Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Jedem Ende…

Geschrieben in Allgemein am 31.12.2009

wohnt auch ein Anfang inne – so Hermann Hesse. Damit hatte er sehr wohl recht, in vielerlei Hinsicht. Heute ist der letzte Tag des Jahres und da wir nicht 1999 haben, wird wohl auch niemand Hesses Ausspruch in Zweifel ziehen.

Silvester

Ein Jahr geht zu Ende, mal wieder. Und ein neues beginnt alsbald. Und ich habe mich heute deshalb entschlossen, daß ich die versprochenen Byredo-Rezensionen auf nächste Woche verschiebe, denn – ich bin neugierig. Mich würde einiges interessieren, nämlich: Was waren Eure Highlights des Jahres 2009? In welche neuen Düfte habt Ihr Euch spontan verliebt, welch alte Perlen habt Ihr vielleicht erst jetzt zu schätzen gelernt? Welche neuen Labels und Firmen haben es Euch angetan? Und wie beziehungsweise mit welchem Duft gedenkt Ihr das Jahr abzuschließen? Welches ist Euer Silvesterduft 2009?

Fragen über Fragen – ich würde mich sehr über Antworten und Kommentare freuen :)

Wenn ich so nachdenke, dann fällt mir als allererstes meine Firma des Jahres 2009 ein – das ist für mich, wie unschwer zu erraten, Byredo. Verliebt habe ich mich hier wie erwähnt in Fantastic Man und in die Rose Noir, obgleich ich momentan auch noch schwer liebäugele mit Gipsy Water und Bal d ‘Afrique. Green steht auch noch auf der Liste und Pulp, ja Pulp ist eben auch sehr besonders… das Byredo-Thema wird mich noch arm machen…

Einzeldüfte gab es dieses Jahr bei mir viele, die ich mochte, aber nur wenige, die ich unbedingt haben mußte. Definitiv einer meiner persönlichen Lieblinge war Midnight Oud von Juliette has a Gun. Ohnehin eine von mir präferierte Firma und – ein toller Oudduft, wirklich. Obgleich Oud dieses Jahr inflationär verwendet und thematisiert wurde, bin ich das Thema noch nicht über – sicher auch, weil Oud eine meiner Lieblingszutaten ist. Midnight Oud mit seinen kirschlikörigen Noten und den Lederakzenten hat bei mir fast ein bißchen meinen Oudfavoriten von Montale den Rang abgelaufen. Wobei, das wird sich sicher wieder ändern ;)

Eine alte Perle habe ich auch für mich entdeckt: The Different Companys Divine Bergamote. Zitrisch-prickelnde Bergamotte in Kombination mit Ingwer und Rhabarber – wunderschön fruchtig-herb und auf einer holzigen Moschusbasis gebettet. Ich habe keine Ahnung, wie ich bei Reizworten wie Ingwer und Rhabarber so lange an diesem Duft vorbeigehen konnte oder, noch schlimmer: ihn damals bei meinem ersten Test nicht mögen konnte. Für mich ein neuer Sommerkandidat, der im Frühjahr einen Platz in meiner Sammlung beziehen wird.

In meiner Privatsammlung habe ich auch einen alten Schatz ausgegraben: Feuilles de Tabac von Miller Harris. Der einzige Duft, von dem ich tatsächlich einmal eine komplette Flasche verbraucht habe und ihn erneut nachgekauft habe. Die letzte halbe Flasche allerdings fristete seit geraumer Zeit ein Schattendasein. Dabei ist er doch eigentlich so ein toller Immergeher: Piment, würziger, samt Tabakblättern in holziger Umgebung, mit Patchouli unterlegt und von Tonka gesüßt. Maskulin, ja. Aber durchaus auch für Frauen tragbar, sehr sogar, wie ich finde. Im neuen Jahr werde ich mich ergo an die zweite Hälfte der Flasche machen ;)

Der Duft des Abends ist bei mir noch unklar… Im mehr oder weniger kleinem Rahmen einer privaten Feier mit vorzüglichem Buffet und bester Sicht über das Stuttgarter Umland werde ich Silvester begehen. Ruhig. Die Duftkandidaten meiner Wahl sind entweder Duchaufours Amouage Jubilation 25 for Men oder Juliette has a Guns Lady Vengeance. Ersterer mit seinen herrlichen Brombeer-Weihrauch-Noten auf Honig-Holz nebst all den anderen Zutaten, die jede für sich alleine genommen schon Reizwort für mich ist. Und letztere, meine Rachelady, diese luzide und kühle Rose, die strahlend auf ihrem Vanille-Patchouli-Thron herrscht – nein, sie macht keine Gefangenen. Vielleicht auch nicht schlecht, um ins neue Jahr zu rutschen: Weg mit den Altlasten!

Das zumindest könnte ein Motto sein, eines der vielen. Der Duft ist trotzdem noch nicht entschieden, ich werde sehen…

Auf jeden Fall wünsche ich Euch allen einen wunderschönen Abend in guter Gesellschaft und einen guten Rutsch ins Neue Jahr! Ein Jahr, dem wie jedem (Neu)Anfang auch ein Zauber innewohnt – nochmal Hesse – und in dem ich Euch hoffentlich wieder als Leserinnen und Leser hier im Blog begrüßen darf!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle

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Vorfreude…

Geschrieben in Duft, Fruchtiges, Reines und Pudriges am 30.12.2009

ist die schönste Freude, sagt der Volksmund. Und – ich freue mich oder besser: ich freute mich, sehr sogar. Ab dem Zeitpunkt, seitdem ich wußte, daß wir sie nun endlich definitiv in unseren Shop bekommen: Die BYREDO-Kollektion, bestehend aus momentan neun Düften und zehn Kerzen (die uns der werte Constantin gestern hier vorgestellt hat).

Ich habe schon einige Male hier im Blog von Byredo geschwärmt – eigentlich in jeder der bisherigen Rezensionen, namentlich Rose Noir und Fantastic Man, sowie in der Ankündigung zu Baudelaire, Byredos neuestem Duft. Für mich ist die Firma meine persönliche Entdeckung des Jahres 2009 und ich knete schon seit einigen Wochen mein Portemonnaie, da ich – für meine Verhältnisse doch eher ungewöhnlich – zum weiteren Fortbestand und zur Sicherstellung meines Seelenheils mindestens drei Düfte aus der Kollektion brauche, mindestens… Und ich spreche hier nicht von einem reinen Bedürfnis, nein, nein, echter Bedarf ist angesagt.

Der fantastische Mann wird es auf jeden Fall sein, der bei mir einziehen wird – in olfaktorischer Version natürlich. Und die Rose Noir. Das war jetzt nicht so schwer, habe ich diese beiden Düfte auch als erstes vorgestellt. Die restliche Kollektion mag ich Euch aber, da sie jetzt endlich bei uns angekommen und somit erhältlich ist, nicht vorenthalten. Nachdem ich nun auch ausnahmslos jeden Duft testen konnte, mag ich Euch meine Eindrücke gleich weitergeben – deshalb, diese Woche, die Byredo-Woche.

Beginnen möchte ich mit Pulp. Wie soll ich sagen, und was? Pulp ist – ein echter Kracher. Aber fangen wir zuerst einmal an mit den Ingredienzen an: Kopfnote: Bergamotte, Kardamom, schwarze Johannisbeere; Herznote: Feige, Apfel, Tiaréblüte; Basisnote: Zedernholz, Praliné, Pfirsichblüten.

Hören wir auf Herrn Gorham ist Pulp eine Zusammenstellung, ein Stillleben exotischer Früchte mit schwedischen Einflüssen, vereint zu einem internationalen Fruchtkorb: „ A dramatic composition focused on the idea of ripe, sweet, shapeless mass of fruit, an unruly and intense savor.” Und, in der Tat, dramatisch ist Pulp, hochdramatisch. Eine reife, formlose Masse an Früchten – daher der Name, der auf Konfitüre hindeutet – die einen intensiven Geschmack hervorbringt, der gleichzeitig unruly ist. Unruly hat nun einige Bedeutungen, auf Pulp treffen fast alle zu: Unbändig, aber auch widerspenstig, ungebärdig.

Ich fasse mal zusammen: Der Auftakt gleicht bereits einer Naturgewalt: Bitter-herbe Fruchtnoten in einer Dominanz und Präsenz, wie man sie selten erlebt. Bergamotte von ihrer zitrischsten Seite sowie dunkelste schwarze Johannisbeere mitsamt all ihrer Säuerlichkeit, mächtige grüne Feige und prominente Apfelnoten. Mir fällt kein einziger vergleichbarer Duft ein, der diese (Frucht)Intensität in ähnlicher Weise verkörpern würde. Allenfalls, vielleicht – Humiecki & Graefs Multiple Rouge mit seinen Beerennoten, die, so sehr zugespitzt, schon fast weh tun. Auch bei Pulp hat jemand deutlich am Verstärker gespielt – aber: Pulp ist nichtsdestotrotz durchaus sehr tragbar (und tragbarer als Multiple Rouge), wenn auch: mutig. Tatsächlich wird Pulp im Duftverlauf etwas gemächlicher, gelassener. Zeder kühlt ein wenig ab und einige florale Noten (die ich nicht unbedingt als Pfirischblüte und Tiaré identifizieren hätte können) mildern die nach wie vor noch vorhandene Frucht(bombe) etwas ab und es treten für diesen Duft sonderbar cremig-süße Gourmandnoten verhalten zutage.

