Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Herbstwonne 4 – Juliette has a gun Calamity J

Geschrieben in Ankündigungen,Duft am 21.09.2009

Calmaty Jane - Juliette has a gunWer hätte gedacht, daß es so schnell geht… Aus dem Hause Juliette has a Gun kommt, kaum ist Midnight Oud, der lang erwartete, auf dem Markt, wohl noch dieses Jahr ein weiterer neuer Duft: Calamity J, benannt nach der berühmt-berüchtigten amerikanischen Wildwest-Legende Calamity Jane, einem rauchenden, trinkenden und fluchenden Cowboy-Rauhbein in weiblich.

Als Symbolfigur und Aushängeschild für Calamity Jane hat sich Romano Ricci Lou Dillon einfallen lassen – Schauspielerin und Model sowie Tochter der Schauspielerin Jane Birkin und des Regisseurs Jacques Dillon.

Lou CalamityEs ist selten, daß sich ein Nischenhaus mit Celebrityruhm schmückt – in diesem Falle paßt es aber doch eigentlich recht gut: Madame Dillon verkörpert diesen dirty Rock-Glamour-Chic, der JhaG ausmacht, sehr gut, und, denkt man mal an die Mutter, geht das Kopfkino rund um deren Leben und Liebschaften natürlich auch gleich los… wer erinnert sich nicht mehr an den Sex-Appeal, den diese in ihrem mit ihrem temporären Lebensgefährten Serge Gainsbourg dahingehauchten Duett „Je t’aime“ versprühte?

Für meinen Geschmack macht Frau Dillon auf jeden Fall eine sehr gute Figur auf den Fotos, fehlt nur noch das Pferd, die derben Boots und die Schrotflinte würde ich sagen ;)

Kommen wir aber zurück zum eigentlichen Duft: Romano Ricci beschreibt das Parfum als den Duft eines Dandys, maskulin, jedoch sophisticated und – für Frauen gedacht. Ein Herrenduft für die Dame also. Man darf gespannt sein…

Als Ingredienzen ist in erster Linie Patchouli angegeben, darüber hinaus Iris, Ambra und Moschus. Erhältlich sein wird der Duft vermutlich ab Ende des Jahres in den gewohnten 50ml und 100ml-Größen.

Nachtrag: Hier nun die Rezension – Liebe Grüße, Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Rauhe Schale, weicher Kern: Calamity J von JhaG.
Herbstwonnen – die Neuerscheinungen.
Our summer draw goes into extra time!


Herbstwonne 3 – Clove Absolute von Washington Tremlett.

Geschrieben in Ankündigungen,Duft am 21.09.2009

Washington Tremlett - Clove Absolute

Nach Iris Absolute und Neroli Absolute folgt nun mit Clove Absolute der dritte monothematische Duft des Traditionshemdenschneiders Washington Tremlett.

Ein „geheimnisvoller, starker und zugleich frischer Duft“ soll es sein, dessen Herz durch das Absolute der Gewürznelke charakterisiert wird.
Die Ingredienzen: Kopfnote: Zitrone; Herznote: Gewürznelke, Heliotrop, Rose; Basisnote: Patchouli, Vanille, Moschus, Weihrauch, Labdanum (Zistrose).

Wie auch die anderen Absolute-Düfte präsentiert sich Clove Absolute im mit Swarovski-Kristallen verzierten 100ml-Flakon.

Hier die Rezension dazu.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Washington Tremletts Clove Absolute und die Erinnerung an eine ganz große Liebe…
Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung.


Herbstwonne 2 – Comme des Garçons.

Geschrieben in Ankündigungen,Duft am 18.09.2009

Auch aus dem Hause Comme des Garçons gibt es Neuigkeiten, erfreulicherweise direkt aus Paris: Drei neue Düfte werden erwartet, alle drei von Rei Kawakubo, der Frau hinter CdG, in Zusammenarbeit mit bestimmten Menschen entwickelt.

Comme des Garcons - Dover Street MarketDer erste Duft ist Dover Street Market, ein Jubiläumsduft zum 5jährigen Geburtstag des in London ansässigen Avantgarde-Trendstores von Madame Kawakubo herself. Sowohl Duft als auch Verpackung wurden von ihr selbst kreiert, erster ist wohl in Anlehnung an die Nummer 3 der bereits existenten CdG-Serie ein „ungewöhnlicher moderner holziger Duft“, wie man verlauten ließ. Der Flakon gleicht demjenigen der Odeur-Serie. EDIT: Hier die Rezension dazu.

Als zweiter neuer Duft ist Artek Standard zu nennen.  Artek , 1935 von vier jungen Wilden, namentlich Alvar und Aino Aalto, Maire Gullichsen sowie Nils-Gustav Hahl gegründet, ist, wenn man so will, ein finnisches Einrichtungshaus, aber eigentlich noch vielmehr eine Wiege des modernen Designs. Bis heute mit etlichen Designern verbandelt ist Artek aktuell immer noch stilprägend und -weisend. Insofern lag eine Kooperation mit CdG ja eigentlich nahe. Entstanden ist ebenjene aus dem wechselseitigen Bedürfnis nach einer (weiteren) Zusammenarbeit.

artek_standard„This project was conceived in the pleasant atmosphere of the first Artek and COMME des GARÇONS collaboration in 2007 at CDG’s Dover Street Market and Aoyama stores. The result is a unique product for Artek through an invaluable partenship with an organisation which is always at the forefront of cultural reinvention. The visual aesthetics of the object – STANDARD fragrance – were developed to stand along with Artek’s praticular ideology and products.“ – Ville Kokkonen, Chefdesigner Artek. Quelle

Der Duft, dessen Inspiration Arteks Standardlinie ist, soll in Anlehnung an diese sowohl holzige als auch metallische Elemente vorweisen. EDIT: Hier die Rezension dazu.

