Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Nouvelle Edition – Teil 3.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Duft,Grünes,Holziges,Leder am 30.10.2009

Heute möchte ich Euch wie versprochen die letzten drei Düfte der Nouvelle Edition von Miller Harris vorstellen.

fleur_de_selAls ersten Kandidaten habe ich mir Fleurs de Sel herausgepickt, den bis dato neuesten Duft der Reihe. Inspiriert wurde er durch das kleine Städtchen Batz-sur-Mer in Frankreich, wo das gleichnamige weltbekannte Salz herstammt. Französisches Fleur de Sel steht auch in meiner Küche und, obgleich ich nur ein Hobbykoch bin und eher bescheidene Gerichte zaubere, es ist eine echte Bereichung für jeden Hausstand – man schmeck so große Unterscheide, auch und vor allem in eher einfacheren Gerichten.

Das Fleur de Sel, auf deutsch: die Salzblume und namensgebend für den Duft, ist nämlich Meersalz von allerbester Qualität, es entsteht nur an ganz bestimmten Tagen, wenn Windstille herrscht und es warm ist, und zwar als hauchdünne Schicht an der Meeresoberfläche. Geerntet wird es von Salzbauern, die es von Hand mit Holzschaufeln abschöpfen. Eine Delikatesse also, erlesen im Geschmack und nur in Handarbeit herzustellen beziehungsweise abzuschöpfen.

Der Duft? Oh, ich weiß gar nicht, warum ich ihn nicht schon früher getestet habe, für mein Näschen auch eine echte Delikatesse obgleich vermutlich nicht jedermanns Geschmack. Frisch aufgesprüht ist er recht wütend, mutet an wie Meeresgischt, salzig, brausend. Die Kräuter, die verwendeten, sind dafür verantwortlich, sind weniger aromatisch-grün als viel eher scharf-würzend und – salzend. In der Intensität erinnern sich mich ein wenig an Odoris einmaligen Gli Odori, der auch ziemlich einmalige Kräuternoten offenbarte, nach denen man in dieser Ausprägung und Interpretation lange suchen muß – ich kenne nichts Vergleichbares. Mittlerweile hat sich der Zorn der Gischt ein wenig beruhigt und deutlich treten für mich erdig-holzige Iris sowie grün-herber Vetiver und Noten eines sehr erwachsenen Leders in den Vordergrund, abgefangen von ein wenig Moos im Hintergrund und einem dezenten floralen Hauch.

Für mich ein echter Kracher – ein wunderschöner vielfältiger erdig-krautiger Meerduft mit Lederakzenten, wobei dieser Einzeiler dem Duft noch nicht einmal annäherungsweise gerecht wird.
Dafür fällt mir ein adäquater Vergleich: Stellt Euch vor, was wäre, wenn sich The Different Companys Sel de Vétiver zum privaten Stelldichein mit Tauers limitierter Orris träfe und letztere zuvor Tauers Cowboy aus Lonestar Memories den (Leder)Sattel entwendet hätte… Das trifft es meines Erachtens nach sehr genau.

Hier noch die Ingredienzen: Kopfnote: roter Thymian, Rosmarin, Muskatellersalbei; Herznote: Iris, Narzisse, Rose, Ambrettesamen; Basisnote: Hölzer, Vetiver, Moos, Leder.

Weiter geht es mit Vetiver Bourbon. Vetiver als Zutat im speziellen als auch Vetiverdüfte im Allgemeinen haben es mir seit je her angetan, insofern ist das natürlich jetzt auf eine Weise ein Heimspiel. Der Vetiver Bourbon ist aber auch ein durchaus sehens- bzw. testenswerter Vertreter seiner Gattung. Reduziert, ruhig und eher monothematisch fokusiert sich der Duft ganz auf die verschiedenen Facetten des Vetivergrases: Grüngrasig, herb und leicht salzig kommt es daher mit feinen rauchigen Akzenten, um in der Basis von moosigen und holzigen Noten abgerundet zu werden. Sehr gelungen wie ich finde. Mich persönlich erinnert er von der Richtung her an Chanels Sycomore – ein schön ausbalancierter Duft, der die schmale Gratwanderung schafft, die ganze Persönlichkeit des Vetivers einzufangen und auszudrücken, aber trotzdem nicht nur für Hardcore-Vetiver-Fans tragbar zu sein. Denn, das muß man einfach sagen, Vetiverdüfte wie zum Beispiel Maître Parfumeur et Gantiers Route du Vétiver sind zwar echte Klassiker, aber auch echte Haudegen. Und – nicht immer sind olfaktorische Haudegen gefragt (auch wenn die zweite Seele in meiner Brust jetzt insistiert und ganz laut „doch, doch” schreit…) ;)

Die Ingredienzen: Kopfnote: Vetiver aus Réunion und Haiti; Herznote: Vetiver aus Réunion und Haiti; Basisnote: Eichenmoos, Patchouli, Sandelholz, Ambra, Moschus.

imperial_palace_in_kyoto_-_garden_of_emperor_library_-_bridge_2Der letzte Duft ist En Sens de Bois, für den als Inspiration Kyoto und dessen traditionell japanische Gärten fungierten. En Sens de Bois ist ein ruhiger Duft – grau, steingrau, wenn er denn eine Farbe hätte, mit ein paar Quentchen (moosigen) Grüns. Die Iris in der Kopfnote ist tief erdig und geht alsbald über in trockenste Harznoten und eine Menge Holz: Eine sehr präsente Zeder und knarziges Unterholz. Meine Nase vermeint auch Kiefer bzw. Pinie zu entdecken, obgleich nicht als Zutat gelistet. Wärme oder Süße sucht man in diesem Duft vergebens, sie wäre schlicht fehl am Platze. Lediglich unter dem Harz schillert eine versteckte zimtartige Note, die vermutlich auf das Sandelholz zurückzuführen ist und auf dem Moose ruht, das den Duft vollendet.

asakusa_honganji_temple_in_th_eastern_capital1Kein einfacher Duft möchte ich behaupten, aber sehr interessant. Reduziert, kontemplativ, durchaus asiatisch anmutend. Er erinnerte mich spontan an die Holzdrucke aus Japan, deshalb habe ich einen ebensolchen herausgesucht – passenderweise stellt er den Ausblick vom Higashi-Honganji Tempel in Kyoto dar. Für mich ein Duft für (selbst)reflexive Stunden, ein Rückzugsort. Eine olfaktorische Meditation wenn Ihr so wollt ;)

Seine Ingredienzen: Kopfnote: Iris; Herznote: Labdanum (Zistrose), Weihrauch; Basisnote: Heidehölzer, Zedernholz, Sandelholz, Patchouli, Moos.

Ich hoffe, Ihr hattet Freude beim Lesen der Nouvelle Edition-Reihe und würde mich sehr über Feedback zu meinen Rezensionen und den Düften freuen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Es existieren noch zwei weitere Düfte in der Nouvelle Edition: Cuir d’Oranger, wie der Name schon sagt ein Lederduft mit Akzenten von Orangenblüte(n) – ich konnte ihn vor längerer Zeit einmal testen und habe ihn als eher maskulinen, aber durchaus auch für Frauen tragbaren Lederduft in Erinnerung, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Lutens’ Cuir Mauresque aus der Palais Royal-Linie hat. Darüber hinaus Eau de Vert, ein klassischer Fougère-Duft, bei dem ich leider noch nicht das Vergnügen hatte.

Bildquelle 1, 2 und 3

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Eine englische Matrjoschka – die Nouvelle Edition von Miller Harris.
Nouvelle Edition – die zweite.
Duftverzeichnis L – Z


Nouvelle Edition – die zweite.

Geschrieben in Blüten,Duft,Gewürziges,Hesperiden am 29.10.2009

So. Wo waren wir stehengeblieben? Gestern hatte ich damit begonnen, Euch die Nouvelle Edition von Miller Harris vorzustellen, die weniger bekannte, ehemals exklusiv in England erhältliche Zweitserie.

Nun bin ich bei weitem auch noch nicht am Ende angelangt, verbleiben doch noch mehr als eine handvoll Düfte.

Heute macht den Anfang Terre d’Iris, der mich namenstechnisch natürlich sofort an Ellenas Bois d’Iris erinnerte aus seinem Haus The Different Company. Das nahm ich zum Anlaß, mein Minifläschchen Bois d’Iris aus dem Regal zu holen, um die Düfte vergleichend betrachten zu können.

Terre d’Iris erstaunte mich – es mag am Namen liegen, es mag an der Namensverwandtschaft mit Bois d’Iris liegen, vielleicht auch an den anderen Irisdüften, die ich so kenne und/oder die mir gerade präsent sind… Ich kann meine Erwartung gar nicht so genau beschreiben, allerdings hätte ich nicht mit Hesperiden gerechnet, mit Kräutern… Terre d’Iris nimmt sich ganz wörtlich, die Erde der Iris – der Duft möchte uns anscheinend auch die Gegend um Florenz, die mediterrane italienische Landschaft schmackhaft machen. Das gelingt recht eindrucksvoll, auch wenn es nicht das ist, was ich erwartet hätte. Terre d’Iris offeriert einem in den Kopfnoten landestypische Zitrusfrüchte, zitrische Bergamotte und Bitterorange, garniert mit einer Prise aromatischen Rosmarins. Schon bald drängen sich florale Noten nach vorne, fruchtige Orangenblüte und natürlich Iris, samtig-pudrig, sowie ein Hauch Rose. Alsbald nach dem Auftreten der Blüten gewinnt der Duft an Tiefe, die Ingredienzen der Basis spielen bereits mit hinein und runden die Blüten warm ab.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Bitterorange, Rosmarin, Muskatellersalbei; Herznote: Orangenblüte, türkische Rose, Florentiner Iris; Basisnote: Patchouli, Eichenmoos, Tannenbalsam.

