Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 30.04.2010

Hallo Ihr Lieben,

same procedure as… every week. Und natürlich wie jedes Monatsende beziehungsweise jeden letzten Freitag: Es warten heuer nicht nur fünf Probenpakete auf Euch, die versendet werden wollen, sondern auch ein ganz spezielles Geschenk: Da der Frühling ja endlich angekommen ist, zaubern wir Euch nun Frühling in Eurer Zuhause – mit einem Raumduft von Carthusia Casa aus der Domus Kollektion, und zwar Fiori di Capri.

Wer etwas gewinnen mag, schreibt uns bitte eine Mail mit Namen und Adresse bis So, 24 Uhr an info@ausliebezumduft.de und nennt uns einen der Düfte, die ich diese Woche rezensiert habe.

Viel Glück!

Ein schönes Wochenende Euch allen wünscht Euch

Eure Ulrike.

EDIT: Die Gewinner der letzten Woche hätte ich fast vergessen ;) Es waren/sind: Natalia D., Bettina H., Beate C. C., Dr. Thomas L., Thomas G. – viel Spaß beim Schnuppern!

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Carpaccio…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gewürziges,Hesperiden am 30.04.2010

Diptyque L'Eau de Tarocco… ist rohes, hauchdünn geschnittenes Rinderfilet, das meist in Begleitung einer (unter Umständen verschieden gearteten) Sauce serviert wird. Eine italienische Delikatesse, benannt nach einem Landsmann, dem venezianischen Maler Vittore Carpaccio – und zwar von Guiseppe Cipriani, dem Besitzer von Harry’s Bar in Venedig. Eine Affinität zur Malerei schien er zu haben, der Herr Cipriani, erfand er doch auch den gleichfalls nach einem Maler benannten Drink Bellini – und eben besagtes Carpaccio.

Da sich das Carpaccio großer Beliebtheit erfreut und bekannter ist als sein Namenspate, hat es vielerlei Varianten und Variationen, die mit dem eigentlichen Kern der Sache, dem (Rind)Fleisch, nicht mehr allzu viel zu tun haben. Aber: Diverse Variationen sind eine echte Alternative für Menschen wie mich. Ich bin nämlich Vegetarier. Ergo kommt für mich auch das mediterrane Äquivalent zum japanischen Sashimi nicht in Frage, das Fisch-Carpaccio. Dafür liebe ich im Sommer, der sich ja vielleicht auch noch bei uns blicken läßt, Früchte-Carpaccio. Und zwar in jeglicher Form und Ausprägung. Auch wenn ich selbst so oft zu faul bin, welches herzustellen – Smoothies gehen ja doch immer schneller ;)

taroccoFrüchte-Carpaccio ist aber genau jene Assoziation, die ich als allererstes mit dem neuen Diptyque Cologne Eau de Tarocco verbinde. Bereits die drei ersten Colognes, die ich vor nicht allzu langer Zeit rezensierte und die 2008 erschienen waren, stießen bei mir auf Wohlwollen: Einfach schön waren sie, haltbarer als erwartet und durchaus gelungene und innovative Variationen der altbekannten Cologne-Thematik – eines wie ich finde nicht unbedingt einfachen Bereichs…

Mit Eau de Tarocco ist Olivier Pescheux, dem Parfumeur, nun erneut ein Wurf gelungen. Die Kopfnoten präsentieren sich saftig-zitrisch, eine opulente Riege frischer Blutorangen- und Grapefruitschnitze, über welche sich wenige Augenblicke später Rosenwasser ergießt. Alsbald kommen die Gewürze mit ins Spiel – Safran und schärfender Zimt sowie fruchtig-herber Ingwer, die in der Basis von pudrigem und leicht wärmendem Moschus abgerundet werden, welcher durch Zedernholz und Weihrauch sauber-holzig ausbalanciert wird.

tarocco3Alles in allem ein absolut zeitgemäßes Stilleben, opulent auf einer großzügigen Blatte angerichtet. Das Eau de Tarocco hat alles, was ein modernes Cologne braucht: Leichtigkeit, Frische und Simplizität als auch Würze, Tiefe und Komplexität. Darüber hinaus stellen die herb-fruchtigen Noten einen willkommenen Twist zu dem ansonsten eher klassisch zitrisch gelagerten Thema dar. Ich als alter Colognefan finde es ziemlich schön – und hätte mich nicht gewundert, hätte ich gelesen, daß sich z.B. Duchaufour mit Eau de Tarocco an der Colognefront versucht hätte… Ich werde mir den Namen Pescheux mal gesondert merken… und bin gespannt, was außer Artek Standard für CdG sowie dem neuen Vetyverio für Diptyque von ihm in absehbarer Zeit sonst noch so auf dem Nischenmarkt bewerkstelligt wird…

Die Ingredienzen: Blutorange, Grapefruit, Rose, Zimt, Ingwer, Weihrauch, Zedernholz, Moschus.

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Fruit von Lize Rixt, Sunburst von Steve Knight, Color Flow von Asif Akbar – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis


Paradise Found – Ninfeo Mio.

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges,Krautiges am 29.04.2010

ninfa2Getätigte Reisen, imaginäre Augenblicke und reale Orte sind es, die Parfumeure oft zu Düften beflügeln. Im Falle von Ninfeo Mio ist letzteres der Fall und wer glaubt, daß das Paradies verloren ward, der wird hier eines besseren belehrt: Ungefähr 60 Kilometer südlich von Rom liegen sie versteckt, die Gärten von Ninfa. Ninfa selbst ist ein kleines verfallenes Dörfchen, dessen Ursprung bis ins 12./13. Jahrhundert zurückreicht. Das Dorf selbst wurde circa zweihundert Jahre später verlassen (die Pest) und zum Teil zerstört. Danach wurde Ninfa sich selbst überlassen – bis sich im 20. Jahrhundert die adligen Besitzer des Landstrichs dazu entschlossen, aus demselben samt den Dorfruinen (ein Wachturm steht noch sowie einige Häuser und Grundrisse) einen botanischen Garten zu machen.

Das haben sie wohl, und zwar in aller Nachhaltigkeit: Einige Damen und Herren der besseren Gesellschaft haben sich an den Giardine e Rovine di Ninfa „abgearbeitet”, mit dem Resultat, daß eben jene heute zu den schönsten Gärten Italiens, ja, vielleicht auch: der Welt zählen. Als eine der romantischsten Gartenanlagen Europas werden die Gärten der Nymphe bezeichnet.

Annick Goutal Ninfeo MioEinst gehörte Ninfa zu dem die Sommerresidenz der Adelsfamilie Caetani umgebenden Park – die Familie hatte vor Ort weitläufige Ländereien. Bereits Prinz Gelasio Ceatani begann in den zwanziger Jahren mit der Anlage und Restauration des Gartens. Zwischendurch müssen wohl noch eine englische Adlige samt ihrer Tochter am Werk gewesen sein, welche unter anderem für das Pflanzen japanischer Ahorne, Bambus, diverse Bäume wie Eichen und Magnolien verantwortlich war. Die letzte Besitzerin war aber wohl wieder eine Caetani, Lelia Caetani, welche die Gärten der Stiftung Caetani di Sermoneta vermachte, die heute vom Landkreis, dem Lionsclub Latina und dem World Wildlife Fund (WWF) unterstützt wird.

