Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Der Dandy, der NY liebte…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges am 20.07.2010

In schöner Rosseauscher Back-To-Nature-Manier hatte sich die französische Firma Honoré des Prés vor nicht allzu langer Zeit auf dem Markt präsentiert: Nach eigener Aussage „Truly Organic – Terribly French“ wie sie verlauten ließen. Zu 100% natürliche Essenzen, natürlich unter Verzicht auf jegliche Tierversuche hergestellt – damit liegt man ganz im Loha-Trend. Und wenn man dann noch Olivia Giacobetti mit ins Boot holt, um auch zu 100% den Anspruch des Parfumeurshandwerks zu erfüllen kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen…

Ich hatte die ersten fünf Düfte des Labels bereits vorgestellt, nun hat der Honoré uns drei neue beschert: I love les Carottes, Love Coco und Vamp à NY, allesamt Bestandteil der We love NY-Serie.

Ein Name, der mich nicht weiter verwundert – wer liebt NY nicht gerade, die Stadt, in der es in der City sexelt, deren Fan-T-Shirts zum Fashion-Item wurden und deren Anhänger, die sich als addicted, als süchtig „outen“ schon alleine deswegen als Trendsetter gelten… Riecht ein wenig nach zur rechten Zeit am rechten Ort – genauso wie die ganze Geschichte hinter der Firma, die sich als Familienunternehmen bezeichnet.

Ich hatte es bereits in einem früheren Artikel geschrieben und erspare Euch das Blättern, indem ich mich selbst zitiere – an der Aktualität dieser damaligen Aussage hat sich für mich nichts geändert:

Mich würde ja brennend interessieren, ob die angebliche Gründerfamilie, von der im gesamten Pressematerial die Rede ist, tatsächlich existiert, oder ob sie frei erfunden wurde, ob sämtliche Familienmitglieder sowie deren Episoden, Zitate ein Marketingkniff, -gag sind oder nicht. Fotos sucht man nämlich überall vergeblich. Alles mutet aristokratisch und zugegebenermaßen dadurch auch ein wenig pseudo-elitär an. Zumal der Name auch verdächtig an die beiden Pariser Quartiere Faubourg Saint-Honoré sowie Saint-Germain-des-Prés erinnert, ersteres bevorzugtes Wohnviertel des Adels und zweiteres das Viertel der aufstrebenden Bourgeoisie im 18. /19. Jahrhundert, von Balzac und anderen gerne beschrieben und heute zwei Luxusviertel. Der Honoré selbst wird, sollte es ihn den geben, als ein französischer Dandy in allerbester Wilde-Manier beschrieben, nämlich als, ich zitiere, „eternal Bohemian teenager” sowie als „highly talented night reveller and rich landowner, who is still searching for his muse”, der darüber hinaus ein Faible für Yoga hat. Alles klar? Da fragt man sich ja schon mal… sollte ich einmal nähere Infos dazu finden, reiche ich diese selbstredend nach.

Infos habe ich dazu immer noch keine, wenn es diesen französischen Schöngeist tatsächlich geben sollte, darf er sich gerne für ein nachmittägliches Philosophieren mit Kaffee bei mir melden. Ich habe aber auch gegen Champagner nichts einzuwenden, wenn er den schon so gerne trinkt, wie das Pressematerial zu den neuen Düften verrät… Egal, kommen wir zu den Düften.

I love les Carottes ist irgendwie, wer hätte es anders gedacht, auch ganz schön modisch: Die Karotte, früheres Lieblingsutensil unserer kleinen Haustierchen und gerne von Muttern verordnet („Ist sooo gut für die Augen“…) zeigt sich mittlerweile als Bestandteil trendiger Kosmetikprodukte. Warum also nicht auch mal einen Duft? Düfte mit Karottensamen kenne ich, ja, wenn auch nicht viele. Und es sind bei einigen in der Tat abstrakte Karottennoten herauszuriechen.

I love les Carottes enthält nicht nur Karottenblütensamen sondern auch Orange, Vanille und Irisbutter. Frisch aufgesprüht springen einen erstmal alkoholische Noten an, die alsbald gehörige Karottenassoziationen aufkommen lassen: Holzig-trockene Karotte, die knackt beim Zerbeißen, und diese diffuse, seltene Süße offenbart, welche so schlecht zu beschreiben ist, da sie in dieser Form nur der Karotte innewohnt. Eine subtile Fruchtigkeit wabert im Hintergrund, welche man, wenn man es weiß, durchaus der Orange zuschreiben kann. Dazu gesellt sich alsbald cremig-buttrige Iris mit der ihr eigenen erdigen Komponente, gleichermaßen aber auch auf ihre samtige Pudrigkeit bedacht – selten, daß beide Facetten innerhalb eines Duftes so herausgearbeitet werden. Gewisse Anklänge des Duftes von Kosmetikprodukten wie Puder oder Lippenstift sind aufgrund dieser Irisinterpretation ebenfalls vorhanden (Wir erinnern uns: In Moulin Rouge von Histoires de Parfums war dieser Aspekt kongenial umgesetzt). Anfänglich ist I love les Carottes deshalb durchaus heftig: Karotte, knarzige, die sich umgehend in einer Karottensüße-Explosion entlädt, begleitet von ebenjenen Irisnoten. Im Verlauf des Duftes beruhigt sich das Geschehen etwas, der Duft wird ein wenig (karotten)holziger und weicher – letzteres definitiv einer nicht allzu dominanten Vanille geschuldet.

Ehrlich gesagt nötigt mir dieses Düftchen einiges an Respekt ab: Ich hätte nicht gedacht, daß man in der Lage ist, eine Karotte olfaktorisch dermaßen authentisch einzufangen. Mir persönlich ist der Duft schlicht – zu karottig. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, daß es für dieses Gemüse diverse Fans gibt, die sich genau einen solchen Duft immer gewünscht haben – so, wie ich eben auf zum Beispiel Rhabarber abonniert bin, so, wie einige andere auf diversen Boards zum Beispiel nach einem authentischen Kamilleduft oder einem Sonnencremeduft suchen. Für jene ist er sicher ein Traum. Und für den Rest durchaus testenswert – wer weiß, vielleicht entpuppt sich der eine oder andere ja noch als bekennender Karottenfan und/oder Karnickel?

