Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Alles nur heiße Luft?

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Tropisches am 30.11.2010

Mit der Beschränkung auf diese Worte würde man dem heute rezensierten Duft aus dem Hause Calé Fragranze d’Autore sicherlich Unrecht tun. Und doch steckt in der Aussage, wie so oft, ein Körnchen Wahrheit, ist die Duftkomposition nach einem Ort respektive einer Räumlichkeit benannt, die aus wenig anderem als heißer Luft besteht.

Nein, ich spreche hier nicht von einer Sauna, obgleich ich einen solchen Parfumnamen zugegebenermaßen schon ganz ulkig fände. Der Name des heute besprochenen Heißluftduftes ist Tepidarium. Klingt für meine Ohren ein bisschen nach einer Mischung aus altertümlich-medizinischem Instrument, Klosterzeremonie und Sanatorium ist aber nichts anderes als ein Wärmeraum mit beheizten Bänken, Liegen, Wänden und Fußboden, in dem eine konstante Temperatur von 38-40°C herrscht. Der Unterschied zu Saune und Dampfgrotte ist nicht nur die weitaus geringere Temperatur, sondern auch die Wasserdampfsättigungsrate der Luft, sprich: die Luftfeuchtigkeit. Während diese in Sauna und Dampfgrotte sehr hoch ist, sind sie in einem Tepidarium sehr niedrig: die Luft ist trocken. Wie der Name schon vermuten lässt, war der Wärmeraum bereits ein fester Bestandteil der Badekultur im Römischen reich. Und da der Römer an sich die Dinge ja gerne mal ganz unverblümt beim Namen nannte bedeutet das lateinische Wort „tepidus“ auch nichts anderes als „lauwarm“.

Traditionell wird ein Tepidarium leicht bekleidet betreten, beispielsweise in einem Bademantel oder einer Kutte. Die trockene Wärme in diesen Räumen, die nur ein paar Grad Celsius über der normalen Körpertemperatur des Menschen liegt, wirkt nicht nur entspannend und durchblutungsfördernd, auch diverse andere positive Effekte werden diskutiert, wie etwa die Linderung von Rheuma oder die begünstigend-heilende Wirkung bei Gefäßkrankheiten und leichten Infektionen und Erkältungen.

In Anbetracht der Großwetterlage und der fortgeschrittenen Jahreszeit hätte ich persönlich nichts gegen eine zum Tepidarium umgebaute Wohnung. Oh ja, das würde mir Frostbeule, glaube ich, ganz gut gefallen. Wenn nur der damit verbundene immense Anstieg der Heizkosten nicht wäre… ;-)

Das Tepidarium des Mailänder Nischenduftlabels Calé Fragranze d’Autore wurde im Jahr 2008 lanciert und wird vom Unternehmen selbst in die Kategorie „zitrischer Moschusduft“ gesteckt. Hinzu kommen noch ein paar poetische Worte vom Meister selbst:

A moment’s relaxation in the middle of your holiday, before you decide how best to while away the rest of the time you have set aside for a temporary break from your work and your commitments. Moments like these deserve to be savoured to the full, in the utmost peace and quiet.

Ein Moment der Entspannung in der Mitte der Ferien, kurz bevor man sich überlegt, wie man den Rest der Zeit vertrödelt, die man sich von Arbeit und anderen Verpflichtungen frei genommen hat. Momente wie diese müssen bis zum letzten ausgekostet werden, in äußerstem Frieden und Ruhe. Grundsätzlich stimme ich Herrn Levis Ausführungen mehr als zu und freue mich schon auf einen Duft, der mir einen kleinen Urlaub im Alltag ermöglicht. Wie es scheint, ein weiterer Faulenzduft aus dem Hause Calé!

Die Duftnoten: Grapefruit, Zitrone, Rum, Akazienblüte, Magnolie, Pina Colada, Vetiver, Weißer Moschus, Grüntee.

Wieder einmal divergieren Teststreifen und Haut. Wir beginnen, wie üblich, mit dem Papier, auf dem der angeblich entspannte Wärmeraumduft einen Schnellstart hinlegt, ganz im Stil der Düfte in den Vorgängerrezensionen. Frisch aufgesprüht zeigen sich sehr süße, floral-zitrische Noten, die beinahe überfallartig von sahniger Piña Colada eingenommen werden. Die cremige Kokos-Ananas-Kombi verleiht dem Duft ein fruchtig-tropisches Aroma. Immer mal wieder blitzen Nuancen von Zitronen, Orangen und Mango auf, fruchtig-süß und saftig, die das olfaktorische Obsalat-Flair des Duftes noch unterstreichen. Zur Abrundung mischen sich schließlich noch Vetiver und Grüntee unter das fruchtige Spektakel, akzentuieren den Duft durch beinahe minzig anmutende, kühlende Frische und die charakteristischen Noten von aromatisierten getrockneten Grünteeblättern.

Meine Haut beginnt vielversprechend mit lecker-likörigen Rumnoten, die sehr schnell in eine weich-sahnige Cremigkeit übergehen und damit leider an Intensität und Aroma verlieren. In dieser dumpfen Sahnenote dümpelt Tepidarium eine Zeit lang vor sich hin, bevor sich eine subtile Fruchtnote den Weg zur Oberfläche bahnt. Eine fluffige Mango-Papaya-Note, zwar fruchtig, aber eher wie in einen Wattebausch gepackt, die mich in Kombination mit der Sahne an eine der vielen Fruchtcremes aus der Drogerie erinnert.

