Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Kleinmädchenträume…

Geschrieben in Aquatisches,Duft,Krautiges am 20.09.2010

… werden wahr: Pferde! Pferde! Pferde! … offerieren uns Parfums de Marly, eine nagelneue Firma auf dem (Nischen)Parfummarkt. Das Informationsmaterial der Firma war wie des öfteren trotz pompösen Internetauftritts ein wenig dürftig, was mich alleine schon bei den Texten im Shop vor größere Probleme stellte, denn außer artigen Duftnotenpyramiden gab es nullkommanix.

So frönte ich fein einem postpubertären Schub meiner Pferdeleidenschaft, diesmal sogar bezahlt, um mir diverses Pferdewissen anzueignen oder zum Teil auch, ich gestehe: wieder aufzufrischen. Denn natürlich war ich als kleines Mädchen Feuer und Flamme für Pferde, bin selbst lange Jahre geritten (und tue dies auch heute noch ab und an, wobei ich nicht nur größer, sondern die Pferde im Laufe der Jahre auch immer kleiner wurden – der Mut nimmt rapide ab, je älter man wird…), war als guter Süddeutscher natürlich, wie naheliegend, auch schon im Arabergestüt in Marbach sowie in der Wiener Hofreitschule, die üblichen Verdächtigen eben…

Nun, es hat Spaß gemacht, die ganze Rassenspezifik und vor allem -historie mal wieder aufzuarbeiten und in der Tat – ich sehe auch bestimmte Parallelen zu den Düften von Parfums de Marly, was ja durchaus gewünscht ist.

Aber vielleicht erstmal von vorne: Parfums de Marly. Benannt hat sich die Firma vermutlich nach den berühmten Pferden von Marly: Die heute als Les Chevaux de Marly bekannten Pferdestatuen wurden auf Wunsche Ludwigs des XV. von dem Bildhauer Guillaume Coustou angefertigt – zu Ehren seines Urgroßvaters, des Sonnenkönigs Ludwig XIV.. Ursprünglich standen sie im Park seiner Sommerresidenz in Marly-le-Roi, wurden aber später nach Paris transportiert und dort am Übergang des Place de la Concorde auf die Champs-Élysées aufgestellt. Heute stehen dort Repliken, die echten Statuen haben ihre Heimat mittlerweile im Louvre gefunden.

Die Chevaux de Marly sind weltberühmt und gelten als Paradebeispiel barocker Bildhauerkunst – und sind auch Zeichen für eine Leidenschaft, die am französischen Hofe (und nicht nur dort) gehegt und gepflegt wurde: Pferde. Eine weitere, man ahnt oder vielmehr: riecht es schon – die Düfte. Zu Zeiten Ludwig des XV. nannte man seinen Hof wohl auch „perfumed court“: Weil nicht nur die Menschen in Parfum badeten, sondern auch alle Gemächer beduftet wurden, ja sogar die Brunnen parfumiert wurden. Diese beiden Leidenschaften möchten Parfums de Marly nun vereinigen mit ihren Düften.

Herausgekommen sind, das mag ich gleich vorwegnehmen, in der Tat recht eindrucksvolle Düfte: Ich bin ziemlich überrascht über die Komplexität derselben, die aber auf leisen Sohlen oder besser: Hufen daherkommt. Es sind alles Understatementdüfte, sie haben allesamt nichts marktschreierisches, nichts vordergründiges oder gar prolliges, was nicht heißt, daß sie keine Präsenz zeigen oder es an Haltbarkeit mangelt. Vor allem den Herren unter meinen Lesern sei ein näherer Versuch empfohlen, denn an jenen sehe ich die Düfte vorrangig. Und bitte genügend Muße mitbringen zum Testen – die Düfte brauchen Zeit.

Beginnen möchte ich heute mit Darley. Benannt ist Darley in allererster Linie nach dem berüchtigten Hengst Darley Arabian, der wiederum seinen Namen von Thomas Darley hat. Dieser entdeckte den Vierjährigen voller Begeisterung 1704 in Syrien, kaufte ihn und verschiffte ihn nach England, wo er fortan als Zuchthengst zum Einsatz kam. Und so wurde Darley einer der Gründerväter des englischen Vollblutes.

Thomas Darley war damals fest überzeugt, eines reinrassigen Arabers habhaft geworden zu sein, wie bereits der Name verrät – allerdings stellte sich das später als sehr wahrscheinlich falsch heraus: Darley hatte wohl Achal-Tekkiner-Vorfahren, jenes turkmenische Pferdchen, das damals in Syrien und im Iran zu Rennzwecken gezüchtet wurde.

Hieraus wird dann ein Schuh oder auch Huf – denn englische Vollblüter gelten weltweit als die schnellsten Pferde und erzielen nicht selten Höchstpreise von mehreren Millionen auf den dementsprechenden Auktionen.

Der Duft Darley hat in der Tat etwas typisch englisches – seine Kühle und Distanziertheit im Auftakt sowie seine insgesamt perfekt harmonisch abgestimmten Noten. Neu aufgesprüht stiebt einem sofort Pfefferminze mit ihrer eigentümlichen Süße entgegen, umrankt von stark zurückgenommenen Hesperiden mit distinguierter Frische. Lavendel mischt sich unters Duftvolk sowie krautiger Rosmarin, während eine helle Rose im Hintergrund erblüht und Zimt süß-scharfe Sprenkel verteilt. Irgendwie maritim. Und ziemlich kühl. Und somit auch – cool, eine nicht aquatische Variante eines Cool Waters, die mich ein bißchen an die ziemlich geniale Basis von Maître Parfumeur et Gantiers Garrigue erinnert. Im späteren Duftverlauf landet Darley dann auf einem weichen, harzig-holzigen Lager, das einer bestimmte Tiefe nicht entbehrt sowie auch eine etwas gewichtigere, samtige Süße an den Tag legt, immer jedoch seine ursprüngliche Leichtigkeit und frische Kräutersüße beibehaltend.

