörnchen hätte man eigentlich einen Waffenschein gebraucht. So bleibt es auch dieses Jahr wohl mehr beim guten Vorsatz selbst zum Weihachtsbäcker zu werden. Da vertraue ich lieber auf Mutterns Backkünste, die haben mich noch nie enttäuscht. :-)

Widmen wir uns heute, sozusagen als Gebäckersatz meinerseits, dem ein oder anderen Gourmandduft. Ersatz deshalb, weil ich mich beim ersten Schnupperer durch die Phiolenriege vor mir spontan an Kokosmakrone, Bärentatze und sonstiges süßes Backwerk denken musste. So reiche ich Euch heute einen Teller olfaktorischer Plätzchen und bin gespannt wie sie Euch munden. :-)

Wie ungebackener Schokoteig riecht Montales Chocolate Greedy. Backkakao, Butter und Zucker, kombiniert mit einem Hauch Bitterorangenschale und der dunklen Süße der Bourbon-Vanille. Für Teignascher und Schokofans ein absolutes Must-Try!

Von dem Gerücht, dass Herr Montale früher bei Comptoir Sud Pacifique gearbeitet hat, habe ich Euch vor ein paar Wochen schon berichtet. Bestätigen würde es dieser Duft aus dem Hause CSP, der doch eindeutige Ingredienzähnlichkeiten zum eben genannten Schokoteig aufweist: Amour de Cacao. Süß-pudriger Kakao kombiniert mit Karambole und Orangenschale, gebettet auf eine Basis aus Vanille. Allerdings sind schnuppernderweise Unterschiede erkennbar. Die Kakaonoten übertönen das fruchtige Duo, das auf meiner Haut nicht wirklich zum Tragen kommt, dafür zeigt sich die Vanille schon sehr früh. Keine aristokratisch anmutende Bourbon-Vanille mit rauchig-dunkler Süße, sondern viel mehr die zuckrig-blumige Variante. Eine süß-weiches Schoko-Vanille-Mousse ohne Teigtendenzen.

Masakis Matsushimas Chocolat Mat kombiniert Früchte wie Grapefruit und schwarze Johannisbeere mit Rose, Kakao und Schokolade, gebettet auf Sandelholz und Moschus. Auf meiner Haut beginnt der Duft dezent zitrisch, doch alsbald bahnt sich die Schokolade den Weg: edelherb und dunkel. Der zartbittere Geselle verabschiedet sich recht schnell wieder. Zurück bleiben weich-pudrige florale Noten der unbestimmbaren Sorte. Interessant und eher schnelllebig!

Zurück zu CSP und dem ersten Vanilleduft: Vanille Abricot. Der Liebling vieler Hollywoodstars kombiniert Jackfrucht, Aprikose und Papaya mit Gourmandnoten und Vanille. Auf der Haut zeigt der Duft eine recht gleichbleibende Struktur: Samtige Früchte, sehr dicht gewebt und nicht einzeln auseinanderpflückbar, und quietschige Bonbonnoten, in deren Dunstkreis bestimmt auch irgendwo die Vanille herumschwirrt, ergeben ein sehr süßes, mitunter künstlich anmutendes Duftdessert.

Der CSP-Duft Vanille Coco vereint Heliotrop, Banane, Kokos, Milch und Vanille. Auf der Haut präsentiert er sich zuerst als mit Vanillearoma versetzte Bananenmilch, später zeigen sich cremig-wässrige Kokosnoten, die in mir leichte Kokossonnencremeassoziationen wecken. Die Kokosmakrone unter den Düften!

Herrn Montales Vanille Exstasy erinnert auf den ersten Blick ein wenig an Vanille Abricot, kombiniert er doch Aprikose mit Vanille, Ylang-Ylang, Jasmin, Hölzern und Harzen. Der Selbstversuch zeigt süße Fruchtnoten, die sofort von cremig-betörenden Weißblühernoten gekapert werden. So verbleibt der Duft auch: quietschig-weißflorale Bubblegum-Noten auf einem samtig-weichen und süßen Vanillebett.

Zuletzt noch eine Gourmandbombe: Bouche Baie von Nez à Nez. Waldbeeren, Maracuja, Weißblüher, Kirschen, Pfirsich, Kokosnuss, Honig, Vanille und Mandeln sind die Zutaten für den Duftteig. Auf der Haut entwickelt er zunächst eine milchige Brombeernote, dem recht schnell die weißen Floralen zur Seite springen bis der Duft schließlich in einer cremigen Mandel-Vanille-Basis ausläuft, die mit einer gehörigen Kokosraspeln bestreut ist. Ein opulentes Duftdessert für eingefleischte Gourmandfans.

Womit wir zum Ende unserer heutigen Duftvorstellung kommen. Ich selbst rieche mittlerweile auch wie ein wandelndes Vanillekipferl mit Schokoglasur und werde alsbald eine Dusche nehmen, bevor mich mein Freund, der mit einer recht empfindlichen Nase ausgestattet ist, noch stinkenderweise vor die Tür setzt. ;-)

Einen schönen Tag und frohes Backen wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Weihnachtsgebäck und Nahansicht Plätzchen von Tommy Rumrich und Coconut Art von Nicolai Schäfer – some rights reserved. Vielen lieben Dank! :-)

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Unendlich ist das Rätsel der Natur!

Unserem dritten Denksportartikel steht ein Zitat des deutschen Dramatikers, Dichters und Freiheitskämpfers Karl Theodor Körner (*1791 – †1813) vor. Wie wir mittlerweile wissen, sind nicht nur die Rätsel der Natur unendlich, sondern auch die der Parfumerie Générale-Düfte. Meine letzten beiden Rezensionen drehten sich bereits um die Kreationen des werten Herrn Guillaumes und so soll es auch heute sein. Diesmal sind es zwei an der Zahl, nämlich Cozé und Brûlure de Rose.