Ein eher leichter Tropifruttiduft für die wärmere Jahreszeit oder wärmere Gefilde, der das Sommer-Sonne-Strand-Feeling sehr schön einfängt. Mich persönlich erinnert er allerdings doch ein wenig zu sehr an die bereits genannten aromatisierten Sommereditionstees respektive an ähnlich duftende Körpercremes mit Waikiki Beach-Aroma.

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Tepidarium und A Favourite Custom von Lawrence Alma-Tadema – some rights reserved. Vielen Dank!

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Duftverzeichnis


Müßiggang ist aller Laster Anfang.

Geschrieben in Duft am 29.11.2010

Die letzten beiden vorgestellten Düfte scheinen sich diese Redewendung zu Herzen genommen zu haben, waren sie doch mit einer Dynamik ausgestattet, die ihresgleichen suchte. Wir erinnern uns, dass sowohl Brezza di Seta wie auch Dolce Riso auf Haut und Teststreifen einen schon fast weltrekordwürdigen Sprint hingelegt haben und sich erst jenseits der Ziellinie, in der Duftbasis, einen Moment der Ruhe gönnten.

So verwundert es mich ein bisschen, dass einer der beiden heute rezensierten Düfte, genau dem Gegenteil von Hektik, Stress und sonstigen Strapazen gewidmet ist: der Ruhe, der Muße und der Freizeit. Der Duft Ozio lehnt sich namentlich an das lateinische Wort Otium an, welches nicht anderes bedeutet als das oben genannte Worttriumvirat und damit als Synonym für „dolce far niente“ angesehen werden kann, das süße Nichtstun. Ein Duft zum Seele baumeln lassen. Den eigenen Interessen frönen oder auch einfach mal den lieben langen Tag rumhängen und sich treiben lassen. Die Grundaussage gefällt mir! Da bin ich mal gespannt, ob und wie es die Herren Levi und Cerizza geschafft haben, das umzusetzen.

Ozios Duftnoten: Reseda, Mastix, Iris, Pfingstrose, Mazis (Muskatblüte), Weißer Pfeffer, Sandelholz, Zedernholz, Moschus.

Und in der Tat zeigt Ozio entspanntere Züge als die Seidenbrise und der Reiskuchen von Freitag und Donnerstag letzter Woche. Auf dem Teststreifen offenbart sich direkt nach dem Aufsprühen ein aromatische Kräuterduft, denen eine dezente Pfefferschärfe innewohnt. Süßlich-florale Noten treten hinzu. Gewürze sorgen für dezent-bittere Aspekte, während die Iris mit charakteristischen Nuancen einen cremig-weichen Unterton erzeugt. Holzig-würzig klingt der Duft auf dem Teststreifen aus.

Auf meiner Haut beginnt es grün-würzig mit aromatischen Kräuternoten. Die Iris gesellt sich dazu und verströmt geschmeidig-buttrige Noten. Im weiteren Verlauf kommen zart-florale Noten hinzu. Die Gewürze sind kaum wahrnehmbar; der Pfeffer ist sehr, sehr subtil. Eine beruhigende Holz-Moschusnote mit cremig-weichen Iristupfern bildet die langanhaltende Basis des Duftes.

Ozio entpuppt sich als ruhig-transparenter Duft, obgleich seinem Verlauf schon eine gewisse Dynamik innewohnt, die allerdings nicht ganz so schnelllebig ist wie bei den beiden letzten Düften. Sehr schön, zu Beginn eher erfrischend, später kuschelig werdend, absolut alltagskompatibel für beiderlei Geschlecht. Meines Empfindens nach eher für die wärmere Jahreszeit gemacht; insbesondere im Früjahr kann ich mir Ozio gut vorstellen.

Zur nächsten Kreation aus dem Hause Calé Fragranze d’Autore: Mistero. Die Übersetzung ist einfach: Rätsel, Mysterium. Somit hätte dieser Duft eigentlich ganz prima in unsere Rätselduftecke von vor zwei Wochen gepasst. Tja, da er aber leider aus dem falschen Elternhause kommt, muss er sich jetzt eben rätselhafterweise alleine durch die Rezension schlagen (wobei er ja wenigstens moralische Unterstützung vom Faulenzduft Ozio hat). Mistero wurde als maskuliner Duft konzipiert, sprich: für Herren. Auf der Calé-Homepage finden sich einmal wieder lustige Doppeldeutigkeiten im Begleittext zum Duft:

A man, but above all that part of him that we would like to discover. Mysterious, but not by choice.

Ein Mann, aber vor allem der Teil von ihm, den wir gerne entdecken würden. Rätselhaft, aber nicht absichtlich. Aaaaah ja! So ganz genau will ich gar nicht wissen, worauf Herr Levi da abzielt; genauer wird auf der Homepage darauf auch nicht eingegangen. Netterweise, wie ich finde. So kann jeder für sich selbst entscheiden von welchem Teil des Mannes da gesprochen wird. ;-) Herr Levi spricht jedenfalls in Rätseln, auch bezüglich des unabsichtlich Mysteriösen am oder im Mann.

Die Duftnoten des männlichen Mysteriums: Rum, Rhabarber, Minze, Piment, Elemiharz, Safran, Basmati-Reis, Eiche, Adlerholz (Oud), Labdanum (Zistrose), Moschus.

Eine interessante Zusammenstellung, möchte ich sagen. Mal sehen, wie sich das olfaktorisch so macht. Zuerst der Teststreifen: Dunkel-holzige Rumnoten, Harze und Safran. Letzterer sehr deutlich, was bei mir spontane Dzing!-Assoziationen hervorruft, aufgrund der leichten Pferdestallnoten (die hier allerdings nicht karamellisiert sind wie in Giacobettis Zirkusduft). Würzig-waldige Akzente kommen hinzu sowie eine trocken-transparente Weihrauchnote, der dezent-trüffeligen Nuancen innewohnen, die ich dem Adlerholz zuschreiben würde. Jetzt erinnert mich Mistero immer mehr an Sienne l’Hiver von Eau d’Italie. Wahrlich interessant!

