Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Dem Barbier von Sevilla…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Holziges am 21.10.2010

… ist einer jener Düfte gewidmet, den ich Euch schon lange einmal angekündigt hatte und auf den ich selbst schon Monate gewartet habe: Figaro, einer der vier neuen Lubins. Zwei davon, Inédite und Itasca, gaben sich bereits die Ehre und wurden von mir im Sommer lanciert, zwei weitere wollte man sich wohl für die Herbst-/Wintersaison aufheben, wobei diese (jahreszeitlich) getrennte Lancierung rein duftnotentypisch keinen Sinn ergibt, aber gut, sei es drum.

Wie schon berichtet durfte ich ja alle viere auf der Düsseldorfer Messe im März testen und dieser hier, Figaro mit Namen, ist mir am meisten im Gedächtnis geblieben – wahrscheinlich, weil er der markanteste Duft der vier Variationen ist, denn, wir erinnern uns: Inédite, Itasca und die beide Neuen, Figaro und Bluff sind Variationen von Lubins Vetiver und dem L’Eau Neuve, zweier Klassiker des Hauses.

Bereits bei der anmutigen Unaussprechlichen, Inédite, war mir die Korrelation zu dem wundervollen Hesperiden L’Eau Neuve nicht ganz klar – das ist, soviel sei vorweggenommen, bei Figaro genauso. Hätte man mich gefragt, ich hätte ihn eher als Bruder des Vetivers in Verdacht gehabt, um Euch schon einen Spoiler zu liefern ;)

Das räumen Lubin allerdings auch selbst ein: Ihr Figaro steht eigenem Bekunden zufolge dem Verführer aus Beaumarchais’ Vorlage (die alle anderen inklusive Mozart beeinflusste) an Kühnheit und Verführungskünsten in nichts nach, lässt (alle?) Konventionen hinter sich und nimmt sich Freiheiten heraus, die, so möchte ich herauslesen, ihn der Meinung der Firma nach so einzigartig machen. In der Tat vereinigt dieser Verführer alle Eigenschaften, die das Naturell und den Charakter eines solchen ausmachen: Frische, Ambivalenz, Extravaganz, Esprit, Jugendlichkeit, stilsichere Eleganz, feine Ironie und natürlich auch Provokanz. Wo nun aber ist der Vetiver, der eben angesprochene? Im Herzen natürlich, und dort geht er eine amouröse Verbindung mit einer grünen Feige ein, flankiert von weiteren Früchtchen, genauer: einem grünen Apfel und einer dunkelauberginefarbenen Pflaume. Jene Menage à Quatre dominiert den Großteil des Duftes, mächtig und mutig: Grünleuchtende Früchte von zum Teil satter Violetfärbung, weithin strahlend fruchtig-frisch inmitten bittergrasiger Vetiverherbheit, einer sehr ausgeprägten.

„Ein grüner aromatischer holziger Chypreduft“ ist bei Lubin zu lesen – das kann ich jetzt ehrlicherweise gar nicht nachvollziehen. Grün – Ja. Holzig – ein bißchen. Aromatisch? Kommt auf die Definition an. Ich finde eher nein. Chypre? Wo? Sicher nicht. Zumindest nicht meines Erachtens nach.

Ohne jetzt in einen wissenschaftlichen Aufsatz über Chypres abgleiten zu wollen zitiere ich doch Wiki an dieser Stelle, welches zum Thema Folgendes zu sagen hat:

Chypre klassifiziert eine Familie von Parfüms, die aus einer hesperidischen Kopfnote von Zitrusölen wie Bergamotte, Orange, Zitrone oder Neroli, einer blumigen Herznote aus Rosen- und Jasminöl, und einer warmen, holzig-moosigen Basisnote aus Eichenmoos und Moschus bestehen. Die holzigen Aspekte einer Chypre-Komposition sind häufig durch charakteristische Nebennoten akzentuiert, meistens Patchouliöl, oft aber auch Vetiver oder Sandelholz.

Das sind also Chypres – mit all ihren Untersorten: Florale Chypres & ledrig-animalische, holzige und zitrische. Nun, trotzdem – für mich ist und bleibt ein Chypre ein mächtiges olfaktorisches „Brett“, ein eindringlicher und eindrucksvoller Duft und eigentlich klassischerweise mit (Eichen)Moos und dick und fett Patchouli drin, wobei die Sorte der Zitrusfrucht im Kopf jetzt mal zu vernachlässigen ist. Dieses Trio kreiert eigentlich immer, zumindest meiner Nase nach, mal mehr und mal weniger wahrnehmbare Lederkakzente. Und typische Vertreter sind für mich zum Beispiel der meiner Meinung nach absolut klassische, aber neue Jovoy Chypre, auch mein geliebtes fruchtiges Rosenchypre Eau Suave, die Klassiker Vol de Nuit oder auch Piguets Monster Bandit und so weiter…

Figaro hat dies alles nicht, wollte ich gerade schreiben, außer ein paar Zitrusfrüchten in der Kopfnote, wer hat die nicht. Und ich wollte schreiben, dass Figaro, den ich bereits auf meiner Haut getestet habe, für mich eine gewisse Ähnlichkeit mit Byredos Pulp hat, obgleich er nicht ganz so schrill ist wie dieser. Allerdings kommen beide Düfte auf einer sanften warm-süßen Basis zum Stehen (von mir aus auch liegen), sagen wir: jene trägt sie. Bei Pulp eine Basis mit einem Gourmandtouch (Pralinénoten, sehr lecker), hier eine gewohnt gute harzige Sandelholzbasis mit feinen (Vetiver)Rauchtupfern und Tonkabohne, jener Vanilleverwandten.

Wollte ich schreiben, wie gesagt. Jetzt aber rieche ich an meinem Teststreifen, der auf einer kleinen Anrichte vor meinem Monitor liegt, rieche, rieche, rieche – und beginne langsam zu verstehen, was mir wohl auf meiner Haut verborgen blieb, was der Stress des heutigen Tages zu verhinden wußte, eine vereitelte Entdeckung: Ich verstehe. Chypre. Rieche es auch. Sie sind wirklich da, Anklänge eines pudrigen, seltsam hell-dunkel-wirkenden Chypres, überlappt von jener eigenartigen und bemerkenswerten Fruchtigkeit, doppelt grün von Apfel und Feige nebst jener Pflaume und dem allgegenwärtigen Vetiver. Jener Mischung, die ähnlich gewöhnungsbedürftig anmutet wie Byredos Pulp, die aber auf der Haut sowas von tragbar ist. Und interessant.

Ich schätze Figaro sehr, genauso wie den angesprochenen und ebenso originären Pulp. Mit Sicherheit der auffälligste jener vier Düfte, die aber allesamt testenswert sind. Deshalb geht es morgen gleich weiter mit Bluff ;)

Bis dahin wünsche ich Euch alles Gute und einen schönen Tag, liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Fast vergessen – die Duftnoten: Kopfnote: Grapefruit, Bergamotte, Rosa Pfeffer, Kiefer; Herznote: Feige, Apfel, Pflaume, Koriander, Klee; Basisnote: Vetiver, Styraxharz, Sandelholz, Tonkabohne.

Bildquelle: Pressematerial Lubin, some rights reserved.