Beginnen wir ganz forsch ohne viel Vorgeplänkel mit dem Erstgenannten. Entstanden im Jahre 2002 ist Cozé laut Hersteller „woody, oriental and spicy, vibrant“ – also ein lebhafter holzig-würziger Orientale. Tja, namentlich ist der Duft wieder einmal eine gehörige Kopfnuss. Wie ich hörte, bringen ihn manche mit dem englischen Wort „cozy“ in Verbindung (zu deutsch: „gemütlich, kuschelig“), wobei ich nach einem ersten Probeschnupperer hier allerdings keinen wirklichen Zusammenhang sehen kann. Was mir einleuchtender erscheint (nein, jetzt kommt keine obskure Verschwörungstheorie, womöglich mit Außerirdischen oder ähnlichem. Keine Sorge!) ist eine Guillaumsche Abwandlung, eine Art Französisierung des englischen Verbs „to cozen“, welches nichts anderes als „ködern, betrügen“ heißt. Wäre möglich und klingt einigermaßen plausibel. Ein kleiner Lichtblick! :-)

Natürlich trägt auch der Duft Cozé eine Nummer, nämlich die 2 (alles andere wäre ja auch seltsam beim Zahlenfreund Guillaume) und besitzt folgende Duftnoten: Cannabis, Pfeffer, Piment, Kaffee, Schokolade, Ebenholz, Bourbon-Vanille. Wieder eine Kreation, die mit dem verbotenen Inhaltsstoff Cannabis kokettiert, dabei haftet dem hier als Duftnote eingesetzten Hanfsamenöl soviel Illegalität und Verruchtheit an wie einem jungen Hühnerküken. Hanfsamenöl findet in vielerlei Bereichen Verwendung, beispielsweise als technisches Öl, in der Medizin, in Kosmetika und selbst in der Küche ist es nicht zu Verachten (nein, nicht aufgrund seiner beruhigend-berauschenden Wirkung, die hat es nämlich nicht), da es ein umfassendes Fettsäurespektrum besitzt und deshalb ernährungsphysiologisch für den Menschen besonders wertvoll ist.

Frisch aufgesprüht zeigen sich sogleich pfeffrig-würzige Noten, dunkel, trocken, mit krautigen Anklängen und irgendwie erdig-dreckig wirkend. Intensive tief-schwarze Holznoten erzeugen eine beinahe staubige Trockenheit. Während auf dem Teststreifen ab und an dezente Kaffee-Kakaonoten hindurchscheinen, fehlen diese auf meiner Haut völlig, dafür entdecke ich im weiteren Verlauf auf selbiger Teenoten und getrocknete Kräuter; ja, der Duft erinnert mich ein wenig an eine entschärfte Version des Wüstensohnes Harmatan Noir. Ich rieche wieder diese leicht-salzige und trocken-staubige Kühle. Obgleich Cozé auf meiner Haut transparenter wirkt als der Wüstensohn, empfinde ich ihn doch als irgendwie maskuliner als den neutralgeschlechtlichen dunklen Saharawind Harmatan. Und, wenn ich ganz ehrlich sein darf, nach und nach entwickelt sich Cozé auf meiner Haut zu einem Duft, der mich ganz stark an Enthaarungscreme erinnert. Meine Hautchemie scheint da nicht ganz optimal zu sein…

Brûlure de Rose, die Nummer 13, stammt aus dem Jahre 2003. Laut Parfumerie Générale handelt es sich bei der Verbrennung der Rose (so die wörtliche Übersetzung) um einen holzig-floralen Orientalen.

A stylistic composition dedicated to the Rose, surrounded by metallic and powdery tones.

Eine stilistische Komposition, die der Rose gewidmet ist; umgeben von metallischen und pudrigen Nuancen. Die Protagonistin des Duftes war in diesem Falle leicht zu bestimmen, kommt sie doch schon im Namen vor. Was es allerdings mit ihrer Verbrennung auf sich hat (unter „brûlure“ versteht man eine Verbrennung im medizinischen Sinne), bleibt ein Geheimnis, ein Rätsel – wieder einmal. Die Duftnoten der verbrannten Rose lassen mich aufhorchen: Himbeere, Rose, Kakao, Vanille, Ambra, Moschus, Palisanderholz. Habe ich mir doch vor nicht allzu langer Zeit einen äußerst leckeren Himbeer-Kakao-Roiboostee gekauft. Da bin ich doch gespannt, ob zwischen Duft und Tee Ähnlichkeiten bestehen.

Bereits vom ersten Moment an zeigt sich die Protagonistin in ihrer vollen Pracht. Zart-pudrige Rosennoten, jung und frisch, erzeugen bei mir spontane Sonnenaufgangs- und Morgentauassoziationen. Denn der Duft besitzt eindeutig wässrige Züge, ja, beinahe wie Rosenwasser. Eine weiche, hellrosa, beinahe porzellanfarbene Rose sehe ich vor mir, gerade im Aufblühen an einem noch kühlen Sommermorgen. Die Sonne scheint bereits durch die Wipfel hindurch, dampfend steigt der Nebel vom Boden auf; Gräser und Pflanzen sind mit Tau bedeckt, feucht ist die Luft und kühl, der Atem sichtbar. Ein romantisches Bild, ein ebensolcher Duft. Nach geraumer Zeit der rosig-pudrigen Einsamkeit entdecke ich plötzlich dezente Kakaonoten. Brûlure de Rose gewinnt ein wenig an Tiefe, wird dunkler, aber dennoch nicht dunkel. Cremig-buttrig erscheint mir der Kakao, nicht bitter, nicht herb. Tonangebend bleibt aber weiterhin die blühende Protagonistin, von deren wunderschön-authentischem Duft ich vollkommen begeistert bin. Endlich eine Rose ohne diese typischen Seifenanklänge. Gespannt warte ich auf die Himbeere, von der bisher noch nichts zu erschnuppern ist. Dafür entwickelt sich die Gourmandnote im Hintergrund zu einer ziemlich leckeren Angelegenheit: Vanille hat sich hinzu gesellt und akzentuiert die cremige Kakaobutternote auf vorzüglichste Art und Weise. Die Rose tritt schließlich in den Hintergrund, verschwimmt mit einer weichen Mandelnote; beinahe wie ein Dessert aus Rosenwasser und Mandeln, gespickt mit Vanille und Kakaobutter. Einfach köstlich!