Auf der Haut tritt zuerst der Rum in Aktion, der eindeutige Whiskyanklänge besitzt. Dann eine Überraschung: der Duft von gekochtem Reis. Dieser ganz charakteristische, aber dennoch sehr subtile Geruch, wenn man Reis mit geschlossenem Deckel nach der Quellmethode kocht und dann den Deckel öffnet. Der Duft bekommt eine herb-bittere Safrannote, der eine trockene Schärfe zur Seite springt. Aus dieser Kombination heraus entwickeln sich erdig-modrige Waldnuancen, die ebenfalls deutliche Trüffelaspekte besitzen. Hinzu kommen harzig-rauchige Ledernoten, die mit einer transparenten Trockenfrüchtesüße akzentuiert ist.

Während der Teststreifen mich, wie schon erwähnt, an zweierlei Düfte erinnert, nämlich zuerst Dzing! und dann Sienne l’Hiver, assoziiere ich mit der Hautvariante eher eine Mischung aus Dzongkha und Sienne l’Hiver. Ein absolut entspannter, ruhiger und in sich ruhender Wald-Laub-Erd-Moder-Duft, der meines Erachtens nicht nur dem männlichen Geschlecht vorbehalten sein sollte.

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Bergwiese in Kärnten von Thomas Huntke und Nebel in Ostfriesland von Matthias Süßen – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Freitagsverlosung.
Duftverzeichnis
Wochenendneuigkeiten.


Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 26.11.2010

Hallo Ihr Lieben,

wie an jedem letzten Freitag im Monat verlosen wir auch diese Woche außer den fünf obligatorischen Probenpaketen ein besonderes Präsent. Diesmal ist es ein Washington Tremlett Miles per Hour-Set mit 100ml Eau de Cologne, 100ml After Shave und 250ml Duschgel – endlich einmal etwas speziell für die männlichen Blogleser! … oder eben für den Anhang unserer Leserinnen ;)

Wer ein Probenpaket oder auch das Washington Tremlett-Set haben mag schreibt uns bitte bis So, 24 Uhr, eine e-Mail an info@ausliebezumduft.de – Darin nennt uns bitte Euren Namen und Eure Adresse sowie einen Duft, den wir hier diese Woche vorgestellt haben.

Viel Glück!

Jenes war letzte Woche folgenden Leserinnen hold: Claudia N., Doreen R., Birgit H., Birgit O. und Petra R. – herzlichen Glückwunsch und viel Spaß beim Schnuppern!

Ein schönes Wochenende und viele Grüße,

Eure Ulrike.

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Freitagsverlosung.
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Baby, es gibt Reis!

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Reines und Pudriges am 26.11.2010

Nicht nur in Helge Schneiders gleichnamigem Song aus dem Jahre 1994, sondern auch hier im Blog, denn der zweite Calé Fragranze d’Autore-Duft ist an der Reihe; schön dem Alphabet nach, widmen wir uns heute Dolce Riso, dem süßen Reis, der in mir schon beim bloßen Lesen des Namens akute Nachtischsehnsüchte weckt. Anscheinend gibt es wirklich eine italienische Köstlichkeit dieser Art: einen süßen Reiskuchen mit Mandeln und Zitrone, der eine Spezialität der norditalienischen Emilia Romagna ist. Vielleicht werde ich ja meine Backkünste hier einmal wieder einsetzten, denn Kuchen kann ich (im Gegensatz zu Plätzchen… aber das wisst Ihr ja schon.). :-)

Reis als Duftnote – eine seltene Ingredienz. Geza Schöns Nummer 1 aus dem Hause Biehl Parfumkunstwerke verwendet Basmati-Reis, ebenso wie Miller et Bertaux in A Quiet Morning. Das kleine Label Calé Fragranze d’Autore hat neben dem Süßreis noch einen zweiten Duft mit dem wärmeliebenden Süßgras bestückt, nämlich Mistero.

Aber sonst: gähnende Reisleere, wohin das Auge blickt. Oder fallen Euch noch Reisdüfte ein? Dabei steht das Fehlen von Reis in Düften im absoluten Kontrast zur sonstigen Reissituation weltweit. Ist doch Reis für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung Hauptnahrungsmittel. In Asien besteht 80% der täglichen Nahrung aus Reis. Dort, also in Asien oder genauer gesagt: in China wurde der Reis laut archäologischen Funden erstmals kultiviert. Dies geschah beim Übergang von der Jäger-Sammler-Lebensweise zur Subsistenzwirtschaft mit Ackerbau, Viehzucht und dauerhaften Siedlungen. Dieser Übergang, die sogenannte Neolithische Revolution, fand in mehreren Regionen der Erde unabhängig voneinander (und zum Teil zu verschiedenen Zeitpunkten) statt. Weizen, Roggen und Gerste wurden erstmals in der Levante, im heutigen Nahen Osten, angebaut. Damals natürlich noch in ihrer Urform. Von dort schwappte die Getreidewelle langsam aber sicher auch zu uns nach Mitteleuropa herüber (langsam meint hier einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren später). Laut Fundlage fand die Domestikation von Reis in China etwa zeitgleich mit der von Weizen & Co. in der Levante statt: ganz grob gesagt vor etwa 15.000 Jahren.