Ein für meine Nase sehr gelungener Auftakt einer schönen Kollektion – deren Rest morgen und übermorgen folgt ;)

Liebe Grüße und einen guten Wochenauftakt,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Gemälde von Darley ArabianGentleman [Englischer Vollbluthengst im Besitz der Applebite Farm] von Arthur Lemay, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Ein Duft mit Pferdestärken – Godolphin von Parfums de Marly
Duftverzeichnis L – Z


Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 17.09.2010

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche suchen ein paar Probenpakete geneigte Abnehmer: Wer eines davon sein eigen nennen mag, schreibt uns bitte bis So, 24 Uhr, eine e-mail an info@ausliebezumduft.de mit Namen, Adresse und verrät uns einen der Düfte, die wir diese Woche rezensiert haben.

Letzte Woche haben gewonnen: Dr. Thomas L., Kathrin R., Christine S., Olaf F. und Monica H. – herzlichen Glückwunsch!

Ein schönes Wochenende wünscht Euch

Eure Ulrike.

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Freitagsverlosung.
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O’zapft is!

Geschrieben in Duft,Gourmand am 17.09.2010

Morgen beginnt es, das größte Volksfest der Welt: das Oktoberfest. Vom 18. September bis zum 4. Oktober 2010 geht das Spektakel, über das man sich schon auf der Homepage zum Ereignis vorab großzügig informieren kann. So konnte ich nach Abschluss des sicherlich von führenden empirischen Instituten abgenommenen Psychotests zum Thema „Welcher Lederhosen-Typ sind Sie?“ herausfinden, dass ich den Wadelkönig tragen sollte, weil ich so tolle und muskulöse Beine hätte. Ja, der Test ist eigentlich für Männer gemacht, daher bleibt das mit den bescheinigten tollen Beinen wohl doch nur ein Traum. Schließlich habe ich doch das auf mein Geschlecht zugeschnittene Dirndl-Pendant gefunden, welches mich als erfahrene Wiesn-Gängerin auszeichnet. Interessant! Schon allein deshalb, weil ich das Oktoberfest bisher gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser. Aber gut, so ist das ja meistens mit solchen Tests, von daher bleibt zu hoffen, dass die restlichen Informationen, die diese Seite dem interessierten Homepagebesucher zu bieten hat, tatsachengetreuer sind. ;-)

Als gebürtige Stuttgarterin war ich natürlich in jungen Jahren traditionell im Frühling und Herbst auf dem württembergischen Gegenstück zur bayrischen Großsause. Wenn ich zwei Dinge nennen müsste, an die ich mich von diesen jugendlichen Volksfestbesuchen noch erinnere, dann wären das a) allerlei magendurchschüttelndes Fahrgerät und b) Süßkram en masse. Bei letzterem denke ich da insbesondere an diese wunderbaren, von roter Zuckerschale umgebenen Paradiesäpfel, die ich soooo gerne gegessen habe, auch wenn der Apfel im roten Mäntelchen meist dann doch eher mehliger Natur war. Das leckere Knacken der süßen Zuckerschicht und die bezaubernde Farbe machten das eher kümmerliche Innenleben auf jeden Fall wett. Außerdem denke ich an gebrannte Mandeln (mmmh, lecker!) und natürlich: Zuckerwatte. Ganz Dame bevorzugte ich natürlich die rosafarbene, während mein Bruder lieber die blaue Variante wählte. Ich würde mal schätzen, dass ich das letzte Mal vor etwa zwanzig Jahren in den Genuss der klebrigen Süßware aus gesponnenem Zucker kam, die übrigens im 19. Jahrhundert von einem amerikanischen Zahnarzt erfunden wurde. Trotzdem erinnere ich mich noch genau an den Geruch der zuckrigen Watte und verbinde ihn wie kaum etwas anderes mit Kindheit, Kirmes und Karussellen.

Wie eine kleine Zeitreise war daher das Testen des zweiten Patricia Chouxschen Biehl-Duftes für mich. „zirkus und zuckerwatte. kichernde schmetterlinge im bauch. maximaler übermut.“ So wird pc02 auf der Herstellerseite beschrieben. Wir erinnern uns an meinen gestrigen Artikel: das von Thorsten Biehl gegründete Unternehmen Biehl Parfumkunstwerke hält Namen, Verpackung und Flakon im schlicht-minimalistischen Stil, während das Inhaltliche, der Duft im Fokus des Betrachter beziehungsweise Beschnupperers liegen soll. Daher auch die, auf den ersten Blick vielleicht etwas lieblos erscheinende Namenswahl pc02. Der gestrige Duft pc01 war ein fruchtiger Florale mit deutlich krautiger Grünteenote. Ein ganz anderes Kaliber dagegen die Nummer 2 der kreativen Französin Patricia Choux, die auf der Biehlseite (wir erinnern uns) als eine Art junge Wilde vorgestellt wurde.

Doch nun zum Duft! Hier die Duftnoten: Bergamotte, Kardamom, Gewürze, Pfingstrose, Türkischer Honig, Freesie, Hölzer, Patchouli, Tonkabohne, Honig, Moschus.