Zwei sehr gegensätzliche Düfte, wobei mir persönlich der zweite besser gefällt, auch wenn ich die vom Hersteller angekündigten opulenten Dunkelrosennuancen (und auch die Himbeere) etwas vermisst habe, habe ich mich dennoch ein bisschen in die verbrannte Rose verliebt. Unschuldig und romantisch wie sie ist. :-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

P.S.: Der Rosenduft hat übrigens nichts mit dem Tee gemein, der dann doch ein eindeutiger Schoko-Himbeer-Geselle ist. Kräftig schokoladig und extrem lecker! :-)

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Aus Liebe zum Duft – Hinter den Kulissen, Teil 12
So viele Rätsel hat der Mensch gelöst – nur mit sich selbst kann er nie einig werden.


Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 12.11.2010

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche wollen uns fünf Probenpakete in Richtung neue Heimat verlassen. Wer eines davon haben mag, schreibt bitte bis Sonntag 24h00 eine Mail an info@ausliebezumduft.de  – darin sollte Namen und Adresse vorhanden sein sowie ein Duft genannt werden, den wir diese Woche rezensiert haben hier im Blog. Viel Glück!

Letzte Woche war das Glück diesen Damen hold: Alina T., Trudi Sch.-Sch., Edit S., Nicole Z. und Constanze R. – viel Spaß beim Schnuppern!

Da letzte Woche außerordentlich viele Zuschriften kamen, haben wir uns entschlossen, noch ein paar Probenpakete “draufzupacken”, d.h. es dürfen sich noch ein paar mehr Menschen über Post freuen :)

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende Euch, sowie vielleicht bis Samstag? In jedem Falle werde ich von unserem Event natürlich nächste Woche berichten, damit diejenigen, die nicht kommen konnten, auch etwas davon haben!

Eure Ulrike.

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Freitagsverlosung.
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So viele Rätsel hat der Mensch gelöst – nur mit sich selbst kann er nie einig werden.

Geschrieben in Duft,Gourmand,Reines und Pudriges am 12.11.2010

Nachdem wir gestern schon mit einem Denksportaufgaben-würdigen Parfumerie Générale-Duft gestartet haben, begeistere ich mich mehr und mehr für die Idee, auch die kommenden PG-Rezensionen dem Motto „Rätsel“ zu unterwerfen. Daher auch das passende Zitat, das unsere heutige Duftreise einleitet. Es stammt von dem deutschen Dramatiker und Dichter Joseph Freiherr von Auffenberg, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kreativ zugange war. Eine kleine Anekdote am Rande: Herr von Auffenberg war ursprünglich Hofmarschall am großherzoglich-badischen Hof in Karlsruhe, bis er durch einen dreifachen Salto in ein Fettnäpfchen seine Stellung verlor. In angedüdeltem Zustand äffte er bei einem Diner bei Hofe den Großherzog nach, was verständlicherweise bei diesem nicht ganz so toll ankam. Arbeitslos zog er zurück in seine Heimatstadt Freiburg (im Breisgau), wo ihm fortan der Ruf des verarmten Adeligen anhaftete, war er doch häufiger Gast in diversen Kaschemmen, dazu noch schlampig gekleidet. Sein steter Begleiter war ein schwarzer Pudel, dem Herr von Auffenberg nach seinem Tod, allen Verarmungsgerüchten zum Trotz, eine vierstellige Summe seines sehr wohl vorhandenen Vermögens vermachte. Was der schwarzgelockte Vierbeiner mit dem besagten Erbe machte, bleibt allerdings ein Rätsel – ganz im Sinne unseres heutigen Mottos. :-)

Ein wahres Wort wohnt dem Ausspruch des adeligen Schreiberlings auf jeden Fall inne, in Bezug auf die momentane Rezensionslage würde ich den zweiten Teil des Satzes allerdings ein wenig umformulieren: „nur mit der Betitelung der Parfumerie Générale-Düfte kann er nie einig werden.“ Nun ja, zugegebenermaßen etwas verallgemeinert ausgedrückt, kann doch hauptsächlich ich mit den Namen der PG-Düfte „nicht einig“ werden. Ich sehe schon, eine baldige Kontaktaufnahme mit dem charismatisch-schnieken Herrn Guillaume ist unumgänglich. Natürlich nur im Dienste der olfaktorischen Wissenschaft. Das versteht sich. ;-)

Tja, unserem gestrigen Ausflug in die mir bisher unbekannte Welt der angeblich süd-, äh westafrikanischen Variante der karamell-knusperkrustigen Crème Brûlée mit dem nomadig-gourmandigen Duft Aomassaï No. 10 (mmmh, gerade kommt mir der Gedanke, dass des Namensrätsels Lösung ebenso schwer fassbar ist wie ein Nomadenvolk… ist das der mögliche Zusammenhang? Oder schnappe ich einfach jetzt dann bald völlig über?) kommen wir heute zu einer weiteren Volksgruppe mit mutmaßlichem Süßspeisenbezug: Musc Maori, die Nummer 4 der Graf Zahlschen, äh Parfumerie Généraleschen Duftkollektion.