Heute wird in beinahe allen tropischen und subtropischen Ländern der Welt Reis angebaut, hauptsächlich in Asien. Aber auch in Frankreich, Spanien, Portugal und Norditalien finden sich Reisfelder. Letztere interessieren uns heute, liegen sie doch in der Poebene, jener fruchtbaren Fläche durch die der Fluss mit dem Gesäßnamen fließt, in der auch die Stadt Mailand liegt. Einen gewissen Bezug zu Reis hat das Milaneser Label Calé Fragranze d’Autore also; ja, und auch die auf Süßreiskuchen spezialisierte Emilia Romagna ist nicht allzu fern. Schön, wie man sich die Verwendung von Reis als Duftnote in einem italienischen Eau de Toilette so hinkonstruieren kann, als ob es nichts Naheliegenderes gäbe. ;-)

Die Duftnoten des süßen Reises: Apfel, Limette, Beifuß, Reis, Getreide, Weißer Pfeffer, Moschus, Vanille, Tonkabohne.

Klingt wirklich fast wie die Zutatenliste einer Nachspeise, abgesehen vom Pfeffer vielleicht. Mal sehen, ob der Duft beim Schnüffeln auch hält, was er verspricht. Herr Levi verspricht auf seiner Homepage folgendes:

Positive, sweet and optimistic. A balanced harmony with a delicately sweet dominant that inspires tenderness, spontaneity, happiness and joie de vivre.

Lebensbejahend, süß und optimistisch. Eine ausbalancierte Harmonie mit einer köstlich-süßen Dominante, die Zärtlichkeit, Spontanität, Fröhlichkeit und Lebensfreude weckt. So, so!

Der Teststreifen bringt gleich zu Beginn seine ganze Daseinsfreude durch süß-fruchtige Noten zum Ausdruck, die alsbald grün-zitrisch werden, begleitet von pfeffriger Schärfe. Nach dieser rasanten Achterbahnfahrt durch die schönen Seiten des Lebens, äh der Düfte entwickelt Dolce Riso eine zitronige Süße, die mich an den Duft von Milchreis erinnert – an solchen, der mit frisch geriebener Zitronenschale gekocht wurde. Mmmh!

Auf meiner Haut toben sich direkt nach dem Aufsprühen erst einmal die Pfeffernoten aus, bevor der Duft zitrische Spritzigkeit erlangt. Auch hier ist der Duftverlauf im Zeitraffer unterwegs, denn ganz flugs werden die frischen Hesperidennoten durch eine einlullende Weichheit abgefedert; Dolce Riso wird pudrig-kuschelig, gespickt mit dezenten Fruchtakzenten, mandelig-vanilligen Nuancen und transparenter Pfefferschärfe. Während mich das Papier an Milchreis erinnert hat, assoziiere ich mit der epidermalen Duftausprägung eher einen Kuchen… die süße Reistorte mit Mandeln und ordentlich Zitronenaroma!!

Wie auch schon der gestrige Duft entpuppt sich Dolce Riso als zart-transparenter Alltagsbegleiter; Unisex mit femininen Zügen würde ich sagen. Eine weitere Übereinstimmung zu Brezza di Seta von gestern: der sehr beschwingte Duftverlauf. Von „Eile mit Weile“ haben die bisher rezensierten Calé Fragranze d’Autore-Düfte anscheinend noch nichts gehört. Im Schnelldurchlauf hetzen beide durch Kopf- und Herznote. Die Basis scheint schon jenseits der Ziellinie zu sein, denn hier machen sie es sich gemütlich und bleiben lange, lange, lange erhalten. Ich bin schon gespannt, ob die Sprintermentalität allen Levischen Kreationen anhaftet. Falls ja, würde ich beinahe mutmaßen, dass ein Sportreporter bei der Live-Übertragung eines Leichtathletikevents ihn zur Komposition der Düfte inspirierte statt der von Levi erwähnten Erzählungen und Anekdoten. Oder war Herr Levi etwa selbst einmal Sportreporter und schöpft aus diesem Erinnerungsfundus?? ;-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Reis-Rispe von Leo Michels und Jasmine Rice von Henningklevjer – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Olfaktorische Poesie

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges am 25.11.2010

Mit diesen malerischen Worten umschreibt Silvio Levi, der Inhaber des Mailänder Nischenduftlabels Calé Fragranze d’Autore, seine duftenden Werke, die in Zusammenarbeit mit dem italienischen Parfumeur Maurizio Cerizza entstanden sind und in den Jahren 2008/2009 lanciert wurden.

1955 gründete Levis Großvater Giuseppe Casolari das Unternehmen Calé in Mailand. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg hatte er dort eine Damenfriseur- und Schönheitssalon betrieben – mit großem Erfolg. Mit Calé konzentrierte er sich auf den Vertrieb von Nischendüften, die Casolari liebevoll und mit großem Eifer auswählte und dann aus dem Ausland importieren ließ. Zur damaligen Zeit bahnbrechend, war doch die italienische Duftwelt der 1950er Jahre hauptsächlich von französischen Kreationen bestimmt, die zumeist dem Schoße diverser Haute Couture-Unternehmen entsprungen waren.

Auch heute noch befindet sich das Calésche Hauptquartier im Zentrum Mailands, schräg gegenüber der Kirche Santa Maria alla Porta. Im Jahre 1995 übernahm Silvio Levi das Familienunternehmen. Zuvor war der studierte Chemiker in der pharmazeutischen Industrie tätig. Mit der Zusammenarbeit mit Maurizio Cerizza und der Kreation einer Riege von acht Düften unter dem Namen Calé Fragranze d’Autore, erfüllte sich Levi einen lang gehegten Traum:

To establish his own brand with fragrances, created entirely under his own guidance, from the first inspiration to the final composition.