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Von infernalischen Feuern…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Krautiges,Leder am 20.10.2010

… ist da die Rede und die stammen diesmal aus dem gemeinhin eher kühlen Hamburg: Fuoco Infernale heißt er, der neue Duft aus dem Hause Linari. Aufregendes von Herrn Diersche ist man ja gewöhnt, trotz allem versetzt es zumindest mich ein wenig in Verwunderung, dass sich ausgerechnet Egon Oelkers für die olfaktorische Umsetzung jenes rassigen Elements verantwortlich zeichnet. Sicher, er ist neben Mark Buxton und Maurice Roucel einer jener Topparfumeure, die die bisherigen fünf Düfte des Hauses schufen, das ansonsten für seine formidablen und formschönen Raumdüfte bekannt ist, über die ich ja schon des öfteren geschwärmt habe. Hinter Zunder und Feurigem hätte ich allerdings eher Monsieur Baxton vermutet, den Wahlpariser mit den Zauberhänden für Weihrauch und Konsorten, denn Oelkers ist eigentlich der Meister der dezenten Opulenz (ja, das geht zusammen, und wie!), was er bei Thorsten Biehls Parfumkunstwerken auch schon eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Egal. Nun nimmt sich Linari also erneut dem Essentiellen an, jenen Urelementen, denen auch bereits eine der frühen Raumduftserien im Diffusorenbereich gewidmet war. Fuoco, der Raumduft, wartete mit heftig Patchouli in der Basis auf – bei Oelkers geht es da wesentlich subtiler zu: Kein Patchouli weit und breit, das darf schon einmal verraten werden, dieses Feuerchen tickt anders, und zwar mit folgenden Ingredienzen: Kopfnote: Nelke, Myrte, Majoran, Birke, Labdanum (Zistrose), Zimt, Hölzer; Herznote: Iris, Tonkabohne, Weihrauch; Basisnote: Leder, Moschus, Ambra, Atlas-Zedernholz, Gurjunbalsam.

Das Tor zur Hölle stößt leise Birke auf, die ich tatsächlich erahne und zu erkennen behaupte, obgleich mir außer Birkenteer als Tauersche Pflichtzutat bisher noch keine untergekommen ist, holzig und mit einer leichten Süße versehen, die pudrig-moosige Anklänge besitzt. Pfeffrige Nelke vermag ich im Hintergrund zu entdecken, die sich allerdings recht zivil präsentiert und ebenfalls süßlich-krautiger Myrte, die einem mit ihrer an Eukalyptus gemahnenden mentholischen Ausstrahlung den Brustkorb weitet. Je länger mir der Duft von meinem Teststreifen aus entgegenströmt, desto homogener wird er in seinem Erscheinungsbild und desto schwieriger fällt mir das Auseinanderdröseln der verschiedenen Zutaten: Samtige warme Harzigkeit mit einem Tupfer Zimt und einem Hauch Rauch fällt mit sanften Hölzern zusammen auf einem weichen Moschusbett, geerdet im wahrsten Sinne des Wortes von samtig-ledrig-erdiger Iris und verhalten krautigen Akzenten sowie einer subtilen Süße.

Dante hätte an diesem harzig-erhabenen Feuer sicher seine wahre Freude gehabt, wenn er ein Duftfan war – fest steht aber, dass dieses Feuerchen sophisticated ist, wie nicht anders von Oelkers zu erwarten war: Keine Höllenbrut weit und breit (deshalb auch weder Bilder von Gustav Doré, der Dantes La Divina Commedia bebilderte, auch kein William Blake dazu oder Hieronymus Bosch), ehrlicherweise auch keine Höllenglut, vielmehr ein Himmelslodern – ein zartes graues glimmendes Feuer, hell und von samtig-holziger Pudrigkeit – so riechen eher Engel, in jedem Falle aber keine gefallenen.

Auf meiner Haut aber entpuppt sich Fuoco Infernale leider nicht so phänomenal wie auf dem Teststreifen – wie Phönix aus der Asche hätte der Duft von meinem Handgelenk emporsteigen können… nur leider mag er das nicht, wie sich nach wiederholtem Testen zeigt. Mein Phönix verharrt in der Asche, will nicht, steckt vielleicht fest? Ich weiß es nicht. In jedem Falle offenbart mir meine Haut keine der Wunder, die der Teststreifen zu vollbringen vermochte, der mich anfänglich zur Bildung einer Gänsehaut animierte. So schade. Ich dachte nach anfänglichem Beschnuppern der Flasche einen neuen Herbst-Winter-Must-Have-Duft gefunden zu haben… Jammer. Deshalb, Ihr wisst es ja eh ohnehin schon alle, was erzähle ich Euch: Bitte vorher auf der Haut testen! Ich wünsche Euch einen aufsteige- und fliegewilligen Phönix, das Potential hat das Linarische Feuer durchaus.

Einen schönen, jetzt hoffentlich auch ein bisschen aufgewärmten Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Fire von Kavewall.com, Painting La Divina Commedia Inferno canto 17 von Ignace Graba`/ Paul Drieghe, Phonix von Matthius Merian, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Auf der Suche nach der Blume…
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Backe, backe Kuchen

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges,Reines und Pudriges am 19.10.2010

ääääh Tarte, habe ich gestern dann doch nicht mehr ganz hinbekommen. Nicht etwa mangels Backtalent (ich möchte behaupten, dass ich das ganz gut kann), sondern vielmehr mangels Zutaten sowie einer ausgeprägten, mich plötzlich überkommenden Faulheit, die mich vehement davon abhielt, zum Supermarkt zu fahren, um die fehlenden oder besser: alle Ingredienzien zu besorgen. Daher kein Kuchen, keine Tarte und auch sonst keinerlei Backwerk! Mittlerweile bereue ich meine Trägheit gewaltig. Wie schön wäre es, zur heutigen Birnenrezension ein thematisch passendes Stück Gebäck zu genießen! :-)

So muss es nun also ohne süße Unterstützung weitergehen. Dabei wäre diese moralisch womöglich vonnöten. Nach unserer gestrigen Exkursion in die feminin-liebliche Duftecke, sind nun nämlich zwei völlig andere Kaliber am Start. Eines ist sicher: die Protagonistin. Die Birne findet sich bei den nächsten Rezensionsopfern allerdings in zweierlei Ausführungen, oder im übertragenen Sinne: Aggregatszuständen, in den Düften, was die Sache für mein Schnuppernäschen sehr spannend macht.

Im heutigen Duft ist die Birne noch in ihrer ganz natürlichen Obstform als Duftnote vertreten: Bois de Gaïac et Poire von Miller et Bertaux. Der eifrige Blogleser wird sich erinnern, dass ich bereits vor ein paar Wochen das Düftchen Green, green, green and… green des Pariser Mode-, Accessoires und Duftlabels der Herren Francis Miller und Patrick Bertaux vorgestellt habe; ein durch und durch grüner Duft – ja, nomen est omen – der mir ausgesprochen gut gefallen hat und nächsten Sommer ganz gewiss zum duftenden Einsatz kommen wird.

Unser heutiger Miller et Bertaux-Duft hat einen Namen, der es von der Länge her gut mit einem Mitglied des britischen Königshaus aufnehmen könnte: ref. 015813 / Bois de Gaïac et Poire, gespickt mit dem Beinamen: Close your eyes, and… . Ja, was die Herren mit diesem Zusatz meinen, darüber haben wir auch schon spekuliert. Vom französischen Label ist jedenfalls keine klare Antwort zu bekommen, was allerdings auch schon wieder als eine solche gewertet werden kann: das Ende des Satzes bleibt jedem Individuum selbst überlassen, abhängig von Stimmung, Gesinnung, Gusto. Was aber die Herren Miller und Bertaux auf jeden Fall eindeutig vorgeben, sind die Duftnoten: Zitrone, Mandarine, Jasmin, Türkische Rose, Guajakholz, Birne, Zimt, Heliotrop, Mandel. In Anbetracht des Namens erwarte ich eine leckere Holz-Birnen-Komposition. Mal sehen, ob der Duft hält, was er verspricht!