Die Maori sind die indigenen Einwohner Neuseelands, die wohl ursprünglich im polynesischen Raum beheimatet waren und Aotearoa, so die in der Maorisprache gebräuchlichste Bezeichnung Neuseelands (übersetzt: „Das Land der langen weißen Wolke“), ab dem 13. Jahrhundert in mehreren Besiedlungswellen bevölkerten. Überregional bekannt sind die Maori-Tätowierungen Ta moko, die in der Kultur der Maori eine lange Tradition haben. Wie meine ausführlichen Recherchen vermuten lassen, wurde Herr Guillaume möglicherweise von diesen Tätowierungen inspiriert, hat er doch, und das bestätigt er selbst auf seiner Homepage, ganz gezielt den Kontrast zwischen Schwarz und Weiß in diesem Duft einzufangen versucht: Kakao und weißer Moschus.

Die Erwähnung des Kakaos bringt mich persönlich beinahe an den Rande eines onomatologischen Nervenzusammenbruchs, denn der Kakaobaum, der übrigens zur Familie der Malvengewächse gehört und damit ein Verwandter von Baumwolle, Hibiskus und Stockrose ist, kommt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika und wird in unseren vollglobalisierten Zeiten zwar auch außerhalb Lateinamerikas angebaut, aber eben nicht in Neuseeland. Auch Moschushirsch, -ochse, -bock, -ente sind nicht im Land der Kiwis beheimatet, um dem zweiten Protagonisten des Duftes auch noch einen Satz zu widmen.

Tja, der direkte Bezug zwischen Kakao, Moschus und Maori wird mir in diesem Leben wohl nicht mehr klar, aber das muss es ja eigentlich auch nicht. Schließlich geht es uns ja in erster Linie um den Duft und mit diesem wollen wir uns jetzt beschäftigen. Die Ingredienzien: Florale Noten, Kakao, Hölzer, Weißer Moschus, Ambra, Tonkabohne. Herr Guillaume beschreibt den Duft auf seiner Homepage als „mouth-watering“ – was ich einmal wieder bestätigen kann, denn schon das Lesen der Duftnoten versetzt mich in akute Süßspeisenstimmung. Das kann ja heiter werden! ;-)

Auf dem Teststreifen entpuppt sich Musc Maori als gourmandig-fruchtiger Leckerbissen. Nicht allzu dunkler Kakao kombiniert mit Orangennoten (auch wenn diese nicht in den Duftnoten aufgeführt sind, rieche ich sie doch sehr deutlich). Der Teststreifen erinnert mich stark an Orangenschokopralinen, die ich vor nicht allzu langer Zeit einmal geschenkt bekommen habe und die genau so geschmeckt haben, wie der Streifen duftet. In diesem Stadium verbleibt Musc Maori auf dem Papier.

Ganz anders dagegen auf meiner Haut: hier beginnt die Nummer 4 mit deutlichen Orangenlikörnoten, alkoholisch und ohne Kakaoanklänge wie die Füllung einer Schnapspraline ohne Praline. Erst nach und nach entschwindet der Fruchtlikör und überlässt dem eigentlichen Star des Duftes die Bühne: Kakao, zuerst dunkel, trocken und pudrig, im weiteren Verlauf weicher, milder, ja beinahe milchig-cremig werdend. Ganz subtil sind dezente Orangenanklänge noch wahrnehmbar, die aber mehr und mehr mit lieblichen und sehr authentischen Vanillenoten verschmelzen und in diese übergehen. Musc Maori entwickelt deutlich-helle Vanille-Schoko-Tendenzen, wobei die vanillinen Anteile stärker werden bis mich der Duft schließlich an heiße weiße Trinkschokolade erinnert.

Gourmandig-süß, aber eher transparent und leicht, denn schwer und erdrückend. Die Nummer 4 ist keine wuchtige Schokobombe, sondern ein ausgeklügelter, fein konzipierter und, meiner Meinung nach, absolut unprätentiöser Duft, der auch Gourmand-Zögerern einen Versuch wert sein dürfte. Mein Fazit: Lecker bis zum letzten Riecher!

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Wacky Cake von Eli Duke – some rights reserved. Vielen Dank!

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Ein ewig Rätsel will ich bleiben, mir und den anderen.

Wie Ihr alle wisst, ist heute der 11. November – ein bedeutungsvoller Tag. Nicht nur, dass heute um 11:11 die große Sause der Karnevalszeit beginnt. Die Zeit, in der sich gestandene Erwachsene, ohne sich Schämen zu müssen, wie Kinder benehmen können: sich verkleiden, laut sein, aus unerfindlichen Gründen kollektiv fröhlich oder zumindest, und das unterscheidet von richtigen Kindern, betrunken, gerne auch mal bis Oberkante Unterkiefer. Ja, die jecke Zeit beglückt uns wieder und dauert diesmal ungewöhnlich lange, denn die eigentliche Hochphase und Jubelwoche aller Feierwütigen mit Weiberfastnacht, Rosenmontag & Co. findet erst im März nächsten Jahres statt. Wie sich vielleicht zwischen den Zeilen herauslesen lässt, ist Fasching, Karneval oder Fastnacht nichts, was mich hinter dem Ofen vorlockt. Nein, viel eher gehöre ich zu denjenigen, die das bunte Treiben auf Straßen und in Lokalen so gut es geht meidet. Das war bisher auch kein Problem, denn Stuttgart, Tübingen und wohl auch Lindau sind mit den rheinländischen Karnevalshochburgen nicht zu vergleichen. Glück für mich! :-) Doch solltet Ihr mich mittlerweile so gut kennen, dass Ihr wisst, wie mein Lieblingsmotto lautet: „Jedem Tierchen sein Pläsierchen!“ Von daher wünsche ich allen Faschings-, Karnevals- und Fastnachtsbegeisterten eine wunderschöne fünfte Jahreszeit. Helau, Alaaf, Narri-Narro! Oder wie auch immer man bei Euch ruft. :-)