Auf dem Teststreifen ist der Duft eine wahre Zuckerwattenbombe, auch wenn ich mir nicht ganz schlüssig bin wie Frau Choux es geschafft hat, aus diesen unzuckerwattrigen Duftnoten, einen so authentischen Geruch zu kreieren. Frisch aufgesprüht zeigt der Duft schnell sein süßes Naturell, zuerst noch dezent zitrisch geprägt, später würziger werdend, aber insgesamt durchgängig zuckersüß. Geschmeidig gesellen sich die gourmandigen Noten von Türkischem Honig hinzu, der diese typische cremige Mandelnote mit sich trägt. Der Duftteppich ist unglaublich dicht gewebt, so dass es schwer ist, einzelne Duftnoten explizit zu erkennen. Die floralen Noten entgehen mir hierbei völlig. Honigsüß, vanillig-cremig und butterweich klingt pc02 schließlich aus.

Leider bleibt der Duft auf meiner Haut recht blass: nach einem unerwartet zitrischen Beginn, beruhigt sich pc02 und verströmt dann dezenteste Noten Türkischen Honigs, die zwar langanhaltend sind, der aber nicht diese deutlichen Zuckerwattennoten innewohnen.

In beiden Ausprägungen erscheint mir pc02 eher hautnah, ein transparenter Gourmandduft, der köstliche Erinnerungen und süße Gelüste weckt. Wieder als Unisexduft konzipiert, kann ich mir auch diesen (genauso wie pc01) eher nicht an einem Mann vorstellen. Auch was die Alltagstauglichkeit angeht, sollte ein Hauttest vor einem etwaigen Kauf vollzogen werden (aber Ihr seid ja alle Profis). Die etwas blasse Variante auf meiner Haut war zwar nicht ganz so köstlich wie die auf dem Teststreifen, allerdings empfinde ich sie als büro- und alltagstauglicher. Nicht, dass die Kollegin vom Schreibtisch gegenüber einen für ein Zuckerstangerl hält und plötzlich anfängt, einen zu beknabbern. ;-)

Eine schöne Wiesnzeit wünsche ich den Münchner Lesern und Leserinnen! Und natürlich allen anderen: ein wunderschönes Wochenende, wenn auch wahrscheinlich ohne Maß und Hendl!

Bis zum nächsten Mal,

Eure Stephanie.

Bildquelle: München-Oktoberfest von Bjs und Candy apple von Iraine – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis


Man sollte entweder ein Kunstwerk sein

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges,Krautiges am 16.09.2010

oder eines tragen, riet schon Oscar Wilde in seinen Sätzen und Lehren zum Gebrauch für die Jugend. Ersteres erfordert ein wenig Aufwand, Zeit, Geld und Muße, zweiteres geht da viel leichter von der Hand. Das 2006 in Hamburg gegründete Label Biehl Parfumkunstwerke erschafft nämlich – nomen est omen – genau das Gesuchte: duftende Kunstwerke.

Der Kopf dahinter ist Thorsten Biehl, seines Zeichens Sohn des weltbekannten Parfumeurs Henning Biehl, der aufgrund seines familiären Hintergrunds schon früh in Kontakt mit der Welt der Düfte kam. Biehl Junior war selbst beinahe zwanzig Jahre für führende Unternehmen der Parfumindustrie tätig, bevor er sich dazu entschloss, ein eigenes Label zu gründen, frei nach dem Motto:

biehl. parfumkunstwerke versteht sich als olfaktorische galerie. als freiraum für parfumkünstler, die hier ihre außergewöhnlichen kreationen einem publikum präsentieren können. ohne dabei rücksicht auf marktforschung, marketing und maximale margen nehmen zu müssen. qualität und exklusivität zählen. und das nicht nur in bezug auf die inhaltsstoffe.

Da sich Thorsten Biehl selbst mehr als Parfumexperte oder –kritiker, denn als ausführender Künstler sieht, überließ er die kreative Umsetzung international renommierten Parfumeuren. Die Liste derer kann sich – als Gruppenbild mit Dame – sehen lasssen: Arturetto Landi, Egon Oelkers, Geza Schön, Mark Buxton, natürlich der Herr Papa Henning Biehl und Patricia Choux.

Insgesamt dreizehn Düfte zählt das Biehlsche Sortiment bisher, alle nur mit den Initialen des Parfumeur und einer fortlaufenden Nummer benannt. Ebenso wie die Namen sind auch Flakons und Verpackung im minimalistisch-puristischen Stil gehalten, soll das Augenmerk doch auf den Inhalt, den Duft fokussiert sein. Die Düfte seiner olfaktorischen Galerie sollen:

vor allem überraschen und ihrem träger neue möglichkeiten seiner ganz persönlichen darstellung eröffnen.

Rollen wir das Feld der Biehlschen Parfumkunsterwerke heute also von hinten auf und beginnen mit den Düften letztgenannter und einziger Dame im kreativen Gruppenbild – Patricia Choux. Die Französin, deren Stil auf der Biehl-Homepage als „verrückt. chic. ein rasanter mix aus gekonnter tradition und mutiger ideenlust“ bezeichnet wird, studierte an der Université Claude Bernard in Lyon und arbeitet seither als Parfumeurin für Symrise. Zu ihren Werken zählen zum Beispiel die Clive Christian-Düfte X for Women, No.1 for Women/Men und 1872 for Women sowie Jo Malones Blue Agava & Cacao, Michael Kors’ Very Pretty und Kimora Lee Simmons’ etwas gewöhnungsbedürftig getauftes Düftchen Baby Phat Seductive Goddess.

Für Biehl Parfumkunstwerke schuf sie im Jahre 2007 die beiden Düfte pc01 und pc02. Ersterem werden wir uns heute widmen, zweiterer wird morgen zum duftenden Zuge kommen. Die Duftnoten von pc01: Mandarine, Neroli, Davana, Mangoblätter, Weiße Blüten, Pfingstrose, Iris, Mango, Kaschmirholz, Vetiver, Moschus.