In diesem Sinne, die restlichen beiden Düfte gibt es morgen – bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Carots von Ninad Shelar via stockx.chng, I Love NY-Logo der Stadt New York via Wikicommons – vielen lieben Dank!

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Ri-Ra-Rhabarber.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges am 19.07.2010

Vor Jahren kamen sie fast wie aus dem Nichts. Und ich weiß weder, ob sie etwas mit dem Aufkommen der Lohas, diesem von Paul Ray so bezeichneten neuen Konsumententyp (Lifestyle of Health and Sustainability = Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit; ein solventer Konsument meist mittleren Alters, der gesund einkauft und durch gezieltes und bewußtes Kaufen und Konsumieren Nachhaltigkeit und soziale Wirtschaft fördern möchte) zu tun haben oder mit einer überregionalen Laune… Zumindest passen sie zum Zeitgeist.

Von wem aber rede ich? Ich rede von den ganzen guten alten Kulturpflanzen, die die letzten Jahre wieder vermehrt in den Blickpunkt gerückt sind, unter anderem auch, weil sie die Speise- und Getränkekarten jeglicher Trendlokale bevölkerten. Bärlauch zum Beispiel, dieser Knoblauchbruder, verbreitete sich vor einigen Jahren fast inflationär und es gab fast keine Karte mehr in der Republik, die er nicht überwucherte. Viele Bars, Cafés und Lounges haben sich dieser Mode ebenfalls angeschlossen und servieren mittlerweile Getränke, die meine Großmütter, hätte ich sie kennenlernen dürfen, sicher erfreut hätten: Holunderblütenschorle und Quittensaft, und, darauf wollte ich hinaus: Rhabarbersaft.

Den habe ich die Tage nämlich mal wieder schwitzender Weise in einer jener Locations getrunken und mich furchtbar ob jenes Trends gefreut, denn – ich mag sie, diese ganzen säuerlichen altmodischen Früchte und Beerenabkömmlinge, die da heutzutage gerne ins Glas plumpsen. Und ich mag sie auch in Düften. Rhabarber, das mag dem geneigten Leser bereits aufgefallen sein, gehört definitiv zu meinen Lieblingsfrüchtchen (obgleich er doch eigentlich dem Gemüse zugeordnet wird) und vermag es, meine Nase sofort in Alarmbereitschaft zu versetzen, findet er sich irgendwo in den Ingredienzen eines zu testenden Düftchens.

Ich könnte jetzt lange und breit darüber erzählen, weshalb ich Rhabarber so mag… Ein Aspekt dessen ist sicherlich, daß ich ihn als nostalgisch empfinde. Als alt, irgendwie beruhigend, als Konstante. Und als – verkannt. Ein Obst-Gemüse-Vergissmeinnicht quasi, welches unprätentiös irgendwo schlummert und bescheiden darauf wartet, daß man ihm seine Aufmerksamkeit schenkt. Ich mag diese säuerlich-fruchtige Herbe, die mir ein wenig melancholisch scheint. Und mich deshalb immer an die Bilder des schwedischen Malers Carl Larsson erinnert: Als einer der Urväter des schwedischen Wohnstils mit all seinen Farben, seiner Fröhlichkeit und seiner Leichtigkeit zeichnete er meist Szenen aus dem Alltag seiner Familie (er hatte immerhin acht Kinder), überwiegend idyllischer Natur und gerne auch in der Natur. Ich persönlich mag deren positive Ausstrahlung und ihre Unverstelltheit, ihre Authentizitiät, ihre Einfachheit – entdecke aber auch oft ein kleines bißchen Melancholie in ebenjenen Werken, vielleicht genau die Prise Salz in der Suppe (des Lebens)? Bevor ich jetzt ganz ins Trivial-Philosophische oder auch: Sentimentale abrutsche, kehren wir doch wieder zurück zum Thema Rhabarber in Parfums.

Es gibt einige Düfte, die schöne, mehr oder weniger präsente Rhabarbernoten beherbergen, ich habe viele davon auch schon hier vorgestellt: Rose Ikebana von Hèrmes aus der Hermessence-Kollektion zum Beispiel, jene zitrische Rhabarberrose oder Eau Radieuse, mein Futuristen-Cologne aus dem Hause Humiecki & Graef mit seiner Menthol-Banane-Rhabarber-Dröhnung, Profumi del Fortes Versilia Platinum, der schöne rauchig-holzige Vetiver-Rhabarber oder auch Ellenas Göttliche Bergamotte (in Begleitung von Rhabarber und Ingwer – haaach…) aus der The Different Company Kollektion. Desweiteren sollte auch Byredos Tulpe hier Erwähnung finden, die Steffi neulich vorgestellt hat, sowie Ulrich Langs Anvers 2, ein wirklich schöner, eigenständiger Immergeher, Pantellerias Maestrale oder Calé Fragranze d’Autores Mistero.

Rhabarber als Begleitung reicht mir aber manchmal nicht – an solchen Tagen greife ich dann sehr gerne zu Rhubarb aus der Series 5: Sherbet von Comme des Garçons (die im übrigen mit ihren zwei weiteren Düften Peppermint und Cinnamon, einer frischen Zimtvariante, im Ganzen sehr testenswert ist!).

Rhubarb ist – Rhabarber pur: Gleich nach dem Aufsprühen weht einem dessen frisch-grüne Säuerlichkeit entgegen, die sich gleichzeitig herb-fruchtig gibt. Holzige Noten lassen die Faserigkeit der Rhabarberstangen vor dem inneren Auge erscheinen, dezent unterstrichen von einer feinen, vanilligen Süße, die eigentlich keine Süße sein möchte, dem Duft aber permanent erhalten bleibt mit ihrer leichten Cremigkeit.

Hier ist vielleicht noch Bezug auf den Namen Sherbet zu nehmen – Sherbet heißt übersetzt so einiges, vornehmlich im gastronomischen Bereich: Es kann sowohl Brause heißen als auch für bestimmte Arten von Limonade stehen. Darüber hinaus bezeichnet Sherbet auch das Sorbet, jenen Eisverwandten, und ich denke, in genau diesem Zusammenhang ist Sherbet hier auch zu sehen. Wo Rhubarb im Duftverlauf ein wenig cremiger wird, erinnert der Duft mich nämlich genau daran: An ein gutes, halbgefrorenes Fruchtsorbet, eventuell mit einem Klecks Sahnejoghurt verarbeitet.

