Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Come Fly With Me

Geschrieben in Kosmetik am 18.06.2010

Der ewig-öde Streit, ob Hamburg, Berlin oder München am Tollsten ist, hat einen Schiedsrichter gefunden: Das Berliner Kosmetik-Label „Uslu Airlines“. Denn eine Stadt, aus der die schlichtweg coolsten Beauty-Produkte des Landes kommen, liegt im City-Ranking auf meiner Skala ganz weit oben. Buchen Sie also einen „Flug“ mit Uslu Airlines, der angesagtesten Marke dieses Sommers. Destination: Beautiful.

An dieser Stelle habe ich bereits ein paar Mal darüber sinniert, dass meiner Meinung nach die Zukunft im Airbrush-Make-up liegt. Die Marke „Kryolan“ (DER Profi für Theater-Schminke) hat hier für Deutschland schon vor Jahren die Latte hoch gehängt und ein kleines Heim-Gerät entwickelt, mit dem man sich einen hauchdünnen Farbfilm auf das Gesicht sprühen kann. Dior zog nach, mit einer Foundation aus der Sprühdose, die im Grunde wie ein Deo-Spray aussieht und eben die Idee des Airbrush im ganz Kleinen probt. Nun las ich zufällig, dass sich ein kleines Berliner Kosmetik-Unternehmen ebenfalls mit der Idee des Spray-On beschäftigt: „Uslu Airlines“.

Wenn ich sage, kleines Unternehmen, dann meine ich eigentlich: ein Rising Star! Ein Überflieger-Projekt. Denn die Marke Uslu Airlines ist seit ihrem Take-off vor ein paar Jahren wie ein (Lufthansa-) Kondor aufgestiegen zu einer echten Szenegröße und verzückt Promis, schenkt alteingesessenen Beauty-Redakteurinnen ein freudiges Glitzern in den Augen und verschönert mittlerweile so ziemlich alles, was den Machern des Hauses unter die Finger kommt.

Aber langsam, beginnen wir von ganz vorne:

Uslu Airlines rollte das erste Mal 2003 auf die Startbahn der Beauty-Szene. Im Cockpit sitzen die türkischstämmige kreative Chefin Feride Uslu und ihr cleverer „Copilot“ und Lebensgefährte Jan Mihm, der vor allem die Zahlen und Fakten im Auge hat. Ein Winning-Team, wie sich schnell zeigen sollte. Vom Start weg machten die „Airflow“-Produkte der Marke Furore, ein System mit dem Feride bereits Ende der 90’er Jahre als Make-up-Artistin viel Erfahrung gesammelt hatte. Nur blöd, dass es so ein Airbrush-System so gut wie nirgends für zuhause zu kaufen gab! Gute Idee, dachten sich die beiden Firmengründer, machten sich an die Entwicklung – et voilà: Am 13.01.2003 wurde das erste Produkt bei „Colette“ in Paris verkauft. Der erste Riesenerfolg kam aber mit Nagellacken. Mit Farben, wie man sie bisher nicht kannte, die aber seither regelmäßig sogar von den ganz großen internationalen Marken kopiert werden (ich will jetzt mal keine Namen nennen…). Ich finde alleine schon die Namensgebung zum Niederknien genial. Statt von Produkten spricht die Marke von „Destinations“, wie man es aus dem Flugverkehr eben kennt. Und so tragen die umwerfend coolen Nagellacke konsequenterweise schicke (und manchmal völlig fremd anmutende) Namen von Flughäfen dieser Welt, inklusive der gebräuchlichen Drei-Buchstaben-Kürzel wie CDG (Charles-de-Gaulles, Paris) oder THF (Berlin Tempelhof). Die Farben? Von silber-schimmernd bis neongelb alles dabei.

Es geht aber noch cooler:

Unter dem Motto „The Colour of Sound“ holte sich Uslu vier DJs mit an Bord, die ihren eigenen Nagellack entwerfen durften: Von den Rollerboys gibt es ein pastelliges Lila („JMK“), von DJ Fetisch ein silber-metallisches „THF“, von Headman ein wirklich super-trendiges Hellblau, und – mein Favorit – von Busy P. ein zartgelb („PSG“), das im Dunkeln leuchtet! Mit in der Packung: eine Club-Mix-CD des jeweiligen Plattendrehers.

Das ist Kosmetik für das 21. Jahrhundert!

Wer rund um den Globus unterwegs ist, weiß, was Frauen überall auf der Welt sich wünschen: Makellosen Teint und ganz viel Spaß am Leben! Vor ihrer Zeit bei Uslu lebte Feride in New York, experimentierte auf Modenschauen und bei Fotoshootings mit Farbe und Textur von Make-up. Ihr Ziel: Ein perfekter Teint ohne maskenhaft zu wirken. Dieser „Au naturel“-Look mit knalligen Farben auf Lidern, Lippen und Nägeln wurde so etwas wie ihr Markenzeichen.

Feride Uslu entdeckte für sich bei ihrer Arbeit das Airbrush-System. Eine Farbpatrone einlegen und mit der kleinen Spritzpistole eine hauchdünne Schicht aufsprühen, fertig.

Aber warum der Name und das Spiel mit dem Wort „Airlines“? Weil Uslu Airlines die Welt des Make-ups so verändern möchte, wie Flugzeuge einst den internationalen Verkehr revolutionierten. Traumziele wurden auf einmal erreichbar, ob Hawaii, Indien oder die USA. Alles ist möglich. Jet-Set? Den gibt es nicht mehr. Heute kann sich jeder das Fliegen leisten und reist um die Welt. Und so stellt sich Uslu das auch mit Airflow-Make-up vor: In einigen Jahren, so prophezeit die Firmen-Chefin (und ich schließe mich ihrer Meinung an), wird ein Airbrush-System im Bad so selbstverständlich sein wie wir heute einen Last-Minute-Flug in die Sonne buchen.

Wer einen Eindruck von dieser neuen Airbrush-Welt bekommen möchte, muss nur mal auf Youtube nach Uslu suchen. Es gibt dutzende Videos. Kleiner Vorgeschmack gefällig?

Selbstbewusst, nicht wahr? Aber der Erfolg gibt der Marke recht. Im Moment noch ein Szene-Label, dessen Farbcodes sich die Schönen und Coolen auf Flash-Mob-Veranstaltungen und Underground-Partys zuflüstern, bin ich doch fest davon überzeugt, dass die Geheimtipp-Marke bald aus dem Beautymarkt nicht mehr weg zu denken ist. Schon heute verkauft Uslu über 180 „Destinations in mehr als 170 Ländern“. Das ist mehr, als Lufthansa, British Airways oder Air France bieten können, prahlen die Macher auf ihrer Homepage mit einem Augenzwinkern.

Zu erwähnen wären da übrigens noch unbedingt die Concealer der Marke. Sehen aus wie Lippenstifte, enthalten ganz viel Vitamin E, dafür aber keine Duftstoffe. Das macht sie superverträglich und pflegend, und sie decken perfekt ab ohne zu schmieren. Und jede Frau, die mit kleinen Unreinheiten oder Augenschatten zu kämpfen hat, weiß, wie schwierig ein guter Concealer zu finden ist! Zumal es bei Uslu nicht nur die üblichen hell-mittel-dunkel-Schattierungen gibt, sondern gleich acht tolle Nuancen, so dass jeder Hautton seine perfekte Farbe findet.

In den Anfängen der Marke machte Uslu mit Stickern auf sich aufmerksam, die sie bei Fashion Shows verteilten, mittlerweile führen die besten Shopping-Adressen der Welt ihre Produkte: „Colette Paris“, „Apropos“ Köln, „Corso Como 10“ Mailand oder das „Quartier 206“ in Berlin. Und Uslu hat keinesfalls vor, einen Zielflughafen anzusteuern. Die Reise-Flughöhe ist noch lange nicht erreicht! Mit den Designern von „Mykita“ entwarf das Berliner Team eine Sonnebrillen-Kollektion (die „Mykita Uslu Airlines Aviator Glasses“), eine Zusammenarbeit mit der Schmuckdesignerin Sabrina Dehoff soll Klunker mit integriertem Make-up auf den Markt bringen, und natürlich ganz viel Fashion (etwa T-Shirts in Kooperation mit „KassoforKasso“).

Das klingt jetzt alles super-modern und trendy, aber droht dann nicht immer eine Wolke der Oberflächlichkeit den Flug in Turbulenzen zu bringen? Nein. Denn Uslu beweist auch hier, wie schlau die Marke konzipiert ist. Denn die Nagellacke der „BBB“-Kollektion (die berühmte „Bread & Butter Berlin“-Modenschau) unterstützen auch noch ein Charity-Projekt. 90 Cent pro Fläschen gehen an die „Arche Berlin“, ein christlicher Verein, der armen Kindern und jungen Menschen hilft. Elf rasante Farben, von orange (BBE – Big Bell Australia) bis schillernd-pink (BBQ – Codrington Antigua). Sieht klasse aus und hilft Menschen, denen es nicht so gut geht. Nochmal: Wie cool ist das!?

Lassen Sie mich Ihr Flug-Lotse sein und besorgen Sie sich den vielleicht besten Nagellack der Republik. Oder einen Lippenstift, ein Airbrush für zu Hause, ach ganz egal, shoppen Sie alles, was Ihnen Spaß macht. Einchecken und abheben, würde man im Flugjargon wohl sagen. Hauptsache Sie verpassen nicht Uslu Airlines. Denn diese Marke wird Geschichte schreiben. Beauty-Geschichte. Und wir sind live dabei.

Ihr Constantin Herrmann.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Keine passenden Artikel gefunden

Edelmetall.

Den Edelmetallen sind die beiden neuen Düfte von Profumi del Forte gewidmet, genauer: Gold und Platin, Namenspaten und Inspirationsquellen für die zwei Ergänzungen, die Fortsetzung(en) der Versilia-Linie.