Die Versuche auf Teststreifen und Haut fallen sehr ähnlich aus, weisen aber doch auch ein paar Unterschiede auf. Dass wir es hier mit einem fruchtig-floralen Duft zu tun haben, darüber wir drei – also Papier, Haut und ich – uns einig. Allerdings wendet sich der Teststreifen mehr der floralen Seite zu, während meine Haut eher die fruchtige bevorzugt. Auf dem Papier beginnt der Duft mit fruchtig-floral, wobei die Betonung, wie gesagt, auf dem zweiten Attribut liegt. Neroli kommt hier sehr schön zur Geltung, bringt zart-süßliche und gleichzeitig würzig-bittere Orangenblütennuancen mit in Spiel. Krautig-grünliche Noten zeigen sich, solche heller Natur und mit fruchtigen Anklängen. Aus diesen vermeine ich im weiteren Verlauf die Mango herausschnuppern zu können, die von einer aquatischen Floralität begleitet wird. Im Hintergrund schillern Noten, die mich an getrockneten Grüntee erinnern, erst eher zurückhaltend, später intensiver werdend. Auf dieser Stufe bleibt der Teststreifen duftenderweise stehen.

Meine Haut zeigt wie bereits gesagt einen ähnlichen Verlauf. Hier startet der Duft allerdings eher fruchtig, alsbald breitet sich eine herbe Süße aus, die mich an Trockenfrüchte und getrockneten Hesperidenschalen denken lässt. Im weiteren Verlauf wird der Duft weicher, floraler, zeigt eine dezente Würze und aquatische Tendenzen. Ebenso wie auf dem Teststreifen bestimmen den Duft auch auf meiner Haut ab einem gewissen Zeitpunkt krautige Teenoten, die bei mir aber deutliche Fenchelnuancen besitzen. Der Duft ist erstaunlich langanhaltend und klingt schließlich in einer weichen Moschusnote aus.

pc01 – ein Duft von hoher Transparenz und Leichtigkeit. Ein sehr schöner Sommerduft, der meiner Meinung nach ziemlich feminine Züge hat, auch wenn er als Unisexduft konzipiert ist. Naja, vielleicht ist ja das der verrückte Chic, mit dem die Biehlhomepage uns Frau Choux schmackhaft machen, äääh vorstellen wollte. Das ist das Einzige was ich mir in die Richtung denken kann, denn der Duft ist alles in allem absolut alltagstauglich und gefällig – für eine Frau. :-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

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Nofretete…nomen est omen!
O’zapft is!
Maharadjah…


Vetiver im Herzen…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Grünes,Holziges am 15.09.2010

… habe und trage ich ja schon lange: Jenes wundervolle Gras mit seinem ureigenen Geruch, der so facettenreich von grün-grasig über rauchig-herb bis hin zu zitrisch-spritzig oder mit Waldmeisterallüren behaftet duften kann hat es mir schon seit je her angetan.

Ich teste jeden neuen Vetiver mit Freunden und besitze selbst eine ganze Riege an Vetiverdüften, mindestens genauso viele wie schwarze Stiefeletten… und auch hier gilt: Ich könnte mindestens einen Monat jeden Tag anderes tragen… Über genaue Zahlen hülle ich mich aber hier wie da in Schweigen ;)

Mein Lieblingsvetiver bisher war (und ist) immer ungeschlagen Mark Buxtons Le Labo Vetiver 46, ein rauchig-herber Vetiver mit einem gehörigen Klecks Weihrauch, dicht gefolgt von einem nicht monothematischen, aber nicht minder schönen Vetiver, dem Fantastic Man von Byredo, den ich hier schon beschrieben hatte. Den dritten Platz teilen sich bei mir zwei Düfte – schummel –: Zum einen Chanels Sycomore, ein fein-rauchiger Vertreter seiner Gattung sowie Vetiver Extraordinaire von Dominique Ropion (wir erinnern uns, derjenige, der uns auch Costume Nationals Homme bescherte) für Frédéric Malle, jenen luziden, in eisigen Höhen verweilenden Knaben.

L’Artisan Parfumeur hatten ja bereits einmal einen einen Vetiver im Angebot, der allerdings schon discontinued ist – nun durfte Karine Vinchon-Spehner (die uns neulich bereits mit Amouages Opus 2 vor die Nasen kam) für das Haus einen neuen Vetiver kreieren: Cœur de Vétiver Sacré.

Mit jenem Amouage hat Cœur de Vétiver Sacré nun wirklich nichts gemein, das kann ich vorwegnehmen, genauso wie ich mir erlaube zu bemerken, daß ich finde, daß der Duft ganz hervorragend in die L’Artisan-Kollektion paßt (welche ich sehr schätze).

Mit dem heiligen Vetiverherz haben wir es mit einem Chamäleon zu tun: Ein äußerst komplexer Duft, der in seinem Verlauf diverse Stadien durchmacht und somit diverse Vetiverfacetten bemüht.

Im Auftakt zeigt sich der Vetiver eher weniger herzlich, sondern ziemlich harsch: Er raucht einem grün entgegen, forscher als Sycomore, eher wie L’Artisans mittlerweile vergriffener Vetyver, aber dann doch nicht so dolle wie Etros Vertreter, jedoch in jene Richtung gehend. Grün, rauchig, bitter, leuchtend. Und beruhigt sich alsbald, sich in die Sycomore-Ecke verziehend und somit an Eleganz gewinnend sowie an Grasigkeit. Aber was ist das? Nach kurzer Zeit taucht etwas am Horizont auf, das ich fruchtige Anklänge nennen würde: Zum einen getrocknete Früchte mit ihrer konzentrierten Würze, die auch eine gewisse Wärme mit sich bringt als auch kandierte mit einer subtilen Süße behaftet und begleitet von jener anfänglichen Rauchigkeit. Es wirkt, als wäre da noch Wacholder am Werk mit der ihm eigenen sonderbaren fruchtig-holzigen Herbheit, jener ist aber nicht gelistet… und doch… ich rieche ihn – das mag aber auch den überaus prägnanten Ingwernoten geschuldet sein, die die ihnen genuine Fruchtherbe verströmen. Was aber darüber hinaus meine Aufmerksamkeit auf sich zieht sind Noten schwarze Tees, die L’Artisan ja schon einmal von Frau Giacobetti mit Tea for Two ganz vorzüglich präsentiert hatte. Auch hier schöner, satter Schwarztee. Und der Duft oszilliert irgendwo zwischen Kühle und Wärme, Rauch, Süße und Fruchtigkeit – eine außergewöhnlich interessante Mischung, meine Damen und Herren!