Abgesehen vom Beginn der jecken Jahreszeit ist heute auch noch Martinstag, der Gedenktag des gleichnamigen Heiligen. Ihr wisst schon, der ehemalige Bischof von Tours, der seinen Mantel mit einem armen Bettler geteilt hat, dann später zum Bischof ernannt wurde. Da er dies aber nicht werden wollte, versteckte er sich angeblich in einem Gänsestall, wo er von dem schnatternden Federvieh verraten wurde. Der Legende nach ist das der Grund, weshalb Gänse heute noch vielerorts für ihr vorlautes Verhalten von damals büßen müssen und zum Martinstag traditionell als saftiger Braten auf dem Tisch landen. Aus meiner Kindergartenzeit erinnere ich mich noch an die alljährlichen Laternenumzüge zu Sankt Martin und die kleinen Baisergänse, die jedes Kind nach dem Laternenlauf geschenkt bekam. Lecker! :-)

Doch wollen wir uns natürlich heute auch noch in duftende Gefilde begeben und zwar in die der Parfumerie Générale. Da wir nun schon mitten in der frostigen Jahreszeit stecken und zielsicher auf Weihnachten zusteuern, möchte ich heute und in meinen kommenden Rezensionen kuschelig-wärmende Düfte vorstellen, gerne auch mal mit gourmandigen Noten. Zu Herrn Guillaume, dem Gründer von Parfumerie Générale und seinem Parfumhaus habe ich in einem meiner letzen PG-Artikel schon das ein oder andere Wörtchen verloren, nachzulesen hier. Nach den drei atemberaubenden Teedüften Harmatan Noir, L’Eau Rare Matale und Hyperessence Matale sitze ich nun schon mit scharrenden Hufen an meinem Laptop und harre der Schnupperei. Doch gemach! Gemach!

Zu allererst möchte ich noch ein paar Worte zum heutigen Duft loswerden, der den Namen Aomassaï trägt und natürlich noch eine Nummer, denn Herr Guillaume ist ja fast so etwas wie der Graf Zahl der Düfte, nämlich die 10. Da ich ja bekanntermaßen ein Faible für das Onomatologische habe (da sieht man es wieder: Jedem Tierchen sein Pläsierchen), wittere ich natürlich beim Lesen des Duftnamens sofort Blut und vermute einen Zusammenhang mit der bekannten Volksgruppe Ostafrikas: den Massai. Laut Herstellerseite ist der Duft mit dem klangvollen Namen aber dem südlichen Afrika und dem Stamm der Baule gewidmet oder besser: der Kunst der Baule. Über die genauen Wechselbeziehungen zwischen dem PG-Namen, dem Kontinent und dem Volksstamm bin ich mir nicht wirklich im Klaren. Lebt das Volk der Baule (und somit auch ihre Kunst) nicht im südlichen Teil des schwarzen Kontinents, sondern in Westafrika. Warum also der Bezug zu Südafrika? Und warum ein Name, der an das berühmte Halbnomadenvolk aus Ostafrika erinnert? Fragen über Fragen und, wenn ich ganz ehrlich bin, ich habe keine Lösung parat, was mich ein bisschen traurig macht. Vielleicht sollte ich Herrn Guillaume einmal anschreiben und befragen, denn, wenn ich das schon einmal vorwegnehmen darf, auch die Namen der anderen PG-Düfte sind eher rätselhaft.

Kein Geheimnis dagegen sind die Duftnoten der Nummer 10 aus dem Jahre 2006: Bitterorange, Heu, Karamell, Geröstete Haselnuss, Süßholz (Lakritze) Gewürze, Vetiver, Weihrauch, Harze, Wengeholz.

Teststreifen und Haut zeigen einen übereinstimmenden Duftverlauf. Frisch aufgesprüht offenbaren sich sofort deutliche Karamellnoten, die eine dezente zitrische Fruchtigkeit aufweisen. Der Duft gerösteter Haselnüsse in Kombination mit den karamelligen Noten lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Durch die gourmandigen Anklänge wirkt die Nummer 10 süß, aber eher süß-würzig. Keine künstlich-klebrige Zuckerwattensüße, sondern der leckere Duft schmelzenden braunen Zuckers, karamellisiert auf hoher Flamme, beinahe zu heiß werdend und daher köstliche Röstaromen in sich tragend. Gehackte Nüsse und Gewürze kommen hinzu, vereinen sich mit dem goldbraunen Schmelzzucker auf deliziöse vanillig-mandelige Art und Weise. Harzig-holzige Rauchnoten unterstreichen die geröstete Herbe. Tonangebend bleibt aber eindeutig die karamellisiert-krustige Crème Brûlée-Note. Süße Gelüste überkommen mich einmal wieder. :-)

Ich empfinde Aomassaï als sehr komplexen und authentischen Gourmandduft. Warm-weich und gleichzeitig dunkel-trocken hält die Nummer 10 gekonnt die Balance zwischen karamelliger Süße und geräuchterer Holzigkeit. Keine Note sticht unangenehm hervor. Mir erscheint der Duft eher wie ein gut eingespieltes Orchester, ein harmonisches Miteinander, eine Symphonie der Sinne mit einem Dirigenten aus Karamell…. So präsentiert Herr Guillaume einmal wieder eine Komposition allererster Güte; ein Kunstwerk, das die Grenzen zwischen Gustatorischem und Olfaktorischem verschwimmen lässt und mich einmal wieder an den Kühlschrank treibt. Noch ein paar Mampfi-Mampfi-Süß-Düfte mit Plätzchenaroma und ich sehe aus wie eine Kugel. ;-)