Die Erschaffung eines eigenen Labels mit Düften, die von der ersten Idee bis zur eigentlichen Gestaltung ganz seiner Leitung unterliegen. Dabei hat er ein ganz eigenes Konzept vor Augen:

Each Perfume from Calé Fragranze d’Autore is inspired by short excerpts from stories, flashes of memories and of emotions, to which Silvio Levi wants to give an olfactory form.

So ist jedes Parfum von Anekdotensplittern, Erinnerungsfetzen und Gefühlen inspiriert, die Herr Levi mittels Herrn Cerizza in eine duftende Form brachte. Man könnte auch sagen: Herr Levi ist der Erzähler und Herr Cerizza hält die kreative Duftfeder und bringt das Erzählte so in eine beständige Form: olfaktorische Poesie – zwar nicht auf Papier, sondern in einer Phiole, das tut ihrer Expressivität aber keinen Abbruch. Vielleicht sogar ganz im Gegenteil! Denn kann nicht ein an einer Phiole Schnuppernder in einen Duft viel mehr persönliche Empfindungen hineinlegen als in einen geschriebenen Text? Obliegt einer Duftkomposition nicht ein viel größerer Interpretationsspielraum als einem Schriftstück? Ein Parfumeur gibt dem Schnuppernden höchstens einen kleinen olfaktorischen Anstoß, welchen duftenden Weg die Phantasie eines jeden aber beschreitet, bleibt der Persönlichkeit, den Erfahrungen, den Erinnerungen, der Individualität des jeweiligen überlassen…. Ihr seht: Herr Levi versetzt mich auch schon in ganz poetische Stimmung. ;-)

Genug herumphilosophiert! Kommen wir zu Potte! Fünf Düfte möchte ich Euch in meinen nächsten Rezensionen vorstellen, nämlich Brezza di Seta, Dolce Riso, Misterio, Ozio und Tepidarium. Beginnen wird doch am besten ganz klassisch alphabetisch mit Brezza di Seta. Zu deutsch „Seidenbrise“ oder „Brise aus Seide“, das bleibt jedem selbst überlassen. Klangvoller finde ich persönlich den Namen, einmal wieder, in der ursprünglichen italienischen Form.

Die Duftnoten: Schwarze Johannisbeere, Veilchenblätter, Neroli, Lavendel, Wasser-Schwertlilie, Magnolie, Rose, Patchouli, Vetiver, Vanilleschote, Tonkabohne.

Laut Herrn Levi ist Brezza di Seta ein schillernd-delikates Wechsel- und Zusammenspiel zahlreicher Emotionen. Ein femininer Duft, als einziger der Kollektion als solcher konzipiert. Herr Levi und seine Homepage bringen mich ehrlicherweise ein wenig zum Schmunzeln, weil die Texte gerne eine gewisse Doppeldeutigkeit besitzen. Wobei ich, mangels Italienischkenntnissen, nicht weiß, ob das der englischen Übersetzung geschuldet ist oder wirklich willentlich so formuliert wurde. „Schillernd-delikates Wechsel- und Zusammenspiel zahlreicher Emotionen“ in einem explizit femininen Duft könnte für mich ein poetisch-augenzwinkernder Ausdruck für weibliche Launenhaftigkeit und Stimmungsschwankungen sein. Aber vielleicht sitzt mir auch nur der Schalk im Nacken und ich lese deshalb solch ironische Doppeldeutigkeiten zwischen den Levischen Zeilen. Da die Kollektion auch einen ausdrücklich maskulinen Duft aufweist, bin ich schon gespannt, welche Zweideutigkeiten ich hier aufdecken werde. ;-)

Teststreifen und Haut divergieren ziemlich, daher möchte ich mich zuerst dem Papier widmen: hier beginnt die Seidenbrise floral und grün. Iris eilt herbei und bringt cremig-pudrige Noten mit sich. Dezente Fruchtnoten zeigen sich, die ich aber eher einem Pfirsich zuordnen würde, denn der angegebenen schwarzen Johannisbeere (von letzerer rieche ich überhaupt nichts, ebenso wenig wie vom Lavendel). In Anbetracht der Duftnoten vermute ich, dass hinter der zart-samtigen Fruchtigkeit Neroli steckt. Die Iriscremigkeit bliebt nach wie vor dominant. Mit der Zeit wird die Seidenbrise holziger. Patchouli taucht auf, sehr zurückhaltend, schenkt Tiefe und dunklere Noten. Ab und an entdecke ich ein paar rauchige Momente, die mich in Kombination mit der dunklen Cremenote an den typischen Duft der Bourbon-Vanille erinnern.

Auf der Haut startet Brezza di Seta grün-fruchtig. Auch hier ist von einer charakteristischen schwarzen Johannisbeernote allerdings weit und breit nichts zu entdecken. Wie auf dem Teststreifen eilt auch epidermal die Iris den grünen Note zur Hilfe, bringt schnell cremige Aspekte hinzu und… Pudernoten. Eine sehr intensive Pudrigkeit, die mich für einen kurzen Moment an eine stark abgeschwächte Interpretation der Moulin-Rouge-Puderquaste von Histoires de Parfums erinnert. Doch blitzschnell tauchen unter all dem Irispuder aquatisch-florale Noten auf. Lavendelherbe schießt herbei und verfliegt so schnell wie sie gekommen ist. Die Seidenbrise gewinnt an Raum, wird holzig-krautiger. Die Pudernote bleibt aber dominant, wird weicher, feuchter und offenbart im Ausklang deutliche Vanillezüge. Den Namensbestandteil „Brise“ findet ich Hinblick auf den rasanten Duftverlauf auf meiner Haut äußerst treffend, denn einzig der abschließende Vanillepuder ist wirklich langanhaltend, umhüllt den Duftträger wie ein zarter Mantel aus Seide, womit auch die Seidenassoziation ihr olfaktorisches Plätzchen gefunden hat. ;-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Mulberry Silk von Laura Appleton (Silkconcept) und Marquise de Pompadour at the Toilet Table von François Boucher – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Ein nettes Interview…

Geschrieben in Verweise am 24.11.2010

… mit Bertrand Duchaufour, dem Fast-Hausparfumeur-Oder-doch-nicht von L’Artisan Parfumeur, ist hier bei Osmoz zu lesen – viel Spaß!