Im ganzen Garten Eden muß es wohl sprudeln und plätschern, der namensgebende Ninfeo fließt hindurch, welcher seinen Ursprung in Ninfa hat, benannt nach der alten Tradition, nach denen Quellen als Nymphenheiligtümer galten. Und es blüht und es duftet überall: Tausende verschiedene Pflanzer, auch ungewöhnliche und vormalige Exoten (unter anderem dank den Engländerinnen), sind in den Gärten beheimatet und locken jährlich über 60.000 Touristen aus aller Welt an.

Annick Goutal Ninfeo Mio

Wie in jedem Paradies ist der Einlaß aber auch hier wohl nicht zu allen Zeiten machbar: Wer die Gärten besuchen möchte, sollte sich vorher bezüglich der nicht allzu großzügigen Öffnungszeiten erkundigen – so das, was man über die Giardine e Rovine di Ninfa zu lesen bekommt.

Haaach… bei den Bildern wird mir ganz schwer ums Herz – so wunderschön sieht dieser Garten aus, eine wahre Oase. Es gibt auch eine Flickr-Gruppe zum Thema, wer weiter in Bildern wühlen mag und Sehnsüchte wecken – gerne, hier.

Ninfeo Mio riecht, wie die Bilder scheinen: Nach Paradies. Nach Natur, nach unberührter. Und nach Alleinsein. Auch wenn man das vermutlich in jenen verwunschenen Gärten nie sein wird – sie wirken so erhaben, so entrückt, daß Gesellschaft eigentlich unvorstellbar erscheint.

Im Auftakt präsentiert sich der Duft bereits strahlend smaragdgrün, was auch kennzeichnend für ihn bleiben wird: Zitronenverbene mit der für sie typischen Intensität dominiert, umrankt von Galbanumharz, dem Waldmeisterharz, welches grüngrasig-blättrige Noten schafft, sowie einer noch grünen Feige. Im Herzen ist Ninfeo Mio ebenfalls ein Grüner, fein austariert wird er durch einen Hauch Lavendelwürze und kaum wahrnehmbare Bitterorange. Die Basis enthält meines Erachtens nach nur eines: Vanillezitronenblätter.

Ihr kennt keine Vanillezitronenblätter? Ich auch nicht. Ich bin mir aber sicher – wenn es ihn irgendwo gibt, den Vanillezitronenbaum, dann in den Nymphengärten, denn Ninfeo Mio riecht in der Basis exakt so: Eine zitrische Frische, die auf einem warmen Lager liegt, ein holzig anmutendes mit weichen Vanillekissen. Zum Niederknien.

Für mich ein innovativer und wirklich umwerfend schöner Frühlings-/Sommerbegleiter – die Zitronenverbene allerdings, die sollte man schon mögen.

Ich mag sie und will ihn haben, den Duft, jawohl. Wenn schon kein Urlaub in Sicht ist, sollte wenigstens ein Fläschchen davon drin sein, oder nicht?

Es grüßt Euch ganz herzlich,

Eure Ulrike.

P.S.: Vor lauter Träumerei habe ich die Ingredienzen vergessen – hier sind sie: Kopfnote: Zitrusfrüchte, Zitrone, Galbanumharz, Verbena (Eisenkraut); Herznote: Bitterorange, Lentisque-Extrakt (Blätter der Pistazie), Lavendel; Basisnote: Nadelholz, Feige, Zitronenbaumholz, Zedernholz.

Bildquelle: Blossoming Magnolia in Ninfa von Monika Vlasak, Scorcio dei Giardini di Ninfa von Didimo69, Henrietta Rae: Water Nymphs – alles via Wikicommons, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Nicht ohne meinen Lack!

Geschrieben in Kosmetik,Make-Up am 28.04.2010

Wer heute hip sein möchte, muss schnell sein. Denn das temporär-wechselnde Erkennungszeichen des internationalen Beauty-Jet-Sets ist meistens schon innerhalb weniger Tage wieder ausverkauft.

In der Geschichte der Beauty gab es immer wieder Produkte, für die Kundinnen schon früh morgens Schlange standen, um einen der begehrten Tiegel, Töpfchen oder Flakons zu ergattern. Bestseller, die den allzu-oft bemühten Tatbestand des „Must-Haves” tatsächlich erfüllen. 1971 gab es so einen Run auf die Kosmetik-Counter, als Jade Maybelline seine „Great Lash” präsentierte. Oder 1992, als Yves Saint-Laurents „Touche Eclat” Kundinnen weltweit den Kopf verdrehte und dann aufhübschte. Oder 1999, als Hollywoods umschwärmte „Creme de la Mer” endlich den deutschen Markt stürmte. Wie gesagt: es gab immer Produkte, die einen unerklärlichen Reiz darstellten, die man unbedingt haben wollte und über die alle Welt sprach. Ich beobachte nur in letzter Zeit, dass sich dieses Stampede-ähnliche Kaufverhalten ändert. Denn waren es früher kleine Revolutionen, die zu anschließendem Kaufrausch führten – wie eine Wundercreme oder der erste High-Tech-Concealer mit integriertem Pinselchen – so sind die Must-Haves unserer Zeit deutlich simpler gestrickt: Einzelne Farben (!) führen zu einer kleinen Massenhysterie. Vor allem dreht sich dabei alles um Nagellack. Eine bestimmte Nuance, meist als sogenannter „One-Shot” (also nur für eine Saison erhältlich) wird zum Renner.

Eyewear & PolishAngefangen hat diesen Hype um eine Nagellack-Nuance Uma Thurman. Oder eigentlich Chanel. Wie rum auch immer: Als Uma Thurman Mitte der Neunziger in „Pulp Fiction” einen Schicht tiefdunkle Kirsche auf den Nägeln trug, wurde die Farbe sozusagen über Nacht zum Kult… und ist es bis heute geblieben!
Aber tatsächlich erleben wir nun immer häufiger, dass eine Nagellack-Nuance auf den Markt kommt, von Celebrities in aller Öffentlichkeit getragen wird – und wumms – zum Bestseller wird. Mal ist es ein mintgrün, das allerwelts den Parfumerie-Verkäuferinnen aus den Händen gerissen wird, ganz aktuell ist es: Schwarz.
Nicht wirklich neu, denn so um das Erscheinen der „Twilight”-Triologie herum und zu Zeiten der „EMOs” (diese schwarz-pink-karierte Jugendbewegung), war schwarzer Nagellack bereits das erste Mal in. Schuld war – schon wieder – Chanel. Denn das französische Haus setzte 2006 die Bench-Mark mit der Farbe „Nr. 219 Black Satin”. Wieder waren es Celebrities, die munter mit ihren Nägeln vor Kameras posierten und so den Trend massentauglich machten: Jessica Alba, Mena Suvari, Lindsay Lohan und wie sie alle heißen.