Comme des Garcons - Daphne

Daphne ist der dritte Neue im Bunde, ein Signatureduft für Daphne Guinness. Wer nun ist Daphne Guinness? Universal-Celebrity und Sproß der Brauereifamilie, so hübsch als „London-based Glamourpuss“ betitelt, Designerin, Stylistin, wohl auch Filmemacherin und Autorin, Kunstsammlerin, Mäzenin, ja, vielleicht auch Schmuckdesignerin, und so weiter…

Auf jeden Fall war Frau Guinness hocherfreut über die Möglichkeit, in der Zusammenarbeit mit Antoine Lie ihren eigenen Duft zu entwickeln – einfach, direkt aber gleichzeitig komplex, ganz wie sie selbst. Um ihren Duft weiter zu beschreiben, wählte sie allerdings Bilder, keine Worte – siehe bitte hier das Video zum Duft: http://www.themnemosyneproject.com

Die Ingredienzen von Daphne: Bitterorange, Safran, Weihrauch, Rose, Jasmin, Tuberose, Iris, Patchouli, Ambra, Adlerholz (Oud), Vanille.

Daphne ist eine auf 500 Stück weltweit limitierte Edition und wird in 50ml-Flakons erhältlich sein. EDIT: Hier die Rezension dazu.

Comme des Garcons - Glitter

Und, da alle guten Dinge in diesem Falle nicht drei sind – eines habe ich noch, nämlich eine Neuauflage des klassischen Tinte-Duftes, der No. 2 von Comme des Garçons in violettem Glitzer-Glitter.Outfit. Und, was soll ich sagen, ich bin zwar normalerweise weder auf Glitzer noch auf lila abonniert, aber diese Variante finde ich ziemlich cool :)

Weitere Einträge zu diesem Thema:

ACHTUNG! AUTOBAHN! oder Herznoten auf der Hebebühne
PLASTIK, PLASTIK, PLASTIK oder Kunstleder versus Lederkunst
Von Plastikblumen, Knabenchören, Tinte und Odeur 71


Herbstwonne 1 – Parfum D’Empire

Geschrieben in Ankündigungen,Duft am 17.09.2009

Die 2003 von dem Korsen Marc-Antoine Corticchiato gegründete Firma Parfum D’Empire beschert uns Neuigkeiten, auf die ich mich sehr freue. Ich schätze alle Düfte des Labels sehr und halte das Haus für eines der unterschätztesten am Markt. Ich kann es immer wieder absolut nicht nachvollziehen, weshalb dessen Bekanntheitsgrad nicht größer ist angesichts der Qualität der bisherigen Kreationen.

Ambre Russe beispielsweise ist neben Goutals Ambre Fétiche mein ungeschlagener Lieblingsambraduft, Eau de Gloire, die krautig-ledrige Ode an Napoleon einer meiner Sommer-All-Time-Favoriten und Eau Suave, dieses wunderbare Rosenchypre, ist sowohl eine meiner Lieblingsrosen als auch eines meiner Lieblingschypres und läßt mich in schöner Regelmäßigkeit fast Tränen vergießen so entzückend schön finde ich diesen Duft. Nicht minder interessant ist auch die restliche Kollektion – dementsprechend hoch ergo auch meine Erwartungshaltung bezüglich der neuen Düfte:

Parfums D'Empire - WazambaZwei Neue werden es sein, namentlich Wazamba und 3 Fleurs. Beide sind demnächst hier in Europa erhältlich.

Wazamba ist benannt nach einem Musikinstrument aus Westafrika, welches dort bei Stammesritualen gespielt wird. Gewidmet ist der Duft deshalb auch den „tausend Gesichtern des Weihrauchs“, dieser in vielen Kulturen verehrten Essenz, die bei kultischen Handlungen, Räucherungen und Ritualen seit je her ihren Einsatz fand.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Weihrauch, Zypresse, Apfel, Aldeyhde; Herznote: Weihrauch, Myrrhe, Pflaume; Basisnote: Weihrauchharz, Opoponax, Sandelholz, Farn.

Parfums D'Empire - 3 Fleurs3 Fleurs richtet sich an die Liebenden. Der Duft huldigt nämlich der Liebe, vielmehr den verschiedenen Arten der Liebe. Er ist eine Kompositon derjenigen drei Blüten, die als Sinnbild der Liebe und ihrer Spielarten in allen Kulturen der Welt berühmt sind: Rose als Sinnbild der leidenschaftlichen Liebe, Jasmin als Sinnbild romantischer Liebe und Tuberose als Sinnbild der verbotenen Liebe.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Türkische Rose, Ylang-Ylang, Galbanum; Herznote: Bulgarische Rose, Jasmin, Tuberose, Geranie, Iris; Basisnote: Tuberose, Jasmin, weißer Moschus.

Beide Düfte sind in 100ml Flakons erhältlich.

Hier gibt es eine ausführliche Rezension der beiden.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Von der Liebe und anderen Ritualen… – Parfum d’Empire 3 Fleurs und Wazamba.
Duftverzeichnis L – Z
Ulrich Lang revoltiert gewaltig…


Herbstwonnen – die Neuerscheinungen.

Geschrieben in Ankündigungen,Duft am 17.09.2009

Die Vorteile des Herbstes… Sie liegen nicht nur, wie ich gestern bereits schwelgerisch dargelegt hatte, im Entmotten der Herbst-/Winterkollektion, die vor allem mir sehr am Herzen liegt, nein – der Herbst hält jedes Jahr etliche Neuerscheinungen auf dem Duftmarkt parat, auf die es gespannt zu sein lohnt…

Auch ich bin wie jedes Jahr wieder ziemlich neugierig. Einerseits, weil einige meiner Lieblingsfirmen und -parfumeure neue Düfte lancieren. Und andererseits, weil außer dem neuen Juliette has a Gun-Duft Midnight Oud, den ich dieser Tage noch rezensieren werde (EDIT: Hier klicken für die Rezension), für mich persönlich dieses Jahr noch kein neuer Holy-Grail-Duft dabei war. Aber – das Jahr ist noch lang…

Was uns erwartet deshalb im Folgenden :)

Liebe Grüße, Ulrike

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Halbzeit…
Einen raschen Blick…
Neuigkeiten die Erste, 2011.