Angelina Jolie Poppy Field

Ich muß gestehen, ich – und ich nehme an, ich kann auch man sagen – rieche selten ähnlich außergewöhnliche Düfte wie Pulp. Mich erinnert Pulp an die Kunst David La Chapelles: Grell und farbenfroh, irgendwie nah am Limit und fast etwas überzogen, aber auf eine Art und Weise vollkommen faszinierend. Muß man Pulp mögen? Nein. Aber testen muß man ihn trotzdem. Und – ja, ich mag Pulp als auch LaChapelle.
Als passend empfinde ich für Pulp obiges LaChapelle-Foto von Angelina Jolie, genannt „Poppy Field (Lusty Spring)” von 2001.

Blanche nun, der nächste Duft, ist ein ganz anderes Kaliber. Die Ingredienzen: Kopfnote: Rosenöl (Rose Attar), rosa Pfeffer, Aldehyde; Herznote: Veilchen, Orangenblüte, Pfingstrose; Basisnote: Hölzer, Sandelholz, Moschus.

Assoziationen zur Farbe weiß hatte Gorham bei diesem Duft im Kopf und seine Impression mutet für einen stilsicheren tätowierten Trendsetter und Designer erstaunlich – einfach an, ungewöhnlich gewöhnlich. Aber genau in diesen kleinen Momenten liegt eben auch viel Reiz verborgen, die kleinen Momente sind es, die das Leben… aber ich möchte nicht philosophieren ;) Gorham verbindet mit Blanche einen beginnenden Tag, an dem das Sonnenlicht die noch morgenfrische Luft durchdringt, genauso wie es sich seinen Weg durch die weißen Leinenvorhänge ins Zimmer bahnt, helle Streifen auf dem Dielenboden hinterlassend und „ihr” auf die weiße Schulter scheinend, ihre Wange zärtlich streifend und ihre Silhouette erleuchtend. Von ferne ist Kinderlachen zu hören aus einem anderen Raum. Ein neuer Tag beginnt und alles liegt noch vor uns. – Ist er nicht ein Romantiker, der Herr Gorham?

Auf jeden Fall trifft Blanche den Nagel auf den Kopf: Wer einen Duft gesucht hat, nach frischer Wäsche, nach Leinen, sonnengetränktem, unschuldig-weiß und morgendlich frisch – Blanche riecht genau so. Und meines Erachtens nach besser und authentischer als die typischen Clean-Düfte, wobei ich eine gewisse Ähnlichkeit zu dem klassischen The Laundry-Duft der gleichnamigen Produkte zu erkennen meine.

Für heute schließe ich nun – die nächsten Tage folgen die restlichen Byredo-Rezensionen von Gypsy Water, Bal d’Afrique, Green und Chembur.

Kennt Ihr denn Pulp und Blanche schon?

Liebe Grüße und einen schönen Tag Euch,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Angelina Jolie Poppy Field / Galerie Alain Noirhomme

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Können Kerzen sexy sein? Diese schon: Byredo präsentiert „Bougie Parfumée“

Geschrieben in Duftkerzen, Raumdüfte am 29.12.2009

Ein Streichholz entzünden, an den Docht halten und schon verströmt die Duftkerze ihre Magie. Es könnte so simpel sein. Aber jeder, der sich mal durch die Wachs-gewordenen Duft-Träume der verschiedenen Anbieter probiert, wird schnell merken: Es ist nicht alles lecker, was brennt…

Ein Wintermärchen:
Der Junge mit den Zündelhölzern

Byredo DuftkerzenKerzen faszinieren diesen Jungen, seit er klein ist. Das flackernde Licht, das sie auf die Wände werfen, das Spiel der Schatten, die über den Tisch tanzen, der gold-gelbe Schein, der sich in allen Oberflächen wiederspiegelt. Allein das Wort „Kerze“ übt eine beinahe magische Wirkung auf ihn aus. Denn Cerus, das Wachslicht, wie die alten Lateiner noch sagten, hat die Fähigkeit, dunkle Räume in Licht zu tauchen, und das schon seit vielen tausend Jahren. Als das Christentum noch jung war, mussten sich die Anhänger dieser Religion tief unter Rom, in den Katakomben, verstecken. Und dort war es … dunkel. Welche Freude mussten damals, etwa hundert Jahre nach Christi Geburt, Kerzen bringen – statt der bis dahin verwendeten umständlichen, talggetränkten Fackeln. Den Jungen fasziniert die Kerze, dieser uralte Gegenstand, der in der Geschichte der Menschheit immer wieder modernisiert und verbessert wurde. Die ersten Wachskerzen waren noch unbezahlbar teuer, nur dem Adel vorbehalten, und ihr Docht musste alle paar Minuten gekürzt werden, um das übermäßige Rußen zu verhindern. Erst 1825 kam ein Patent für tropffreie und bezahlbare Parafin-Kerzen auf den Markt. Wieder sind es die Christen, die auf diese Erfindung reagieren und aus der Kerze einen Kultgegenstand machen: Erst erfanden sie den Adventskranz mit vier Kerzen, dann den Weihnachtsbaum, der im festlichen Kerzenschein das Wohnzimmer erstrahlen liess. Einfach nur eine Kerze? Nein, das kleine Licht bedeutet für den Jungen so viel mehr, es bedeutet Ruhe, Kraft und Genuß. Also setzt sich der Junge hin und erfindet die schönsten Duftkerzen, die ein Mensch jemals gerochen hat…

Nun gut, der letzte Teil ist geflunkert. Ich weiß nicht, wieso Ben Gorham, Erfinder der Byredo-Parfums, seine Duft-Kerzen-Kollektion entworfen hat. Aber eines stimmt doch: dass es umwerfend köstliche Kerzen sind, die aus dem einfachen Anzünden jedesmal ein kleines Ritual machen…

Erinnern Sie sich noch an die Zeit vor der Duftkerze?

Byredo Cassis KerzeDa standen schnöde Wachs- Teile auf unseren Tischen, die außer Abzubrennen nicht viel auf dem Kasten hatten. Die schwierigste Kaufentscheidung war bis dato vielleicht Farbe, Form und rußend oder nicht-rußend. Dann kam vor ein paar Jahren (arg lange ist es gar nicht her) ein neuer Trend: Aroma-Kerzen, die gut riechen konnten. Erst gab es sie auf Hippie-Märkten, mit merkwürdig verklärten Noten wie „Meditations-Weihrauch“ und „Seelenrein-Inkarnations-Bla“. Aber der Luxus-Markt lässt ja bekanntlich nicht lange auf sich warten, und plötzlich bekam man ständig Edel-Kerzen in schickem Design geschenkt, die wenigstens vernünftig, wenn auch eindimensional, nach Vanille oder Apfel rochen.

Mittlerweile hat sich der Markt verändert und es ist schon fast schwierig, eine Kerze zu finden, die nicht riecht. Segen oder Fluch? Immerhin, heutzutage kann sich jeder Duftkerzen leisten, die gibt es ja schon für ein paar Euro im Supermarkt. Oder sogar ganze Batterien duftender Teelichter aus dem Möbel-Markt. Der Haken: die meisten riechen scheußlich, Kopfweh inklusive. Aber, meine Damen und Herren,  wo viel Schatten, da gibt es auch viel Licht, oder so ähnlich. Und hier kommt Byredo ins Spiel:  Die „Bougie Parfumée“, zehn duftende Kunstwerke, sind das köstlichste, was ich seit langem gerochen habe!

Byredo – eine (wahre) Geschichte von Luxus und Perfektion

Ben Gorham ist der vielleicht bestaussehendste Mann der Parfum-Branche. Der in Kanada aufgewachsene Hüne mit den unzähligen Tatoos gründete 2006 ein Unternehmen, das sozusagen über Nacht berühmt wurde. Seine erlesenen Düfte (allen voran das betörende „Phantastic Man“! Unbedingt mal proberiechen…) entstanden in Zusammenarbeit mit Big Names wie Olivia Giacobetti („Idole“ für Lubin, „Premier Figuier“ für L’Artisan Parfumeur) oder Jerome Epinette („Poudre“ für Jovoy Paris). Wo immer man den Namen Byredo heute liest, oder Beauty-Experten über ihn reden, überschlagen sich sofort die Superlative: Beste Zutaten, geniale Kompositionen, Schönstes Design… Und sie alle haben Recht, denn Byredo muss man lieben. Magie in Flaschen sozusagen. Und nun setzt Ben Gorham noch eins oben drauf: Magie in Kerzen.

„Don’t judge a book by it’s Cover“ sagt ein englisches Sprichwort. Bei diesen kleinen Kunstwerken verhält es sich genau anders: Schon das Design – von der edel-puristischen Schachtel bis zum simpel-chic des dunkelgrauen Glases, in dem das duftende Wachs gebettet wurde – machen Lust. Und dann die Namen der zehn Kerzen! Jede Kreation spricht schon im Titel Bände und hält, was sie verspricht. Nomen est Omen könnte nicht treffender umgesetzt werden. So duftet „Bohemia“ sehr mondän und freigeistig nach Opoponax (I love it!), Rum, Labdanum (das schon im alten Ägypten als Räucherwerk eingesetzt wurde) und Vanille. Oder „Bibliothèque“: Ein raffinierter Duft aus Pflaume, Pfirsich, Patchouli und Leder. Fast meint man, das Wohnzimmer würde sich beim Abbrennen der Kerze in eine mittelalterliche Bibliothek verwandeln, in der es dezent nach ledergebundenen Schmökern und jahrhunderte-alter Weisheit riecht. Sie haben keinen offenen Kamin? Dann werden Sie staunen: diese Kerze hat einen fast gleichen, anheimelnden Effekt.