Wie die Duftnoten schon erahnen lassen, beginnt Bois de Gaïac et Poire leicht, frisch und zitrisch. Die Mandarine verleiht der Zitrone eine gewisse Süße und Weichheit, weshalb sich das gelbe Früchtchen nicht unbedingt von seiner sauersten Seite zeigt, sondern eher fruchtig-herb erscheint. Florale Noten treten hinzu. Der Teststreifen offenbart seifige Rosennoten, während es sich auf meiner Haut der Jasmin in dezent-lieblicher Ausführung gemütlich macht. Und dann schleicht sich auf leisen Sohlen die Birne heran; klar wahrnehmbar, sehr authentisch, aber in einer ganz und gar anderen Variante als im Sommer-Sonne-Jungmädchenduft Petite Chérie (den man in Anbetracht der ausgeprägten Birnensaftigkeit beinahe schon deftig nennen könnte): luftig-leichte und transparente Fruchtnoten durchziehen die Komposition wie ein lauer Sommerwind. Kaum greifbar gesellt sich das Guajakholz hinzu, bringt warm-holzige Aspekte hinzu. Ab und an meine ich auch rauchige Noten zu vernehmen; so durchscheinend aber, dass sie auch meiner Phantasie entspringen könnten. Ihr erinnert Euch, dass auf dem Teststreifen die Rose schon sehr früh im Duftverlauf zum Tragen kam, dafür hier aber der Jasmin völlig unter ging, während sich auf meiner Haut sehr früh dezente Jasminnoten zeigten? Dem ätherischen Birne-Holz-Komplex schließt sich auf meiner Haut nun auch die Rose an, die dem Duft eine gewisse Seifennote verleiht, aber der gesamten Ausprägung des bisherigen Duftverlaufes treu bleibt und daher deutlich sylphenhafte Züge trägt. Sowohl auf Teststreifen wie auch auf meiner Haut gewinnt eine weiche Cremigkeit, die schon recht früh unterschwellig fassbar war, nach und nach an Intensität. Auf einem fast schon gourmandig anmutenden Lager aus Mandel und Vanille, geschmückt mit feinstem Rosendekor und dezent-fruchtigen Holznoten, klingt Bois de Gaïac et Poire kuschelig und warm aus.

Im Gegensatz zu Green, green, green and… green, dessen Duftverlauf voll und ganz dem Namen entsprach, zeigt sich Bois de Gaïac et Poire in dieser Hinsicht von einer gänzlich anderen Seite. Zwar sind die explizit erwähnten Protagonisten im Duft schon irgendwie erkennbar, die Birne mehr, das Guajakholz eher weniger, aber dennoch wird der Duft hauptsächlich von floralen Noten sowie einem cremigen Vanille-Mandel-Komplex bestimmt. Gerade vom Guajakholz hätte ich hier mehr Schmackes erwartet. Denke ich da nur an den wunderbaren Micallef-Duft Gaïac, der die volle Bandbreite der Facetten des Namensgeber gekonnt ausspielt. Und davon besitzt das Guajakholz mehr als genug: von balsamischer Süße zu erdigen Holznoten, von veilchenartiger Floralität bis hin zu einer tiefen Rauchnote, all das trägt das Pockholz oder Lignum Vitae (Holz des Lebens), wie das südamerikanische Tropenholz auch genannte wird, in sich; man muss ihm nur die Chance geben, sein ganzes Können zu zeigen. In Bois de Gaïac et Poire fährt das namensgebende Holz auf jeden Fall mit angezogener Handbremse und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, findet es auch noch das Gaspedal nicht. Schade eigentlich! Denn eben dieses Nicht-Ausspielen seiner Möglichkeiten zieht sich wie ein roter Faden durch den Duft. Ein Schmackes mehr rauchiges Holz, ein Tupfer mehr an Birne, eine gute Prise mehr Zimt (der völlig untergeht), dafür ein Hauch weniger Rose, weniger Mandel, weniger Heliotrop und der Duft wäre grandios! So ist er eben nur ein hübscher, sehr transparenter Frühling-/ Sommerduft, der aufgrund seiner Persönlichkeit ohne weiteres im Alltag getragen werden kann. Schön finde ich, dass er eine sehr harmonische und kuschelige Ruhe ausstrahlt. Somit schließe ich die Augen, und… entspanne. :-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Pears von Keith Weller und Sandersonia aurantiaca von bildtankstelle.de – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Alle Jahre wieder… Beautyboardtreffen in Bruchsal
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Alice im Wunderland 2.0


Herbstzeit, Erntezeit

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges,Reines und Pudriges am 18.10.2010

Nun ist das Jahr schon so weit vorangeschritten; Oktober, Zeit der Ernte und der Weinlese. Das Erntedankfest war zwar schon vor drei Wochen, nichtsdestotrotz möchte ich heute und in meinen nächsten Rezensionen, Düfte vorstellen, die meines Erachtens nach ganz hervorragend zum zehnten Monat unseres Kalender passen.

Goldener Oktober – der Herbstmonat trug früher auch den Namen Gilbhard beziehungsweise Weinmonat. Ersteres wegen der Gelbfärbung des Laubes, zweiteres wegen der in diesem Monat stattfindenden Weinlese. Doch nicht nur Wein wird im Oktober geerntet, auch allerlei anderes Obst, Gemüse und Getreide. Allgegenwärtig ist der Kürbis, dem am letzten Tag des Monats, zu Halloween, eine ganz besondere Ehre zuteil wird. Aufgeschnitten, ausgehöhlt und mit einer Fratze versehen, ziert er als natürlicher Dekokerzenständer so manches Heim. In dieser Hinsicht kann man ihn fast bemitleiden: Armer Kürbis! Andererseits ist er aber auch ein äußerst leckerer Geselle, die Schale kann man ja vom Halloween-Aushöhl-Modell ohnehin nicht essen, das Innere dafür aber zu allerlei köstlichen Süppchen, Aufläufen und Kuchen verarbeiten…. Mmmmh!! Mir läuft schon das Wasser im Munde zusammen. Bin ich doch selbst ein gieriger Kürbisvertilger und freue mich schon im Frühjahr auf die allherbstliche Kürbiszeit (im Gegensatz dazu kann ich schon im Herbst das nächste Frühjahr kaum erwarten, denn was ich an saisonalem Gemüse ebenso gerne verspeise wie Kürbis ist Spargel, am liebsten grüner! Leeeecker!!). Doch da die Duftnote Kürbis in Parfums bisher noch extremste Mangelware ist (spontan fällt mir nur État Libres Tilda Swinton-Hommage Like This ein), widmen wir uns heute nicht dem Verwandten von Melone, Gurke und Zucchini, sondern einem Früchtchen, dass ich erst vor kurzer Zeit in natürlich-roher Form für mich entdeckt habe, während ich Saft und Marmelade schon länger zu schätzen wusste: die Birne.