Septembertag…

Geschrieben in Allgemein,Duft am 16.09.2009

SeptemberDies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
wenn das kristallene Gewand der Wahrheit
sein kühler Geist um Wald und Berge hängt.
Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit …

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Bald ist es wieder soweit – der Herbst hält Einzug, dieses Jahr kalendarisch betrachtet am 22. September. Und schon eine Woche früher sitze ich nun hier in meiner Stube, habe seit zwei Tagen bereits die Heizung angeworfen (!), trinke Rooibos-Tee und bin einigermaßen verschnupft.

Aber – ich freue mich. Ich freue mich auf die satt-goldenen Farben, auf Herbstlaub, auf Tee trinken, kuschelige Abende mit Katzen und Kerzen auf dem Sofa, auf Ruhe, ein bißchen Melancholie und Besinnung. Denn – Herbst ist absolut meine Jahreszeit. Ich liebe den Herbst, nicht nur, weil ich ein Herbstkind bin.

Eine weitere, hervorragende Eigenschaft hat der Herbst natürlich auch: Ich „darf“ endlich alle meine Herbst-/Winterdüfte hervorholen aus ihrer Sommerpause und ihre Sommerpendants in den Winterschlaf schicken. Ich freue mich jedes Jahr wie ein kleines Kind darauf, es endlich, endlich wieder olfaktorisch krachen lassen zu können.

Nicht, daß sich mein Geschmack im Laufe der Jahre nicht sehr verbreitert hätte. Ich habe ein weites Spektrum an Düften und vor allem auch: Duftrichtungen, die mir gefallen – wie sollte es auch anders sein bei dem Sortiment, daß sich mittlerweile bei mir angehäuft hat… Aber – letzten Endes gehören so gut wie alle Düfte, für die ich in heller Leidenschaft entflammt bin und denen mein Herz sich verschrieben hat, dann doch eher in die dunklere Jahreszeit.

Und so freue ich mich ganz besonders schon seit Wochen auf meine Rachegöttin, die Lady Vengeance von Juliette has a Gun, diese wunderbar luzide Patchouli-Rose – einer der wenigen Düfte, für den ich ständig Komplimente bekomme, wenn ich ihn trage. Dann darf die Tabakfraktion ebenfalls wieder ans Tageslicht, unter anderem der ungeschlagene und komplexe Wüstenwind Chergui von Lutens sowie der honigsüß-rauchige Tabacco von Odori. Und wenn wir schon bei den Italienern sind: Wie sehr juckt es mich in den Fingern wieder meine Mazzolaris auszupacken, allen voran Lui und Patchouly.

Lui, dieser vor Virilität strotzende Duft, der mich mit seiner unerwartet und völlig ungezügelt animalischen Kopfnote immer an ein Raubtiergehege und somit auch an Rilkes Panther erinnert – sollte jemand das männliche Pendant zu diesem Duft kennen, ich bitte darum, ihn mir vorzustellen ;)

Und Patchouly – für mich der schönste monothematische Patchouliduft überhaupt. Ein honigsüßer Vertreter seiner Art, dessen Konsistenz likörig-sämig riecht und eine prachtvoll-dunkelgoldene, opulente Anmutung vermittelt. Die typisch erdigen Akzente sind ebenfalls präsent, der Duft buddelt allerdings nicht allzu tief in „dreckigen“ Gefilden sondern verbleibt im poetisch Dahingehauchten…

Foto MarleneEiner meiner Lieblingsklassiker darf natürlich auch nicht fehlen: Carons Coup de Fouet, der Peitschenhieb, samt seiner Parfumvariante Poivre. Ein herrlicher Nelkenpfeffer mit ledrigen Momenten, den bereits Marlene Dietrich zu schätzen wußte. Das wundert mich nicht, was sollte sie wohl anderes in ihrem Blauen Engel getragen haben… außer vielleicht natürlich Creeds Angelique Encens oder den Bandit von Piguet, die beide wohl auch zu ihrem Repertoire gehörten und ebenfalls ein fester Bestandteil meines bescheidenen Repertoires darstellen. Selten war Weihrauch weiblicher als in diesem Creed und der Bandit – nun, der ist eine Liga für sich.

Robert Piguet - BanditIch kenne wenige Parfums, die solche „Spalter“ sind – bis heute, man beachte daß Piguets Bandit bereits 1944 von Germaine Cellier kreiert und Ende der Neunziger relanciert wurde. Die Ingredienzen: Bergamotte, Orange, Ylang-Ylang, Galbanum, Jasmin, Tuberose, Rose, Nelke, Leder, Vetiver, Eichenmoos, Moschus, Patchouli. Bandit ist, wie der Name schon sagt, ein Rebell. Der Parfumeur Guy Robert bezeichnete den Duft einmal als „beautiful but brutal“ (siehe S. 119 in Michael Edwards „Perfume Legends“) – das vermag einem eine erste Vorstellung zu vermitteln. Bandit ist ein entfesseltes Lederchypre, ambivalent und kontrastreich: Scharf-Grün und annähernd medizinisch in den Kopfnoten folgt darauf das florale Herz, das von rauchigen Elementen sowie erdig-laubigen Untertönen, die noch nie eine Sonne zu Gesicht bekamen, ergänzt wird. In der Folge offenbart sich ein Chypre, das seinem Namen alle Ehre macht: Wir sprechen hier nicht von zartem Wildleder sondern von knackig-harschem Glattleder, das im Duftverlauf tonangebend ist und bleibt.

Bandit ist ein kontroverser Duft, der sicher nicht von jeder Frau getragen werden kann und will – voller düsterer Dynamik, energetisch, wild und querulantisch, mit Hang zur Dramatik wie zu besten Film-Noir-Zeiten. Ganz klar – entweder man liebt ihn oder man hasst ihn, von seinem Sockel stößt man ihn aber nicht so leicht.

Ich könnte noch ewig weiter schwärmen, allerdings schweife ich ab. Eigentlich möchte ich nämlich an dieser Stelle jetzt etwas von Euch wissen: Auf welche Herbst-/Winterlieblinge, die Ihr gerade auch entmottet, freut Ihr Euch ganz besonders? Und: Welche Düfte assoziiert ihr mit Herbst und warum?