Oder mögen Sie es frischer, verspielter? Dann werden Sie „Carrousel“ lieben. Eine kindlich-heitere Mischung aus Orange, Rhabarber, Alpenveilchen, Guave und Vetiver. Schließen Sie die Augen und drehen Sie eine Runde auf dem Karrussel: die Lichter, die vorbeiziehen, während Sie auf dem liebevoll geschnitzten Holzpferdchen reiten, die Leiernde Musik aus dem Orgel-Automaten…  Egal, wie viele Duftkerzen Sie schon ausprobiert haben – die „Bougie Parfumée“ entführen Sie eine ganz neue Welt der Erinnerungen und Assoziationen. Brauchen Sie noch einen guten Vorsatz für 2010? Wie wäre es mit diesem: Nie wieder Duftkerzen kaufen, die den Namen eigentlich gar nicht verdienen. Denn Duft sollte nie synthetisch sein oder nerven. Er sollte köstlich durch den Raum schweben und sie dazu bringen, darauf zu brennen, die Kerze das nächste Mal zu entzünden.

Ben Gorham sei Dank!

- Constantin Herrmann

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Knisterndes Kaminfeuer auf DVD? Wie doof.

Geschrieben in Allgemein am 28.12.2009

Knisterndes Kaminfeuer auf DVD? Wie doof.
Viel cooler: Kunst auf den Bildschirm!

Es gibt immer wieder Momente, da bummelt man furchtlos durch die Innenstadt und steht plötzlich vor Dingen, die man einfach nicht versteht. Wer kauft denn so was? Wer will so etwas? Und wer bitte entwirft so etwas? Schließlich steckt hinter jedem Produkt auch ein mehr oder weniger kluger Kopf, der sich das Ganze irgendwann einmal ausgedacht hat. Ganz weit vorne dabei auf der Absurditäten-Grusel-Liste stehen  Dinge wie Vasen mit blauem Deko-Sand und Muscheln oben drauf,  Micky-Maus-Krawatten (ganz egal wie cool ein Mann ist, Comic-Schlipse gehen leider gaaar nicht), oder diese DVD, die es heuer zu Weihnachten wieder überall im Sonderangebot gab: Kaminfeuer oder wahlweise Aquarium. Auf DVD. So, dass man den Fernseher zum Deko-Objekt umfunktionieren kann. Stellen Sie sich bitte vor, Sie kommen das erste Mal ins Heim Ihres neuen Schwarms, man setzt sich auf’s Sofa, öffnet eine gute Flasche Rothschild und guckt dann ganz romantisch ins Kaminfeuer im Fernseher. Nochmal: Wer bitte denkt sich so etwas aus?

Aber dann gibt es Momente, die uns aufatmen lassen. Denn es gibt noch kreative Denker, die unser Leben mit simplen Ideen bereichern, und allen Kaminfeuer-und-Dekosand-Fans zeigen, was guter Geschmack bedeutet. Zwei solcher cleveren Macher kommen aus München und bereichern unser digitales Leben mit einer simplen Idee: Kunst auf den Bildschirm. Für wenig Geld. Zum Download.

So, meine Damen und Herren, sieht die Zukunft aus.

Ob Flatscreen an der Wand, digitaler Bilderrahmen (die ich übrigens auch merkwürdig finde) oder iPhone – jetzt gibt es für jedes Teil, das einen Bildschirm hat, Bilder und Videos, die man ganz einfach aus dem Internet ziehen kann.

Kunst wird digital

Digitale KunstHendrik Boeing und Markos Kern sind diese beiden hellen Köpfe, die auf ihrer 2009 gelaunchten Website eine ganze Welt für uns Kunst-Fans geschaffen haben (und das so erfolgreich, dass es mittlerweile ein Büro in München und eines in New York gibt). Wer sich die Zeit nimmt und durch Künstler oder Style surft, findet durchaus anspruchsvolle Bilder und Videos, die sich mit ein paar Klicks downloaden lassen. Ziel: Kunst einer breiten Masse zugänglich zu machen. Dabei wird die Masse der Kunstwerke nicht von Usern zur Verfügung gestellt, sondern von einer eigenen Art-Jury ausgewählt. Das garantiert ein gleichbleibend hohes Niveau der Werke, unter denen sich Projekte von durchaus bekannten Künstlern wie Cameron Gray, Armin Keplinger („motelmama“), Graffiti-Star Muro oder Estefan Prado finden.

Dabei ist nicht alles leicht-verdaulich, was die Plattform zu bieten hat. Yuko Takemuras Videos zum Beispiel gehen an eine fast schmerzhafte, beängstigende Grenze, die man eher in einer Video-Instellation im Moma suchen würde, als zuhause auf dem Flatscreen. Oder Bogdan Zwirs Bilder, die einen tiefgründigen, manchmal auch abschreckenden Humor in Ölgemäldehaften  Montagen zeigt. Aber daran erkennt man nun mal Kunst. Sie versucht nicht, massentauglich zu sein, sondern setzt hohe Erwartungen an den Betrachter.

Kunst wird partytauglich

Noch so eine Kuriosität aus der Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht“: Lava-Projektoren. Die Idee, für ein Event aus einer weißen Wand eine bewegte Fläche zu machen ist keineswegs neu, die gab es schon in den 60ern, da konnte es sich nur noch fast keiner leisten (Beamer waren damals abartig teuer). Seit ein paar Jahren findet man aber in diversen Ramsch-Läden kleine Projektoren, die bunte, wabernde Flächen für wenig Geld an die Wohnzimmerwand zaubern. Party-Gag, na gut. Aber auch hier kann digitalbloom einiges bieten. Derzeit absolut angesagt: Motion-Videos laufen lassen, statt den ewig gleichen iTunes-Effekten, die so gerne über Laptops flimmern. Wer seinen Gästen etwas wirklich ausgefallenes bieten möchte, wirft  z.B. den entrückten „Echodance“ von Olga Mink auf die Tapete. Tanz-Stimmung auf Knopfdruck.

Dass die auf digitalbloom erhältlichen Werke absolut partytauglich sind, beweist derzeit schon Deutschlands erste Adresse für durchfeierte Nächte: Münchens Promi-Hot-Spot, das P1. Gemäß der Türsteher-Diktion („Rein darf nur, wer absolut hip ist“), wird hier nichts geboten, was nicht exakt den Nerv der Zeit und der Party-People trifft. Uncool is nich. Aber digitalbloom haben es geschafft und Ihnen wurde Einlaß gewährt, beziehungsweise 14 ultradünnen LED-Screens an der Bar-Wand. Denn seit Mitte November residiert ein kleiner Ableger des P1s im ehrwürdigen Haus der Kunst. Zur Eröffnung präsentierte die Nobel-Disco ein „digital art cluster“, eine Installation aus 14 Screens, über die  – natürlich digitale – Kunst flimmert, unter anderem Werke von Daniel Völker und Linda Zacks.

Aber soviel Innovation und Kunst-Verstand hat natürlich seinen Preis. Denkste! Denn auf digitalbloom.com kriegt man Videos und Bilder schon für ein paar wenige Euro, zum Beispiel „Crossover 03“ von Daniel Völker (eine aufgespacte Interpretation der Französischen Revolution) ab 3,90 Euro oder ein Video schon für 7,90. Zum Vergleich: eine dieser unsäglichen Kaminfeuer-DVDs kostet gerne mal seine 15 Euro.

Wir sagen: Investieren Sie in Kunst!

Ihr Constantin Herrmann

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Tradition und Kindermund.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Gourmand am 25.12.2009

Gibt es bei Euch, liebe Leserinnen und Leser, auch traditionelle(s) Weihnachtsessen? Mit Sicherheit. Gans oder Ente an Heiligabend, gerne mal Fondue oder Raclette als Entertainmentessen an den Feiertagen danach oder die rustikale Kartoffelsalat-Würstchen-Kombi … Nicht nur jedes Land hat seine Weihnachtsspezialitäten und -bräuche, es differiert auch regional und, natürlich, je nach Familie sowieso.

Auch meine Familie hegt eine diesbezügliche Tradition: Irgendwann an den Weihnachtsfeiertagen gibt es, na was wohl…

Kinder, kommt und ratet,
was im Ofen bratet!
Hört, wie’s knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,
der Zipfel, der Zapfel, der Kipfel,
der Kapfel, der gelbrote Apfel.
Kinder, lauft schneller,
holt einen Teller,
holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
für den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den goldbraunen Apfel!
Sie pusten und prusten,
sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken,
sie lecken und schlecken
den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den knusprigen Apfel.

Hermès Ambre Narguilé… genau – Bratapfel. Ganz gemäß diesem Kasperle-Kinder-Wort-Lern-Gedicht, das mir dieser Tage wieder eingefallen ist in meiner Bratapfelvorfreude.

Genauso untrennbar wie das Kindergedicht mit dem Bratapfel ist bei mir mit selbigem aber ehrlicherweise noch etwas verbunden, ein Duft, den ich nur im tiefsten Winter trage und der bei mir wohlige Kindheitserinnerungen heraufbeschwört: Nämlich Ambre Narguilé von Hermès aus der Hermèssence-Kollektion.

Ambré Narguile ist schon mit allem möglichen verglichen worden von Lokum über Halva bis hin zum Apfelkuchen und -strudel – Bratapfel ist meine erste Assoziation. Ein herrlicher warmer, angerösteter Bratapfel, angerichtet mit zartschmelzendem Vanilleeis und mit einer dicken Zimt- und Zucker-Schicht versehen. Denn – Ambre Narguilé riecht für meine Nase exakt so.