Ich bin ziemlich begeistert von dieser schillernden Vetiverimpression, jenem olfaktorischen Ausdruck von Ambivalenz und für mich ist es auf jeden Fall ein Must-Have-Kandidat für den Herbst. Darüber hinaus kenne ich auch so gut wie nichts Vergleichbares – und das ist alleingenommen schon ein Prädikat: Innovation und Unikatcharakter bei einem Vetiverduft, von denen es jetzt auch nicht gerade wenige (und auch nicht wenige gute) gibt.

Wer sich das Vetiverherz noch ein bißchen genauer vorstellen mag: Man nehme die Earl Grey-Noten aus Tea for Two, die getrockneten Früchte in ihrer verschwitzt-würzigen Süße aus Al Oudh und tunke jene in die dunkelgrün leuchtende Lakritzvetiverbasis von Muglers Miroir des Vanités – et voilà!

Ich hoffe, er kommt bald, bald, bald!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike, restlos begeistert.

Nachtrag: Völlig vergessen, die Duftnoten: Bergamotte, Dattel, getrocknete Früchte, Schwarztee, Safran, Ingwer, rosa Pfeffer, Vetiver, Vanille, Weihrauch, Moschus.

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Drei Männers…
Mississippi Kid – Itasca von Lubin.
Herbstwonnen – die Neuerscheinungen.


Fontana di Trevi die Zweite.

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges,Solifloral am 14.09.2010

Gestern hatte ich bereits damit begonnen, Euch die neue Fontana di Trevi-Kollektion aus dem Hause Acqua di Genova vorzustellen. Zwei Düfte fehl(t)en noch, die kommen heute nun an die Reihe: No. 16 und No. 18.

Wem die Nummer 16 Tribut zollt muß mir keiner erklären, das ist bereits nach dem ersten Sprühen klar: Es handelt sich hier um eine Hommage an die Teerose.

Ich kann mich noch gut erinnern, wann ich jene das erste Mal in einem Duft dezidiert wahrgenommen habe – es war eine Probe von Creeds Fleur de Thé Rose Bulgare (nicht zu verwechseln mit Fleurs de Bulgarie), bestehend aus zitrischen Noten und Bergamotte im Kopf, chinesischem Grüntee und bulgarischer Rose im Herzen und einer Basis aus Ambra. Es ist und bleibt eine der authentischsten (Tee)Rosen, die ich jemals gerochen habe: Eine helle Rose mit viel (Blatt)grün, fast fotorealistisch in ihrer Ausprägung, einfach nur wunderschön und ein absolutes Muss für Rosenliebhaber.

Fontana di Trevis No. 16 ist ebenfalls recht realistisch in Kopf und Herz, ist aber weniger hell und „offen“, sondern fast schon ein wenig chypriert wirkend, ein bißchen in Richtung des fruchtigen Rosenchypres Eau Suave von Parfum d’Empire tendierend. Geranium verstärkt hier die Rosennoten, steuert jenen darüber hinaus noch minzig-fruchtige Akzente bei, die die Wässrigkeit der Rose unterstreichen, welche allerdings gleichzeitig von einer betörenden Dichte ist. Die Basis fängt den Duft gekonnt auf: Vanille, Ambra und Moschus verwandeln die Rose in weichen Rosenpuder.

Eine olfaktorische Verneigung allererster Güte und für Rosenfans – das sollte man schon sein – ein Must-Try. Die Ingredienzen: Kopfnote: Teerose, Flieder, Geranium, Iris; Herznote: Vanille, Ambra, Moschus; Basisnote: Vanille, Ambra, Moschus.

Die No. 18 geht wiederum in eine vollkommen andere Richtung – die Ingredienzen: Kopfnote: Aldehyde; Herznote: Rose, Ylang-Ylang; Basisnote: Vanille, Weißer Moschus, Sahne, Ambra.

Fruchtige Aldehyden empfangen uns hier in der Kopfnote – und sehr gemäßigte Vertreter ihrer Gattung, muß ich doch bemerken, daß ich kein großer Aldehydefreund bin. Zu sehr erinnern mich übertriebene Aldehyde an die übertrieben lauten 80er und deren bisweilen vollkommen überladenen Düfte. Nummer 18 geht es gesittet an – zarte, luftig-leichte Fruchtnoten klingen leise an und sehen sich schon bald umhüllt von marzipaniger, bittersüßer Mandel. Pudrig-milchige Cremigkeit mit feinster Vanillesahne versehen sowie einem Hauch Rosenwasser benetzt. Der tropisch-süße und ebenfalls cremige Duft von Ylang-Ylang rundet den Duft gelungen ab.

Nichts für mich, keine Frage – aber ausnehmend schön umgesetzt. Fans von Vanilledüften mit tropisch-floralen Anklängen dürfen gerne testen genauso wie die Liebhaber von Marzipanigem und Mandeligem sowie Rosen-Vanille-Geschichten, denen vielleicht Mecheris Loukhoums zuviel waren (oder die den Loukhoum Eau Poudrée lieben). Auch Villoresis Teint de Neige rangiert irgendwo in der Nähe, wenn auch zugegebenermaßen weiter oben auf der Heftigkeitsskala. Ich bin mir so sicher, daß einige von Euch dort draußen dieses Düftchen lieben werden!