Ich für meinen Teil assoziiere mit Herbst unter anderem den bereits vor einigen Tagen angesprochenen Botrytis von Ginestet – ein sonnig-warmer französischer Herbst auf einem Weingut in den allerleuchtendsten Farben. Und vor allem L’Artisan Parfumeurs Tea for Two: Rauchig-dunkler und dampfend-warmer Earl Grey mit Bienenhonig, ideal nach einem Spaziergang im Herbstlaub.

Jetzt seid Ihr an der Reihe – ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Drei sind einer zuviel
Duftverzeichnis L – Z


Herbsttrend 2009 – Die Schulterpolster schauen mal wieder vorbei

Geschrieben in Allgemein am 15.09.2009

Geht es Ihnen auch so, dass Sie langsam das Wort Krise nicht mehr hören können? Täglich berichten die Medien, dass es langsam wieder bergauf geht, beziehungsweise jetzt erst richtig bergab, je nachdem welcher Experte gerade befragt wird. Sogar in hoch-seriösen Zeitungen erfahren wir – ob wir wollen oder nicht – wie die Krise unseren Alltag verändert. US-Sex-Guru Dr. Ruth Westheimer berichtete unlängst in der „New York Post“, dass die Libido der Männer sich im freien Fall befindet, wie der Dow-Jones-Index. Der britische „Daily Telegraph“ dokumentiert den Niedergang der Ausgeh-Kultur: Im Durchschnitt werde in Zukunft jeder vierte Brite aufgrund der Rezession pro Woche bis zu vier Stunden länger fernsehen, der Trend geht nämlich zum Cocooning, soll heißen, in der Krise bleiben mehr Menschen abends in den eigenen vier Wänden, wo es eben am Billigsten ist. Und wann das nächste Traditions-Unternehmen  insolvent sein wird, scheint nur eine Frage der Zeit.

Louis VuittonVerzeihen Sie mir bitte, dass ich also beim Thema „Mode“ nun auch noch mit der Krise anfange, aber wer einen Blick auf die aktuellen Herbst/Winter-Kollektionen wirft, kommt um das Thema nicht herum. Aber die gute Nachricht schon mal vorab: Es gibt gute Nachrichten!

Das Faszinierende ist, dass man– wie immer in schwierigen Zeiten -  an den aktuellen Modetrends auch die Stimmungslage der Menschen ablesen kann. In Zeiten der Krise verkaufen sich keine futuristischen, umständlichen Entwürfe. Wir sehnen uns stattdessen nach altbewährtem, nach kuscheligen, weichen, natürlichen Stoffen und Schnitten, in denen wir uns wohl und geborgen fühlen. Das letzte Beispiel für dieses Phänomen gab es 2001, als es nach den Anschlägen vom elften September statt High-Tech-Stoffen über Nacht einen Richtungswandel hin zu Hanf, Baumwolle und Seide gab, der im Grunde bis heute anhält.

Doch diesen Herbst haben sich viele Designer ein mutiges Symbol überlegt, um der globalen Wirtschaftskrise zu begegnen: Schulterpolster. Der Schrecken der Achtziger Jahre ist wieder da, übergroß und (manche mögen sagen: leider) unübersehbar. Aber ist das eine gute Nachricht, dass die „Shoulder-Pads“ wieder aus der Schublade geholt werden? Im Grunde, ja.  Denn wer einmal darüber nachdenkt, was die Designer uns damit sagen wollen, muss von der Idee eigentlich begeistert sein. Ob Stella McCartney, Sonia Rykiel, Balmain oder Givenchy – sie alle haben sich dem Retro-Look zugewandt, um der Frau sinnbildlich neue Kraft zu verleihen: Aufgepaßt, hier kommt jemand, der sich nicht so schnell umhauen lässt. Denn das ist der Ursprungsgedanke hinter den XXL-Schultern. Stärke zeigen! Jede Frau kann auf sich alleine aufpassen, sich behaupten und allen Krisen der Welt trotzen. Ha! Und auch wenn die Fashion-Bloggers rund um den Globus entsetzt aufschreien, weil die kastenförmige Schulterpartie wieder belebt wird, lohnt es sich doch, einen Augenblick über die Symbolkraft der Mad-Max-Pads nachzudenken. Und wer erst einmal einen Blick auf die wunderschönen Modelle zum Beispiel bei Louis Vuitton geworfen hat, muss zugeben: Back is beautiful.

Die Erfindung der Riesenschulter geht auf das 17. Jahrhundert zurück, als Militäruniformen und Adels-Mode mit auffallenden Drapierungen versehen wurden, damals als eine Art fragwürdiges Machtsymbol und Drohgebärde.  In den 1930er Jahren fanden die Schulterpolster dann ihren Eingang in die Modewelt der Neuzeit (unnötig, auf die damalige Wirtschaftskrise hinzuweisen, oder?), als MGM-Chefdesigner Gilbert Adrian den Hollywood-Star Joan Crawford aufrüstete. Designerin, und erbitterte Chanel-Kontrahentin, Elsa Schiaparelli folgte mit eigenen Entwürfen. Massentauglich? Damals noch nicht. Der Durchbruch kam erst mit der Denver-Klan-Ära in den 80’er Jahren. Grund damals, Frauen wie Männer optisch aufzuplustern? Wieder einmal finanziell angespannte Zeiten, die große Rezession.

louis-vuitton_20aNun hat uns wieder eine Krise fest im Griff, beherrscht Medien und Alltag, und prompt sind auch die „Puffis“ wieder da. Und die neuen Schulterpolster sind durchaus tragbar, allen Unkenrufen zum Trotz, da sie die Figur der Frau weniger erschlagen als in den 80ern. Die Silhouette 2009 ist schmaler als damals, weiblicher, weniger stämmig. Das schmeichelt durchaus, siehe Fashion-Vorbilder wie Katy Perry, Kate Moss oder Ashley Olsen. Und genau hier liegt der Kniff des Joan-Collins-Reloaded-Look: Versuchen Sie, NICHT wie Joan Collins auszusehen! Schulterpolster ergo nicht zum Anzug kombinieren, wie eine Uniform, sondern zu Polo-Shirts und zu weich fallenden Seidentops. Tragen Sie sie nicht zu knalligen Pep-Farben, sondern zu zarten Erdtönen, Grau und Schiefer. Dann sieht der Look modern aus, wirkt tatsächlich sehr feminin und wirkt überhaupt nicht nicht Lady-Gaga-Like.