Vorsicht, meine Lieben – jedem, der Rhabarber mag, könnte dieser hier sehr gefährlich werden, es besteht wirklich Suchtgefahr! (Bei mir zu spät, ich bin schon erlegen…)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Ulrike, süchtig.

Bildquelle: Vegetables von Katja Grimmer-Laversanne via stockx.chng, Carl Larsson: Frühstück unter der großen Birke (1896) fotografiert von Thuresson und Carl Larsson: Våren (1907) fotografiert von Yareite, beides via Wikicommons – vielen lieben Dank!

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Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 16.07.2010

Hallo Ihr Lieben,

… viel kann man bei der Hitze ja nicht tun – aber neue Parfums schnuppern geht ja immer, an unserem wöchentlichen Gewinnspiel teilnehmen vielleicht auch? Fünf Probenpakete möchten wir loswerden, wer eines davon haben mag, schreibt uns bitte bis Sonntag, 24 Uhr, eine Mail mit seinem Namen und seiner Adresse an info@ausliebezumduft.de und nennt uns einen der Düfte, die diese Woche rezensiert wurden – viel Glück!

Letzte Woche war folgenden Leserinnen – diesmal nur Frauen ;) – das Glück hold: Stephanie A., Regina G., Iryna H., Tine G. und Verena M. – herzlichen Glückwunsch!

Ein schönes Wochenende Euch allen und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Amouage Opus 2 & 3.

Geschrieben in Duft,Florientalisch,Fougère am 16.07.2010

Wie versprochen geht es heute weiter mit den neuen Werken aus der Parfumschmiede des Omans. Zuerst ist Opus 2 an der Reihe, welcher von Michele Saramito kreiert wurde. Saramito zeichnete sich wohl verantwortlich für Ferres Gieffeffe als auch für Carons Eau de Cologne Caron und einen Duft für Le Prince Jardinier, Citrus Allegro. Ansonsten hat man von ihm noch nichts gehört oder gelesen.

Opus 2 wird seitens des Pressematerials von Amouage als Blumig-Orientalisch beschrieben, was aber ein Fehler ist, wie sich nach einem Blick auf die Inhaltsstoffe schon vermuten läßt und im ersten Test auch zeigt – die Ingredienzen: Kopfnote: Lavendel, Absinth, rosa Pfeffer, Lorbeer; Herznote: Jasmin, Rose, Zimt, Kardamom; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Ambra, Moschus, Weihrauch.

Es ist, das ist fast auf den ersten Schnupperer klar: Ein Fougère, und was für einer… Ein Lavendelgewitter in dunkelstem grün und violett wird man gewahr samt maritimen Regennoten, unterstützt durch ebenfalls düster-glänzenden Lorbeer. Absinth oder besser: Wermut spendet die ihm genuine eigentümliche grüne Frische und Pfeffer besorgt die Würze, welche dem Ganzen einen besonderen Kick verleiht – eine wunderschöne Kopfnote, so harmonisch komponiert und so kraftvoll. Der Himmel klärt sich mit dem Herzen auf: Kardamom simuliert mal wieder ein wenig Nadelwald, der allerdings sofort den Blick freigibt auf balsamische Blüten, flankiert von fast aufsässigem Zimt, pfeffrig-würzig und warm. Dieser verbündet sich mit dem Kardamom und beide werden von der Basis aufgefangen, welche von balsamischer Wärme sowie einer überwiegenden, dezent rauchigen, aber dennoch kühlen und klaren Holzigkeit geprägt ist.

Opus 3 wird wie sein Vorgänger ebenfalls als Blumig-Orientalisch beschrieben, wird aber diesem „Etikett“ gerecht und hat folgende Ingredienzen: Kopfnote: Mimose, Ginster, Nelke, Muskatnuss, Thymian; Herznote: Veilchen, Jasmin, Ylang-Ylang, Orangenblüte; Basisnote: Ambrette, Moschus, Papyrus, Zedernholz, Sandelholz, Guajakholz, Benzoeharz, Vanille.

Verantwortlich für den Duft war Karine Vinchon-Spehner – wir erinnern uns, sie schuf bereits Jatamansi für L’Artisan Parfumeur und sitzt gerade an dem sehnlichst erwarteten Cœur de Vétiver Sacré.

Bei Opus 3 finde ich es ehrlicherweise im Gegensatz zu den beiden anderen ungleich viel schwieriger, die einzelnen Stadien herauszuriechen, da sie wesentlich weniger prägnant sind. Opus 3 legt schon im Auftakt mit sehr dominanten Veilchennoten los, die sich allerdings perfekt in diesen Orientalen einfügen. Nelke ist sogleich mit von der Partie sowie würzender Muskat und alsbald ein Weißblütler – Jasmin, betörend wie eh und je, umrankt von ein paar fruchtig-floralen Noten, welche sich als Orangenblüte und Ylang-Ylang verkaufen lassen. Die opulente Basis untermalt bereits frühzeitig das barocke Treiben – wie nicht anders zu vermuten holzig-harzig sowie mit Vanille und Moschus ausgestattet, handelt es sich hier um ein äußerst warmes und weiches, reich ausgestattetes Lager, auf dem sich die Blüten unter Vorherrschaft von Veilchen und Jasmin niederlassen dürfen.

Für mich persönlich ist Opus 2 der klare Favorit der Serie, dicht gefolgt von Opus 1. Ganz klar – ich habe ein Faible für eher kühle Düfte, das erfüllt Opus 2 vollkommen. An Opus 1 liebe ich die moderne und besondere Chypreinterpretation, die orientalisch anmutende. Opus 3 hat jedoch auch etwas Besonderes: Ein Veilchen inmitten dieses Orientalen, das ist mitnichten die Regel. Und es macht sich gut dieses Veilchen wirklich gut, spielt eine Verführerin an der Seite des Jasmins. Nur leider hat es bisher nur ein Veilchen geschafft, mich zu verführen – das bescheidene und herrlich authentische Parmaveilchen von Borsari, und das ist gänzlich anderer Natur.