Fast scheint es, als wäre der Lack das, was früher die IT-Bag war oder die Non-Plus-Ultra-Louboutins. Der „Vernis” (wie ihn Beauty-Junkies liebevoll nennen) ist heutzutage zum Statement geworden: Hey, schaut her, ich kenn mich aus in der Welt der schönen Dinge und bin trendy!”
Könnte dieser Wandel mit der Wirtschaftskrise zu tun haben?
Früher, als aufgeblähte Immobilien-Geschäfte und leicht zu habende Kredite unser Leben bestimmten, musste jede Frau dringend eine Kelly-Bag haben. Konnten sich aber nur wenige leisten, und selbst wer das Geld hat muss lange warten bis das Gute stück von Hand gefertigt wird – so schafft man Begehrlichkeiten! Nun, im Jahre 2010 sitzt das Geld weniger locker, wenn man heute auf der Straße fragen würde, wette ich, träumen nur noch halb so viele Frauen von einer Hermès-Handtasche wie vor zehn Jahren. Andere Dinge, andere Werte sind in den Mittelpunkt des Lebens gerückt. Man spart. Und leistet sich kleinere, erschwingliche Kostbarkeiten, eben einen IT-Lack!

So waren im letzten Jahr Yves Saint Laurents Grau-Ton „Stormy Grey” und Chanels Wahnsinns-Grün „Jade” absolute Topseller. Wollte man haben, musste man haben. Und konnte damit jede Kollegin im Vorbeigehen erblassen und neidisch auf dem Flur stehen lassen. Das Bizarre: auf Auktionsplattformen erzielten die begehrten Nuancen absurde Preise. Teilweise bis zum vielfachen des eigentlichen Verkaufswertes.
Beispiel: Chanels Jade.

Auf der Pariser Fashion Week 2009 präsentierte Design-Gott Lagerfeld seine Herbst- und Winterkollektion, und dekorierte die Topmodels mit Ringen und Ketten aus Jade. Passend dazu die Nägel in einem umwerfenden, zarten Grünton. Die Resonanz auf das von Make-up-Chef Peter Philips entwickelte Blassgrün verlief irgendwo zwischen überwältigend und absurd-euphorisch… Der Lack (ursprünglich ja extra für den Laufsteg entworfen) wurde zum Phänomen. Deshalb ging Chanel den logischen Weg, gab seinen „Jade” in limitierte Produktion… und der war dann am Counter bereits nach zwei Tagen restlos ausverkauft! Ein Wahnsinn. Bei Ebay haben dann doch noch ein paar Glückliche (?) ein Fläschen ergattert. Für schlappe 150 Euro das Fläschchen!
Ähnlich verhielt es sich mit der Erstauflage des schwarzen „Black Satin” von Chanel. Wieder ein One-Shot (wie gesagt: Begehrlichkeiten wecken!), wieder innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, so dass sogar Chanel die (pardon) Spucke weg blieb. Und wieder Höchstpreise bei Ebay und Co. Nur, dass sich alle, die damals für überteuerte Preise eine Lackflasche ersteigert haben, nun ärgern dürften: denn Chanel nimmt das legendäre Schwarz in die laufende Kollektion auf. Genügend Schwarz für alle!

Aber wie darf man sich die Entstehung so eines Hypes eigentlich vorstellen? Sitzen Damen der ersten Liga beim Kaffeeklatsch zusammen, sagen wir mal beispielsweise Frau Beckham und Frau Holmes, und flüstern sich heimlich den Namen der neuen IT-Farbe zu? So wie man sonst nur hinter vorgehaltener Hand über diesen waaaahnsinnig guten Schönheitschirurgen spricht, den die beste Freundin auch unbedingt mal kennenlernen sollte?
Voodoo LipstickNagellack ist nicht mehr bloß der stiefmütterliche Verwandte des Lippenstifts. So wie Gürtel sich von ihrer sklavischen Beziehung zu Schuhen gelöst haben (1990: „Schuh und Gürtel müssen identisch aussehen”), so durchlebt der Nagellack unserer Tage seine Emanzipation.
Fast, und einige Leser werden mich jetzt wohl am Liebsten mit Heugabeln und Fackeln aus dem Dorf treiben wollen, fast ist der Nagellack 2010 wichtiger als der Lippenstift.
Den Trend haben nun auch Firmen entdeckt, die bisher noch nicht so viel mit beauty zu tun hatten. War es früher noch so, dass jedes (hinterletzte) Label unbedingt ein eigenes Parfum kreieren musste, so hat sich auch hier der Nagellack als neue konstante Größe etabliert: Das Mode-Label „American Apparel” etwa bringt jetzt keinen eigenen Duft, sondern eigene Nagellacke. Find ich klasse! Denn eine Kompetenz in Sachen Trend-Farben hat das Label auf jeden Fall. Wer wissen will, was gerade so angesagt ist, streift einmal in einer Boutique durch die engen Gänge und ist sowas von up-to-date! Was hier hängt, trifft den Zeitgeist.
Und jetzt also auch Nagellack. 18 Nuancen gibt es, viele davon in matt (ist ja auch grad so „in”), und ein paar tolle Knallfarben, etwa ein poppiges Gelb oder ein Eighties-Blue.
Aber natürlich gibt es auch die drei derzeit wichtigsten Farben, die bis vor kurzem so begehrt waren, dass sie morgen sicher schon wieder (Gähn) out sind: ein „Factory Grey” in mausgrau, ein „Hassid”, nämlich tiefschwarz, und ein „Office” – einen herrlich „Jade”-ähnlichen Mintton.

Und was lernen wir jetzt daraus?
Dass heute ohne auffälligen Lack nichts geht. Lieber ein paar Euro in einen stylishen Vernis investieren und damit aus einem mittelmäßigen Outfit einen Knaller machen, als eine Saison lang auf eine Handtasche hinzusparen – die man sich ja dann doch wieder nicht kauft, weil sie bis dahin schon wieder out ist. Gott, ist schick sein manchmal kompliziert?!
Und bitte schicken Sie mir jetzt keine Mails, ich wiederhole: Keine Mails!, um mich zu fragen, was der kommende Trend-Lack ist. Ich weiß es nämlich nicht. Pastell-Gelb? Knall-Koralle? Oder kommt Nude wieder? Keine Ahnung, wirklich. Wir werden uns alle überraschen lassen müssen, was sich Köpfe wie Karl Lagerfeld und seinesgleichen als nächstes einfallen lassen. Nur eines kann ich mit Sicherheit sagen: es wird auf jeden Fall NICHTS mit French Manicure zu tun haben. Denn das kann nun wirklich schon lange niemand mehr sehen. Das sollte nur mal jemand den ganzen 16-jährigen Mädchen sagen, die ich morgens immer in der U-Bahn sehe…

Eine schöne Restwoche wünscht Euch,

Euer Constantin Herrmann.

Die neue Nagellack-Kollektion von Deborah Lippman jetzt bei Aus Liebe zum Duft

Bildquelle: Eyewear von Kelly Davies und Lipstick von Vera Yatsula – beide via Stock.xchng. Some rights reserved. Vielen Dank!

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Das Nichts nichtet.