Aber wie gesagt, es gibt auch noch ein paar Anti-Crisis-Nachrichten aus der Mode-Welt, wenn wir einen Ausblick in die Zukunft wagen:

Good News # 1:
Die kommenden Kollektionen für das Frühjahr 2010 zeigen, dass wir uns entspannen können. Die Krisenstimmung scheint vorerst gebannt zu sein. Alles wird gelassener, weicher. Schöne fließende Stoffe, eine runde, sinnliche Silhouette. Ohne XXL-Schultern. Kuschelig und praktisch zugleich, in dezenten, hellen Erdtönen. Die Modewelt spricht von „de-stressed“. Die politische Botschaft wird aber dennoch weiterhin visualisiert, kehrt aber zu grundlegenderen Problemen zurück, in Form von Accessoires – z-B. Tücher und Taschen mit „Save the Planet“-Aufdruck. Naja.

Good News # 2:
Mode wird bezahlbarer! Wenn die Konsumenten verstärkt auf das Geld schauen, müssen sich auch Götter des Mode-Olymps danach richten. Den Anfang machen Dolce&Gabbana. Für seine Frühlings-Kollektionen („Dolce&Gabbana“ und „D&G“) hat das Designer-Duo angekündigt, die Preise um 10 bis 20 Prozent zu senken. Eine vernünftige Idee, die wohl alle Fashionistas begeistern dürfte, unabhängig von etwaigen Geschmacksfragen. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend in den Köpfen möglichst vieler Labels einnistet.
Und schließlich -

Good News # 3:

Die gute Nachricht für alle, die gegen Schulterpolster sind: Nach dem Regen folgt die Sonne, das ist in der Welt der Mode nicht anders. Wenn die Talfahrt der Wirtschaft im nächsten Jahr nämlich tatsächlich vorbei sein sollte, können wir alle unsere Schulterpolster-Outfits zur Hand nehmen und in einem Akt der Erleichterung die Krisen-Airbags wieder herausreißen. Dann darf Frau wieder das schwache, süße Geschlecht mimen und die Männer werden zu ihrer alten Libido-Form zurückfinden. Versprochen.

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Duftjunkies zu Besuch bei Aus Liebe zum Duft
Alles Gute für das neue Jahr 2009!
Fremdgegangen…


Die Macht des Duftes – ein Gedankenspiel (3)

Geschrieben in Düfte am 14.09.2009

Kapitel III: Die Zukunft des Duftes

Erst einmal die Fakten: Ein Mensch nimmt nur knapp 350 verschiedene Duftmoleküle direkt wahr. Für jeden dieser Duft-Eindrücke besitzt er Riechzellen in der Nase. Gerüche setzen sich aber aus unzähligen Molekülen zusammen – wie eine Momentaufnahme eines ganzen Symphonie-Orchesters. So kommen wir auf ein „Vokabular” von geschätzten 10.000 Duftmustern.

Diese Vorgehensweise des menschlichen Riechorgans, aus einigen „Tönen“ ein Ganzes zu komponieren, könnte unser Multi-Media-Leben in Zukunft verändern. Wer im Internet auf die Website seines Lieblings-Restaurants geht, wird zum Beispiel vom Duft frischer Speisen begrüßt werden. Wer bei Aus Liebe zum Duft shoppen geht, könnte online alle Düfte probe-riechen. Spinnerei? Mag sein, aber doch schon „in-the-making“. In den USA wird gerade ein Produkt namens „ismell“ getestet, das an den Computer angeschlossen wird und dem Internet einen Geruch verpassen soll. Der Mini-Apparat kombiniert die in ihm enthaltenen Basis-Aromen zu über 2.000 Gerüchen. Diskutiert wird auch bereits die Verwendung als Begleit-Accessoire zu Video-Games. Dann haben wir bei Autorennen Chanel No 5den Geruch qualmenden Gummis in der Nase, bei Piraten-Strategie-Spielen den Pulverrauch aus zahllosen Kanonen. Auch nicht schlecht.

Und prompt gehen Produkt-Entwickler den logischen nächsten Schritt: Auch im Kino soll es riechen. „Smelling-Cinemas“ könnten schon bald die visuellen und akustischen Eindrücke mit olfaktorischen Reizen zu einem noch nie dagewesenen Gesamt-Erlebnis verpacken.

Und sogar ein medizinischer Nutzen der Aromatherapie wäre möglich. Ein deutscher Forscher hat ein Molekül entwickelt, das nach Jasmin duftet und schon an müden Mäusen durchschlagende Erfolge brachte: Wenn die Mäuse das müde machende Molekül riechen, schlafen sie sofort ein. Einen ähnlichen Effekt könnte der Duft bei Menschen haben und sogar zehnmal so stark wie Valium wirken…

So, wieso habe ich das nun alles erzählt? Weil mir der Duft dieser Dame in der U-Bahn nicht mehr aus dem Kopf geht. Weil ich mich ständig frage, woher ich diesen Geruch kannte und wieso er so eine Wirkung auf mich hatte. Das will mir zwar a-b-s-o-l-u-t nicht einfallen, aber dafür habe ich jetzt so viel nachgedacht über die Wirkung von Düften, dass ich eines weiß: Wenn ich die Dame wieder sehen sollte, werde ich sie doch ansprechen. Ich werde sagen: „Entschuldigen Sie, ich mag Ihr Parfum“ und aussteigen. Und ohne mich umzudrehen weiß ich doch, dass die mürrische Dame lächeln wird. Denn – Technik und modernes Marketing hin oder her – das ist für mich die Wirkung von Düften: sie schmeicheln wie ein schönes Kompliment, das man morgens überraschend in einer überfüllten U-Bahn bekommt.