Darüber hinaus habe ich heute bei meinen Recherchen auch noch weiteres Interessantes gefunden: Genauso unvorstellbar es für mich ist, nur einen Duft zu tragen tagaus tagein, wäre es für mich auch unmöglich, nur eine Farbe zu tragen (obgleich sich 90% meines Kleidungsschrankes auf die Farbe Schwarz in unterschiedlichen Schattierungen und Nuancen beschränken) – hier ist ein Interview mit einigen Menschen, die tatsächlich nur eine einzige, sorgfältig ausgewähle Farbe tragen. Und hier der Selbstversuch einer Hamburger Journalistin, die ein Jahr in einem blauen Kleid verbrachte.

Und Ulrich Langs mit Lisa Kirk gestartete Revolution ist auch in aller Munde – ein dickes Thema bei der Berliner Zeitung, siehe hier.

Liebe Grüße,

Ulrike.

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Hiroshima Mon Amour.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gourmand am 24.11.2010

Hiroshima, meine Liebe – Resnais nach einem Drehbuch von Duras, 1959. Und: Hiroshima Mon Amour, Nez à Nez, 2010. – Beide haben etwas gemeinsam: Sie sind Ausnahmen, auf ihre Art. Sowohl, was die Nouvelle Vague angeht, ja, leider: das ganze französische Nachkriegskino, weisen meine diesbezüglichen Kenntnisse ziemliche Bildungslücken auf, die ich als eingefleischter Cineast (dem einen oder anderen ist es sicher schon aufgefallen…) nur schwer auf mir sitzenlassen kann. Zu sehr drückt sie, diese Schmach – deshalb „arbeite“ ich sie auch gerade ab in meiner Freizeit. Als auch Nez à Nez – die Firma. Eine, die bisher ein bisschen an mir vorbeigegangen ist. Anfänglich hatte ich einiges getestet, das mir ehrlicherweise persönlich weniger zusagte: Zu süß, zu bunt irgendwie. Vielleicht war ich auch nur enttäuscht, hatte ich doch aufgrund der angegebenen Ingredienzen kantigere Düstermänner erwartet.

Hiroshima Mon Amour nun kenne ich – sowohl den Film als auch den Duft. Und beide haben gemeinsam, dass mich meine Erwartungshaltung im positiven Sinne enttäuschte: Sie haben mir sehr gefallen. Der Film, da er sich weniger als Kriegserinnerung als vielmehr als fein gesponnenes und ästhetisch enorm anspruchsvolles Drama entwickelte, ein Drama um Liebe und Tod, um Erinnern und Vergessen, eine psychologisch-poetisch-philosophische Erzählung filmisch ganz herausragend umgesetzt. Das Parfum, da es – mich überraschte. Und fasziniert, obgleich es eigentlich nicht meinem Beuteschema, dem für altgediente Blogleser/innen wohlbekannten ;), entspricht…

Im Auftakt eilt mir bereits Yuzu entgegen, jener für Asien typische Zitrushybrid, der sich meist säuerlich-zitrisch und ausnehmend fruchtig präsentiert – so auch hier und alsbald im trauten Duett mit einer saftig-reifen Mandarine. Nun sind hier noch eine ganze Menge Ingredienzen angegeben, in allererster Linie erschließt sich meiner Nase aber ein Dreiklang, den ich ganz entzückend finde: Sake ist angegeben als auch Pflaume sowie Bienenwachs, die für mich zu einem herrlichen Dreierlei verschmelzen – es duftet nach heißem Zimtmilchreis, nach Pflaumenwein (Ja! Eben kein Reiswein, sondern Pflaumenwein und Zimtmilchreis!) und nach warmem Bienenwachs und das auf gar köstliche Art.

Zugegeben – mit einem asiatischen Duft im Sinne eines transparent-ätherischen Etwas, einem Hauch Zurückhaltung, einem sehr endlichen Eindruck hat Hiroshima Mon Amour nun wirklich nichts am Hut. Wer ergo ein Parfum sucht, das jenes schwebende, latent defizitär Melancholische einzufangen vermag ist hier ganz bestimmt falsch.

Resnais’ Hiroshima Mon Amour bescherte mir in seiner Schlusssequenz ein Zitat, das sich sofort auf meine persönliche Liste der Lieblingsfilmzitate katapultierte (ein weiteres kennt ihr ja bereits – Rambos philosophische Lebensweisheit, siehe hier): Ganz am Ende sieht man das Liebespaar, die französische Schauspielerin Emmanuèle Riva und ihren japanischen Architekten Eiji Okada, ein letztes Mal und sie spricht zu ihm: „Hiroshima, das bist Du.“ Ganz abgesehen davon, dass jener Satz kontextbezogen natürlich übergeordneten Sinn ergibt, hätte ich das auch schon zu manch einem Beziehungsversuch sagen mögen, das nur ganz am Rande… In jedem Falle gehört die Schlusssequenz zu den (vielen) brillianten Momenten des Films.