Von Jean Claude Ellena kreiert, 2004 erschienen und eine Hommage an die Kaschmirwolle (so wie jeder der Hermèssence-Düfte einen Stoff zum Vorbild hat), ist Ambré Narguile der Gourmandkandidat der Linie. Es tragen zwar alle Düfte Gourmandelemente in sich, Ambré Narguile ist aber ein astreiner Vertreter dieser Gattung, und was für einer: Zuckrige Vanille im Auftakt, die sich sehr bald mitsamt würzigen Zimts auf dem Bratapfel niederläßt und karamellisiert, Honigsüße, Rosinen und Anklänge an Rumnoten. Im Duftverlauf wird Ambré Narguile rauchiger und dunkler sowie etwas gewürziger, bleibt aber den goldenen Brauntönen treu, in denen er von Anbeginn an schillert und wird niemals zum Finsterling. Allerdings, das sei gesagt, im Herzen und in der Basis bleibt er zwar noch immer süß, ist aber trockener als die Ingredienzen und meine Beschreibung es vermuten lassen. Das zeichnet ihn meines Erachtens nach aus: Wir haben es zwar hier mit einem starken und eigenwilligen Duft zu tun und Gourmands sind auch nicht jedermanns Sache, Ambré Narguile ist aber ein sehr erwachsener Gourmand, insofern läuft man definitiv keine Gefahr, beim Tragen für einen wandelnden Nachtisch gehalten zu werden ;)

Die Ingredienzen: Benzoeharz, Labdanum, Vanille, Tonkabohne, Orchidee, Cumarin, Zimt, Honig, gerösteter Sesam, Moschus.

Könnt Ihr meine Bratapfelassoziation bejahen? Und – welche Düfte wecken in Euch Kindheitserinnerungen?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike – in heller Vorfreude ob des Bratapfelessens heute Mittag.

Bildquelle, some rights reserved.

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Es weihnachtet…

Geschrieben in Blüten, Duft, Gewürziges, Orientalen am 24.12.2009

Heute ist der Tag nun gekommen – Weihnachten. Ich hoffe, alle von Euch haben Ihren Besorgungsmarathon ohne großen Streß und noch größere Nervenverluste hinter sich bringen können, um sich jetzt ganz dem Weihnachtsfeste und der Geruhsamkeit der folgenden Feiertage hinzuwenden.

Wie jedes Jahr ist die Weihnachtszeit bei mir immer eine (selbst)reflektierende, bisweilen sentimentale, häufig durchaus nostalgische Periode und so sind mir dieser Tage einige Weihnachtsklassiker wieder eingefallen.

Eine meiner Tanten wohnt schon seit über vierzig Jahren in den Staaten und beehrt meine Familie und mich seit Jahrzehnten mit riesigen Päckchen – zu Ostern, zu Geburtstagen und, die größten Päckchen, zu Weihnachten. Als Kind war es für mich alljährlich ein Erlebnis, diese großen Pakete zu öffnen. Was hierzulande oft als Kitsch bezeichnet wurde, begeisterte mich: Bunteste Weihnachtskugeln, wallende Prinzessinnengewänder – meine Tante wußte schon sehr genau, wie man kleine Mädchen erfreut. Auch Bücher waren häufiger darunter und so machte ich bereits früh die Bekanntschaft mit meiner bis heute liebsten Weihnachtsfigur: Rudolph, das rotnasige Rentier.

Ohnehin mag ich Geschichten um Outlaws und habe eine ausgeprägte Sympathie für Underdogs. Rudolph war wahrscheinlich einer der ersten Außenseiter in meinem Leben, der mein Herz im Sturm eroberte – genauso wie die Herzen vieler vieler anderer Kinder. Bereits seit 1822 wußte jedes (zumindest amerikanische) Kind, daß der Schlitten von Santa Claus, dem Weihnachtsmann, von acht Rentieren gezogen wird, die auf die Namen Dancer, Donder, Dasher, Prancer, Vixen, Comet, Cupid und Blitzen hören und der Geschichte „A visit from St. Nicholas” (oder auch: Twas the Night before Christmas) des New Yorker Dichters und Professors Clement Clarke Moore entstammen. Etliche Jahre später, 1939, gesellte sich Rudolf als Rentier Nummer Neun dazu, erfunden von Robert L. May im Auftrag der amerikanischen Kaufhauskette Montgomery Ward. Diese hatte eine Haustradition: Als Werbegeschenk überreichte man den hauseigenen Kunden jedes Jahr zu Weihnachten ein Kinderbuch. Irgendwann wurde beschlossen, diese Bücher nicht mehr einzukaufen, sondern selbst als Herausgeber zu fungieren und so erfand May als Angestellter des Hauses die Geschichte von Rudolph: Das Rentier Rudolph, das als einziges eine rote Nase hat und wegen deren Leuchtkraft ausgegrenzt und aufgezogen wird von seinen Artgenossen. Bis zu dem Weihnachten, das so neblich ist, daß Santa Claus nur mit Hilfe Rudolphs die Geschenke rechtzeitig ausliefern kann – Rudolphs Nase nämlich leuchtet ihm den Weg. Und so wird Rudolph zum ersten Rentier, das fortan an vorderster Position den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen darf.

Bei youtube.com, der unerschöpflichen Quelle, habe ich sogar den Cartoon von Max Fleischer dazu gefunden, der mich als Kind so faszinierte – vielleicht werden ja auch bei Euch Reminiszenzen wach?


Ebenfalls ein Klassiker ist natürlich Carons Nuit de Noël. 1922 kreiert von Caron-Besitzer und Selfmade-Parfumeur Ernest Daltroff, erfreut sich der Duft bis heute vieler Fans, sagt nicht nur Lagerfeld von sich, daß er im Dezember keine anderen Parfums außer Nuit de Noël verwende…

Caron war schon immer ein Haus von und für Exzentriker und von dem Freigeist des federführenden Inhaberpärchens geprägt: Ernest Daltroff, Sohn aus reichem Hause, weitgereist und mit einer ausgeprägten Leidenschaft für Parfums und seine Frau und Muse Félicie Vanpouille, Modemacherin und Designerin, die seit ihrem Einstand bei Caron den, wenn man so will, PR- und Marketing-Bereich übernahm. Sie schrieb und zeichnete alle Annnoncen selbst, überlegte sich die Namen der Düfte und kreierte deren Flakons und Verpackungen. Dank ihrer Mitarbeit kamen die Geschäfte langsam in Schwung und Caron avancierte zu einem der ersten Häuser der damaligen Zeit – einem Ruf, von dem das Haus bis heute zehren kann. Ein durchschlagender Erfolg war etlichen Düften beschert, so unter anderem dem 1911 erschienen Narcisse Noir, der Stummfilmdiva Gloria Swanson gewidmet, 1919 erschien Tabac Blonde, Daltroffs Huldigung an die rauchende Frau – damals mitnichten gesellschaftlich akzeptiert – , 1927 En Avion und in den Fünfzigern Coup de Fouet, der Peitschenhieb, mein Liebling – um nur einige zu nennen.

Nuit de Noël war ebenfalls ein Bestseller, in dem Jahrzehnt der Zwanziger einer der wichtigsten Düfte überhaupt – soviel einmal zur, wie ich finde, beeindruckenden Geschichte.

Ihr seht, das Outlaw-Thema läßt mich heute bei den Klassikern auch nicht los ;) Ich verehre Caron als Haus – ich liebe diese Exzentrik, die Intention, die Düfte besonderen Menschen zu widmen und nicht jedem gefallen zu wollen. Und ich liebe die durchweg ausgefallenen alten Caron-Düfte, die der Odem vergangener Zeiten umweht. Ich scheue mich, hier das Wort old fashioned zu verwenden – sie sind es, ja. Aber sie sind nicht altmodisch in und mit dieser negativen Konnotation wie wir das Wort gerne verstehen. Nein – die Düfte sind nostalgisch. Aber all jenen Klassikern merkt man bis heute an, welch famose Parfumeurskunst dahinter steckt. Und tragbar sind sie alle noch bis zum heutigen Tage, ganz selbstverständlich – können sie qualitativ ohne weiteres mit dem mithalten, was uns der Markt dieser Tage so präsentiert.

Nun, was Nuit de Noël angeht, rekurriere ich gleich nochmals auf Clement Clarke Moore und den Anfang seiner Geschichte, welcher folgendermaßen lautet: „Twas the night before Christmas, when all through the house not a creature was stirring, not even a mouse.” – Alles ist weiß, schneebedeckt und still, von einer majestätischen Ruhe… Diesen Zauber entdecke ich auch in Nuit de Noël, den man langsam auf sich wirken lassen sollte, braucht man doch ein Weilchen, um seine Komplexität voll zu erfassen.

Zuerst aber die Ingredienzen: Rose, Ylang-Ylang, Jasmin, Sandelholz, Hölzer, Moschus, sächsisches Moos, Ambra.

Direkt im Auftakt riecht Nuit de Noël tiefdunkel tintig und offenbart bereits seine dezenten, aber einzigartigen animalischen Akzente – herrührend von dem speziellen sächsischen Moos, einer Parfumbasis, die von Fachleuten als die originellste der Zwanziger bezeichnet wird. Diese bleibt im Duftverlauf bestehen, wird jedoch alsbald von einer dunklen, nelkenpfeffrigen Würze ergänzt. Aldehyde meine ich zu entdecken, ein Hauch dieser typischen Haarsprayfruchtigkeit, aufgefangen von einer Rose und samtig-moosigen Tönen sowie einer gourmandigen Aura, die stark an einen guten Cognac erinnert. Der Drydown, der die Hölzer ins Spiel bringt, ist, wie der ganze Duft, auf wundervolle Weise zugleich warm und von einer gewissen Süße geprägt aber immer auch trocken.

Nuit de Noël ist eine zeitlos schöne Weihnachtsnacht, definitiv.

Eine solche wünsche ich Euch ebenfalls von Herzen: Wunderbare Weihnachten und eine schöne besinnliche Zeit im Kreise der Menschen, die Euch am nächsten stehen! Und haltet Euch schön an Wilhelm Busch und treibt es nicht zu bunt, denn: „Zu Weihnachten getanzt im Schnee – zu Ostern Frost im Zeh.”