Gewohnheitsmäßig hat der Chefparfumeur wieder Einblicke in sein Tagebuch gegeben, welches den wahren Poeten in ihm zutage fördert – das Pressematerial ist wie immer wortgewaltig ausgefallen:

„Gold und Platin: Tag und Nacht. Männliches Ego und weibliche Essenz. Das Offensichtliche und das Geheime. Glänzendes Gold von edler Reinheit. Archaisches Platin, geheimnisvolle Alchemie.“

Und weiter:

„Aurum und Platinum sind in Duft gefasste Freude, brillante Parfums, duftende Goldbarren der Eleganz von Versilia, in einer limitierten Auflage.“

Soviel zum allgemeinen „Rezept“. Nun aber zu den beiden Düften.

Versilia Aurum liest sich wie ein sommerlicher fruchtig-floraler Charmeur mit seinen Ingredienzen: Kopfnote: Orange, Pflaume, Erdbeere; Herznote: Herznote: Rose, Jasmin,Tuberose, Maiglöckchen, Ylang-Ylang, Iris, Sonnenblume, Orchidee; Basisnote: Vanille, Tonkabohne, Perubalsam, Tolubalsam, Sandelholz, weißer Moschus, Ambra.

Des Parfumeurs Intention war diejenige eines Alchimisten – der Versuch, den Geist des Goldes einzufangen und olfaktorisch wiederzugeben:

„Ich habe eine lange Zeit ausprobiert: Ich erforschte, roch, kreierte und sortierte Dutzende von Duftmischungen auf meiner Suche nach dem Parfum aus, das den Geist dieses allerwertvollsten Metalls, des Goldes, wiedergeben würde. Ein Duft, der kostbar ist, aber nicht anmaßend oder überheblich wirkt. Am Ende habe ich, glaube ich, den richtigen Weg gefunden – mit einem Mix aus süß und warm, einer zarten Balance zwischen Früchten und Blumen, Hölzern, Harzen, Meeresbrisen und aphrodisierenden Erinnerungen. Mein Aurum ist ein Juwel, der mit Stil an den süßesten Sommerabenden getragen werden soll.”

Aurum ist meines Erachtens nach ein perfekt weiblicher Duft, dem ein sehr sinnliches Moment innewohnt. Im Auftakt dominieren Fruchtnoten, vor allem saftige Orange macht sich bemerkbar, erscheint aber bereits ambriert sich auf einem harzig-warmen Lager präsentierend. Begleitet von Pflaume – eher mehr – und Erdbeere – eher weniger – gesellen sich alsbald die Blumen zu dem fruchtigen Stilleben: Erwachsene Iris, pudrig und mit dezenten erdverbundenen Anklängen sowie cremige Weißblütler, allen voran Orchidee. Die Harze zeigen eine allumfassende Präsenz, sie hüllen den Duft sowie auch den Träger wohlig-warm ein und offerieren Noten von Vanille und einer Ahnung von Mandel.

Ein sinnlicher Wohlfühlduft und sehr „comfy“, vor allem die omnipräsente Basis ist weich, warm und fluffy, überzeugt durch ihre orientalische Süße, die aber nie too much ist und durchaus erwachsen zu wirken versteht. Will sagen: Hier erwartet einen keine girlieske florale Süßigkeit mit quietschigen Fruchtnoten, ganz im Gegenteil.

Mir persönlich beschert Aurum in der Tat solches Wohlgefühl, daß ich mir durchaus überlege, ihm einen Platz in meiner Sammlung einzuräumen – selten für einen solchen Duft, weil eigentlich absolut nicht mein Beuteschema.

Ganz meinem Beuteschema entsprechend und somit heißer Kandidat für einen neuen Frühlings-/Sommerduft ist für mich Platinum. Versilia Platinum ist, der Name sagt es schon, einem anderen Edelmetall gewidmet, dem Platin. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Grapefruit, Rosa Pfeffer, schwarzer Pfeffer, Rhabarber, Myrrhe; Herznote: Geranium, Freesie, Magnolie, Rose, Maiglöckchen; Basisnote: Vanille, Strohblume, Eichenmoos, Weihrauch, Zedernholz, Vetiver, Patchouli.

Was hat uns hierzu das Tagebuch zu sagen?

„An dem Tag, als ich die Gipfel der Apuanischen Alpen erreichte, versunken in die Betrachtung des Meeres, war ich gefangen zwischen ganz unterschiedlichen Welten, die ich mit einem Blick umfassen konnte: die brennende Sonne auf den Stränden und die glasklare Spiegelung der Marmorberge hinter mir, das intensive Blau des tyrrhenischen Meeres und das starke Grün der Kastanienwälder, die fließende Schönheit des Strandes im Sommer und die ewige Schlichtheit dieses glühend heißen Teils von Versilia. Ich stellte mir den Charme eines Parfums vor, das die Landschaft mit ihren weit auseinander liegenden Stimmungen, geschmeidig und mysteriös, bekannt und doch anders als jedes andere Parfum umfasst. Ein einzigartiger Duft, wie das kostbarste der Metalle, das Platin.’’

Und weiter:

„Einzigartig und kostbar. Das Feuer der ewigen Gegensätze: Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Tag und Nacht, Gold und Silber. Der Duft beginnt frisch und würzig mit Zitrusnoten, wird reichhaltig mit blumigen Aromen – Geranium, Freesie, Rose, Maiglöckchen…..und schlussendlich warm und intensiv. Er erinnert an die hölzernen Töne von Zedern, die trockene Note des Vetiver und die exotische Note von Weihrauch und Patchouli. Ein starkes und doch rätselhaftes Parfum.“

Ganz ehrlich? Anfänglich war dieser Duft für mich nur der Noten wegen halbwegs interessant, halbwegs. Und ich war ehrlich überrascht von dem wundervollen Resultat, sowohl auf dem Teststreifen als auch auf der Haut.

Ambivalenz und Unikatcharakter, diese Worthülsen, um die man wohl nicht drumherum kommt in einem anständigen Text und derer ich mich auch ab und an bediene, wie ich zugeben muß. Hier sieht man aber meines Erachtens nach einmal mehr, wie nichtssagend letzteres Textchen ist. Ein frisch-würziger Auftakt mit zitrischen Noten, ergänzt von einem floralen Herzen und ein paar Harzen und Hölzern in der Basis. Ein Irgendjemand oder besser: ein Jedermann.

Das ist Platinum aber absolut nicht. Es erwartet einen hier ein sehr eigenständiger Charakter mit einer sehr großen Anziehungs- und Strahlkraft. Die Kopfnoten sind in erster Linie geprägt durch zwei sehr dominante Früchtchen: Ausgeprägte herbe Rhabarberfrische und säuerlich-prickelnde Grapefruit, gepfeffert serviert und dezent von Myrrhe untermalt. Meine Nase nimmt bereits den aus der Basis nach vorne drängenden ungestümen Vetiver war und bis weit ins Herz erinnert mich der Duft an dieser Stelle an eine komplexere Variante meines geliebten Sel de Vétiver von The Different Company, nur eben angereichert mit einer kräftigen Portion Rhabarber, sehr authentischem und somit seltenem im übrigen. Verhalten kommen alsbald besagte Blüten ins Spiel, von denen ich allerdings lediglich das gleißende Geranium herausrieche sowie später die eigentümliche Würze der italienischen Strohblume, auch Immortelle genannt. Anfangs eher kühl, frisch und herb-fruchtig gewinnt der Duft mit seinem Verlauf an Ruhe und Wärme. Letztere entsteht vornehmlich durch die Hölzer in der Basis in Begleitung von Weihrauch und Patchouli, was dafür verantwortlich ist, daß diese Form der Wärme eine eher kühle Variante ist. Ein Oxymoron, eigentlich, ich weiß – aber vielleicht versteht ja trotzdem wer, wie ich das meine ;)

Für mich waren die beiden Düfte der Kollektion eine echte Überraschung muß ich gestehen. Bisher haben mir alle Düfte gefallen, gelungen beherrschte Handwerkskunst, allerdings nichts dabei, daß ich unbedingt hätte haben müssen. Für mich ganz persönlich zu viele Hesperiden, da habe ich schon meine wenigen Lieblinge, mal ein schöner Ambraduft, damit bin ich auch schon versorgt, schöne feminine Düfte – die kommen für mich oft nicht in Frage… Zugegeben, by Night Black wäre vielleicht noch etwas, ja… Diese neuen beiden Düfte aber lassen mich regelrecht ins Schwärmen kommen – ich finde sie nämlich ziemlich herausstechend und vor allen Dingen auch wirklich sehr aussagekräftig.

Ich bin sehr gespannt was Ihr von den beiden Schätzen haltet – laßt es mich wissen bitte!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Alles neu macht der Mai…
Duftverzeichnis L – Z


Von der Schwierigkeit, einem Mann etwas zu schenken.

Geschrieben in Allgemein,Duft am 16.06.2010

1. Natürlich ein Duft.

2. Aber welcher? Eine Typologie!

Und 3. Andy Tauers neuer Coup: „Orange Star“

Vor kurzem wurden in Berlin mal wieder die „Duftstars“ verliehen. Sozusagen die Jahresfeier der Beauty-Welt. Chefredakteure, Beauty-Experten, Mode-Designer und die Entourage der großen Duft-Hersteller feiern gemeinsam eine rauschende Party. Soweit jedes Jahr das Gleiche. Sehr lustige Nebenbeobachtung dieses Jahr: Ein Kamerateam interviewte prominente Gäste (Schauspielerinnen und Co.), was sie über Parfums als Geschenke denken. Und prompt, dem Anlass zum Trotz antworten alle einmütig: „Bitte keine Parfums verschenken. Das wäre schrecklich. Schmuck und Kleidung kämen viel besser an.“ Aha. Ist das so?

Ich muss ehrlich sagen, ich verschenke sehr gerne Düfte. Und freue mich jedes einzelne Mal, wenn ich welche bekomme. Das ist keinesfalls so einfallslos wie eine Krawatte oder ein Kochbuch, sondern viel mehr inspirierend! Ich habe schon Düfte bekommen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie mir gefallen. Aber wow, kaum hatte ich sie ausgepackt, war ich begeistert. Und hätte sie sonst vielleicht nie kennengelernt. Woher also diese hartnäckige Mär, dass Parfums zum Verschenken nicht taugen??