Und Hiroshima Mon Amour fortan zu meinen (wenigen) Lieblingsgourmands – allein schon für die unerhörte olfaktorische Rezeption zweier meiner Lieblingsprodukte der Neunziger: Dr. Pepper und Big Red, die Kult-Zimtlimonade und der Kult-Zimtkaugummi. Denn, ob Nez à Nez Zimt in ihren Inhaltsstoffen nun gelistet haben oder nicht – auf meiner Haut entwickelt sich diese Zimt-Milchreisnote in solch einer Intensität, dass jegliche Verleugnung derselben keinerlei Sinn ergeben würde.

Wie steht Ihr denn zu Hiroshima Mon Amour? Und – bekommt der Duft auf Eurer Haut denselben Zimtdreh? Ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Die Ingredienzen: Kopfnote: Yuzu, Pflaume, Mandarine; Herznote: Wacholder, Ambra, Birke, Sake, Kirsche; Basisnote: Bienenwachs, Moschus Ambra, Vanille.

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Mark Birleys Duft…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Holziges,Krautiges,Leder am 23.11.2010

… hat leider viel zu wenige Fans, darunter aber einen ganz großen, nämlich mich. Ein zu Unrecht unterschätztes Juwel, ein vergessener Schatz, ein rares Kleinod, die Nadel im Heuhaufen – egal welche Redewendung man diesbezüglich auch bemühen mag, auf den Signature-Duft trifft wirklich alles zu.

Liebe Herren da draußen, Obacht! Mark Birleys Signature ist und bleibt einer der besten Männerdüfte überhaupt – wenn man der Mann dazu ist wohlgemerkt. Die Kooperation von Pierre Bourdon (Iris Poudre – ihr wisst schon, haaach…) und Frédéric Malle ist ein feines, leicht fruchtig-aquatisches Hesperidendüftchen mit kühlen Ledernoten und für mich der Understatement-Duft schlechthin. Optimal für den metrosexuell angehauchten glatzköpfigen Intellektuellen mit Modeinteresse. Allzu maskulin, ergo Mann-Mann darf man für diesen Duft allerdings nicht sein. An einem heißblütigen Latin Lover kann ich ihn mir auch absolut nicht vorstellen – ein mediterraner Einschlag ist hier ebenfalls eher fehl am Platz.

Für all die Herren, die zu was-auch-immer für den bisherigen Signature sind kommt jetzt die Lösung: Mark Birleys Charles Street. Ich habe mich natürlich wie ein Geier auf den Duft gestürzt, auch und vor allem, weil der Parfumeur einmal mehr Herr Bourdon ist. Mehr gibt es zum Hintergrund eigentlich nicht zu erzählen, die Geschichte zum Namen ist wenig spektakulär: Der Duft sieht sich benannt nach der gleichnamigen Straße im Londoner Mayfair-Bezirk, wo sich auch Birleys Herrenclub befindet, jener legendäre.

Umso spektakulärer ist, wie ich finde, der Duft. Im Auftakt weht einem gleich eine Note entgegen, die in Parfums viel zu selten prägnant vertreten ist: Kaffee. Geröstet-likörige Kaffeebohnen, deren überaus dominante Würzigkeit von Angelika (Engelwurz) und pfeffrigem Muskat noch deutlich unterstrichen wird. Fast krautig präsentiert sich der ungestüme Engelwurz hier, um hernach überzuleiten in ein Herz, das… ich musste lange überlegen, bin dann aber endlich drauf gekommen: mich sehr an den wunderschönen Tuscan Leather aus der Tom Ford Private Collection erinnert. Ein extrem rauchiges und ziemlich kühles Himbeer-Leder. In Charles Street wird dieses durch ätherische Anklänge (Thymian?) und eine nur schwer zu bemerkende luzide kalte Rose unterstrichen und von erdigster Iris abgerundet, um dann auf einem weichen Vanille-Patchouli-Bettchen warm zur Ruhe zu kommen, nicht ohne seine Rauchigkeit zu verlieren.

Die Haltbarkeit ist auf meiner Haut ganz hervorragend – und ich bin nachhaltig begeistert: Einmal mehr hat es Herr Bourdon geschafft. Was für ein schöner Herrenduft und eine solch gute Ergänzung zu dem Signature, da durchaus sehr different. Darüber hinaus ist Charles Street für mich noch in anderer Hinsicht ein Must-Have: 1.) liebe ich diese Noten gerösteten Kaffees mit ihrem bitteren Schokoladeneinschlag, dem likörigen. Und 2.) War für mich Tuscan Leather immer noch ein Kaufkandidat – Charles Street finde ich im Herzen sehr ähnlich, jedoch noch einen Tick komplexer, insofern wird es jetzt wohl der zweite werden.

Wie geht es Euch? Wie gefällt er Euch? Was für ein Typ Mann ist für Euch der Träger und – seht Ihr die Ähnlichkeit auch?

Gespannte Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Freshly Roasted by Courtney Francis via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis L – Z


Gourmanddüften…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Fruchtiges,Holziges am 22.11.2010

… wurde interessanterweise, wie ich neulich in einem netten Spiegel-Artikel las, den ich beim Stöbern entdeckt habe, zu deren Anfangszeit kein großer Erfolg vorausgesagt. Wir erinnern uns alle sicher noch gut an deren Anfänge: Angel, jenes Fruitchouli-Monster, war der genreprägende Vorreiter, ja, vielmehr war dieser Duft, der mittlerweile als Klassiker gilt – ob man ihn jetzt mag oder nicht – eigentlich der Gründungsvater jener modernen Duftfamilie.