Wie auch Apfel, Kirsche, Erdbeere, Pflaume, Mandel und Brombeere gehört auch die Birne zu den Rosengewächsen, ist also mit den wunderschön anzuschauenden und oftmals lieblich duftenden Rosen verwandt. Zur Frucht selbst gibt es ansonsten wenig zu berichten: die Bäume (selten auch Sträucher) sind zumeist sommergrün, die Blüten weiß oder rötlich, die Früchte sind rundlich bis charakteristisch birnenförmig. Die Birne fröstelt gerne, weshalb sie in allzu nördlichen Breiten nicht vorkommt (Skandinavien, zum Beispiel, ist schon zu kalt), zu heiß und schwül sollte es aber auch nicht sein. Sie ist ja schließlich keine Tropenfrucht. Dafür ist sie aber ziemlich alt, die Kulturbirne. Bereits im Altertum war sie bekannt. Die Babylonier kultivierten sie ebenso, wie die Griechen und Römer in der Antike. Auch in Mitteleuropa war die Rosenverwandte keine Unbekannte. Erste Funde stammen hier aus dem Neolithikum, also der Jungsteinzeit; entdeckt wurden sie am Bodensee, dessen Umland ja auch heute noch beliebtes Anbaugebiet für allerlei Obst und Gemüse ist. Man greift hier also auf Altbewährtes zurück! :-)

Als Duftnote findet die Birne eher selten Verwendung, ist aber definitiv häufiger vertreten als die vorhin erwähnte Duftnote Kürbis. Einen sehr hübschen Weihrauch-Birne-Pflaumenduft hat uns Ulrike vor einigen Monaten bereits vorgestellt, nämlich Assenzio aus der Borsari Arte-Kollektion. Der ebenfalls schon rezensierte Fontana di Trevi-Duft Nummer 14 kombiniert Birne mit Ambra und Patchouli – ein Früchtchen für Kuschelmomente.

Für meine heutige, morgige und die montägliche Rezension habe ich mir drei recht unterschiedliche Birnendüfte ausgesucht, die ich jetzt aber noch nicht verraten werde. Ihr wisst schon: Spannungsbogen!! :-)

Beginnen möchten wir heute mit Annick Goutals Petite Chérie. Die Duftnoten: Pfirsich, Birne, Moschus-Rose, Gras, Vanille. Frau Goutal kreierte diesen Duft in Zusammenarbeit mit Isabelle Doyen im Jahre 1998 und widmete ihn, wie auch schon Eau de Camille, ihrer Tochter Camille, die die Mutter liebkosend Petite Chérie zu nennen pflegte. Laut Hersteller ist Petite Chérie ein fruchtiger Florale mit Moschusnoten, der an die Wangen eines jungen Mädchens erinnern soll, die man am liebsten von Herzen küssen möchte. Ein Geschenk an die geliebte Tochter Camille, die das Unternehmen Goutal nach dem viel zu frühen Tod der Mutter im Jahre 1999 weiterführt.

Teststreifen und Haut zeigen einen ähnlichen Verlauf, aber nicht ganz identischen Verlauf. Auf dem Papier beginnt Petite Chérie intensiv-fruchtig und süß. Saftige Birnennoten sind sehr deutlich wahrnehmbar. Reif und tropfend-süß. Nach und nach zeigen sich florale Noten, die deutliche Birnennote bleibt aber weiter an der Spitze des olfaktorischen Rennens. Sehr zart, leicht, luftig und extrem feminin präsentiert sich der Duft auf dem Teststreifen. Auf der Haut wirkt er dagegen weitaus präsenter, zumindest zu Beginn, aber auch hier verliert sich Petite Chérie nach nicht allzu langer Zeit in einer grünlich-sauberen Note, die deutlich fruchtige (auf der Haut) beziehungsweise florale (auf dem Teststreifen) Anklänge besitzt und erstaunlich langanhaltend ist (zumindest auf meiner Haut).

Wie ein Bad in frisch gepresstem Birnensaft. Sehr authentisch, unschuldig und unglaublich romantisch. Diesen Duft könnte ich mir prima als Hochzeitsduft vorstellen; oh ja, ganz hervorragend passt er zu einem bezaubernden weißen Kleid. Außerdem erinnert er mich an frisch gebackene Birnentarte. Warm-duftende und vanillige Birnen, die samtig auf der Zunge zergehen, auf einem Bett aus pudrig-weichem Mürbteig – ein wahrer Birnenschmaus! :-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie, die jetzt erstmal einen Kuchen, nee: eine Tarte backen wird. :-)

Bildquelle: Herbst von Martin Heiß, Dame mit Sonnenschirm, Studie und Dame mit Sonnenschirm von Claude Monet – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Farmacia SS. Annunziata die Zweite.
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Da heute…

Geschrieben in Allgemein,Duft am 16.10.2010

… mein Geburtstag ist, ganz nebenbei: der 30., nehme ich das doch gleich einmal zum Anlaß einer kleinen Bestandsaufnahme.

Nun schreibe und teste ich schon fleißig seit über einem Jahr für Euch, lustwandele durch olfaktorische Welten, schnuppere mich eifrig durch Altbekanntes und Bewährtes wie Fremdes und Neues, streue hier und da ein paar Wegmarken meines Lebens und meiner anderen Interessen ein und erzähle somit – über mich. Persönliches.

Nun möchte ich einmal – für den einen oder anderen einmal mehr, für den einen oder anderen vielleicht das erste Mal? – etwas von Euch wissen, über Euch wissen, nämlich: Eure Lieblinge.

Ich lege gleich mal los und denke darüber nach, Euch (mindestens?) einmal jährlich an dieser Stelle damit zu behelligen, da solcherlei Listen ja doch immer wieder Veränderungen unterworfen sind.

Meine zehn Lieblingsdüfte, NICHT in prioritärer Reihenfolge:

  1. Juliette has a Gun – Lady Vengeance
  2. Maison Francis Kurkdjian – Lumière Noire
  3. Amouage – Jubilation XXV
  4. Byredo – Fantastic Man
  5. Tann Rokka – Kisu
  6. Frédéric Malle Edition – Iris Poudre by Pierre Bourdon
  7. Juliette has a Gun – Midnight Oud
  8. by Kilian – Pure Oud
  9. Clive Christian – X for Men
  10. Le Labo Vetiver 46

Da eine Liste mit zehn Plätzen ja fast nicht ausreicht – hier die nächsten fünf Plätze, ebenfalls unsortiert: Le Labo Patchouli 24, L’Artisan Parfumeur Iris Pallida, L’Artisan Parfumeur Nuit de Tubéreuse, Serge Lutens Borneo 1834, Nasomatto Duro.

Meine fünf Lieblingshäuser: Le Labo, Byredo, L’Artisan Parfumeur, Humiecki & Graef,Parfum d’Empire

Meine fünf Lieblingsparfumeure: Bertrand Duchaufour, Annick Ménardo, Mark Buxton, Francis Kurkdjian, Olivia Giacobetti

Meine fünf Lieblingsklassiker: Caron Coup de Fouet, Caron Tabac Blond, Parfums d’Orsay Tilleul, Parfums d’Orsay Le Dandy, Guerlain Vol de Nuit

Meine fünf Lieblings-Mainstreamer: Bulgari Black (Ménardo, was sonst ;)), Hermès Un Jardin en Méditerranée, Narciso Rodriguez Musc for Her Oil, La Martina Bayres Hombre, Mugler Miroir des Vanités

Meine fünf Lieblingslabels für Raumdüfte: Cire Trudon, Anthousa, Linari, Mizensir, Mariage Frères

Jetzt seid Ihr dran – nun haut mal in die Tasten Ihr Lieben, wenigstens einmal im Jahr und mir zuliebe! ;)

Ein wunderbares Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: A walk in the field von Amber S. Wallace, Photography of North Carolina, via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Wie das Hirn…


Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 15.10.2010

Hallo liebe Leser/innen,

Freitag ist Verlosungstag, deshalb ran an die Tasten: Schreibt uns bis Sonntag, 24 Uhr, eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns (neben, na klar: Eurem Namen und Eurer Adresse) einen Duft, den wir diese Woche hier rezensiert haben. Mit ein bißchen Glück ist dann eines von fünf Probenpaketen Eures. Ich drücke die Daumen!