Nichtsdestotrotz – ich finde alle drei Düfte äußerst gelungen. Und bin schon jetzt sehr gespannt auf Eure Meinungen, sobald Ihr zum Testen kommt!

Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Nature via stockx.chng und Paul Désiré Trouillebert: Harem Servant Girl (1874) fotografiert von AnonMoos via WikiCommons – vielen lieben Dank!

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Amouage und das neueste Werk…

Geschrieben in Chypre,Duft,Florientalisch am 15.07.2010

Einen schwergewichtigen Titel haben sich Amouage da für ihre neuen Düfte einfallen lassen: Ein jeder Duft trägt den Namen Opus und seine ureigene Nummer dazu.

„Jeder Duft ist ein großes Werk, ein Opus, der als Beiname eine römische Ziffer trägt. Ähnlich wie ein großartiges Buch in einer Bibliothek sind auch die Düfte der Library-Collection zeitlose Stücke, die keiner Mode unterliegen. Alle drei Opus-Düfte sind einzigartige Werke und bestechen durch ihre zeitlose Schönheit.“

Opus, laut Wikipedia „die lateinische Bezeichnung für ein Werk, insbesondere eines Komponisten oder eines anderen schöpferischen Künstlers“ – insofern ja eigentlich vollkommen richtig, ist das Parfumeurshandwerk ja doch in den Augen vieler, mich eingeschlossen, eine Kunst. Und somit rückt natürlich das Augenmerk auch auf die Parfumeure, die Nasen dahinter, Handwerker und Künstler in einem. Amouage aus dem Oman hatten schon in der Vergangenheit unter Beweis gestellt, daß sie ein gutes Händchen für Parfumeure haben: Guy Robert schuf einige der Klassiker des Hauses, Bertrand Duchaufour zeichnete sich verantwortlich für die Düfte zum 25jährigen Firmenjubiläum, zu denen auch einer meiner unangefochtenen Holy-Grails gehört, XXV for Men, mein heiliger Brombeerweihrauch.

Das Haus aus dem Oman gehört definitiv zu den Hochkarätern im Duftbereich – deshalb bin ich doppelt gespannt auf die neuen Kreationen, die wir uns die nächsten Tage anschauen werden, auch und gerade mit einem Blick auf die Parfumeure…

Opus 1 wird als Chypre bezeichnet und beinhaltet folgende Ingredienzen: Kopfnote: Bitterorange, Pflaume, Kardamom; Herznote: Ylang-Ylang, Rose, Jasmin, Tuberose, Maiglöckchen; Basisnote: Papyrus, Zedernholz, Guajakholz, Weihrauch, Tonkabohne, Sandelholz, Vetiver.

Im Auftakt weht einem gleich die Bitterorange entgegen – distinguiert, ein edles Exemplar, das alsbald von einer fruchtigen, leicht herben Pflaume eingeholt wird. Abgerundet werden die beiden von tief dunkelgrünem Kardamom, der sämtliche seiner Geruchsregister zieht und sowohl Kamphernoten als auch jene von Nadelhölzern zeigt, welche er mit leichten Rauchschwaden versieht. Aus jenem scheint alsbald das Herz hervor, ein unübersehbar florales, das dicht verwoben nur schwer einzelne Blüten preisgibt, wenngleich es in jedem Falle auch Weißblütler beherbergt. Leicht ledrige Noten, wie sie ein Chypre gerne besitzt, zeigt auch Opus 1, jedoch auf sehr subtile Art und Weise. Die Basis unterstreicht das florale Herz und die ausgeprägt chyprierten Anklänge sanft mit zivilisiertem Weihrauch, Hölzern und einer wunderbar weichen Wärme von Tonka und Sandelholz, während der Vetiver die Rauchigkeit des Kardamom aufgreift und vertieft.

Opus 1 ist von Daniel Maurel, über den es wenig zu sagen gibt – Lyric Woman scheint seiner Nase entsprungen zu sein, ansonsten ist er ein mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt, zumindest für mich… und Google sowie sämtliches Pressematerial, das auf die Schnelle nicht wirklich etwas über ihn hergab – weiß wer mehr?

Meines Erachtens nach würde Opus eine neue Kategorie benötigen – nämlich diejenige Unterkategorie des orientalischen Chypres. Ich habe lange überlegt, aber mir ist nichts ähnliches eingefallen, obgleich ich Chypredüfte eigentlich sehr gerne mag. Umso mehr erfüllt es mich mit Freude, daß sich Amouage dieser alten Duftfamilie angenommen hat und solch eine zeitlose und besondere Interpretation geschaffen hat.

Opus 1 ist ein Vollblutchypre, keine Frage. Die fruchtig-herbe und fleischige Pflaume aber, die er rudimentär den ganzen Duftverlauf über beibehält, kreiert in Kombination mit der Basis, vermutlich einem Teil der Hölzer, dem Weihrauch und der Tonkabohne, eine würzig-zimtig anmutende Atmosphäre, die einen erhaben orientalischen Eindruck vermittelt. Erhabenheit ist hier (und, das kann ich schon verraten, auch bei allen anderen Düften) ein Thema – alle haben sie etwas davon an sich, von dieser über allem stehenden (oder besser: ruhenden) Schönheit, die sich nicht beweisen muß und niemals laut daherkommt.

Ihr seht schon, ich bin ziemlich angetan. Und werde Euch morgen natürlich auch noch die restlichen zwei Düfte ausführlich vorstellen. Bis dahin

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Arabesque von Falto via stockx.chng – vielen lieben Dank!

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Nun schon seit ein paar Wochen…

Geschrieben in Duft am 14.07.2010

im ALzD-Sortiment zu finden, sind die Düfte einer Dame, die man ohne Weiteres als Weltbürgerin, vielleicht gar als Weltenbummlerin, bezeichnen könnte: Nana de Bary.

Geboren wurde sie in der Schweiz, aufgewachsen ist sie in München, in Mailand und New York studierte sie Mode und Design, in Tel Aviv arbeitete sie mehrere Jahre als Malerin bevor sie sich in Wien niederließ und dort eine fancy Modeboutique eröffnete, die hip und trendy bei Kunde und Kundin äußerst gut ankam. 2004 war ihr Schicksalsjahr, wie das vieler anderer auch: nur mit knapper Not entkam sie dem Tsunami in Thailand. Ein wahrlich einschneidendes Erlebnis!