Terre d’Iris ist komplex und gelungen ausbalanciert, eine feine ganzjährig tragbare Iris, die sich durch ihr Facettenreichtum wohltuend von einigen eher monothematischen Vertretern ihrer Gattung absetzt.
iris_pallidaThe Different Companys Bois d’Iris unterscheidet sich nun deutlich. Im Auftakt ist hier sehr dezente herbe Bergamotte zu vernehmen, dazu gesellt sich sofort der Star des Duftes, die Iris Pallida oder auch Florentinische Iris. Ergo dieselbe Sorte kostbare Iris wie in Terre d’Iris, hier allerdings anders interpretiert: Diese Iris ist buttrig, vornehmlich im Herzen, was durch das helle Geranium und die Narzisse unterstrichen wird. Allerdings ragt die Basis mit Vetiver und Zedernholz weit in den Duftverlauf hinein, was die holzig-erdigen Facetten der Iris betont und unterstreicht.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Iris (Iris Pallida); Herznote: Geranie, Narzisse
Basisnote: Vetiver, Zedernholz, Moschus.

Auch diese Iris mit ihrer eigentümlich buttrig-holzigen Ausprägung findet bei mir Gefallen – im Gegensatz zu Terre d’Iris finde ich sie noch einen Tick tragbarer für Männer, für Frauen sind beide Düfte ohnehin geeignet.

Gehen wir weiter zum nächsten Kandidaten, der ebenfalls für beide Geschlechter gleichermaßen geeignet ist: Piment des Baies, eine Reminiszenz an die Karibik, das Karibische wie Miller Harris verlauten läßt. Auch Piment des Baies hat mich überrascht. Ich lese nie die Duftnoten bevor ich einen Duft das erste Mal teste, um einen völlig unverstellten Eindruck zu gewinnen. Meine Assoziation und auch Erwartung, die sich mit Piment verknüpfte, war diejenige eines warmen, leicht exotischen Duftes, wie z.b. schon Feuilles de Tabac von Miller Harris oder auch Piment Brulant von L’Artisan Parfumeur.

Mitnichten, zumindest nicht auf den ersten „Riecher”. Hier macht sich ein gar appetitliches Maß an Zitrusfrüchten breit, vornehmlich saftigste Orange, ergänzt durch gekonnt dosierte Bergamotte. Schon wenig später stellt sich die aromatisch-grüne Würzigkeit der enthaltenen Kräuter ein und der Duft beginnt mich ein wenig an den vor wenigen Tagen vorgestellten Six Scents No. 3 Solar Donkey Power zu erinnern, der ja landestechnisch in eine ganz andere Richtung zielte, nach Skandinavien nämlich, als Hommage an die von dort stammende Sauna. Eine wirkliche Ähnlichkeit besitzen nach nochmaligem Aufsprühen des Solar Donkey Power die beiden Düfte nicht, die ja auch völlig unterschiedliche Ingredienzen aufweisen. Ähnlich ist allerdings die Art und Weise, wie frische, im Falle von Piment des Baies zitrische Noten mit Kräutern und Gewürzen überblendet werden, was eine ganz eigenwillige Dynamik entwickelt: Ambivalenz ist hier das Zauberwörtchen.

So hänge ich auch mit der Nase ständig abwechselnd über Teststreifen und Handgelenk und versuche für Euch in Worte zu fassen, was mich an Piment des Baies jetzt so fesselt. Mittlerweile hat sich der Duft weiterentwickelt, Piment schärft pfeffrig und spendet dem Duft zusammen mit Angelika Tiefe, etwas fast ätherisches. Ganz im Gegensatz dazu steht die Basis mit gewürziger Vanille, warmem Sandelholz und holzig-pudriger Iris, die sich bereits im Hintergrund befindet im Laufe des Duftes immer mehr an Gewicht gewinnt.

bahamas-direction-sign1Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Orange, Estragon, roter Thymian; Herznote: Pfeffer, Piment, Samen der Angelika (Engelwurz); Basisnote: Vanille, Sandelholz, Iris.

Ganz ehrlich: Auf die Karibikassoziation wäre ich nie gekommen, hätte ich es nicht gelesen. Aber – ja, doch, bei mehrmaligem Testen kann ich es nachvollziehen und Piment des Baies erinnert mich immer mehr an das Genießen eines fruchtig-zitrisch-herben Cocktail in der untergehenden Sonne, irgendwo am Strand in Meernähe.

Und – je mehr ich darüber nachdenke und rieche, desto besser gefällt mir eigentlich der Duft, da diese Interpretation von Karibik, von Südsee nun doch mal etwas anderes, wobei nicht weniger treffendes ist als die ganzen Kokosnussirgendwas-Düfte, deren Freund ich größtenteils zugegebenermaßen eh noch nie war ;)

Morgen folgt nun noch der „Rest” der Nouvelle Edition, namentlich Vetiver Bourbon, En Sens de Bois und Fleurs de Sel.

Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle 1 und 2

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Nouvelle Edition – Teil 3.
Eine englische Matrjoschka – die Nouvelle Edition von Miller Harris.
Duftverzeichnis L – Z


Eine englische Matrjoschka – die Nouvelle Edition von Miller Harris.

Geschrieben in Blüten,Duft,Hesperiden am 28.10.2009

Miller Harris ist wohl neben Jo Malone der bekannteste „neuere” Britenexport was Parfums und Körperpflege angeht – sieht man mal von den alteingesessenen Manufakturen wie Floris, Penhaligon’s und Creed ab.

Deren Kreationen sind für mich das, was ich olfaktorisch betrachtet als typisch englisch bezeichnen würde. Vor allem Creed ist für mich Sinnbild dessen: Sehr gut komponierte, harmonische Düfte, immer sophisticated, Understatement-affin und wohltuend zurückhaltend. Echte Gentleman und -woman-Düfte ergo. Klassisch, zeitlos und zu fast allen (An)Gelegenheiten tragbar.

Ganz anders also als zum Beispiel französische oder auch italienische Parfums: In typisch englischen Düften wird man meist vergebens nach diesen kleinen, dreckigen Ecken suchen, diesen finsteren Winkeln, die dem Lichte niemals zugänglich waren, nach groben Kanten, die herausfordernd provozieren – von einigen Ausnahmen mal abgesehen (hier denke ich z.B. an Creeds Angelique Encens).

So sehr ich auch die Herausforderung liebe und deshalb ein großes, großes Herz für all die Düfte habe, die dunkle Geheimnisse in sich tragen, ob ihrer Ambivalenz anecken und/oder vor Kanten nur so wimmeln – genauso schätze ich auch jene andere Parfumerie, jene anderen Düfte, ausbalanciert, meist hellerer Natur und in sich rund.

Miller Harris und Jo Malone gehören wie bereits erwähnt zu den neueren englischen Firmen und erfreuten sich in den letzten Jahren einer außerordentlichen Beliebtheit. Im Gegensatz zu Jo Malone, in deren Sortiment aufgrund ihres Layerkonzeptes (die Düfte sind zum Kombinieren und übereinander Tragen gedacht) eher monothematische Düfte vorherrschen, sind die Düfte der Miller Harris Linie eher komplexerer Natur – jedoch sind sie allesamt eine gelungene Gratwanderung zwischen typisch englischer Parfumeurskunst und einer erfrischenden Prise Modernität.

Bekannt ist von Miller Harris primär die „normale” Linie – viele Duftfreunde wußten bzw. wissen gar nicht, daß es auch eine Linie in der Linie gibt, die Nouvelle Edition. Gleich einer Matrjoschka – deshalb auch der Titel – offenbaren sich hier noch etliche weitere Düfte, die anfänglich nur den Direktkunden von Miller Harris vorbehalten waren, da man sie lediglich in deren Shops in England kaufen konnte.

Ein Verlust, den es zu beheben galt – so hat AusLiebezumDuft nun seit einiger Zeit auch die Nouvelle Edition im Angebot.

Grund genug für mich, die Kollektion nochmals unter die Lupe beziehungsweise Nase zu nehmen.

Beginnen möchte ich mit Le Petit Grain, der den CEW-Award 2009 gewann in der Nischensparte. Le Petit Grain ist eine Hommage an die großen Colognes, ein Tribut, wie Miller Harris verlauten läßt – und ja, diese Colognenähe vermag ich durchaus zu entdecken. Allerdings handelt es sich bei Le Petit Grain keinesfalls um eines dieser zahlreichen, zu recht vergessenen schnarchigen Eau de Cologne-Wässerchen, ganz im Gegenteil. Der Duft beginnt prickelnd zitrisch-herb und offenbart alsbald auch einen frisch-grünen Kräuterreigen, der für hintergründig-aromatische Würze sorgt, während sich zart-würzige Lavendelnoten dazugesellen. Im Duftverlauf beruhigen sich Hesperiden und Kräuterherbe zugunsten floraler Noten des ganzen Zitrusfrüchterepertoires: Neroli und Orangenblüte sind mit von der Partie, darüber hinaus dominiert nun Namensgeber Petitgrain, ein Öl aus den Blättern, Zweigen und (unreifen) Früchten der Pomeranze oder Bitterorange, das hier die ganze grüne Frucht samt Blättern zum Vorschein bringt. Die Basis ist weich abgerundet durch Moschus und Patchouliblätter.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Orange, Angelika (Engelwurz), Orangenblüte, Bergamotte, Zitrone, Rosmarin, roter Thymian, Estragon, Lavendel; Herznote: Petitgrain, Neroli; Basisnote: Eichenmoos, Vetiver, Patchouli.