Letzte Woche hat das Daumen-drücken bei folgenden Menschen geholfen: Lena J., Doreen Sch., Matthias R., Antje B. und Ingeborg A. – herzlichen Glückwunsch!

Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Falsche Fährten oder: Die Nadel im Heuhaufen.

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges,Solifloral am 15.10.2010

Wie lange seid Ihr denn den Parfums verfallen und wann hat es Euch in den Nischenduftbereich verschlagen? Einen Teil meiner (Nischen)Dufthistorie steht ja in der Beschreibung meiner Person hier im Blog zu lesen – mittlerweile dürfte ich mich nun schon seit etlichen Jahren im Duftbereich tummeln. Und, wie es so ist bei jeder Leidenschaft: Sie unterliegt bestimmten Perioden. Mal heftig glühend aufwallend und dann wieder eher glimmend, aber nie komplett verschüttet bahnt sie sich, mal mehr und mal weniger ihren Weg ins Bewusstsein, überlagert temporär andere Hobbies und Passionen, mal steht sie ein wenig zurück. Präsent ist sie aber immer – die Duftleidenschaft.

In besonders eifrigen Episoden habe ich anfänglich in napoleonesker Manier ganze Firmen erobert: Mir Duft für Duft, einen nach dem anderen erschlossen, manchmal auch an einem Tag, Arme und Beine sind ja für die allermeisten Kollektionen lang genug und bieten ausreichend Platz ;) Nun, mittlerweile kennt man dann ja eigentlich so gut wie alles „Reguläre“, merkt als „alter Hase“ besonders auf bei Neuveröffentlichungen lieb gewordener Firmen, ansonsten schnuppert man sich wie gewohnt routiniert durch die Neuigkeiten, immer auf der Suche nach einem heiligen Gral. Und frischt ab und an das Gedächtnis auf, in dem man Düfte erneut testet, von denen man nur noch vage Erinnerung besitzt, eine verblassende Vorstellung.

Tja, und dabei kann es manchmal vorkommen, dass man über verborgene Schätze stolpert. Über Düfte, denen man vor Jahren zu wenig oder gar keine Aufmerksamkeit geschenkt hat, die aus irgendeinem Grunde an einem vorbeizogen sind, ohne einen besonderen Eindruck hinterlassen zu haben. Düfte, an die man sich manchmal falsch oder auch gar nicht erinnern kann, die in einer vollkommen inadäquaten Schublade gelandet sind – zu Unrecht, wie man dann feststellt.

Jene Begegnungen, die erneuten, fallen oftmals unterschiedlich intensiv aus – und manchmal, ja manchmal sind sogar Begegnungen dabei, aus denen neue Lieben werden…

Ich hatte neulich solch eine Begegnung der besonderen Art, von der ich Euch hier berichten mag: Ein Schnupperabend mit Freundin – Margot sei an dieser Stelle herzlich gegrüßt. Ein Drittel der Malle-Edition in Probenform begleitete sie in meine heiligen Hallen hier und ich ward versucht, sie mir doch einmal wieder zu Gemüte zu führen. Ich schwöre – ich kenne die ganze Kollektion, hatte sie vor Ewigkeiten einmal getestet, im Kopf meine Raster und Schemata gemacht: Vetiver Extraordinaire – 10 von 10, En Passant 9 von 10, Noir Épices 4 von 10 und so weiter. Für Iris Poudre hatte ich nur Tabula Rasa im Kopf. Und machte mich semigespannt an den Test.

Was erwartet man auch, wenn man den Namen Bourdon hört und jenen distinguiert blickenden, etwas altmodisch frisierten und klassisch gekleideten französischen Parfumeur dazu sieht? Einen Damenduft, ganz genau. Für die Frau von Welt. Femininität in Reinform, französisch noch dazu. Und wenn der Duft dann noch Iris Poudre heißt, denke ich an all jene Irisdüfte, die deren Pudrigkeit fokussieren und forcieren – von denen ich zwar einige sehr schätze, aber tragen, nein, tragen würde ich sie nicht. Insofern mussten auch all diese Kandidaten, die es überhaupt einmal in mein Privatsortiment geschafft hatten, wieder ausziehen – allen voran natürlich die Odorische Iris, die es mittlerweile nach Hause in meiner Mutter Hände geschafft hat, die ich an dieser Stelle recht herzlich grüßen mag, da sie als Internetneuling meine Artikel immer ausgedruckt zum Frühstückskaffee liest ;) Liebe Mama, Dir natürlich steht die Odori-Iris ganz vorzüglich mit all ihrer samtig-trockenen Pudrigkeit, diese weiblich Weiche – nur für mich, nein, für mich war sie nichts.

So ließ ich der Iris Poudre auch keine übersteigerte Aufmerksamkeit zukommen, als ich sie auf einen Streifen sprühte – was sich wenige Sekunden, nicht Minuten, später bereits ändern sollte: Nach einem kurzen, aber heftigen Aldehyden-Intermezzo, wie man es von den alten Guerlains gewohnt ist, steigt aus ebendiesem eine der stolzesten Irisköniginnen hervor, die ich jemals gerochen habe: Eine überirdisch Erhabene, samtig-ledrig (beides, jawohl!) anmutende Anmutige mit einer so wohldosierten fruchtigen Aldehydensüße, die dermaßen perfekt ausbalanciert sind, dass es ein seltenes Mal mehr meinerseits zu einer Gänsehaut reichte.

Ohne Euch jetzt mit emotionalen Eskapaden meinerseits langweilen zu wollen: Dieses hier ist einer jener Düfte, der SO perfekt gemacht ist, dass er einem Tränen der Hochachtung und Verehrung in die Augen steigen lässt. Eine vollkommene Iris, ein vollkommener Duft – und dazu bedurfte es nicht viel: Aldehyde, Iris, Tonkabohne, Vanille, Moschus, Vetiver und Sandelholz. Aber, wen wundert es – es ist ein Bourdon, meine Lieben. Pierre Bourdon ist nicht ohne Grund in der Malle-Edition gelandet. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass er zu den besten Parfumeuren der heutigen Zeit zählt – zeichnete er sich zum Beispiel verantwortlich für Klassiker wie Féminité de Bois von Shiseido, Kouros von YSL, Jil Sander Sun, Diors Dolce Vita und Davidoffs Cool Water, darüber hinaus schuf er den von mir so verehrten Mark Birley Signature-Duft, die Roméa d’Améor-Kollektion sowie den French Lover für Malle.