Was mich alten Bluthund nicht locker lässt, ist das Namensrätsel, das mit dem Testen des Duftes einer Lösung auch nicht wirklich näher kommt. Bezweifle ich doch, dass es die Kunst der Baule ist, Karamell herzustellen. Und auch eine vanillig-warme Crème Brûlée mit Knusperkruste bringe ich nicht annähernd in Zusammenhang mit Südafrika geschweige den dem Nomadenvolk der Massai…. So hält es Aomassaï wohl mit den Worten des schrillen Bayernkönigs Ludwig II.: „Ein ewig Rätsel will ich bleiben, mir und den anderen.“ ;-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Crème Brûlée Closeup von BenFrantzDale – some rights reserved. Vielen Dank! :-)

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So viele Rätsel hat der Mensch gelöst – nur mit sich selbst kann er nie einig werden.
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Erhabenheit…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Blüten,Duft,Hesperiden am 10.11.2010

… beschäftigt Philosophen schon seit Hunderten von Jahren – interessanterweise allerdings nur die westlichen. Die andere Welt scheint jene kleine, aber feine Unterscheidung zwischen dem Schönen und dem Erhabenen nicht zu kennen, diese Differenz, die von Kant über Hegel, Schopenhauer, Ruge, Jean Paul, Schiller und viele weitere schon etliche Philosophen und Literaten beschäftigte.

Eine ästhetische Kategorie ist es, das Erhabene, und, da sind sich alle einig, es reicht weit über das bloß Schöne hinaus: Dem Erhabenen wohnt eine besondere Größe inne, es hat ein überwältigendes Moment ob derselben. „Das Erhabene (Sublime) ist die ehrfurchterregende Großheit (magnitudo reverenda)“, so Kant, oder laut Schopenhauer „das Extrem des Schönen, wo sich die theoretische Negation der zeitlichen Welt und Affirmation der ewigen, welche durchaus das Wesen aller Schönheit ist [...], auf die unmittelbarste, ja fast handgreifliche Weise ausspricht“. So knüpft das Erhabene quasi an die Unendlichkeit an, ist Entgrenzendes. Nicht weiter verwunderlich, das einige Philosophen der Ansicht sind, dass das Erhabene in keiner sinnlichen Form enthalten sein kann.

Anders so zum Beispiel Ruge, der in dem Erhabenen das zur Ruhe kommende Streben sieht, die sich findende Idee… Ich finde ich diese Konzeption bemerkenswert: Das über das Schöne hinausgehende Erhabene, dass eine Ganzwerdung und somit Selbstfindung beinhaltet. Ein Zu-sich-Kommen. So misst Schiller dem Erhabenen in einigen seiner Schriften eine große Bedeutung zu: Es helfe dem Menschen, sich über seine Natur zu erheben, entbindet ihn der sinnlichen Welt. Eine große Hilfe, das Erhabene zu empfinden, sei die Kunst.

Nun, vielleicht kennt Ihr sie auch, jene Momente, die mir bisweilen widerfahren und die für mich Erhabenheit erfahrbar machen: Beim Lesen eines Werkes ehrfurchtsvoll zu erstarren vor einem Ausdruck, einer Metapher, vielleicht auch einer ganzen Idee, einer unsterblichen. Beim Hören eines Musikstückes, bei dem man sich die Tränen verkneifen muss ob seiner Genialität, die einem just in diesem Augenblick klar wird. Bei der Betrachtung eines Kunstgegenstandes oder auch eines Bauwerkes, aber ebenso der Natur selbst. Und dann eben die Gänsehaut beim Entdecken eines neuen Duftes, der so schön ist, dass es fast weh tut – eine Zusammensetzung von Frohsinn und Wehsinn, wie Schiller jenes gemischte Gefühl beschrieb, das zur Empfindung von Erhabenheit gehört. Selten, aber wahr.

Parfums, die einen teilhaben lassen an jenem Gefühl gibt es einige, wenngleich nicht viele – wie auch. Die olfaktorische Entsprechung des Begriffes der Erhabenheit habe ich bisher nur in einem Duft gefunden: Dem Signatureduft von Puredistance.

Kreiert wurde Puredistance von Jan Ewoud Vos in Zusammenarbeit mit der Parfumeurin Annie Buzantian. Die Hintergrundgeschichte jener Kooperation ist gleichermaßen marketingtauglich als auch tatsächlich authentisch. Jan Ewoud Vos hatte sich von einem Bild inspirieren lassen, einem Bild von einer Frau, dass für ihn alle jene Attribute verkörperte, die ein Damenparfum besitzen sollte: Anmut, Eleganz, Dezenz. Femininität. Exklusivität. Und vor allem – Schönheit.

“Schon immer hat mich Schönheit in ihrer natürlichsten Form fasziniert. In der Natur, an Menschen, im Design, in der Kunst. Puredistance bedeutet Schönheit. Pure Schönheit.” so das Credo von Vos.

Bei der Wahl des Parfumeurs, der ihm jenes umsetzen sollte, fiel seine Entscheidung auf Annie Buzantian, der er bei einem ersten Gespräch auch jenes Bild präsentierte, das ihm seinerzeit als Inspirationsquelle gedient hatte. Buzantian erkannte dieses Bild wohl gleich wieder – hatte es sie doch ebenfalls bereits nachdrücklich beeindruckt und zu Überlegungen zu einem Duft animiert. Was für ein gelungener Auftakt für eine Zusammenarbeit, welche auch jetzt fortgesetzt wird mit Antonia, jenem neuen Damenduft, den uns die Puredistance-Mannschaft diesen Samstag zusammen mit dem ebenfalls neuen Herrenduft M von Roja Dove in unserem Bruchsaler Ladengeschäft präsentieren werden. Ihr erinnert Euch? Ich hatte davon bereits geschrieben – hier. Da sich mittlerweile doch einige Kunden angemeldet haben sei nochmals erwähnt, dass uns eine unverbindliche Vorabanmeldung sehr gelegen kommen würde, da wir es uns ansonsten vorbehalten müssen, Besucher eventuell abweisen zu müssen, falls es zu voll wird.