Was soll ich sagen – ich persönlich finde, daß Miller Harris ein Händchen für Hesperiden haben. Schon Tangerine Vert und Citron Citron aus der normalen Kollektion empfinde ich als sehr gelungen, nicht anders ist es mit Le Petit Grain. Mich erinnert der Duft von der Machart her ein bißchen an das noch komplexere und wunderschöne, aber leider vollkommen unterschätzte L’Eau Neuve von Lubin, das ich ebenfalls jedem nur ans Herz legen kann: Beide Düfte sind facettenreiche zeitlose Eau de Cologne-Interpretationen und insofern stilsichere Begleiter und Immergeher. Wobei gerade im Sommer für mich das Vorhandensein „vernünftiger” Hesperidendüfte ein Muß ist – so könnte durchaus auch Le Petit Grain nächstes Frühjahr bei mir vielleicht noch Einzug halten.

jasmin1Jasmin Vert – eine Erinnerung an Grasse, wie bei Miller Harris zu lesen, und, „a riot in the marché aux fleurs”, ein Aufruhr im bewährten Blumenmarkt. Diese Formulierung hatte es mir angetan, mal schauen, dachte ich, was damit gemeint ist, was davon übrig bleibt… Und, durchaus, Jasmin Vert ist jetzt nicht unbedingt ein klassischer Jasminduft, mit denen ich ja, wie ich ehrlich gestehen muß, häufig meine Probleme habe. Der Auftakt präsentiert sich kurz fruchtig-zitrisch, um dann umgehend überzugehen zu seiner Hauptfigur, dem Jasmin. In seiner Ausprägung wenig indolisch (und insofern auch kein Kopfwehkandidat!) ist er cremig-weiß und süßfloral, des weiteren offenbart er Noten, die mich recht deutlich an den Duft guter Körperlotion oder vielmehr -creme erinnern. Der Duft riecht, auch im späteren Verlauf nach – prächtig eingecremter Haut. Diese Impression wird unterstützt durch Orangenblüten, weich abgefedert von einer Patchouli-Eichenmoos-Basis.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Bitterorange, Rosmarin, Muskatellersalbei; Herznote: Orangenblüte, türkische Rose, Florentiner Iris; Basisnote: Patchouli, Eichenmoos, Tannenbalsam.

Für mich ist Jasmin Vert ein schöner, sehr tragbarer Jasminduft, der im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern seiner Gattung sehr wohl ganzjährig tragbar ist. Der Jasmin ist hier wohldosiert eingesetzt und entwickelt demgemäß nicht die im eigene indolische Facette, die in manchen Düften fast schon zuviel des Guten sein kann respektive annähernd fäkale Tendenzen entwickeln kann.

Morgen und übermorgen geht es weiter mit den restlichen Miller Harris Kandidaten der Nouvelle Edition – einen schönen Tag noch und liebe Grüße,

Ulrike.

Bildquelle

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Der diesjährige Prix International du Parfum…

Geschrieben in Allgemein,Duft am 27.10.2009

… geht an Olivier Polge. Der Preis, auch bekannt als International Fragrance Prize und früherer Prix François Coty, wird alljährlich von Cosmetic Valley verliehen und genießt internationales Renommee. Er wird jeweils Parfumeuren verliehen, die mit ihren Kreationen besonderes Aufsehen erweckten, einen phantastischen Beitrag zur Welt der Düfte leisteten. Die Jury besteht aus sechs Mitgliedern, welche sich die Düfte der zur Wahl stehenden Parfumeure zu Gemüte beziehungsweise zur Nase führen um hernach ihre Entscheidung zu treffen.

olivier_polge1Olivier Polge, 35 Jahre alt und Sohn des Altparfumeurs Jacques Polge (ab 1978 Hausparfumeur bei Chanel), hat Parfum in der Tat im Blut: Seine bisherigen Kreationen umfassen Düfte wie zum Beispiel Bulgari Eau Parfumée au Thé Rouge, Burberry The Beat & The Beat for Men, Christian Dior Homme & Pure Poison, Davidoff Hot Water, Diesel Only the Brave, Dolce & Gabbana The One for Men, Guerlain Cuir Beluga, Jil Sander Jil, Kenzo Power, Viktor & Rolf Flowerbomb & Eau Mega und viele mehr.

Mit dem Gewinn des Prix International du Parfum befindet sich Polge, der für IFF arbeitet, in bester Gesellschaft: Die vormaligen Preisträger des 2000 von Nicholas Barry ins Leben gerufenen Preises sind: 2008 Dominique Ropion, 2007 Christine Nagel, 2006 Lorenzo Villoresi, 2005 Sophie Labbé, 2004 Jacques Cavallier, 2003 Alberto Morillas, 2002 Maurice Roucel, 2001 Francis Kurkdjian und 2000 Jean Guichard.

Eine ganz beachtliche Reihe, wie ich finde – sind denn auch Lieblingsparfumeure von Euch dabei?

Ich liebe ja Kurkdjian für seine Rosen, ganz im speziellen die Lady Vengeance für Juliette has a Gun. Villoresi ist auch einer meiner Alltime-Favoriten, obgleich ich seine Düfte mittlerweile nur noch selten trage.  Morillas’ Purple Water für Asprey ist einer meiner Sommerlieblinge und sein Cologne Intensa von Acqua di Parma eine meiner Lieblingsempfehlungen für Männer. Ropions Düfte für Malle sind großartig, allen voran der wunderbare Vetiver Extraordinaire – für mich einer der fünf besten Vetiver-Düfte überhaupt. Und wenn wir gerade schon bei Frédéric Malle sind – Roucels Musc Ravageur ist einer meiner an zwei Händen abzuzählenden Moschusdüfte.

Jetzt seid Ihr an der Reihe meine Damen!

Liebe Grüße und einen schönen Tag Euch,

Ulrike.

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Neuer Trend: Botox-Flatrates – Wir sagen: Bitte nicht!

Geschrieben in Allgemein am 26.10.2009

Der ungebrochene Siegeszug des Nervengifts Botulinumtoxin treibt wundersame Blüten, die man gut finden kann oder auch nicht. Diskutiert mit uns!

Bars und Clubs locken gerne mit „Happy Hours“. Mehr Cocktails trinken, weniger zahlen. Finde ich klasse. Aber vor ein paar Wochen stand ich vor einem Solarium, das groß plakatiert mit seiner eigenen „Happy Hour“ warb. Cocktails im Bräunungsstudio? Falsch. Ich gebe zu, blöder Gedanke meinerseits – wer bitte würde schon Samstag abend ein paar Drinks im Solarium kippen..? Auf meine Nachfrage wurde mir aber erklärt, dass die Happy Hour sich auf die Benutzung der Sonnenliegen beziehe. In einer bestimmten Zeitspanne darf sich der Besucher zum gleichen Preis doppelt so lange bräunen. Aber, so die Verkäuferin mit dem heiteren Leder-Teint weiter, wenn ich Interesse hätte, gäbe es noch etwas ganz Neues: Die Sonnen-Flatrate. Ich müsste Mitglied für ein Jahr werden, dann könne ich jeden Tag kommen und auf dem Grill liegen. Der monatliche Mitgliedsbeitrag wäre da ganz schnell wieder „drin“, denn die meisten Mitglieder kämen jeden Tag und bezahlen umgerechnet so nur einen Euro für 30 Minuten Solarium. Jeden Tag! 30 Minuten!!! Vor Schreck wurde ich so blass, dass die Solarista (oder wie auch immer man diesen Job nennt) mich wahrscheinlich am Liebsten gleich auf ne Stunde in den Turbo-Bronzer 3000 verfrachtet hätte. Und bevor jemand fragt: Nein, ich bin natürlich kein Mitglied geworden. Solarien machen mir nämlich Angst. Und das zweifach. Einmal wegen der verheerenden Wirkung auf die Haut, und zweitens, weil ich noch nie jemanden gesehen habe, der regelmäßig ins Solarium geht und dabei gut aussieht. Den Teint gegerbt wie ein Broiler aus der Imbiß-Bude, das entspricht nicht gerade meinem Schönheitsideal. Folgerichtig habe ich die Flucht ergriffen.
Aber immer, wenn man denkt, schlimmer geht nimmer, kommt es doch noch knüppelhart. Denn ein paar Tage später flatterte mir diese Werbung ins Mail-Postfach (geschickt getarnt als Presse-Mitteilung):