Mit Iris Poudre stellt er nicht nur erneut sein Können unter Beweis, sondern katapultiert jenen Duft sofortig auf Nummer Eins meiner Iris-Lieblinge – vorbei, dass muss ich ehrlich einräumen, sogar an der ebenfalls ikonischen Iris Pallida von L’Artisan Parfumeur. Iris Poudre ist für mich ein Duft, der sich eigentlich nur mittels eines Stoffes erklären lässt: Er ist eine silbergrau leuchtende Kaschmir-Seiden-Mischung, jene distanzierte Eleganz und intime Vertrautheit meisterhaft vereinend und ausstrahlend, die den beiden Stoffen innewohnt sowie deren Reiz ausmacht. Marilyn Monroe trug nachts nur Chanel No. 5? Ich in Zukunft die Iris Poudre – und nicht nur nachts meine Lieben…

An dieser Stelle sei nochmals ein Dankeschön eingeflochten, das von Herzen kommt: An denjenigen Freund, jenen „Soulmate“, der/die neulich davon überzeugt war, dass ich fortan nicht mehr ohne die Iris sein dürfe, nachdem ich sie vorgeführt hatte. Und an jene Freundin, die formal, aber nicht emotional zu spät kam und mir trotzdem damit noch eine riesige Freude bereiten wird. In jedem Falle werde ich mein Leben nie wieder ohne die Iris fristen müssen – und das ist gut so!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Iris von I.SáÄek sen. via Wiki Commons und Iris: The Flower von Piret Tamm via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Black is Beautiful…

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges am 14.10.2010

… und das meine ich jetzt weder kulturhistorisch und/oder politisch motiviert, sondern ganz einfach farblich – oder eben auch nicht, da, wie uns Wiki wissen lässt, Schwarz…

„ … die Bezeichnung für eine Farbempfindung [ist], welche beim Fehlen eines Farbreizes entsteht, also wenn die Netzhaut ganz oder nur teilweise keine Lichtwellen im sichtbaren Spektrum rezipiert. Das zugehörige Substantiv ist Schwärze. Schwarz gehört zu den unbunten Farben.“

Schwarz als Abwesenheit des Lichtes, als unbunte, weil ohne Buntheit bestehende Farbempfindung. Und für was steht Schwarz denn so? Auch das weiß Wiki: Natürlich für den Tod. Für Trauer. Und für Macht(ansprüche). Da kommt dann nun die Überleitung zur Politik und zur Religion gerade recht – auch hier hat Schwarz, ob nun Farbe oder nicht, symbolhaften Charakter. Schwarz steht auch gerne mal für Verbote und für das Geheimnisvolle, insofern verwundert es nicht, dass es auch die Lieblingsfarbe (jaja…) einer ganzen Szene wurde – den Wavern oder auch Gothics, Gruftis. Und es ist darüber hinaus die Lieblingsfarbe der Existentialisten. Aus letzteren beiden “Verwendungsfeldern” kann man ableiten, weshalb es auch meine Lieblingsfarbe ist: Als in meinen Jugendjahren Cure-, DM- und Sisters-Verfallene, die sich in sämtlichen patchoulivernebelten Clubs der Republik herumtrieb, ist mir die Liebe zur schwarzen Gewandung immer noch geblieben, auch wenn ich den einen oder anderen Lederfummel mittlerweile gegen Yamamoto getauscht habe. Und ja, die Existentialisten – die hatten es mir besonders angetan in meinem Studium und stehen mir auch heute noch nahe nebst ihren schwarzen Rollkragenpullovern die zu zücken es langsam, aber sicher wieder Zeit wird.

Schwarz war und ist nicht nur meine Farbe, sondern auch die Farbe desjenigen jordanischen Nationalsymbols, dem Petrana, der vierte Duft aus dem Hause Odin NY huldigt: Der Iris Petrana, einer pechschwarzen Iris. Man findet sie in Wüstenlandschaften und zwar als schwarze Blüteninseln oder auch gruppiert als ganze Blütenmeere, mitten in karger Ödnis.

Mindestens genauso unerwartet wie die Impression einer blühenden Wüste, die ja nicht alle Tage vorkommt, ist aber auch das, was sich hinter dieser Iris verbirgt – vor allem auf Basis des Hintergrundes, der einen ja zu allerlei Assoziationen anregt: Staubtrockene Wärme, vielleicht auch Hitze erwartet man, sandige Erdigkeit, ausgedörrte Hölzer und vielleicht ein paar mehr oder minder scharfe Gewürze.

Nichts dergleichen erstmal: Der Auftakt von Petrana ist gänzlich anders – schwarze Johannisbeere, dunkelviolett strahlend und von überschwänglicher Fruchtigkeit, anfänglich an jenen Cassistraubenzucker erinnernd, da eine subtile Süße beinhaltend, später deutlich authentisch die säuerlich-herbe Frucht repräsentierend. Deren purpurschwarze Farbe wird von zartem, samtig-weichen Veilchen unterstrichen, welches von seinem Blattgrün umrahmt wird. Zitrische Sprenkler glitzern und funkeln, während sich die Hauptprotagonistin ihren Weg bahnt: Eine stolze, einsame Iris von erdiger Konsistenz, welche sowohl den vorgezeichnet finsterlilaschwarzen Charakter ergänzt als auch die ohnehin vorhandene Samtigkeit forciert. Jene Königin der Nacht wiegt sich sanft und oszilliert samt Johannisbeere und aquatischem Veilchen in merkwürdig schimmernd-schillernden Bereichen – so ganz unwüstig. Tribut an die Wüste zollen lediglich die Gewürze, die den floral-fruchtigen Weg säumen: Ein Hauch rosanen Pfeffers und Koriander, der vermutlich auch für die zitrischen Anklänge verantwortlich ist. Die Basis dann weht dem Khamsin gleich, jenem sciroccoartigen Wüstenwind Jordaniens, und stiftet dezent rauchige, weiche Wärme.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Schwarze Johannisbeere, Rosa Pfeffer, Koriander; Herznote: Iris, Veilchenblätter, Heliotrop; Basisnote: Iriswurzel, Vetiver, Moschus.

Auch wenn Petrana auf den ersten Blick nicht viel mit dem (W)Örtchen Wüste gemein haben mag – an dieser Stelle sei an den Wüstenprinzen erinnert, den Steffi und ihre überbordende Phantasie uns vor einiger Zeit präsentiert hatten: Harmatan Noir von Parfumerie Générale. Auch dieser Duft ist nicht klassisch trocken wie man es von seinem wehenden Namensvetter gewohnt ist. Nein, es ist eine kühlere und minzige Interpretation, vielmehr: eine Impression eines Eindrucks, der aus der Wüste stammt, in deren Kulisse stattfindet.

Genauso Petrana: Ich vermag es mir ob der Wärme, der verhaltenen, in der Basis durchaus vorstellen, welch eigentlich unwirtliches, von der Hitze versengtes Land sich drumherum befinden mag – ich aber sitze inmitten jenes wundervoll blühenden Fleckens Wüste, jener Ausnahme, der stolzen, die sich anmutig-trotzig gen Himmel reckt. [Hier sind ein paar Impressionen davon zu sehen]

Harmatan Noir war schon gar kein schlechter Vergleich, da auch dieser Duft eine gewisse Ambivalenz birgt in seiner Relationalität von Kühle und Hitze. Darüber hinaus sei an die ebenfalls sehr eigenartige Irisinterpretation von Le Labo, Iris 39, erinnert, die ähnlich frisch und strahlend wirkt (aber heller) sowie an – ja, an Magnolia Romana von Eau d’Italie, welches jene Blütenwässrigkeit, jenes Floral-Aquatische, in ganz ähnlicher Art aufweist.