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges am 27.04.2010

L'Eau Serge LutensDas Nichts – ein philosophisch folgenschwerer Begriff… Wer denkt, von nichts oder besser: Nichts kommt nichts, liegt somit – abseits des Umgangssprachlichen – vollkommen daneben. Es haben sich etliche Philosophen seit der Antike mit jenem bedeutungsschwangeren Begriff beschäftigt – und spätestens seit Heidegger wissen wir: „In der hellen Nacht des Nichts der Angst ersteht erst die ursprüngliche Offenheit des Seienden als eines solchen: dass es Seiendes ist – und nicht Nichts.” Das Nichts also als Kontrast zum Sein und somit auch zum Dasein sowie dem Seienden. Und vielleicht einfacher schon bei Aristoteles: „Der Schatten des Nichts lässt das Seiende in seiner Seiendheit ausdrücklich erscheinen.”

Das Nichts also ist es, das, banal heruntergebrochen, als Gegensatz zum Sein existiert und jenes erst wirklich bewusst werden lässt: Das Sein ist nicht Nichts, sondern: Es ist bestimmt, es existiert, es ist, es ist also Sein. Wer jetzt genau aufgepasst hat, dem wird aufgefallen sein: Nach dieser Rechnung ist auch das Nichts, es ist, nämlich: Nichts. Insofern gehört es ab ovo zum Sein dazu, ist untrennbar mit ihm verbunden.

Tjaja, alles klar, wird jetzt der eine oder andere von Euch denken. Aber – nicht nur, daß Heidegger eine interessante und lohnenswerte Lektüre darstellt, mein kleiner philosophischer Exkurs hier hat durchaus seinen Grund: Serge Lutens samt seinem Parfumeur Christopher Sheldrake sind auf Abwegen unterwegs und scheinen ebenfalls unter die Philosophen gegangen zu sein. Und unter die Revolutionäre.

L'Eau Serge LutensFühlte sich Lutens, wie er doch selbst bekundet, bei der Präsentation seines neuesten Duftes L’Eau Serge Lutens wie Saint-Just, dieser französische Revoluzzer. Denn: Das L’Eau ist nun gar nicht das, was man so von Lutens erwartet(e?): Ein Parfum, das „nicht wirklich ein Parfum ist”, eher ein „Eau der Sauberkeit”, „elegant und subtil”, so, „als ob man aus dem Bad kommt”, aber eben auch kein frisches Eau, sondern „man könnte sagen, dass es eine frische Brise zwischen den ganzen grässlichen Gerüchen ist. Dieses Eau ist… eine Tablette von Valda auf dem Mont Blanc.” So Lutens in einigen Interviews – siehe unter anderem hier, hier und hier (Quelle der folgenden Zitate).

Das L’Eau ist also ein „Bruch”, wie Lutens selbst sagt. 16 Jahre Arbeit steckt in dem neuen Duft, der genuin naturaliter ein „Anti-Duft” ist, wie Lutens bezeugt:

“Ich hatte die Idee, ein ,,Anti-Parfum” zu kreieren, dessen Duftnoten und Sinnlichkeit den Träger mit einem nachhaltigen, „reinen” Duft umgeben und nicht mit einem „Parfum” im herkömmlichen Sinne. Keine Neuheit, die an die Stelle bestehender Düfte tritt, sondern etwas, das wieder Lust auf Duft macht. Es ist als Reaktion auf unsere überparfümierte Welt zu verstehen… in welcher der Ursprung, warum wir einen Duft tragen, die Verführung, in Vergessenheit geraten und zu einem gedankenlosen Ritual geworden ist. L`Eau Serge Lutens ist meine Antwort darauf: rein und klar, sich abgrenzend von diesen artifiziellen Düften, die uns umgeben. Es ist wie das Einatmen klarer, frischer Bergluft.”

Aha, es verbirgt sich hinter diesem angeblichen Nichts also doch ein Sein, vielmehr: Ein Seiendes. Was per definitionem als Parfum verkauft wird, das keines sein möchte, ist eben doch ein Statement, wie Lutens einräumt:

“Ich suchte etwas anderes: eine Note, die den Eindruck von Sauberkeit und Reinheit vermittelt. Dieser außergewöhnliche Duft von frisch gebügelter Wäsche, der Wohlbefinden und Schläfrigkeit auslöst. An den wir uns aus der Zeit erinnern, als wir noch klein waren.”

So kommt der Duft „dem Geruch von sauberer Wäsche sehr nahe”, was auch Lutens’ Idee war: „Frische, Luft, gebügelte Wäsche, sauberer Dampf. Als ob man mit diesem Duft andere Gerüche abweisen könnte, die man nicht haben will. Es ist also eher so etwas wie ein mentaler Schutz als ein Parfüm: Man geht damit auf Abstand.”

L'Eau Serge LutensEin Platzhalter soll es also sein, dieses L’Eau. Ein distanzschaffender und dekonstruktivistischer Duft, auf das Wesentliche konzentriert, denn, so Lutens:

“Er kann dazu beitragen, mit seinem Innersten in Berührung zu kommen. Für Frauen ist es an der Zeit, mit alten Klischees aufzuräumen, wie Strapsen oder Lockenwicklern, all diesen Attributen einer überholten Neo-Erotik, zu der Frauen greifen, um Männern zu gefallen. Bei Männern: weniger Bodybuilding, weniger Aktenkoffer und andere Accessoires, die Frauen beeindrucken sollen. Es ist Zeit für Wohlbefinden, Einfachheit und frische Luft.”

Wie recht er doch hat… Und das L’Eau hält ebenfalls, was es verspricht: In den Kopfnoten offenbaren sich sanfte zitrische Noten mit diffus-fruchtigen Anklängen, die alsbald von einer zart-pudrigen Vanille begleitet werden, ehe sie in luzide und saubere Gefilde übergehen, in welchen einige subtile Blüten blühen. Das L’Eau umgibt einen tatsächlich wie ein unaufdringlicher (und trotzdem extrem haltbarer) Hauch. Weit davon entfernt, einer jener cleanen amerikanischen Wäschedüfte zu sein (welche ich nicht mag, was ihr spätestens hier festgestellt haben solltet), lässt es Platz für den Träger, die Trägerin, sowie deren Naturell und Persönlichkeit. Es ist also in der Tat, wie Lutens beschreibt, eine Art weißes Blatt: Tabula Rasa mit der Möglichkeit, die ureigene Geschichte des Trägers mit aufzunehmen und zu erzählen.

So ist das L’Eau Serge Lutens schlussendlich eben wie das Nichts – es ist mehr als nicht, denn es ist. Und Serge Lutens ist wie Heidegger ein Wortakrobat. Hier schließt sich der Kreis.

In diesem Sinne -

liebe Grüße,

Eure Ulrike, ebenfalls seiend.

P.S.: Hier der Videoclip zum Duft.

Bildquelle: Metal Box von Martyn Rice, Snowy Mountain and Forest von Ariel da Silva Parreira, Linen von Karolina Przybysz – alle via stockxchng, some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Die Farben des Lebens

Geschrieben in Kosmetik,Make-Up am 26.04.2010

Warum Tom Fords erster Film „A Single Man” bei aller tiefen Traurigkeit ein Plädoyer für mehr Farbe ist – und das ausgerechnet vom Meister des schlichten, schwarzen Smokings!