„Nur 39 Euro im Monat – Dauerhaft Faltenfrei mit der ersten Botox-Flatrate“

Botox Injektion, Quelle: http://www.blogcdn.comDer Beauty-Redakteur in mir ist erstmal entsetzt. Auf den ersten Blick. Denn medizinische Leistungen sollten generell nicht zu Dumping-Preisen angeboten werden. Ich finde das unseriös. Aber ich gucke mir das Angebot natürlich näher an. Besagte Flatrate gibt es in mehreren Varianten. Die billigste für 39 Euro im Monat beinhaltet die Behandlung einer Gesichtsregion, zum Beispiel Zornesfalte, Krähenfüße oder Stirn, über ein Jahr, so oft man eben die Behandlung benötigt. Die teuerste Variante für 99 Euro pro Monat soll gleich alle Falten in den drei Regionen regelmäßig wegspritzen. Als ich das lesen musste, grub sich eine Zornesfalte in meine Stirn, die alles Botox der Welt nicht wegbekommen hätte. Wer macht denn so etwas?! Ich bin entsetzt. Natürlich ist mir bewusst, dass immer mehr Frauen begeistert sind von der Möglichkeit, sich Falten aus dem Gesicht wegzaubern zu lassen. Laut einer Studie des Herstellers Allergan spielen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und England zusammen über 5 Millionen Frauen mit dem Gedanken, sich in Zukunft Botox spritzen zu lassen. Und die Männer haben die Aufholjagd bereits begonnen. Nichts destotrotz bin ich nun mal gegen Botox. Nicht wegen der bestehenden Gefahr, die das Nervengift mit sich bringt. Man hört ja immer wieder von Todesfällen und anderen drastischen Nebenwirkungen. In den USA nennt man Frauen, die unglücklicherweise dank Botox nicht mehr richtig lächeln können, oder denen Speichel aus den Mundwinkeln fließt hämisch „Botox-Babes“. Aber abgesehen davon finde ich Botox nun mal ganz persönlich nicht den besten Weg, seine Schönheit zu konservieren. Lassen sie mich das erklären: Ich hatte einmal eine Kollegin, die großer Fan von jeder Form der Unterspritzung und Botox-Therapie war. Regelmäßig war der Unterschied zu sehen zwischen „Frisch-Gespritzt“ und „Schon-wieder-Normal“. Kam sie vom Arzt, sah sie aus wie ein erschrecktes Hündchen, das in die Scheinwerfer eines herannahenden Lastzuges starrte. Die Augenbrauen waren wie eingefroren, die Mundpartie irgendwie unnatürlich aufgepolstert. Nach ein paar Wochen normalisierte sich der Gesichtsausdruck langsam wieder, aber prompt folgte natürlich die nächste Behandlung. Schön war das nicht, und der Unterschied so augenfällig, dass sich die Kollegen darüber lustig machten. Mit Würde hat das nichts zu tun. Zumal man an vielen Botox-Junkies sehen kann, wie unnatürlich ein Gesicht wirken kann, wenn es sich regelmäßig lahm legen lässt. Nunja, Suum Cuique, wie der Lateiner sagt. Jeder, wie er es mag. Hollywood-Regisseure sieben bei Castings jedenfalls bereits bei der Besetzung ihrer Filme solche maskenhaften Gesichter aus. Und nun stellen Sie sich einmal vor, wie viel Emotionen ein Gesicht noch ausdrücken kann, wenn es sich ein Jahr lang regelmäßig per Flatrate-Spritze lähmen lässt.

Kleine Geschichte des Botox: Dosis Facit Veneum – Die Dosis macht das Gift.

Botulinumtoxin A , wie es eigentlich heißt, ist ein Bakteriengift, das erst einmal Lebensmittel-Vergiftungen verursachen kann. 1817 wurde von einem schwäbischen Arzt diese Vergiftungserscheinung erstmals wissenschaftlich notiert. Der Name leitet sich vom lateinischen „botulus“ für Wurst ab. Denn die Erkrankungen in Zusammenhang mit dem Nervengift traten häufig in Verbindung mit Wurst- und Fleischkonserven auf. Das Bakterium, das die Vergiftung „Botulismus“ hervorruft, gedeiht nämlich hervorragend in nichtsaurem, sauerstoffarmem Milieu. Stichwort: Konservendose! Da Anfang des 19. Jahrhunderts Konserven immer beliebter wurden (ab 1810), die Sterilisierungsmöglichkeiten aber noch nicht besonders weit entwickelt waren, überlebten die Sporen des „Clotridum botulinum“ das Erhitzen der Blechdosen oft und führten dann beim Genuß der Wurst zu Übelkeit, Muskellähmung, Doppeltsehen (durch die Lähmung der Augenmuskulatur) und Halssteifigkeit. Im Extremfall stirbt man an Atemlähmung. Seit Mitte der 1980er Jahre wird das Bakteriengift aber auch erfolgreich im medizinischen Bereich gegen verschiedene Erkrankungen verabreicht, zum Beispiel gegen Lähmungen im Gesichts- und Halsbereich, gegen Muskel-Spastiken, gegen Migräne oder übermäßiges Schwitzen. Seit 2006 ist Botox in Deutschland offiziell zur kosmetischen Behandlung zugelassen, zur Glättung der ungeliebten Mimik-Falten, da Botox (das brauche ich wohl nicht mehr zu erklären) in der Lage ist, einen Muskel in seiner Bewegung einzuschränken, indem es die Ausschüttung des Neurotransmitters „Acetylcholin“ hemmt. Dadurch wird die Reizweiterleitung vom Nerv auf den Muskel sozusagen abgeschaltet. Simpel, aber effektiv. Ganz neu entdeckt ist übrigens die Möglichkeit, auch Haarausfall mit Botox zu behandeln. Denn Stress und die Botox, Quelle: http://drugrecallwatch.wordpress.comdamit einhergehende Verspannung der Kopfhautmuskulatur soll zu einer lokalen Unterversorgung der Haarwurzeln mit Sauerstoff führen, und dadurch das Haar ausfallen. Botulinumtoxin könnte dann die Sauerstoffversorgung der Wurzeln wieder ermöglichen, der Haarausfall (sofern er denn überhaupt aus dem beschriebenen Problem resultiert) soll gestoppt werden können. Naja. Sie sehen, Botox kann einiges. Erstaunlich, welche Möglichkeiten in so einem kleinen Bakterium schlummern.
Das dachte sich übrigens auch die Omu Shinrikyo, oder besser bekannt als Aum-Sekte. Die japanisch-buddhistische Gruppierung, die 1995 durch den Giftgas-Anschlag in der Tokioter U-Bahn weltberüchtigt wurde, plante ihren Terrorakt nämlich ursprünglich ebenfalls mit Botox. Der Gedankengang ist einfach nachzuvollziehen: Da Botulinumtoxin eines der stärksten, bekannten Gifte ist, könnte man es in hoher Konzentration ja als Biokampfstoff einsetzen. Als Pulver über die Luft verbreitet, würde es viele Menschen das Leben kosten, aber da es an der Luft schnell zerfällt, nach ein paar Tagen restlos verschwunden sein. Aus diesem Grund unterliegt die Botox-Produktion auch dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Bei der Landung in der Normandie hatten die amerikanischen Truppen im zweiten Weltkrieg übrigens auch ein Botox-Gegengift geladen. Aber das sei nur erwähnt, um zu verdeutlichen, dass man es auch bei einer rein kosmetischen Behandlung mit einem der stärksten, bekannten Gifte der Welt zu tun hat.

Wieso bin ich nun aber gegen eine „Botox-Flatrate“?

Natürlich, kosmetische Eingriffe sind teuer. Rein praktisch ist also eine erschwingliche Flatrate, die es sozusagen „Jedermann“ ermöglicht, sich mit Botox zu behandeln erst einmal begrüßenswert. Schönheit sollte kein Privileg der Reichen sein, klar. Aber: Mein Verständnis von Schönheit beinhaltet nicht, sein Gesicht maskenhaft „einfrieren“ zu lassen. Natürlich gibt es Ärzte, die ihr Handwerk perfekt verstehen und mit Botox so umgehen können, dass man nicht unterscheiden kann, ob ein Gesicht behandelt wurde, oder nicht. Falten werden nicht ausradiert, sondern nur minimiert. Und wenn eine Patientin oder ein Patient nicht zu oft zum Nachspritzen geht, muss sie – oder er – auch nicht befürchten, dass ganze Muskelpartien dauerhaft erstarren. Wenn das kleine Wörtchen „Wenn“ nicht wäre. Denn genau hier liegt das Problem. Psychische Abhängigkeit. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt, wie schnell und einfach Falten verschwinden können, möchte man diesen Effekt immer wieder erleben. Man beginnt einen hoffnungslosen Kampf gegen die natürliche Veränderung seines Gesichtes. Dabei finde ich ganz persönlich Lachfältchen um die Augen sehr charmant. Eine Nasolabialfalte, also die feine Linie zwischen Mundwinkel und Nase, gibt einem Gesicht oft erst das gewisse Etwas.
In der Psychologie gibt es ein Wort, vor dem ich mich grusele: „Dysmorphobie“. Menschen, die an dieser Erkrankung leiden, nehmen Ihren Körper anders war. Sie meinen, einen Defekt zu erkennen, wo andere vielleicht gar nichts Besonderes sehen können. In geringem Maße trifft das auch auf mich zu. Ich ärgere mich immer ein wenig über meine grobporige Haut und teste mit Begeisterung ständig alle neuen Cremes gegen große Poren. Aber im Grunde weiß ich, dass die Haut nun mal etwas Lebendiges ist, und nicht die makellose Oberfläche eines geschliffenen Marmorblocks haben kann. Und genauso verhält es sich mit Falten und Linien. Sie spiegeln den Charakter und die Erfahrungen eines Menschen wider und sehen oft einfach schön aus. Wer anfängt, sie als Defekt zu sehen, der mit allen Mitteln behoben werden muss, hat bereits den ersten Schritt zur Dysmorphobie getan. Er gewöhnt sich z.B. an eine glatte Stirn und will als nächstes eine geglättete Augenpartie. Und die Fältchen rund um den Mund müssen doch auch nicht sein. Gleichzeitig gewöhnt er sich an das reduzierte Muskelspiel in seinem Gesicht. Er sieht sich eben anders, als andere ihn betrachten. Beispiele wohin diese gestörte Selbstwahrnehmung führen kann, gibt es viele, von Schlauchbootlippen bis zu fast monströs aufgepolsterten Wangenpartien. Und im Grunde leiden auch viele Solariumgänger bereits an diesem Phänomen. Sie finden sich schön, wenn sie tiefgebräunt sind und meinen, mit regelmäßigen Bräunungs-Sitzungen einen gesunder Urlaubs-Teint zu erhalten, während ihre Mitmenschen sie auf Kilometer als Sonnenbank-süchtig erkennen können und mitleidig belächeln. Und ich finde nun mal all das nicht schön, sondern übertrieben. Eine vernünftige Anti-Aging-Creme, die der Haut Ausstrahlung schenkt und Fältchen bereits in der Entstehung minimiert, wirkt allemal gelassener und natürlicher, als der Weg zur Botox-Spritze. Ein schöner Lippenstift wirkt sinnlicher als unterspritzte Riesenlippen. Und ein Hauch echter Sonnenbräune nach dem Urlaub sieht strahlender und neiderregender aus als jeder Solarium-Tan. Aber das ist wie gesagt nur meine Meinung.