Wieder zurück in Europa, gab sie ihre Modeboutique im Herzen Wiens auf und zog sich für einige Zeit, Ruhe und Erholung suchend, aus der Öffentlichkeit zurück. Sie konzentrierte sich auf die Fotographie eines speziellen Themas: Wasser. Der künstlerische Umgang mit dem nassen Element verhalf ihr, die traumatischen Erlebnisse (soweit so etwas überhaupt möglich ist) zu verarbeiten. In den letzten Jahren präsentierte sie ihre Werke in diversen Fotoausstellungen.

Bereits vor diesen furchtbaren Erlebnissen, zu Zeiten ihrer Wiener Boutique, brachte Nana de Bary ihren ersten eigenen Duft auf den Markt: Classic Pink. Diesem folgten ganz farbenfroh die Düfte Bronze und Green. Den schlicht gehaltenen Flakon, der allen dreien zu eigen ist, ziert eine spärlich bekleidete, lasziv (oder, wie ich finde, ein wenig verwirrt) dreinblickende junge Dame, die sich dort, ebenso unschuldig wie lolitamäßig, herumräkelt. Frau de Bary widmete ihre drei Düfte der Göttin, die jeder Frau innewohnt. Aha, in Kombination mit der Flakondame kommt mir (und ich bin sicher, es geht nicht nur mir so) hier natürlich gleich eine ganz bestimmte Art von Göttin in den Sinn: die Sexgöttin. Dieser Eindruck bestärkt sich bei einem Besuch auf Frau de Barys Homepage. Hier ein paar Schlagworte ihrerseits zu den Düften: sensual, naughty, addictive, fragile, bohemian und seductive. Aha, nun ganz ehrlich fühle ich mich als Frau ja irgendwie schon geschmeichelt, dass Frau de Bary mir (sowie Euch, lieben weiblichen Lesern, und sich selbst ja auch) solch eine Wirkung unterstellt. Bisher konnte ich eine solche an mir noch nicht entdecken, aber wer weiß? Vielleicht wirken die Nanadebarys ja Wunder. Also, her damit! :-)

Beginnen möchte ich mit dem Klassiker in Rosa: Classic Pink. Dieser startet recht zitrisch mit Bergamotte und herbem Ingwer, die in eine dichte Melange aus dezent-floralem Jasmin, balsamischem Sandelholz sowie süßlichem Zimt übergehen und im weiteren Duftverlauf auf eine kuschelig-anschmiegsame Basis treffen. Gewürzig, warm, süß und dennoch überraschend zart präsentiert sich die Farbe Rosa.

Der zweite Duft Bronze zeigt sich eher von der fruchtigen Seite, aber auch warm, süß und zart. Im Auftakt noch lebhaft fruchtig-floral entscheidet sich Bronze im weiteren Duftverlauf für die dunkle Seite der Macht, nämlich die Nachtblüher: Tuberose und Jasmin schwingen im Herz des Duftes ihr betörendes Laserschwert (mich hat er jetzt glaube ich langsam erwischt, der Hitzschlag), begleitet von Iris, die erdend zur Seite steht. Zimt und Zedernholz sorgen für eine süß-würzige, aber eher leichte Basis.

Beim dritten im de Bary’schen Bunde ist der Name Programm: Green. Die Farbe der Hoffnung zeigt sich recht schnell, nach einem herb-zitrischen Auftakt, mit aromatisch-grünen Kräuternoten, die von deutlich herausschnupperbarem Kardamom begleitet werden. Zitrische Untertöne und eine gaaaanz subtile Süße sind recht lange im Duftverlauf wahrnehmbar. Frisch, aromatisch, grün und zart – also ideal für die momentane Großwetterlage. :-)

Dieser mag es auch geschuldet sein, dass mir persönlich letzterer im direkten Vergleich mit den anderen zweien am besten gefällt (nach warm-würzig ist mir momentan irgendwie nicht so wirklich). Die anderen beiden muss ich wohl bei kühleren Gelegenheiten noch mal nachtesten. Und wie geht es Euch? Habt Ihr die drei Färbchen schon getestet? Falls ja, welchen favorisiert Ihr?

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie

P.S.: Waaaah, die Duftnoten vergessen! Classic Pink: Bergamotte, Ingwer, Jasmin, Iris, Sandelholz, Vanille, Moschus. Bronze: Mandarine, Ylang-Ylang, Jasmin, Tuberose, Iris, Zedernholz, Zimt. Green: Bergamotte, Cedrat (Citrus Medica), Basilikum, Kardamom, Thymian, Moschus, Vetiver.

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Wer A sagt…

Geschrieben in Duft,Hesperiden am 13.07.2010

…könnte im Hochsommer auch geneigt sein, C zu rufen, wenn nicht gar zu schreien. C? Nicht das hohe C ist gemeint, sondern vielmehr die Energy C-Serie, die Series 8 von unserer omnipräsenten Madame Kawakubo von Comme des Garçons.

Ich mag viele der Series von diesem weiblichen Genius, deren Ideenreichtum ich so sehr verehre und deren Mode ich so sehr liebe. Fasse die Düfte als Konzeptkunst auf, das macht mich sicherlich sehr viel offener für unter anderem die Serien, über welche einige „reine“ Duftfans vermutlich den Kopf schütteln wie zum Beispiel die Series 6 namens Synthetic mit den Düften Garage, Skai und Soda. Nun, es würde sich in jedem Falle lohnen, und das werde ich mir gleich notieren, Euch bei Gelegenheit mal ein paar dieser Serien vorzustellen…

Die Energy C- Series 8 kam 2008 auf den Markt und wurde mit dem Titel „Wake up, feel positive, be positive“ lanciert, beschrieben als „Vitaminrausch in Parfumform“ jeweils auf einer Zitrusfrucht basierend – das kommt dem Ganzen eigentlich ziemlich nahe, würde ich sagen. Vermutlich hätte ich die Düfte mit Missachtung gestraft, Hesperiden, schon wieder, und überhaupt, hätte ich sie nicht geschenkt bekommen. Als guter Schwabe (be)nutzt man Geschenke ja dann auch – und siehe da, die drei Wässerchen stimmen das Gemüt wirklich fröhlich, wirken annähernd aromatherapeutisch. Gerne bitte einzusetzen bei Temperaturen jenseits der 30 Grad, bei denen ohnehin fast nichts mehr Spaß macht – diese Düftchen aber sind echte Happy-Macher.