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Duftverzeichnis


Drei auf einen Streich – die Neuen von Washington Tremlett.

Geschrieben in Blüten, Duft, Fougère, Hesperiden, Holziges am 23.12.2009

Washington Tremlett ist ein altehrwürdiges Haus. Bereits 1870 in Paris gegründet, verlegte man Mitte der Zwanziger Jahre den Firmensitz nach London in die Savile Row. So exklusiv wie die Adresse waren auch die Hemden des Hauses: Bis in die späten Sechziger Jahre galt Washington Tremlett als weltbester „shirtmaker”. Wohlhabende Amerikaner, die ihre Sommerferien gerne in den Southhamptons verbrachten, orderten die Hemden gleich zu Dutzenden und Prominente wie Sam Goldwyn, Cary Grant und Katherine Hepburn schworen auf sie. Darüber hinaus verfügte Washington Tremlett auch in Theaterkreisen über beachtliches Renommee, weswegen sie zum Ausstatter für Musicals wie My Fair Lady avancierten und nicht zuletzt kann das Haus als eigentlicher Erfinder der Krawatte gelten.

Eine nette Geschichte wie ich finde. Heutzutage hört man über Washington Tremlett allerdings eher im Zusammenhang mit Düften – die Hemdenherstellung scheint eingestellt und der Name beziehungsweise die Marke weiterverkauft worden zu sein.

Ganz abgesehen davon, daß ich doch eher selten Hemden trage, finde ich es immer schade, wenn derlei alte Firmen und/oder Namen „sterben” – allerdings scheint Washington Tremletts Tradition ja würdig weitergeführt zu werden: Die Duftkollektion, die seit ein paar Jahren auf dem Markt ist, kann sich durchaus sehen lassen.

Meine persönlichen Lieblinge waren immer Black Tie, der erste Herrenduft der Serie, ein elegantes, kühl-würziges Hölzlein mit ledrigen Akzenten sowie Royal Heroes 1805, ein ambivalentes Juwel: zitrische Holzigkeit kontrastiert mit Honig-Anis-Noten auf einer Patchouli-Tonka-Basis. Darüber hinaus hat mich Clove Absolute diesen Winter sehr beeindruckt – siehe hier – für mich eine der wenigen Gewürznelken, die es vielleicht in meine Sammlung schaffen wird.

In Anbetracht des gerade erst veröffentlichten Clove Absolute wunderte ich mich schon ein wenig, daß nun nach so kurzer Zeit die nächste Veröffentlichung anstand – und dann gleich drei Düfte? Schön! Die werde ich mir jetzt für Euch wie versprochen zu Gemüte führen.

Washington Tremlett Notting Hill CarnivalNotting Hill Carnival macht den Anfang – zeitlich auch durchaus passend, dürfen wir uns doch bereits kurz nach Weihnachten über den Beginn der fünften Jahreszeit freuen… oder eben auch nicht. Ich selbst bin absolut kein Karnevals- oder auch: Faschingsfan, wie man hier zu sagen pflegt. Notting Hill Carnival gefällt mir aber dennoch. Der Auftakt ist zitrisch-herb, das Limetten-Bergamotte-Duo zeigt sich von seiner besten Hesperidenseite. Schon Augenblicke später wird es allerdings würziger, aromatische Tendenzen gewinnen an Präsenz: dunkelgrüner Lorbeer, leicht bitterer Koriander und Pfeffer sind deutlich zu erkennen, gefolgt von fruchtigem Ingwer. Die Basis, die sich bereits erahnen läßt, offeriert schon jetzt ledrige Akzente, und erwärmt den Duft gegen später mittels Labdanum und Weihrauch.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Limette, Bergamotte; Herznote: Lorbeer, Koriander, rosa Pfeffer, Ingwer; Basisnote: Leder, Weihrauch, Labdanum (Zistrose).

Notting Hill Carnival ist – auf eine bestimmte Art ausgelassen, ja. Allerdings ging es mir bei diesem Duft zuerst genauso wie bei Miller Harris’ Piment des Baies: Irgendwie erschloss sich mir der Karnevals-Zusammenhang nicht, der Bezug zu karibischen Rhythmen… Vielleicht, wie mir nach einer Zeit kam, liegt es einfach an meiner durchaus ein wenig negativ gefärbten Assoziation von Karneval: Quietschig und bunt, von allem zuviel, laut und so weiter… Das eben ist Notting Hill Carnival nicht. Und wenn man in den Pressetexten dazu lesen kann, daß der Duft „sexy” ist, dann muß man es auch nicht gleich mit der Angst bekommen – er ist mitnichten in dem Sinne sexy, wie ich ab und an Karnevalssexappeal definieren würde. Notting Hill ist weder platt noch vulgär und auch in keinster Weise aufdringlich. Ein wenig erinnert er mich an Inekes Field Notes from Paris, allerdings weniger süß und mit Ingwer ausgestattet, einer Note, die bei mir immer auf offene Türen stößt. Ein Spagat zwischen prickelnder Hesperidenfrische, fruchtiger Ingwerherbheit und sinnlich-wärmenden Harzen samt einem Hauch Leder. Für Männer und Frauen gleichermaßen geeignet würde ich sagen, obgleich in der  (Duftnoten)Anmutung auf den ersten Blick eher maskulin.

Washington Tremlett Chelsea GardenChelsea Garden ist der Rose gewidmet, einer ganz speziellen sogar: Rosa Centifolia oder Provence-Rose heißt dieses besondere Exemplar, gerne in Grasse gesehen und in diversen Düften vorfindlich. Und, natürlich – auch in dem Chelsea-Garten, einem der verstecktesten Gärten Londons. Gegründet 1673 findet man bis heute dort über 5000 verschiedene Rosensorten und Liebhaber reisen zur zweimal jährlich stattfindenden Chelsea Flower Show aus aller Welt an.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Provence-Rose, Kardamom; Herznote: Zedernholz, Jasmin; Basisnote: marokkanische Rose, Moschus, Ambra, Guajakholz, Patchouli.

Schaut man sich die Ingredienzen an, ist Chelsea Garden nicht sonderlich innovativ, ja. Es gibt schon viele Rosendüfte, nicht wenige davon in ähnlichen Kombinationen. Trotzdem gefällt mir Chelsea Garden sehr gut, obgleich mich der Duft auf dem Teststreifen nicht einzunehmen vermag. Auf meiner Haut entwickelt er sich sehr fein, mich bisweilen ein wenig an Rose Poivrée erinnernd, allerdings viel eleganter als jene und niemals animalisch wirkend, eben eine schöne, volle Rose mit dezenter Kardamomwürze, garniert mit Jasmin auf einem holzig-aromatischen Bett. Das hört sich nun alles viel finsterer an, als es tatsächlich ist. Und das ist meines Erachtens nach der Trumpf des Duftes: Es gibt viele Dunkelrosen, einige davon habe ich hier auch schon im Blog beschrieben – und diese haben diverse Liebhaber. Es gibt allerdings auch nicht wenige Duftfans, die Rosen gerne mögen und die gerne mal eine etwas gewürzigere Rose tragen würden, für die es dann aber nicht gleich die „Mistress of the Dark” oder die Königin der Nacht sein muß. Für die ergo zum Beispiel sämtliche Oudrosen wie unter anderem die von Montale viel zu düster sind. Für all jene dürfte Chelsea Garden, der auf meiner Haut im Herzen zuerst eine gewisse Ähnlichkeit zu Eau d’Italies Paestum Rose aufweist – ein bißchen wie dessen gemäßigtere, gefälligere Schwester – um dann in eine süßfruchtig-kuschelige Basis überzugehen, einen Versuch wert sein, definitiv.

Hampstead Water ist nach dem Park Hampstead Heath benannt, dem ältesten und größten Londons, einer grünen Oase, in der man leicht vergißt, daß man sich gerade in einer pulsierenden Großstadt befindet. Ein elitäres Viertelchen und seit je her beliebt bei Promis, Künstlern, Autoren und ähnlichen – früher residierte hier Lord Byron, Agatha Christie und Sigmund Freud, heute leben dort unter anderem Doris Lessing, George Michel, Russel Crowe und viele andere.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Lavendel; Herznote: Wasserminze
Basisnote: Leder, Moschus.

Der Duft selbst ist ein Vertreter einer der klassischsten Duftfamilien überhaupt, der Fougère-Düfte. Und, uiuiui, er hat es in sich, ehrlich: Frisch aufgesprüht springt sie einen bereits an, die typische Fougère-Bitterkeit durch Lavendel. Streng, elegant, irgendwie old fashioned und määächtig. Bergamotte und Orange kreieren einen prickelnd-fruchtigen Hesperidenakkord, der im Verlauf des Duftes bestens mit der Wasserminze – Hommage an die Teiche im See, die von ebenjener bewachsen sind – harmoniert. Mich erinnert das Herz, das neben den bitteren Fougèreanklängen, die mit der Zeit etwas leiser werden, ebenjene Kombination von Orange oder Mandarine mit Minzigem an den Tag legt, an zwei Herrendüfte, die das ebenfalls tun und in welchen mir diese Kombination bereits bestens gefallen hat: Carons Anarchiste und Creeds Himalaya. Nicht vergessen darf man bei Hampstead Water die (Glatt)Ledernote, die durchaus prominent zur Geltung kommt. Ein beeindruckender Fougère mit Ausstrahlung und Präsenz. Für Männer gedacht und – nun, in diesem Falle würde ich sagen, gönnen wir ihnen diesen Duft für sich, er ist bei ihnen wesentlich besser aufgehoben ;)

Jetzt will ich erstmal schließen, ist heute ohnehin sehr lang geworden… Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag mit nicht allzu viel Hektik beim Tätigen der letzten vorweihnachtlichen Besorgungen und vielleicht auch noch Geschenke -

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle 1 und 2, some rights reserved.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Washington Tremlett – Iris Absolute
Washington Tremlett – Neroli Absolute
Herbstwonne 3 – Clove Absolute von Washington Tremlett.