Mich interessiert aber, was Ihr denkt! Bitte nutzt die Kommentar-Funktion und diskutiert mit uns, was Ihr von der Botox-Flatrate haltet. Ich bin gespannt!

Euer Constantin Herrmann

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Six Scents Series 2 – der 3. und letzte Streich.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Gourmand am 23.10.2009

Heute werden nun die letzten beiden Six Scents (m)einer prüfenden Nase unterzogen. Insgesamt muß ich sagen, finde ich die Serie wieder sehr gelungen, es juckt mich schon wieder bei zwei Düften in den Fingern – in Anbetracht einer gesamten Anzahl von sechs Düften ist das kein schlechter Schnitt, wenn man bedenkt, daß ich ja ein alter Hase bin und schon so manches in meinem Giftschränkchen stehen habe ;)

Die No. 5 namens Nicoll No. 17 ist Ergebnis der Kooperation von Richard Nicoll und Rodrigo Flores-Roux. Ersterer ist Jungdesigner und erregte bereits mit seiner Abschlußkollektion, die komplett von Dolce & Gabbana aufgekauft wurde, großes Aufsehen. Zweiterer, gebürtiger Mexikaner, schloß an der berühmten Versailler Parfumeurskaderschmiede ISIPCA ab, nachdem er auch bereits ein Praktikum bei Jean Claude Ellena absolviert hatte. Er zeichnet sich verantwortlich für Düfte wie z.B. alle bisherigen John Varvatos Düfte, CK free (Calvin Klein), Green Tea Revitalize (Elisabeth Arden), Fleurs de Nuit (Badgley Mischka) usw.

Die zugrundeliegende Idee für Nicoll No. 17 ist die einer Utopie, eines Traums zwischen Fortschritt und Erhaltung, irgendwo angesiedelt im Grenzbereich von Tugendhaftigkeit und Laster, vorgestellt von Nicolls als gigantisches Gewächshaus im Gewächshaus, begrünt, und aus lichtdurchlässigem Glas, das unzählige Projektionen erlaubt. Ohne Jahreszeiten ergo fern der Zeit selbst. Ein großer, irrationaler Ausdruck des Lebens.

Für Flores-Roux der Anlaß, Fenchel zu verwenden: Einerseits reduziert und minimalistisch, ist der Fenchel mit seinen vielerlei Seiten doch genau das Richtige für einen Parfumeur, der Maximales genießt. Und Flores-Roux liebt es nach eigenem Bekunden barock, ergo eher opulent. Opulent ist Nicoll No. 17 auch – aber vielmehr in seinen Kontrasten, in seinen unterschiedlichen Facetten: Der knackig grünen, der auch gerne mal in Sommersalaten verwendet wird, dann die leicht süße und wie Anis anmutende Facette, die entfernt an Sambucca erinnert, die erdige, an die Wurzeln gemahnend, dann wieder frisch-luftige Akzente.

Nicoll No. 17 ist ein floraler, grün-luftiger Duft, zart in allen Belangen: zart floral, zart fruchtig, zart grün und zart frisch. Ein Frühlingsduft würde ich sagen, sehr tragbar, minimalistisch.

Die Ingredienzen: Fenchel, Fenchelpollen, schwarzes Basilikum, Iris, Kümmel, Orange, Angelika / Engelwurz, Magnolie, Sommerefeu.

Whiskey Caramélisé, die No. 6, hört sich fast wie ein Versprechen an… Alkohol(hersteller) und Parfums, vielleicht erinnert sich jemand, das Thema hatten wir vor einigen Wochen bereits. Nun, ich bin prinzipiell immer freudig gestimmt, nicht nur, wenn es ein Gläschen Prosecco oder einen guten Tropfen Rotwein für mich gibt sondern auch und gerade bei dem Thema in Verbindung mit Parfums, kam meines Erachtens dabei bisher eigentlich nur Gutes zum Vorschein.

So auch in diesem Fall wie ich finde. Whiskey Caramélisé wurde von Yasuko Furuta, der kreativen Frau hinter Toga, zusammen mit Parfumeurin Alexandra Kosinski kreiert. Furuta ist preisgekrönte Autodidaktin im Design/Modebereich und bekannt für dekonstruktivistischen Avantgardedesigns. Kosinski, Parfumeurin bei Givaudan mit einer ausgeprägten Vorliebe für Vanille und animalische Noten, sieht sich durch Künstler wie Klimt und Modigliani beeinflußt und kreierte u.a. Cuir de Lancôme (Lancôme), Echo Woman Summer (Davidoff), Energy Man Benetton (Benetton), Emotion Divine (Mauboussin).

Furutas Inspiration ist – ein Großstadttraum, ein Blick in eine unvorhersehbare Zukunft, die es zu erobern gilt, mutig, forsch. Und, um ganz konkret zu sein, in diesem Zusammenhang: Die Erinnerung an eine Flasche Whiskey – viereckig und aus dickem Glas, gefüllt mit samtenem Whiskey in schönstem Bernsteinton.

jameson_whiskies1Auch bei diesem Duft trifft die Beschreibung so punktgenau den Nagel auf den Kopf, daß es einem an weiteren Assoziationen mangelt – jeder andere Hauch einer Idee wird verdrängt, so omnipräsent ist diese Vorstellung in meinem Kopf, rieche ich an meinem Handrücken. Die Kopfnote beginnt zuallererst mit Mandarine, um sofort breit fruchtig zu werden: schwarze Johannisbeere, ein bißchen säuerlich und Apfel, sehr deutlich zu vernehmen, darüber hinaus Dewberry, die Kratzbeere, eine Verwandte der Brombeere. All das ergänzt sich sehr harmonisch und beginnt vor einem sehr warmen Hintergrund von Sandelholz, Moschus und Patchouli raumgreifend gourmandige Noten zu entwickeln, die zumindest auf meiner Haut das Vorhandensein einer sehr hellen Ambra vortäuschen.

Alles in allem ein für meine Nase sehr außergewöhnlicher Duft, der dazu noch sehr tragbar ist – fein!

Ingredienzen: Mandarine, Muskat, schwarze Johannisbeere, Apfel, Kratzbeere, Weißdorn, Sandelholz, Moschus, Patchouli.

Nun bin ich natürlich rasend gespannt auf Euer Feedback: Was hört sich gut an, worauf freut Ihr Euch? Und, wenn ihr dann getestet habt: Was sind Eure Favoriten und warum?

Damit entlasse ich Euch erstmal ins Wochenende – ein schönes ebensolches und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S: So sehen die Düfte aus – sind die Umverpackungen nicht wieder schön?

Bildquelle

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Six Scents Series 2 – Teil 2.

Geschrieben in Duft,Holziges,Reines und Pudriges am 22.10.2009

Wie letzte Woche versprochen geht es weiter mit den Besprechungen für die neuen Six Scents Düfte – vier stehen noch aus, zwei davon sind heute an der Reihe, die letzten beiden werde ich morgen rezensieren.

Die No. 3 der Reihe trägt den etwas eigenartig anmutenden Namen „Solar Donkey Power”. Wo jetzt hier ein Esel drin verborgen sein soll, was ein Solarexemplar desselben nun gleich wieder ist – alles egal in diesem Falle, denn: der Duft ist von Henry Vibskov.

Daß im Staate Dänemarks etwas faul ist wissen wir spätestens seit Shakespeares Hamlet – Vibskov nun ist beileibe nicht faul, sondern ganz im Gegenteil sehr geschäftig, aber: in hohem Maße unkonventionell. Der dänische Künstler und Modedesigner, der nebenei auch Drummer in einer Band ist, kann bereits auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken: Seit seinem Abschluß 2001 entwarf er bereits 14 komplett eigenständige Kollektionen und er ist momentan der einzige skandinavische Designer, der bei der offziellen Men’s Fashion Week in Paris ausstellt. Seine Kunst wird ausgestellt im MoMa, Palais de Tokyo, PS1, Sotheby Gallery NY, usw.

Soviel also zu Vibskov. Wer mag, kann ja einen kleinen Blick in die Google-Bildersuche riskieren – da wird schnell klar, was mit obigem gemeint ist. Solar Donkey Power nun kreierte Vibskov zusammen mit Louise Turner, die bereits Mugler (Eau de Star), Joop (Wolfgang Joop), Escada (Escada Moon Sparkle), Versace (Versus Time to Relax) Düfte erschuf.

sauna1Als Inspiration für den vorliegenden Duft stand Skandinavien Pate: Herr Vibskov schildert einen Ausflug in die dortige Bergwelt, erzählt vom Verlieren und Suchen, vom Rasten… und von einer doch ein wenig machoesken Vorstellung: In einer perfekten runden Sauna sitzend, einen ovalen Hut tragend und Rauchringe in die Luft blasend, umringt von Mädchen, dem Tschirpen von Vögeln und der Sonne am Himmel. Oder so.