Nun ergab es sich, dass ich letzte Woche Geburtstag hatte. Jedes Jahr wieder ein unerfreulicher Anlass, den ich am liebsten ignorieren würde, denn meist bekomme ich Dinge geschenkt, die ich wirklich überhaupt nicht will, und muss trotzdem brav „Danke“ sagen! Und schon die letzten Wochen vor der Geschenkübergabe beginnen alle Freunde und Bekannte damit, mich zu löchern, was ich mir denn wünsche. Ich wünsche mir aber nix. Gar nix. Das ist eben so. Ich hab nämlich alles. Nicht, weil ich in unermesslichem Reichtum schwelge oder generell ein Großkotz bin, sondern weil ich wirklich glücklich und zufrieden mit meinem Leben bin. Das zu sagen nervt aber alle Geschenke-Suchenden, denn eine richtige Hilfe ist das ja nun nicht gerade, zugegeben. Aber ich verstehe das Problem nicht. Denn meiner Meinung nach freut sich ein Mann immer (ich wiederhole: Immer) über ein gutes (!) Parfum. Deswegen ein für alle mal, schwarz auf weiß, hier mein Plädoyer im Namen aller Männer:

Schenkt uns mehr Düfte! Aber bitte nur die Richtigen…

Denn wenn ich „Duft“ sage, meine ich: Irgendwas überraschendes. Nix, was es auch im Supermarkt gibt. Nix, was auf den Top Ten-Listen der örtlichen Drogerie zu finden ist. Sondern eben was Außergewöhnliches. Ich weiß durchaus, dass ich damit den Finger auf die Wunde vieler Geschenke-Suchenden gelegt habe. Denn genau das ist das Schwierige am Präsente-Shoppen: Den meisten fehlt es an Kreativität (und Zeit zum Suchen!). Wie also findet man auf Anhieb diesen einen, den außergewöhnlichen, den „richtigen“ Duft?

Die Antwort ist ganz einfach: Denken Sie in Klischees!

Klischees sind simpel und leicht umzusetzen, sogar, wenn man den Mann noch gar nicht sooo gut kennt, für den es gilt, einen Duft zu finden. Sehen Sie sich doch mal unsere kleine Duft-Typologie der gängigsten Männer-Exemplare an – so treffen Sie ohne Schwierigkeiten den olfaktorischen Nagel auf den Kopf:

- Der Gentleman

Für ihn kommt es nicht darauf an, welche Trends gerade hip oder „in“ sind. Für ihn zählen traditionelle Werte und er liebt Altmodisches, das gilt für Kleidung, Musik und Business. Dann steht er wahrscheinlich auf klassische Düfte mit Holznoten, die trocken und warm, aber sehr markant wirken. Bevorzugte Duftnoten sind wohl Vetiver, Patchouli, Zeder und Leder.

- Der moderne „Lifestyler“

Er blättert durchaus mal Mode-Magazine, weiß was „Loafers“ sind und wie man einen Herrenschal knotet. Und er kriegt gerne Komplimente für seine köstlich-wahrnehmbaren Düfte. Im Grunde ist er am einfachsten zu beschenken, denn dieser Typ Mann findet keineswegs, dass ein Kerl nur einen einzigen Duft benutzen sollte, sondern seine Parfums je nach Tagesform und Anlass gerne abwechseln darf. Über neue Inspirationen freut er sich also immer. Einen Volltreffer erzielen Sie bestimmt mit lässigen Chypre-Düften, also mit einer spritzigen Kopfnote (Bergamotte, Zitrone, etc.), einer blumigen Herznote (Rose, Jasmin) und einem warmen Schlussakkord (Moschus, Amber).

- Macher & Denker

Ob Banken-Boss, Fabrik-Direktor oder Schriftsteller – alle, die viel mit dem Kopf arbeiten und sich ihrer Macht-Position durchaus bewusst sind, werden wahrscheinlich auf Tabak-Noten stehen. Zugegeben, das ist stark vereinfacht, aber tatsächlich ergeben Studien immer wieder, dass Tabak und Macht irgendwie zusammen gehören (siehe Fidel Castro… kleiner Scherz). Alternativ dürfen Sie (wenn der Mann sich gerne den Anstrich des Mysteriösen, Undurchschaubaren gibt) gerne in die Reihe der „Orientalen“ greifen. Etwas Weihrauch, Myrrhe, Zimt stehen diesem Männertypus ebenfalls ganz ausgezeichnet.

- Sportliche Kerle

Die Neid erregenden Männer, die irgendwie ständig am Sporteln sind, morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, nach Büroschluss ins Fitnesscenter springen und am Wochenende gerne Mountainbiken, klettern, wandern oder etwas ähnlich Absurdes tun, für die muss ein Duft vor allem ein Talent haben: Ihnen ständig das Gefühl geben, erfrischt zu sein. Hier führt kein Weg an zitrusfrischen Parfums vorbei. Orange, Limone, Mandarine, notfalls noch Bergamotte oder Petitgrain stehen bei Ihnen ganz oben auf der Favoriten-Liste.

- Die wilden Kerle (soll heißen: Abenteurer)

Sie fahren mit dem Jeep mal eben um die Ecke zum Brötchen holen, haben immer ein Survival-Messer dabei, navigieren mit ihrem GPS-Handy durch die Innenstadt als hätte man sie am Amazonas ausgesetzt und gucken nachts gerne die Sterne an, denn im Grunde wären sie doch am Liebsten Astronaut oder so etwas geworden. Großstadt-Cowboys, die scheinbar von einem inneren Drang erfüllt sind, die große Freiheit zu fühlen… und zu schnuppern. Wer so einen Mann beschenkt, wird seine Augen mit einem exotisch-aromatischen Parfum zum Leuchten bringen. Gewürz- oder Kräuter-Akkorde wie Minze, Salbei und Rosmarin treffen bei ihm ins Schwarze. Gerne auch mit einem Schuss Wild-West-Romantik, sprich Leder.

Alles, was Sie nun noch brauchen ist eine Marke, die für den nötigen Überraschungs-Kick sorgt. Da wird es schon schwieriger. Wer regelmäßig im ALzD-Dufttagebuch liest, kennt natürlich längst die meisten coolen Independent-Marken, die es zu erschnuppern lohnt. Der Rest der Welt muss sich eben erstmal durch die Online-Webshops der Republik klicken. Denn die wirklich außergewöhnlichen, großen Düfte finden Sie wie gesagt nicht im Discounter um die Ecke oder an der Supermarkt-Kasse. Wer etwas Besonderes sucht, wird im WWW am Leichtesten fündig. Und genau so eine außergewöhnliche Marke, die ich gerade für mich neu entdeckt habe, möchte ich ihnen heute ans Herz legen:

Andy Tauer – Orange Star

Genau diesen Duft habe ich nämlich zum Geburtstag geschenkt bekommen und da zum ersten Mal gerochen!

Andy Tauer ist sozusagen ein Autodidakt aus der Schweiz, der ein klitzekleines, aber umso exquisiteres Parfumhaus betreibt. Der neueste Duft aus seinem Repertoire, „Orange Star“, beweist sein Genie: ein strahlend-frischer Zitrus-Duft mit üppigem aber schwerelosem Fruchtaroma. Überhaupt nicht seifig oder süß-kitschig, sondern fröhlich, sauber und männlich. Hesperiden, Orangenblüten und Zitronengras schweben über einem Bett aus Tonkabohne, Vanille und Ambergris. Aus diesem Duft strahlt die Sonne, wenn ich das mal so sagen darf.

Nette Geschichte am Rande:

Andy Tauer Düfte kommen jetzt in einem neuen Flakon. Und dieser Falkon war … ein Geschenk! Paßt doch zu unserem Thema: In einem Interview verriet Tauer nämlich, dass eine Gruppe junger Designer auf ihn zukam. Sie hatten von seiner Marke gelesen und sich gedacht, dieser Mann braucht ein Re-Design. Also boten sie ihm an, ein neues Konzept zu entwickeln und schenkten ihm die Arbeit. Umsonst. Für lau! Hat nix gekostet. Ist das nicht toll? Denn jeder, der schon mal mit Produkt-Design zu tun hatte, weiß wie viel Arbeit in so einer Design-Arbeit steckt! Und eine professionelle Design-Agentur hätte sich Lauer nun mal (nach eigener Aussage) nicht leisten können. Das Ergebnis der Zusammenarbeit sehen wir bei Orange Star: ein blauer Fünfkant, der an einen Stern erinnert. Sehr sympathisch, sehr männlich, nicht überladen – ohne Krone, Wappen oder ähnlichem Schnick-Schnack. Eben pur. So wie der Duft.

Aber zurück zu unserem Geschenke-Problem: Denn wer gerade keinen zitronigen Duft sucht, wird bei Tauer auch für die anderen gängigen Herren-Modelle fündig! Es gibt einen umwerfenden Orientalen, nämlich „L’Air du Desert marocain“ oder das aufregend-ledrige „Lone Star“ für den Abenteurer. Alles da, alles köstlich. Man muss eben nur suchen! Dann liegt das perfekte Männergeschenk zum Greifen nahe. Und ich muss der jungen Dame Recht geben, die mir vor ein paar Tagen meinen ersten Tauer überreicht hat: So schenkt man heute! Denn erlesene Parfums mit Überraschungseååffekt sind sogar für die Männer ein fantastisches Präsent, die (wie ich) meinen, eigentlich schon alles zu haben.

Ihr Constantin Herrmann.