Seit ein paar Tagen läuft „A Single Man” in den deutschen Kinos. Der erste Film des Modeschöpfers Tom Ford. Mode und Movie, passt das zusammen? Wieso nicht. Karl Lagerfeld schießt Fotos, Gaultier liebt es, für Science-Fiction-Kracher die Kostüme zu entwerfen – da ist es nur ein kleiner (eigentlich naheliegender Schritt) zum Regisseur. Zugetraut hätte man es Mr. Ford trotzdem nicht. Aber allem Spott zum Trotz hat Tom Ford die Romanverfilmung (nach Christopher Isherwood) zu einem der besten Filme des Jahres geführt, und das ohne jede filmerische Vorkenntnis, zuletzt sogar ohne Sponsoren. Er musste seinen ersten Film selber finanzieren. Das Melodram, das dabei entstand ist die perfekte Symbiose aus der oberflächlich-schönen Welt der Mode und der tiefen Emotionalität eines Künstlers. Hirn trifft Herz, wie man es sich für einen Kinoabend nicht schöner wünschen könnte, ohne anstrengend zu werden, ohne vermeidbare Längen, ohne intellektuelles Gefasel. Der Film berührt, schmeichelt und hinterlässt im Herzen für ein paar tage eine tiefe Schneise der Melancholie. In einem Wort: Ein Meisterwerk.

Sitzt man erst einmal wohlig in den Kinosessel gekuschelt und der Vorspann läuft, ist man bereits gefangen. Gefangen in einer emotionalen Tour de Force von bestürzender Schönheit. Wir befinden uns im Jahr 1962 in Los Angeles und begleiten einen Tag im Leben des College-Professors George Falconer (unglaublich eindrucksvoll und bestürzend gut gespielt von Colin Firth). Professor Falconer ist schwul und in herzzerreißender Trauer versunken wie ein Ertrinkender in einem Meer aus Verzweiflung (mit dieser Metapher beginnt auch der Film). Sein Lebensgefährte, die Liebe seines Lebens, ist vor ein paar Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Und diesen Schicksalsschlag konnte der intellektuelle und introvertierte Falconer nie überwinden. So erleben wir den letzten Tag im Leben eines zerbrochenen Mannes, der seine letzten Stunden mit Vorbereitungen auf seinen Selbstmord verbringt. Die finale Flucht aus der bunten Welt der Sechziger Jahre, zu der aber der Professor keinen Zugang mehr finden kann. Die Rolle des Verzweifelten ist minimalistisch angelegt, lebt von kleinen Gesten in Zeitlupe und emotional aufpeitschender Musik in der Tradition eines Wong Kar-Wai („In the Mood for Love”). Eine erdrückende Langsamkeit und Bedeutungslosigkeit umschließt das Herz des Zuschauers – eisern und eiskalt. Den letzten Tag in seinem Leben verbringt Falconer routiniert, von der Uni-Vorlesung, in der er für einen kurzen Moment seine Fassade bröckeln lässt und aus seinem Panzer ausbricht, nur um sofort die Flucht anzutreten. Wie ein Fels in der Brandung brechen sich die Wellen des Lebens an ihm, Begegnungen, amouröse Avancen, Begegnungen – alles verläuft wie in einem Film, den der Professor selber beobachtet, immer begleitet von Erinnerungen an seinen toten Freund. Selbst das alkoholgeschwängerte Abendessen mit Falconers bester Freundin – mit Herzblut und trauriger Schönheit gespielt von Hollywoods First Choice, wenn es um zermürbend unglückliche, welkende Frauenrollen geht: Julianne Moore – verkommt zu einem tristen Abbild vergangener, besserer Tage. Auffallendstes Stilmittel des Neu-Regisseurs Ford ist dabei der Umgang mit Farben. Falconer selber wird in blasser, grobkörniger Tristesse gezeigt. Seine Erinnerungen an die Zeit mit seiner großen Liebe dagegen in pulsierender Farbigkeit. Begegnungen an seinem letzten irdischen Tag verlaufen konsequenterweise in zwei Layern. Falconer selbst gräulich-blass, die Menschen, denen er begegnet strahlen dagegen. Aber im Laufe des Filmes verändert sich das Spektrum: Umso mehr der Professor noch einmal an Lebensfreude an diesem letzten Tag erlebt, desto kräftiger wird auch seine eigene Farbigkeit. Die Farbe an sich wird zum Ausdruck der Lebenslust, der Freude, des Lebens. Denn die Figur Falconer ist alles andere als eindimensional an diesem letzten Tag. Sie verläuft mehrere Stadien, entwickelt sich noch einmal – humorvoller Seitenblick: In einer Rückblende liest Falconer Ovids Metamorphosen. Wie treffend! Es ist nicht der einzige Moment im Kinosaal, indem manche lachen, anderen gefriert das Schmunzeln – etwa, wenn Colin Firth den Selbstmord plant, überlegt, wo und in welcher Stellung er sich erschießen soll, um seiner Putzfrau möglichst wenig Arbeit zu machen… Auf dem Bett, in der Dusche, oder vielleicht in einen Schlafsack eingezurrt wie eine Raupe. Manche lachen, andere habe ich weinen sehen. Aber solche Filme sind für mich der schönste Grund, ins Kino zu gehen: Wenn die Flut der Gefühle jeden Zuschauer auf seine ganz eigene Art erfasst, aber doch niemanden kalt lässt.

Verlässt man nach 101 Minuten den Kinosaal, bleibt erst einmal eine tiefe Traurigkeit. Man reflektiert die eigenen verflossenen Lieben seines Lebens, überdenkt die Distanz, auf die wir alle oft aus Angst vor Nähe gehen, hinterfragen unser Leben. Und wünschen uns mehr Farbe. Kein Leben im Grauschleier, sondern Lebendigkeit, Glück, Sex, Liebe, Lust, Freunde. Denn darum geht es in „A Single Man” eigentlich: Egal was passiert, was man auch erlebt und wie grau alles erscheinen mag – nie die Lust am Leben verlieren. Und selbst, wenn eine Beziehung zu Ende geht, weitermachen. Wie heißt es im Film so schön: „Liebhaber sind wie Busse. Man muss nur manchmal ein bisschen warten, aber dann kommt der nächste.”

Lust auf Farbe!