Insgesamt bin ich sehr sehr positiv überrascht von dieser kleinen Kollektion – sehr eigenständige und haltbare Düfte mit einem meines Erachtens nach überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Bin gespannt wie Ihr das seht (und riecht natürlich ;))!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hybrid Tea Rose Moon Shadow von Magnus Manske, Vanilla Planifolia von H. Zell, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Fontana di Trevi…
Silvester…
Herbstzeit, Erntezeit


Fontana di Trevi…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Blüten,Duft,Hesperiden am 13.09.2010

… heißt jener Brunnen, der inmitten Roms als eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt gilt: Ein monumentales Bauwerk aus Carrara-Marmor und Tivoli-Travertin, das nicht nur der größte Brunnen Italiens ist, sondern auch als einer der bekanntesten der Welt gilt. Entworfen im 18. Jahrhundert und erbaut im spätbarocken, im Übergang zum klassizistischen begriffenen Stil stellt er verschiedene Meeresgestalten dar, welche auf einer imposanten Felslandschaft thronen: Oceanus, der Meeresgott samt unterschiedlichster Fabelwesen, Meerespferde, Tritonen und andere.

Meinereiner war zwar leider noch nie in Rom – eine Schande, ich weiß – aber wie die Touristenführer sagen (und mir ein paar Freunde bestätigten) ist der Platz um den Brunnen noch heute ein beliebter Treffpunkt, unter anderem natürlich für Dates – it is so romantic ;) Da darf natürlich auch ein Münzritual nicht fehlen: Wem eine bessere Hälfte noch fehlt, wirft einfach ein paar Eurocent in den Brunnen und hofft auf dessen heilende Was-auch-immer und darauf, daß ihm bald der passende Partner über den Weg läuft… oder auch in den Brunnen fällt wie Sirene Anita Ekberg in Fellinis Meisterwerk La Dolce Vita (1960) Legendär die Szene, in der sie zum nächtlichen Bad in den Trevi-Brunnen steigt, das vergessen nicht nur die Italiener nicht so schnell…

Acqua di Genova haben sich jenen italienischen Klassiker zum Namenspatronen für ihre neue Kollektion herausgepickt, die vorerst vier neue Düfte umfasst, welche lediglich Nummern als Namen tragen: No. 12, 14, 16 und 18 – diese möchte ich Euch heute und morgen vorstellen. Alle vier Düfte sind Eau de Toilettes, was uns hier aber, das kann ich bereits verraten, nicht auf eine falsche gedankliche Fährte führen sollte: Wer an dieser Stelle klassische zitrische und leichte Gesellen erwartet ist auf dem Holzweg. Alle vier zeichnen sich durch eine sehr gute Haltbarkeit auf der Haut aus und wer davon ausgeht, daß er das 237. Hesperidenitalienerchen nicht testen muß, der verpasst in der Tat etwas.

Mit Fontana di Trevis Nummer 12 fängt es schon an – mein persönlicher, und wie häufig: unerwarteter Liebling der Kollektion. Dessen Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Magnolienblätter Limette, Orangenblüte; Herznote: Weiße Blüten, Jasmin; Basisnote: Weißer Moschus.

In den Kopfnoten umfängt einen zitrisch säuerliche Limette, gepaart mit der Herbheit von prickelnder Bergamotte – saubere Hesperidenfrische, leicht dahingehaucht, die alsbald von einer naturaliter mit einer Honigsüße ausstaffierten liebreizenden Orangenblüte flankiert werden. Das Herz voller Weißblüher setzt sich hier gar nicht dominant in Szene, vielmehr konvertiert der Duft von einem (erwarteten) White-Flower in eine nicht gänzlich andere, aber doch differente Ecke: Auf meiner Haut ist wässrig-süß-florale Magnolie präsent, obgleich jene doch nur in Blattform vertreten sein soll. Ich bin verzückt, absolut – suche ich doch schon so lange nach einem nicht zu süßen, eher transparenten Magnolienduft und hatte bisher Magnolia Romana von Eau d’Italie präferiert, obgleich dieser nicht ganz äquivalent war mit meinen imaginierten Wünschen. Nun scheine ich fündig geworden zu sein. Auch der Ganztagestest überzeugte: Ein haltbarer zitrisch-floraler Sommerduft, feminin und dynamisch und mit einer feinen Magnoliennote überzeugend. Besonders gut gefällt mir, daß die Nummer 12 gekonnt die Waage hält und jenen Spagat meisterlich bewältigt: Zitrisch zu duften, aber nicht zuviel davon, ergo nicht zu sportiv wirkend, und weiblich anzumuten aufgrund der Blüten, aber nicht zu floral und vor allem auch nie zu süß zu sein – für mich ein perfekter Sommerduft, den ich aber wirklich eher an Frauen sehe.

Mit der No. 14 erwartet uns ein ganz anderes Kaliber, was bereits die Ingredienzen erahnen lassen:

Kopfnote: Bergamotte, Limette, Birne; Herznote: Rose, Ambra, Mandel; Basisnote: Sandelholz, Patchouli, Vetiver, Vanille, Moschus.