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Ganz schön Feige.

Geschrieben in Duft,Fruchtiges am 12.09.2009

Feigendüfte gelten unter Duftfans als besonders spezielle Vertreter der Kategorie der fruchtigen Düfte. Der Feigenbaum, die Feige, aus dem Mittelmeergebiet stammend, zählt nicht nur zu den ältesten domestizierten und kultivierten Nutzpflanzen – olfaktorisch betrachtet spaltet sie ebenso wie historisch-symbolisch die Gemüter: Entweder man liebt, verehrt sie, oder man verachtet sie.

FeigenparfumSo empfinde ich es zumindest immer, begebe ich mich in die Untiefen des Internets und dessen Parfumforen: In schöner Regelmäßigkeit kommt das Thema Feige auf den Tisch, ein Teil der Diskutanten ist dann gleich wieder weg und der andere immer und immer wieder auf der Suche nach der oder auch „nur“ einer weiteren Feige. Und derer gibt es genug, vor allem auch in ganz unterschiedlichen Ausprägungen: Grüne Früchte, (noch) unreife Früchte mit salziger Komponente, milchig, reife Exemplare von süßer Fruchtigkeit et cetera…

Für mich auf jeden Fall ein Grund, mich einmal näher mit dem hübschen Maulbeergewächs auseinander zu setzen, gibt es doch, seit Olivia Giacobetti mit L’Artisan Parfumeurs Premier Figuier den Feigenhype ins Rollen brachte, diverse Kandidaten, die näherer Betrachtung lohnen…

L'Artisan Parfumeur - Premier FiguierDem ersten gebe ich auch zuerst die Ehre oder vielmehr: meine Nase. Premier Figuier (1994) ist gemeint, der, als erster Feigenduft geltend, eine ganze Welle an Parfums nach sich zog, die als Hauptprotagonist oder auch in einer Nebenrolle eine Feige ihr Eigen nannten. Giacobetti, die Parfumeurin, bekennt sich zur Feige als ihrem Glücksbaum und benennt Kindheitserinnerungen an einen warmen Sommer unter Feigenbäumen als Inspiration für ihren Duft.

Und in der Tat vermag es Premier Figuier die Feige, den Baum als Ganzes gekonnt einzufangen: das blattgrüne Laub, welches einem förmlich entgegenrankt genauso wie das sonnenwarme Holz und die Früchte, zum Teil noch grün und milchig, zum Teil aber auch schon satt-reif. Garniert mit einem Hauch Kokos sowie unterlegt von einer Ahnung süß-warmer Mandel und etwas Sandelholz ist Premier Figuier ein gelungenes und bis heute innovatives mediterranes Stillleben. Bemerkenswert auch, daß die Kokosnoten sehr gekonnt ausbalanciert sind und durch die feine, herb-süße Feigenfrucht sowie die grünen Noten eine gelungene Abrundung erfahren. Der Duft könnte insofern auch denjenigen gefallen, die um eine allzu präsente Kokos normalerweise einen Bogen zu machen pflegen.

Nicolai - Fig TeaDer nächste Testkandidat ist Patricia de Nicolaïs Fig Tea (2000), ein Duft aus der Eau Fraiche-Linie, die speziell für den Sommer konzipiert wurde. Alle dieser Düfte dürfen und sollen gerne auch großzügig verwendet werden aufgrund ihrer bewußt leichten Konzentration.

Die Ingredienzen: Kopfnote: getrocknete Feige, Osmanthus, Davana; Herznote: Maté, Koriander, Jasmi; Basisnote: Guajakholz, Ambra.

Fig Tea beginnt weißfloral mit weich-cremigem Osmanthus. Dieser wird ergänzt durch fruchtige Akzente, die eine deutlich wahrnehmbare Mangonote offenbaren – verursachendes Element hierfür ist Davana: die Essenz der indischen Pflanze weist geruchlich starke Ähnlichkeiten zu dieser Frucht auf. Zarter Jasmin gesellt sich ein wenig später hinzu, darüber hinaus kommen die Namensgeber zum Vorschein: grüne Matéteenoten sowie eine fruchtige, aber dezente frische Feige.

Fig Tea ist ein Duft wie ein leichter Sommerwind – leicht und unbeschwert weht er einen Hauch voller Blüten und fruchtig-exotischer Süße herüber, während die Teenoten für die nötige Frische sorgen. Der Duft ist ein sehr tragbarer, sommerlicher Kandidat für Freunde von leichten, fruchtig-floralen Düften – wer allerdings einen sich monothematisch um die Feige rankenden Duft erwartet, sollte besser zu einem anderen Feigenkandidaten greifen. Die Feige ist hier zwar Orchestermitglied, spielt aber nicht die erste Geige.

Miller Harris - Figue AmereAls dritte im Bunde gesellt sich Miller HarrisFigue Amère (2002) zu unserem Feigenreigen. Diese Feige nun, von Haus aus als Unisex-Duft konzipiert, ist ein ganz anderes Kaliber: Nomen est omen – Figue Amère ist ein auf den ersten Blick bitteres Früchtchen. Inspiriert wurde die Parfumeurin Lyn Harris dazu von den Feigen auf Ibiza: Bitter und zum Teil noch grün, offenbaren sie eine ganz besonderen Kontrast von frischer Fruchtigkeit und einer gleichzeitigen Salzigkeit im Geschmack – dieser speziellen Ambivalenz wollte Harris mit Figue Amère Ausdruck verleihen.

Ambivalenz ist im Zusammenhang mit Figue Amère ohnehin ein äußerst treffender Begriff, offenbart der Duft doch verschiedenste Seiten. Zuerst einmal die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Mandarine; Herznote: Narzisse, Rose, Veilchenblätter; Basisnote: Zedernholz, Ambra, Seemoos.