Shocking Color NoubaWenn wir gerade über Farbe reden, fällt mir sofort „Nouba” ein, die dekorative Kosmetiklinie von Rosy Armanini, die seit den Siebzigern mit konsequenter Qualität und hinreißender Farbigkeit brilliert. Ihr Look für diesen Sommer nennt sich „Shocking Color” – und gerade nach einem nachdenklich-tristen Film wie „A Single Man” möchte man loslaufen und sich etwas Buntes leisten. Die Damen haben es da leicht, wir Männer könnten uns als Statement höchstens einen neonbunten Turnschuh holen – gerade auch sehr angesagt! Denn was drückt mehr Lebensfreude aus, als ein Make-up in starken, explosiven Farben. Nicht unbedingt alltagstauglich, sondern eher etwas für abends, aber auch das lehrt uns „A Single Man”: gehen Sie mehr aus dem Haus, da draußen wartet das Leben, nicht in den eigenen vier Wänden und schon gar nicht im Gespinst der eigenen Melancholie. Aber was ist so Besonders an dem neuen Nouba-Look, das er mir ausgerechnet jetzt in den Sinn kommt? Er ist mutig. Und schön. Spielt mit den klassischen Akzenten der 60′iger Jahre, die im Make-up-Bereich doch gerade eh so angesagt sind: Kräftiger Eyeliner, über die Natürliche Augenform hinaus laufend, das klappt auch mit einer schwarzen Linie – aber bei Nouba können Sie in allen Farben des Regenbogens schwelgen. Flüssige Eyeliner in Lila, Grün, Blau – herrliche Reminiszenzen an die fröhliche Welt der Sixties, die im Film nur kurz angedeutet wird mittels der wunderschönen Julianne Moore, die wir beim schminken beobachten dürfen. In der gleichen Feuerwerk-artigen Schönheit liefert Nouba diese Saison Mascaras und Lidschatten, mit denen man herrlich spielen kann, um seinem Alltag etwas aufzupeppen. Probieren Sie es zum Beispiel mal mit meiner Lieblings-Wimperntusche in leuchtendem Grün: erst eine normale Mascara in schwarz auftragen, trocknen lassen, und dann nur die Spitzen mit einem Hauch bunter Türkis- oder Aquamarin-Farbe veredeln. Passend dazu gibt es umwerfend schön schillernde Lipglosse (ebenfalls sehr Sixties, da kam Gloss nämlich gerade in Mode), in fünf kristallklaren Farben – von Orangerot über Lilac bis Mauve.

Und vielleicht ist ein Kinoabend mit Freunden ja der perfekte Anlass, um wieder mehr aus dem Haus zu gehen. Ein Film, ein Cocktail – und sich des Lebens freuen. Dazu tragen Sie die neuen Nouba-Farben und können signalisieren: Ich habe die Botschaft verstanden. Hinter all der Traurigkeit von „A Single Man” steckt eigentlich der Aufruf, mehr zu wagen, mehr zu erleben, mehr zu genießen!
Ich jedenfalls gehe jetzt sofort mit meinen neuen silbernen Turnschuhen auf die Straße und gönne mir ein glas Sekt, obwohl es erst 14 Uhr ist. Carpe Diem, der wohl blödste Spruch der lateinischen Sprache hat nämlich seit „A Single Man” eine neue, ernsthaft fröhliche Bedeutung für mich. Und ja, ich bin bereit, ich werde genießen! Tom Ford sei Dank.

Eine schöne Woche wünscht Euch,

Euer Constantin Herrmann.

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Sex and the City ist zurück
Frohe Weihnachten und ein besinnliches Fest!
Die Farbe Lila…


Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 23.04.2010

Hallo Ihr Lieben,

Freitag ist Verlosungstag, das ist doch klar: Wer eines unserer fünf Probenpakete haben möchte, mailt uns bitte bis So, 24 Uhr an info@ausliebezumduft.de, vergißt seinen Namen und Adresse nicht und nennt uns einen Duft, der diese Woche rezensiert wurde. Viel Glück!

Die Gewinner der letzten Woche waren: Alexandra B., Renate E., Angelika K., Karin V. und Ingeborg A. – herzlichen Glückwunsch und viel Schnupperspaß!

Ein schönes Wochenende wünscht Euch

Eure Ulrike.

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Die Kugelwesen oder: Vom Ursprung der Liebe. Humiecki & Graefs Bosque.

Geschrieben in Blüten,Duft,Hesperiden am 23.04.2010

Eine der ältesten Schriften über die Liebe dürfte wohl Platons Symposion sein, das Gastmahl. Wie die meisten seiner Werke ist auch das Symposion in Dialogform geschrieben, für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich. Es handelt, wie der Name schon verrät, von einem Trinkgelage, einer Orgie, zu der üblicherweise nur Männer geladen waren. So auch in diesem Falle – Sokrates spielt, wie in fast allen Platonischen Schriften, eine gewichtige Rolle, dazu kommen noch einige andere Männer von Rang und Namen, ein Arzt, Dichter, etc.. Man nimmt sich vor, nicht allzu viel zu trinken und stattdessen den Eros zum Thema zu machen, zu diskutieren, ja: Lobreden auf ihn zu erzählen. Ersteres Vorhaben wird nicht eingelöst, man frönt dann doch zu sehr dem Dionysos, doch die Liebe wird in all ihren Facetten beleuchtet.

Eine der bekanntesten Stellen aus dem Symposion ist der Mythos des Aristophanes, den Platon diesem sehr wahrscheinlich in den Mund gelegt hat – ein antikes Bild der Liebe, das dem einiger romantischer Liebesvorstellungen der Neuzeit doch schon sehr nahe kommt. Aristophanes (lassen wir Platon die Freude) klärt darüber auf, daß der Mensch naturaliter ursprünglich ein anderer war, nämlich eine Kugel beiderlei Geschlechts, zusammengesetzt aus Mann und Weib. Dieses Kugelwesen stellte aber natürlich mehr dar als nur beiderlei Geschlechts zu sein – eine Verschmelzung der beiden (anderen) Geschlechter und somit mehr als die Summe seiner Teile war es, das Kugelwesen. Und unglaublich selbstbewußt mit seinen doppelten Gliedmaßen, schnell, kräftig und übermütig – so übermütig, daß es den Göttern irgendwann zu bunt wurde. Zeus teilte die Kugelwesen, halbierte sie. Es kam, was kommen mußte:

„Als nun so ihre ursprüngliche Gestalt in zwei Teile gespalten war, ward jede Hälfte von Sehnsucht zur Vereinigung mit der anderen getrieben: sie schlangen die Arme umeinander und schmiegten sich zusammen, voll Begierde zusammenzuwachsen.”

Wieder eins zu werden war unmöglich – so starben etliche an und in ihrer Apathie, nicht mehr loslassen zu wollen. Bis Zeus Erbarmen hatte und ihre Scham nach vorne verlegte, die ursprünglich (und vollkommen nutzlos…) seitlich angebracht war. So gab er ihnen die Möglichkeit, sich fortzupflanzen und miteinander zu verschmelzen – zumindest für einen kurzen Augenblick.

Humiecki & Graef BosqueSo, wie ich Humiecki & Graefs neuen und siebten Duft verstanden habe, geht es um genau diesen Augenblick, oder vielmehr – den danach. Den Augenblick nach der Verschmelzung, nach der Einswerdung oder, profaner: den Augenblick nach dem Sex. Wobei das wieder ein wenig zu trivial wäre, denn es geht nicht um Sex mit IRGENDjemand. Es geht um das Gefühl nach der (körperlichen) Vereinigung mit JEMAND bestimmtem, mit dem Geliebten, der anderen Hälfte.

Fischenich & Müksch, die beiden Herren hinter Humiecki & Graef fassen es in folgende Worte:

„Er beschreibt das Gefühl des Angekommenseins, das Eintauchen in die völlige Entspannung. Angekommen sein. Sich mit dem Menschen, nach dessen unendlicher Nähe man sich verzehrt, in extatischer Hingabe fallen zu lassen. BOSQUE ist von diesem einzigartigen, glückseligen Moment der Zufriedenheit inspiriert. Es ist das Beisammensein und das innige Erleben, welches einem in der gesamten Archaik dieses Augenblicks offenbart wird.”