Aber zurück zu Puredistance, dem Duft. Buzantian ergänzte die bisherige Vorstellung des Duftes um ihre eigene Auffassung eines Duftes:

„Wenn ich einen Raum verlasse, möchte ich, dass mein Parfum mit mir geht.”

Puredistance ist ein solcher Duft und noch viel mehr: Er begleitet die Trägerin hautnah, gleicht eher einer intimen Aura, die an ein besonderes Kleidungs- oder auch Schmuckstück erinnert, und ist dabei von enormer Präsenz, ohne sich aufzudrängen – dies ist sicher auch seiner selten hohen Konzentration von 32% geschuldet sowie der Hochwertigkeit seiner Inhaltsstoffe, was die geneigte Nase sofort erkennt.

Seine Kopfnoten sind von der Frische mediterraner Hesperiden geprägt, vor allem aber deren Blüten, genauer: Mandarinen- und Orangenblüten, welche, ihre Nektarsüße verströmend, einen herb-fruchtig-säuerlichen Gegenpol durch schwarze Johannisbeeren erfahren. Jenes Duett birgt eine leise aquatische Anmutung, die den Duft vortrefflich in sein florales Herz geleitet, das mit einem liebreizenden Bouquet von Magnolie, Jasmin, Mimose und Wardia-Rose aufwartet. Jene Blütenriege zeigt sich von ihrer zarten Seite: Intensiv, aber gleichzeitig sanft, eine gewisse Frische bergend sowie gesprenkelt mit klitzekleinen funkelnden Blattgrünsternen. Die Basis ist perfekt austariert und wie der ganze Duft ein Paradebeispiel meisterhafter Parfumeurskunst: Ambra, vornehmlich überaus weich und warm von einer deliziösen, nicht zu würzigen Süße, ein Hauch feinster Vetiverrauchigkeit und samtig-pudriger Moschus.

Ich vermag mir sehr gut vorzustellen, was Jan Ewoud Vos und Annie Buzantian hier vorschwebte: Die Essenz des Weiblichen. Wim Wenders schwärmte einmal in seiner Dokumentation „Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten“, die über den japanischen Designer Yamamoto geht, von dessen Anzügen, die ihn zu sich gebracht hätten, ihm das Gefühl vermittelt hätten, anzukommen, ganz bei sich selbst zu sein. Puredistance vermag es, ein ganz ähnliches Gefühl zu vermitteln: Es drückt Femininität und Luxus aus, gibt einem das Gefühl, ganz Frau sein und schön, nein, eigentlich nicht nur schön – durch seine meisterhafte Rezeptur und sein Understatement kreiert Puredistance ein Gefühl der Erhabenheit, das einen beim Tragen dieses wundervollen Duftes regelrecht berauscht. Was kann es noch Luxuriöseres geben?

Nicht viel, vielleicht auch – nichts. In diesem Falle zollt die Darreichungsform dem Duft Tribut: In einer schlichten Phiole zeigt er sich, die entweder pur benutzt werden kann oder auch umhüllt von einem der exklusiv von Swarovski entworfenen, Art-Déco-inspirierten Kristallflakons (je nach Wunsch versilbert oder vergoldet) selbst zum Schmuckstück und Kunstwerk wird.

Andächtige Grüße,

Eure begeisterte Ulrike.

P.S.: Die beiden neuen Düfte, die am Samstag in Bruchsal vorgestellt werden, werde ich kommende Woche rezensieren – wer also nicht vor Ort sein kann, muss sich wohl oder übel noch ein paar Tage gedulden ;)

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Viva la Revolución!

Geschrieben in Duft,Holziges,Leder am 9.11.2010

Revoluzzer gibt es dieser Tage wieder zuhauf und sie sind momentan auch in aller Munde: Ob nun in den Medien oder im Kino, Demonstranten, Rebellen, Revolutionäre, Märtyrer und Terroristen haben Hochkonjunktur – ohne jetzt alle zusammen in einen Topf werfen zu wollen, denn auch die Deklaration derer ist immer hoch sensibel und nicht immer ausschließlich objektiv.

Hier in Stuttgart kann ich gerade ein Liedchen davon singen, was Aufstand heißt: Die Stuttgarter als vormals brave, duldsame schwäbische Häuslebauer gehen gegen Stuttgart 21 auf die Barrikaden und werden einerseits als Retter der Demokratie frenetisch gefeiert und andererseits als Untergang des (Schw)Aben(d)landes beschimpft. Dann liest man wieder was von vereitelten Terroranschlägen, postalische Grüße aus dem Jemen. Und cineastisch wird uns auch so einiges geboten: Nach Benicio del Toro als Soderberghs Ché, Eichingers Baader-Meinhof-Komplex und Vincent Cassel als Richets Mesrine, allesamt hochgelobte Filme aber unterschiedlich erfolgreich, folgt nun Carlos – Der Schakal. Jenes im Original fünfstündige Werk über Ilich Ramírez Sánchez, das erstmalig im Frühling diesen Jahres in Cannes lief, gibt uns seit letzten Donnerstag Einblicke in das Leben eines der Topterroristen der letzten Jahrzehnte. Ebenfalls seit letzter Woche im Kino und für Fans von launigem Trashkino im Stil von Tarantino sicher genau das Richtige: Machete, Rodriguez lang ersehnter Film zum ehemaligen Faketrailer mit Danny Trejo in der Hauptrolle:

 

Diese ganze Ansammlung von Revoluzzern hat mich heute wieder gebündelt medial erreicht und als ich auf dem Rückweg vom Einkaufen an der Ampel stand fiel mir bei einem Blick auf das nette Machete-Filmplakat siedend heiß ein, was ich Euch schon seit Monaten vorstellen wollte: Ulrich Langs Kooperation mit Lisa KirkRevolution.