Die nächste Eiszeit ist da!

Geschrieben in Gesichtspflege, Kosmetik, Körperpflege am 22.12.2009

Eiszeit

Oh wie schön, es schneit. Romantische Spaziergänge im Schnee, alpine Ski-Touren und ausgelassene Schneeballschlachten – der Winter hat einiges zu bieten. Für Teint, Hände und Lippen bedeutet das aber Streß! Mit unseren Tipps übersteht ihre Haut den Klimawandel.

1. Winter-Regel: die Creme wechseln!
Die Luft im Winter ist extrem trocken. Schuld ist die trockene Kälte im Freien und die feuchtigkeitsraubende Haizungsluft drinnen. Mit jedem Minusgrad sinkt außerdem die Talgproduktion um etwa zehn Prozent. Ab Minus acht grad ist sie also praktisch gar nicht mehr vorhanden. Das bedeutet für die Haut, der natürliche Schutzschild geht flöten, der Teint ist allen äußeren Einflüssen schutzlos ausgeliefert. Jetzt hilft nur eine gehörige Portion Pflege mehr als sonst! Aber das bedeutet nicht, mehr Feuchtigkeitspflege aufzutragen. Die lassen Sie bitte schön im Schrank stehen, bis es wieder wärmer wird. Viel wichtiger sind Cremes, die hautverwandte Lipide und Wirkstoffe enthalten, und dafür sorgen, dass die Haut selber mehr Feuchtigkeit binden kann (z.B. Hyaluronsäure). Ob eine Creme für den Winter geeignet ist, verrät der Wasser-in-Öl-Trick, von dem manche Verkäuferinnen so geheimnisvoll sprechen: O/W-Cremes, also solche, die als Basis eine Wasser-in-Öl-Emulsion haben, enthalten nämlich mehr Fette als Wasser (im Gegensatz zu einer Öl-in-Wasser-Emulsion). Am Besten, Sie lassen sich in einer Parfumerie beraten.

Pure Altitude Crème Bol D’Air PurFür lange Spaziergänge im freien oder Outdoor-Sport sollten sie eine besonders dicke Schicht Kältecreme auflegen, die z.B. Bienenwachs oder intensiv pflegende Öle enthält  (Unser Tipp: „Pure Altitude Crème Bol D’Air Pur“ von Fermes de Marie, mit Enzian, Edelweiß, nährendem Haselnussöl und LSF 15). Aber: Wenn Sie wieder von draußen nach drinnen wechseln, muss die Schutzschicht runter. Sonst kann ein unangenehm prickelndes Hitzegefühl entstehen. Der ständige Wechsel von Kalt (Draußen) zu Warm (Drinnen) stresst die sensible Haut noch zusätzlich. Das bedeutet, auch auf aggressive Reinigung und Peelings lieber zu verzichten und stattdessen porenverfeinernde Gesichtswasser zu benutzen.

2. Winter-Regel: nicht drinnen versauern
Klar, wenn es draußen kalt und grau wird, würde man sich am Liebsten in der Wohnung verkriechen, auf’s Sofa kuscheln und den ganzen tag heißen Glühwein trinken. Aberdann würden dem Körper Licht und Sonne fehlen, die den Stoffwechsel regeln, die Hormonproduktion ankurbeln und nebenbei die Laune heben. Immer mehr Menschen fallen in der trüben Winterszeit in „SAD“, die „Seasonal Affective Disorder“. Oder anders gesagt: Winterdepression. Aber wenn die Laune sinkt, der Stoffwechsel (auch in der Haut) abnimmt und man griesgrämig wird, kann der Teint nicht strahlen. Deswegen gilt, auch wenn es draußen scheußlich kalt ist: Warm einpacken, Mütze auf und raus an die frische Luft! Denn der Körper braucht Licht, um genau zu sein, eine Lichtstärke von 2.500 Lux. In Räumen bekommen Sie aber nur so um die 500 Lux. Dagegen empfangen Sie auch an grau verhangenen Wintertagen draußen schon mal 3.000 Lux. Also genug, um Laune und Haut eine Dosis Power zu spendieren. Ein weiteres Problem für Stubenhocker ist der Vitamin-D-Mangel. Das Vitamin (das eigentlich die Vorstufe eines Hormons und kein richtiges Vitamin ist), wird nämlich vor allem durch Sonnenlicht gebildet. Im Sommer reichen schon 20 Minuten im Freien, um die Tagesdosis Vitamin D abzubekommen. Im Winter wird es – durch den geringeren Einfluß der Sonne – schwieriger. Also nutzen Sie jede Chance, draußen ein bisschen Licht zu tanken. Ideale Ergänzung dazu wäre dann übrigens, fetten Fisch zu essen. In 100 Gramm Lachs steckt etwa das Dreifache der nötigen Tagesdosis von 5 Mikrogramm Vitamin D.

3. Winter-Regel: den Körper verwöhnen
Um den Körper vor Kälte und Trockenheit zu schützen, sollten Sie schon morgens beim Duschen Ihre Pflege umstellen. Duschen Sie kürzer und nicht so heiß, sonst entziehen Sie der Haut zusätzlich Fett und trocknen sie aus. Danach den Körper nicht kräftig abrubbeln, sondern abtupfen (klingt albern, macht aber tatsächlich einen großen Unterschied) und sofort eine reichhaltige Körpercreme auftragen. Besondere Beachtung bei der ersten Cremeschicht am Morgen brauchen Hände und Dekolleté. Denn hier ist die Haut besonders zart. Die Hände sind außerdem genau wie das Gesicht der meisten Kälte ausgesetzt und werden vom Körper benachteiligt. Denn um die Wärme im Körperzentrum zu halten, werden die Blutgefäße an Händen und Füßen verengt. Das bedeutet weniger Stoffwechsel und weniger Innerer Wärmeschutz. Die Brust wiederum bekommt unter dicken Pullis kaum Sauerstoff ab. Apropos dicke Pullis: diese kratzen meist auf der Haut und führen zu noch mehr Trockenheit. Also nie Wolle auf nackter Haut tragen, sondern eine zarte Zwischenschicht tragen (Seidenhemdchen o.ä.), und die Haut von innen heraus aufpäppeln: Sanddorn-Beeren oder -Öl zum Beispiel sind richtige Vitamin-Bomben und liefern wertvolle Alpha-Linolensäure, die trockene Haut samtig-zart macht. Aber warum frieren manche Menschen immer ein bisschen mehr als andere? Das ist eine Frage des Geschlechts und der Sportlichkeit. Ein durchschnittlicher Männerkörper besteht zu 40 Prozent aus Muskeln, eine Frau kommt nur auf 25 Prozent. Klingt ungerecht, ist aber wissenschaftlich erwiesen. Und je mehr Muskeln ein Mensch hat, desto besser funktioniert sein Stoffwechsel. Und das bedeutet, er kann mehr Wärme produzieren als ein unsportlicher Mensch. Trotzdem: Das ist ungerecht! Erklärt aber, wieso ich ständig so friere. Denn eine stattliche Fettschicht wärmt keineswegs, sondern kühlt noch schneller aus. Grrr…  Folgerichtig würde es helfen, seine Muskeln für die kalte Jahreszeit auf Touren zu bringen, also ab ins Gym. Wenn es dafür aber zu spät ist, helfen auch Tees aus Ingwer oder Lindenblüten. Die heizen dem Körper nämlich richtig schön ein.

Ganache for Lips4. Winter-Regel: Frostschutz für zarte Partien
Gerade die Lippen haben im Gegensatz zur übrigen Haut fast keinen Eigenschutz. Kälte und trockene Luft lassen Sie spröde werden, rau und rissig. Das schmerzt und kann höllisch weh tun. Widerstehen Sie jetzt der Versuchung, sie mit der Zunge zu befeuchten, denn das trocknet die empfindliche Lippenpartie nur noch mehr aus. Viel besser: Ein spezieller Pflegestift mit Panthenol oder Shea-Butter, pur oder unter dem Lippenstift. (Liebling der Redaktion:  Ganache For Lips, die nicht nur intensiv pflegen, sondern auch noch köstlich schmecken wie ein Dessert). In SOS-Pflegenotfällen einfach eine dicke Schicht über Nacht einwirken lassen! Und wer zum Skifahren oder Rodeln geht, braucht /muß /dringend zusätzlich eine dicke Schicht UV-Schutz auflegen.

Aber auch die empfindliche Augenpartie reagiert besonders auf die kalte Jahreszeit. Hier ist die Haut bis zu viermal so dünn wie z.B. an den Wangen. Da sie aber kaum über Talgdrüsen verfügt fehlt der schützende Fettfilm. Da hilft es auch nichts, die reichhaltige Gesichtscreme bis zu den Augen dick aufzutragen, denn die meist darin enthaltenden „Kriechöle“ werden sonst ihrem Namen gerecht und schleichen sich in die Augen – das führt zu Brennen und Rötungen. Also lieber auf extra-reichhaltige, aber speziell formulierte Augencremes setzen (Z.B. „All about Eyes Rich“ von Clinique).