Humiecki & Graef BosqueSo ist es diesmal eine gar bedeutende Uremotion, die die beiden mit ihrem angestammten Parfumeursduo Les Christophs (Christophe Laudamiel und Christoph Hornetz) umzusetzen suchten: Bosque steht für die Zufriedenheit. Nicht für irgendeine, sondern eine ganz elementare – wie auch schnell klar wird bei einem Blick auf die wie immer exzellenten Pressebilder: Zwei an der Zahl sind es, auf denen sich einmal Männlein und einmal Weiblein jeweils alleine in einem Bette räkeln. Nur spärlich bedeckt von fließenden Laken sieht man die beiden, die einen Eindruck absoluter Selbstzufriedenheit und Selbstgenügsamkeit vermitteln. Sattheit, im positiven Sinne. So soll Bosque auch, wie Humiecki & Graef verlauten läßt, „eine moderne Form von Sinnlichkeit” beschreiben, eine, „die nicht laut, sondern freudvoll und entspannt ist: in ihrer Natürlichkeit und ihrer Körperlichkeit provokant, doch nie vordergründig aufreizend, noch eindimensional.” Sehr schön. Und ansprechend – obgleich ich mir ein kleines Kichern nicht verkneifen kann: Mit Blick auf den Mann hätte mir ein kleines bißchen weniger Natürlichkeit oder genauer: zwei Haare weniger besser gefallen, aber gut, sei es drum, Geschmackssache ;)

Humiecki & Graef Bosque

Nun ist man, nimmt man Bosque wörtlich, zumindest bezüglich der Ingredienzen komplett auf der falschen Fährte: Das Wort stammt aus dem Spanischen und ist dort die Bezeichnung für Hain, von Fischenich und Müksch deshalb gewählt da „der Hain, als kleiner Wald, seit Alters her der Ort des Friedens und des Glücks ist und als Refugium der Götter gilt.” Erwartet man hier jetzt einen holzigen Duft, ist man gedanklich auf dem Holzweg, denn die symbolische Farbe für und zu Bosque war Gelb.

Leuchtende Gelbtöne, eine ganze Palette voll, strahlend und warm, waren Inspiration für Bosque, und das merkt man den Ingredienzen auch an: Primel, Narzisse, Büffelgras, Moschus, Grapefruit, Safran, Vetiver.

Primel und Narzisse zusammen werden als „unaufdringlich floral” beschrieben – dem mag ich mich anschließen. Zusammen aber mit dem Büffelgras und den Moschusnoten sollen sie an „den Geruch von warmer Haut” erinnern…

In der Tat, das tun sie. Und zwar auf eine in jeglicher Hinsicht merkwürdige Art und Weise. Bosque ist, in alter Tradition, wie jeder Duft von Humiecki & Graef ein kantiger Geselle: Nicht sofort mag er sich erschließen, mag sich nicht sofort preisgeben, fordert Aufmerksamkeit und – Hingabe. Eigentlich genau richtig bei diesem Thema. Läßt man sich aber darauf ein, wird man reich belohnt: Beileibe nicht tropische, aber doch auf ungewöhnliche Weise florale Süße strömt einem entgegen genauso wie eine zitrisch-prickelnde Grapefruit. Und, irgendwo da in der Süße des Blütenbouquets verborgen, das eine ganz eigenartige Anmutung besitzt, lauert wirklich Haut, warme Haut, gewärmte Haut, Geborgenheit. Ahnungen steigen empor, Ahnungen ob der Augenblicke vor dieser Momentaufnahme… Läßt man die Nase nur tief genug hineingleiten in den Duft, sorgt er eingesogen in den Nasenlöchern noch für ein Prickeln – und das ist jetzt keine leere Poesie, probiert es selbst…

Wie heißt es so schön abschließend in Aristophanes’ Rede bei Platon?

„Erst so lange also ist es her, daß die Liebe zueinander den Menschen eingeboren ward, zusammenführend die ursprüngliche Natur und bestrebt, aus Zweien Eins zu machen und der menschlichen Natur Heilung zu schaffen.”

Ob Bosque Heilung verschafft, weiß ich nicht – er vermag es aber eine kleine Momentaufnahme eines Momentes zu vermitteln, der nach Erlösung riecht…

In diesem Sinne und mit wackelnden Knien -

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pressematerial Humiecki & Graef und Sunny Autumn von John Nyberg via stockxchng – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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A new star is born…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Fruchtiges am 22.04.2010

Die Rede ist, der Insider wird es schon ahnen – von Andy Tauers neuem Duft Orange Star. Die letzten Jahre erfreute sich Herr Tauer einer stetig wachsenden Fangemeinde und somit auch immer größer werdender Popularität. Sein Stern ging auf mit L’Air du Désert, einem ikonengleichen Orientalen, der, absolut zu recht, nicht nur in diversen Internetforen und -boards für Furore sorgte, sondern auch Luca Turins Aufmerksamkeit erregte, welcher ihn in seinem Nischenduftstandardwerk Perfumes – The Guide mit fünf Sternen bewertete. So wurde Andy Tauer, das österreichische das (natürlich) schweizerische Parfumeurswunderkind, selbst zu einem „Star” der Szene – hatte sich der Autodidakt mit L’Air du Désert doch bereits ein eigenes Denkmal gesetzt. Danach ging es, der Fan wird es wissen, munter weiter mit diversen bemerkenswerten Düften, die alle ein roter Faden verband: Die typische Tauerhandschrift.

Was bei Guerlain die Guerlinade ist (der Signatureakkord des Hauses, die Basis, die in so gut wie allen Guerlaindüften auftaucht, geheim in der Rezeptur – Jasmin, Iris, Tonkabohne, Bergamotte, Rose und Vanille sind wohl enthalten) könnte man bei Tauer durchaus als Tauerade bezeichnen – danke an Nathan Branch, der diesen zutreffenden Neologismus in die Welt setzte.

Ganz abgesehen davon, daß Andy selbst in einem Interview mit der Perfume Posse einräumte, daß er keine sich stetig wiederholende Basis in seinen Düften habe, kein fixes Arrangement an Ingredienzen, so räumt er doch ein, daß es etwas Verbindendes in seinem Werk gibt:

„The signature thing. A truly interesting question. I do not have a set of compounds that you would find in every fragrance of my line. Well, maybe there is this Orris-root line combined with a woody-ambergris interpretation that you find in most of my fragrances. Not if you look at a formula, but if you look at how the fragrance manifests itself. Yes, this probably is one aspect.”

Es ist also nicht unbedingt die Zutat selbst, ob im Singular oder Plural, die Andy Tauers Düfte so unverwechselbar macht (obgleich ich doch schon eine deutliche Präsenz von Birkenteer in vielen Düften entdecke, die ich in der Form nur bei Tauer erlebt habe). Es ist dieses durchdringende Moment, diese Stringenz in den Düften, ihre Entwicklung, ihr Transzendieren, ihre Manifestation.

tauerorangestarIch will es gleich vorwegnehmen: Auch Orange Star ist, natürlich, ein echter Tauer. Und er trägt die olfaktorischen Initialen eines echten Tauers, wenn man so will. Somit wird er nicht jedem gefallen, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder etliche Nasen in Verzückung versetzen. Er ist nämlich, wie alles von Tauer – sehr eigen, ziemlich besonders und einzigartig.