Bildquelle: Blue Frosting Cupcake von Tara Sandsmark – some rights reserved. Vielen Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Divine – L’Être Aimé Homme oder Der gewürzte Mann
Freitagsverlosung einmal anders…
Unser kleines Weihnachtsgeschenk…


Love is in the Air

Geschrieben in Wissenswertes am 15.06.2010

So ganz genau kann ich gar nicht sagen woran es liegt, aber mir ist heute irgendwie ganz frühlingshaft-romantisch zumute. Einen wirklichen Grund dafür kann ich nicht finden… Vielleicht liegt es am schönen Wetter, an dem vielen Grün draußen, den Blumen, dem Duft des Frühsommers oder den herumsurrenden Bienchen und Hummeln… Man weiß es nicht. Verklärten Blickes sitze ich hier auf meinem Balkon in der Sonne, betrachte die fleißigen Pollensammler um mich herum, die herrlichen Blümchen und wie meine ach-so-schöne Kletterrose knospt, sprießt und porzellanrosa blüht… Ach je, und ich wundere mich, dass mir so sonnig-warm ums Herz ist. ;-)

Neulich fiel mir mein altes Rodin-Buch in die Hände. Ihr wisst schon, ein solches mit seinen Zeichnungen, Skulpturen und diversen biographischen Hintergrundinfos. Mit Freude habe ich es seit langem mal wieder durchgeblättert. Seit ich in der 12. Klasse im Kunst-LK ein Referat über ihn halten musste, bin ich dem bärtigen Franzosen, oder besser: seinen Werken, verfallen. Die Ausdrucksstärke und Dramatik, die seinen Skulpturen innewohnt – faszinierend! Einfach schön! War von Euch schon einmal jemand im Pariser Rodin-Museum? Für Kunstliebhaber, insbesondere Freunde von Plastiken, äußerst empfehlenswert. Für Fans von Rodin natürlich ein absolutes Muss.

Doch nicht nur seiner Werke, auch seine Biographie ist beachtenswert. Rainer Maria Rilke war zeitweilig sein Privatsekretär. Er wird als Wegbereiter der Moderne angesehen, der mit den traditionellen Werten und Stilmitteln der damaligen Kunst brach und neue Maßstäbe setzte. Seine Geschichte ist dicht verwoben mit der einer anderen französischen Künstlerin: Camille Claudel. Sie war seine Schülerin, seine Geliebte, seine Muse. Sie stand ihm Modell und wurde in vielen seiner Werke verewigt. Klingt seeeeeehr romantisch! Doch ihre Liebe war zeitlebens schwierig, nicht nur wegen des Alterunterschieds (er war 24 Jahre älter als sie). Camille war emotional äußerst labil. Streitereien, Eifersüchteleien und unkontrollierte Gefühlsausbrüche bestimmten die Zweisamkeit der beiden Künstler. Zudem blieb ihre Beziehung größtenteils heimlicher Natur. Nach der Trennung von Rodin verschlechterte sich Claudels psychischer Zustand. Sie verfiel immer mehr dem Wahnsinn und verbrachte schließlich die letzten 30 Jahre ihres Lebens ins einer Anstalt. Eine wahrlich gepeinigte Künstlerseele!

Das inspirierende Moment Liebe, die fruchtbare Konstellation von Künstler und Muse finden wir auch in der Welt der Düfte. Spontan fällt mir da zum Beispiel der gute Herr Daltroff von Caron ein. Er fand seine Muse in der ehemaligen Damenschneiderin Félicie Wanpouille, die er nach der Gründung des Parfumhauses Caron zu seiner künstlerischen Beraterin machte. Was das Verhältnis der beiden angeht, geben die Quellen unterschiedliche Auskünfte. Die einen sagen, dass Daltroff seine Liebe zu ihr stets für sich behielt und sie unerwidert blieb. Die Sehnsucht nach ihr soll seine Kreationen erst so einzigartig-umwerfend gemacht haben. Die anderen Quellen lassen verlauten, dass sie seine Geliebte war. Nun, da ich persönlich nicht dabei gewesen bin und nicht im Gräbele lag (wie wir im Schwabenland sagen würden), kann ich mich nur auf die Quellenlage verlassen und gebe hier auch beide Varianten an. Soll ja alles korrekt vonstatten gehen hier, nicht wahr? ;-)

Im Internet kursieren ein paar Fotos der beiden. Ich darf ganz ehrlich sein: Wenn ich mir die Bilder so anschaue, kann ich mit Mademoiselle Wanpouille nur schwerlich als heißblütig-angeschmachtete Muse vorstellen. Verströmt sie doch einen eher spröden Fräulein Rottenmeier-Charme. Gut, das Foto dürfte sie in gereifterem Alter zeigen. Außerdem waren damals andere Zeiten und anderes up-to-date als heute. Aber dennoch habe ich in meinem kleinen Steffi-Köpfchen als Assoziation einer Muse irgendwie eher ein anderes Bild. Naja, vielleicht sollte ich da nicht zu festgefahren sein. Außerdem sind Geschmäcker ja bekanntlich verschieden. Herr Daltroff war jedenfalls Feuer und Flamme für Mademoiselle Wanpouille. Er kreierte die Parfums, sie die dazugehörigen Flakons. Die beiden waren viele Jahre lang ein echtes Erfolgsteam. 1939 musste Daltroff, der aus einer jüdisch-russischen Familie stammte, aus hinlänglich bekannten Gründen ins amerikanische Exil fliehen. Félicie Wanpouille übernahm fortan die Leitung des Parfumhauses Caron und behielt diese auch bis zu ihrem Tod in den 1960er Jahren. Irgendwie ja schon romantisch, das alles.

Ebenso herzerwärmend ist meiner Meinung auch die Geschichte von Alfred d’Orsay und seiner Geliebten Marguerite, der Countess of Blessington. Diese war prekärerweise außerdem seine Schwiegermutter, was einen kleinen bis mittleren Skandal auslöste, die beiden allerdings nicht davon abhielt, ihre Beziehung weiterzuführen. Bei diesen beiden trug es sich nun zu, dass die Countess eine etwas unglückliche Hautchemie besaß, was dazu führte, dass alle bis dahin gängigen Parfums auf ihrer Haut nicht wirklich angenehm dufteten – zumindest ihrem Empfinden nach. So begann der gute Alfred, der den schönen Künsten und so auch der Parfumeurskunst nicht abgeneigt war, selbst ein bisschen herumzuexperimentieren. Ganz Kavalier und Gentlemen kreierte er eigens für seine Holde den Lindenduft Tilleul. Ihr kennt Ihn bestimmt. Ich hatte kürzlich auch einmal die Gelegenheit ihn zu schnuppern und muss sagen: Schöner Duft, gefällt mir gut. Für meine Nase haben blühende Linden in natura manchmal eine fast schon unangenehm-intensive Komponente. Ich weiß nicht, ob es da nur mir so geht. Aber oft kann ich unter einem blühenden Lindenbaum nicht allzu lange stehen, weil mir die Duftwolken zu viel und irgendwie zu aufdringlich sind. Tilleul duftet seeehr authentisch nach Lindenblüten, allerdings ohne diese (meine) Kopfschmerzkomponente. Daher finde ich den Duft ziemlich gelungen. Auch der Countess Blessington scheint er gefallen zu haben und das will ja was heißen. ;-)

Eine weitere Liebesgeschichte ist die zwischen dem Parfumeur Edmond Roudnitska und seiner Frau Thérèse. Exklusiv für sie entwarf er in den frühen 50er Jahren einen Duft, der nirgends käuflich zu erwerben war. Vierzig Jahre lang trug nur sie ganz alleine dieses Parfum. Erst nach seinem Tod erlaubten Roudnitskas Witwe und sein Sohn, dass der Duft unter dem Namen Le Parfum de Thérèse von Frédéric Malle auf den Markt gebracht wurde. So können wir alle heutzutage Teil an der großen Liebe von Edmond und Thérèse haben und sie mit dem Duft inhalieren, genießen. Ist das nicht zum Heulen schön? Ich jedenfalls habe schon ein Tränchen im Auge….

Reichlich Tränen vergossen hat wahrscheinlich auch die Protagonistin der Novelle La Bataille von Claude Farrère. Die Japanerin Mitsouko (na, wisst Ihr schon worum es geht?) wartete zur Zeit des russisch-japanischen Krieges Anfang des 20. Jahrhunderts verzweifelt auf die Rückkehr ihrer beiden Lieben – ihrem Mann, einem japanischen Admiral, und ihrem Liebhaber, einem englischen Offizier. Die herzergreifende Darstellung dieser unglücklich-verzwickten Dreiecksbeziehung in Zeiten von Hoffen und Bangen inspirierte den damaligen Chefparfumeur Jacques Guerlain des gleichnamigen Traditionshauses zu dem fruchtigen Chypreklassiker Mitsouko.

Last but not least noch ein letztes Pärchen bei dem man die Bezeichnung Liebespaar allerdings nicht zu wörtlich nehmen sollte. Marie Louise von Habsburg, die Herzogin von Parma, war dem Veilchen optisch und olfaktorisch mit Haut und Haar verfallen. Sie liebte das Blümchen so sehr, dass sie ihre Briefe mit violetter Tinte schrieb und diese mit einer Veilchenblüte anstelle ihrer Signatur unterzeichnete. Auf ihr Bitten hin versuchten die Mönche eines nahegelegenen Parmeser Klosters den Duft des zarten Veilchens zu destillieren, was ihnen schließlich und endlich auch gelang. Dies war die Geburtsstunde des wunderbaren Veilchenduftes Violetta di Parma, der viele Jahre nach dem Tod der Herzogin von Lodovico Borsari auf den Markt gebracht wurde und uns heute noch durch seine schlichte Eleganz und Schönheit verzaubert. Ach, seufz!

Rosarote Grüße sendet Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Bouquet of Tulips, Poppy Field und Swan in Sunset von John Nyberg – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Der Dandy, der NY liebte…
Frenchman in NY.
Liebestränke…


Behandle eine Frau wie ein Pferd.

Geschrieben in Allgemein am 14.06.2010

Die Geschichte lehrt uns vieles. In Politik, Umweltschutz und Wirtschaft. Manchmal aber eben auch in Sachen „Schönheit“! Und ich habe gerade einiges von einer Beauty-Pionierin gelernt, nämlich von Elizabeth Arden. Eine über hundert Jahre alte Denk-Lektion.