5. Winter-Regel: Ab ins SPA (notfalls auch zuhause)

Logisch, wenn es draußen kalt wird, könnte ich glatt in einer der gemütlichen, aufgeheizten Blockhütten einziehen! Aber es macht auch wissenschaftlich Sinn, hin und wieder eine Schwitz-Kur einzulegen. Denn die Hitze führt dazu, dass Hormone wie Dopamin und Serotonin ausgeschüttet werden. Das bringt Gute Laune und lässt uns strahlen. Aber es kommt noch besser: Wer regelmäßig Sauna oder Dampfbad besucht, bringt sein Immunsystem und den Kreislauf in Schwung. Der Organismus gewöhnt sich daran, schnell auf Temperaturschwankungen zu reagieren, und das ist eine prima Prophylaxe gegen Erkältungen. Aber Sie tun auch Ihrer Haut etwas Gutes, denn sie wird porentief gereinigt, ganz von alleine sanft gepeelt und besser durchblutet. Abfallprodukte des Stoffwechsels werden ausgeschieden und die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff verbessert. Das wiederum kommt auch den Fibroblasten zugute, die für die Bildung von Kollagen und Elastin zuständig sind. Wer es nicht bis in die Sauna schafft, kann aber auch sein Badezimmer in ein SPA verwandeln: Gönnen Sie sich einen luxuriösen Badewannenaufenthalt mit einem intensiv-pflegenden Badeschaum, der die Haut in reichhaltige Öle hüllt. Tipp: „Bath Lather“ von Malie Kauai. Die enthaltene Aloe Vera, Macadamia-Nussöl und Kokosnuß verwöhnen die Haut, gleichzeitig schickt der exotisch-fruchtige Duft Sie auf eine Sinnesreise nach Hawai’i (genauer gesagt: auf die Insel Kauai). Denn bei allem Frost, der Kälte und dem Grau-in-Grau, das uns in dieser Jahreszeit so zusetzt, haben Körper und Geist doch wirklich zwischendurch eine fruchtig-paradiesische Pause verdient.

In diesem Sinne: Kommen Sie gut durch den Winter!

Ihr Constantin Herrmann

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Schneechaos…


Last Minute-Geschenk-Idee: As time goes by…

Geschrieben in Duft am 21.12.2009

Cartier’s neue Parfum-Kollektion „Les Heures“: 13 kostbare (und kostspielige) Düfte erzählen eine kleine Geschichte der Zeit

Zu Weihnachten beginnt die „staade“, die besinnliche Zeit. Alles wird ruhiger, festlicher. Wir nehmen uns die Zeit und treffen Freunde und Familie. Und dann wird die Zeit doch wieder knapp, wir rennen los, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen, alles terminiert auf den 24.Dezember, denn dann ist die Zeit rum und wir feiern den heiligen Abend. Zeit ist kostbar, bei Dagobert Duck ist Zeit sogar Geld. Aber was bedeutet diese Zeit für uns moderne Menschen überhaupt? Ein Blick auf die Uhr, und wir wissen, wie spät es ist. Wir hetzen von Augenblick zu Augenblick, müssen immer irgendwo pünktlich sein, und wenn wir mal eine Zeit finden, die wir übrig haben, dann schlagen wir sie tot.

Eigentlich gehen wir äußerst verschwenderisch mit unserer Zeit um und haben doch das Gefühl, sie reiche nie aus. Wie die Körnchen einer Sanduhr verrinnt die Zeit zwischen unseren Fingern…

Aber darf ich Sie um ein wenig Ihrer Zeit bitten, um über den Wert der Zeit nachzudenken? (und ich verspreche, das Wort Zeit fällt ab jetzt nicht mehr).

CartierAm Anfang war das Licht – Die Sonne spielte von jeher eine bedeutende Rolle, um den Tagesablauf der Menschen zu ordnen. Solange sie schien, konnte man arbeiten. Wenn es dunkel wurde, endete logischerweise der „Tag“. So verwundert es nicht, dass die Menschen vor vielen tausend Jahren anfingen, Licht und Schatten zu beobachten und zu systematisieren. Je nachdem, wie die Sonne stand, und Bäume oder Gebäude Schatten warfen, konnte man bestimmen, wie „spät“ es war, wie lange der Tag also noch dauern würde. Im 3. Jahrtausend vor Christus kannte man bereits Sonnenuhren, mithilfe derer man stets wusste, wie lange der Tag noch dauerte. Klar, dass man früher (ganz, ganz früher) also rückwärts zum Abend hin die Stunden zählte. Die Mesopotamier erfanden dann, so vermutet man heute, das System, den Tag in zweimal zwölf Stunden einzuteilen. Eigentlich unglaublich, wie perfekt und exakt man damals schon aus Naturbeobachtungen auf die Einteilung des Tages folgern konnte. Zur Messung des Tagesablaufs wurde der Schatten der Sonne, der auf einen Stock fiel verwendet. Forscher vermuten daher schon lange, dass ägyptische Obelisken nichts anderes als riesige Uhren waren.

Die Zeit (vom althochdeutschen zit für „abgeteiltes“) (Pardon, jetzt hab ich das Wort doch wieder gesagt…) wurde dabei von den alten Völkern sehr verschieden gemessen: In China brannten Kerzen ab und trennten im Stundentakt Fäden durch, an denen Kugeln befestigt waren. Fiel so eine Kugel und schlug auf den darunter befindlichen Gong, wusste man, dass wieder eine Stunde um war. Platon dagegen erfand im 4. Jahrhundert v.Chr. eine Pfeifende Uhr: Erreichte das Wasser im Inneren einen bestimmten Pegel, kippte das Rohr um und das Wasser floss schlagartig in ein anderes Gefäß, verdrängte dort die Luft und erzeugte so ein Pfeifen.

Allen Uhren gemein war aber der Beginn des Tages mit dem Sonnenaufgang, im alten Ägypten legte man darüber hinaus die Einheit von 2 x 12 Stunden fest. Erst im 14. Jahrhundert bürgerte sich die Einteilung in 24 Stunden ein, was dazu führte, dass die Zifferblätter ja 24 Stunden anzeigen mussten. Um die Größe der Uhren (und ihre Genauheit) zu optimieren, kehrte man zur doppelten 12-Stundenzählung zurück, die sich bis heute in einigen Ländern gehalten hat, vor allem in Australien, den USA und Neuseeland. Für uns deutsche bedeutet das, das wir im Urlaub dazu neigen, a.m. und p.m. zu verwechseln (zumindest geht es mir ständig so).

Cartiers neue Zeitrechnung: ein Duft für jede Stunde

Wer es sich leisten kann, trägt eine edle Cartier-Uhr am Handgelenk. Aber das Pariser Schmuckhaus bringt diesen Winter eine tolle, exklusive Idee auf den Markt: 13 Parfums, alle ganz verschieden, für zwölf Stunden, plus einem Duft extra – für ganz besonders kostbare Augenblicke. Zwischen Morgenröte und Mitternacht macht Cartier jede Stunde unvergesslich. Ich finde, ein bezauberndes Konzept und ein tolles Geschenk. Nehmen wir zum Beispiel das Liebespaar, das sich um 10 Uhr morgens auf dem Weg in die Arbeit in der U-Bahn kennengelernt hat. Für diese beiden wird die 10 immer eine magische Uhrzeit sein. Wie süß, wenn es nun einen Duft gibt, der exakt diese Uhrzeit zelebriert. Der Kopf hinter diesem Konzept ist Mathilde Laurent, (die in große Fußstapfen tritt, denn ihre Kollektion muss erst einmal an die erfolge von „Must de Cartier“ und „Délices“ anknüpfen).

Zum Auftakt bringt das Luxuslabel die Düfte „I“, „VI“, „X“, „XII“ und XIII“ heraus. Fünf Unisex-Düfte, pünktlich zum Weihnachtsgeschenk, die nur in Cartier-Filialen erhältlich sein werden.

Cartier HeureI – L’Heure Promise – Der Tag erwacht. Alles ist neu, alles scheint möglich zu sein. Der Körper ist entspannt, der Kopf ausgeruht. In dieser „Stunde der Erwartung“ schlummern, noch leicht verschlafen, frische Kräuter und Petitgrain (aus den Blättern des Bitterorangenbaumes). Eine kraftvolle Iris-Nuance weckt die Sinne, Moschus und Sandelholz wickeln die Haut in einen samtig duftenden Schutzschild. Der Tag kann kommen! Auch wenn die Düfte allesamt unisex sein sollen, finde ich „L’Heure Promise“ einen eher femininen Duft. Aber ganz wunderbar für Frauen, die einen unaufdringlichen, jugendlichen Charme besitzen.

VI – L’Heure Brillante – In Cartiers neuer Zeitrechnung ist dieser Duft dem Feierabend gewidmet (Aufruf an alle Chefs: dies ist das perfekte Geschenk für Workaholics, die abends ständig Überstunden machen). Wenn es dunkel wird und die Lichter der Stadt erleuchten, Musik und Gelächter aus Bars auf die Straßen klingt und der zweite Teil unseres Lebens beginnt, brauchen wir einen kleinen Energieschub. Spritzige, alles beherrschende Zitrone und herrlich prickelnde Gin-Noten über einem kräftigem Touch Aldehyd bringen uns in Feierlaune. Sicher der massentauglichste und fröhlichste Duft der ersten fünf „Auskopplungen“.

X – L’Heure Folle – Die verrückte Stunde. Wovon träumen Sie? Bar-hopping durch die angesagtesten Clubs der Welt, natürlich im Privat-Jet. Vom Deck einer Luxusjacht aus den Vollmond genießen, mit einem eisgekühlten Glas Roederer Cristal in der Hand? Oder schlicht und ergreifend eine Liebesnacht mit ihrem Traumpartner? Der dritte Duft der Cartier-Kollektion scheint den Esprit all dieser Abenteuer einzufangen. Rote Johannisbeere verdreht den Kopf, Rosa Pfeffer und ein Schuß Grenadine verführen zum Träumen. Der nächtliche Charme des Parfums kommt von Blaubeeren, Efeu und Buchsbaum. Ein toller Männer-Duft. Ungewöhnlich, aber effektvoll. Herb, aber sexy. Weckt bei mir köstliche Kindheits-Erinnerungen an Brause, pardon Champagner natürlich. Diesen Duft werde ich Silvester tragen. Let’s get the Party started.