Düfte rochen ab Mitte der Neunziger nach Gourmandnoten. Neben dem transparenten Parfum, bemerkt der Spiegel, war „das “kulinarische” Parfüm [en vogue], das die Marketingler so genannt haben, weil in ihm Lebensmittelaromen duftbestimmend sind – unglaublich, aber wahr: Die neuesten Kreationen nahezu sämtlicher Dufthäuser riechen nach Melone, Anis, Ananas und Himbeerkaubonbons, sogar nach Kokos, Eiscreme und Schokolade.“

Man möchte sich heute kringeln vor Lachen in Anbetracht des erfolgreichen Siegeszuges, den die Gourmandecke die letzten Jahre angetreten hat und der Meinung der Altmeister zum Thema, die den Trend damals äußerst kritisch beäugten:

„Da schütteln altgediente Parfümeure nur den Kopf. “Ein Parfüm hat zu verführen”, seufzt Kompositeur Edmond Roudnitska, “das ist doch kein vulgäres Fast Food.”“

Den Zweifel, ob derlei überhaupt beim Publikum, dem potentiell duftenden, ankommen würde, hegten auch andere:

„Ob frau das wirklich will, darüber hat Altmeister Oelkers seine Zweifel: “An süßen Sachen”, so sinniert er, “hat sich schon mancher überfressen.”“

Letzteres Zitat trifft auch meinen Nerv, bin ich doch meist schon mit zwei Stückchen Schokolade überversorgt, will sagen: mir ist dann schlecht. Süßes geht, Eis oder besser: Häagen Dazs einmal ausgenommen, bei mir wirklich nur in annähernd homöopathischen Dosen. Insofern ist es vermutlich auch nicht weiter verwunderlich, dass ich mich prinzipiell schwer tue mit allzu süßen, an Naschwerk erinnernden Düften. Da die diesbezügliche Duftfamilie mittlerweile aber derartig groß ist, eine fast epische Breite aufweist und allerlei unterschiedlichste Duftnoten beinhaltet, gibt es natürlich auch hier diverse Ausnahmen, die auch mein Herz zu erobern vermochten, unter anderem zum Beispiel die Rummelplatzduft-Fraktion, genauer: Acqua e Zucchero von Profumum und PC02 von Biehl Parfumkunstwerke.

Einen weiteren Gourmandliebling von mir möchte ich Euch heute vorstellen – es handelt sich hierbei um Felanilla von Parfumerie Générale, dem 21. Duft der Linie von Monsieur Guillaume. Dieser, als Worttüftler bekannt, gibt einem mit dem Namen bereits erste wichtige Hinweise auf den Charakter des Duftes: Felidae, die Familie der Katzen, steckt darin sowie Vanilla, die Vanille – wir dürfen uns also auf eine animalische Vanille einstellen.

In der Tat, exakt eine solche präsentiert uns Guillaume mit Felanilla: Vanille, die Hauptprotagonistin, beherrscht die Bühne von Anfang an bis zum Fall des Vorhangs. Eine rauchige Vanille dunklen Charakters, von golden-opakem Glanz. In ihrem Gefolge eine samten-pudrige Iris und würzigen Safran sowie staubtrockene Ambra von einer feinen Süße nebst einem Touch Tier. Dazu gesellen sich Noten von Bananenholz, was sich in diesem Falle schlicht als holzige Anklänge und satte, deutlich wahrzunehmende reife Banane darstellt sowie Anklänge von sonnenwarmem Heu mit dem ihm genuinen Hauch Honig. In der Basis drängt sich mir auch der Eindruck von dunkelstem Puderkakao auf, der zwar nicht gelistet ist, aber ein Nebenprodukt dieser Ambra sein könnte.

Ich komme hier nicht umhin, an eine Katzengottheit, an Bastet zu denken: Eine große dunkle mysteriöse Königin der Nacht, einer warmen Nacht um genau zu sein, die sich majestätisch auf ihrem prunkvollen Lager räkelt, verführerisch auf Heu gebettet sich von mehreren Lakaien mit Palmwedeln Luft zufächeln lässt… Bastet ruft… Purrrpurrrpurrr… diesen bekrallten Samtpfoten entkommt keiner…

Liebe Grüße von einer in schwülstigen Phantasien schwelgenden

Uli.

P.S.: Die Duftnoten: Kopfnote: Vanille, Safran, Iris; Herznote: Bananenholz, Heu; Basisnote: Ambra.

Bildquelle: Altägyptische Bastet-Statue / British Museum von Nic McPhee, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 19.11.2010

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diese: Wir wollen fünf Probenpakete loswerden und suchen dafür neue fürsorgliche Besitzer. Wer eines haben mag, schreibt uns bitte bis Sonntag, 24 Uhr an info@ausliebezumduft.de eine Mail mit seinem Namen und seiner Adresse und nennt uns einen Duft, den wir diese Woche rezensiert haben. Viel Glück!

Die freudigen Gewinner der letzten Woche lauten: Winny S., Margot H., Andrea B., Annette W. und Carola K. – herzlichen Glückwunsch und viel Spaß beim Testen!

Aus gegebenem Anlass möchte ich erwähnen, dass die Gewinner jeweils am Anfang der Woche ausgelost werden. Die Probenpakete verlassen dann gegen Mitte bis Ende der Woche das Haus. Das heißt, sobald jemand seinen Namen hier sichtet, sollte er in den folgenden Tagen den Briefkasten genau im Blick behalten… Da die Proben nicht als Paket versendet werden, kann es, bedingt durch die Lieferzeiten der Post, allerdings unter Umständen sein, dass sie mitunter länger als ein, zwei Tage auf der Reise sind.

Ein schönes Wochenende Euch allen und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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