Mit diesen vielen Fingerzeigen, meine Lieben, lasse ich Euch jetzt alleine, wie gemein, oder? ;)

Eins sei aber noch verraten: Sollte sich Petrana auf meiner Haut beim erneuten Test ähnlich perfekt entwickeln wie vorab schon auf dem Teststreifen – dann ist er fällig, der Duft. Auch das wolltet Ihr nicht hören, ich weiß ;)

Liebe Grüße trotzdem,

Eure Uli, heute mal (fast) keine Erwartungen erfüllend.

Bildquelle: Black Iris von Flamenc via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Der Herbst ist da…

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,

als welkten in den Himmeln ferne Gärten;

sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde

aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.

Und sieh dir andre an: Es ist in allen.

Und doch ist einer, welcher dieses Fallen

unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke – Herbst.

Alle Jahre wieder steht nun meine Lieblingsjahreszeit vor der Türe – der Herbst. Bin ich doch auch Herbstkind, er naht schon bald, mein Geburtstag, und ich genieße es jedes Jahr, wenn uns noch ein paar warme Herbsttage vergönnt sind um diese Zeit. Im Oktober, in dem sich der Herbst nochmals gülden leuchtend und strahlend präsentiert in seinen sattesten Farben.

Jetzt wird es auch wieder Zeit, die Hesperiden in die zweite Garnitur zu verbannen: Jene Sommerdüfte, die spritzigen und leichten, die transparenten und luftigen, maritim-salzigen – und die Kollektion für Herbst-Winter hervorzuholen, darunter diverse Düfte, nach denen ich mich schon lange gesehnt habe, meine besonderen Lieblinge und natürlich all jene Kandidaten, die im Sommer nicht zum Zuge kommen: Hölzer und olfaktorische Ledergewänder, Orientalen und das harzige Dutzend, Honigdüfte und meine Oudfavoriten.

Momentan ist das Wetter noch durchwachsen und unterschiedlich, einige warme Tage wechseln trübe Regentage ab, an denen die Temperatur schon deutlich in den Keller geht und die Heizung ist bei mir schon an, eben typisch Altbau. Darüber hinaus krame ich auch schon fleißig in meinem Duftkerzenarsenal, um die eher schwereren wieder zum Einsatz bringen zu können.

Nun würde ich gerne von Euch wissen, welche Düfte zuallererst wieder auf Eure Haut durften, mit welchen Perlen Ihr den Herbst eingeläutet habt? Welche Schätze sind bei Euch gerade wieder aus dem „Sommerschlaf“ erwacht? Bei mir waren es folgende, ganz intuitiv, die ersten drei diesen Herbst:

Juliette has a GunLady Vengeance: Als allererstes einer meiner Lieblingsdüfte, eigentlich sogar: Mein Lieblingsduft. Eine Begegnung der besonderen Art, die uns verbindet, mich und die Lady. Es war einer jener raren Momente und einer jener seltenen Düfte, die mich sofort für sich einzunehmen vermochten: Gänsehaut beim ersten Schnuppern und es ward um mich geschehen. Mittlerweile ist die dritte Flasche – für mich eine absolute Seltenheit! – in Verwendung und ich werde Kurkdjians Dame einfach nicht überdrüssig. Aber nach wie vor stellt deren Beschreibung für mich ein Problem dar (was ich eigentlich nur bei sehr wenigen Düften kenne) – zu rund ist der Duft, zu homogen die Aura, die die Lady kreiert. Rose, Patchouli und Vanille sind drin nebst weiteren Zutaten, für mich riecht die Lady nach einer wunderbaren, klaren und luziden Rose, die gleichzeitig eisige Höhen repräsentiert und Distanz wie ich es sonst nur von einer guten Iris gewöhnt bin, als auch Wärme, hautnahes Tanzen auf der Haut, sich mit dieser vermengen zu einem absolut verführerischen Parfum. Wieviele Komplimente habe ich für sie schon bekommen – und würde ich gerne wieder bekommen, deshalb: Hervor mit Dir Lady!

Im übrigen hege ich den Verdacht, dass Herr Ricci, Mastermind von Juliette has a Gun, sich bei diesem seiner Düfte sowie bei Miss Charming in der Namensgebung durch zwei ziemlich zeitgleich erschienene koreanische Filme inspirieren ließ. Wen wundert es, wenn ich an dieser Stelle erwähne, dass jene Lady Vengeance aus der Rache-Trilogie eines studierten Philosophen stammt, die für mich zum besten zählt, das Kino in den letzten zehn Jahren vollbracht hat?

Serge Lutens – Fumerie Turque: Der schöngeistige Herr Lutens, natürlich ebenfalls ein alter Philosoph, wenn auch soviel ich weiß kein studierter, hat mich ohnehin schon mit vielen seiner Werke fasziniert: Seine Düfte, allesamt in Zusammenarbeit mit dem Parfumeur Christopher Sheldrake kreiert, erzählen so gut wie alle Geschichten und generieren kraftvolle Impressionen, besitzen eine Bildersprache, die für olfaktorische Eindrücke schon fulminant ist. Immer und immer wieder, wenn ich Menschen erklären möchte, was der Unterschied eines Nischenduftes zu einem normalen gängigen Parfum ist, daß vielleicht nach… mmmhh… Vanillekipferl oder Ozean riecht, greife ich zu einem, meist einem alten Lutens. Fumerie Turque, obgleich noch nicht so alt, ist trotz allem einer meiner absoluten Lieblinge.

Tabak satt, jene honigsüße, pulverig-pudrige Kratzigkeit, die gleichermaßen durch eine warme Weiche besticht, obgleich eigentlich ein Oxymoron darstellend, parfümierter Tabak, wollüstig süß-harzig. In Massen geraucht zieht er in Schwaden durch den Raum, vor Opiumtischen mit Platten getrockneter Früchte, und benebelt die Sinne. Pappsüß und brandgefährlich, da ein fieser Verführer mit hohem Suchtpotential. Ein toller Duft – und einer der wenigen richtig süßen Kandidaten, die es in meinen Schrank geschafft haben.

Amouage Jubilation XXV: Herbst, nicht Weihnachten ist jetzt gerade, ich weiß. Trotz allem lässt mich Bertrand Duchaufours Herrenvariante des Duftes zum 25. Jahrestags des Hauses Amouage immer an die heiligen Drei Könige denken: Hätte es diesen Duft damals schon gegeben, sie hätten ihn als Geschenk dargebracht und Weihrauch, Myrrhe und Gold zu Hause gelassen – die enthält Jubilation XXV nämlich ohnehin auch und noch viel mehr… Eigentlich ist alles drin, was toll ist und ebenso duftet: Labdanum (Zistrose), Koriander, Orange, Davana, Weihrauch, Brombeere im Kopf, Honig, Lorbeer, Zimt, Orchidee, Rose, Gewürznelke, Selleriesamen, Guajakholz im Herzen und Patchouli, Opoponax, Myrrhe, Atlas-Zedernholz, Moschus, Moos, Ambra, Adlerholz (Oud) sowie Immortelle (Italienische Strohblume) in der Basis – was braucht es mehr? Nichts. Heraus kommt ein perfekter Brombeer-Weihrauch-Duft von einer kühlen Holzigkeit, der mehr als luxuriös riecht und ja, neben der Lady einer derjenigen Düfte ist, die gerne mal an mir wahrgenommen werden – und zwar sowohl von Männlein als auch von Weiblein. In meiner persönlichen Topliste und ein (weiterer) Grund für einen Heiratsantrag an Duchaufour!