Zitate sind eine wundervolle Sache. Man erfährt viel über vergangene Zeiten und große Denker. Dabei ist aber nicht jedes gesprochene Wort so ohne weiteres verständlich. Oder wie sagte der amerikanische Pädagoge Amos Bronson Alcott einmal: „Man muss ein weiser Leser sein, um weise zitieren zu können.“ Dass er recht hatte, lernte ich diese Woche, als ich ein Zitat für einen Artikel suchte und in einem Buch auf folgenden Spruch der Elizabeth Arden stieß: „Behandle ein Pferd wie eine Frau, und eine Frau wie ein Pferd.“ Was in Gottes Namen wollte sie uns damit sagen? Aber ich muss zugeben, dieser Spruch ließ mich nicht mehr los. Ich wollte mehr wissen, über eine Frau aus den Jahren der Gründer-Zeit, was Kosmetik betrifft, sie so einen Satz von sich gibt. Und ich habe recherchiert, viel über diese Elizabeth Arden gelesen, und komme nun zu dem Schluss: Das ist eines der sinnvollsten Zitate, die ich je von einer Beauty-Queen gelesen habe.

Aber beginnen wir am Anfang…

Ende des 19. Jahrhunderts war Kosmetik noch etwas, das viele Frauen kaum kannten. Wer hatte schon Zeit, Geld und Muße, sich groß um sein Äußeres zu kümmern? Parfumerien wie wir Sie heute kennen gab es noch nicht. Die Frauen färbten sich vielleicht die Lippen und puderten Teint und Körper, um Unreinheiten zu verdecken. Aber das meistens nur Schauspielerinnen, Prostituierte und reiche Damen der Oberschicht. Hautpflege? Kaum. Von Mascara und ähnlichen Dingen ganz zu schweigen. In dieser Zeit wuchsen einige Pionierinnen auf, die ihr Leben dem Kampf um die Schönheit widmeten. Coco Chanel (geboren 1883), Helena Rubinstein (geboren so um 1870) oder Estée Lauder (geboren 1908) gehören zu den wichtigsten Persönlichkeiten, die das, was wir heute als „Schönheitspflege“ verstehen, erst auf den Weg gebracht haben. Und natürlich: Elizabeth Arden!

Sie wurde am 31. Dezember 1878 als „Florence Nightingale Graham“ auf einer kleinen Farm in dem kanadischen Städtchen Woodbridge bei Toronto geboren. Ohne Schulabschluss, den sich die Familie damals einfach nicht leisten konnte, probierte sich Florence erst einmal in allen möglichen Berufen, selbst als Krankenschwester – bei dem Namen (Florence Nightingale) war sie dafür ja sozusagen prädestiniert!. In dieser Schwesternschule lernte Florence einen jungen Mann kennen, der nebenher eine Creme gegen Hautunreinheiten entwickelte. Bis dato kannte sie so etwas noch überhaupt nicht. Sie ist von der Idee begeistert, bricht ihre eh ungeliebte Ausbildung ab und beginnt, selbst mit Cremes und Wässerchen in der Küche ihrer Eltern zu experimentieren – bis ihr Vater sie vor die Wahl stellt: Such dir endlich einen vernünftigen Job oder heirate. Die meisten Frauen der damaligen Zeit hätten diesem Drängen kampflos nachgegeben, aber nicht eine Frau wie Florence. Sie beschließt kurzerhand, sich dem Einfluss ihrer Eltern zu entziehen und zu ihrem Bruder nach New York zu ziehen. Was für ein Temperament!

Und hier beginnt Florence, mittlerweile dreißig Jahre alt, an ihrem großen Traum zu arbeiten: 1908 jobbt sie erst für ein Kosmetik-Unternehmen und gründet 1910 tatsächlich einen eigenen Schönheitssalon. Ihr Wunsch: Frauen beizubringen, wie sie mehr aus sich machen können. Das muss man sich im Kontext der damaligen zeit vorstellen: 1910 sieht die Welt anders aus, als wir sie heute kennen. Was damals Sensatonen waren, sind für uns heute selbstverständlich: Das Kaiserreich China beschließt gerade erst, die Sklaverei abzuschaffen. England eröffnet die ersten Arbeitsämter. Die britische Zeitung „The Illustrated London News“ veröffentlicht die allerersten Fotos vom Nordpol. New York ist die größte Stadt Amerikas mit 4,75 Millionen Einwohnern (heute: mehr als doppelt so viel!). In London fordern Frauenrechtlerinnen, die sogenannten „Suffragetten“, das Wahlrecht für Frauen. Wer hat in so einer Zeit schon Interesse an Hautpflege? Florence Nightingale! Sie ändert ihren Namen in Elizabeth Arden (ein fiktiver Kunstname) und macht sich bereit, die Welt ein bisschen schöner zu machen.

Eine neue Vision: Schönheit ist nicht nur Make-up!

Anfangs verkauft die Arden vor allem Cremes und Gesichtswasser, die sie von eigenen Chemikern herstellen lässt. Aber schnell reift in ihr die Vision der „total beauty“: Schönheit ist nicht nur eine Creme oder geschickt aufgetragenes Make-up – in den „Elizabeth Arden“-Salons wird die Frau als ganzes verwöhnt. Ein bis dahin absolut neuartiger Ansatz.

Aus dieser Zeit stammt auch der Satz: „Behandle ein Pferd wie eine Frau, und eine Frau wie ein Pferd.“ Dieser etwas merkwürdige Ausspruch macht aber in der Welt der Elizabeth Arden durchaus Sinn: Denn neben Schönheit gehört ihre zweite große Leidenschaft dem Pferdesport. Ihr Rennstall gewann in den 1940er Jahren riesige Summen, nicht zuletzt, weil sie sich um ihre Pferde persönlich kümmerte, und deren Muskeln vor jedem Rennen massieren ließ – damals als Spinnerei belächelt, heute im Pferdesport Routine.

Frauen dagegen, die in ihren Schönheitssalon kamen, verlangte die Arden einiges ab: es wurde nicht nur das Gesicht gepflegt, sondern der ganze Körper trainiert. Gymnastik, Dampfbad, Massage, Haarpflege, Mani- und Pediküre, ein Lunch mit Diät-Tipps und eine Make-up-Session. Nach diesem Programm fühlten sich die Kundinnen tatsächlich rundum versorgt. Die Steigerung dieses Konzeptes realisierte die Arden in Beauty-Häusern auf dem Land, die sie „Main Chance“ nannte (Vorläufer der heutigen Schönheits-Farm). Hier konnten Frauen sich über mehrere Wochen lang behandeln lassen. Elizabeth Arden hatte es geschafft: mit ihrem revolutionären Ansatz von „ganzheitlicher Schönheit“ und 6000 Dollar, die sie sich für ihren ersten Salon von ihrem Bruder geliehen hatte, schuf die Kanadierin ein Imperium: In den 1960’er Jahren existierten mehr als 20 Arden-Salons in den USA und über 200 im Rest der Welt. Aus der Pionierin Elizabeth Arden war eine globale Marke geworden.

„Ich interessiere mich nicht für das tatsächliche Alter. Frauen, die mir ihres verraten, sind dumm. Denn man ist immer nur so alt, wie man sich fühlt.“
Elizabeth Arden (1878 – 1966)

Heute, rund 70 Jahre später muss ich sagen, dieses Programm der „total beauty“ ist leider ein wenig in Vergessenheit geraten. Jeden Tag sehe ich in meinem Job Frauen, die viel Geld in Cremes und Treatments investieren, dabei aber das große Ganze aus den Augen verloren haben. Man kann noch soviel Make-up auftragen, noch so teure Cremes benutzen – wenn das Gesamtpaket nicht stimmt, wird keine Frau (und kein Mann!) wirklich gut aussehen. Denn Beauty ist nicht nur eine Frage der Pflege, sondern auch der inneren Haltung. Übergewicht kann man kaschieren, aber wer seinen Körper trimmt, wird sich wohler fühlen und aus sich heraus strahlen. Strikte Diäten mögen die Figur in kleinere Jeansgrößen passen lassen, aber wer seine Seele nicht von Zeit zu Zeit verwöhnt, sieht nicht gut aus, sondern verbissen. So gesehen hat sich seit damals das Schönheitsideal gar nicht so sehr verändert, meine ich. Denn damals wie heute galt: Frauen, die ihren Körper, ihren Geist und ihr Aussehen pflegen sind am Schönsten. Wie traurig, dass heutzutage so viele Frauen diesen Anspruch vergessen haben. Die einen – vor allem junge Mädchen – überschminken sich, toupieren ihre Haare zu einem absurden Mopp und züchten sich French-Manicure-Nägel, vernachlässigen aber ihren Körper. Die anderen – vor allem viele Frauen der Geschäftswelt – trimmen sich auf Size-Zero und vergessen dabei die innere Schönheit. Nur wer die Balance findet zwischen innerem Strahlen und äußerer Wirkung ist wirklich schön. Und dazu gehören nun mal Fitness, Pflege und geschmackvolles Auftreten. Klingt altmodisch? Finde ich nicht. Denn so gut wie kein „moderner“ Star taugt zu einem echten Vorbild in Sachen Schönheit. Denken Sie nur an Victoria Beckham (Magerwahn), Carla Bruni (OP-Irrsinn), Amy Winehouse (innere Verwahrlosung) oder Beth Dito (die ihren Körper vernachlässigt) Vielleicht ist es an der Zeit, alte Denkanstöße wieder aufzugreifen?

Ihr Constantin Herrmann.

Bildquelle: Elizabeth Arden von Alan Fisher und Foot Massage von dcarson924 – some rights reserved. Vielen Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Herbstwonne 4 – Juliette has a gun Calamity J
Alles Glück dieser Erde…
Ein Duft mit Pferdestärken – Godolphin von Parfums de Marly


ALzD-Duftsampleprogramm.

Geschrieben in Allgemein am 12.06.2010

Hallo Ihr Lieben,

heute möchte ich mich an die Blogger/innen unter Euch wenden: Und zwar gibt es, das wissen viele vermutlich nicht, von unserer Seite aus ein Sampleprogramm: Fünf Proben nach Wahl im Monat stellen wir Euch zur Verfügung für eine oder mehrere Rezensionen in Eurem Blog, einen Artikel über das dementsprechende Dufthaus oder ähnliches. Dafür möchten wir nur gerne als “Probenspender” verlinkt werden. Wer sich für unser Sampleprogramm interessiert, kann uns gerne diesbezüglich kontaktieren: info@ausliebezumduft.de

Genießt die Sonne!