Wer Tauer kennt wird schon ahnen, daß weder Hesperiden noch Orangenblüten bei ihm so umgesetzt werden, wie man sie eventuell aus den üblichen Verdächtigen, jenen vielen Sommerdüften kennt, die mit derlei Ingredienzen aufwarten.

Als echter Tauer ist auch Orange Star ein Duftchamäleon: Grüne Mandarine und Clementine, die ich ohnehin andauernd verwechsele, geben sich im Auftakt ein mächtiges Stelldichein. Jene legen einen Quickie hin, nämlich einen Schnellreifungsprozeß, entwickeln sie sich doch innerhalb kürzester Zeit zu saftig-reifen Früchten. Zitronengras, zitrisch-prickelnd wohnt diesem bei und bereitet der geneigten Nase eine deftig fruchtige Impression – gleißend stellt sich der Duft dar, allumfassend und ziemlich over the top, im positiven Sinne. Das Tauersche Strahlen, die Präsenz des Duftes, durchdringend. Die Wärme aus der Basis hält langsam Einzug und durch Patchouli tun sich ungeahnte erdige sowie erdende Tiefen auf, die hervorragend mit der von Orangenblüten glänzenden nektarsüßen Seifigkeit korrespondieren. Im weiteren Verlauf gewinnt der Duft an Cremigkeit und Holzigkeit und klingt in einem güldenen, animalisch angehauchten Ambralager aus, bei welchem ich schwören könnte, das sich unter dessen Laken sicher irgendwo noch ein Quentchen Weihrauch versteckt hält…

Die Ingredienzen: Clementine, Mandarine, Zitronengras, Orangenblüte, Veilchen, Vanille, Ambra, Patchouli, Ambreine.

Mir persönlich sagt – ohne Tauers Hintergrund zu der Namensgebung zu kennen – die Assoziation eines Sternes mit diesem Duft sehr zu. Ich sehe in ihm jenes Strahlen, jenes Funkeln verwirklicht, welches man mit Sternen verbindet – und dasjenige Moment, welches ich oben als für mich Tauertypisch herausgestellt hatte. Ich bin sehr gespannt, was ihr von dem Duft haltet!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Auf dem Foto seht Ihr das neue Corporate Design von Herrn Tauer – so werden in Zukunft alle Düfte präsentiert werden.

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Kopfkino oder: Laboratorio Olfattivo Teil 2.

Geschrieben in Blüten,Duft,Gourmand,Leder am 21.04.2010

Gestern hatte ich bereits die eine Hälfte der Laboratorio Olfattivo-Düfte vorgestellt, heute folgen nun Duft drei und vier auf dem Fuß.

mexiko1Cozumel entspringt wie Alkemi der Feder oder besser: der Pipette von Marie Duchêne und wurde – mal wieder weil wie bei vielen Düften der Fall – inspiriert durch einen Urlaub oder besser: eine Urlaubserinnerung. Mexiko war es wohl und Cozumel die Insel, der Frau Duchêne den Duft widmete, der Sonne dort, der Vegetation und – natürlich: einem Mann. Den von dem intimen Geruch männlicher Haut ist da die Rede, der mit Cozumel zitiert werden soll.

Nach Hals über Kopf verliebt hört sich das an, nach kopflos und nach Herz-voll. Und macht mich ehrlich neugierig auf den Mann zum Duft, denn mir persönlich gefällt Cozumel aus der Linie nämlich am besten. Ein ausgeprägter Macho kann es kaum gewesen sein, der Madame D. den Kopf verdrehte, den Cozumel ist ein distinguiert-distanzierter Duft, zurückhaltend und unaufdringlich, aber präsent. Hier sind so viele Eigenschaften olfaktorisch eingefangen, die man oder besser: Frau sich von einem zeitgemäßen Mann so wünscht: Sanftheit und Sensibilität, eine gewisse Weiche in Kombination mit Kernigkeit, Maskulinität. Und sinnlich soll er natürlich sein, der intelligente und freiheitsliebende Kerl, der sich aus freiem Willen heraus für „die eine” entscheidet. Zuviel verlangt? Ein modernes Märchen? Nun, zumindest schafft Cozumel es, einen solchen Burschen duftend darzustellen: Noten von frischem Tabak bilden mit Hanf (Caaannaaabis, jawohl) und Hölzern ein virilies Trio, das gleichzeitig feinwürzigrauchig wie auch weich daherkommt und von smoothestem Leder akzentuiert wird, welches auf einer aromatisch-balsamischen und warmen Basis ruht.

mexiko2Der Duft erinnert mich an so vieles, das ich mag, ein bißchen und dann doch wieder an nichts bestimmtes… Mein Lieblingsmann von Byredo, der Fantastic Man? Royal Heroes 1805 von Washington Tremlett? Stephanie de Saint-Aignans Un Thé au Sahara? Von allen ein wenig vielleicht… Es bleibt Euch also nichts anderes übrig, als selbst zu testen ;)

Daimiris, der letzte Duft der Laboratorio Olfattivo-Kollektion, stammt von einem alten Bekannten, und zwar von Pierre Guillaume, seines Zeichens, Kopf, Herz und Nase hinter Parfumerie Générale. Als „olfaktorisches Experiment” wird Daimiris bezeichnet. Eine Ode an die Weiblichkeit soll Daimiris sein und jenen Zauber einfangen, der von einer Frau in ihrer gelebten Femininität ausgeht, welche damit Mittel- und Anziehungspunkt männlicher Aufmerksamkeit, männlicher Blicke und männlichen Begehrens wird.

Huihuihui… auch hier frage ich mich: Wo oder besser: bei wem weilte Herr Guillaume mit seinen Gedanken bei der Kreation dieses Duftes? Ich wäre ja zuu neugierig… Denn Daimiris ist verwirrend – in jeglicher Hinsicht, nämlich sowohl ambivalent als auch betörend. Ambivalent, weil sich hier die Eindrücke kontrastieren, teils widersprechen und doch so gut harmonieren: Eine Businesswoman in Jil Sander gewandet, einen guten Rum schlürfend und sich auf einem Eames-Lounge-Chair räkelnd? Eine samtige Iris ist es, die für vermeintliche Distanz sorgt, für die ihr eigene kühle und auch kühne, erwachsene Überlegenheit. Erwachsen ist aber auch das richtige Stichwort – es ragt hier nämlich auch ein dickes „Ab 18″-Schild im Hintergrund hervor: Die Würze von Safran und Kardamom sowie die (keinefalls übertriebenen!) Gourmandnoten eines karamelligen Leders lassen das Ganze irgendwie kinky wirken, ein bißchen verrucht und auf jeden Fall ein wenig verboten… Dabei ist Daimiris aber nie zuviel und erst recht nie zu wenig – er hält und schafft den schmalen Grad. Und – er ist eine echte Old-School-Schönheit, denn in seiner Machart ist er trotz allem sehr traditionell und typisch weiblich.

Absolut nicht genuin feminin mache ich es heute ausnahmsweise kurz und verabschiede mich kurz und schmerzlos – einen schönen Tag Euch und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: New Mexico Landscapes von Deborah Finnell via stockxchng – vielen lieben Dank! Some rights reserved.

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