Bitte erwartet jetzt nichts über die Maßen Komplexes. Das sind sie nicht. Aber – man darf das Trio auch nicht unterschätzen – man bekommt in jedem Falle mehr, als draufsteht: Schlicht monothematisch wäre schon wieder zu einfach gewesen. Drei an der Zahl sind es also an der Zahl – Grapefruit, Lime/Limette und Lemon/Zitrone.

Grapefruit war mein anfänglicher Favorit – habe ich ohnehin eine Affinität für jenes säuerliche Obst. Und in der Tat ist das hier ein ganz besonderes Früchtchen: Frisch aufgesprüht wallt sie einem gleich entgegen, eine Grapefruit, für mein Empfinden pink, frisch, saftig, säuerlich. Diese sieht sich alsbald begleitet von herber schwarzer Johannisbeere – ein schönes Team, welches von subtilen floralen Anmerkungen eingerahmt wird. Der Duftverlauf unterstreicht die Früchte auf weiche, nicht näher zu identifizierende Weise und verwandelt den Duft in etwas, was äußerst selten in Verbindung mit Grapefruit vorkommt: Einen Wohlfühlduft, frisch und angenehm, aber auch äußert „cozy“. Die Ingredienzen: Kopfnote: schwarze Johannisbeere, Pink Grapefruit, Petitgrain; Herznote: Jasmin, Neroli, Mandarine; Basisnote: Moschus, Moos, Iris.

Die Limette ist wieder Erwarten mein jetziger Favorit: Frisch, dynamisch und in der Kopfnote eine echte Limettenexplosion, entwickelt sich dieses Düftchen nicht großartig weiter sondern verbleibt spritzig-frisch und zitrisch-prickelnd mit deutlicher Limettendominanz und entwickelt eine verhaltene Süße, die absolut fröhlich stimmt. Der Duft erinnert mich an – guten, sehr guten Caipirinha. Selten, aber wahr. Die Ingredienzen: Kopfnote: Limette, Bergamotte, Zitrone; Herznote: Wasserjasmin, Teerose, Lilie; Basisnote: Moschus, Zeder, Ambra.

Das Zitrönchen ist ein würdiger Vertreter seiner Sorte: Auf den ersten Blick – Zitrone pur. Schaut oder besser: riecht man genauer hin und würdigt den Duft eines zweiten, dritten, vierten Schnupperers, wird man alsbald erkennen, das sich hinter dieser Zitrone ein annähernd meditativer Duft verbirgt: Bergamotte stiftet leichte Herbe und dezente Kardamomwürze tritt sacht hervor, während Angelika krautige Anklänge beiträgt und harzig-holzige, aber sehr leichte Weihrauchschwaden durchs Bild ziehen, von rauchigen Vetiverakzenten unterstrichen. Sehr schön. Und je länger ich daran rieche, vielleicht dieses Jahr mein Favorit. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Limette; Herznote: Kardamom, Angelika (Engelswurz), Weihrauch; Basisnote: Moschus, Vetiver.

Die Düfte Grapefruit und Lime sind im übrigen von Antoine Lie, die Zitrone von Nathalie Feisthauer.

Eine nette kleine, aber feine Serie zu einem moderaten Preis – 35 Euro pro Fläschchen. Die Haltbarkeit ist leider, wie bei zitrischen Düften oft der Fall, nicht wirklich gegeben. Ich für meinen Teil habe diesen Anspruch aber auch nicht an Eau de Colognes oder reine Zitrus-Eau de Toilettes. Die Energy C Serie hat bei mir diesen Sommer einen festen Platz im Kühlschrank. Kein empfehlenswerter Platz für Düfte, da sie Temperaturschwankungen auf Dauer nicht gut vertragen – hier ist es mir aber egal: Ich gedenke, sie ohnehin alsbald aufzubrauchen und sprühe sie gerne und oft den ganzen Tag nach – eiskalt und somit perfekt erfrischend.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike, die sich heute für C wie Zitrönchen entschieden hat.

Bildquelle: Grapefruit – Pomelo 2 von Tamara Fanta, Caipirinha Cocktail 3 von Simeon Eichmann, beides via stock.xchng – vielen lieben Dank!

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„Wenn der Frühling kommt…

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges,Grünes,Holziges am 12.07.2010

dann schick ich Dir Tulpen aus Amsterdam“, trällerte es in den 70er Jahren aus so manchem Radio. Ja, die bunten Frühlingsblüher sind in den Köpfen der Menschen immer noch genau so fest mit den Niederlanden verbunden wie Fleischtomaten, Gouda, Frau Antje, Clogs und Windmühlen (oder so wie Hape Kerkeling mit Königin Beatrix). Und diese Assoziation kommt nicht von ungefähr: aus den Niederlanden stammt etwa 80% der globalen Jahres-„Produktion“ an Tulpen.

Tja, aber die Zeiten ändern sich. In einer Welt, in der der Fernsehanschluss nur noch digital, dafür aber der Käse analog ist; in der der Normalbürger seinen täglichen Flüssigkeitsbedarf nicht mehr über wässriges Treibhausgemüse deckt, sondern stattdessen hyperdietätische Softdrinks oder stilles Vulkangestein-Mineralwasser zu sich nimmt (hehe… ich selbst bin hier ein blühendes Beispiel); in der die TV-Dinosaurier Frau Antje, Frau de Mol und Frau Amado schon seit Urzeiten von unserer hiesigen Mattscheibe verschwunden sind und sich dafür unzählige, prima an die neuen Fernsehunterhaltungsbedingungen angepasste Casting-Reality-Doku-Shows im TV-Programm durchsetzen konnten (tja, die Evolution ist nicht aufzuhalten); in der Hape Kerkeling (leider) nur noch als Gisela respektive Werner in Werbespots für Anrührkaffee zu sehen ist; ja, in einer solchen Welt kommen Tulpen auch nicht mehr zwingend aus Amsterdam.