Liebe Grüße, Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Keine passenden Artikel gefunden

Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 11.06.2010

Hallo Ihr Lieben,

wie jeden Freitag haben wir wieder herrenlose Duftprobenpakete an interessierte Nasen zu vergeben, fünf an der Zahl. Wer eines haben möchte, schreibt uns bitte bis Sonntag, 13.6., 24 Uhr eine Mail an info@ausliebezumduft.de – Namen und Adresse nicht vergessen!

Die Gewinner der letzten Woche waren: Reinhard A., Johanna M., Inga W., Janka B. und Michaela G. – Herzlichen Glückwunsch!

Schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung


Von Creacrete zu Konkret Scent…

Geschrieben in Duft,Holziges,Reines und Pudriges am 11.06.2010

… oder so ähnlich könnte man den Stilwechsel oder besser: Wechsel des Mediums (be)nennen, den Alexa Lixfeld gerade hinter sich hat: Vom Beton zum Duft hüpfte die gebürtige Hannoveranerin scheinbar leichtfüßig. Das frühere Model Lixfeld ist Künstlerin, momentan in Hamburg lebend und arbeitend, und studierte in Köln, Pforzheim und Eindhoven Design. In den letzten Jahren machte sie vor allem mit einer Kreation auf sich aufmerksam, ihrer Beton-Kunst: Sie kreierte Geschirr aus Beton, was ihr den Anerkennungspreis der Quelle Innovationsstiftung sowie mehrere internationale Erfinderpreise einbrachte und den Namen “Creacrete” trägt, ein Neologismus, gebildet aus “creative” (kreativ) und “concrete” (Beton).

Jetzt tischt uns Madame Lixfeld Düfte auf, vier an der Zahl. Eigentlich sollte es ursprünglich nur einer werden, ein Signature, aber, wie es eben so ist… einer war nicht genug, wie mir Lixfeld auf der Messe erklärte. Ausschlaggebendes Moment für ihre Düfte war ein Augenblick in ihrem Leben, in dem sie eine ihrer Betonkreationen an einem sommerlichen Tag transportierte und plötzlich von der Idee besessen ward, ein anderes Medium für ihre Kreativität zu finden – eines, das nicht so endgültig ist, so hart und so ewig wie Beton. Ein transparentes, flüchtiges, weicheres und feminineres Medium, dem Vergänglichkeit innewohnt… was konnte dies anderes sein als ein Geruch, ein Duft.

So kam Lixfeld mit einem Parfumeur/einer Parfumeurin zusammen – der/die momentan noch (?) nicht genannt werden mag – und kreierte ihre Düfte, die allesamt Ausdruck ihrer Person und Persönlichkeit sind, Facetten ihrer selbst in unterschiedlichen Lebenslagen darstellen sollen. Die Flakons, in welchen sie sich präsentieren, erinnern ein wenig an diejenigen von Nasomatto – und greifen natürlich das alte Thema von Frau Lixfeld wieder auf: Beton. Sie tragen speziell gefertige Betonkappen als Verschlüsse.

Nun wollen wir uns die Düfte doch einmal näher anschauen.

AL No. 001 ist eine Romantikerin, kein Zweifel: Ein dahingehauchter frühlingshafter Duft, der die Leichtigkeit des Seins in vollen und ein wenig melancholischen Zügen bittersüß atmet. Kühle weiße Blüten – Jasmin und Maiglöckchen – in luftiger Qualität verbinden sich mit sanften Kräuternoten und herb-frischem weißem Tee. Die Basis ist geprägt von durch und durch sauberem weißem Moschus. Luzide, transparent, fast transzendent – hell und rein präsentiert sich die Nummer eins und ist für Freunde z.B. von Anamor All that Matters oder Narciso Rodriguez Essence oder Musk for Her Oil exakt das Richtige.

In AL No. 002 finden (Sandel)Holzfreunde Genugtuung: Ätherisch anmutend reiht sich Holz an Holz, kommt man von Hölzchen zu Stöckchen über Holz und Hölzer… Sandelholz und Zedernholz als geballte Kraft, ein Powerduo: Stark holzig, na klar, balsamisch-geerdet und mit fast zimtig anmutender Süße behaftet offenbaren sich rauchige Noten, die ganz offensichtlich von Vetiver und Patchouli stammen und auf die wärmend-gemütliche Basis von Vanille, Tonkabohne, Benzoeharz überleiten, welche durch einem winzigen Touch Jasmin und Karottensamen garniert wird. Für mich hätte irgendwo noch ein einsamer Lavendel in der Ecke blühen können, mag aber sein, daß ich mir den aus der Holzigkeit herfantasiere.

AL No. 003 wird als „exotic Fougère“ bezeichnet. Wir erinnern uns – Fougère, einer der klassischen Duftakkorde, gerne in Männerdüften verwendet und bestehend aus Lavendel, Eichenmoos und Cumarin, dem Waldmeistergesellen. Die „strong woody oriental accords“ sehe ich nicht, vielmehr rieche ich durchaus waldmeisterartige Noten mit einer verhaltenen Süße, darüber hinaus die versprochene Bergamotte sowie den Pfeffer und herb-krautigen Rosmarin. Alles in allem oder besser: alles zusammen vermischt sich in Kopf und Herz zu einer Einheit, die mich im absolut positiven Sinne an einen waldig-aquatischen Duft erinnert, wahrscheinlich an meine mittlerweile vollkommen abstrakte Vorstellung von Joop Nightflight, meine erste Begegnung mit einem aquatischen Duft und noch heute einer der wenigen, für den ich jedem (wirklich: JEDEM) Mann hinterherlechze… Patchouli findet sich auch noch in dem Düftchen sowie eine Basis aus Vanille und scharf-würzigem Zimt.

AL 004 ist neu und scheinbar noch nirgends zu erhalten. In jedem Falle erinnere ich mich an die pink besprühte Betonkappe… die der Duft in jedem Falle auch aufgreift. Ein Riotgirl, irgendwie, aber gleichzeitig auch unschuldig, und doch Lolita… Ein bißchen frische Wäsche, keksige Noten, aber auch Florales, sehr wahrscheinlich Weißblühendes vermag ich zu entdecken. Zarte Hesperidennoten, leicht „sparkling“ und eine fein-weiche Basis – Frau Lixfeld, wann bekommen wir mehr Infos zu dem Duft?

Für mehr Infos über die Künstlerin: http://www.alexalixfeld.com/

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Costume National die Zweite.
Alle guten Dinge sind drei: Costume National, der “Rest”.
Navigation Through Scents – Auf Reisen mit Molton Brown.


Wie viel Neandertaler steckt in Ihnen?

Geschrieben in Allgemein am 10.06.2010

Forscher sagen voraus, wie Menschen der Zukunft aussehen werden. Die gute Nachricht: Schönheitsoperationen könnten überflüssig werden.

Wie das Leben manchmal so spielt: Ich lese gerade mit großer Begeisterung die Bücher des Jasper Fforde. Der 49jährige Londoner ist zwar eigentlich Kamera-Assistent von Beruf, nebenher aber ein fantastischer Schriftsteller. Und zwar ein hartnäckiger! Sein erstes Manuskript „The Big Over Easy“ wurde von sage und schreibe 76 Verlagen abgelehnt. Für den sympathisch-bescheidenen Mann mit dem irrwitzigen Humor aber kein Grund aufzugeben. Er schrieb weiter (zum Glück!) – und landete mit seinem Buch „Der Fall Jane Eyre“ (aus dem Jahr 2001) schließlich einen Hit. Erst Geheimtipp unter Literatur-Fans, dann weltweit ein Bestseller.

In dem Buch erleben wir eine Parallelwelt, die sich von unserem Alltag gar nicht so groß unterscheidet. Nur, dass alle Menschen verrückt sind nach Literatur; Mammuts in großen Herden durch englische Vorstädte vagabundieren und Neandertaler noch leben. Letztere werden aufgrund mangelnder Intelligenz vor allem als Zugschaffner und Busfahrer eingesetzt. Ach ja: Und das Wichtigste, die herrlich ironische Hauptfigur „Thursday Next“, erlebt Abenteuer in Büchern (!) – in die kann man nämlich hineinreisen. Im ersten der bisher 5 erschienen Bände muss die Literatur-Agentin Thursday so zum Beispiel die gekidnappte Jane Eyre im Original-Manuskript von Charlotte Bronte retten… Die Bücher sind unheimlich witzig geschrieben, fordern zwar ein wenig Literatur-Kenntnis, belohnen aber dafür mit vielen großen Lachern, irgendwo zwischen Fantasy, Parodie und Krimi.

Nun lese ich also gerade diese liebenswerten Abenteuer, als in der echten Welt (um genau zu sein: In der Tagesschau) die Meldung kommt: Der Neandertaler ist ein Vorfahr des Menschen! Das ist lustig, denn in Ffordes Büchern sind die tumben Kerlchen eher possierliche Vollidioten ohne emotionalen oder intelligenten Tiefgang. Und nun das. Mein Ur-Ur-ur-Opa war also ein Neandertaler? Vor ein paar Wochen wäre das noch eine handfeste Beleidigung wert gewesen, nun ist es wissenschaftliche Tatsache. Das ist durchaus bemerkenswert, denn bisher dachten Wissenschaftler, wir würden „nur“ vom Homo Sapiens abstammen. Nun entdeckte ein internationales Forscher-Team, dass wir alle bis zu vier Prozent Neandertaler-DNS in uns tragen. Die Erklärung für diesen Umstand lautet, dass Neandertaler und Homo Sapiens sich gepaart haben müssen – und daraus entstand dann im Laufe der Evolution der moderne Mensch, also wir.