Ein typischer Italiener schießt es mir gleich durch den Kopf, als ich des duftigen Auftakts gewahr werde: Ambra und Patchouli satt, auf meiner Haut noch dichter als auf dem Teststreifen. Wärme & harzig-rauchige Süße kompakt samt einer an tiefdunklen Kakao gemahnenden Pudrigkeit – ich fühle mich kurz, ganz kurz an Serge Lutens genialen Borneo 1834 erinnert. Fruchtig-mehlige Birnennoten schimmern hindurch, die ich natürlich besonders mag, gehört die Birne wieder zu jenen seltenen Früchten, die man viel häufiger in Parfums verwenden könnte… Bittersüßes Mandelmarzipan senkt sich über das Geschehen und eine zarte Rosenhelligkeit erscheint am Horizont, während die holzig-warme samtige Basis unter allem ruht.

Wer Laboratorio Olfattivos Ambradüfte mag und Etros Ambra, der dürfte an diesem Duft sicher Gefallen finden – diejenigen, die sich bereits von den Ingredienzen, prioritär Ambra und Patchouli angezogen fühlen, werden sehr wahrscheinlich ebensowenig enttäuscht werden: Ein wirklich schöner, samtiger und typisch italienischer Ambra-Patchouli-Kuschler.

Morgen folgen die restlichen zwei Düftchen der Kollektion – bis dahin wünsche Ich Euch einen guten Start in die Woche und sende Euch viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Magnolia x soulangeana von Jean Tosti via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis


Öfter mal was Neues… Freitag-Abend-Verlosung.

Geschrieben in Allgemein am 10.09.2010

… hätte ich mir denken können – habe ich aber nicht. Ich habe sie schlicht vergessen, unsere Freitagsverlosung, ich Schlamperliesel. Aber – ein Schuft, wer Böses denkt! Nachdem schon einige Leserinnen und Leser trotzdem mitgemacht haben bei der noch nicht angekündigten Freitagsverlosung, was mir ein Lächeln aufs Gesicht zauberte, schiebe ich sie nun heute Abend noch nach:

Liebe Leserinnen und Leser, ein schönes Wochenende Euch natürlich, das dürfte Euch nämlich schon erreicht haben jetzt!

Wie jede Woche wollen wir auch diesen Freitag ein paar Probenpakete mit Düften der letzten Rezensionen loswerden – wer eines davon haben will, schreibt uns bitte bis So, 24 Uhr, eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns einen Duft, den wir diese Woche rezensiert haben :)

Letzte Woche haben gewonnen: Norbert K., Elke H., Uta G., Anneliese W. und Beate C. C. – herzlichen Glückwunsch!

Bis bald Ihr Lieben und viele Grüße,

Eure Ulrike.

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Öfter mal was Neues: Samstagsverlosung.
Freitagsverlosung
Freitagsverlosung.


Ein Fetisch…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Leder,Solifloral am 10.09.2010

… ist wohl die Rose für Madame Mecheri: Eine, wenn nicht gar ihre Lieblingsingredienz, die immer wieder in ihren Düften Verwendung findet: Zum Beispiel in Damascena, einer frischen fruchtigen Rose heiterer Süße mit Beerennoten oder in Scarlett, Grenats, Mihimè und einigen anderen.

Attar de Roses heißt ihr neuer Damenduft, ganz der Rose gewidmet – und einige viele finden hierin auch Verwendung: Die arabische Taif-Rose, die Shiraz-Rose und einige weitere ältere Sorten sind in Mecheris Phiole gepurzelt, so verheißt es auch bereits der Name. Attar de Roses oder auch Rose Attar steht nämlich für nichts anderes – die Essenzen verschiedener Rosen in Ölform dargebracht.

Darüber hinaus finden aber noch andere Ingredienzen Verwendung – Jasmin, Leder, Ambra und Hölzer nennt Mecheri.

Meine Nase vermag natürlich wieder mehr zu entdecken: Bereits im Auftakt, ich kann mich dessen nicht erwehren, rieche ich – Rosenpuderzucker mit Himbeere, oder vielmehr: Rosenpuderzuckergelée, von mir aus auch Lokum mit fruchtigster Himbeere. Jene ist mal wieder nicht gelistet, kann aber auch von einer der Rosen stammen, welche vielleicht, man kennt es aus anderen Düften, fruchtige Noten generiert.

Für mich bleibt allerdings dieser Eindruck der Liaison von Himbeere und Rosenpuderzucker, welcher sich durch den ganzen Duft zieht. Ein Weißblüher vermählt sich mit jenem Duo, Jasmin, welcher aber artig und zivilisiert im Hintergrund verbleibt. Die angegeben Ledernoten sind dominanter und heller, cremiger, weicher, ja fast buttriger Natur und werden von süß-harziger und verhalten rauchiger Ambra sowie leisen Hölzern akzentuiert.

Feminin, sehr feminin und durchaus verführerisch – eine fruchtige Rose mit puderzuckrigen Gourmandanleihen, ich bin mir sicher, der Duft findet allerhand Freundinnen.

Madame Mecheri scheint darüber hinaus eine Freundin der Gleichberechtigung: Wo ein neuer Duft für die Dame, da auch ein Neuer für den Herren: Les Zazous heißt ebenjener, benannt nach derselben französischen Subkultur der Postweltkriegsära und vergleichbar mit unseren Swingkids: Bebop und Jazz waren das Programm, dem sich diese Jugend verschrieben hatte und die Herren hätten mit ihren Klamotten das Herz von Oscar Wilde höher schlagen lassen: Das Dandytum war angesagt, darüber hinaus waren sie, natürlich, dem (beginnenden) französischen Existentialismus nahe.

Die dazugehörige duftende Interpretation von Mecheri ist demgemäß eine kokette und kokettierende: Maskulin, ja, aber kein Mann-Mann-Duft. Ambivalent, weil einerseits klassisch, andererseits aber auch mutig und modern.