Figue Amères zitrischer Auftakt hält nicht lange vor und überläßt so alsbald ausgeprägten grünen Noten die Bühne. Diese wird von einer grünen Feige, Blättern, grasigen und floralen Noten bestritten, wobei letztere dem Ganzen eine Art ätherische Tiefe verleihen. Die versprochene Salzigkeit ist dezent wahrnehmbar, darüber hinaus aber eine leicht bittere Herbe. Die Blüten geleiten den Duft in seine Basis, die sich überraschend warm und holzig präsentiert: Ambra und Zedernholz, die Verantwortlichen, schaffen einen trocken-holzigen, aber dennoch pudrig-warmen Eindruck.

Figue Amère ist, ich will es nicht verhehlen, ein sehr spezieller Duft und somit sicher nicht jedermanns Fall. Eine erwachsene Feige, die in Ermangelung der sonst so oft in Feigendüften Verwendung findenden Kokosnote im Vergleich mit ebenjenen viel weniger foody ist, was sie meines Erachtens nach nicht minder interessant macht, ganz im Gegenteil. Bei mir ruft sie darüber hinaus auch immer die Verquickung von Feige und Meer wach – eben durch jene besondere Salzigkeit sowie den aromatisch-grünen Charakter des Duftes. Auch vermag ich in der eher dunklen Basis einige animalische Momente zu entdecken. Der Duftverlauf insgesamt ist sehr komplex und aufgrund seiner Wendungen und Wandlungen wie bereits erwähnt sehr ambivalent – ein Test auf der eigenen Haut insofern für einen Kauf unerläßlich. Für mich ist Figue Amère in jedem Fall eine gelungene Abwechslung, ein bemerkenswert „anderer“ Vertreter in der mittlerweile doch ziemlich großen Riege der Feigendüfte.

Ganz schön feige geht es auch nächste Woche nochmals weiter, denn ich bin noch nicht am Ende angekommen mit den Feiglingen – es folgen unter anderem noch: A la Figue von Satellite, Profumums Ichnusa, Parfumerie Générales No. 16, Diptyques Philosykos.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Echte Kerle: Der Yuzu-Mann von Caron
Noch mehr Feiglinge und eine Liebeserklärung.
Neues…


Von gutem Alkohol und noch besseren Düften oder: Ein Humanist aus dem Hause Frapin…

Geschrieben in Duft,Grünes,Hesperiden am 10.09.2009

„Schuster bleib bei Deinen Leisten“ – ein Sprichwort aus dem Volksmund, das fast jedem von uns geläufig sein müßte. Oft trifft es gerade im Parfumbereich zu, denkt man mal an viele der eher belanglosen Signaturedüfte mancher Schauspieler(innen).

Daß der Volksmund trotzdem nicht immer recht behält wissen wir auch alle. Nichtsdestotrotz wunderte ich mich bereits vor Jahren darüber, daß gerade einige renommierte Hersteller von Alkoholika derart schöne Düfte auf den Markt brachten, die zum Teil bereits zu Klassikern avancierten und ihresgleichen suchen.

ginestetMan denke dabei nur an das Weingut Ginestet und seine drei Düfte Sauvignonne, Le Boisé und Botrytis, von denen vor allem letzterer die Herzen vieler Parfumfreunde gewinnen konnte. Von satter Honigfarbe verspricht die Optik des Duftes nicht zuviel – an einen likörig-süßen Met erinnernd zeichnet Botrytis olfaktorisch einen Herbst in Frankreich in den sattesten Farben nach: Rot-gelbes Laub, endlose Landschaft, Weingüter, warme Herbstsonne, getrocknete Früchte und ein Glas goldener Honigwein – so schön kann das Leben und vor allem auch ein Duft sein ;) Deshalb ist Botrytis, obgleich eigentlich kein für mich typischer Duft ein ständiger Begleiter, den ich vor allem im Herbst wahnsinnig gern trage und der mich nicht nur tagsüber sondern oft auch abends ins Bett begleiten darf.

Oder Courvoisier, französischer Traditionshersteller von Cognac und bereits vom Rapper Busta Rhymes in einem Song verewigt: Deren Signatureduft L’Édition Imperiale zählt für mich zu den vielen völlig verkannten Kleinoden im (Nischen)Duftbereich. Gerade bei diesem Duft frage ich mich immer wieder, weshalb er nicht mehr Freunde hat – oder zumindest keine Freunde, die ihn offensiv auf den üblichen verdächtigen Duftforen loben. Es scheint ihn fast keiner bei sich zu Hause stehen zu haben, dabei erfüllt er einige Kriterien und besitzt diverse Ingredienzen, die ihn für ein bestimmtes Duftklientel durchaus sehr habenswert machen müßten: Rauchiger Tee in Kombination mit Zeder, dezente florale Elemente und ein Hauch (Wild)Leder sowie (ge)würzige Noten von Koriander und Kardamom schaffen ein ausbalanciertes und edles Düftchen, das – nehmen wir mal den (Hoch)Sommer aus – ein sogenannter Immergeher sein müßte.

Aber genug von „den anderen“ geredet – eigentlich wollte ich auf Frapin heraus, neben Courvoisier ebenfalls ein renommierter Cognacfabrikant aus Frankreich.

Auch Frapin hat sich mit seinem ersten Duft namens 1270, welcher 2002 erstmalig lanciert und 2008 neu und in unveränderter Rezeptur wieder aufgelegt wurde, einen breiten Freundeskreis geschaffen. Getragen von der Intention, die Besonderheit des Cognacs einzufangen, an die Wurzeln des Familienunternehmens erinnernd und darüber hinaus eine Hommage an die Rebsorte Folle Blanche darstellend wird 1270 diesen Ansprüchen vollauf gerecht. Ein praller reichhaltiger Duft, der zwischen gourmandig-likörig-süßen Noten samt getrockneter Früchte und holzig-aromatischen sowie gewürzigen Noten oszilliert und somit Bilder heraufbeschwört: Dasjenige eines Glases besten Cognacs zum Beispiel, genossen vielleicht in einem dazu passenden Herrenzimmer inklusive samtener Vorhänge, einer großen Bibliothek, eines prasselnden Kamins und den obligatorischen, aus dickem englischem Leder gefertigten Chesterfieldsitzmöbeln , auf denen sich ebenjener Cognac hervorragend genießen läßt. Als genauso zeitlos und klassisch wie diese Vorstellung, empfinde ich 1270, der jedoch, genauso wie das eben nachgezeichnete kontemplative Moment, für jeden Tag ein bißchen zu schade und auch ein bißchen zu ausgefallen scheint.