Inwiefern Frau Turner diese Männerphantasie mit in den Duft einbezogen hat ist unklar ;) Allerdings, ganz klar und auch deutlich wahrzunehmen ist, daß die Sauna eine große Rolle für die Kreation spielte. Das mag sonderlich anmuten, ist es auch, aber – es riecht dafür erstaunlich gut! Turner wollte, wie sie sagte, das entspannende Moment einer Sauna einfangen, diesen Kontrast zwischen der warmen Tiefe trockener Hölzer und der Frische von eiskaltem Wasser.

Heraus kommt ein Duft, der in der Tat eine an gelungene Saunahommage ist: Ein Spagat zwischen zitrisch-prickelndem Auftakt, frisch-floral-grünen Noten und holzig-moosig-warmer Tiefe inklusive präsenter Pinie, garniert mit einem Hauch Weihrauch.

Die Ingredienzen: Bergamotte, Salbei, Geranium, Patchouli, Moos, Weihrauch, Pinie.

Die No. 4 der Six Scents möchte ich all jenen ganz besonders ans Herz legen, die schon immer auf der Suche nach dem perfekten Sonnencremeduft waren. Ich lese es in Foren immer und immer wieder – es scheint viele Liebhaber zu geben für diesen milchig zarten Duft, leicht kokosnussig und sandig, der einen vielleicht an den Traumurlaub, die letzten Ferien, den Sommer, was auch immer erinnert… Viele scheinen noch nicht das perfekte Parfum dafür gefunden zu haben… Oftmals wird Creeds Original Vetiver zitiert oder auch Estée Lauders Azurée Soleil, ich finde Smell, die No. 4 der Six Scents diesbezüglich aber viel passender und bin mir sicher, daß der Duft viele Anhänger finden wird.

Kreiert von House of Hollands Mastermind Henry Holland, dem englischen Modedesigner in Kooperation mit Stephen Nilsen, der als Parfumeur bereits Marc Jacobs Splash Lemon, Bond No. 9 Union Square, ckin2u POP Her etc. ersann.

Die „Fragrance Story”, die Idee dahinter, hört sich schon ganz zauberhaft an: Von einer Sandburg ist da die Rede, die an einem Strand steht in einer warmen Sommernacht, in der sich Fremde begegnen, sich kennenlernen… Freunde, die sich näher kommen, das Echo der Musik und der Stimmen, Distanz, die sich verringert. Der Mond, der auf das Wasser scheint und sich in sonnengebräunten Gesichtern widerspiegelt… Urlaubsträume eben.

myrtle_beach_sunrise2Was war Parfumeur Stephen Nilsen wichtig? In jedem Falle wollte er Hollands Idee von Komfort und das rundum entspannende Gefühl olfaktorisch umsetzen und hatte dazu als, wie er selbst einräumt, sehr spezifische Impression ein – nicht wundern – riesiges violettes Oversized-Sofa vor Augen. Violette Blüten also, mit einer soften, beruhigenden Anmutung gleich der Textur eines samtigen Sofas, und das in Kombination mit Henrys Vorliebe für natürliche Ingredienzen und seinen Stranderinnerungen samt der Sonnencreme.

Die daraus resultierende No. 4 entspricht ziemlich genau dieser Impression: Zartflorale Noten lilafarbener und violetter Blüten ranken sich einem entgegen umhüllt von Kuschelmoschus – auch wenn die Sofaidee ein wenig absurd ist, doch, doch, es kommt hin. Und eben nicht zu vergessen: Schon sehr schnell drängt sich die Sonnenmilch ins Bild, ein wenig Kokos, in allererster Linie aber: Lotion, Sonnencreme, milchig, der typische Geruch der Pflege mit ein wenig Sand vermengt. Ich habe wirklich selten Sonnencreme so authentisch in einem Duft wahrgenommen – und zwar schon bevor ich die Beschreibung gelesen hatte ;)

Liebe Sonnenmilchfreunde, bitte: sofort testen! An alle anderen: Vielleicht werdet ihr ja auch noch zu ebenjenen… Die No. 4 ist wirklich sehr, neudeutsch: relaxend. Ein hautnaher Duft zum Kuscheln, der Urlaubserinnerungen weckt. Für mich der beste Duft der neuen Six-Scents-Serie.

Die Rezension der anderen beiden Düfte erscheint morgen. Bis dahin wünsche ich Euch eine gute Zeit -

viele liebe Grüße, Eure Ulrike.

Bildquelle 1 und 2

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Wie viel darf ein Parfum kosten?

Geschrieben in Duft am 19.10.2009

Clive Christian ist nicht nur der Vater des „teuersten Parfums der Welt“, sondern sogar in der Lage, einen hartgesottenen Beauty-Junkie wie mich sprachlos in die Ecke zu stellen. Und das passiert mir selten…


„Es ist schwieriger, eine vorgefaßte Meinung zu zertrümmern,
als ein Atom.“
(Albert Einstein)

Sagen wir es ehrlich: Der Mensch pflegt seine Vorurteile. Das gilt auch für Beauty-Journalisten wie mich. Wie oft sitzen wir in Pressekonferenzen für neue Produkte, die angeblich alles mögliche können und die Welt der Schönheit revolutionieren sollen. Meistens steckt die Neuigkeit dann aber doch nur in der Marketing-Idee hinter dem Produkt, die tatsächliche Wirkung hinkt dem Wirk-Versprechen leider zu oft hinterher. Ächz! Da stumpft man mit der Zeit zwangsläufig ein wenig ab und fällt sein Urteil über ein Produkt manchmal schon im Vorhinein (natürlich nur heimlich, im eigenen Kopf!).
Umso schlimmer, wenn das neue Produkt dann auch noch abartig teuer ist: „Wer kauft denn so was?“ oder „Das ist doch wieder etwas für Öl-Scheichs, die sonst schon alles haben“. Beispiel: Mit Swarovski-Kristallen verzierte Cremedosen oder Lippenstifte mit echten Brillis drauf.
Aber diese Woche habe ich eine wirksame Lektion in Sachen Demut und Neugier erhalten. Denn „Neugier“ sollte jederzeit das Rüstzeug eines guten Journalisten sein. Wer seine Neugier verliert, ist falsch in diesem Job. Und das mit der „Demut“ kommt dann schon von ganz alleine.
Jedenfalls begab es sich diese Woche, dass Victoria Christian, Tochter des legendären Londonder Interieur-Gurus „Clive Christian“ in München war, um im super-schönen Beautykaufhaus „Hautnah“ bei Ludwig Beck den ersten eigenen Christian Clive-Counter in Deutschland zu eröffnen. Denn Clive Christian arbeitet nicht nur als Innenausstatter, sondern machte Furore mit seiner eigenen Parfum-Linie, deren Star-Produkt sogar als „teuerstes Parfum der Welt“ im Guiness-Buch der Rekorde eingetragen wurde (die Flakons der Siganture-Collection werden von Hand aus einem Stück Bleikristall geschliffen und mit einer Manschatte aus massivem Gold versehen – Preis circa 200.000 Euro. Stöhn! Aber sozusagen für den „Hausgebrauch“ bietet Clive Christian auch ganz normale Flakons seiner Düfte. Und genau diese gibt es nun, wie bei AusLiebezumDuft schon länger, neuerdings auch bei Ludwig Beck in München…

Das teuerste Parfum der Welt.
Der Titel sagt ja zuerst mal nichts über die Qualität des Duftes aus.

Clive Chrisitian - No. 1Klar kenne ich die Marke Clive Christian, habe die Produkte schon oft gesehen, einen Flakon in der Hand gehabt. Aber gerochen habe ich noch nie daran. Aus Arroganz. Denn ich muss zugeben, ich dachte bei mir im Stillen, das wird wieder so ein mega-opulenter, schwerer, für meinen Geschmack viel zu süßer Duft sein, wie ihn reiche Araber gerne kaufen. Wer sonst leistet sich ein Luxus-Parfum? Doch dann stand ich bei besagtem Presse-Termin vor der bezaubernden Victoria Christian, die so völlig unprätentiös und charmant erzählte, wie stolz sie selber auf die Leistungen ihres Vaters sei. Dann bat sie die versammelten Journalisten, die Augen zu schließen und versprühte etwas von Clive Christians „N°1 for Men“ in den Raum… und ich war überwältigt. Opulenz? Süße? Orient? Von wegen. Mir wehte eine ganz leichte, fast romantische Brise entgegen, aus Bergamotte, frischer Limette und … Grapefruit? So ganz und gar nicht der schwere Dufthammer, den ich erwartet hatte, sondern ein köstliches, zartes Bouquet mit einem Hauch Rose. Staun! Und sofort erwachte meine alte Neugier zu neuem Leben. Wer ist dieser Clive Christian? Was steckt in seinen Düften, und wie teuer ist denn nun dieses teuerste Parfum der Welt in der normalen Nicht-Mega-Luxus-Flasche? (und: kann ich es mir überhaupt leisten???)