Aber was bedeutet modern eigentlich? Sind wir die Speerspitze der Entwicklung? Oder werden unsere Nachfahren einmal über uns lächeln, wie wir heute grinsend davon ausgehen, dass ein Neandertaler in unserer Zeit höchstens zum Zugschaffner taugen würde? Stellen wir uns doch die Frage, wie der Mensch der Zukunft aussehen wird. Wie viel Neandertaler wird in unseren Nachfahren stecken? Eine faszinierende Frage, denn Evolutionsforscher streiten selbst ständig und viel darüber. Manche sagen, wir hätten den Gipfel der Entwicklung bereits erreicht. So wie wir heute aussehen und leben, sind wir perfekt. (Die sollen mal Freitag Abend in der kleinen Kneipe bei mir um die Ecke vorbei kommen und meine Nachbarn am Stammtisch angucken! Da wäre evolutionstechnisch durchaus noch Raum nach oben). Sehr viel sympathischer sind mir diejenigen Forscher, die die Meinung vertreten, der Mensch wäre noch nicht am „Peak“ angekommen, sondern werden in Zukunft immer besser aussehen.

Die Schönheit der Frau in 400 Jahren – Ein Besuch im amerikanischen Städtchen Framingham

Was die Frau betrifft, so sind sich Zukunftsstudien einig. Sie wird kleiner und dicker. Sie wird früher Kinder bekommen und dafür später in die Menopause schlittern. Und sie dürfte ein gesünderes Herz-Kreislauf-System besitzen als die Frauen heutzutage. Woher man das weiß? Vor rund 70 Jahren forschten Amerikaner massiv danach, warum die meisten US-Bürger an Herzkrankheiten sterben. Herzinfarkt, Schlaganfall, Risikofaktoren, Umwelteinflüsse, Ernährung – man wollte mehr lernen über diese Krankheiten und ihre Umstände. Und startete ein einzigartiges Projekt: Die Forscher erklärten ein ganzes Städtchen zum Forschungsobjekt. Rund 5200 Bewohner von Framingham wurden 1948 zu einer Langzeit-Studie herangezogen (Männer und Frauen). Ab den 1970er-Jahren wurden die Kinder der „Testobjekte“ mit einbezogen, so dass sich die Studie bis 1999 über mehrere Generationen erstreckte. Die Resultate veränderten die Sichtweise auf Lebensstil von Herz-Patienten enorm. Die Bedeutung des Bluthochdrucks stieg, Zigarettenrauchen, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Depressionen und Falsche Ernährung rückten in den Fokus der Mediziner. Diese berühmte „Kohorten“-Studie lieferte nun auch Daten für die Untersuchungen des amerikanischen Evolutionsforschers Stephen Stearns. Im Auftrag der Universität von Yale verband er die Framingham-Ergebnisse mit eigenen Beobachtungen der aktuellen Bevölkerung von Massachusetts – und entdeckte, dass wir Menschen uns durchaus nach wie vor weiterentwickeln. Darwin lebt!

Wichtigste Feststellung von Stearns Forscherteam war die (zugegebenermaßen naheliegende) Beobachtung, dass die natürliche Selektion nicht wie früher auf dem Prinzip des Überlebens basiert. Seien wir ehrlich, wer von uns muss sich täglich noch da draußen gegen wilde Tiere und unzivilisierte Horden wehren? Und nein, ein fieser Chef und intrigante Kolleginnen zählen nicht! Hinzu kommen die enormen Fortschritte der modernen Medizin. Krankheiten, die früher lebensbedrohlich waren, sind heute heilbar. Wer früher an diesen Krankheiten starb, konnte sich nicht fortpflanzen. Dadurch ergibt sich ein evolutionstheoretischer Vorsprung für die Gene von Gesunden. In unserer Zeit bedeutet das: Frauen, die sich an das moderne Leben perfekt angepasst haben und medizinische Top-Leistungen erhalten, dürften rein rechnerisch mehr Kinder haben, so dass sich immer noch die gesünderen Gene durchsetzen. Bei ihrer Framingham-Analyse suchten die Forscher nach Eigenschaften, die bei kinderreichen Frauen gehäuft auftreten – und wurden fündig! Durchschnittlich sind diese Frauen etwas kleiner, von kräftigerer Statur und hatten einen niedrigeren Cholesterin-Spiegel sowie einen niedrigeren Blutdruck. Sollte sich die Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten nicht groß ändern, bedeutet das: Die Frauen der Zukunft werden bis zum Jahr 2400 circa 2 Zentimeter kleiner sein als der Durchschnitt heute, 1 Kilo schwerer, ihr erstes Kind 5 Monate früher bekommen und erst 10 Monate später in die Menopause kommen. Für die deutsche Frau übersetzt heißt das: Im Schnitt wird sie 1,65 m groß und 67,5 Kilo schwer sein. Klingt doch sehr gut, oder?

Und wie sieht der Mann bald aus?

Angesichts der rasanten technologischen Weiterentwicklung könnte man meinen, Männer entwickeln sich ebenfalls stetig. Mit Ötzi, dem Südtiroler Steinzeitmann, verbindet den Kerl von heute nichts mehr. Statt einer Keule schleppt der moderne Mann die Kreditkarte umher, um seine Familie zu ernähren. Statt zu Fuß die Alpen zu überqueren, steigt er in ein Flugzeug. Alles sehr modern, ja. Und größer werden die Männer doch auch, ein schlagender Beweis für Entwicklung. Im Schnitt überragt ein Jugendlicher heute seinen Urgroßvater bereits um 20 Zentimeter. Forscher sagen aber, das sei kein Evolutionsbeweis, sondern schlichtweg das Resultat besserer Ernährung. Ein ungleich höherer Eiweißanteil in der täglichen Nahrungszufuhr sorgt für mehr Wachstum und frühere Geschlechtsreife. Und würde man einen modernen Mann auf seine Neandertaler-Vorfahren treffen lassen, würde er unweigerlich den Kürzeren ziehen. Peter McAllister, Autor des Buches „Manthropology: the Science of Inadequate Modern Man“ hat es sehr schön auf den Punkt gebracht: Arnold Schwarzenegger hätte beim Armdrücken keine Chance gegen eine durchschnittliche Neandertalerin. Würde die eiweißreiche Nahrung wegfallen, wäre Schluss mit dem imposanten Größenwachstum. Denn so wirklich weiterentwickelt haben sich die Menschen eben doch nicht. Von der genetischen Anlage her sind die ersten anatomisch modernen Menschen, die vor 40.000 Jahren Europa besiedelten, und der Kerl von heute nun mal identisch. Aber ist der Mann von heute nicht schlauer als sein Vorfahr? Und wird der Traumprinz von morgen nicht noch mal intelligenter sein? Nein, sagen Forscher. Zwar beschleunigt sich das Wissenswachstum der gesamten Menschheit enorm – heute verdoppelt sich das Wissen der Menschheit alle fünf Jahre, zur Zeit unserer Urgroßeltern passierte das nur alle 100 Jahre. Aber: Der einzelne Mensch degeneriert eher. Oder können Sie einen Fisch jagen, ein Reh ausnehmen, ein Haus bauen, Feuer machen und selber Waffen bauen? Eben. Heute sind wir eine Gesellschaft von hochspezialisierten Denkern, jeder kann ein bisschen was, keiner kann sehr viel. Unser großer Vorteil ist das moderne Netzwerk, das wir aufgebaut haben und von dem wir profitieren. Für jedes Problem und jede Hürde gibt es einen Profi in unserer Nähe, den wir beauftragen können. Wir haben verlernt, autark zu sein.

Diese Entwicklungen werden auch das Aussehen der Männer in Zukunft stark beeinflussen. Bester Beweis: Die Weisheitszähne. Früher brauchten wir sie zum Zermahlen von harter Nahrung. Heute? Sind sie überflüssig geworden, lästig und oft genug sogar schmerzhaft. Aber da gibt es ja zum Glück den Zahnarzt, der schnell Abhilfe leisten kann. Und überhaupt: Ärzte beeinflussen die Entwicklung der Menschheit weiterhin enorm. Die natürliche Selektion wird durch neuzeitige Hilfsmittel beeinträchtigt. Beispiel Kurzsichtigkeit. Ein Steinzeitjäger, der (wie ich übrigens) mit -20 Dioptrien auskommen muss, hätte ein Problem gehabt sich fortzupflanzen. Denn wer halblind hinter einem Säbelzahntiger herläuft, überlebt nicht lange. Heute besorgt sich der Betroffene eine Brille, fertig… und spätestens seit der Erfindung der Kontaktlinsen erschwert Kurzsichtigkeit die Partnerauswahl auch nicht mehr wirklich. Das medizinische Leistungsspektrum verschiebt sogar die Alterungsphasen nach hinten. Soll heißen: ein 60jähriger wird demnächst noch voll aktiv und gesund im Leben stehen, wie heute ein 40jähriger. Damit verschiebt sich auch das Schönheitsideal. Heute sind Jugendliche (und daraus resultierend der Jugendwahn) im Fokus des Schönheitsempfindens. Schon in hundert Jahren werden aber ältere Menschen attraktiver auf uns wirken. Im Grunde wird sich das Schönheitsideal spalten. Einmal die schöne Jugend, dann aber eine neue, zweite Blüte – der Mensch mit 60 wird noch als schön anerkannt, sein Leben ist nicht über den Zenith hinaus, sondern nimmt ein zweites Mal vollen Anlauf.

„Es ist nicht unsere Aufgabe, die Zukunft vorauszusagen, sondern gut auf sie vorbereitet zu sein.“
Perikles (490 – 429 v. Chr.)

Bei allen Überlegungen, wie der Mensch in der Zukunft aussehen mag, bleibt bei mir im Kopf eigentlich vor allem ein Gedanke: Früher oder später wird es Zeit, dass die Gesellschaft einen neuen, unkomplizierten Umgang mit Schönheit lernt. Gehen wir – wie gerade erörtert – davon aus, dass wir alle länger leben, der Medizin sei Dank. Aber, dann müssen wir lernen, „alt“ sein nicht mehr zu stigmatisieren, sonst steuern wir auf eine Gesellschaft der Unzufriedenen zu. Stellen Sie sich nur vor: Wenn alle Menschen immer älter werden, aber nicht so aussehen wollen! Es ist doch allemal angenehmer umzudenken und ein neues Schönheitsideal zu suchen, als mit 100 Jahren noch krampfhaft aussehen zu müssen wie 30.