Im Auftakt dominiert Lavendel, streng-krautig und typisch, alsbald eingeholt und aufgefangen von einer warmen und für einen Männerduft fast schon unverschämt forschen Süße: Balsamische Noten, harzige Ambra und Sandelholzigkeit, die im Zusammenspiel Rauchigkeit sowie Karamellakzente entfalten, wobei erstere von im Hintergrund sich verborgen haltenden grasigen Vetivernoten verstärkt wird. Eine bestimmte krautige Grünheit schwingt im Duft mit, begleitet von einer sehr hellen und sehr zurückgenommenen Rose.

„Douce Amère von Lutens meets Maharadjah von Nicolaï“ tanzt auf meiner Haut – und das gar nicht mal übel, würde der Schwabe in mir als ebensolches Kompliment von sich geben. Give it a try – auch die Damen unter Euch!

Eine Woche Keiko Mecheri liegt nun hinter uns – ich harre nun Eures Feedbacks, sobald Ihr die Düftchen unter der Nase hattet!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Frozen Raspberries von Jenn / Finavon, Zazou von Jean-no via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Als japanische Riviera…

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Reines und Pudriges am 9.09.2010

… wird die Izu-Küste wohl gerne bezeichnet, die als Naherholungsgebiet für die Tokioter Bevölkerung gilt: Voller Naturschönheiten bietet die Halbinsel mit der angeschlossenen Inselgruppe eine herrliche Kulisse für Taucher, darüber hinaus Thermalquellen sowie einige Vulkane und natürlich einen bekannten Nationalpark.

Als ausgewiesenen Liebhaber japanischer Literatur erinnert mich Izu natürlich sofort an Die Tänzerin von Izu aus der Feder des einzigen japanischen Nobelpreisträgers, Yasunari Kawabata. Eine Kurzgeschichte, und, auf wenigen Dutzend Seiten auch eine Liebesgeschichte. Der Protagonist, ein junger Gymnasiast oder auch Student, sieht bei seinem Ferienaufenthalt eine Tanzgruppe und ist überwältigt von einem mit dieser auftretenden jungen Mädchen – er verliebt sich in sie und kommt der Tanzgruppe näher, freundet sich an, ohne jedoch dem Objekt seiner Begierde wirklich nahezukommen: Seine Liebe bleibt unerfüllt, worin vielleicht auch gerade der Reiz derselben liegt. Es ist die Idee der Liebe, er stilisiert das Mädchen, kaum 13 Jahre alt, vergöttert sie – und nimmt aufgrund der Unerfülltheit dieses Begehrens eine Sehnsucht auf seine Rückreise mit, die ihn sein restliches Leben wohl begleiten wird. Jenes Defizitäre, das Sehnende, das allzu typisch für japanische Literatur erscheint… und in dieser (semi-autobiographischen) Jugenderzählung des erst 26jährigen Kawabatas perfekten und äußerst poetischen Ausdruck findet.

Meine persönliche Passion für Japanisches sowie meine diesbezüglichen Assoziationen spielen natürlich auch in die Erwartungshaltung bezüglich als solcher deklarierter Düfte mit hinein – bei vielen Mecheris vermag ich jene Handschrift nicht zu entdecken, vielleicht hat sie sich schon zu sehr mit ihrer Wahlheimat Amerika vertraut gemacht… Ich entdecke in fast keinem ihrer Düfte jene Transparenz und Zurückhaltung, das Understatement welches ich genuin mit Japan verbinde – am ehesten allerdings in der Tat mit ihrem neuen und letzten Duft der Hesperidenkollektion, mit Les Nuits d’Izu.

Die flackernden Lichter der Izu-Küste wollte Mecheri damit einfangen und somit das glitzernde Leben dort – in unmittelbarer Nachbarschaft zu der atemberaubenden, ursprünglich gebliebenen Natur.

Im Auftakt wirkt der Duft frisch und zitrisch-sauber, wobei die Yuzu, jene japanische Zitrusfrucht, die für ihren im Vergleich zu ihren Gattungsgenossen etwas komplexeren Geruch bekannt ist, eine Hauptrolle spielt: Herbe Zitronenspritzigkeit gepaart mit einer Wässrigkeit, die von luziden Rosennoten noch verstärkt wird. Die Japanische Rose erinnert mich hier stark an eine Teerose in ihrer wässrigen Fruchtigkeit, die für mich immer einen melancholischen Anschein erweckt. Hinoki-Scheinzypresse, ebenfalls mit von der Partie als quasi nationales Gut – jenes berühmte Edelholz ist ebenfalls wahrnehmbar, allerdings sehr dezent. Und sollte nicht verwechselt werden mit normaler Zypresse, denn es duftet im Gegensatz zu dieser eher limonig-holzig auf eine sehr eigentümliche Art und Weise. Jasmin, der ebenfalls enthalten ist, kann ich weder auf dem Teststreifen noch auf meiner Haut entdecken – er muß sich in jenen subtilen floralen Noten verbergen, die im Herzen den Hintergrund bilden. Die Basis des Duftes birgt den für Mecheri typischen „Kristallmoschus“, welcher normalerweise eine süße Weichheit ausrichtet, hier aber den Eindruck frischer Creme hervorruft.

Ich hätte es nicht gedacht, daß mich jemals ein Frische-Wäsche-grad-geduscht-Duft der Clean-Fraktion erwischen könnte, obgleich Gendarmes Carrière bereits einen kurzen Haben-Wollen-Eindruck hinterließ. Jener Mecheri hat mich aber geknackt – so natürlich riecht er und überhaupt nicht künstlich, so frisch, so sauber und dabei so angenehm. Tja, es hatte wohl sollen sein…

Ich bin sehr gespannt, welches Euer Favorit ist in dieser Serie! Berichtet mal!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Tourist Industry Poster von Gaeser, Izu Oshima [Insel Izu Oshima] von Taichi, Hiroshige (1858): The Izu Mountains von Dan8700, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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