Clive Christian und seine Victoria

Die Geschichte des Mr. Christian beginnt in einem alten viktorianischen Landhaus, um genauer zu sein in einem der Ankleidezimmer. Der Brite hatte das Haus gerade für seine Familie gekauft und wollte es renovieren – nach seinen ganz speziellen, manchmal etwas exzentrischen Ideen einrichten. Beim Stöbern in dem alten Haus finden er und seine kleine Tochter Victoria unter den alten Dielen eines Ankleidezimmers einen alten, verstaubten Flakon. Eine grüne Flasche mit einer Krone als Verschluss, beschriftet mit „Triple English Lavender“… ein herrlich nostalgischer Fund, den Mr. Christian erst einmal zur Seite legt. Doch Jahre später fällt dem erfolgreichen Innenausstatter die Flasche wieder ein, er beginnt zu recherchieren und stößt auf eine alte, fast vergessene Marke: „The Crown Perfumery“. Diese hatte Ende des 19. Jahrhunderts von Queen Victoria die große Ehre erhalten, als einzige Parfumerie Englands, die Krone als Verschluss zu benutzen. (Die Namensgleichheit der großen Königin und seiner eigenen Tochter ist übrigens nur Zufall…)
Clive Christian ist sofort begeistert und kauft das Archiv der alten Parfum-Marke auf. Sein Plan: In der von Marketing beherrschten Beauty-Industrie wieder echte Werte zu schaffen. Eine absolute Luxus-Marke, die es sich leisten kann, nicht auf Budgets zu achten, sondern nur die wirklich seltensten und kostbarsten Zutaten zu verwenden. So entstand eine kleine, luxuriöse Edition von sechs Parfums (Parfum. Kein Eau de Toilette), drei für Damen und drei für Herren. Mehr als diese sechs Parfums wird es wohl auch nicht geben.
Und was kostet nun eine Flasche des Besten? Die Frage beschäftigt mich immer noch, als ich in München den Duft zum ersten Mal in der Nase habe. Aber ich sehe keine Preisschilder… Das ist auch der Sinn der Sache. Denn Clive Christian möchte, dass der Kunde nach dem Preis fragt, und die Verkäuferin antworten kann: „Riechen Sie doch erst einmal…“ Denn Mr. Christian kann sich entspannt zurücklehnen, er weiß, den Meisten wird es so gehen wie mir – sie werden von dem Duft begeistert sein. Auch wenn dann der Dämpfer kommt, denn die „billigste“ Flasche, der Duft „1872“ kostet 260 Euro… Schluck! Das nächste Modell, „X“, liegt dann schon bei 295 Euro. Und für den Klassiker, das legendäre „N°1“ (das ich gerade riechen durfte), muss man stolze 680 Euro berappen, für 50 ml. Das ist natürlich schrecklich viel. Gerade in unserer Zeit, in der das Geld nicht gerade locker sitzt. Und es lässt sich kaum logisch begründen, warum man soviel Geld für einen Duft bezahlt. Außer mit dieser einen Tatsache, dass man nun mal eben das Beste dafür bekommt.

Die Kronjuwelen der Duft-Branche

Ein Duft, der preislich mit so räsonablen Anschaffungen wie einer erstklassigen Waschmaschine, einem LED-Fernseher oder einem Führerscheinkurs mithalten kann, muss natürlich einiges bieten. Die Rezepturen der Parfums „1872“ und „X“ stammen aus den alten Original-Archiven der „Crown Perfumery“ und enthalten die feinsten Ingredenzien, die in Parfumkreationen zu finden sind. Die Flakons ziert immer noch die Krone, wie sie vor über 140 Jahren von Queen Victoria der „Crown Perfumery“ symbolisch verliehen wurde. Fans des Luxus-Duftes gibt es weltweit, Queen Elizabeth II. ließ sich einen eigenen Flakon zu ihrem Geburtstag anfertigen. Elton John bestellte für seinen „White Tie & Tiara“-Ball 2006 Flakons mit Rubinen, Saphiren und Perlen besetzt. Und Ehepaar Beckham (wie sollte es anders sein), tragen angeblich nichts anderes. Genug der Superlative? Dann wird es Zeit, die kostbaren Düfte probe zu riechen. Mein Liebling (seit der Präsentation diese Woche) ist „N°1 for Men“, der Klassiker, ein kleines Feuerwerk aus Bergamotte, Limette, Rose, Maiglöckchen, Zedern- und Sandelholz und Tonka Bohnen. Natürlich jeweils die besten Zutaten der Welt. In „N°1 for Women“ bestechen neben Bergamotte und Limette vor allem weißer Pfirsich und Vanille, als süßere, feminine, aber immer noch frisch-leichte Variante. Wirklich perfekt wird es, wenn beide Düfte von einem Liebespaar getragen werden, denn sie ergänzen sich unglaublich köstlich, viel eleganter und definierter als es die „Couple“-Versionen der anderen Parfums, die ich kenne, vollbringen.
Am besten man probiert es zuerst mal mit den kleinen Probe-Abfüllungen, die man bei AusLiebezumDuft online bestellen kann. Zum Test-Schnuppern und Verlieben. Und dann verzichtet man eben auf das nächste Paar Schuhe (oder wofür man sonst gerne wahnsinnig viel Geld ausgibt) und spart auf eine kleine Flasche Luxus. Nicht für jeden Tag, sondern nur für besondere Anlässe. So wie die süße Katie Holmes. Sie trug „N°1“, als Tom Cruise sie zum Altar führte. Seufz!

Euer Constantin Herrmann.

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Alle Jahre wieder – Six Scents Series 2.

Bald ist es soweit – und nein, ich meine nicht Weihnachten, obgleich ich zuletzt bereits weihnachtliche (Raum)Düfte rezensierte.

Das New Yorker Projekt Six Scents beschert uns seine zweite Serie. Six Scents? Wir erinnern uns: Six Scents wurde 2008 ausgetüftelt als Kooperation zwischen Symrise, einem der weltweit führenden Duftstoffherstellern, Seven New York, einer Avantgarde-Designer-Boutique und Metaproject, einer Kreativagentur. Das Team schickte sich an, die Welt zu erobern und zu verändern – mit einer jährlich erscheinenden Serie, sechs Düfte umfassend, jeweils auf 2000 Stück limitiert. Entworfen von einer Gruppe aus sechs bekannten Künstlern in Zusammenarbeit mit sechs Parfumeuren.

Das Team ist 2009 annähernd das gleiche geblieben – lediglich ist dieses Jahr anstatt Symrise Givaudan als großer Aromastoffhersteller im Boot. Zusammen mit Joseph Quartana, dem eigentlichen Erfinder und Kurator der Six Scents sowie Besitzer von Seven NY, Kaya Sorhaindo, dem Inhaber von Metaproject und Aramique Krauthamer, Autor, wird dieses Jahr caritativ das Haus gerockt – um es mal flapsig zu formulieren.

Denn: Auch dieses Jahr wird wieder gespendet, ein integraler Bestandteil des Six Scents-Konzept. Alljährlich geht ein Teil der Einnahmen an eine gemeinnützige Organisation.

Die Series 2 von 2009 sind der Beziehung zwischen Künstler und Natur gewidmet. Sechs Düfte, sechs Fotos, sechs Filme, sechs Geschichten und sechs Pärchen aus Künstler und Parfumeur.

Die No. 1 heißt Collage und wurde kreiert von Phillip Lim / 3.1 Phillip Lim & Natalie Gracia-Cetto. Lim ist amerikanischer Nachwuchs-Modedesigner mit chinesischen Wurzeln und bekannt für seine feminin-unkomplizierte Mode, für die er gerne erlesene Materialien wie Kaschmir und Seide verwendet und die oftmals mit straighten Schnitten und kleinen Extravaganzen auffällt. Gracia-Cetto hat bei Givaudan gelernt und ist verantwortlich für Düfte wie Burberry Brit, Christian Lacroix Tumulte oder Lagerfeld Jako.

Die Idee zu Collage ist die eines Tages, gleich einer Tabula Rasa, eines leeren Blattes Papier, das sich mit dem Erlebten in der Zukunft, die dann Gegenwart sein wird, zu einer Erinnerungscollage, einem Bündel an Erinnerungen zusammenfügen wird gleich einem Puzzlespiel – so in etwa Herr Lim. Frau Gracia-Cetto ließ sich von Lims einzigartigem und speziellen Stil inspirieren, der für sie einfach tragbar ist und andererseits aber auch stylisch genug und dazu geeignet, abends damit um die Häuser zu ziehen und die Nacht zum Tag zu machen.

In ihrer Vorstellung ist Collage dafür exakt der richtige Duft: Frisch und sinnlich, unisex, zu jeder Zeit tragbar. Pfeffer und Zitrone, die die Frische eines Eaus garantieren und Patchouli sowie Weihrauch, welche dem Duft mehr Sinnlichkeit sowie einen „sophisticated”-Touch (ich finde immer kein passendes deutsches Wort für sophisticated…) verleihen.

Ingredienzen: Bergamotte, weißer Pfeffer, schwarzer Pfeffer, Wacholder, Magnolie, Patchouli, Virginia-Zedernholz, Weihrauch.

Ich finde, Gracia-Cettas Beschreibung ihres eigenen Duftes trifft es erstaunlich gut: Collage ist definitiv ein Understatement-Duft, leise, aber dennoch präsent. Die Bergamotte ist in den Kopfnoten deutlich wahrnehmbar, genauso wie die Pfeffersorten, die kühle Würze stiften. Der Duft geht danach sehr schnell über in eine sehr ruhige Richtung, zwar ebenfalls noch frisch, aber eben nicht spritzig. Das Herz ist leicht floral-aquatisch durch die Magnolie und seinem Charakter nach sehr tief, ätherisch fast – durch dezent-erdigen Patchouli, sehr hellen Weihrauch und Wacholder – sowie akzentuiert durch typische Zedernholzigkeit. Diese erinnert mich hier ein wenig an die Herz- bzw. Basisnote von Kisu, in welchem Zeder ebenfalls eine helle, saubere und leicht seifige Holzigkeit kreiert.

Von der Aussage her würde ich Collage in eine ähnliche Richtung „packen” wie z.B. Andrée Putmans Préparation Parfumée, obgleich die Düfte selbst sich nicht sonderlich gleichen – abgesehen von der aquatischen Tendenz.