Cartier - HeurresXII – L’Heure Mystérieuse – Der Ausklang eines langen, ereignisreichen Tages. Oder zumindest eine schöne olfaktorische Inspiration, den Tag ausklingen zu lassen. Ein sehr verführerischer Duft, ideal für eine Stunde zu zweit (oder viele Stunden?). Was man dazu trägt? Am Besten ein Negligé, sonst nichts. Patchouli, Jasmin (der vielleicht einen Tick zu kräftig ausfällt, meiner Meinung nach), Koriander und Weihrauch – nichts für zarte Nasen, aber sicher ein charismatischer Duft, der seine Fans finden wird. Man hat sofort ein altes Ölgemäde vor Augen, wenn man ihn riecht. „Schöne Frau auf Diwan gebettet“ oder so ähnlich. Allerdings funktioniert der Duft auch für Männer. Stark, betörend, sinnlich. Wenn er langsam seinen Smoking auszieht, Hemd und Fliege abstreift, dann darf seine muskulöse Männerbrust durchaus nach Koriander duften…

XIII – La Treizième Heure – Die dreizehnte Stunde, die es eigentlich nicht gibt, in die man sich aber flüchten kann, um die Welt draußen für einen Augenblick zu vergessen. Das perfekte Geschenk für alle, denen der tag immer viel zu kurz vorkommt. Eine Art Schwebezustand, nicht greifbar aber perfekt, um Ruhe zu finden. Etwas kühl, mysteriös und fast wie ein Stück Kohle (aber wird aus Kohle nicht letztendlich ein Diamant). Ledernoten, Mate-Tee, Birke, Bergamotte und Vanille. Der wohl komplexeste Duft der Reihe, aber als eine Art „Glücksbringer“ zu verstehen, denn das bedeutet die Zahl 13 für Cartier. Stand doch in der Rue de la Paix Nummer 13 das Stammhaus, in dem schon Louis Cartier und Jeanne Toussaint ihre Kreationen entwarfen…

Nehmen Sie sich also doch bei Ihrem nächsten Weihnachts-Shoopping-Bummel die Zeit (sorry, aber ohne das Wort geht es einfach nicht) und klingeln sie mal bei einer Cartier-Filiale. Sie werden sehen, es ist ein amgischer Moment, wenn Ihnen die Tür geöffnet wird und sie die Welt voller Hektik und Trubel hinter sich lassen und in das luxuröse Juwelen-Universum eintauchen. Testen Sie die Düfte und verschenken Sie einen. Ihrem Partner. Ihrer Kollegin. Ihrem Vater. Oder noch besser, Sie wünschen sich einen der kostbaren Flakons.

Denn was ist schöner als zu Weihnachten ein bisschen Zeit geschenkt zu bekommen, von jemandem, den man liebt.

Euer Constantin Herrmann

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Duftverzeichnis
Cartier Roadster: Ein mineralischer Herren-Duft mit farnigen Nuancen
The Different Company


Yin und Yang…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Holziges, Krautiges am 18.12.2009

… wer kennt sie nicht, die beiden gegensätzlichen Prinzipien aus der asiatischen, genauer: chinesischen Philosophie? Mir kam diese Assoziation gleich, als ich die beiden neuen Düfte der ebenfalls neuen Linie Versilia Vintage von Profumi del Forte erblickte. Ich gebe zu, nicht sonderlich einfallsreich, aber – die Flakons sind eben auch schwarz und weiß und auch die Verpackungen muten demgemäß an.

Profumi del Forte Versilia Vintage Boisé und Ambra MediterraneaDie Linie Versilia Vintage ist als Hommage an die gleichnamige Toskanaregion gedacht, eigentlich ebenso wie die komplette Profumi del Forte-Kollektion, die

Aber kommen wir zu den Düften, die ich vor einiger Zeit schon angekündigt hatte. Versilia Vintage Boisé stellt laut Pressetext „eine subtile und elitäre Komposition” dar. „Eine Reise entlang zitrusfrischer Essenzen,” wie es dort blumig heißt, „gefolgt von Lavendel und lieblichem Honig. Sie klingt mit schmeichelnden und zugleich markanten Noten sowie einem lang anhaltenden holzigen Aroma aus.”

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bitterorange, Bergamotte, Vetiver; Herznote: Lavendel, Geranium, Honig; Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Tonkabohne, Elemiharz.

Boisé ist, ganz gemäß seiner farblichen Anmutung – es handelt sich hierbei um den schwarzen Flakon, den ich intuitiv als den intensiveren Duft eingeordnet hätte, vielleicht auch: den männlich(er)en von beiden – recht maskulin. Kein Duft, für den sich gar keine Frau findet, aber ich nehme an, daß er in der Hauptsache Männern besser zu Gesicht stehen wird. Der Auftakt von Boisé ist zitrisch-herb, wie es Bitterorange und Bergamotte auch vermuten lassen, in Kombination mit einer gekonnt bitter-grünen Schärfe des Vetivergrases. Lavendel zeigt sich sodann, eine erwachsene, ernste Facette desselben, krautig und ätherisch, der alsbald an Tiefe und auch an Wärme gewinnt: Sonnengetrocknet und -durchwirkt scheint er und erfährt durch satte Honignoten seine harmonische Abrundung, in der Basis begleitet von holzig-aromatischen Akzenten.

Profumi del Forte Versilia Vintage BoiséDas Lavendel und Honig eine tolle Kombination ist, weiß ich spätestens nachdem ich vor einigen Jahren in einem edlen Restaurant ein wundervolles Lavendel-Honig-Sorbet genießen durfte – ich hätte mich hineinsetzen können, träume heute noch davon und bin seither dermaßen angesteckt von dieser feinen Kombination. Insofern gefällt mir Boisé auch sehr gut, vor allem in seinem prächtigen, dunkelgrün-dunkelvioletten Herzen. Ich war beim Testen äußerst positiv überrascht von dem Duft – mittlerweile bin ich ein wenig voreingenommen bei diversen Düften, die ein Boisé oder Wood im Namen haben, da es zwar einige sehr schöne Holz(ige) Düfte gibt, allerdings auch einige relativ belanglos sind. Boisé nun ist auch holzig, aber für mich in allererster Linie ein Lavendeltraum.

Versilia Vintage Ambra Mediterranea symbolisiert laut Profumi del Forte„die Eleganz von Ambergris, gepaart mit der Fröhlichkeit der Orange. Liebliches Ylang-Ylang und warmes Zedernholz. Sanfte und strahlende Noten, die die Atmosphäre eines ruhigen und tiefgründigen Mittelmeers widerspiegeln.”

Ingredienzen: Kopfnote: Orange, Koriander; Herznote: Ylang-Ylang, Jasmin; Basisnote: Ambra, Benzoeharz, Tolubalsam, Zedernholz, Patchouli, Weihrauch, Vanille, weißer Moschus.

Ambra Mediterranea beginnt orangen-gewürzig, offeriert aber sogleich auch seinen Hauptprotagonisten, die Ambra, samt einiger Harze und Weihrauch. Es geht also relativ schnell zur Sache, man sieht ja auch bereits an den Zutaten, daß man es hier mit einem ambrabasierten Orientalen zu tun hat. Die Basis ist würzig und voller Wärme, dank Vanille und Moschus hat sie einen angedeutet gourmandigen Touch, ist aber nicht übermäßig süß – der ganze Duft ist ohnehin trocken, ergo von trockener Süße. Ich würde sagen, Ambra Mediterranea ist ein Mittelgewicht, ein mittleres Kaliber: Durch Ylang-Ylang als floral-tropische Herznote wird und wirkt der Duft bisweilen etwas leichter, wobei das auch im Verhältnis zu sehen ist. Es gibt sehr viel schwerere Ambradüfte, allerdings ist Ambra Mediterranea auch kein Leichtgewicht wie beispielsweise L’Artisans Eau D’Ambre. Trotz allem halte ich ihn für alltagstauglich und würde ihn auch tagsüber ausführen. Eine relativ große Ähnlichkeit stelle ich, vor allem auf der Haut, zu Lutens’ Ambre Sultan fest. Letzterer gefällt mir, allerdings ist er mir immer etwas zu harsch gewesen, er besitzt ein Quentchen Unausgewogenheit, die mich häufiger davon abhält, ihn zu tragen, obgleich er einen Platz in meinem Repertoire hat. Ambra Mediterranea wäre da durchaus eine Alternative: Ihm fehlt dieses Quentchen oder, positiv ausgedrückt: Er ist sehr harmonisch und im Vergleich zu dem Lutens durch den floralen Akzent auch gezügelter, facettierter.

Welches ist Eurer Liebling?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende Euch,

Ulrike.

P.S.: Wie immer Freitags auch heute unsere Probenaktion: Wer eines unserer fünf Probenpakete gewinnen mag, schreibe bitte bis Sonntag Nacht eine Mail an info@ausliebezumduft.de mit seiner Adresse und nenne uns einen weiteren Profumi del Forte-Duft.

Die Gewinner letzte Woche waren: Jutta L., Verena M., Carola T., Ute S. und Ingeborg A. – herzlichen Glückwunsch und viel Spaß beim Schnuppern!

Bildquelle Lavendel, some rights reserved.

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