Ob Revolutionen nun immer ihre Kinder fressen oder nicht sei einmal vollkommen dahingestellt. Genauso wie Werturteile uns hier an dieser Stelle überhaupt nicht tangieren sollten, es geht nämlich mit jener genuin neuen Frage weiter, die mich damals schon so faszinierte, als ich mich mit Ulrich über sein Projekt unterhielt – ihr könnt es Euch wahrscheinlich denken: Wie riecht Revolution?

Am Anfang war – die Frage. Diese stellt die Basis jenes Stücks Konzeptkunst dar, das die New Yorker Künstlerin 2008 schuf: Ihre Revolution Pipe Bomb, eine Nachbildung einer Rohrbombe wahlweise aus Platin, 14 Karat Gold oder Sterling Silber, befüllt mit einem Parfum, das das olfaktorische Abbild des Begriffes Revolution sein soll. Streng limitiert sind sie, die Rohrbomben, und keine Schnäppchen, sind sie doch je nach Ausführung für Preise zwischen 4.000 und knapp 50.000 Dollar zu haben.

Für die Genese des Duftes, ja, des ganzen Projekts hatte Lisa Kirk eigens diverse Interviews mit Menschen geführt, welche mit der Thematik der Revolution vertraut sind, vielleicht gar selbst Revolutionäre waren oder sind: Mit Journalisten, die meist dicht am Puls des Geschehens agieren, mit Aktivisten jeglicher Couleur, mit politischen Radikalen und vielen mehr. Heraus kam so etwas wie eine Vision des Geruches von Revolution: Rauch, Benzin, verbrannter Gummi, Tränengas, Blut und Verwesung. Jene Vision transformierte Kirk mit Hilfe der Parfumeurin Patricia Choux in einen Duft, den sie nun in eben jenen eigens von der Goldschmiedin Jelena Behrend produzierten Rohrbombenflakons präsentiert.

Ein Knaller, im wahrsten Sinne des Wortes. Und leider unbezahlbar für die Allgemeinheit. So überredete Lang, der bereits vorher den Kontakt zwischen Kirk und Choux hergestellt hatte, Kirk dazu, Revolution erneut herauszubringen in einem „normalen“ Flakon. Gesagt getan – das Trio setzte sich zusammen und heraus kam die zweite Version von Revolution in einer schlichten Schraubflasche.

Blut, Schweiß, Tränen und Sperma – einigen wird der krawallige (und im übrigen ziemlich gut gemachte) Konzeptduft von L’État Libre d’Orange in den Sinn kommen, Sécrétions Magnifiques… Aber, weit gefehlt – es besteht hier auch keinerlei Grund, das Gesicht zu verziehen: Die Revolution, die mir hier aus dem Fläschchen entgegenwallt, das ich bei Herrn Lang aufdringlichst erbettelt hatte (vielleicht hat ihn überzeugt, dass wir am selben Tag Geburtstag haben?), ist nicht nur äußerst interessant, sondern auch überaus tragbar – genauso wie die guten alten Ché-T-Shirts, deren moderne Variante vielleicht jetzt die Rocky-T-Shirts von Dolce & Gabbana sind.

Anfänglich detoniert eine Zibetbombe, die sich, an männliche Körper erinnernd, durch den ganzen Duft zieht. Überhaupt ist Revolution, wenn wundert es, sehr maskulin: Das Zibet wird von würzig-salzigen Noten unterstützt, die dessen diesbezügliche Wirkung noch unterstreichen und forcieren. Hinzu gesellen sich metallische Anklänge, kühl-rostig wirkend, von kühlem (abgetragenem Glatt)Leder akzentuiert, das aus einer Rauchwolke herausragt.

Wie sprach schon mein Lieblingsrevoluzzer, der Jahrhundertphilosoph Rambo: „To win war, you gotta become war.“ – Um einen Krieg zu gewinnen, musst Du selbst zum Krieg werden. Jene Leidenschaft hat man auch in Revolution gepackt. Ein charaktervoller, markanter und passionierter Duft. Nichts für Unentschlossene, aber durchaus eine Option für den unkonventionellen individuellen Businesstypen, ob nun männlich oder weiblich. Und natürlich auch für andere wie auch immer geartete (Großstadt?)Rebellen und Künstlertypen…

Ich in jedem Falle trage ihn gerne und mit Stolz und hüte mein Fläschchen wie einen Augapfel – schönen Dank an dieser Stelle erneut an den edlen Spender!

In diesem Sinne: Es lebe die Revolution!

Eure Ulrike.

P.S.: Die Inhaltsstoffe? Ich habe keine Ahnung, tippe auf: Ganz klar Zibet, Vetiver, Birkenteer, Leder, Hölzer, … dann wird es schwierig ;) Hier noch der eigens von Kirk zum Duft gedrehte Videoclip:

Lisa Kirk’s Revolution Commercial from lisa kirk on Vimeo.

Verweise/Quellen: Che with Cigar, Lisa Kirk Homepage, Ulrich Lang Homepage, Jelena Behrend Homepage.Das Fotos der Pipe Bombs ist von Jelena Behrend.

 

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