Ein besonders hübsches Exemplar fand zum Beispiel erst vor ein paar Wochen seinen Weg aus Stockholm zu mir. Und das, obwohl die Tulpenzeit doch da schon längst vorbei war. Doch diese ach so kurze Zeit des Frühjahres, wenn es in sämtlichen Vorgärten, Super- und Wochenmarkteimern nur so vor Tülpchen wimmelt, wurde durch die Lancierung des neuen Byredo-Duftes La Tulipe, zumindest olfaktorisch, verlängert. Herr Gorham, dessen Vorgängerdüfte die gute Uli ja bereits vorgestellt hat (zum Beispiel hier und hier und hier), war nach eigener Aussage schon seit jeher ein Freund der Zwiebelpflanze, so lag die Idee eines eigenen Tulpenduftes für ihn nahe. Augenmerk legte er hierbei nicht unbedingt auf eine möglichst authentische Umsetzung, sondern vielmehr:

„La Tulipe is built around the idea of the tulip – a flower reminiscent of morning moist gardens and by being one of the season’s first flowers to open its bud; the tulip has become a symbol for the rebirth of spring.“

Die Wiedergeburt des Frühlings soll er also einfangen. Schade, dass ich erst vor ein paar Wochen seiner habhaft werden konnte. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte ihn bereits im März geschnuppert, als hier noch alles unter einer eisigen Winterdecke lag und es nicht so aussah, als ob es überhaupt jemals wieder einmal Frühling werden würde…. ja, ich glaube, ich hätte mit und durch La Tulipe neue Hoffnung geschöpft. Tja, so musste ich mir in des Märzens Iden ohne diesen wunderbaren Duft warme Gedanken machen. Und schließlich hat es der gute Zephyr ja doch noch geschafft, uns den Lenz hierher zu wehen, den wir jetzt schon seit geraumer Zeit genießen dürfen. Und so sitze ich nun in der nachmittäglichen Julisonne, vor mir die Byredo’sche Tulpe und schnuppere vor mich hin.

Hier schon einmal die Duftnoten: Rhabarber, Alpenveilchen, Freesie, Tulpe, Hölzer, Vetiver.

Leicht zitrisch im Auftakt, was ich ob der säuerlichen Fruchtigkeit dem Rhabarber zuordnen würde, wird es plötzlich floral. Noten von… ja, von was eigentlich? Intuitiv muss ich an Flieder denken, wobei ich im direkten Vergleich mit Frau Giacobettis En passant wieder ein wenig davon Abstand nehme. Allerdings mit Vorbehalt, denn En passant ist natürlich ein weitaus filigraneres, zarteres und dezenteres Kaliber als die Stockholmer Tulpe. Aber dennoch: die Authentizität des Fliederduftes in En passant (und diese ist wirklich vorhanden, wenn ich mich an all die duftenden Fliederdolden in den Lindauer Vorgärten erinnere, in die ich noch vor ein paar Wochen jauchzend und juchzend meinen Rüssel zum Schnuppern hing) lässt einen direkten Vergleich zu und so muss ich die Byredo’sche Ingredienzienangabe bestätigen: kein Flieder in der Tulpe. Was mir hier so einen vorfliedert ist wohl vielmehr die Freesie, die sich satt und wuchtbrummig im Duftverlauf breitmacht und diesen, einmal geentert, auch nicht mehr freigibt. Gleich einem tanzenden Derwisch tollt sie süßlich-flirrend durch den Duft, stets begleitet von den für sie typischen aquatischen Tendenzen. Grünliche Noten, die möglicherweise der Tulpe geschuldet sein könnten, schwirren mit in dem floralen Ringelreihen und bringen diesen schließlich auf den hell-holzigen Boden der Tatsachen zurück.

Ja, das Stockholmer Tülpchen ist wirklich ein hübscher und überraschend lang anhaltender Duft. Wie ein intensiv duftender Frühlingsstrauß zaubert er ein Lächeln auf’s Gesicht, sorgt für gute Laune und induziert Frühlingsgefühle. Der namentliche, sehr konkrete Bezug auf eine bestimmte Blume, nämlich die Tulpe, mag angesichts des tatsächlichen Duftes für Verwirrung sorgen, aber da selbige ja nach Herrn Gorham eher sinnbildlich zu betrachten ist, kann man da geflissentlich ein Auge zudrücken. Ich jedenfalls freue mich sehr über das Düftchen, werde es auch gewiss den Sommer über das ein oder andere Mal tragen, mir aber sicherlich ein paar Sprüher aufheben, um mich im Februar nächsten Jahres durch La Tulipe daran erinnern zu lassen, dass der Frühling ganz bestimmt irgendwann kommen wird und mit ihm auch die ersten (echten) Tulpen. :-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Tulpen von John O’Neill – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 9.07.2010

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche am Freitag wollen wir ein paar Duftprobenpakete loswerden. Wer eines haben will, schreibt uns eine Mail an info@ausliebezumduft.de, nennt uns seinen Namen und seine Adresse sowie einen diese Woche rezensierten Duft. Wenn Ihr das bis So, 24 Uhr, vollbringt und ein bißchen Glück habt, dann könnt Ihr einer der Gewinner sein.

Letzte Woche hatten folgende Personen Glück: Gaby K., Anna W., Karin K., Marika B. und Dominika W. – letztere hatte einen besonders guten Draht zur Fortuna – ihr gehört nun auch die Figue Amère-Kerze von Miller Harris. Herzlichen Glückwunsch!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

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Sommerzeit die Dritte.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Grünes,Hesperiden,Holziges am 9.07.2010

Beim Schreiben der Artikel dieser Woche mußte ich dann doch einigermaßen verwundert feststellen, daß ich mehr Sommerdüfte in meinem Schränkchen habe, als ich eigentlich erwartet und vermutet hatte… Und es sind immer noch einige übrig, die ich Euch nicht vorenthalten mag…

Zwei Gesellen der Hesperidenfraktion hatte ich vollkommen außer Acht gelassen – keine Ahnung warum.

Bei der Nummer eins ist der Name Programm: Mandarine Tout Simplement. Ganz simpel: Mandarine, nicht mehr und nicht weniger. Ist mir manchmal zu wenig, ist aber auch manchmal auch ganz genau richtig. Frau Giacobetti hat hier einen sehr leichten, leider nicht sehr haltbaren, aber absolut authentischen Mandarinenduft geschaffen – ein paar Mandarinensorten, ein Hauch Ingwer und ein wenig unaufdringlicher Moschus in der Basis – fertig. Riecht exakt wie eine frisch angebissene Mandarine, die einem vor lauter Saftigkeit ihr Fruchtfleisch entgegenschleudert.