Und wenn wir schon bei der Medizin sind: Wozu all die Schönheits-Ops noch? Alle Menschen wünschen sich, die Ansprüche der Gesellschaft an ihr Aussehen bestmöglich zu erfüllen, die moderne Medizin und die Wirtschaftskraft jedes Einzelnen ermöglichen dies sogar. Nasen-Korrekturen, Brustvergrößerung, Fettabsaugung, Lifting. Wir kommen alle ohne Probleme an die makellose Norm der Schönheit heran. Aber was dann? Wenn wir alle uniform aussehen, also gleich schön, wie wertvoll wird diese Schönheit dann noch sein? Werden in der Zukunft nicht die kleinen „Makel“ unter denen wir heute ach so leiden plötzlich wieder liebenswert, weil sie uns besonders machen?

Würde ich morgen der Jane Eyre von 1847 begegnen, wie sie in den Büchern des Jasper Fforde lebendig ist, würde ich ihr sagen: „Gucken Sie nicht so erschreckt. Aufgespritzte Lippen und Botox-Partys sind nur eine kurze Phase, von der wir uns erholen werden. So wie die Frauen sich seit Ihrer Zeit von Mieder und Korsett befreit haben.“ Denn egal, was die Evolution für uns noch bereit hält, von einem bin ich überzeugt: Schönheit wird mit der Zeit wieder entspannter werden. Gute Cremes mit potenten Wirkstoffen, ja. Jugendwahn und maßlose Schönheits-Chirurgie, nein. Und in meinem Fall: Ich liebe meine kleine Neandertaler-Nase, die ich nun mal habe. Wenn das meine Reminiszenz an unsere Ur-Ur-Ur-Vorfahren ist, bin ich damit vollauf zufrieden.

Ihr Constantin Herrmann.

Bildquelle: Neandertaler von Stefan Scheer und Vitruvian Man von Leonardo da Vinci – some rights reserved. Vielen Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Freitagsverlosung
Alles Gute für das neue Jahr 2009!
Unser kleines Weihnachtsgeschenk…


„Amaranthine“ – die Blume der Götter. Penhaligons schenkt uns einen Duft so bezaubernd wie sein Name.

Geschrieben in Duft am 9.06.2010

Manchmal braucht auch ein Beauty-Journalist jemanden, der ihm auf die Sprünge hilft. Bei all den unzähligen Neuerscheinungen, die jeden Monat auf den Markt geworfen werden, übersieht man eben manchmal das ein oder andere Juwel. Von so einem Fall möchte ich heute berichten: Penhaligon’sAmaranthine“.

Der Duft kam zwar schon 2009 auf den Markt, aber ich habe ihn für mich erst letztes Wochenende entdeckt! Mea Culpa. Ich möchte das wieder gut machen und meine späte Entdeckung heute mit Ihnen teilen.

Nun gibt es ein typisch journalistisches Prozedere, wie man sich einem neuen Duft nähert. Auspacken, den Flakon in der Sonne glitzern lassen (… das Licht der Schreibtischlampe tut’s auch), dann ein paar Spritzer in die Luft sprühen (oder in den Deckel) und drauf los schnuppern. Wie ein Weinkenner errät man wahrscheinlich ein paar signifikante Duftstoffe, um die gesamte Pracht der Zusammensetzung zu erfahren, greift man aber zur Pressemappe – und wundert sich viel zu oft über die Marketing-Texte. Die versuchen nämlich gerne, den Zauber des Duftes in merkwürdige Worte zu übersetzen, die leider so gar keine Emotionen transportieren. Besonders beliebt: „Ein Duft für die Frau von heute, von strahlender Eleganz, das Spiel der Verführung, Bla.“ Mir geben diese Texte so überhaupt nichts, außer gähnender Langeweile. Leider ist es bei Amaranthine nicht anders:

„Ein abgedunkeltes Zimmer,
im sanft strahlenden Kerzenlicht,
verführerisch schimmernde Seidenlaken und
die flirrende Luft gesättigt vom Duft tropischer Blüten,
von Vorfreude und Verlangen.“

Aha. Und das soll mir sagen..?

Dabei ruht in Amaranthine tatsächlich ein Zauber, den der Parfumeur Bertrand Duchaufour in gewohnt meisterhafter Art einzufangen wusste. Dem Franzosen verdanken wir bereits einige große Würfe wie „Al Oudh“ für L’Artisan Parfumeur oder „Flora Bella“ für Lalique. Für den Damenduft Amaranthine mischte er frisches Grün und weiße Freesie im Auftakt, mit tropischen Blüten-Nuancen und sanften Gewürznoten, sowie einem samtigen Fond aus Moschus und Tonkabohne. Penhaligon’s nennt diese Kreation „Blumig-Orientalisch“, und tatsächlich locken die exotischen Anklänge aus Gewürznelken, Koriander und Kardamom in meinem Kopf das Bild einer arabischen Prinzessin hervor. Aber im Gegensatz zu manchen orientalischen Parfums fehlt Amaranthine glücklicherweise die typische Schwere. Kein olfaktorischer Dampfhammer, der für europäischen Geschmack zu wuchtig daherkommt. Ganz im Gegenteil, der Duft strahlt richtig (dank dem enthaltenen Grünen Tee) und umweht die Nase, statt sie zu überfordern. Köstlich, ein wenig milchig, auf jeden Fall sehr schmeichelhaft.

Aber was hat es bitte mit den schimmernden Seidenlaken aus dem Marketing-Text auf sich, mit Verlangen und einem abgedunkelten Zimmer? Ich finde nämlich, das Parfum ist keineswegs up-sexed, wie viele aktuelle Mass-Market-Parfums, sondern von einer viel subtileren Wahrnehmung. Seidenlaken, okay. Aber nicht, weil die Trägerin entblättert auf ihren Liebsten wartet. Diese Vorstellung ist zu ordinär für das Parfum. Viel treffender wäre das Bild einer arabischen Prinzessin, die auf bestickten Seidenlaken gebettet friedlich schlummert und in ihren Träumen Abenteuer mit magischen Wesen und Prinzen aus entlegenen Ländern erlebt. Dann würde auch der Name des Parfums passen:

Amaranthine – die Blüte, die nie vergeht

Um die legendäre Amarantos-Blüte ranken sich viele Legenden. Eine purpurfarbene, magische Blume von immerwährender, unvergänglicher Schönheit. In der griechischen Mythologie verstecken die Götter diese Pflanze, um ihr Geheimnis und ihre Schönheit für sich zu bewahren. Denn wörtlich aus dem Griechischen übersetzt bedeutet der Name dieser Blume: „Eine, die ewig blüht“. Der Sterbliche, dem es gelingt, die Blume zu entdecken, wird der Legende zufolge unsterblich. Heute noch steht in der englischen Sprache „amaranth“ für Unvergänglichkeit und inspirierte immer wieder Musiker: Die elegisch-verklärte Enya taufte ein ganzes Album nach der Blume, die erfolgreiche finnische Metal-Band „Nightwish“ schrieb sogar ein Lied über die Magie der ewigen Schönheit:

Penhaligon’s – die Marke, die nie vergeht

Mitte des 19. Jahrhunderts begann William Henry Penhaligon in London als Barbier zu arbeiten. Seine Anfänge in der Welt der Schönheit beruhten darauf, wohlhabende Gentlemen nach ihrem Besuch in einem luxuriösen Hamam – einem türkischen Bad, wie sie damals so beliebt waren – zu rasieren. Von seinem Erfolg kann er das Hamam kaufen und lernt, die exotischen Düfte und Gerüche dieser Badeanstalt zu lieben. Sie inspirieren ihn zu seinem ersten Parfum: „Hammam Bouquet“. Es folgen weitere sehr exklusive und erfolgreiche Kreationen, bis Queen Victoria den aufstrebenden Parfumeur zum Königlichen Barbier und Hofparfumeur ernennt, inklusive Ritterschlag. Penhaligons Ruhm wächst, er beliefert Prominente wie Oscar Wilde und Winston Churchill, sowie die meisten Königshäuser in ganz Europa. Doch dann die Krise: Der zweite Weltkrieg, Europas finsteres Kapitel, stoppt die Lieferung der auserlesenen Rohstoffe. Wirtschaftskrise, Bomben, Bankrott. Die Marke Penhaligon’s geht in den Kriegswirren unter. Erst 30 Jahre später haucht eine britische Modedesignerin, Sheila Pickles, dem Parfumhaus neues Leben ein. Mit nichts als einer handschriftlichen Rezeptliste des William Penhaligon und einer Hutschachtel voller alter Etiketten beginnt sie von vorne und tritt das legendäre Erbe an. Heute umfasst das Sortiment der Marke viele einzigartige Herren- und Damendüfte, dazugehörige Badelinien, Duftkerzen, Silberwaren und Lederaccessoires. Die Geschichte der Wiederbelebung ist so bezaubernd, dass sie mich natürlich an die magische Blume Amaranthine erinnert. Wie treffend, den neuesten Duft auf den Namen der Unvergänglichkeit zu taufen.

Aber noch mal: Mit den billigen Sex-Andeutungen der Marketing-Texte hat dieser Duft rein gar nichts gemein. So viel edler und anrührender ist Amaranthine, dass ich gar nicht verstehen kann, wieso viele deutsche und englische Beauty-Blogs auf den lasziven Zug aufspringen. Amaranthine ist edel, sinnlich und köstlich. Und die schönste orientalische Kreation, die ich seit langem gerochen habe. Was wieder einmal beweist: „Sex sells“ war einmal. Ein wirklich großartiger Duft überzeugt auch ohne billige Klischees.

Ihr Constantin Herrmann.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Duchaufour Pur…
Das Wandern ist des Müllers Lust
Liebestränke…


« Neue BeiträgeÄltere Beiträge »
blogarama.com

BlogPingR.de - Blog Ping-Dienst, Blogmonitor Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Directory & Search engine Beauty Blogs - BlogCatalog Blog Directory
Proudly powered by Wordpress - Impressum