Jetzt seid aber Ihr dran meine Lieben! Ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Autumn Leafs, Backlight und Fall in the Park von John Nyberg via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Nachts sind alle Katzen grau

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Holziges am 12.10.2010

Und manche nicht nur nachts. Unser Kater Benjamin zum Beispiel, seines Zeichens ein hochbetagter Britisch Kurzhaar-Kater allererster Güte, ist auch tagsüber in ein frisches Steingrau gewandet. Unabhängig vom elterlichen Katzenmann ist die Farbe Grau, das muss ich ganz ehrlich sagen, in fast allen ihren Schattierungen eine meiner absoluten Lieblingsfarben (wobei ich die dunkleren Grautöne den hellen vorziehe); ist sie doch meiner Meinung nach zeitlos, elegant und unprätentiös. Völlig zu Unrecht – Ihr seht schon, ich schließe nahtlos an meine Vorgängerrezensionen an, indem ich mich einmal wieder für irrtümlich Benachteiligte einsetze, auch wenn meine guten Absichten zugegebenermaßen rein subjektiv geprägt sind ;) – hat die unbunte Farbe zwischen Schwarz und Weiß einen recht negativen Ruf. Wikipedia zum Beispiel nennt sie eine reizlose Farbe und sagt weiter:

Generell gilt die Farbe Grau als Langweilig, traurig und nichtssagend, aber auch als elegant. [...] Grau gilt als das Symbol für Eintönigkeit und trübe Stimmung. [...] Grau ist unauffällig und steht für etwas Unbedeutendes oder Uninteressantes. So spricht man etwa bei einer unscheinbaren („farblosen“) oder schüchternen Person von einer „grauen Maus“. [...] Grau steht auch für Sachlichkeit und eine gewisse Unlebendigkeit, die ermüdend wirken kann. Sie wird daher mit Bürokratie und überhaupt mit trockenen, öden, monotonen, faden, unoriginellen, phantasie-, stimmungs-, spannungs- und reizlosen Stoffen, Eigenschaften oder Erscheinungsformen in Zusammenhang gebracht.

Aber:

Graue Kleidung wird hingegen mitunter als sehr vornehm betrachtet, gerade weil sie farblich kein großes Aufsehen erregt und nicht aus der Masse hervorsticht (vornehme Zurückhaltung).

Zumindest ein gutes Haar kann Wikipedia an meiner Lieblingsfarbe lassen, nach all dem Negativgeplänkel. Liebend gerne würde ich jetzt in Euren Köpfen (graues) Mäuschen spielen, nur um zu erfahren, was Ihr, liebe Leser, jetzt für ein Bild von meiner Wenigkeit habt: das Grau-ist-meine-Lieblingsfarbe-Outing in Kombination mit den Wikipedia-Thesen könnte in der Tat für interessante Ergebnisse sorgen. ;)

Aber nicht ich bin das Thema des heutigen Artikels, sondern ein Duft, der für mich die absolute Verkörperung der Farbe Grau ist: Préparation Parfumée von Andrée Putman. Lieber Christian, dank Dir bin ich überhaupt auf den Duft gestoßen (Danke! Danke! Danke!), hatte schon vor dem Testen (anhand der Duftnoten) ein ganz bestimmtes Bild im Kopf, welches sich während des Testens zu meiner Begeisterung absolut manifestiert hat. Geschaffen im Jahre 2001 von der Meisterin der transparenten Düfte: Olivia Giacobetti. Doch zuerst ein paar Worte zu Frau Putman, die ihre Karriere als Journalistin bei der Vogue begann, bevor sie als Designerin und Innenarchitektin international bekannt wurde. Wie man deutlich schnuppern kann, lag Frau Putman mit ihrer Entscheidung, die talentierte Französin Giacobetti für die Kreation ihres Signatureduftes zu verpflichten, genau richtig, waren doch die Vorgaben Frau Putmans ganz nach Giacobettis kreativem Geschmack:

„Wir sprachen über Holz, nasses Holz, Holz nach dem Regen, Treibholz, über Wasserlilien und Korianderblätter. Ich wollte ihn, den Duft, leicht und frisch, wollte dass er sowohl für Frauen, für Männer als auch für Kinder ist. Ich hoffe sehr, dass dieser Duft dieselbe Klarheit und Zurückhaltung hervorruft, die auch in allen meinen anderen Kreationen präsent ist und von der mein Werk lebt.“

Leichtigkeit, Frische, Klarheit, Zurückhaltung – Begriffe, die Frau Giacobettis Düften von Natur aus innewohnen. Passend dazu wurde auch der Flakon des Eau de Colognes gestaltet: sehr schlicht und puristisch. Ebenso wie die Duftnoten: Grauer Pfeffer, Nymphaea (Seerose) Koriander, Treibholz. Kurz und bündig – ein echter Giacobetti eben!

Teststreifen und Haut sind sich hier im Großen und Ganzen einig, weshalb ich auf beide nicht gesondert eingehen werde. Frisch aufgesprüht offenbaren sich sogleich pfeffrig-scharfe Noten, die alsbald von aquatische Tendenzen begleitet werden; eine zart-wässrige Floralität, sehr subtil, sehr leicht. Dezente Kräuter- und trockene Holznoten gesellen sich hinzu; ergeben im Konglomerat eine einzigartige Duftinterpretation der Farbe Grau. Doch wie komme ich darauf? Meine Phantasie trägt mich beim Schnuppern des Duftes an einen Strand. Nein, nicht nach Sommer-Sonne-Hulahula-Waikiki-Beach oder so etwas ähnliches. Ein rauer Strand mit Steinen statt weißpudrigem Sand, der in Norwegen, den nördlichen USA oder Grönland liegen könnte, wie der Strand auf unserem Foto hier. Sturm peitscht das Meer auf. Es ist trübe und kalt. Ich friere. Der Himmel wolkenverhangen. Gedankenverloren schlendere ich am Ufer entlang. In Einklang mit mir selbst und der kargen Landschaft. Der Wind trägt die Gischt des Meeres an Land. Hier und da liegen große Stücke Treibholz auf dem steinigen Strand. Ausgezehrt von den Gezeiten haben sie ihre natürliche Farbe verloren, passen sich der unwirtlichen Umgebung an. Variationen von Grau wohin man blickt. Die harte Realität des Nordmeers, eingefangen in einem wunderschönen Duft, der die deutliche Handschrift Frau Giacobettis trägt. Transparent, klar, zurückhaltend und dennoch von einer einzigartigen Präsenz und Ausdrucksstärke, dass ich mich dem Zauber kaum zu entziehen vermag. Auf beinahe magische Weise schafft es Frau Giacobetti, feinste Wasserassoziationen zu evozieren ohne den Maritime Noten-Knüppel zu schwingen. Dazu noch die trockenen Noten des ausgezehrten Treibholzes, die dezente Schärfe, die… Ihr seht, ich gerate ins Schwärmen, schwelge schon wieder in Erinnerungen an meinen imaginären Ausflug an die raue See. :-)

Préparation Parfumée ist ein absolut alltagstauglicher Allroundduft. Ich würde ihn Männlein wie Weiblein und eigentlich auch jeder Jahreszeit zuordnen. Natürlich muss man sich im Klaren sein, dass man beim Auftragen keinen Kawumm-Kracher zündet; es ist ein kühler, sehr subtiler, ruhig-meditativer Duft. Ein Understatement par excellence. Modern, minimalistisch und eine Spur melancholisch. Oder besser: Ein Traum in Grau.

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Kater Benjamin ist eine Privataufnahme. Driftwood von Tom Burke – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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