Nummer zwei ist der Traumgarten überhaupt, das Paradies von Jean-Claude Ellena: Un Jardin en Méditerranée von bzw. für Hèrmes. Die meisten werden ihn kennen, deshalb lohnt es eigentlich nicht, der Worte viel zu verlieren: Eine grüne Feige im Duett mit zitrischen Noten, fein abgestimmt mit floralen Anklängen sowie kräuterigen Noten und einer subtil-holzigen Basis. Ein Klassiker und immer wieder, so oft man ihn auch riechen mag, etwas Besonderes.

Fruchtig geht es weiter mit einem Düftchen, das mir eigentlich auf den ersten Blick nicht hätte gefallen dürfen: Bahiana von Maître Parfumeur et Gantier. Bahiana, benannt nach den Frauen Bahias, dieses brasilianischen Bundeslandes, inspiriert durch deren lateinamerikanische Lebensfreude – ganz ehrlich? Ich mußte sofort, „Stille Tage im Klischee“, an Karneval denken und an pappsüße alkoholische Cocktails… Weit gefehlt. Bahiana vermittelt zwar durchaus tropisches Flair, und das nicht zu knapp – jedoch mangelt es dem Duft nicht an jener für MPG typischen Komplexität, darüber hinaus besitzt er einen Vorzug, den man nicht vielen exotisch anmutenden Düften nachsagen kann: Er ist erwachsen, sehr erwachsen. Im Auftakt mit spritzig-prickelnden frischen Hesperiden, genauer: Orange, Mandarine und Limone aufwartend überzeugt Bahiana im Herzen mit Grün-Floralem (Tagetes und Blattgrün) sowie einer wuchtig-saftigen Ananas, die zwar nirgends angegeben, aber in jedem Falle zu riechen ist. Die Basis untermalt den Duft cremig-zart mit feinen Harzen, einem Hauch trockener und nicht über die Maßen süßer Kokosnuss sowie Moschus und verschiedenen Hölzern. Für Männlein wie Weiblein gleichermaßen tragbar, ein echter Happy-Duft und dabei trotzdem raffiniert und, ja – edel. Selten für einen Duft dieser Art.

Wem Bahiana nicht genug Kokos offeriert, wer aber trotzdem nach einem nicht ganz herkömmlichen Südseedüftchen sucht, dem sei Creeds Virgin Island Water empfohlen: Für die Engländer und ihre ansonsten sehr klassischen und typisch britischen Düfte ziemlich modern, ist ihnen hier ein hübsches Exotensommerdüftchen gelungen mit Ananas und prominenter Kokosnuss, der trotz der eher jugendlicheren Ingredienzen erwachsen und durchaus elegant wirkt.

Creed hat noch eine weitere Ausnahme im Programm: Erolfa. Für mich einer der einzigen, als „aquatisch“ zu bezeichnenden Düfte, den ich tragen kann. Die Namensschöpfung, das ganz am Rande, setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der Familie von Olivier Creed: Seinem Sohn Erwin, seiner Tochter Olivia, und deren Mutter Fabienne. Was soll ich sagen? Die Mitglieder der Familie müssen passionierte Segler sein. So, genau so, stelle ich mir (als Nichtsegler) einen Segeltörn im Mittelmeer vor: Zischende weiße Gischt, ein wenig krautig durch den Seetang, bricht sich am Rand des spiegelweißen Seglers, knallblaues Wasser, die Sonne scheint, der Wind weht – was will man mehr… Ok, zugegeben – ein bißchen klischeehaft diese Vorstellung, aber trotzdem schön. Erolfa vermittelt exakt jene Impression. Die Ingredienzen: Zitrusfrüchte und Bergamotte im Kopf (ich wette, da sind auch Mandarinen dabei), krautige Noten im Herzen und Ambra in der Basis.

Original Vetiver von Creed ist nun, wie soll ich sagen, alles – nur kein Vetiver. Nachdem ich dieser Tage mal wieder in Herrn Turins Perfumes – The Guide geblättert habe, wundert es mich nicht, daß er ihn nicht mag (was nicht immer ausschlaggebend ist und erst recht nicht so sein muß), mich wundert aber sehr, daß als Kurzzusammenfassung, wie er es immer gerne neben den Namen stehen hat, nicht zwei Worte stehen: „Not Vetiver“. Creed beschreiben ihren Vetiver folgendermaßen:

„True to its name, Original Vetiver is a dramatic re-invention of a vetiver-based scent. Whereas traditional vetiver fragrances are derived from the roots of the plant, Original Vetiver achieves a new and natural, original freshness by infusing the vetiver leaves into the blend.“

Was auch immer, wie auch immer: Erwartet man hier einen Vetiver, eine spezielle Facette desselben herausgearbeitet, interpretiert – man wird schwer enttäuscht sein. OV ist weder wirklich zitrisch-grasig-frisch noch erst recht nicht rauchig-herb. Weshalb stelle ich den Duft dann hier vor? Weil ich ihn trotzdem ganz wunderbar finde – wenn man sich eben von jeglicher Vetivererwartung freimacht. Stellt Euch vor, Ihr liegt auf einem knackig grünen englischen Rasen, Euch kitzelt das frische grüne Gras in der Nase und die Sonne scheint auf Euch, wärmt langsam Eure Haut, die Ihr Euch in weiser Voraussicht mit Sonnencreme eingeschmiert habt, und läßt den Geruch der sanft angewärmten Sonnencremehaut mit demjenigen frisch gepflückten Gräser verschmelzen – das dürfte ein ungefähr authentisches Bild unseres Original Vetiver wiedergeben. Insofern verzichte auch auf die Noten, die Creed dafür angibt – diese führen meines Erachtens nach nur in die Irre…

Nun aber möchte ich Eure Meinungen hören – zu den vorgestellten Düften, zu meiner kleinen Garderobe, zu Eurer Sommerausrüstung!

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Orange Slice von abcdz2000, Pearl von Clinton Cardozo, Badum’s Sails von Juandescal, alles via stock.xchng – vielen lieben Dank!

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