Hier noch die Ingredienzen: Kopfnote: kandierte Orange, Nuss, Rosine, Backpflaume, Kakao, Tonkabohne, Kaffeebohne; Herznote: Weinblüte, Sand-Strohblume, Lindenblüte, Pfeffer, Gewürze; Basisnote: Hölzer, Guajakholz, Honig, Vanille

Das Haus Frapin beließ es allerdings nicht bei einem (Signature)Duft, bereits 2007 folgten vier weitere Parfums: Caravelle Epicée, Esprit de Fleurs, Passion Boisée und Terre de Sarment.

2009 nun endlich folgte ein weiterer (Herren)Duft mit dem schlichten aber dennoch aussagekräftigen und außergewöhnlichen Namen L’Humaniste – der Humanist.

Meine Erwartungen waren einigermaßen hoch – aus zweierlei Gründen: Erstens, das dürfte man bereits aus meinen obigen Beschreibungen herausgelesen haben – ich mag die Düfte von Frapin. Und zweitens, ein ganz irrationaler Grund: Mich erinnerte der Name des Humanisten an den von mir sehr geschätzten, aber leider nicht wirklich verbreiteten Anarchisten von Caron (2000).

Mit seinem Namen nun hat sich der Humanist ein ziemlich gewichtiges Erbe auf die Schultern gepackt ist der Duft doch, wie das Haus Frapin vermerkt, eine Hommage. Eine Hommage im speziellen an François Rabelais, der französische Prosa-Autor der Renaissance und Mitglied der Frapinschen Familie, sowie im generellen an den Humanismus an und für sich.

humanisteDer Humanismus als eine Weltanschauung entstand vornehmlich aus der Philosophie, genauer: der abendländischen Philosophie. In der Antike durchdacht, geprägt und vor allem auch: niedergeschrieben zieht sich dessen Geisteshaltung quer durch die Geschichte bis in unsere heutige Zeit, was nicht weiter verwunderlich ist. So propagiert der Humanismus, dessen Grundfragen sich mit der Beschaffenheit des Menschen befassen, doch Würde, Freiheit und die Interessen des einzelnen Menschen und zielt auf die Weiterentwicklung der Menschheit sowie das Glück des Einzelnen – ergo ein ziemlich aktueller Ansatz, auch und vor allem im Hinblick auf die humanistischen Grundprinzipien der Toleranz, der Gewaltfreiheit, der Güte, des Mitgefühls und der (Gewissens)Freiheit.

Aktuell und zeitgemäß soll nun auch der Humanist sein. Von Jeanne-Marie Faugier aus dem Hause Robertet kreiert steht er laut Frapin für den wahren Geist, die Essenz des Humanismus, eines modernen Humanismus und ist deshalb gedacht für einen Mann, der sich (diesen) Idealen und Werten verpflichtet sieht und ein Bewußtsein für Qualität besitzt.

Zutaten für ebendiesen Mann und/oder Duft sind: Gin, Wacholder, Zitrone, Bergamotte, Thymian, Tonkabohne.

Der Beginn spritzig-frisch zitronig und mit deutlichen Anleihen an einen klassischen Gin Tonic – womit, wie der aufmerksame Leser bemerken wird, wir mal wieder beim Thema Alkoholika wären ;) Das darauffolgende Herz des Duftes ist aromatisch-grün mit würzig-krautigen Anleihen: Wacholder ist als Note deutlich wahrnehmbar, eine seltene aber doch so schöne Ingredienz. In der Basis wird der Duft von Tonkabohne aufgefangen, die hier allerdings keine übertrieben pudrige Konsistenz an den Tag legt sondern vielmehr würzig-vanillig das Herz des Duftes aufgreift, (er)wärmt und unterstreicht.

Meines Erachtens nach ist der Humanist beziehungsweise dessen Vorstellung sehr gut getroffen. L’Humaniste brilliert mit zwei sich perfekt ergänzenden Aspekten: Zum einen (s)einer frisch-spritzigen, ich nenne es mal salopp: GinTonic-Seite, die im Duftverlauf einen grün-aromatischen Anstrich erhält – hier kommt für mich der Aspekt des modernen Open-Minded-Freigeistes zum Tragen. Die andere Seite, die durch den Verlauf von Herz- zu Basisnote repräsentiert wird, zeigt sich aromatisch-vanillig und würzig-warm – für mich ein Synonym für Werte, Ideale und Traditionsbewußtsein sowie eine Portion Bodenhaftung.

In meinen Augen ein sehr schöner Understatement-Herren-Duft, der mich ein wenig von Idee, Machart und Verlauf an Royal Heroes 1805 von Washington Tremlett erinnert und meines Erachtens nach auch für Freunde des von mir immer hochgelobten Signaturedufts von Mark Birley einen Test wert sein dürfte.

Ach, und ganz nebenbei: Ich bin kein „Herr“ und schäme mich nicht, den Humanisten auch zu tragen ;) Ich finde ihn für Frauen problemlos ebenfalls tragbar.

So – nachdem ich nun diesen Beitrag beendet habe, vielfältig duftende Arme mein eigen nenne möchte ich noch genau zwei Dinge loswerden: 1.) Vive la France! – liebe Hersteller von Luxusalkoholika, von mir aus dürft ihr gerne weitermachen mit den Düften und uns noch ganz viele neue davon bescheren, gesetzt den Fall, sie bleiben in derselben Qualität wie die oben angesprochenen und 2.) werde ich mir jetzt, wo ich schon die ganze Zeit über Alkohol philosophiert habe, einen GinTonic genehmigen – Prost!

Auf bald,

Eure Uli.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Es war einmal
Frapins neueste Ausschweifungen…
Six Scents Series 2 – der 3. und letzte Streich.


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