Ich würde Collage als unkomplizierten Unisexduft beschreiben, der trotzdem er frisch ist dank Bergamotte und aquatischen Noten (die im übrigen hier sehr behutsam umgesetzt sind – ich bin nämlich an und für sich kein Fan derer und finde sie in diesem Duft sehr angenehm) eine subtile Eleganz an den Tag legt. Das hätte ich jetzt nicht erzählen müssen – es deckt sich nämlich eigentlich mit der Eigenbeschreibung, die ich nur unterschreiben kann. Ich bin gespannt, ob Ihr das auch so seht…
Gehen wir weiter zur No. 2, Ende/Anfang. Große Worte wurden hier gewählt von Damir Doma sowie Yann Vasnier. Doma ist in Deutschland aufgewachsener Kroate und arbeitete für Raf Simons sowie Dirk Schönberger in Antwerpen, bevor er sich mit seinem eigenen Modelabel selbstständig machte. Wer die Belgier kennt, wird sich auch ungefähr ein Bild von Domas Mode machen können – puristisch, klare Schnitte, gedeckte Farben, typisch belgische Handschrift eben; muß man (nicht) mögen, ich persönlich bin ein großer Fan der Belgier. Was Herrn Vasnier angeht wurde ich nach dem Lesen dessen Referenzen immer neugieriger auf den Duft: Er zeichnet sich verantwortlich für Düfte wie Comme des Garçons Red Series Palisander und Rose, Le Labo Aldehyde 44, Marc Jacobs Fig Splash und Lola, Donna Karan Gold, Delrae Roth Mythique sowie einige Düfte von Divine.

Inspirierendes Moment war ein Tagesanfang, die Dämmerung: Ein Ende, das Sterben der Nacht, sowie ein Anfang, der neue Tag, der beginnt. So zumindest nach Doma. Vasnier scheint ein echter Fan von Domas Mode zu sein seiner eigenen Aussage nach. Er wollte dessen Vision in einem Duft einfangen, dem Geist seiner Mode Ausdruck verleihen – Sensibilität, Spiritualität, Intelligenz, Purismus, Einheit, Harmonie zwischen Körper und Seele, Natürlichkeit, Respekt. Da Doma viele natürliche Materialien verwendet und gerne Stoffe layert war für Vasnier ausschlaggebend, ebenfalls nur natürliche Essenzen zu verwenden und diese in feinen Schichten übereinander zu drapieren.

An diesem Parfum werden, ich verwette meine ganze Kollektion, sämtliche Weihrauch- und Holzliebhaber ihre große Freude haben: Ende/Anfang ist durch und durch Holz, Gewürz und Weihrauch und dabei wunderbar harmonisch. Kühl, tröstlich, holzig, harzig, gewürzig und wunderschön – wenn man es mag. Überflüssig zu erwähnen – ich mag ihn ;) Verwendet wurde Ingwer, verschiedenste Arten Weihrauch aus unterschiedlichen Ländern, Elemiharz, Labdanum, Benzoeharz, Storax, Gurjumbalsam, Birkenteer, Kardamom, Koriander, Tonkabohne, Sandelholz, Guajakholz, Bienenwachs, Vetiver, Patchouli, Myrrhe.

Für Weihrauchabgeneigte sicherlich kein Duft, denn dieser ist ganz definitiv Hauptprotagonist. Für Weihrauchfans ein Must-Try. Meines Erachtens nach vergleichbar mit der CdG Series 3, allerdings ein wenig ausdifferenzierter. Darüber hinaus findet sich auch genau jene trockenen, heftigen Weihrauchnoten, die ich in Norma Kamalis Incense so liebe – hier sind sie allerdings einfacher tragbar, ein wenig softer. Alle Kamali-Kenner wissen, was ich meine – deren Incense ist meines Erachtens nach so ziemlich der kräftigste und authentischste Weihrauchduft auf dem Markt und nicht ganz einfach zu (er)tragen.

Vier Düfte fehlen nun noch – diese stelle ich Euch Mitte nächster Woche vor. Soviel sei vorab verraten – es sind noch einige echte Schmankerl dabei, unter anderem ein Duft, der all diejenigen, die, wie ich es aus einigen Boards kenne, immer auf der Suche nach dem perfekten Sonnenmilchduft sind, genau recht kommen wird ;)

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Viele liebe Grüße,

Ulrike.

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Sweets for my Sweet…

Geschrieben in Duft,Gourmand,Holziges,Leder,Tabak & Rauchiges am 15.10.2009

… Sugar for my Honey… Jaja, die guten alten Searchers… An diesen Song mußte ich dieser Tage denken. Warum? Weil ich in den ersten knackig-kalten Tagen nicht nur die Heizung angeworfen habe sowie die ersten, in Decken eingemummelten Abende auf dem Sofa samt Tee und Duftkerzen verbrachte.

Darüber hinaus hatte und habe ich, wie jedes Jahr zu dieser Zeit, ein unstillbares Verlangen nach süßen Düften. Selten, aber wahr. Jetzt dürfen nach einer Zeit der Abstinenz, dem Sommer mit seinen frischen Hesperiden, nicht nur die ganzen Herbst-/Winter-Düfte ran sondern es darf zum Auftakt bei mir immer gleich erstmal wieder süß-süß-süß sein.

Wer meine Vorlieben kennt weiß, daß ich normalerweise kein Leckermäulchen bei Düften bin ergo differiert meine Definition von olfaktorischem Naschzeug sicher von denjenigen anderer – trotz allem…

Odoris Tabacco galt mein erster Griff dieser Zeit: Im Sommer meines Erachtens nach so gut wie untragbar ist er dafür ein um so herrlicherer Herbst-/Winterkandidat. Ein, wie ich finde, sehr besonderer Tabakduft. Driften viele seiner Kollegen gerne mal in allzu männliche Gefilde ab, ist Tabacco ein samtig-warmer Vertreter seiner Gatttung: Der namensgebende Tabak ist bereits in den Kopfnoten deutlich wahrzunehmen, sanft abgerundet von Vanille und Moos. Ein Touch Weihrauch spendet Tiefe und Vetiver sowie – man sollte es nicht meinen – Eukalyptus sorgen für herb-rauchige und leicht scharfe Würze. Samtig im übrigen ist der treffendste Vergleich – samtiger, süß-honiggelber Tabak. Mjiammjiam.

Serge Lutens’ Borneo 1834 ist auch so ein Kandidat, der einem das Wasser im Munde zusammenlaufen läßt: Selten habe ich so schöne, tiefdunkle, bittersüße und exotischen Schokolade gerochen – jene ist für mich nämlich ganz außerordentlich präsent in dem wunderbaren Duft, obgleich dieser in der Hauptsache dem Patchouli gewidmet ist. 1834 ist nämlich wohl das Jahr, indem dieser das erste Mal per Handelsschiff Europa erreichte. Den trockenen und seidigen Duft von Patchouliblättern soll Borneo 1834 einfangen und somit eine „a memory of waltzing Paris” sein, eine Erinnerung an das walzertanzende Paris darstellen. Genauso wie sich in dieser Impression Lutens’ poetische Neigung offenbart, ist auch Borneo 1834 eine echte Offenbarung: Dunkelseidige Patchouli-Schokolade mit einer fast schwindelnd machenden Tiefe durch Kampfer und einigen zarten versteckten Blüten auf einem harzigen Bett… Wer würde da nicht schwach werden?

Ein zauberhaftes Bild vermag auch Dzing zu malen: Der von Olivia Giacobetti für L’Artisan Parfumeur geschaffene Duft ist eine Hommage an den Zirkus. Ich fühle mich zurückversetzt in meine Kindheit, in der ich Zirkusbesuche liebte, die Artisten, das Dunkel im Zirkuszelt, die vielen Lichter, die Atmosphäre und die Spannung. Dzing verkörpert genau das – und ich meine jedes Mal mit jedem Atemzug die Manege riechen zu können, Kunstreiterinnen auf ihren prächtigen Pferden, die umherpreschend die Sägespäne aufwirbeln, die Süßigkeiten, die in Bauchläden von Helfern in roten Uniformen mit golden leuchtenden Knöpfen verkauft werden.

Und last but not least – Gaïac von Martine Micallef. Einer, wenn nicht der Bestseller des Hauses. Trotz allem meines Erachtens nach eher ein Geheimtipp – vollkommen zu unrecht, wie ich finde. Namensvetter war das Guajakholz, welches unter anderem in der Aromatherapie, zum Räuchern als auch in der Naturheilkunde verwendet wird. Gaïac nun ist in allererster Linie ein Holzduft, aber eigentlich noch viel viel mehr: Süßlich-warmes Holz, balsamisch anmutend und durch Harze abgerundet. That’s it. Hört sich nicht wahnsinnig spektakulär an, ist es aber. Einer der Düfte, mit denen ich diverse weibliche und fast jeden männlichen Freund angesteckt habe, wobei letztere mit Gaïac durchschlagenden Erfolg bei ersteren vorweisen konnten. Wenn das kein Test- und/oder Kaufanreiz ist? ;)

Ich jedenfalls habe Gaïac, der einer meiner ersten Nischendüfte war, schon seit Jahren und werde ihn auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch Jahre tragen.

Nun aber hatten wir genug Süßes für heute… Allerdings bin ich neugierig: Geht es Euch mit den süßen Düften gerade genauso wie mir? Und, wenn ja: Nach was für Naschkram gelüstet es Euch denn dieser Tage, was kommt bei Euch zum Einsatz?

Liebe Grüße,

Ulrike.

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